Archive for März, 2009
DJS twittert
Wie sich die Zeiten ändern: Mit der 47 K gibt es erstmals eine twitternde Klasse der DJS. Ganz ohne sanften Zwang. Lesen, weil´s gut ist.
Journalisten erklären das Internet
Das Internet ist heute als Informationsquelle und Kommunikationsmittel von großer Bedeutung. Nicht nur im Beruf, auch im privaten und schulischen Bereich ist der Zugang zur weltweiten Datenautobahn sehr wichtig.
(aus dem “Westfalen-Blatt”)
Und fast jeder Maurer ist besser ausgebildet…
Wenn man nicht gerade über die Maßen naiv ist, dann weiß man das: Volontariat ist zwar ein wohlklingendes Wort, dahinter verbirgt sich aber nicht selten etwas, was mit Ausbildung nicht wirklich viel zu tun hat. Volos, die über Wochen hinweg das Blatt alleine stemmen müssen, Volos, die de facto billige Arbeitskräfte und nicht mehr sind – das alles hat man immer wieder mal gehört und sich (leider) achselzuckend damit abgefunden.
Gestern dann aber eine Veranstaltung mit (Zeitungs-)Volontären, bei der mir fast die Luft weggeblieben ist: eine Gruppe mit einem guten Dutzend, von denen kein einziger mit seinem Volontariat auch nur halbwegs zufrieden war. Eine Gruppe (aus ganz unterschiedlichen Häusern), für die es selbstverständlich war, dass es keinen Ausbildungsplan gibt, keinen Redakteur, der sich um sie kümmert, kein Feedback, keine Anleitung, einfach nichts, außer: mach mal.
Das ist dann doch ziemlich verblüffend, weil man auf der anderen Seite gerade in den jetzigen Debatten um die “neuen” Medien immer wieder hört, wie wichtig gut ausgebildete Journalisten seien, die gehaltvollen Qualitätsjournalismus liefern und damit all den ganzen bloggenen, twitternden und sonstwie publizierenden Laien etwas entgegensetzen zu können. Lass die doch irgendwelchen Blödsinn schreiben, heißt es aus der Qualitätsprinterecke immer wieder gerne, wirklich relevant sind nur wir; wir uns unsere Qualität. Qualität, die daraus besteht, dass man den bisher unbezahlten Praktikanten in den Status des nicht selten untertariflich bezahlten Volos befördert, ihn aber ansonsten weiterhin unbeaufsichtigt arbeiten lässt?
Komisch ja auch: niemand käme auf die Idee, einen Maurerlehrling mal eben alleine und unbeaufsichtigt und ohne Anleitung an einem Haus bauen zu lassen. Bei Qualitätsmedien, bei unserem “4. Stand” ist man da wesentlich salopper.
Stefan Niggemeier schrieb in den letzten Tagen von einem “Kulturkampf” gegen das Web 2.0. Da ist was dran. Allerdings, wenn dem so sein sollte, dann gehen die Kulturkämpfer eher mit schlecht ausgebildeten Truppen in den Kampf.
Übrigens, im Mai bin ich auf dem Süddeutschen Journalistentag auf einem Panel zum Thema “Bloggen, twittern – neue Sündenfälle im digitalen Zeitalter.Über Ethik im Journalismus.” Gerade im Moment kommt mir diese Debatte ziemlich abgehoben vor.
Tweet
Der schönste Tweet, den ich bisher in meinem noch eher kurzen Twitter-Dasein gelesen habe, ist so schön, dass es schade wäre, würde es beim Tweet bleiben:
rt @gapingvoid the web has made kicking ass easier to achieve, and mediocrity harder to sustain. mediocrity now howls in protest.
Wunderbar.
Wie gehe ich richtig aufs Klo?
Ob das wohl eine typisch deutsche Geschichte ist? Immer dann, wenn es so etwas Ähnliches wie ein neues Medium und neue Kommunikationsformen gibt, ist es nicht etwa so, wie es sein könnte: dass man nämlich diese Dinge mal in die Hand nimmt, sie ein wenig ausprobiert, sie sich langsam entwickeln lässt (und sich ggf. auch die Freiheit nimmt, sie wieder wegzuwerfen, wenn sie nix gescheites sind).
Aber nein, es muss ja alles seine Ordnung haben: Wir machen Charts, wer wie viele Follower hat und damit vor wem liegt (gäääähn) und wir schreiben Handbücher über Twittern und wir machen goldene Regeln, wie man richtig twittert. Der selbe Langweiler-Kram war schon zu lesen, als Blogs kamen (Wie blogge ich richtig? Wer hat die meisten Besucher, wer steht vor wem?)) und als man entdeckte, dass man im Zuge der Datenkomprimierung jetzt auch selber Audios erstellen kann (Wie podcaste ich richtig?).
Meine Güte – wie entsetzlich langweilig. Statt einfach selber ein Medium zu entwickeln und selber Maßstäbe zu setzen, ruft alles nach dem Handbuch und den goldenen Regeln, deren Erfolge dann daran bemessen werden, dass Knüwer momentan mehr Follower hat als Turi (im Übrigen, liebe Chartmacher: schon mal was von selbstverstärkender Prominenz gehört?) Und wann kommen eigentlich die Handbücher und die goldenen Regeln, wie man richtig aufs Klo geht?
Für meinen Teil: Mir ist es völlig wurscht, wer wie viele Follower hat. Und wer mir Regeln vorsetzen will, wie man richtig bloggt oder (noch besser) richtig fürs Web textet, landet ziemlich schnell auf meiner ganz persönlichen Blacklist. Kreativität im Handbuch? Was für ein absurder Gedanke.
Süddeutscher Journalistentag 2009
Manchen Veranstaltern sagt man schon aus purem Eigennutz zu. Wenn beispielsweise Mehmet Scholl auf der gleichen Party rumtanzt. Aber es gibt natürlich auch noch viele gute andere Gründe, den Süddeutschen Journalistentag 2009 in München zu besuchen…
Landeklappen mit dem Handy steuern
Ab und an sitze ich vor dem Rechner und denke mir: Warum zum Teufel mag ich FAZ.net und warum habe ich, trotz aller Bemühungen, es gut zu finden, bei sueddeutsche.de immer das Gefühl, irgendwas fühlt sich nicht richtig an?
Dann heute Folgendes in der Titanic gefunden – und beschlossen, dass ich zwar weiterhin treuer SZ-Leser bleibe, aber mich beim Onlineauftritt damit abfinde, dass es wohl einfach so ist wie es ist. Oder ich verstehe den Humor nicht. Dass sich übrigens die “Witze” in der von Bernd Graff verantworteten “Kultur” fanden, nun ja…was soll man sagen?
Sueddeutsche.de!
Da soll einer noch mal behaupten, das Niveau des Internetjournalismus lasse zu wünschen übrig. Daß davon keine Rede sein kann, haben Deine »Gags für die Gruft« bewiesen, auf welche wir neulich in Deiner Kultur(!)-Rubrik stießen. Dort fanden sich unter dem Motto »Die witzigsten letzten Worte« die des Fluggastes: »Schau mal, Schatz, ich kann mit meinem Handy die Landeklappen steuern«, die des Briefträgers (»Braves Hundchen«) sowie die des Architekten in seinem neuen Rohbau (»Mir fällt da grad was ein«) – um nur mal die ersten drei von insgesamt 37 Spitzenwitzen zu zitieren. Uns fehlen da eigentlich nur noch die letzten Worte des SZ-Redakteurs: »Lieber Chef, ich bin hier, um seriösen Internetjournalismus zu betreiben!« –
aber das ist am Ende der größte Witz, nicht?
(Hier gibt´s übrigens noch mehr von den wunderbaren Briefen an die Leser.)
Und was die Kollegen der Titanic übersehen haben: Es gibt auch noch 23 ganz ulkige Witze über Männer, praktischerweise als Bildergalerie verpackt.
Print on demand
Gerade eben habe ich meinen ganzen Medienkram, mit dem ich mich heute und die kommenden Tage ein wenig beschäftigen möchte (bei manchem gilt leider auch: muss) ein wenig sortiert. Videos, Audios, Zeitungen, Feeds, Handy.
Zwischendrin ein kurzer Gedanke, bei dem ich mich gerade frage, ob er wahlweise einfach nur veraltet, unzutreffend, naiv oder vielleicht doch treffend ist: Was, wenn die ganzen Diskussionen darüber, ob Print noch weiter leben darf, gar nicht relevant sind? Wenn es gar nicht darum ginge, auf welchem Datenträger ein Medium zu haben ist? Sondern vielmehr einfach nur darum, dass es Medien einfach gibt, auf den unterschiedlichsten Kanälen, in den verschiedensten Varianten – und, das als das alles Entscheidende, personalisierbar und abrufbar? Dass es in erster Linie künftig nicht um die Frage Papier oder digital geht, sondern um ständige Verfügbarkeit, um das Loslösen aus inhaltlichen und schmematischen Klammern; kurz gesagt also darum, dass es doch eigentlich stinknormal ist, wenn ich mich jetzt von diesem Rechner verabschiede, um meine Sonntagszeitung zu lesen.
Jakblog-Stellenmarkt
Jobs gesucht? Bitte sehr, gibt´s bei Zeit Online (via Thomas Mrazek):
Die Stellenanzeige im Wortlaut:
Für unsere Redaktionsteams in Hamburg und Berlin suchen wir Verstärkung.
Am Standort Berlin suchen wir für ab sofort:
1 Leiter(in) für das Ressort Wirtschaft
1 Leiter(in) für das Ressort Kultur
1 Leiter(in) für das Ressort Digital
1 Redakteur(in) für internationale Politik
1 Redakteur(in) für das Ressort Karriere
1 verantwortliche(n) Redakteur(in) für die Abteilung Video
1 verantwortliche(n) Redakteur(in) für die Abteilung Grafik
Am Standort Hamburg suchen wir für ab sofort:
1 Redakteur(in) für das Ressort Wissen
1 Entwicklungsredakteur(in)
Alle detaillierten Stellenausschreibungen finden Sie in diesem PDF-Dokument zum Download.
Falls Sie sich via E-Mail bewerben möchten, schicken Sie Ihre Bewerbung bitte nur an: karriere@zeit-digital.de
Eilmeldung! Es geht wieder aufwärts!
Ich verstehe wirklich nicht allzu viel von Wirtschaft. Aber wenn ich das hier so lese, frage ich mich ernsthaft, ob diese ganzen Konjunkturindexe und Analystenmeinungen und Vorhersagen nicht in etwa so präzise sind, als wollte man das Wetter für Arnstorf am 10. Juni 2011 voraussagen. Vor allem angesichts dessen, dass die letzten Prohezeiungen von Wirtschaftsexperten, Chefökonomen und Bankern ja nur so mittelgut getrofen haben.
Und vor allem frage ich mich: Müssen wir Journalisten eigentlich jede Wirtschafts-Prognose gleich mit einer Eilmeldung adeln? Man darf ja schließlich vermuten, dass spätestens morgen irgendjemand einen unerwartet starken Eindruch von irgendwas voraussagt.
Aber dafür gibt´s dann sicher wieder eine Eilmeldung.
Nachtrag, 14.12 Uhr: Na bitte. Schon hat sich jemand gefunden.