6. August 2008 - 10:33 Uhr
Beim BDZV haben sie unlängst einen sehr klugen Satz gesagt: Die Entwicklung der kommenden drei Jahre werde über-, die der nächsten zehn Jahtre hingegen unterschätzt. Der Satz stammt von Richard Rebmann, dem Vizechef des Verbands und gleichzeitig Geschäftsführer der SWMH. Das Zitat ist insofern gut, weil es , gewollt oder nicht, illustriert, was momentan am Markt los ist: Irgendjemand wirft etwas in die Runde mit dem Kontext “Internet” und irgendwie werden sie alle ganz wuschig. Man könnte folglich also auch das Wort “Unterhose” in den Ring werfen, wenn es im Kontext mit Online ist, ist es gut. (Nebenbei bemerkt sind allerdings auch die Realitäten beim BDZV lustig: Der Kongress, in dessen Rahmen dieses Zitat fiel, war Mitte Juni. Der entsprechende Newsletter dazu wurde Anfang August versendet – alte Printerdenke eben.)
Tatsächlich ist es so, dass die momentane hektische Betriebsamkeit ein kleines Problem mit sich bringt: Man kann sich zwar auf die Schulter klopfen und betonen, man sei jetzt auch im digitalen Bereich irgendwie irre aktiv. Nur nutzt das gar nichts, wenn man die langfristigen Veränderungen (ebendiese besagten zehn Jahre) nicht realisiert und nicht versteht. Es dreht sich schon seit längerem nicht mehr darum, eine hübsche Webseite hinzustellen, irgendetwas zu verlängern und zu verzahnen. Letztendlich wird es darum gehen, eine Inhalteplattform, eine digitale information utility aufzubauen. Das wird der entscheidende Trick der kommenden zehn Jahre sein – und nicht etwa dieses immer noch veraltete Denken, man habe ein Muttermedium, neben dem man noch ein paar Beiboote fahren lässt. Selbst dann nicht, wenn man diese Beiboote mit ein paar PS mehr aufhübscht.
Nix neues, das? Nein, das ist es in der Tat nicht. Aber das war (und ist) in der Autoindustrie ja auch nicht viel anders, möglicherweise gehört dieses nicht sehr langfristige Denken auch einfach zur menschlichen Grundaustattung. Jedenfalls kann ich mich erinnern, als schon Ende der 80er die ersten Gedanken an ein mögliches Ende des Zeitalters der fossilen Brennstoffe auftauchten. Trotzdem haben die Autobauer fröhlich weiter technische Monstren, gipfelnd in den SUV´s , die auf 100 Kilometer 15 Liter brauchen, gebaut. Jetzt kostet der Sprit 1,50 und die ersten Rufe nach Subventionen werden laut. Man hätte das alles allerdings leicht vorher wissen und entsprechend reagieren können.
Würde mich jedenfalls nicht wundern, wenn bald die ersten Rufe nach einer Subventionsabgabe zur Rettung notleidender Zeitungen laut würden. Man hätte nämlich auch dort einiges schon sehr viel früher wissen können…beispielsweise dass 15 Liter auf 100 Kilometer irgendwann einfach nicht mehr bzeitgemäß sein würden.
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