Not zwitschering
16. Dezember 2008 - 10:42 UhrSeit ein paar Wochen komme ich mir ziemlich alt und etwas rückständig vor. Das mag zum Teil damit zusammenhängen, dass ich ziemlich alt und etwas rückständig bin. Zum anderen aber auch damit, dass ich – ja, zugegeben – dass ich nicht twittere. So. Jetzt isses raus und Sie dürfen faule Eier werfen. Ein Blogger, der nicht twittert! Ein Journalist, der nicht twittert! Ein begeisterter und bekennender Onliner, der nicht twittert!
Ich geb´s ja zu: Ich hab´s mir eine ganze Zeit angeschaut, wer und was so alles twittert, habe viele kluge Analysen gelesen und mir von Sascha Lobo in der SZ erklären lassen, warum dieses Mikro-Blogging die Zukunft von ungefähr aller Kommunikation ist. Ich habe die Debatte zwischen Thomas Knüwer und seinem Handelsblatt-Kollegen vor allem unter der Perspektive verfolgt, dass twittern uns als Journalisten echt weiterbringt und ich habe einige Twitter-Feeds gelesen und mich wirklich bemüht, es richtig klasse zu finden, wenn mir einer auf 140 Zeichen mitteilt, dass er gerade im Zug sitzt und aus dem Fenster schaut. Vergebens, alles vergebens.
Vor kurzem war ich eingeladen beim Journalistentag in Bochum. Und da wurde auch ganz viel getwittert, wenn ich das der Verbandszeitschrift der DJV-NRW richtig entnehme. Eine Besucherin beispielsweise twitterte, dass sie es schade fände, dass auf “meinem” Panel Frank Syré kurzfristig abgesagt habe und nicht dabei sei. Ich fand das natürlich auch schade, versuchte mir aber vorzustellen, wie es gewesen wäre, wenn ich als normaler Gast dort gewesen wäre und mir dann jemand per Twitter mitgeteilt hätte: Schade, dass Frank Syré nicht dabei ist. Oder: Im Forum Ost beginnt jetzt das Panel XY. Hm.
Ich weiß zwar nicht, wie ich meinen Arbeitsalltag künftig ohne Twitter bewältige und ob mich überhaupt nochmal jemand auf ein Panel einlädt; jetzt, wo es raus ist. Aber ehrlich gesagt: Manche Dinge sind einfach nur Gimmicks. Und werden es auch immer bleiben. Es rauscht und zwitschert soviel in meiner Umgebung, man könnte es auch ein mediales Grundzwitschern nennen – da verzichte ich ziemlich gerne auf noch einen 140-Zeichen-Kanal. Ein bisschen Ruhe kann ja auch was für sich haben.