Archiv für Mai 2009


Online Worst (Pfingsten-Spezial)

31. Mai 2009 - 11:41 Uhr

sz_grippe

(Kann ja mal passieren. Aus sueddeutsche.de /via)

umfrage_pfingsten

(Man kann ja wenigstens mal fragen. Aus pnp.de)

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Online worst (27)

24. Mai 2009 - 11:06 Uhr

Bevor wir zum eigentlichen Anlass der heutigen Ausgabe dieser kleinen Rubrik kommen, würde ich Sie bitten, sich über folgende insbesondere in Tageszeitungskreisen gerne geäußerten Thesen ein paar kurze Gedanken zu machen:

  • Im Internet verdient man kein Geld!
  • Im Internet wird unendlich viel Schwachsinn geschrieben!
  • Was wirklich zählt, ist das gedruckte Wort!

Danke sehr. Und jetzt zum heutigen “Online worst”. Sonntag morgen, 11 Uhr, man kann sich zu diesem Zeitpunkt kaum eine spannendere Fragen vorstellen als diese: Wer könnte wohl Deutscher Meister werden? Und: Wer wird in diesem Zusammenhang “Wunder-Trainer” der Saison (man bemerkt die Auswirkungen des Überschriften-Trainings beim alten Bild-Haudegen Hertle)?

pnp_meister

So, und nun nochmal über die These nachdenken, warum man im Internet sich mit dem Geldverdienen schwer tun könnte.

(Aber nicht traurig sein, liebe PNP, ihr seid in bester Gesellschaft mit der Meisterstadt Wolfsburg…achja, übrigens, Wolfsburg ist Meister!)

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Warum SEO Journalisten nerven sollte

22. Mai 2009 - 8:19 Uhr

Wenn man momentan die Debatten um die Zukunft des Onlinejournalismus (und der ihn produzierenden Journalisten) verfolgt, könnte man meinen, sie sei nahezu ausschließlich von Google abhängig. Man hört jedenfalls deutlich mehr in letzter Zeit zu diesem Kram als zu irgendwelchen grundjournalistischen Themen. Dabei gibt es ja gegen Suchmaschinenoptimierung (das ist der etwas schönere Begriff dafür, dass man seine Texte so herrichten soll, dass sie von Google optimal gefunden werden) grundsätzlich nichts einzuwenden; es ist legitim, sich Gedanken darüber zu machen, wie man seine Texte besser auffindbar macht. Irgendwann aber ist eine Grenze überschritten.  Wenn man die Suchmaschine zum Fetisch macht, wenn sich journalistisches Texten darum dreht, ob auch wirklich ausreichend Keywords im Text sind, dann läuft irgendetwas schief, zumal es aktuell ja nicht so ist, dass der Journalismus nicht ganz andere Probleme hätte als Google-Optimierung.

Vor allem sollten sich speziell Journalisten momentan mit ganz anderen Dingen befassen — SEO kann man getrost Technikern und Marketingabteilungen überlassen. Sowohl inhaltlich als auch, was die Darstellungsformen angeht, passiert viel zu viel, als dass man sich mit dem grassierenden Google-Fetisch allzulange auseinandersetzen müsste. Man würde sich freuen, wenn es Multimedia-Journalisten gelänge, das Medium Video stärker und professioneller einzubinden. Man fände es großartig, wenn jemand schöne Audios oder Audio-Slideshows produzieren würde, oder interaktive, multimediale Stücke. Das sind die Dinge, in die es sich lohnt, Zeit und Geld zu investieren — aber sechsmal “Klinsmann” in den Vorspann zu schreiben, damit Google es dann auch mal kapiert, dass es im nachfolgenden Text um Klinsmann gehen könnte? Was für ein Unsinn.

Und vielleicht bin ich ja etwas naiv, aber was passiert eigentlich, wenn dann mal alle alles optimiert haben und in jedem Text über Klinsmann sechsmal Klinsmann im Vorspann steht?

Der Unsinn, sich um äußere Formen und um irgendwelche Klickzahlen zu kümmern, führt vielleicht nicht gleich zu einer Pervetierung des Journalismus, aber er lenkt vom Wesentlichen ab, er verhindert seine Entwicklung und verbirgt Potentiale. Natürlich ist es eine großartige Geschichte, dass man online nunmehr mühelos eine enorme Zahl von Bildern zeigen kann; Bilder, auf die man in einer Zeitung verzichten müsste, weil man den Platz nicht hat. Wenn man sich dann aber die Vielzahl lieb- und hirnlos zusammengeworfener Klickstrecken anschaut (und sich dann noch überlegt, wie man den Quatsch googleoptimiert), dann fragt man sich schon, ob der Onlinejournalismus nicht gerade in eine grundverkehrte Ecke läuft. Und ob man SEO-Profis und anderen Optimierern zumindest als Journalist nicht mit einem gewissen Misstrauen begegnen sollte.  Journalismus jedenfalls, der sich vor einer Suchmaschine in den Staub wirft, steht kurz vor der Bankrotterklärung.

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Der Preis der Armut

20. Mai 2009 - 8:08 Uhr

Die lieben Kollegen der “Blogmedien” haben eine interessante Recherche angestellt: nämlich über den möglichen Zusammenhang von Verkaufspreisen der “Bild” und dem jetzt veröffentlichten Armutsatlas. Ergebnisse: hier.

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Bild dir deinen Schiri!

20. Mai 2009 - 8:00 Uhr

Man muss, um Fußball-Schiedsrichter werden zu wollen, vermutlich zweierlei mitbringen: ein ausgeprägtes dickes Fell — und möglicherweise auch einen latenten Hang zum Masochismus. Sehr viel anders lässt es sich nicht erklären, dass jemand freiwillig in der Bundesliga pfeift, schließlich sind die Konsequenzen klar: Man ist der am schlechtesten bezahlteste Mann auf dem Platz, muss am meisten laufen und es zudem akzeptieren, dass eine Nichterwähnung in einem Fußballbericht schon fast dem größtmöglichen Lob gleichkommt. Umgekehrt ist es wiederum so, dass sich ein Schiedsrichter ganz prima eignet für Sündenbock-Tätigkeiten aller Art; der durchschnittliche Fußball-Fan wird jedenfalls kaum widersprechen, wenn man ihm suggeriert, die Niederlage der Mannschaft seines Herzens sei schon irgendwie zu einem Großteil vom Schiedsrichter zu verantworten (“Bild” schreibt seit geraumer Zeit in diesem Zusammenhang gerne von “Tomaten-Anfällen”, wenn es ganz haarig wird auch mal von “schlimmen Tomaten-Anfällen”).

Letztendlich also kommt man mühelos zu den unterschiedlichsten Bewertungen. Der Stuttgarter Torwart Jens Lehmann beispielsweise vertritt die Aufassung, die Schiedsrichter hätten klar für Bayern gepfiffen; wäre das nicht so gewesen, wäre sein VfB schon lange Meister. Der Münchner Luca Tona wiederum glaubt (Überraschung!), dass die Schiedsrichter in der letzten Zeit “eher gegen uns gepfiffen haben”.

Und weil man es mit Schiedsrichtern im Allgemeinen ja machen kann, gibt “Bild” auch gerne mal die Tendenz vor einem Spieltag vor. Beim zurückliegenden, vorletzten Spieltag der diesjährigen Bundesliga-Saison ließ das Blatt die Fans schon mal wissen, wie die Spiele laufen könnten. Denn schließlich bekämen die Bayern “heute ihren Sieg-Schiri”, während die armen Herthaner “vor Gagelmann zittern” müssten.

Uiii, Schiebung?

Das vielleicht nicht, aber immerhin raunte “Bild” angesichts der Schiedstrichter-Ansetzungen vorsorglich schon mal:

Wenn das mal keine bösen Diskussionen gibt…

Im Text selber zählt “Bild” auf, was alles für “böse Diskussionen” sorgen könnte:

  • Der Schiedsrichter, der das Bayern-Spiel pfeift, kommt aus Niedersachsen, da wo auch der Tabellenführer Wolfsburg herkommt! (da vergisst “Bild” glatt, dass man ebendiesen Niedersachsen gerade eben noch als den “Sieg-Schiedsrichter” der Bayern bezeichnet hatte)
  • Der Schiedsrichter, der das Stuttgart-Spiel pfeift, kommt aus Bayern!

Zwei Schiedsrichtern widmet das Blatt eine etwas ausführlichere Betrachtung. Dem “Sieg-Schiedsrichter der Bayern”, der in Wirklichkeit Michael Weiner heißt. Und einem gewissen Peter Gagelmann, der der Anschaulichkeit wegen mal eben zum “Alptraum-Schiri” von Hertha BSC Berlin umgewandelt wird. Für beide plakative Namen gibt es laut “Bild” auch Gründe: In den letzten acht Spielen, die Weiner bei den Bayern leitete, blieb Bayern unbesiegt. 25mal pfiff Weiner die Bayern insgesamt, dabei gingen die Münchner 19 mal als Sieger vom Platz, nur zweimal verloren sie.

Hertha BSC wiederum kann bei seinen Begegnungen mit dem “Alptraum-Schiri” Gagelmann keine ganz so detaillierte Statistik aufweisen, immerhin aber daran erinnern, dass Gagelmann vor vier Jahren (!) ihr mal einen Elfmeter verweigerte und zwei Tore aberkannte. Außerdem pfiff er in zehn Spielen noch nie einen Elfmeter für Hertha, was bei “Bild” ausreicht, um ihn zu Herthas “Alptraum-Schiri” zu machen. Kein Wunder also, dass die Schiri-Ansetzungen angeblich auch beim DFB “umstritten” sein sollen…

Dabei ist es relativ leicht ausrechenbar, welcher Schiedsrichter wann welches Spiel pfeift. Schon alleine deswegen, weil der DFB gar keine großen Alternativen hat und es deswegen, Sie ahnen es vermutlich längst, gar keine “Alptraum-Schiris” und “Sieg-Schiris” gibt.

Konkretes Beispiel 33. Spieltag, das Spiel Hoffenheim vs. Bayern: 20 Schiedsrichter dürfen in Deutschland Bundesliga pfeifen; aus diesem Kreis muss einer für dieses Spiel rekrutiert werden. Von diesen 20 fallen sechs von vornherein aus – nämlich die für den bayerischen Landesverband pfeifenden Schiedsrichter Wolfgang Stark, Günter Perl, Peter Sippel, Felix Brych, Helmut Fleischer und Deniz Aytekin. Schiedsrichter aus einem Landesverband können nie eine Mannschaft aus dem gleichen Landesverband pfeifen (einzige Mannschaften: beide Teams kommen aus dem gleichen Landesverband).

Bleiben 14.

Markus Schmidt, Marc Seemann und Guido Winkmann scheiden aus diesem Kreis ebenfalls relativ schnell aus. Sie sind entweder ziemlich neu in der Liga oder gelten nicht als die stärksten Schiedsrichter der Liga. In einem Spiel, in dem sich möglicherweise aber die Meisterschaft entscheidet, kommen relativ unerfahrene Schiris kaum in Frage.

Bleiben 11.

Fünf von diesen 11 fallen ebenfalls sofort durchs Raster. Thorsten Kinhöfer (32. Spieltag gegen Leverkusen), Knut Kircher (31. Spieltag in Cottbus), Babak Rafati (30. Spieltag gegen Mönchengladbach), Herbert Fandel (29. Spieltag gegen Schalke 04), Florian Meyer (28. Spieltag in Bielefeld) haben die Bayern in den letzten fünf Wochen gepfiffen. Allerdings lässt es der DFB ausgesprochen selten zu, dass Schiedsrichter innerhalb kurzer Zeit mehrfach die selben Mannschaften pfeifen; schon alleine deswegen, um jeden Manipulationsverdacht im Keim zu ersticken.

Bleiben 6.

  • Manuel Gräfe. Gehört zu den Besten in Deutschland, pfeift ziemlich oft die Bayern, hätte auch genügend zeitlichen Abstand zum letzten Bayern-Spiel. Stammt aber aus Berlin, Stadt eines unmittelbaren Konkurrenten um Titel bzw. Startplatz in der Champions League.
  • Michael Kempter. Gilt auf aufstrebendes Talent. Ist aber erst 26 und in seiner 3. Bundesliga-Saison. Ein (vielleicht entscheidender) Fehler und der Boulevard fragt: Wie kann der DFB diesen Grünschnabel auf das Spiel des Jahres ansetzen?
  • Dr. Jochen Drees. Gilt als erfahren und gut, hat aber im April im Spiel Leverkusen-Wolfsburg mehrfach mit Entscheidungen böse daneben gelegen.
  • Lutz Wagner. Ist in der letzten Saison auf Abschiedstour, gilt nicht als stark genug, um ein derart heikles Spitzenspiel zu pfeifen.

Bleiben also Peter Gagelmann und Michael Weiner. Der eine pfeift Bayern, der andere Hertha – weil es dafür ziemlich zwingende Gründe gibt, die nichts mit Sympathie oder Antipathie zu tun haben (zumal man nicht vergessen darf, dass am Samstag mit Bayern-Stuttgart und Wolfsburg-Bremen zwei echte Endspiele auf dem Programm stehen, bei denen man das ganze Auswahlspielchen noch einmal spielen muss).

Eine lange, vielleicht trockene Geschichte, schon klar. Da lesen sich Storys vom “Alptraum-Schiri” dann doch etwas griffiger.

Mit großem Dank an Tim R.!

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Besser nicht Journalist!

20. Mai 2009 - 7:57 Uhr

Scheint ja ein wenig in Mode zu kommen, vom Journalistenberuf abzuraten. Die “Harvard Crimson”-Redakteure schämen sich — und Friedrich Nowottny, immerhin ehemaliger Intendant, rät direkt davon ab, Journalist zu werden. So viel Fatalismus würde ich ja nicht mitnehmen, ich glaube naiverweise immer noch daran, dass Journalist ein schöner Beruf sein kann. Nur dass er nie wieder so sein wird, wie er einmal war, das ist unstrittig. Aber mal ehrlich: Ist das wirklich so schlimm?

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Don´t promote your coverage

19. Mai 2009 - 8:28 Uhr

Wie geht man am besten mit sozialen Netzwerken um?  Bisher hat man den Eindruck: Einer schiebt´s auf den anderen.  Die Redaktionen argumentieren gerne (salopp gesagt), wenn jemand seine Bilder und Daten in solche Netzwerke stelle, sei er quasi selber schuld. Die Betreiber der Netzwerke wiederum räumen ein, dass die auf ihren Seiten veröffentlichten Bilder nicht für den Gebrauch in Medien gedacht seien, verweisen aber wiederum darauf, dass es die Sache der jeweils Betroffenen sei, ggf. gegen die Verwendung von Bildern und Daten zu klagen.

Es geht allerdings auch anders (leider bisher aber nicht in Deutschland). Das “Wall Street Jounal” gibt seinen Redakteuren ziemlich klare Vorgaben, was sie in Netzwerken dürfen — und was eben auch nicht. Dabei fordert das WSJ seine Redakteure nicht nur auf, ggf. im Netzwerk klar zu kommunizieren, wer sie sind und was sie wollen. Sie warnen auch vor übetriebenem Eigenmarketing (“Don´t aggressivily promote your coverage”), was man in Zeiten, in denen einem die Twitter-Feeds der Redaktionen permanent entgegenquäken, was man jetzt gerade wieder Wundervolles veröffentlicht habe, als durchaus angenehm empfinden kann.

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Such, das Komma

18. Mai 2009 - 17:37 Uhr

Man möchte, wirklich bei, solchen Pressetexten sich, gerne von solchen, Beratern, beraten, lassen:

Der Düsseldorfer Medienunternehmer und Senderchef von Center TV, Andre Zalbertus, und der Merziger Medienberater und Marketingfachmann Rainer Prüm (pruemconcept.de), haben am letzten Freitag, ihre Zusammenarbeit, für verschiedene Projekte im Marketingbereich, beschlossen. Rainer Prüm, wird Andre Zalbertus, ab sofort, mit seiner Agentur pruemConcept, insbesondere bei dessen Projekten „Emotionsberatung GmbH” und „Bratwurst TV Heimatfernsehen – Best of Germany”, intensiv unterstützen. Nach diversen Vorgesprächen einigten sich die beiden Medienprofis nun in Düsseldorf über eine langfristige Zusammenarbeit

Den ganzen, Text finden Sie, hier.

Nachtrag: Auf der Website des Medienberaters habe ich übrigens gerade noch etwas gefunden, was man getrost als “Claim des Jahres” bezeichnen darf:

Ob Marketing, ob Webdesign,
PR und Logo obendrein,
ob Slogan, Headline, Werbetext,
mit pruemConcept Ihr Umsatz wächst!

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Der wunderliche ESC

17. Mai 2009 - 11:40 Uhr

Wenn man übrigens wissen will, mit welchen Problemen sich die ARD in der Samstagabend-Unterhaltung zu quälen hat, reicht es völlig, sich den gestrigen ESC noch einmal anzusehen, insbesondere das Warm-up, das ab 20.15 Uhr auch den letzten Nerv eines normal denkenden Menschen lahmlegte. Eine Moderationsmaschine namens Katja Wunderlich, die schon das Radiohören auf Bayern 3 an Wochenvormittagen schwer erträglich macht, ansonsten Dieter Bohlen-Festspiele, nur der echte Bohlen mochte nicht kommen. Stattdessen Mark Medlock und Daniel Schumacher und als mänlicher Moderator das abgelegte Bohlen-Fistelstimmchen Thomas Anders. Hätte nicht Guildo Horn “Moskau” so wunderbar neu aufgelegt, man wäre nach drei Minuten eingeschlafen und bei Paul Potts wieder hochgeschreckt, weil man sich gefragt hätte, warum jetzt schon Samstag abends Telekom-Werbungen in der ARD laufen. Platz 20 für das deutsche Gesummsel zwischen moldawischer Folklore und finnischen Merkwürdigkeiten war dann auch völlig verdient und alles in allem habe ich mich nach dem Abend mal wieder gefragt, warum diese Veranstaltung noch lebt. Die taugt ja nicht mal mehr für lustigen Kult.

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Blubb macht die Satzblase

15. Mai 2009 - 21:55 Uhr

Morgen geht´s zum Süddeutschen Journalistentag nach München und trotz eines denkbar seltsamen Themas freue ich auf das Panel mit netten und sehr geschätzten Kollegen. Trotzdem frage ich mich gerade im Moment, einen Abend vor der kleinen Debatte, warum wir eigentlich ernsthaft über die neuen Sündenfälle in digitalen Medien reden müssen, wo es doch bestimmt auch genügend über die neuen Sündenfälle in alten Medien zu debattieren gäbe.

Beispielsweise hat es mein Leib- und Magenblatt “Süddeutsche” innerhalb einer Woche gleich dreimal ziemlich böse erwischt. Das monothematische SZ-Magazin der letzten Woche enthielt ein paar denkwürdige handwerkliche Schnitzer, danach veröffentlichte man auf der Medienseite zunächst einen zumindest nicht sauber ausrecherchierten Beitrag über die künftige Auftragsvergabe beim “Nordkurier” – und schließlich lieferte Willi Winkler noch ein Stück ab, das an Peinlichkeit kaum mehr zu übertreffen war. Winkler monierte, dass es im Online-Shop des “Spiegel” auch Bücher rechtsradikalen Inhalts zu kaufen gab, vergaß aber während der Windens wohlklingender Satzgirlanden, dass es diese Bücher auch im Onlineshop der SZ gibt (was schlichtweg damit zusammenhängt, dass solche Shops zumeist Kooperationen mit externen Partnern sind; auf den Inhalt haben also de facto weder SZ noch Spiegel wirklichen Einfluss). Jedenfalls musste ich an den wunderbaren Satz denken, den ich mal bei einer Kollegin (sie weiß, dass sie gemeint ist…) gelesen habe: Blubb macht die Satzblase, wenn sie platzt.

Ich will ja auch gar nicht lange darauf rumreiten und schon gar keine Vergleiche anstellen, aber zweierlei fand ich dann doch bemerkenswert. Korrigiert hat sich die SZ lediglich bei der Winkler-Geschichte, vermutlich auch deswegen, weil es nicht mehr anders ging, zumal “Spiegel Online” ordentlich zurückgekeilt hatte und sich die Panne wirklich nicht mehr verstecken ließ. Es scheint also immer noch furchtbar schwer zu sein, einen Fehler ganz einfach einzugestehen, selbst dann, wenn er schon von anderen öffentlich gemacht wurde.

Und was ich ebenfalls interessant fand: Was wäre wohl passiert, wenn eine Online-Redaktion (oder, noch fürchterlicher: ein Blogger, die ja bekanntermaßen unendlich viel Schwachsinn schreiben) innerhalb einer Woche drei haarsträubende Fehler begangen hätte? Hätte Wolf Schneider wieder zur Attacke geblasen, hätten sich die Gäste beim Riehl-Heyse-Preis der Süddeutschen in der Annahme bestätigt gefühlt, dass es eben doch nur das gedruckte Papier sei, das zählt? Oder hätten wir ein neues Essay von Bernd Graff über die “Idiotae 0.0″ zu lesen bekommen?

Was ich sagen will:  Erstens herrschen immer noch ziemlich ungleiche Maßstäbe, wenn es um die Gewichtung von Fehlern geht. In den alten Medien gibt es die “Kann ja mal passieren”-Haltung, bei Bloggern hingegen den “Typisch!”-Reflex. Und zweitens: Es gibt keine Qualitätsprobleme in den neuen Medien. Es gibt gute Sachen hüben wie drüben. Idioten leider auch.

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