JakBlog

Anmerkungen eines Medienmenschen

Archive for März 16th, 2009

Erschütternde Bilder!

with one comment

“Das Leid der Elisabeth Fritzl – erschütternde Bilder”, kündigt N24.de gerade eben bei Twitter in gewohnt fischmarktmäßiger Manier an, um ganz serviceorientiert direkt darauf zu verlinken.

Und in der Tat, das ist wirklich erschütternd, was man da so sieht:

Richtig gruselig auch das hier:

Und obwohl man diese erschütternden Bilder kaum mehr ertragen kann, legen die Kollegen noch nach. Anschauen nur, wenn man wirklich gegen Erschütterungen aller Art gewappnet ist:

Und richtig vollends grausam wird es schließlich hier:

So ist das im crossmedialen Onlinejournalismus 2009: Man wirft wahl- und sinnlos irgendwelche Archivbilder zu einer “Galerie” zusammen, streckt die dann noch mit ein paar ganz und gar nicht zum Thema gehörenden anderen Motiven (es müssen schließlich Klicks her), formuliert ein paar bizarr schlechte Bildtexte dazu, twittert dann irgendwas von “erschütternden Bildern” – und wundert sich schließlich, dass man für Onlinejournalismus irgendwie noch kein richtig überzeugendes Geschäftsmodell gefunden hat und die User einfach nicht zahlen wollen.

Übrigens, zu den Zeiten des irgendwie nur mittelmäßig erfolgreichen Konzernchefs de Posch sollte N24 in die Top 5 der deutschen Nachrichtenportale gebracht werden. Sieht so aus, als habe man dieses Vorhaben vorläufig, äh, zurückgestellt.

Written by cjakubetz

März 16th, 2009 at 8:15 pm

Posted in ONLINE/MULTIMEDIA

Ubiquitäres Gezwitscher

with 2 comments

Die Tatsache, dass die Geschichte mit dem Amoklauf und Twitter jetzt auch in den Klauen von Bernd Graff (O-Ton: “Ubiquitäre Echtzeittexte”) gelandet ist, sollte Anlass genug sein, nochmal ein paar Sätze zum Thema zu sagen.

Die Sache ist viel einfacher, als wie sie Graff heute gewohnt verschwurbelt im SZ-Feuilleton verwurstelt. Ob Twittertexte sich “mit dem Kontinuum der erlebten Zeit winden” spielt dabei keine richtig große Rolle. Es spricht nichts dagegen auf 140 Zeichen zu texten, wenn man das möchte, es spricht auch nichts dagegen, einen kurzen Sachverhalt kurz darzustellen.

Wohingegen sehr viel dagegen spricht ist, einen Amoklauf mit etlichen Toten dazu zu nutzen, seine Schlagzeilen derart lauthals anzupreisen, dass jedes Bordsteinschwälbchen auf dem Straßenstrch dagegen als züchtig durchgeht. Es spricht einiges dagegen, sich selbst in den Mittelpunkt der Berichterstattung zu stellen (“Wir drehen jetzt ab!”) und es ist abgrundtief peinlich, das Ganze auch noch mit vermeintlichem Witz auflockern zu wollen (“Chef hat Budget für zwei Zahnbürsten freigegeben, wir bleiben über Nacht”).

Mit dem Medium Twitter, ob man es mag oder nicht, hat das nicht so rasend viel zu tun. Sondern lediglich mit ein paar Kleinigkeiten, von denen ich bisher immer dachte, dass man sie zum einen schon in der Ausbildung lernt und dass man sie zum anderen schon alleine beim Gebrauch des halbwegs gesunden Menschenverstands unterlässt. Spekulation ist kein wirklich legitimes journalistisches Mittel; schlechte Witzchen im Zusammenhang mit einem Amoklauf sind geschmacklos. Welche Rolle soll es dabei spielen, ob der Mist getwittert oder gedruckt wird? Mist bleibt Mist.

Verfürt das rasend schnelle und unmittelbare Medium Twitter zu rasend schnellem und unreflektiertem Publizieren?  Mag sein. Eine Erklärung für die Missgriffe vom Mittwoch ist das dennoch nicht.

Was mich in dem Zusammenhang viel eher, nun ja, gewundert hat: Es waren ziemlich bekannte und etablierte Medien, die sich da entblößt haben. Medien und Journalisten, von denen man doch irgendwie hoffen durfte, dass man einigermaßen fundiert informiert werde. Dass sie im Twitterrausch ziemlich viele Anstands – und auch einige journalistische Grundregeln glatt vergessen haben, macht die Lektüre der angestammten Plattformen der Herrschaften nicht eben angenehmer.

Written by cjakubetz

März 16th, 2009 at 9:32 am

Posted in ONLINE/MULTIMEDIA