Archive for Mai 19th, 2008
DasErste-Mediadurcheinander
Nach ausgiebiger Betrachtung der ARD-Mediathek jetzt endlich dazugekommen, auch die Mediathek von “Das Erste” zu begutachten. Bevor Sie wegklicken: Die Mediathek der ARD und vom “Ersten” sind keineswegs identisch. Ich habe sogar mal eine Begründung dafür gelesen, habe sie aber nicht verstanden und empfehle deswegen die für alle Fälle greifende, unschlagbare Logik von Edmund Stoiber: Weil das ja klar ist.
Und weil das ja klar ist, nimmt man langmütig auch hin, was die ARD – pardon: das Erste da abliefert. Kurz gesagt: Zwei Studenten aus dem ersten Semester hätten es besser hinbekommen. Jetzt, Montag mittag, werden als neueste Videos u.a. “Das Wort zum Sonntag” und der Börsenbericht vom vergangenen Freitag annonciert, außerdem gibt es eine Zusammenfassung der letzten Ausgabe von “Verbotene Liebe”. Viel Verbotenes kann da allerdings nicht passiert sein, die Folge lässt sich nämlich in 31 Sekunden erzählen. Immerhin fragt die ARD – pardon: Das Erste – freundlich nach: Möchten Sie dieses Video weiterempfehlen?
Wenn Sie dann schon nix weiterempfehlen wollen, dann hat die ARD – pardon: Das Erste – noch einen Tipp für Sie. Die Nominierung von Jogi Löws EM-Kader. Das ist zwar fast 9 Minuten lang, ziemlich ungeschnitten, live kommentiert und außerdem schon vier Tage alt, aber man wird ja nicht kleinlich sein: Bekanntlich kann man sowas gar nicht oft genug sehen.
Kurz gesagt also: Nicht eine, nein gleich zwei echte Video-Qualitätsinseln, die die ARD und die ARD – pardon: Das Erste – aufgestellt haben. Und den Mut muss man ja erst einmal haben, etwas online zu stellen, was vorher offensichtlich keinerlei Funktionskontrolle unterzogen wurde.
Geschichten mit Bildern
Man könnte, ganz generell betrachtet, aus guten Fotos eine Menge machen. Viel mehr als beispielsweise in Zeitungen, wo man natürlich auch schon lange entdeckt hat, wie wichtig und letztendlich auch spannend gute Bilder sein können – nur hat man da ein ganz banales Problem: Platz.
Onlinemedien sind da eindeutig besser dran. Platz ist definitiv kein Kriterium mehr und in Zeiten digitaler Bildbearbeitung hält sich auch der zeitliche Aufwand stark in Grenzen. Manchmal allerdings befürchte ich, dass genau diese beiden (vermeintlichen) Vorteile dem Arbeiten mit Bildern im Onlinejournalismus ganz und gar nicht zugute kommen. Im Gegenteil, manches ist eher kontraproduktiv. Und wenn es jetzt auf dieser kleinen Seite mal wieder um die Bildergalerien geht, dannm gar nicht mal wegen der oft beklagten Klickschinderei. Sondern deswegen, weil es ein Jammer ist, wie lieblos man in Deutschlands Onlineredaktionen mit dem Medium Bild umgeht.
Schönes Beispiel: das grimmenominierte “einestages” von SPON mit einer Bildergalerie zum Thema Trikotwerbung. Gut, man kann ohnedies darüber streiten, inwieweit das noch etwas mit Zeitgeschichte zu tun hat. Aber selbst wenn man einräumen würde, dies sei Zeitgeschichte, so staunt man doch, wie wahllos die Bilder aneinandergereiht werden. Statt eine Geschichte zu erzählen, statt irgendeine stringente Handlung zu entwickeln, wirft man alles in die Galerie, was irgendwie mit Trikots und Werbung zu tun hat, darunter einige wirklich erstaunliche Belanglosigkeiten.
Art Director, hilf! Vielleicht wäre es ja schon mal eine Idee, wenn man Redakteuren klar macht, dass es keinen Sonderpreis für die meisten Bilder eines Tages gibt. Und dass niemand stirbt, wenn einmal eine Geschichte sogar ganz ohne Foto dasteht.