Archiv für Februar 2009


Aus dem Leben eines Monopolisten

4. Februar 2009 - 14:06 Uhr

Der Kulturchef der Passauer Neue Presse musste sich dieser Tage ein wenig aufregen: Warum eigentlich, so schrieb Raimund Meisenberger, müsse das Passauer Scharfrichterhaus immer noch uralte Klischees bedienen und im Zuge dessen die gute alte PNP als “Einfältigkeitspresse” bezeichnen?

Wörtlich schreibt Meisenberger:

Nun ist das Lieblings-Klischee der Scharfrichter seit jeher die Passauer Neue Presse. Wohl daher ist auf der ersten Seite des Programmheftes, das gestern mit der Bitte um „Auslage und Veröffentlichung“ verschickt wurde, von der „Einfältigkeitspresse“ zu lesen. Und man darf sich fragen, aus welcher kämpferischen Laune heraus hier plötzlich abgestandene 70er-Jahre-Klischees ausgegraben werden.(…)

Tja, warum eigentlich? Vielleicht ja auch deswegen, weil man als Beobachter den Eindruck nicht los wird, dass die PNP und die Verlegerfamilie ihre unbestreitbare Medienmacht (ihr gehören in Niederbayern ganz, mehrheitlich oder anteilig u.a. die Tageszeitung, die Sonntagszeitung, das Anzeigenblatt, Onlinedienste, das Lokalradio, eine Telefonfirma und eine Art Postzustellbetrieb; früher auch mal ein ganzer Fußballklub aus der Champions League, aber das ist wieder eine andere Geschichte) manchmal ein kleines bisschen zu sehr für ihre eigenen Interessen nutzen.

Heute ist zum Beispiel wieder mal so ein Tag. Denn neben diversen Zeitungen findet sich im Besitz der Familie auch eine Immobilie, die so ziemlich in der exponiertesten Lage der Stadt sich befindet. Damit hatte man mal große Pläne, die sich aber erledigten, weswegen man das Ding verkaufen wollte. Aber auch das scheiterte – und warum es scheiterte, dazu gibt es inzwischen auch eine Darstellung. In der PNP (gehört der Familie), geschrieben vom neuen Lokalchef (den die Familie ziemlich spektakulär einsetzte), mit einem Statement des Rechtsanwalts der Familie, der wiederum zufällig Ehemann der Verlegerin ist. Nochmal also zum Mitschreiben: Verlegerfamilie berichtet in der verlegereigenen Zeitung über ein verlegerfamilieneigenes Geschäft und zitiert quasi als Kronzeugen den verlegerfamilieneigenen Rechtsanwalt. Ein Statement der Gegenseite fehlt leider. Und dass die Geschichte für die Verlegerfamilie ziemlich günstig und für die Gegenseite nicht ganz so günstig ausfällt, muss man vermutlich nicht eigens betonen. Wenn das nicht “Einfältigkeitspresse” ist, lieber Herr Meisenberger – was dann?

Ab und an übrigens demonstriert Dr. Dr. Axel Diekmann mit feinen, kleinen Gesten dann auch, was er so hält von anderen Mächten außerhalb der PNP; beispielsweise der Justiz. Der Geschäftsführer seiner Anzeigenblätter nämlich wurde im Januar zu einer Freiheitsstrafe von elf Monaten und einer Geldauflage von 200.000 Euro verurteilt. Grund waren etwas eigenwillige Provisionszahlungen an den ehemaligen Marketingleiter eines Möbelhauses (die ganze Geschichte zum Nachlesen: hier). Die hausinterne Konsequenz daraus: Den verurteilten Geschäftsführer beförderte Diekmann kurzerhand zum “Herausgeber”.

Aber das als Beleg für “Einfältigkeitspresse” zu werten, das wäre bestimmt auch wieder nur ein altes Klischee.

Kommentieren » | NUR SO DAHINGESAGT

Das Ende der Beliebigkeit

3. Februar 2009 - 16:11 Uhr

“Das Ende der Beliebigkeit” heißt ein Buch, das der Hamburger Medienprofessor Frank Heinrich herausgegeben hat und das in diesen Tagen erschienen ist. Die Autoren des Buchs reichen vom Altmeister der Fotografie bis hin zum n-tv-Geschäftsführer (und ja, ich habe auch mitgeschrieben). Gemeinsam ist den Autoren zweierlei: Zum einen sind sie allesamt als Dozenten an der Euopäischen Medien- und Businessakademie EMBA in Hamburg unterwegs, deren Direktor Heinrich ist, zum anderen haben alle auf Honorare oder ähnliche Vergütungen verzichtet. Der Erlös aus dem Buch kommt im vollen Umfang den SOS-Kinderdörfern zugute. Also, kaufen Sie´s bitte; Sie müssen es ja nicht auch noch lesen.

Mehr Infos und Konrakt: hier.

Kommentieren » | IN EIGENER SACHE

Neues aus Passau: Frau Tucci feuert den Chefredakteur

2. Februar 2009 - 10:14 Uhr

In den letzten Woche konnte man sich das ja schon mal fragen: Was macht eigentlich Hans Schregelmann, der Chefredakteur der Passauer Neuen Presse? Als man ihm die Redaktion demontierte: schweigen. Als man das Institut zur Journalistenausbildung zerlegte: schweigen. Stattdessen wirbelte sein Vor-Vorgänger Rudolf Kollböck durchs Haus, plante neue Redaktionskonzepte, feuerte Leute, holte sich seine alte Macht wieder zurück und stellt heute auch noch ein neues Redaktionskonzept vor. Was also macht Schregelmann, Chefredakteur zumindest auf dem Papier? Antwort: nichts mehr. Auch er wurde jetzt gefeuert, just nach dem man ihm erst unlängst seinen Zeitvertrag in einen unbefristeten umgewandelt hatte. Andernorts könnte man so etwas als Vertrauensbeweis werten, bei der PNP und ihrer Geschäftsführerin Simone Tucci-Diekmann heißt das hingegen: höchste Vorsicht. Wer gestern noch der Darling im Haus war, ist heute schuld an den Auflagerückgängen.

Man darf das, was sich in den letzten Monaten in Passau ereignet hat, nicht nur als Exempel für die dräuende Zeitungskrise verwenden. Man darf das ruhig auch als Anzeichen beginnender Panik bewerten. Immerhin liest sich die Tucci-Bilanz der letzten Monate so: eine komplette Lokalredaktion abgesetzt, einen Lokalchef öffentlich degradiert und gedemütigt (Ex-Lokalchef Helmuth Rücker ist inzwischen 3. Redakteur in der kleinen Lokalredaktion Grafenau), das Journalisteninstitut zerlegt, den Chefredakteur gefeuert. Mit der Konsequenz, dass im Haus eine eigenartige Melange aus Angst und Misstrauen regiert und das Blatt inzwischen völlig gesichts- und konturenlos geworden ist. So handelt nicht jemand, der sich seiner Sache sicher ist und eine solide Idee für die Zukunft hat.

Die Devise von Frau Tucci-Diekmann lautet stattdessen: erstens zurück in die Zukunft und zweitens bedingungslose Gefolgschaft. Was sich sehr schön an der Personalauswahl zeigt. Neuer Chefredakteur wird Ernst Fuchs, ein persönlich bestimmt ausgesprochen netter und niederbayerisch verwurzelter Mensch; aber eben auch einer, der als 17-Jähriger zur PNP kam und außer einem kurzen Ausflug in die Welt der PNP-Lokalredaktionen nie etwas anderes gesehen hat als den Passauer Elfenbeinturm. Als Vize holt man Werner Windpassinger zurück, ebenfalls ein überaus netter Kollege und jetziger Leiter des Passauer Bistumsblatts. Aber eben auch jemand, der noch nie Medien außerhalb Niederbayerns gesehen hat. Und, was noch wichtiger ist: Beide, sowohl Fuchs als auch Windpassinger (als auch der weitere stellv. Chefredakteur Kellermann), haben schon in den 80ern zusammen gearbeitet – unter dem Chefredakteur Kollböck. Nun also macht Frau Tucci-Diekmann jetzt nichts anderes, als eine Besetzung zurückzuholen, die ein merkwürdiges Konstrukt erlaubt: einen Berater, der de facto Chefredakteur ist. Und eine Chefredaktion, die brav das tun wird, was der Berater ansagt. Dass Kollböck wirklich nur ein Berater ist, sollte man besser nicht glauben.

Das alles wäre schon merkwürdig genug, bliebe nicht einfach die Frage, wie man daraus auch nur einen Hauch Zukunftsfähigkeit ablesen sollte. Für digitales Denken stehen alle drei nicht. Dafür, dass man die dramatischen Veränderungen, die auf Medien im Allgemeinen und Tageszeitungen im Besonderen zukommen, begriffen hätte, auch nicht. Vielmehr deutet vieles auf schlichtes Sparen und Eindampfen hin. Und darauf, dass die Redaktion im Hause PNP zu einer Einrichtung geworden ist, die nicht mehr allzu viel zu sagen hat. Weder Kollböck noch Fuchs noch Windpassinger werden sich erlauben können, der Verlegerin auch nur im Ansatz zu widersprechen.

(Und eigentlich hätte man jetzt auch noch ein paar Zeilen über guten Stil und Anstand verlieren können; aber das ist vermutlich in diesem Fall ganz einfach überflüssig).

5 Kommentare » | PRINT

     Neuere Einträge »