Warum das Internet nicht an allem schuld ist
8. April 2009 - 19:54 Uhr“Es gibt die Tendenz, Regionalzeitungen bis zur Verwechselbarkeit zu modernisieren. (…) Insofern können die Entwicklungen der vergangenen Jahre nicht nur aufs Internet geschoben werden. Etliche Fehler sind hausgemacht. Manchmal habe ich auch das Gefühl, dass Geschäftsführer und Verleger die Ansprüche ihrer Leser unterschätzen. Die Leute wollen meines Erachtens mehr Substanz, als manchmal den Verantwortlichen bewusst ist.”
Giovanni di Lorenzo in einem Interview über Regionalzeitungen und ihr (Nicht-)Verhältnis zu neuen Medien. Und in der Tat: Man macht es sich vermutlich wirklich zu einfach, wenn man alles einfach nur aufs böse Netz schiebt. Ich habe mir in den vergangenen Wochen mit ganz besonderem Interesse die Entwicklung der Passauer Neuen Presse angeschaut, die ja nach Chefredakteurs-Wechsel und einigen anderen Rochaden behaupet hatte: Wir haben verstanden. Ab jetzt machen wir es anders.
Anders sind die Namen, die Zeitung selbst ist es nicht. Noch immer dominieren im Mantelteil die Themen, die schon immer den Mantelteil dominiert haben. Dass die Inhalte in irgendeiner Weise regionalisiert werden, lässt sich nicht beobachten, stattdessen leiert man in gewohnter Routine die übliche Agenda lieblos runter: Gipfeltreffen, Bundespolitik, das alles halt, was in einer klassischen Früh-Agenda der dpa zu finden ist. Tatsächlich ist das, was die PNP machen will (und neben ihr viele andere auch) ein ziemlich müder Kompromiss: Man versucht, ein großes Thema auf lokale Ebene runterzubrechen. Das ist sehr häufig nur eingeschränkt möglich (“Was bedeutet der G20-Gipfel für Niederbayern?”) und hat oft nur Alibifunktion. Was man stattdessen bräuchte, wäre ein Abschied von der Vorstellung, dass der Leser einer Regionalzeitung auf den ersten 20 Seiten des Blattes eine gedruckte Tagesschau vom Vortag finden will. Das können andere besser – und das entspricht auch nicht mehr dem Nutzungsverhalten von Medienkonsumenten im Jahr 2009. Das ist bei der PNP so und bei vielen anderen auch.
Wo also bleibt der Chefredakteur, der Verleger, der so mutig ist und sagt: Wir machen eine Regionalzeitung, die tatsächlich den Wünschen unserer Leser entspricht und die Schluss macht mit den Manierismen aus analogen Zeiten (“Chefredateur X zur außenpolitischen Strategie von Obama”). Den würde ich gerne kennenlernen.
Und da macht es dann tatsächlich fast nichts mehr aus, dass der Onlineauftritt der PNP unverändert vor sich hin dümpelt. Wenn schon das “Hauptprodukt” der Gegenwart um Jahre hinterherhinkt, warum sollte es da beim Onlineauftritt anders sein? So gesehen hat di Lorenzo also völlig recht: Für alles kann man das böse Internet nun wirklich nicht verantwortlich machen.