Archive for Mai, 2008
Crossmedia, UVK
Bringen wir es hinter uns: Bevor hart recherchierende und ebenso knallhart urteilende Blogger dahinterkommen, ich habe ein Buch geschrieben. Es trägt den schlichten Titel “Crossmedia”, der gleichermaßen auch eine Inhaltsangabe ist. Es ist erschienen im UVK-Verlag Konstanz, ist nach heutigem Stand ab 20.6.2008 im gut sortierten Buchhandel erhältlich, kann jetzt schon bei Amazon et al vorbestellt werden und hat knapp 180 Seiten. Über ehrliches und gerne kritisches Feedback freue ich mich, von Anmerkungen im Sinne von “Du hast das Rad nicht neu erfunden” bitte ich höflichst abzusehen. Weil, in der Tat: Das Rad wird in diesem Buch nicht neu erfunden. Aber möglicherweise findet sich der eine oder andere Tipp, wie sich das Rad leichter drehen lässt.
Über den souveränen Umgang mit Fehlern
Seht her, Freunde von sueddeutsche.de – so einfach macht man das (auch wenn die Idee von SPON, Jogi Löw zum Bundeskanzler zu machen, durchaus Charme hat). Kein quälend langes, albernes Rumdiskutieren, bloß korrigieren:
Mobiles Internet…
…bisher leider eher Plage denn Segen. Muss ich mir jetzt allen Ernstes doch noch ein iPhone zulegen?
ARD-Mediadurcheinander
Wenn man – nur mal so überlegt – als Student die Aufgabe gestellt bekäme, man möge visualisieren, warum es sich bei der ARD manchmal so schwierig arbeiten lässt und wieso föderalistische Strukturen auch ziemlich hinderlich sein können, der sollte einfach nur einen Screenshot von der ARD-Mediathek machen. Sie zeigt das ganze Elend des Systems ARD auf. Während die Kollegen des ZDF schon lange mit einem funtkionierenden Tool am Start stehen, hat die ARD vermutlich immer noch in unzähligen Sitzungen und Gremien debattiert und dann (auch wie so oft) als kreißender Berg ein Mäuslein geboren. Nicht nur, dass die Mediathek trotz horrend langer Entwicklungszeit modernen technischen Ansprüchen kaum genügt, dazu kommt, dass die Inhalte ziemlich eindeutig föderalistischen Missbildungen geschuldet sind. Recht viel anders jedenfalls kann man es sich nicht erklären, warum ein eher kümmerlicher 9-Minuten-Beitrag über “Balkonpflanzentrends- und Pflege” aus der “Landesschau Rheinland-Pfalz” auf der Startseite online steht. Auch der Rest der Inhalte: ziemlich wahl- und konzeptlos eingestelltes Zeugs. Das also sind die öffentlich-rechtlichen Qualitätsinseln, die Herr B. zu erkennen und als unentbehrlich ausgemacht zu haben glaubt?
Ärgerlich ist: Dieses System ist eine enorme Geldvernichtungsmaschinerie, was es auch hier wieder eindrucksvoll unter Beweis stellt. Mit viel Geld und enormen Zeitaufwand ist eine Mediathek geschaffen worden, die keinem internationalen Vergleich standhält; im Gegenteil: Bei einem Blick auf diese Seite fühlt man sich unfreiwillig in eine Zeitreise an das Ende der 90er Jahre versetzt. Diesem internationalen Anspruch (siehe auch: BBC) müsste die ARD aber angesichts ihres eigenen Anspruchs und ihrer Argumentation in Sachen Existenzberechtigung standhalten.
Wenigstens für eine Erkenntnis ist die ARD-Mediathek dann aber doch gut: Die Nominierung der ZDF-Mediathek für den GOA erscheint plötzlich in einem ganz anderen Licht…
OnRuhr und der eigene Nachruf
Das hat man auch eher selten: Eine “Zeitung”, die ihren eigenen Nachruf schreibt, ihren eigenen Grabstein setzt (” Sie wollen wissen, wie onruhr war und was wir konnten? Werfen Sie einen Blick in unser pdf-Ganzseiten-Archiv!”), einen ungewollten Angesang auf “Zeitungen” im pdf-Format verfasst und das alles auch noch ein ganzes Jahr lang stehen lässt. Dafür danke, onRuhr!
Zeilengötter
Ich glaube, meine Meinung zu der grassierenden Bildergalerien-Manie habe ich hinlänglich dargelegt. Wenn man dann aber Aufmacherzeilen wie “Abstieg und Aufstieg: Die einen trauern, die anderen jubeln” und Leads wie diesen liest, dann überlegt man sich, ob manche Redaktionen nicht einfach am besten für immer nur Bildergalerien produzieren, einfach nur Bildergalerien.
Uns fällt auch nix mehr ein
Wenn man übrigens jetzt schon Klickmaschinen-Tools, die Bildergalerien mit den brutalsten Fußballer-Fouls enthalten, und ziemlich techniklastige Anwendungen wie Mediatheken für preisverdächtig hält, dann gibt es zwei Möglichkeiten, das zu bewerten: Man kann über die vermeintliche Mutlosigkeit der Jury lamentieren – oder sich ein paar Gedanken machen, ob uns allen im vergangenen Online-Journalismus-Jahr ganz einfach nicht sehr viel Erwähnenswertes eingefallen ist. Aktuell plädiere ich ein wenig für letzteres.
Eine Video-Datenbank wird für einen Grimme-Preis vorgeschlagen. Nicht gerade ein Kompliment für uns Journalisten, finde ich.
(Nebenbei: Diese atemberaubende Innovation mit all diesen hübschen Funktionalitäten haben wir an der DJS das erste Mal vor vier Jahren bei einem Projekt angewendet. Seit zwei Jahren mache ich das bei den Projekten nicht mehr, weil man wirklich nichts Neues mehr dazu erzählen kann).
Vorsicht vor “Mega-Downloads”
Ist mir zwar peinlich, ist mir aber auch passiert: Mich bei einem Download-Portal registriert (das so stinknormale Sachen wie Firefox anbietet) und glatt übersehen, dass das ein reiner Abzockerverein ist.
Was mich dann doch beruhigt: Neben mir sind noch reihenweise andere drauf reingefallen. Das Spiel geht so: Man registriert sich, übersieht im Kleingedruckten, dass die Freunde 96 Euro Jahresgebühr haben wollen und bekommt dann Rechnungen und Mahnungen. (update: Inzwischen steht´s groß auf der Startseite, dass die Gebühren wollen). Die Verbraucherschützer empfehlen, die Forderungen einfach zurückzuweisen. Hab ich gemacht, bisher mit Erfolg. Sollte auch nicht weiter problematisch sein, wenn man mal einen Blick ins Impressum wirft:
Blue Byte FZE
RAK Free Trade Zone,
Business Center #1
10 559 Ras al-Khaimah, UAE
Sachen gibts – um des Bloggers Lieblingsfloskel zu benutzen: unfassbar.
Schmidt vs. Pocher
Ja, ich weiß: Lichtjahre zu spät, aber ich bin jetzt erst dazu gekommen, mir diesen ominösen Clip mal anzusehen. Wie dem auch sei, das ist das Beste, was Schmidt seit Jahren gesagt und gemacht hat; umso bedauerlicher ist es, dass er sich zu dieser Klasse nur noch selten aufbäumt. Aber für alle, die ihn dauerhaft abschreiben: Selbst solche zehn Sekunden zementieren dann doch den Unterschied zu Figuren wie Oliver Pocher. Den übrigens habe ich noch nie so dumm und baff schauen sehen wie in der Close-Einstellung, als er Schmidts Hinrichtung entgegennimmt. Großes Kino!
Bloggerland ist nicht ausgebrannt
Bloggerland scheint ausgebrannt, titeln die geschätzten Kollegen der Medienlese in ihren aktuellen Medien-Blog-Charts. Die These scheint erst einmal schlüssig zu belegen: In nicht wenigen (Medien-)Blogs rührt sich wenig bis gar nichts mehr, trotzdem landen sogar die, bei denen sich die vergangenen Monate nichts oder wenig getan hat, noch immer auf den hinteren Rängen der Top 50. Ich mache da übrigens keine wirklich rühmliche Ausnahme. Zwar habe ich es doch auf etwas mehr als einen oder zwei Einträge pro Monat gebracht, gemessen aber beispielsweise am vergangenen Herbst hat sich meine Quote glatt halbiert.
Dafür gibt es natürlich Gründe. Der für mich persönlich wichtigste war simpler Zeitmangel. Ich verdiene meine Geld (gottlob) nicht im Angestelltenverhältnis und (leider) auch nicht mit Bloggen, insofern war die Tatsache, dass ich weniger gebloggt und mehr gearbeitet habe, eine rein ökonomische Entscheidung. Bloggen ist eine tolle Geschichte, zweifelsohne, aber es ist eben, wenn man es halbwegs vernünftig machen will, neben dem Spaß auch harte und zeitaufwendige Arbeit.
Der zweite Grund (zumindest aus meiner Sicht): Wenn es im deutschsprachigen Raum tatsächlich irgendetwas zwischen 80 und 100 Bloggern gibt, die sich ausschließlich mit Medien beschäftigen, dann tritt schnell der Effekt ein, dass eigentlich alles gesagt ist, nur nicht von jedem. Bloggen ist nun mal hauptsächlich Anschlusskommunikation und Diskussion; es lohnt nicht (und es ist auch nicht sinnvoll), ein Fass zum dritten, vierten oder fünften Mal aufzumachen. Andersrum gesagt: Selbst in spannenden Tagen wie diesen ist, nüchtern betrachtet, der Markt für Medienblogs nicht so groß, als dass es jeden Monat für jeden reichen würde. Ich habe in den letzten Monaten ein paar Mal ernsthaft darüber nachgedacht, diese kleine Seite hier zu schließen, weil ich den Eindruck hatte, es sei eigentlich alles gesagt, die Geschichte hier sei auserzählt. Dass ich es nicht getan habe, hat ausschließlich damit zu tun, dass ich mir die Option offen halte möchte, vielleicht doch mal wieder die Klappe aufzumachen, wenn was Interessantes passiert. Könnte ja immerhin sein, auch wenn momentan thematisch in unserer Branche eher Stillstand herrscht. Dass die Welt irgendwie digitaler und interaktiver und kleinteiliger wird, hat sich rumgesprochen. Nichts wirklich Neues. Jemandem jeden Tag vorzurechnen, welche Fehler er gemacht hat, darauf hab´ich keine Lust. Und wirklich tiefgründige Analysen, Himmel ja, es reicht ja, wenn man einmal in ein paar Monaten grundsätzlich wird.
Heißt also: Dieses Blog (und vermutlich die vielen anderen auch) wird es weiter geben. Ob in ihnen auch Lesenswertes zu entdecken ist, hängt allerdings davon ab, was draußen passiert. Wenn man sich dann auch noch monothematisch aufstellt, dann ist die Abhängigkeit ziemlich groß. Such is life.