Archive for April, 2008
Hey…
…liebe alte Freunde vom “Maxdome”, dass eure Filme immer noch nicht downloadbar sind, geschenkt. Aber dass das Teil nicht auf dem Firefox läuft, das meint ihr doch wohl nicht so ganz ernst, oder?
Kampf verloren, nix gemerkt
Dem Printmedium als solches geht es nicht so richtig gut. Das ist eine Erkenntnis, für die man heutzutage nirgends mehr bestaunt oder beklatscht wird. Das ist einfach Fakt. Ebenso, wie es Fakt ist, dass man ohne eine halbwegs intelligente Digitalstrategie die Zukunft nicht mehr erleben wird. Den Kampf gegen das Internet haben die Zeitungen verloren. Es wird sie weiter geben, natürlich und Gott sei Dank, aber mit deutlich geschrumpfter Bedeutung und mit einer veränderten inhaltlichen Ausrichtung. Wenn es jetzt schon eine “Nationale Initiative Printmedien” gibt, die in irgendwelchen Ministerien angesiedelt ist, dann wirkt das ein wenig so wie die damalige etwas verspätete Einsicht der Titanic, dass es möglicherweise doch kein Fehler wäre, allmählich SOS zu senden.
Prima lässt sich über die Ursachen dieser Entwicklung debattieren. Susanne Gaschke von der “Zeit” beispielsweise meint, man müsse schon auch daran glauben, dass die Zeitung mehr zu bieten habe als das “Informationsfrikassee” aus dem Internet. Dass genau diese immer noch durchaus verbreitete Geisteshaltung das Problem vieler Printredaktionen ist, hat Frau Gaschke offenbar noch niemand gesagt. Dieser immer noch verbreitete Glaube, Onlinejournalismus sei Journalismus zweiter Klasse, diese immer noch vorhandene und durch nichts zu begründende Arroganz, die verzweifelten Versuche, den eigenen Bedeutungsverlust einfach zu negieren und zu ignorieren – genau das führt dazu, dass viele Zeitungen von den Entwicklungen der digitalen Welt abgekoppelt sind.
Und wenn man das gesamte Zitat von Susanne Gaschke liest, dann wird man Zeuge eines unfreiwilligen Eingeständnisses, dass hier jemand die wichtigsten Entwicklungen der Medienwelt einfach nicht verstanden hat und immer noch glaubt, man müsse dem leicht muffigen Wohnzimmer einfach mal einen neuen Anstrich verpassen, um es wieder im alten Glanz erstrahlen zu lassen – selbst dann, wenn unter dem Putz schon der Schimmel wuchert (Zitat aus kress.de):
“Zeit”-Redakteurin Gaschke kritisierte die um sich greifende “Ideologie des Digitalismus”, nach der technischer und gesellschaftlicher Fortschritt zusammenfallen. Auch bei Verlegern und Journalisten verfange diese Ideologie zunehmend, das “Geraune irgendwelcher Blogger” werde auch in den eigenen Reihen teilweise für erfolgreicher gehalten als das Geschäft mit gedruckten Medien. “Wir müssen wirklich daran glauben, dass die Zeitung mehr zu bieten hat als das Informationsfrikassee aus dem Internet. Aber tun wir das?”
Videotrash
Vermutlich muss man sich das momentan so vorstellen: Irgenjemand in einer Onlineredaktion hat gelesen, dass Videos hip seien, irgendwie. The next big thing, sozusagen. Dann beschließt man im mittlgroßen Kreis, dass man dieses “spannende” Medium auch mal ausprobieren müsste. Was man dann auch tut und bei der anschließenden Manöverkritik in ein interessantes Fahrwasser kommt: Man beschließt nämlich kurzerhand, jeden noch so offensichtlichen handwerklichen Fehler damit zu entschuldigen, dass das ja “nur fürs Internet” war. Und weil man bei der Produktion von Videos und Filmen ganz erstaunlich viele Fehler machen kann, hört man den Satz, es sei ja nur fürs Web, ebenso erstaunlich oft.
Und was man das nicht alles sieht: verwackelte, ungeschnittene Bildchen, Vertonungen, dass es einem die Löffel weghaut, gewagte Kameraeinstellungen, kurzum: fröhliches Dillettieren, manchmal auch ohne fröhlich. Man mag dem Ganzen bei YouTube ja stellenweise noch einen gewissen Charme zubilligen und die Videos als ein eher anarchisches Medium betrachten, aber auf Dauer würde man dann doch gerne Videos von Leuten sehen, die ihr Handwerk einigermaßen beherrschen. Sogar im Web.
Gleichzeitig würde man sich auch über jemanden freuen, der sich mit der ernsthaften Weiterentwicklung von Videos im Netz ein paar Gedanken macht. Weil umgekehrt ja auch die pure Transformation des konventionellen TV-Videos ins Netz nicht so richtig spannend ist, davon abgesehen, dass es ein paar gute technische und inhaltliche Gründe gibt, warum bestimmte Sachen aus dem “großen” Fernsehen auf einem kleinen Flashplayer oder dem iPod nicht so wirklich gut funktionieren. Solche Formate (weiter-)zu entwickeln, das wäre mal eine echte Perspektive. Mag aber keiner so recht, was vermutlich mal wieder auch dem Schmarrn der IVW-Zählung geschuldet ist: Ein noch so gutes Video (und wer schon mal gedreht hat weiß, welchen zeitlichen Aufwand das in der Regel erfordert) bringt eben nur einen einzigen Pageview. Da ist die Bildergalerie schneller gemacht, bei ungleich mehr PI´s.
WP 2.5
So großartig wie ich WordPress sowohl als Software wie auch als Projekt halte: Die 2.5-Version ist, nun ja, mit kuriosen Ergebnissen gesegnet. Wie man jedenfalls bei einer Browserversion auf zwei Rechnern bei zwei Bilderuploads völlig unterschiedliche Ergebnisse bekommen kann, wissen nur die Götter.
Aus der Reihe: Bin ich froh, kein ITler, sondern Journalist geworden zu sein.
Der Postillion
Ein publizistisches Hochglanzunternehmen (Post) holt sich einen publizistischen Hochglanzchefredakteur.
Es gibt einfach Konstellationen, bei denen man hohe Beträge auf deren Scheitern verwetten möchte.
PS: (Vorsicht, nur halblustiger Insider): Ganz generell scheint ein publizistisches Engagement bei der Post das nahe Ende journalistischer Laufbahnen einzuläuten. Und das ist leider kein Einzelfall, wie Ede Zimmermann immer zu sagen pflegte).
Public Value
Gemessen daran, dass wir Medienmenschen eine vergleichsweise kleine Gruppe sind, beschäftigen wir uns seit jeher gerne mit uns selbst. Fachzeitschriften, Branchendienste, Fernseh- und Radiosendungen; die Chancen, irgendwann mal in einem branchenspezifischen Magazin erwähnt zu werden, sind nirgends so groß wie in unserer Branche.
Gleichzeitug reden wir momentan mal wieder viel über den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und was der soll und darf, wir reden über seinen Auftrag, seine gelegentlich ein wenig ausufernden Strukturen und über “public value”.
Zusammen genommen gibt dies ein lustiges Gemisch, wenn man beispielsweise das Medienmagazin des BR und des WDR aus dieser Woche nimmt. Agenda WDR (u.a.): re:publica in Berlin, Mainzer Tage der Fernsehkritik. Themen beim BR (u.a.): re:publica in Berlin, Mainzer Tage der Fernsehkritik. Nimmt man dann noch das Medienmagazin von Radio eins dazu, dass sich, man glaubt es kaum, mit der re:publica berschäftigt, dann kommt man in der Tat auf einen verblüffenden public value. Über die uns eigene Neigung zur Selbstreflektion reden lieber erst gar nicht…
PS: Beitrag entstand im ICE. Wacklig. Tippfehler sind möglicherweise den Gleisen der Bahn geschuldet.
Die exklusiven Ansichten des BR
Das Angenehme am Bayerischen Rundfunk ist ja irgendwie, dass er erst gar nicht großartig versucht, seine Nähe zu der Partei, die das schöne Bayern erfand, zu bestreiten. Besonders lieb haben muss man den BR dafür an Tagen wie dem heutigen, wenn die Bayerische Landesbank einräumen muss, über 4 Milliarden Euro in der Kreditkrise versemmelt zu haben. Schaltgespräch (eine übrigens meistens inhaltlich sinnlose Übung) zwischen Bayern 3 und einem Korrespondenten, das irgendwann in der vorsichtig formulierten Frage mündet, es habe das ja auch in der Vergangenheit ein kleines bisschen Kritik am CSU-Vorsitzenden Erwin Huber gegeben (für Nicht-Eingeborene: Huber ist stellv. Vorsitzender des LB-Aufsichtsgremiums und hat noch bis zum Februar behauptet, es gäbe keine belastbaren Zahlen zu den Verlusten der BayernLB; im Landtag ist inzwischen zu dem Thema ein Untersuchungsausschuss eingesetzt) – jedenfalls, so die todesmutige Frage des Bayern3-Moderators: Ob diese neuen Zahlen denn irgendwie Auswirkungen für Huber hätten. Nein, beeilt sich der Korrespondent zu sagen, nein, ganz im Gegenteil: Huber habe heute Rückenwind bekommen, weil die Bank die gesamte Verantwortung für das Milliarden-Desaster auf sich genommen habe.
Dann wünschen wir dem BR mal, dass ihm diese ziemlich exklusive Einschätzung des heutigen Tages nicht ziemlich schnell um die Ohren fliegt…
PS: Hab´mit mir gerungen, das hier überhaupt zum Thema zu machen. Ich meine, wer nimmt ernsthaft Dudelfunk ernst bzw. billigt ihm Relevanz zu? Auf der anderen Seite gibt´s jeden Tag ein paar hunderttausend Leute, die ihre rudimentären News aus Nachrichtenattrappen wie dieser beziehen.
Kreative Überschriften
Man halt es als Sportjournalist auf dem Boulevard nicht leicht. Immer wieder Spekaulationen, Gerüchte und der Wunsch der Leser (und des Chefredakteurs), täglich so viel wie möglich aus der bunten Glitzerwelt des FC Bayern zu erfahren. Noch dazu, wo doch jetzt der traditionell verschwiegene und dem Boulevard wenig zugetane Klinsi nach München kommt. Und dem die Bayern aus der Hand fressen. Was Klinsi sagt, ist Gesetz – und weil Klinsi immer weniger sagt, sagen auch die Bayern immer weniger, künftig vermutlich sogar nur noch gegenüber sehr ausgewählten Journalisten, die in der Vergangenheit dem FC Bayern, nun ja, freundlich gesonnen waren.
Immer weniger Futter also, immer mehr, die sich ums Futter streiten – und da darf man sich dann auch nicht wundern, wenn Überschriften zu einem eher spekulativen Thema gewisse Ähnlichkeiten aufweisen…
Reingezoomt in den Boulevard
Das Topthema: Champions League. Danach: der große Städtevergleich. Und dann eine Geschichte über Mariah Carey, die “auf dem Höhepunkt” ihrer Karriere stehe. So beginnt aktuell der Tag bei zoomer.de und irgendwie wirkt mittendrin Uli Wickert mit seiner Videokolumne über den Nato-Beitritt über die Ukraine und Georgiens wie ein Landpfarrer, der sich versehentlich unter eine hiphoppende Gang aus Marzahn gemischt hat.
Bleibt die Vermutung, dass man sich von hehren journalistischen Grundsätzen bei zoomer.de bereits verabschiedet hat. Eine auch nur halbwegs ernstzunehmende Nachrichtenagenda – selbst für ein junges Publikum – sieht ein wenig anders aus.
Quote und Qualität
Zugegeben, das ist so ziemlich die blödeste Überschrift, die man machen kann. Klingt nach irgendeinem Seminar für Zweitsemester, gehalten von einem drögen Prof, der irgendwelche weltfremden Theorien entwickelt, die man ziemlich genau bis zum Beginn des ersten Praktikums für einigermaßen relevant hält. Spätestens dann steht man vor dem Dilemma, mit dem sich fast alle von uns irgendwann mal auseinandersetzen müssen: Ist mir meine Quote wichtig – oder eben doch die Qualität (whatever this means)?
Das klingt zunächst einmal nach einer Frage, die keine ist. Schließlich sind wir ja alle aus hehren Grundsätzen heraus Journalisten geworden, nicht wahr? Allerdings, wenn ich die zurückliegenden Jahre meines Berufslebens (und das sind inzwischen doch einige) so betrachte, dann wird mir klar, dass meine Eitelkeit sich des öfteren ihren Weg gebahnt hat und ich den Verlockungen der Quote erlegen bin. Ja, verdammt: Manchmal hat es mich interessiert, dass eine möglichst hohe Zahl von Leuten mein fabuloses Meisterwek bewundert, auch wenn es dann kein Meisterwerk geworden ist, weil ich ja wollte, dass es möglichst viele konsumieren.
Vermutlich wird das Dilemma so schnell auch nicht aufzulösen sein, zumindest habe ich keine Idee wie: In dem Augenblick, in dem ich wahlweise meinen Hang zu möglichst großer Öffentlichkeit oder einen kommerziellen Aspekt (oder gar beides) vor Augen habe, muss ich Kompromisse machen, Selbst dann, wenn ich unter dem Label eines vermeintlichen Qualitätsmediums schreibe und arbeite. Wenn ich mir beispielsweise die aktuelle Agenda von Spiegel online ansehe, dann entecke ich momentan:
- Hillary Clinton in Geldnot (Aufmacher)
- Die schönsten Aprilscherze im Netz
- Heather Mills wettert gegen Richter
- Die lustigsten Fußball-Fernsehpannen
- Das großes Achilles-Laufquiz
Überschneidungen mit der aktuellen Agenda von FAZ.net: 0,5 (die Geschichte mit den Aprilscherzen ist bei der FAZ in abgewandelter Form auch zu lesen). Überschneidungen mit der aktuellen Agenda von zeit.de: 0. Und wenn die geneigten Leser dann noch bei ivw.de einen Blick in die Klickzahlen dieser drei werfen wollen würden…
Bleibt die Feststellung, dass man wohl Boulevard machen muss, wenn man Quote machen will. Die Ausnahme bestätigt zwar wie immer die Regel, dennoch: Mit dem Quoten-Dilemma werden Journalisten sich vermutlich bis ans Ende ihrer Tage rumschlagen. Was wiederum die Idee des Blogens so sympathisch macht: Ob dieses Posting hier jetzt einer, zehn oder hundert Leute lesen, liebe Leser, nicht böse sein, aber ehrlich gesagt: Das ist mir völlig wurscht. Nach einigen quotengetriebenen Jahren ein gar nicht hoch genug zu schätzender Luxus.