Crossmedia, 2. Auflage

Am Wochenende war der Prospekt in der (analogen) Post: Die zweite Auflage von “Crossmedia” ist fertig und demnächst erhältlich. Geändert hat sich am Buch dann doch weitaus mehr,  als ich dachte. Etliches wurde nachgebessert und aktualisiert, ein kleines Kapitel zum Thema “Soziale Netzwerke” ist zudem noch hinzugekommen. Speziell daran habe ich gemerkt, in welch wahnwitzigem Tempo sich die Dinge verändern. Als ich Mitte 2007 mit dem Konzept für das Buch begann, hätte ich es für absurd gehalten, Themen wie “Twitter” oder “Facebook” mehr als eine Fußnote zu widmen. Heute kommt man, will man oder will man auch nicht, kaum daran vorbei.

Jedenfalls freut es mich ungemein, dass eine komplette Auflage verkauft worden ist und der Verlag es für wert befindet, nochmal eine  zweite Auflage auf den Markt zu bringen. Und danke natürlich an alle, die gelesen und gefeedbackt haben - ohne diese vielen fundierten Meinungen gäbe es das Buch nicht.

Ein paar iPad-Gedanken (unsortiert)

Verlage sind ja manchmal schon irgendwie ulkig. Da schreien sie auf der einen Seite nach einem “Leistungsschutzrecht”, nennen das Geschäftsmodell von Google “Kultur-Imperealismus”, der es letztlich nur zum Ziel habe, in fremden Ländern Rahm abzuschöpfen — und sind dann auf der anderen Seite stockbegeistert, wenn Apple auch nur ankündigt, demnächst ein neues Gerät auf den Markt bringen zu wollen. “Wir sind bereit”, lautet der Tenor nach der iPad-Präsentation, was man vielleicht insgeheim bezweifeln möchte, zumindest aber für Staunen sorgt. Denn das Prinzip wiederholt sich sowohl bei Apple als auch bei Google: Beide stellen Plattformen zur Verfügung, die einen die defacto-Monopol-Suchmaschine, die anderen die (demnächst wohl) defacto-Monopol-Multimediakonsummaschine als auch praktischerweise die defacto-Monopol-Stores mit den entsprechenden Inhalten. Beide stellen also die Infrastruktur zum Konsum und zum Auffinden der Inhalte der Zukunfte, die Inhalte kommen in beiden Fällen von jemand anderen. Beide lassen sich für diesen Job (sehr gut) bezahlen, zwar in unterschiedlichen Modellen, dennoch: Apple und Google verdienen an Inhalten, die nicht von ihnen stammen. Das mag man bedauern, wird aber nicht mehr zu ändern sein. Zu sehr haben sich beide eine marktbeherrschende Stellung erarbeitet — und zu sehr haben es die Inhalteproduzenten im vergangenen Jahrzehnt versäumt, sich eine eigene Idee zurechtzulegen. Musikindustrie und Verlage sind sich da übrigens gar nicht so unähnlich. Beide bewerteten das Netz und die Wünsche des neuen Publikums wahlweise als irrelevant, unverschämt, nicht erfüllbar oder Hype. Beide vertrauten darauf, dass sich der Kunde letztendlich ja schon am liebsten am althergebrachten Produkt (CD, Zeitung) festhalten würde. Beide haben sich bitter getäuscht und beide werden jetzt andere mitverdienen lassen müssen, wenn sie in der digitalen Welt bestehen wollen. Wie gesagt, man muss das nicht mögen. Nur ist es nicht eben sehr logisch, wenn man die einen dafür als potientielle Heilsbringer feiert — und die anderen vor den Kadi zerrt.

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Weil wir gerade beim Thema “Rettung” sind: Man muss ja schon fast ein wenig lachen, wenn man jetzt so liest und hört, wie das iPad die darbende Branche, ja genau, rettet. Warum man es anzweifeln darf, dass die Verlage vorbereitet sind auf das Zeitalter des iPad? Das lässt sich ziemlich leicht aus dem ableiten, was man von deren Seite so alles hört: Letztendlich läuft es darauf raus, dass man glaubt, jetzt endlich eine Plattform gefunden zu haben, auf der User bereit sind, für Inhalte zu bezahlen. Nachdem die “Kostenlos-Kultur” das Internet heimgesucht hat, so der Glaube etlicher Verlagsstrategen, könne man auf dem iPad quasi jetzt nochmal einen Neustart machen und die Leute bezahlen lassen. Die wiederum tun das gerne, weil sie jetzt endlich eine Zeitung im Original-Zeitungslayout auf einem hübschen Bildschirm durch die Gegend tragen können. Die Debatte erinnert momentan fatal an jene bleiernen Verlagsjahre, als man dem Durchbruch des Web als Massenmedium das E-Paper entgegensetzte. Das fanden viele Verlagsmanager über lange Zeit ziemlich toll, ehe ihnen dämmern musste, dass ein neues Medium auch nach neuen Darstellungsformen verlangt. Was man aus vielen Häusern derzeit so hört, ist in etwa die Überzeugung, dass man ein — natürlich kostenpflichtiges — E-Paper jetzt auch auf dem iPad lancieren könnte. Wenn das alles ist, sollten sich die Verlage nicht allzu sehr auf das iPad freuen. Es wird ihnen nämlich dann nichts bringen. Und ob es tatsächlich einen einzigen deutschen Verlag gibt, der eine wirkliche inhaltliche Strategie, ein wirklich ausgefeiltes Konzept hat, da würde ich beinahe einen guten Rotwein drauf wetten, dass es den noch nicht gibt (aber nehmen Sie mich jetzt nicht beim Wort, dafür mag ich einen guten Rotwein viel zu sehr, als dass ich um ihn wetten würde). Dafür gibt es immer noch zu viele, die noch nicht mal wissen, was eine App ist.

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Doch, ich geb´s zu: Mein Mitleid hält sich in sehr überschaubaren Grenzen: Dem Netz haben viele jetzt 10 Jahre in einer Mischung aus Ignoranz und Ahnungslosigkeit zugeschaut, dass das mobile Netz ein großes Thema werden wird, ist ebenfalls bei vielen noch nicht angekommen. Die meisten benehmen sich immer noch so, als wenn es eine Unwetterwarnung gegeben hätte und man sich danach Sorgen um seine Frisur macht.

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Selbst wenn man sich denn auf Verlagsseite Gedanken über die richtige Nutzung des iPad machen würde, vermuten muss man nach den Erfahrungen der letzten Jahre ja auch, dass es an Bereitschaft (und eventuell auch Möglichkeiten) fehlt, in die Entwicklung neuer Angebote zu investieren. Man staunt ja dann doch immer wieder, wenn auf der einen Seite Verleger stolz von Millioneninvestitionen in neue Druckanlagen berichten, auf der anderen Seite aber selber Ausgaben von ein paar tausend Euro unter den Vorbehalt der Refinanzbarkeit gestellt werden; sie gehören ja quasi nicht zum Kerngeschäft. Das zeigt, wie sehr sich viele Verlage in ihrem tiefsten Inneren noch als Zeitungs-Verleger begreifen. Dass sie Digital-Verleger sein müssten, ist in ihrem Bewusstsein oft noch nicht angekommen. Sonst gäbe es dieses krasse Missverhältnis bei den Investitionen nicht.

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Interessantes Detail in der Eigenwahrnehmung (zeigt sehr schön, welch brilliante Marketingstrategen bei Apple am Werk sind): Bis vor zwei, drei Jahren hielt ich T-Mobile für einen eher staatsbetriebsartigen Provider. Inzwischen gibt´s exklusiv das iPhone und meine eigenen, gar nicht mal so fürchterlichen Erfahrungen mit dem Laden lassen mich inzwischen T-Mobile in einem passablen Licht erscheinen. Vodafone hingegen, das ist für mich der Laden mit dem albernsten Werbespot der letzten zehn Jahre, der Laden, der nichts begriffen hat und dies mit gefakten Tweets auf Werbeanzeigen auch noch eindrucksvoll dokumentiert. Und plötzlich lassen mich meine eigenen Erfahrungen mit Vodafone den Laden als ziemlichen Ramsch sehen. Und ein iPad haben die Kretins auch nicht.

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Und das alles wegen Apple, meine Güte. Aber was soll man anderes erwarten von einem Laden, bei dem man es nicht mal mehr ungewöhnlich findet, das Journalisten aus Produktpräsentationen heilige Messen machen und applaudierendes Beiwerk einer geschickten Marketingsmaßnahme sind?

Journalismus 2010 (3)

Heute die erste Frau in unserer kleinen Interview-Reihe: Dr. Elvira Steppacher, Direktorin des ifp in München über Qualität im Journalismus, die Zukunft der “Freien” — und darüber, warum sie sich zunächst mal kein iPad zulegen will.

Jarvis und Gaschke

Zwei Texte, die ich wirklich wärmstens empfehlen möchte:  Ulrike Langer interviewt sehr ausführlich unser aller Jeff Jarvis. Und Felix Schwenzel demontiert Susanne Gaschke, bissig, pointiert — aber nicht bösartig.

Lost in tradition

Als CNN vergangene Woche die “Journalisten des Jahres” auszeichnete, fand man mit Hasnain Kazim einen Preisträger, der seinen Preis redlich verdient hatte. Einen winzig kleinen Wermutstropfen gab es dennoch. Denn selbst dann, wenn Kazims Stück gar nicht so gut gewesen wäre wie es ist, wäre es womöglich prämiert worden, wie die Jury freimütig einräumte. Denn eigentlich war dieser Beitrag ungefähr der einzige onlinejournalistische Beitrag, der aus Sicht der Jury als orginärer Onlinejournalismus zu bewerten gewesen wäre.

Tatsächlich findet man ohnehin auf deutschen Webseiten nicht allzu vieles, was richtig gut ist. Noch viel seltener findet sich Journalismus, der den Anforderungen und (das vor allem) den Möglichkeiten des Mediums Online wirklich gerecht wird. Vieles ist aus anderen Medien transformiert, verlängert, gekürzt, mit ein paar interaktiven Elementen versehen (wobei Interaktion sich nach dem Verständnis vieler Onlineredaktionen in Votings oder ähnlichem erschöpft). Und einfach nur ein Video zu stellen, ist zwar chic, aber es ist eben ein Video — und somit per se kein Onlinejournalismus.

Müßig darüber nachzudenken, woran das liegen könnte. Ganz sicher hat das mit der immer noch sehr mäßigen Ausstattung vieler Redaktionen zu tun; vermutlich aber auch damit, dass man sich in deutschen Redaktionen zwar neuerdings sehr viele Gedanken über iPads macht, nicht aber darüber, wie man für neue Plattformen neue und adäquate Inhalte entwickelt. Das ist übrigens insofern interessant, weil jetzt ganz viele meinen, das iPad als solches sei schon ihre Rettung; dabei wird das das iPad niemanden retten, das muss man dann schon selber machen.

Heute dann über Twitter (danke an Richard Gutjahr, der das entdeckt hat) gesehen, wie man multimedial richtig gute Geschichten erzählen kann:

screenshot_lost

Die (mal wieder) “New York Times” hat den Start der sechsten und letzten Staffel von “Lost” zum Anlass genommen, den Plot, die Handlungsstränge und die Protagonisten der Serie multimedial darzustellen (Fans von “Lost” haben in etwa eine Ahnung, wie schwer nahezu unmöglich das ist). Zugegeben: Ich hab´s zwar immer noch nicht ganz kapiert, aber ich bin jetzt wieder deutlich schlauer.

Natürlich könnte man jetzt sagen: Ja, die NYT mit ihrem Personal, mit ihrer Ausstattung, die können so etwas leicht machen. Das Frappierende daran ist allerdings gar nicht mal die exqusite technische Umsetzung dieser Timeline. Sondern dass sich jemand einige kluge Gedanken gemacht hat, welche Darstellungsformen für das Web besonders gut geeignet sind. Das ist es, was vielen deutschen Onlineangeboten immer noch fehlt.

Vielleicht wäre es also eine ganz gute Idee, etwas weniger über künftige Geschäftsmodelle zu reden (die Frage taucht momentan bei jedem Panel zuverlässsig nach ungefähr vier Minuten auf). Sondern erstmal darüber, was es denn sein soll, womit man Geld verdienen will. Eine mobile Version einer Website oder ein E-Paper ist so ziemlich das Letzte, was man auf einem iPad braucht.

Nachtrag: So macht Spiegel Online heute dieses Thema. Man sieht den Unterschied.

Über das Berufsbild von Journalisten

Der Kollege Phillip Ostrop hat beim “Forum Lokaljournalismus” mitgeflippt und u.a. dieses Video von der Debatte über zukünftige journalistische Berufsbilder online gestellt. Ich bin derjenige, der in der Mitte des Videos sein Mikro geschreddert hat.

Mehr zum Thema “Folo 2010″ nebenan im Ostroplog.

My Führer…

 

…the iPad won´t support Multitasking!

Clutching at Hombach

Manchmal gibt es schon terminliche Zufälle, die im Nachhinein ein wenig absurd wirken. Während also am Mittwoch abend Mr. Jobs das iPad vorstellt und alle (neue) Medienwelt kurz vor der Hyperventilation steht, treffen sich in Dortmund Deutschlands Lokalredaktionen zum “Forum Lokaljournalismus”. Und während die einen Jobs lauschen und sich schon bevor das Produkt überhaupt auf dem Markt war einig sind, dass dieses Ding neben vielem anderen auch die Medienwelt retten wird, hören die anderen Jürgen Rüttgers zu. Und Bodo Hombach.

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Jürgen Rüttgers weiß also zumindest schon mal, was Twitter ist. Irgendjemand nämlich nannte ihn in einem Tweet mal einen “echten Rhein-Ruhri”, was Rüttgers zu der Feststellung verleitete, das meiste, was getwittert werde, sei nach zwei Sekunden schon wieder vergessen. Und dass nicht alles, was im Netz steht, wirklich von Bedeutung sei (dass man das getrost auch von Zeitungen behauptet werden kann, sei dahin gestellt). Ansonsten zeigte sich Rüttgers von derart herzerfrischender Ahnungslosigkeit, dass man sich fast schon wieder Gedanken machen müsste, wie es eigentlich um Politik und (neue) Medien bestellt ist. Den Online-Auftritt der WAZ bestaunte er ausgiebig dafür, dass es dort so bahnbrechende Dinge wie Videos und Audios gibt und den Fortbestand der Tageszeitung begründete er mit irgendwelchen tausendmal gelesenen Glaubwürdigkeitsstatistikuntersuchungen und der unwiderlegbaren Tatsache, dass er selbst ja auch gerne Zeitung lese (dann ist ja gut). Auch der Debatte um Google gab Rüttgers eine ziemlich neue Dimension. Man hat ja schon viel zum Thema gelesen, aber dass Google die Inhalte der Zeitungen “missbrauchen” würde, hat man selbst von großen Google-Kritikern noch nicht gehört. Für einen kurzen Moment ging mir währenddessen der zugegeben leicht böse Gedanke durch den Kopf, Rüttgers manifestiere damit ungewollt die zunehmende Bedeutungslosigkeit von Zeitungen. Ich meine, da versteigt sich jemand also allen Ernstes zu der Vermutung, ein Gigant wie Google sei in irgendeiner Weise auch nur im Ansatz davon abhängig, ob er die Inhalte der, sagen wir, “Westfälischen Rundschau” anzeigen darf.

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Immerhin weiß auch Jürgen Rüttgers, dass es guten Journalismus “nie” umsonst gibt. Die Lösung dafür soll zumindest in NRW sein, dass die Verlage sich künftig stärker an Lokalsendern beteiligen dürfen, was insofern eine originelle Idee ist, als dass das Beispiel Bayern, wo es einen sogenannnten “Kabelgroschen” zur Förderung der lokalen Sender gibt, ziemlich schön zeigt, was viele Verlage mit ihren Beteiligungen strategisch so anfangen. Sie blockieren schlichtweg Frequenzen, damit kein anderer in das schöne Bonsai-Monopol eindringen kann. Da senden nicht selten schlecht bezahlte und kaum ausgebildete junge Menschen an der Grenze zur Selbstausbeutung irgendwelchen Plunder. Das garantiert dann laut Rüttgers hochwertigen Journalismus und eigentlich müsste man ihn angesichts dieser Idee dazu verdonnern, mindestens einen Tag lang am Stück das Programm eines beliebigen Regionalsenders anzusehen.  Übrigens, der Name “iPad” fiel in Rüttgers´Ansprache nicht einmal.

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Schreiben kann ich das alles mit besten Gewissen, weil es in zwei Sekunden eh keiner mehr weiß. Eins, zwei, vorbei.

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Mit Blogs und Twitter hatte es auch ein anderer nicht so sehr: Bodo Hombach zeigte sich von Blogs “enttäuscht” und attestierte ihnen irgendwie mangelndes Niveau, im Zusammenhang mit Twittern fiel dann auch mal der schöne Begriff der Inkontinenz. Dagegen die schöne heile Lokaljournalistenwelt des Onkel Bodo: Engagierte Journalisten, die den Menschen ihre Region, ihre Heimat nahebringen, ihr Anwalt und ihr Geschichtenerzähler zugleich sind, immer gut recherchierend, immer am Puls der Zeit. So funktioniert in Hombachs Welt die regionale Tageszeitung, und wenn sie nicht gestorben sind, dann recherchieren sie noch heute. Den möglicherweise auftauchenden Einwand, wie sich das denn mit 300 entlassenen Leuten im vergangenen Jahr vertrage, wischte Hombach schon im Vorfeld im Interview mit dem eigenen Online-Portal elegant beiseite: ob es denn wirklich einen Unterschied mache, ob nun beispielsweise an einem Kunstwerk vier oder fünf Leute arbeiten würden? Hombach im O-Ton: “Wird die Oper besser, nur weil fünf Geiger mehr auf der Bühne sitzen? Wird das Bild des Malers besser, wenn zwei weitere mitmischen?”

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Macht natürlich keinen, ist klar. Die 300 Entlassenen bei der WAZ waren also, so gesehen, eh überflüssig. 40.000 Exemplare Auflage hat die WAZ übrigens alleine im letzten Quartal verloren (undankbares Leser-Pack, undankbares). Clutching at straws nennt man sowas übrigens in England und man müsste der WAZ eigentlich wünschen, dass sie nur sehr eingeschränkt clutching at Hombach betreibt.

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Hätte Hombach sich übrigens die Mühe gemacht, ein wenig von der inkontinenten Twitterei an diesem Abend zu lesen, hätte er bemerkt, dass seine Dinneransprache ein kleines bisschen Befremden auslöste. “Zum Davonlaufen” war noch einer der harmloseren Kommentare. Und, ach ja: Vom iPad sprach auch Hombach nicht.

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Der Tag darauf: ein ziemlich großer Saal mit Tageszeitungensleuten und eine deutliche Erkenntnis. Die Klügeren unter ihnen haben lange schon begriffen, dass es so wie jetzt nicht mehr weitergehen wird. Christian Lindner, Chefredakteur der Rhein-Zeitung überreichte mir (trotz einer schon mal etwas uncharmanten Bemerkung in diesem Blog über ihn mit bemerkenswerter Freundlichkeit) eine Visitenkarte, wie selbstverständlich stand dort neben den üblichen Kontaktdaten auch sein Twitter-Alias. Man wird mit Twittern nicht die Welt retten können (bevor jetzt wieder dieser Einwand kommt), aber ein Chefredakteur mit Twitter-Alias auf der Karte: Wenn sie denn alle wenigstens so wären, dass sie es mal probieren und gerne mit anderen kommunizieren, um die Zukunft der Blätter wäre es gar nicht mehr so schlecht bestellt. Übrigens habe ich eine Reihe geistreicher Tweets zum Forum gelesen und nachdem die nahezu alle von Medienleuten und Journalisten stammten, hat sich mein Zuversichtspegel dann doch wieder etwas nach oben bewegt.

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Erstaunliches Beharren auf früher dagegen vom Chefredakteur des “Darmstädter Echo”: Man verzichte aufs Twittern und habe stattdessen in ein hochmodernes Druckzentrum investiert. Die 5 Minuten Zeit zum Eröffnen eines Accounts waren dann nicht mehr drin?

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Bemerkenswert für mich dann auch der Nachmittag: Leider endete das Forum Lokaljournalismus für mich schon wieder am Donnerstag, obwohl ich gerne noch länger gelieben wäre und den (aufrichtigen) Eindruck hatte, mit dem einen oder anderen Beitrag in diesem Blog zum Thema Lokaljournalismus/Lokaljournalisten vielleicht doch etwas daneben gelegen zu sein. Sieht man mal von den Rüttgershombachdarmstädtern ab, hatte ich den Eindruck, dass es da eine ganze Reihe von Leuten gibt, die zumindest begriffen haben, dass es das gewesen ist mit dem Geschäftsmodell und dem Journalismus früherer Tage. Für mich ging es danach unmittelbar weiter nach Berlin, wo der Zeitungsverlegerverband zu einem Fachtag zum Thema “Video” eingeladen hatte. Ich war dort schon einmal vor zwei Jahren eingeladen — und siehe da: Während wir damals wirklich noch über Basiskenntnisse zum Thema sprechen mussten, ging es diesmal schon ein ganzes Stück weiter. Ich weiß, auch  mit dem Thema Video alleine werden wir unsere Redaktionen nicht retten können. Auf der anderen Seite: Hätte mir jemand vor zwei Jahren erzählt, ich würde 2010 auf dem selben Kongress sitzen und man würde dort sehr ernsthaft probate Vermarktungsmodelle diskutieren (und das alles, nachdem ich gerade von einem Kongress mit einer richtigen Twitter-Wall am Podium gekommen war), hätte ich ihn für einen hoffnungslosen Optimisten gehalten.

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Vielleicht wird ja alles gut — und wir überstehen sogar Bodo Hombach.

Journalismus 2010 (2)

Zugegeben: Der erste Monat des gar nicht mehr so neuen Jahres ist auch schon wieder fast rum. Gilt das trotzdem noch, wenn ich jetzt noch ein Video zeige, das sich mit Zukunftsperspektiven von Medien beschäftigt?

In Wien habe ich vergangene Woche Dr. Meinrad Rahofer getroffen, einer der bekanntesten Journalistenausbilder im deutschsprachigen Raum. Er ist Geschäftsführer des Kuratoriums für Journalistenausbildung in Salzburg und ein ausgewiesener Kenner der Märkte in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Klar also, dass wir nicht nur über die allgemeinen Trends gesprochen haben, sondern auch über die Unterschiede zwischen Deutschland und Österreich (allerdings nur in Sachen Medien, sonst hätten wir drei Tage weiterquatschen müssen).

Wen es interessiert: Ich habe zum ersten Mal ein längeres Interview mit der Flip aufgenommen. Geht sogar ganz passabel, auch wenn man ein paar kleine Abstriche schon hinnehmen muss. Großartig daran ist aber dennoch die Option, ganz spontan etwas in sehr anstndiger Qualität aufnehmen zu können.

Münchner Gsichter

Die Idee der “Abendzeitung” fanden wir überaus reizvoll: ob man nicht typische Münchner portraitieren könne? Nicht auf die übliche Art, also keine Textstücke. Sondern mit Fotos und O-Tönen, kurz gesagt also vertonten Slideshows. Nachdem ich dieses Format sehr liebe und ich die Idee auch thematisch sehr interessant fand, machte ich mich mit meiner (inzwischen bereits verabschiedeten) DJS-Klasse an die Arbeit. Wann bekommt man schon mal die Gelegenheit, etwas auch mal einfach ausprobieren zu können (dafür: danke an die AZ!). Gefunden und portraitiert haben wir u.a. eine Tabledancerin, einen Isarfischer, einen Schuhmacher und einen, der von sich behauptet, den ältesten Kiosk überhaupt zu betreiben.

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Die ersten Ergebnisse dieser Serie bei der “Abendzeitung” sehen Sie hier.