Eine Lanze für Herrn Mehdorn
31. August 2008 - 9:53 UhrMan hat, wenn man bei bestimmten Unternehmen arbeitet, einfach die A-Karte gezogen. Banker beispielsweise sollte man heute aus Imagegründen besser nicht mehr sein oder Heuschrecke. Wenn man bei der Telekom arbeitet, wird es dann schon richtig kritisch – und vollends zum Abschuss freigegeben ist alles und jeder, der bei der Deutschen Bahn arbeitet, aus manchmal übrigens sehr nachvollziehbaren Gründen, die jeder kennt, der schon mal Bahn gefahren ist.
Auch für Journalisten ist demnach alles, was mit der Bahn zu tun hat, ein leichtes Opfer. Die Preise steigen? Skandal! Die Bahn schreibt schwarze Zahlen? Ungeheuerlich! Kurz gesagt, alles was man bei anderen Unternehmen als ziemlich normal betrachtet, löst bei der Bahn kleine Erdbeben aus. Sogar meine innig geliebte SZ war sich am Wochenende nicht zu blöd dafür, die Tatsache, dass am Schalter eingelöste Tickets künftig teurer sind als online oder am Automaten gekaufte, als Aufmacher auf Seite 1 der Wochenendausgabe zu platzieren. Kein Georgien, kein Obama oder McCain, keine Merkel, nein: Die Bahn führt einen Zuschlag auf Schaltertickets ein. Die Fahrt im ICE von Hamburg nach Hannover kostet zudem künftig einen strammen Euro mehr; das schreit natürlich auch gleich noch nach einem Kommentar. Ich glaube, das war der erste Moment in meinem Leben, in dem ich so etwas wie Mitleid mit Hartmut Mehdorn empfunden habe. Wenn das der Maßstab ist, müsste künftig jeder Ölmulti täglich an den Pranger gestellt werden und jede Bank mit versteckten und manchmal auch nicht versteckten Gebühren auch (übrigens: auch dort sind Papierüberweisungen häufig teurer als Online-Überweisungen).
Aber klar, die Bahn hat ein Image das tatsächlich noch schlechter ist als das von Banken (ziemliches Kunststück übrigens). Und solange das so ist, kann man einen 2,50-Zuschlag auf Tickets schnell mal eben zum Staatsakt hochjazzen.








