Archive for Juni, 2009
5 Thesen zum Berufsbild
Dirk von Gehlen mit 5 Thesen, wie sich unser Beruf verändern wird. Lesenswert.
DJS, das Jubiläum
Ein paar Bilder zu 60 Jahren DJS und zur Veranstaltung gestern abend gibt´s bei den Tagesthemen (Tagesthemen-Beitrag zum DJS-Jubiläum). Die Sätze des Abends kamen aber von jemanden anderem: Münchens OB Ude machte wirklich großartiges Kabarett.
Die besten Sätze:
Es gibt in Deutschland keine Elite, die sich so gewiss ist Elite zu sein, wie die Absolventen der DJS.
Ich habe in den drei Berufen gearbeitet, denen die Bevölkerung am meisten misstraut (Rechtsanwalt, Journalist, Politiker). Ich sehe aber mit großer Sorge, wie Bankvorstände dabei sind, uns den Rang abzulaufen.
Bei Politikern nennt man das Filz, bei Ihnen heißt es: Networking.
Letzter spontaner Gedanke gestern abend: Warum wirft man eigentlich nur uns Bloggern vor, irgendwie selbstreferentiell zu sein?
So, und nun: genug gefeiert, bitte alle wieder normal werden.
60 Jahre DJS
Jubiläum am Altheimer Eck: Die Deutsche Journalistenschule feiert 60. Geburtstag; zur Feier heute nachmittag kommen u.a. die Kanzlerin (die wahrscheinlich vom Regierungssprecher, einem ehemaligen DJSler, sanft gedrängt wurde) und der Ministerpräsident und der OB. Und irgendwie über 1000 Ehemalige.
Es berichten heute u.a. die SZ und die FR.
Und ne neue Webseite gibt´s auch, was nebenbei bemerkt auch ziemlich Zeit wurde…
Gestapo wieder da

(aus: tvmovie.com; danke an die Einsender!)
Twitterjackson
So, und nun warten wir mal auf den ersten Aufsatz, der uns erklärt, dass Twitter mit dem Jackson-Tod endgültig zum wirklichrichtigen Massenmedium geworden ist.
Und wie färben die Betroffenheits-Twitterer jetzt eigentlich ihre Portraitsfotos ein? Was lässt sich mit grün mixen, ohne dass es doof aussieht?
Die Klickstrecke am Ende
Möglicherweise wird man ja später mal sagen, dass 2010 der Anfang vom Ende der elenden Klickschinderei im Netz gewesen ist. Die IVW will ab kommenden Jahr die “Page Impression” nicht mehr ausweisen, sondern nur noch den Visit. Selten hat man erlebt, dass eine Entscheidung so einhellig begrüßt worden ist; die Branche jedenfalls twittert gerade freudig erregt und in ziemlich einhelligem Tenor.
Das wirklich Üble an der ganzen Geschichte waren (und sind) ja nicht die absurden Klickzahlen, die mit den Jahren entstanden sind. Jeder halbwegs professionelle Vermarkter wusste ohnehin, was er von den Abermillionen zu halten hatte, die durch IVW-Pixel in irgendwelchen Rechnern, Sudoko-Spielen und natürlich in den absurden Bildergalerien eingebaut waren. Nimmt 4/5 weg — und du weißt in etwa, wie viele Klicks tatsächlich durch Inhalt erzielt werden. Nein, wirklich grauenvoll und schädlich für den Journalismus war die völlige Relevanzfreiheit, die dadurch befördert wurde. 130 Fotos zu irgendeinem Thema waren im Ergebnis zumeist schlimmer als jeder noch so missratene private Diaabend. Ich habe noch nie so viele Fotos gesehen, die ich lieber nie gesehen hätte, wie in den letzten Jahren. Andersrum: Fotos, diese an sich unglaubliche Medien, sind entwertet worden zum Ramsch.
Und vielleicht, man ist ja optimistisch, trägt diese banale Entscheidung dann auch dazu bei, dass die Redaktionen ihre Leser wieder etwas ernster nehmen. Man kommt sich zumindest nicht sonderlich ernstgenommen vor, wenn es inzwischen kaum mehr eine Zitatesammlung oder eine Kurznachrichtenstrecke gibt, die man nicht in eine Klickstrecke umgewandelt hätte.
Das Schweigen der Banken
Heute habe ich es aufgegeben: Nach diversen Mails und zwei Telefonaten und einem beredten Schweigen hat die Pressestelle des Bankenverbandes in Berlin heute eine Mail bekommen, in der ich mich für die Nicht-Informationen bedanke und auf weiteren Kontakt verzichte. Eigentlich hatte ich ein Stück zur Kreditklemme machen wollen, insbesondere auch im Hinblick darauf, dass die Märkte gerade mit Geld geflutet werden und die Politik die Banken aufgefordert hat, dieses Geld in den Wirtschaftskreislauf zu pumpen und gleichzeitig die damit verbundenen günstigeren Zinsen an die Kunden weiterzugeben.
Wie man weiß, wenn man mit Banken zu tun hat: Das wird nicht passieren. Und sie werden auch dafür wieder gute Ausreden finden.
Die Macht der Branche ist immer noch ungebrochen, leider. Wenn sie nicht will, schweigt sie einfach; es ist nicht das erste Mal, dass ich das beobachte. Ist ja auch kein Wunder: Gelerntes Verhalten bei ihr bedeutet zu wissen, dass gegebenenfalls allen etwas passieren kann, nur ihnen nicht. Sie sind ja schließlich systemrelevant.
Regionale Potentiale
Der “Münchner Merkur” und die “Badische Zeitung” haben etwas gemein: Beide haben in diesem Jahr ihren Online-Auftritt neu gestaltet. Beide hatten zuvor Seiten im Netz, die irgendwie nach 2001 aussahen (und es möglicherweise sogar waren). Und schließlich haben beide einen gelungenen Relaunch hingelegt, schwankend zwischen richtig gelungen (“Badische Zeitung”) und halbwegs gelungen (“Münchner Merkur”).
Den Lohn dafür haben ebenfalls beide bekommen. Nach den neuesten AGOF-Zahlen legen beide ziemlich satt zu. Ob sich das stabilisieren wird, soll mal offen bleiben. Was viel interessanter an dieser Entwicklung ist: Es ist keineswegs so, dass Online-User nicht an einem guten Regionalportal interessiert wären, es müsste halt nur ein halbwegs adäquates Angebot sein (eine Erkenntnis, die übrigens gar nicht sonderlich erstaunlich ist). Das Gejammer vieler Verleger, im Netz sei ja nichts zu holen und nichts zu verdienen, ist ziemlich offensichtlich immer noch Selbstschutz. Man müsste ja sonst was tun, etwas Zeit, Geld und Know-how investieren — und sich vor allem mal von einer paar sehr überkommenen Vorstellungen verabschieden; wie beispielsweise der, dass das Kerngeschäft eines Verlagshauses immer noch die Zeitung sei. Das Kerngeschäft (man traut sich ja fast nicht mehr, das zu sagen) sind die Inhalte.
Speziell beim “Münchner Merkur” zeigt sich, wie verhältnismäßig einfach das sein könnte. Da hat man das Publikumspotential einer Millionenstadt und einer der properiendsten Regionen Deutschlands, um es dann über etliche Jahre brach liegen zu lassen. Was der “Merkur” noch bis vor kurzem im Netz ablieferte, spottete beinahe jeder Beschreibung. Und dann soll man sich wundern, dass niemand den Kram lesen und niemand dort Werbung schalten wollte?
Selbst jetzt, nach dem Launch, wäre noch ausreichend Luft nach oben da. Wenigstens aber sieht die Seite jetzt so aus, als sei man im Jahr 2009 halbwegs angekommen. Aber immerhin, ein erster Schritt. Schaun wir mal, ob sie so schlau sind, auch die nächsten zu machen. Andernfalls ist das nächste Lamento schon vorprogrammiert: nämlich das, dass selbst größere Investitionen im Netz sich nicht lohnen.
Der Prophet im eigenen Land
Alle (vor allem: Journalisten) jubeln über den Mut iranischer Blogger und Twitterer – im eigenen Land begegnet man Blogs und Twitter (vor allem bei: Journalisten) mit Skepsis. Fiete Stegers mit ein paar sehr klugen Sätzen über das paradoxe Verhältnis der Deutschen zu Medien, die nicht unter den altbekannten Labels stattfinden.
Von Landeiern und Pressestellen
Nicht viel los hier momentan, sorry, ich weiß. Aber momentan gibt es so viele Baustellen, dass ich kaum dazu komme, diese Seite hier halbwegs zu pflegen. Eine bloggerische Todsünde, ich weiß. Aber man lebt eben nicht nur vom Bloggen alleine. Dabei hätte es in dieser Woche schon das eine oder andere gegeben, über das man hätte schreiben können. So reicht es halt nur zu einem kurzen Rundumschlag.
***
Man kann beispielsweise schon staunen, wie das alles bei der “Passauer Neuen Presse” läuft. Besser gesagt: Die Vermutung drängt sich mehr und mehr auf, dass das, was das passiert, allmählich zum Dauerzustand wird. Da wird beispielsweise ein gerade erst vor drei Monaten eingekaufter Vizechefredakteur plötzlich zum Leiter der Landkreis-Redaktion, während der andere stellvertrende Chefredakteur inzwischen als ganz normaler Redakteur in irgendeiner Lokalredaktion eingesetzt wird. Das hinter der Personalpolitik der Verlegerin auch nur ansatzweise ein System außer etwas launenhafte Wilkür steckt, lässt sich kaum erkennen. Und dann gibt es da noch einen ehemaligen “Bild”-Redakteur, der als externer, aber dennoch weisungsbefugter Quälgeist die Redaktion so nervt und drangsaliert, dass sich der BJV genötigt sah, der Verlegerin einen geharnischten Brief zu schreiben. Wer irgendwie kann, der verlässt den Laden. Gilt für die Leser — angesichts sinkender Auflagen — offenbar ähnlich. Mehr dazu wie immer beim Kollegen vom “Bürgerblick” in Passau.
***
Der Vorsitzende des Bankenverbandes gab sich zerknirscht: Es habe in der Vergangenheit zu viele Banken gegeben, die zu wenig, falsch oder gar nicht kommuniziert hätten, sagte der Präsident des Ladens bei der Überreichung des Anti-Preises “Verschlossene Auster” durch das Netzwerk Recherche. Äh, Herr Präsident, wenn Sie das hier zufällig lesen sollten, könnten Sie evtl. auch mal mit Ihrer eigenen Pressestelle reden? Zwei Anrufe, vier Mails, keine Reaktion — nach vier Wochen. Und nachdem auch die Kollegen der Dresdner Bank/Commerzbank beharrlich schweigen, bin ich mir immer noch nicht sicher: Sitzen in den Pressestellen eher lustlose Kollegen – oder hat das Schweigen dann doch Methode? Da sind die Sparkassen-Leute wenigstens konsequenter und ehrlicher: Die sagen gleich, dass sie nix sagen wollen. Auch eine Art von Öffentlichkeitsarbeit.
***
Verschwiegen oder lustlos, das fragt man sich auch angesichts der Arbeitsweise der Kollegen bei Vodafone: Gerne kümmere man sich um meine Anfrage und melde sich “in den kommenden Tagen” wieder. Das ist ein, nunja, dehnbarer Begriff. Bin gespannt, wie weit er sich noch dehnen lässt; für meinen Geschmack ist er jedenfalls überdehnt.
***
Und während man bei Vodafone und der Commerzbank wenigstens noch eine kurze Empfangsbestätigung rausschickte, hielt man bei einer Ministeriumspressestelle, die ich diese Woche für eine “BILDblog”-Recherche kontaktiert hatte, nicht mal das für nötig. Eine Antwort gab´s dann konsequenterweise auch nicht.
***
Vielleicht erklärt auch das ein wenig die Schweigsamkeit dieser Woche. Eine Woche mit Banken- und anderen Pressestellen und Neuigkeiten aus der PNP; das ist nicht eben vergnügungssteuerpflichtig.