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Anmerkungen eines Medienmenschen

Archive for April, 2009

Österreich

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Hab´ich schon mal erzählt, dass ich Östereich sehr mag und es ungemein zu schätzen weiß, von meinem Wohnort aus quasi zu Fuß nach Österreich laufen zu können (ok, dafür müsste man zugegeben schon ausdauernd sein)? Jedenfalls freue ich mich über jeden Termin und Österreich und bedauere es irgendwie zutiefst, trotz unglaublicher geographischer Nähe nach Österreich deutlich mehr Termine in Berlin, Hamburg oder Köln zu haben.

Die FH Dornbirn hat jedenfalls jetzt Erbarmen mit mir gehabt und mich zu einem Symposium über Videojournalismus eingeladen. Yepp, das ist Eigenwerbung.

(Und dass ich statt der geplanten zwei Tage nur einen Tag da sein kann, weil kurzfristig noch ein Termin in München dazwischen gekommen ist, passt prima ins Bild).

Written by cjakubetz

April 22nd, 2009 at 12:20 pm

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Das WAZ-Mäntelchen des Schweigens

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Eine bekannte Sängerin wird festgenommen, man wirft ihr gefährliche Körperverletzung vor, weil sie wissentlich ungeschützten Sex mit Männern hatte, obwohl sie HIV-infiziert ist. Etliche Medien erichten darüber, der Boulverard sogar auf der Titelseite, “Bild” ist sogar der Meinung, man habe sie eingesperrt, um Männer vor der Ansteckung zu schützen. Die Sängerin wehrt sich, ihr Anwalt erwirkt eine einstweilige Verfügung gegen “Bild” und andere.

Wenn man die unterschiedlichsten Reaktionen der letzten Tage hört, man könnte tatsächlich meinen, ungeheuerliche Angriffe gegen die Pressefreiheit seien im Gange: Die Abendzeitung kommentierte unter einer großen Schlagzeile “Verboten”, Bild-Chef Kai Diekmann fragte sich, wer eigentlich alles Richter werden dürfe – und die WAZ verstieg sich inzwischen gar zu der verniedlichenden Auffassung, man müsse künftig wohl Prominente in ein “Mäntelchens des Schweigens” hüllen (das hat bei der WAZ aber anscheinend Methode, Chefredakteur Reitz droht gar: Wir sind immer da!). Als Beispiele für die zu bemäntelnden Promis nennt die Autorin übrigens Monica Lierhaus und Gaby Köster – und wer angesichts der schweren Erkrankungen der beiden spöttisch meint, man müsse solche Menschen wohl in ein Mäntelchen hüllen, der entlarvt sich selber.

In Frage gestellt ist tatsächlich nur eines: ein Geschäftsmodell, das darauf fußt, mit privaten Geschichten, mit Vorverurteilungen Geld zu machen. Mit Pressefreiheit hat das ungefähr gar nichts zu tun.

Written by cjakubetz

April 18th, 2009 at 6:09 pm

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Klein-Ruby bei der PNP

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Der Mann, der jetzt die PNP-Redakteure kreatives Texten von Überschriften und Bildtexten lehrt, hat ein gewisses Kreativpotenzial. Sollte er zumindest haben, wenn er anderen das Texten beibringen soll.

In einer der PNP-Lokalausgaben hat er sogar eine eigene Kolumne, in der er seine Kreativität beweisen kann. “Camara geht Gassi” heißt das gute Stück, es schildert die lokale Welt aus der Sicht eines Hundes, was Herrchen dann übersetzt (“Ich wuffe – und mein Herrchen übersetzt es in Menschendeutsch”).

Eine Kolumne mit Mensch und Hund – dass darauf noch niemand gekommen ist…

Written by cjakubetz

April 18th, 2009 at 5:25 pm

Posted in NUR SO DAHINGESAGT

Kampf der Krise! Mit besseren Überschriften!

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Eigentlich wollte ich hierüber beim besten Willen nichts schreiben. Die PNP-Verlegerin verpasst ihrer Nachrichtenredaktion ein dreimonatiges Überschriften- und Textetraining, na und? Soll sie doch.

Dann aber fand ich die Meldung doch bemerkenswert. Ob das jetzt eine Brüskierung der Chefredaktion ist oder nicht, das finde ich daran gar nicht so spannend. Sondern vielmehr dieses – gelegentlich exemplarische – Unvermögen, den Kern des Problems für Zeitungen zu begreifen. Würde die PNP einen externen Berater engagieren, er würde ihr sicherlich nicht diagnostizieren, dass das Problem der regionalen Tagespresse ihre Überschriften oder ihre Bildtexte seien (auch wenn man natürlich immer alles noch besser machen kann und die Überschriften in der PNP eher selten so richtig prickelnd sind). Das Problem sind die falschen Inhalte und die Tatsache, dass man das kovergierende Hypermedium Online weder begriffen noch vernünftig angegangen hat. Kein heute 18jähriger wird in Zukunft die PNP in die Hand nehmen oder gar etwas für sie bezahlen, weil sie jetzt orginelle Überschriften hat.

Ein über 60jähriger Ruheständler soll jetzt also als probates Krisenmittel altgedienten Zetungsredakteuren zeigen, wie man Überschriften und Bildtexte macht. Sprechen wir uns doch mal, sagen wir, im Sommer 2010 wieder. Vermutlich wird man dann auch bei der PNP begriffen haben, dass man 2009 versucht hat, einen Großbrand mit einem Sektglas zu löschen.

Written by cjakubetz

April 15th, 2009 at 10:39 am

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Grenzenloses Gezwitscher

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Written by cjakubetz

April 14th, 2009 at 8:57 am

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Managersuche bei der SZ

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Ich stelle mir gerade vor, ich wäre ein halbwegs renommierter Sportjournalist, der als solcher ab und an Geschichten für den in den allermeisten Fällen sehr lesenswerten Sportteil der SZ schreibt. Und dem man dann in einer sehr lesenswerte Geschichte über den bevorstehenden Generalumbau beim FC Bayern eine Bilderstrecke einbauen würde, mit ein paar Vorschlägen, welche Duos den FC Bayern wohl noch retten könnten. Ich weiß nicht, was ich täte. (Zum Verständnis: Dieser Text erschien heute auf der Seite 1 der SZ; die Kollegen der Onlineredaktion waren der Auffassung, man könnte ihn mit einer paar Bildchen noch ein wenig aufpeppen).

Und ich stelle mir vor, ich säße gerade in der Redaktionskonferenz der gedruckten SZ und würde den Chefredakteur oder den Herrn Kister bei deren Mienenspiel beobachten, wenn man ihnen folgende Texte und Fotos für die Wochenendausgabe vorschlagen würde.

Da hätten wir beispielsweise diese wunderbare Idee (gut, über die Schreibweise von “beschehren” sollte man nochmal nachdenken. Ach ja, und über die Grammatik von “Das Duo haben den Löwen…”):

Weitere von der rasend lustigen sueddeutsche.de-Redaktion empfohlene Kombinationen: Leo Kirch & Oliver Bierhoff, Oliver Kahn & Donald Trump (hä??), Dieter Hoeneß & Hartmut Mehdorn. Und wenn man sich danach vom Lachen über soviel feine Ironie wieder erholt hat, fragt man sich möglicherweise dann doch wieder leise, mit welcher Berechtigung Zeitungsverlage eigentlich glauben, es würde ausreichen, seinen (unbestritten: sehr guten) Namen für ein Onlineprodukt zur Verfügung zu stellen, damit das Klickvieh für ausreichend Traffic sorgt?

Written by cjakubetz

April 11th, 2009 at 1:46 pm

Posted in ONLINE/MULTIMEDIA

Osterweicheier bei der SZ

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Es gibt Dinge, die man sich kaum vorstellen kann. Dass Bayern München beispielsweise irgendwann mal so betörenden Fußball wie Barca spielen kann. Oder dass Angela Merkel so charismatisch wie Barack Obama wird.  Oder dass auf Neun Live eine Literatursendung läuft.

Oder aber: dass die Bilstrecken der “Kultur” (!) auf sueddeutsche.de noch dümmlicher werden als beispielsweise die Gags für die Gruft.

Zumindest letzteren Punkt können wir jetzt getrost abhaken, denn: Es geht doch. Man muss dafür lediglich eine Bildstrecke mit dem Titel “Ostern für Weicheier – harte Schale, weiche Birne” produzieren. Falls Sie fragen, was der Titel soll und was die Geschichte ist, muss ich passen. Keine Ahnung. Aber man sieht sehr schöne Bildchen und noch sehr viel lustigere Texte in dieser Bildstrecke. Beispielsweise diesen garantierten Schenkelklopfer:

Mindestens ebenso falsch ist es laut sueddeutsche.de, Ostereier in der Wikipedia zu verstecken, weil dort (wat hamm wa jelacht) ohnehin alles voller fauler Eier sei. Oder eine Schule, die sei ebenfalls ein ungeeigneter Ort fürs Eierverstecken, weil die Schüler meinten (Achtung, festhalten, jetzt kommt ein ganz Großer!) es handle sich dabei um eine “Abfragprämie”.

Geht´s noch, hmppf, blöder?

Ja. Es geht:

(PS: Nein, ich verlinke das nicht. Aus Prinzip nicht.)

(via Twitter).

Written by cjakubetz

April 10th, 2009 at 7:24 pm

Posted in ONLINE/MULTIMEDIA

Warum das Internet nicht an allem schuld ist

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“Es gibt die Tendenz, Regionalzeitungen bis zur Verwechselbarkeit zu modernisieren. (…) Insofern können die Entwicklungen der vergangenen Jahre nicht nur aufs Internet geschoben werden. Etliche Fehler sind hausgemacht. Manchmal habe ich auch das Gefühl, dass Geschäftsführer und Verleger die Ansprüche ihrer Leser unterschätzen. Die Leute wollen meines Erachtens mehr Substanz, als manchmal den Verantwortlichen bewusst ist.”

Giovanni di Lorenzo in einem Interview über Regionalzeitungen und ihr (Nicht-)Verhältnis zu neuen Medien. Und in der Tat: Man macht es sich vermutlich wirklich zu einfach, wenn man alles einfach nur aufs böse Netz schiebt. Ich habe mir in den vergangenen Wochen mit ganz besonderem Interesse die Entwicklung der Passauer Neuen Presse angeschaut, die ja nach Chefredakteurs-Wechsel und einigen anderen Rochaden behaupet hatte: Wir haben verstanden. Ab jetzt machen wir es anders.

Anders sind die Namen, die Zeitung selbst ist es nicht. Noch immer dominieren im Mantelteil die Themen, die schon immer den Mantelteil dominiert haben. Dass die Inhalte in irgendeiner Weise regionalisiert werden, lässt sich nicht beobachten, stattdessen leiert man in gewohnter Routine die übliche Agenda lieblos runter: Gipfeltreffen, Bundespolitik, das alles halt, was in einer klassischen Früh-Agenda der dpa zu finden ist. Tatsächlich ist das, was die PNP machen will (und neben ihr viele andere auch) ein ziemlich müder Kompromiss: Man versucht, ein großes Thema auf lokale Ebene runterzubrechen. Das ist sehr häufig nur eingeschränkt möglich (“Was bedeutet der G20-Gipfel für Niederbayern?”) und hat oft nur Alibifunktion. Was man stattdessen bräuchte, wäre ein Abschied von der Vorstellung, dass der Leser einer Regionalzeitung auf den ersten 20 Seiten des Blattes eine gedruckte Tagesschau vom Vortag finden will. Das können andere besser – und das entspricht auch nicht mehr dem Nutzungsverhalten von Medienkonsumenten im Jahr 2009. Das ist bei der PNP so und bei vielen anderen auch.

Wo also bleibt der Chefredakteur, der Verleger, der so mutig ist und sagt: Wir machen eine Regionalzeitung, die tatsächlich den Wünschen unserer Leser entspricht und die Schluss macht mit den Manierismen aus analogen Zeiten (“Chefredateur X zur außenpolitischen Strategie von Obama”). Den würde ich gerne kennenlernen.

Und da macht es dann tatsächlich fast nichts mehr aus, dass der Onlineauftritt der PNP unverändert vor sich hin dümpelt. Wenn schon das “Hauptprodukt” der Gegenwart um Jahre hinterherhinkt, warum sollte es da beim Onlineauftritt anders sein? So gesehen hat di Lorenzo also völlig recht: Für alles kann man das böse Internet nun wirklich nicht verantwortlich machen.

Written by cjakubetz

April 8th, 2009 at 7:54 pm

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Zehntausendprozentige Steigerungen

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Wenn man, wie ich, mit einer latenten mathematischen Dysfunktion auf die Welt gekommen ist, hat man es meistens ziemlich schwer, wenn es um Zahlen geht. Insofern bin ich mir gerade auch nicht ganz sicher, ob es jetzt tausend oder zehntausend oder hunderttausend Prozent Steigerungsraten sind, die mir atuell jeden Tag – ach was, stündlich! – in Sachen Twitter um die Ohren gehauen werden; jedenfalls ist das alles exorbitant und wenn man das richtig versteht, übernimmt Twitter irgendwann demnächst die Weltherrschaft.

Spätestens in solchen Phasen eines Hypes packt mich immer tiefes Misstrauen. Der letzte Laden, der so mit Steigerungsirrsinn zugeschüttet wurde, war Second Life. Gibt´s die eigentlich noch?

Written by cjakubetz

April 7th, 2009 at 2:45 pm

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FFH aus dem Stauflieger

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Ich bin ja selber schuld, ich weiß, und ich hab´ auch schon mal über dieses Thema geschrieben, das weiß ich auch: Aber ich habe gestern ein paar Stunden am Stück Radio FFH gehört und fühle mich gerade etwas weich in der Birne. Ich habe gehört, dass die wichtigste Meldung des Tages war (zumindest daran gemessen, in welcher Reihenfolge dort Nachrichten gesprochen werden; vielleicht wird das ja auch einfach nur ausgelost) , man habe in Hessen nunmehr mit den Osterferien begonnen und deswegen sei Stau auf vielen Straßen. Aus dem FFH-Stauflieger (der heißt wirklich so) meldete sich daraufhin live zugeschaltet die aufgeregte Stimme einer vermutlich nicht sehr viel älter als 20jährigen Frau, die uns aufgeregt mitteilte, es herrsche Stau auf den Straßen und dass dies vermutlich mit den beginnenden Osterferien in Hessen, aber auch auch anderswo zu tun habe könne. So richtig erklären könne sie es sich aber auch nicht, singsangte sie weiter, weil es eigentlich keinen Unfall auf der A3 gebe und auch keine Baustellen; aber letztendlich könne der Stau dann doch damit zusammenhängen, dass in Hessen die Osterferien begonnen haben. Dann noch eine Straßenumfrage in Baden-Baden zum Nato-Gipfel, der irgendwie lästig sei, und wo man enttäuscht war, dass Obama und seine Michelle noch nicht beim Einkaufen waren.

Das alles nannte sich Nachrichten – und zeichnete sich vor allem dadurch aus, dass sie fünf Minuten vor der vollen Stunde kommen und man deswegen immer fünf Minuten eher informiert sei, sogar dann, wenn in Hessen gerade mal wieder die Osterferien beginnen.

Written by cjakubetz

April 4th, 2009 at 10:55 am

Posted in RADIO