Archive for Dezember, 2008
Online worst (20)
Vielleicht hat die Online-Redaktion der PNP ja einfach nur ein, nunja, entspanntes Verhältnis zu Schlägereien, Rempeleien, Krawallerien aller Art, egal ob mit Verletzung- oder Todesfolge. Wenn ein Obdachloser von Jugendlichen totgeprügelt wird, stellt man in einer Online-Umfrage schon mal die Antwortmöglichkeit volr, Schlägereien seien in dem Alter ganz normal und jemand, der einen anderen totschlage, habe eh ein Charakterproblem.
Wenn bei einem Perchtenlauf (eine altbayerische Tradition) die Perchten mal ein bisschen derber hinlagen, sollte man demnach auch kein Problem damit haben – findet die PNP:
Vermutlich ist das Verhältnis zu kleinen Rempeleien wirklich sehr entspannt.
Analyst des Tages
“Die ProSieben.Sat.1-Aktie würde ich derzeit nicht mit der Kneifzange anfassen,” sagt (via Turi2) ein gewisser Friedrich Schellmoser, der angeblich Analyst der HypoVereinsbank ist.
Schön für uns alle, dass die Einschätzungen auf Gegenseitigkeit beruhen: Bankaktien sollte man momentan auch nur mit der Kneifzange anfassen – und wohin uns die Kompetenz von Bankern und die überaus weitsichtigen Prognosen von Analysten (ähm..welcher war das nochmal genau, der die Finanzkrise prognostiziert hatte?) geführt hat, kann man momentan ja ganz prima beobachten.
Klartext online
Zugegeben, vor diesem Projekt war mir etwas mulmig: Wenn man Jahr und Tag vor sich hinbloggt und (gelegentlich) etwas ungnädig Projekte anderer begutachtet, dann ist es umso schwieriger, wenn man selber den Beweis antreten soll, dass man es anders (und vermutlich wohl auch besser) machen kann.
Passiert ist das Folgende: An der DJS ist die Ausbildung seit Jahr und Tag in drei bzw. vier Blöcke aufgeteilt: Print, Radio, Fernsehen – und seit einigen Jahren auch Online/Multimedia. Irgendwann im vergangenen Jahr entstand die Idee, dass es irgendwie unsinnig sei, wenn man den allergrößten Teil der Ausbidung quasi analog absolviert und dann noch einen kleinen digitalen Appendix dran hängt. Logische Konsequenz: Multimediales Arbeiten muss sich konsequent durch die Ausbildung ziehen. Erster Schritt: Das Print-Magazin “Klartext”, das jede Klasse im Zuge der Printausbildung erstellt, gibt es jetzt auch als Online-Erweiterung und wird künftig von jeder Klasse mit jeder neuen Ausgabe erstellt.
Wer sich beim Betrachten der Seite etwas wundern sollte, warum der Name “Klartext” so wenig auftaucht: Ausgerechnet die erste Ausgabe, die von der Online-Seite begleitet wird, war ein Spin-off von Klartext, mit Namen Silber, ein Zielgruppenheft für die Generation 50 +. Allerdings finde ich, dass die 46 B der DJS ziemlich toll gezeigt hat, dass Medien für 50 + überhaupt nichts Angestaubtes, Betuliches, Langweiliges an sich haben müssen.
Weitere Anmerkung: Zum Zeitpunkt des Zusammenbaus dieser Seiten war die Klasse weder in Radio- noch Fernsehausbildung. Audiovisuelle Elemente kommen deswegen eher sparsam vor (das wird in einem späteren Projekt nachgeholt). Und nachdem man ja immer ales noch einen Tick besser machen kann, freue ich mich sehr über Feedback…
Wer wissen will, wer hinter dem Projekt steht: Hier finden Sie die Redaktion. Die Chefredaktion des Heftes hatten Moritz Baumstieger und Johanna Schoener, Lea Hampel war die allesverantwortliche Onlinefrau. Und ohne Johannes Ewald, der sich um die Technik kümmerte, hätte das alles eh nicht funktioniert. Danke euch allen.
Update, 12.12.: Dieser Beitrag war bereits einmal online, danach habe ich ihn noch einmal zwei Tage runtergenommen. Grund war, dass das Projekt Klartext tatsächlich noch ein paar Baustellen aufwies, die wir schließen wollten. Insofern: Schneller gebloggt als gedacht, das alte Phänomen.
Online worst (19)
Dass man übrigens in der Redaktion der PNP im Internet nicht nach “Rechtsextremismus” recherchieren kann, weil Rechtsextremismus die drei Buchstaben “Sex” enthält, gehört zu den an Kuriositäten reichen aktuellem Geschichtenschatz aus Passau.
Was man unter Druck so alles macht…
Den alten Lokalchef und einen Teil der alten Truppe gefeuert, unter engelsgleicher Mithilfe eines Beraters einen neuen Chef und eine neue Redaktion installiert – klar, dass die Geschäftsleitung der Passauer Neue Presse, der Berater und die neue Redaktion da unter einem gewissen, nun ja, Druck stehen.
Toll, wenn man dann gleich in der ersten gemeinsam erstellten Wochenendausgabe einen echten Scoop landet.
Blöd nur, wenn beim Recherchieren des Scoops ein wenig geschlampt wurde, wie Hubert Denk im Bürgerblick genüsslich berichtet.
Und derjenige…
…der nochmal auf die Idee kommt, bei einem Jahresrückblick Oliver Kahn und Jens Lehmann nebeneinander auf eine Bank zu setzen, diese ominöse Szene von der WM 2006 (Kahn wünscht Lehmann Glück fürs Elferschießen) einzublenden und den Moderator dann fragen zu lassen, was er, Lehmann, denn wohl in diesem Moment gedacht habe, der wird mit einer Dauerkarte von Arminia Bielefeld bestraft.
(PS: Ansonsten war übrigens der Jahresrückblick von Kerner gar nicht mal so übel, wie ich eingangs befürchtet hatte.)
Kommunikation leicht gemacht
Seit rund eineinhalb Wochen wird viel über die Passauer Neue Presse geschrieben. In der Süddeutschen, in den diversen Mediendiensten, Blogs sowieso – wer bis zum Wochenende nicht mitbekommen hatte, dass die PNP durch eine etwas ungewöhnliche Art der Personalpolitik auf sich aufmerksam gemacht hatte, lebt entweder auf einem anderen Planeten oder hat mit Medien schlichtweg nix zu tun.
Nur bei der PNP selber schwieg man eisern. Kein Wort der Erklärung durch die Verlagsspitze oder die Chefredaktion. Doch dann, heute, die Überraschung. Kaum eineinhalb Wochen später reagiert die PNP mit ausgesprochen fröhlichem Unterton:
(Nicht wundern, wenn der Link zur Geschichte fehlt: In gewohnter Manier ist dieses Stück online natürlich nur Abonnenten zugänglich; auch das eine ganz besondere Form der Passauer Kommunikation).
Achja, und noch eine weitere Mitteilung hatte das Blatt für die lieben Leser in der selben Ausgabe: Zum 1.1. 2009 werden die Abopreise angehoben.
Update, 12.52 Uhr: Inzwischen die Printausgabe besorgt und nochmal gestaunt. Kümmerliche vier Sätze teilen den “lieben Passauern” mit, was eigentlich passiert ist:
“(…)Nach vielen beruflichen Stationen ist er (der neue Lokalchef Michael Koch; cj) da, wo alles angefangen hat. Als mittlerweile dienstältester Lokalredakteur Passaus leitet der 45jährige Familienvater seit Montag das Stadtressort. (…) Umstrukturierungen innerhalb der PNP haben dazu geführt, dass es weitere personelle Veränderungen in der Stadtredaktion gegeben hat. Zu etablierten Kollegen, die seit vielen Jahren das örtliche Geschehen journalistisch begleiten, haben sich Redakteure gesellt, die schon lange erfolgreich im PNP-Verbreitungsgebiet gearbeitet haben.”
Aber darüber waren die “lieben Passauer” ja schon lange informiert. Es sei denn, sie lesen nur PNP.
Update, 16.08: Schneller gebloggt als gelesen: Tatsächlich hat Geschäftsführerin Simone Tucci-Diekmann den Vorgängen der letzten Woche in der heutigen Ausgabe ein paar Zeilen an die “lieben Leser” gewidmet. Die Veränderungen seien schon seit Monaten geplant gewesen, schreibt sie; an dem Wirbel, der daraus entstand, seien insbesondere die Medien schuld. Veränderungen, so Tucci weiter, seien in jedem Zeitungshaus ganz normal. Zudem es keine Entlassungen gegeben habe, sondern lediglich Versetzungen. Für jeden der Betroffenen sei eine ihm angemessene neue Position gefunden worden.
Nun ja. Für den geschassten Lokalchef Helmuth Rücker gilt das nur eingeschränkt. Während bei allen Redakteuren des Hauses brav Redaktion und Kontaktdaten wie bspw. Telefon angegeben werden, fehlt bei ihm diese Bezeichnung. Dort heißt es jetzt nur noch: Helmuth Rücker, Redakteur.
Bochum
Ich geb´s zu – off-topic: Aber wenn sich mir, einem ziemlich überzeugten Südländer, ein Bild aus dem Ruhrpoot vom dortigen Journalistentag als wirklich prägend ins Hirn gebrannt, dann das hier:

Sowas würd´s bei uns nienienienie geben.
War trotzdem nett im Pott.
49, 4 Millionen
Die Passauer Neue Presse hat sich, nicht als einzige Tageszeitung, aus der Tarifbindung verabschiedet. Es wäre natürlich naiv zu glauben, dass sie das getan hat, um ihren MItarbeitern bessere Konditionen bieten zu können. Tatsächlich zahlt die PNP inzwischen ihren jüngeren und neueren Redakteuren Gehälter, die sich strikt am Marktwert orientieren, was im Fall PNP heißt: was ihnen die Leute gerade wert sind, das kann mal mehr und mal weniger sein. In jedem Fall aber weniger, als es der Tarif vorsehen würde.
Kurz dagegen gestellt: 49,4 Millionen Euro betrug das Konzernergebnis, das im Geschäftsjahr 2006 auf die Gesellschafter entfiel.
Interview mit Thomas Knüwer
Thomas Knüwer hat Urlaub. Mit der kleinen Saalschlacht rund um die Löschung eines Kollegen-Kommentars in seinem Blog habe das nichts zu tun, erzählt mir Knüwer am Telefon, der Urlaubstag war schon länger geplant. Unterbrochen von Rauschen und anderen Nebengeräuschen: Ich erwische Knüwer am Handy in der Metro in Paris. Für Focus Online habe ich dem Handelsblatt-Blogger ein paar Fragen gestellt – nachzulesen hier.


