Archive for April, 2009
Crossmedia, 2. Auflage
Ja, ich geb´s zu, es freut mich: Das Buch “Crossmedia” ist prima gelaufen, es wird Anfang 2010 in einer zweiten Auflage erscheinen. Dumm nur: Beim Thema “Crossmedia” heißt zweite Auflage eigentlich so viel wie “neu schreiben”.
Ich bin dann mal weg…
“Das waren ja ganz andere Gründe…”
preis-fur-geschasste-lokalredaktion
(klicken zum Anhören des BR-Beitrags; ca. 4.30 Minuten)
Einblicke ins Passauer Innenleben: Der Bayerische Rundfunk berichtete am Sonntag in seinem “Medienmagazin” ausführlich über die Vergabe des Deutschen Lokaljournalistenpreises an die mittlerweile zerschlagene Lokalredaktion der PNP. Demnach wartet Ex-Lokalchef Helmuth Rücker immer noch auf einen Glückwunsch der Verlegerin (ich vermute: da wartet er, bis er schwarz wird) und die Verlegerin selbst sagt: Es seien ja ganz andere, nämlich “Auflagegründe” gewesen, die zur Auflösung der Redaktion geführt hätten.
Aber dank IVW weiß man ja, dass es demnach bis zur nächsten Zerschlagung nicht mehr weit hin sein kann…
Im Brennpunkt: Klinsi und Claudia
Vermutlich war es einfach nur ein sehr naiver Gedanke, als ich gestern abend dachte, die Sendezeitverschiebung in der ARD und der eingefügte Sondersendeplatz unmittelbar nach der “Tagesschau” könnten was mit Schweinegrippe zu tun haben. Stattdessen drehte sich die Sondersendung um weitaus Wichtigeres, beispielsweise darum, was Claudia Roth zum Klinsmann-Rausschmiss sagt. Helmut Markwort durfte auch was sagen und ein paar andere auch noch und alles in allem wusste man nach 15 quälend aufgeblähten Sendeminuten dann doch wieder, warum man gerne Gebühren fürs Qualitätsfernsehen zahlt.
Mehr dazu bei den Kollegen von Blogmedien.
Online worst (25)
Die TSG Hoffenheim war mal Herbstmeister der Fußball-Bundesliga. Inzwischen trägt die TSG den zweifelhaften Titel “schlechtester Herbstmeister aller Zeiten”, liegt auf Platz 8 der Tabelle und hat mittlerweile einen kleinen Rückstand von 12 Punkten auf den Tabellenführer (bei insgesamt noch 15 zu vergebenden).
Kein Wunder also, dass man bei pnp.de die “Umfrage der Woche” nach dem künftigen deutschen Fußball-Meister auch auf Hoffenheim fokussiert und man Teams wie Stuttgart dabei eher geringe, nein: eigentlich gar keine Chance einräumt:
(Die PNP-Leser glauben im Ergebnis übrigens nicht mehr wirklich an Hoffenheim, räumen der TSG mit 2,6 Prozent aber doch noch bessere Chancen ein als Hertha BSC mit 1,9 Prozent. Hertha ist übrigens momentan Zweiter, nachdem man in Freitag in Hoffenheim gewann.)
Nachtrag, 15.30 Uhr: Inzwischen ist die Umfrage weg.
Deutscher Alltag
Nein, es gibt keinen besonderen Grund für diesen Link – und auch keine Anmerkungen. Nur die, dass ich beim Lesen laut gelacht habe. Und das bekommen wirklich nicht viele hin – ein paar Blogger vielleicht und der Herr Kister natürlich.
Ein Preis für eine zerschlagene Redaktion
Die Konrad-Adenauer-Stiftung hat (ob gewollt oder nicht) der PNP-Verlegerin Simone Tucci-Diekmann ziemlich deutlich gezeigt, was sie von ihr und ihrer Personal- und Verlagspolitik hält: ungefähr gar nichts. Sie hat nämlich mit Helmuth Rücker und Thomas Seider zwei Redakteure der im November zerschlagenen Passauer Lokalredaktion mit dem Deutschen Lokaljournalistenpreis ausgezeichnet. Das ist so ziemlich die subtilste Preisverleihung, von der ich jemals gehört habe (Applaus…)
Rücker war bis 2008 Lokalchef in Passau und wurde dann von der Verlegerin in einer Nacht- und Nebelaktion geschasst. Thomas Seider hätte zunächst ebenfalls gehen sollen, durfte dann aber doch bleiben. Rücker arbeitet inzwischen als dritter Redakteur in der PNP-Lokalausgabe Grafenau.
Der Austausch der Redaktion in Passau hat Frau Tucci-Diekmann übrigens nichts gebracht, zumindest nicht das, was sie sich erhofft hat: Leser. Die Zahl der Abonnenten ging im ersten Quartal gegenüber dem letzten Rücker-Quartal 2008 von 27.602 zurück auf 27.524 (Quelle: IVW; die Zahl bezieht sich auf Stadt und Landkreis.) Das ist der niedrigste Abo-Stand seit Ende 2006.
Aber dass ihre Strategien eher erfolglos sind, dürfte die Verlegerin inzwischen ja gewohnt sein.
Wenn der Online-Wahn erstmal vorbei ist…
Man kann einer Krise eigentlich ganz einfach begegnen: Man wartet, bis sie vorüber ist. Danach ist dann alles wieder wie vorher, weswegen man mit der Devise “Helm auf und durch” ganz gut beraten ist.
Michael Naumann, Beinahe-Bürgermeister in Hamburg und Herausgeber der “Zeit”, scheint jedenfalls daran zu glauben, dass für Zeitungen bald alles wieder gut wird, wenn nur die Verleger bald “vom Internet-Wahnsinn geheilt werden” (Süddeutsche Zeitung von heute, S.19). Man wüsste in diesem Zusammehang ja schon gerne, welchen “Internet-Wahnsinn” Naumann genau meint. Den der “PNP”, bei der die angekündigte Online-Offensive zeitweise von exakt einer Volontärin bestritten wird, die vermutlich einen guten Job macht, allerdings nicht ganz den Output der über 100 Redakteure der Printausgaben hinbekommt? Oder den der “Süddeutschen”, die mit einem im Vergleich zur gedruckten Ausgabe bescheidenem Budget ihr Heil darin sucht, Texte aus der Zeitung mit möglichst bizarren Bildergalerien zu versehen? Den Internet-Wahnsinn von Verlagen, die momentan darüber nachdenken, ihren Zeitungsredakteuren irgendwann demnächst auch einen Zugang zum Online-CMS zu geben (aber nur vielleicht)? Wenn Naumann also mit einer Volontärin besetzte Redaktionen und das gelegentliche Einstellen versprengter Meldungen von Meldungen aus der Zeitung in das Onlineangebot durch einen Zeitungsredakteur als “Internet-Wahnsinn” bezeichnet, liegt die Messlatte irgendwie tief. Und man denkt sich dann, dass es für den Niedergang der Zeitung vielleicht doch noch andere Gründe geben müsste (die sieht auch Naumann, manchmal, so räumt er ein, seien auch “schlechte journalistische Leistungen” schuld. Ach.)
Gemeinsam sind sich die an diesem Abend gastgebende SZ, die das Netz ja auch nur so mittelgut findet, und der Zeit-Mann aber dann auch darin, dass man einfach keine Angst haben dürfe. Wörtlich schreibt die SZ:
Das Internet als ethikfreie Zone, in der hemmungslose Blogger um sich selbst kreisen, macht Naumann keine Angst. ” Das gedruckte Wort ist noch immer das schönste Zeugnis journalistischer Eitelkeit.”
…klopfen sich das die SZ und der Zeit-Mann gegenseitig auf die Schulter und man kann sich vorstellen, wie für einen Abend nochmal alles richtig gut war. Um sich selbst kreisende Blogger waren nirgends zu sehen, ebenso wenig wie diejenigen aus der SZ-Redaktion, die man soeben mit einer Abfindung rausgekauft hatte aus dem zukunftsträchtigen Medium Zeitung.
(Hinweis: Ich mag Zeitungen, ich mag sie wirklich, vor allem die SZ. Umso gruseliger finde ich ihre Ignoranz, wenn es um ihre Zukunft geht.)
Das Aus für die “Medienlese”
Die “Medienlese” gibt´s nur noch ein paar Tage, und wenn kein mittelgroßes Wunder passiert, dann ist am Donnerstag Schluss. Ich habe selten das Aus eines (Blog-)Projekts mehr bedauert; nicht nur, weil ich die Seite und vor allem (natürlich) die Rubrik “6vor 9″ mochte. Sondern auch deshalb, weil es die Crux der Bloggerei zeigt, vor allem dann, wenn man damit Geld verdienen möchte/muss. Ich wüsste nicht, was die Kollegen falsch gemacht haben, ich fand die Seite immer sehr professionell und potenziell lesenswert und in jedem Fall inspirierender als dass, was sich heute so alles Branchendienst nennt.
Kann man also nur – noch so gut gemachte – Blogprojekte auf die Beine stellen, wenn man umgekehrt bereit ist, seine durchaus professionelle Arbeit kostenlos und unter völligem Verzicht auf Freizeit anzubieten? Und, Zusatzfrage, die ich mir seit ein paar Tagen nach einem überaus interessanten privaten Gespräch immer wieder stelle: Überschätzen nicht dann doch wir als diejenigen, die sich mehr oder minder intensiv in diesem Mikrokosmos aufhalten, die Bedeutung und die Möglichkeiten von Blogs? (Notiz am Rande: An meinem Wohnort kennen, glaube ich, keine drei Leute Bildblog. Dementsprechend wurscht wäre es ihnen, wenn sie wüssten, dass einer ihrer Miteinwohner an Bildblog mitschreibt).
Süddeutscher Journalistentag
Ich bin nach wie vor ziemlich unsicher, ob mir auf dem Podium zu diesem Thema (“Journalistische Ethik im Internet”) überhaupt irgendetwas halbwegs Sinnvolles einfallen wird. Bisher dachte ich ja immer, Ethik sei Ethik – und nicht so sehr davon abhängig, ob jemand im Internet oder in einer Zeitung publiziert.
Aber Sie können trotzdem gerne mal vorbeischauen. Anmeldungen hier.
10 Cent die Zeile, 7 Euro das Foto
Irgendwie ist dieses Mediengeschäft schon komisch. Auf der einen Seite wird man ja, ganz gleich wo, kaum müde immer wieder zu betonen, wie wichtig doch diese Dings, diese Qualität ist. Vor allem jetzt in den Zeiten, in denen jeder bloggen und twittern und publizieren kann, was er will, selbst dann, wenn diese Dings, diese Qualität ganz und gar nicht sichergestellt ist. Logischer Rückschluss daraus: Die Qualität ist ausschließlich von denen zu sichern, die erstens dafür ausgebildet und zweitens dafür bezahlt werden. Und zwar besser als die “dummschwätzenden Medienblogger”, die “versuchen ein paar lousy Pennys zu verdienen, dabei aber nicht mal auf Hartz-IV-Regelsatz kommen” (Handelsblatt-Chefredakteur Bernd Ziesemer).
Auf der anderen Seite liest man dann wiederum Geschichten wie diese, in denen es darum geht, dass manche Lokalschreiber für 10 Cent pro Zeile und 7 Euro je Foto arbeiten (müssen). Nicht, dass man darüber überrascht wäre; die Klage über solche Honorarsätze läuft, seit ich meine ersten Zeilen für eine Zeitung geschrieben habe – und das ist immerhin schon 24 Jahre her. Trotzdem rechnet man dann mal nach, was das konkret bedeutet. Nämlich folgendes: Wenn jemand im Monat jeden Tag eine Geschichte mit 150 Zeilen in seinem Blatt hat und ein Foto pro Geschichte, dann kommt er am Monatsende auf ein Zeilenhonorar von 420 € und ein Fotohonorar von 196 €, was zusammen die stolze Summe von 616 € ergibt und gar nicht mal so weit weg ist vom “Hartz-IV-Regelsatz”. Auch zum durchschnittlichen Gehalt einer Auszubildenden im Friseurgewerbe ist es nicht mehr weit; die angehende Friseuse verdiente allerdings 2007 im Durchschnitt 8 Euro mehr als der Lokalschreiber. Da ist es dann schon etwas schwierig daran zu glauben, dass nur im echten und bezahlten Journalismus die wahre Qualität stattfinden soll; unser 616 €-Schreiber jedenfalls muss schon verdammt viel Idealismus und Grundkenntnisse im Überleben des Alltags ohne Geld mitbringen, wenn die Rechnung halbwegs aufgehen soll. Man behauptet also im Ernst im Journalismus, man müsse Qualität sichern – indem man Leute schreiben lässt, die schlechter als ein Friseurslehrling bezahlt werden (und damit habe ich jetzt nix gegen Friseusen gesagt).
Auf der anderen Seite – und das meine ich ernst – kann ich natürlich jeden Verleger verstehen, wenn er diese Honorare nicht spürbar nach oben setzt. Es wäre nämlich sein schneller Ruin. Um von diesen Sätzen leben zu können, müssten Journalisten das Drei- oder Vierfache bekommen und man kann sich leicht ausrechnen, was es für ein Haus bedeuten würde, stiegen die Honorare mal eben um das Vierfache an. Was gleichzeitig aber auch wieder zeigt, in welcher Falle inzwischen viele Zeitungen sitzen. Wollten sie wirklich die vielbeschworene Qualität liefern, müssten sie ihr Produkt erheblich verteuern (geht nicht). Liefern sie aber weiter maue Texte von Hausfrauen und pensionierten Oberstudienräten und ansonsten gut abgehangenes Agenturzeugs, wird der Laden auch nicht besser laufen. Schon gar nicht, wenn man weiter am Fetisch Papier hängt und nicht darüber nachdenkt, ob nicht die reine Onlineproduktion mittelfristig die einzig wirklich ökonomische und letztlich auch inhaltliche Perspektive ist. Das Regionalblatt bisheriger Prägung jedenfalls ist klinisch tot. Es weiß es nur noch nicht.

