Archiv für 24. April 2009


Wenn der Online-Wahn erstmal vorbei ist…

24. April 2009 - 21:27 Uhr

Man kann einer Krise eigentlich ganz einfach begegnen: Man wartet, bis sie vorüber ist. Danach ist dann alles wieder wie vorher, weswegen man mit der Devise “Helm auf und durch” ganz gut beraten ist.

Michael Naumann, Beinahe-Bürgermeister in Hamburg und Herausgeber der “Zeit”, scheint jedenfalls daran zu glauben, dass für Zeitungen bald alles wieder gut wird, wenn nur die Verleger bald “vom Internet-Wahnsinn geheilt werden” (Süddeutsche Zeitung von heute, S.19). Man wüsste in diesem Zusammehang ja schon gerne, welchen “Internet-Wahnsinn” Naumann genau meint. Den der “PNP”, bei der die angekündigte Online-Offensive zeitweise von exakt einer Volontärin bestritten wird, die vermutlich einen guten Job macht, allerdings nicht ganz den Output der über 100 Redakteure der Printausgaben hinbekommt? Oder den der “Süddeutschen”, die mit einem im Vergleich zur gedruckten Ausgabe bescheidenem Budget ihr Heil darin sucht, Texte aus der Zeitung mit möglichst bizarren Bildergalerien zu versehen? Den Internet-Wahnsinn von Verlagen, die momentan darüber nachdenken, ihren Zeitungsredakteuren irgendwann demnächst auch einen Zugang zum Online-CMS zu geben (aber nur vielleicht)? Wenn Naumann also mit einer Volontärin besetzte Redaktionen und das gelegentliche Einstellen versprengter Meldungen von Meldungen aus der Zeitung in das Onlineangebot durch einen Zeitungsredakteur als “Internet-Wahnsinn” bezeichnet, liegt die Messlatte irgendwie tief. Und man denkt sich dann, dass es für den Niedergang der Zeitung vielleicht doch noch andere Gründe geben müsste (die sieht auch Naumann, manchmal, so räumt er ein, seien auch “schlechte journalistische Leistungen” schuld. Ach.)

Gemeinsam sind sich die an diesem Abend gastgebende SZ, die das Netz ja auch nur so mittelgut findet, und der Zeit-Mann aber dann auch darin, dass man einfach keine Angst haben dürfe. Wörtlich schreibt die SZ:

Das Internet als ethikfreie Zone, in der hemmungslose Blogger um sich selbst kreisen, macht Naumann keine Angst. ” Das gedruckte Wort ist noch immer das schönste Zeugnis journalistischer Eitelkeit.”

…klopfen sich das die SZ und der Zeit-Mann gegenseitig auf die Schulter und man kann sich vorstellen, wie für einen Abend nochmal alles richtig gut war. Um sich selbst kreisende Blogger waren nirgends zu sehen, ebenso wenig wie diejenigen aus der SZ-Redaktion, die man soeben mit einer Abfindung rausgekauft hatte aus dem zukunftsträchtigen Medium Zeitung.

(Hinweis: Ich mag Zeitungen, ich mag sie wirklich, vor allem die SZ. Umso gruseliger finde ich ihre Ignoranz, wenn es um ihre Zukunft geht.)

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Das Aus für die “Medienlese”

24. April 2009 - 20:39 Uhr

Die “Medienlese” gibt´s nur noch ein paar Tage, und wenn kein mittelgroßes Wunder passiert, dann ist am Donnerstag Schluss.  Ich habe selten das Aus eines (Blog-)Projekts mehr bedauert; nicht nur, weil ich die Seite und vor allem (natürlich) die Rubrik “6vor 9″ mochte.  Sondern auch deshalb, weil es die Crux der Bloggerei zeigt, vor allem dann, wenn man damit Geld verdienen möchte/muss. Ich wüsste nicht, was die Kollegen falsch gemacht haben, ich fand die Seite immer sehr professionell und potenziell lesenswert und in jedem Fall inspirierender als dass, was sich heute so alles Branchendienst nennt.

Kann man also nur – noch so gut gemachte – Blogprojekte auf die Beine stellen, wenn man umgekehrt bereit ist, seine durchaus professionelle Arbeit kostenlos und unter völligem Verzicht auf Freizeit anzubieten? Und, Zusatzfrage, die ich mir seit ein paar Tagen nach einem überaus interessanten privaten Gespräch immer wieder stelle: Überschätzen nicht dann doch wir als diejenigen, die sich mehr oder minder intensiv in diesem Mikrokosmos aufhalten, die Bedeutung und die Möglichkeiten von Blogs? (Notiz am Rande: An meinem Wohnort kennen, glaube ich, keine drei Leute Bildblog. Dementsprechend wurscht wäre es ihnen, wenn sie wüssten, dass einer ihrer Miteinwohner an Bildblog mitschreibt).

(Mehr dazu u.a. hier und hier.)

1 Kommentar » | NUR SO DAHINGESAGT

Süddeutscher Journalistentag

24. April 2009 - 14:14 Uhr

Ich bin nach wie vor ziemlich unsicher, ob mir auf dem Podium zu diesem Thema (“Journalistische Ethik im Internet”) überhaupt irgendetwas halbwegs Sinnvolles einfallen wird. Bisher dachte ich ja immer, Ethik sei Ethik – und nicht so sehr davon abhängig, ob jemand im Internet oder in einer Zeitung publiziert.

Aber Sie können trotzdem gerne mal vorbeischauen. Anmeldungen hier.

1 Kommentar » | IN EIGENER SACHE