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Anmerkungen eines Medienmenschen

Archive for Juni, 2009

Spekulation erzeugt Gegenspekulation

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Es ist ja schon ein merkwürdiges Schauspiel, das da momentan abläuft: Die “taz” bringt eine Geschichte über das vermeintliche Liebesleben Horst Seehofers. Die Geschichte steht, nimmt man es genau, auf ziemlich wackligen Füßen. Ein paar Auszüge der “Belege”,  die die “taz” anführt:

Bald hörte man in Berlin von CSU-Leuten: “Die sind noch zusammen.”

“Der hat uns von Anfang an die hinters Licht geführt”, wurde geraunt.

“Um Gottes willen”, stöhnte einer der Oberen zwei Wochen vor dem Wahlgang, “ausgerechnet jetzt!”

“Wie kann man nur so heucheln”, raunen CSU-Spitzenleute.

Da wird also allenthalben viel “geraunt” in dieser Geschichte, man “hört” so einiges — und genau das ist ihr Problem. Sie bleibt de facto jeden Beleg schuldig und bewegt sich insofern auf sehr dünnem Eis. Stimmt sie, war sie ein Scoop — stimmt sie nicht, war es Rufmord. (Nebenbei: Ob sich angesichts des vielen Raunens und des häufigen Auftauchens des Wortes  “soll”  die Überschrift “CSU wieder schwanger” presserechtlich halten lässt, würde ich anzweifeln; aber das nur nebenbei).

Momentan jedenfalls läuft ein unschönes Spiel ab. Denn natürlich fühlen sich einige jetzt unter Druck gesetzt und spekulieren über die Richtigkeit der Spekulation. Die “Süddeutsche Zeitung” beispielsweise kaut heute wieder, was gestern in der “taz” stand, mit dem Vermerk darauf, dass es ja nicht stimmen müsse, so aber nun mal in der Zeitung gestanden sei und dies wiederum für Unruhe in der Partei sorge und man darüber berichte — also, über die Unruhe.

Und natürlich ist es nicht nur die SZ, die das so betreibt. “Welt”, “PNP”, “Mittelbayrische”, “Stuttgarter Nachrichten”, “, “Netzeitung” und ganz viele andere — das böse Gerücht ist in der Welt und zieht jetzt weite, sehr weite Kreise. Da dürften sich ein paar Spin-Doctors gerade die Hände reiben.

Und mehr denn je bin ich mir absolut nicht mehr sicher, ob sich Journalisten auf solche Spiele einlassen sollten.  Letztendlich hat man sie nämlich nur missbraucht.

Written by cjakubetz

Juni 13th, 2009 at 12:03 pm

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Bizarr auf Probe

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Wie Dominas und unreife Mütter zusammenpassen und wie das eine mit dem anderen Geld verdient – die Kollegen von Blogmedien haben es dokumentiert.

Written by cjakubetz

Juni 13th, 2009 at 11:26 am

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Deutschlands verschwiegenste Branche

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Auch nach 25 Jahren im Journalismus lernt man immer noch dazu. Lektion der letzten Wochen: Dass der “Bankenverband” die “Verschlossene Auster” des Netzwerks Recherche erhalten hat, wundert mich kein bisschen. Es ist wirklich ein Phänomen, das da zu beobachten ist. Sonst drängeln sich die Damen und Herren bei schönen Fototerminen um die besten Plätze — wenn es hingegen um Öffentlichkeit und Transparenz geht, kenne ich wirklich keine Branche, die mehr und konsequenter mauert als die Banken (nun gut, man darf annehmen, dass die Branche dafür ihre Gründe hat).

Zusammengefasst hier der Zwischenstand der Presseauskünfte zu diversen Themen, die ich den letzten Wochen recherchiert habe (oder besser gesagt:  Nicht-Auskünfte):

Bankenverband: Vor drei Wochen schriftliche Anfrage zum Thema “Kreditklemme” gestellt, zweimal telefoniert, einmal schriftlich nachgefasst. Reaktion und Antworten: null.

Dresdner Bank/Commerzbank: Anfrage gestellt zum Thema “Kundenbereinigung vor/während Fusion mit Commerzbank”. Pressestelle Dresdner Bank in Berlin antwortet ausweichend bis gar nicht, Pressestelle Commerzbank Frankfurt verweist auf Pressestelle Dresdner Bank Frankfurt, Pressestelle Dresdner Bank Frankfurt antwortet (bisher) nicht.

Sparkassenverband: Anfrage wegen Datenschutzproblemen in der Sparkasse Rottal-Inn. Sparkasse Rottal-Inn äußert sich nicht, Sparkassenverband Bayern äußert sich nicht, Deutscher Sparkassen- und Giroverband verweist auf Datenschutz (!!!) — und äußert sich nicht.

(Falls Kollegen ähnliche Erfahrungen gemacht haben, freue ich mich über Hinweise in den Kommentaren bzw. via Mail/siehe Kontaktdaten).

Written by cjakubetz

Juni 13th, 2009 at 10:49 am

Die taz als CSU-Handlanger

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Wirklich, man muss die taz mögen. Man muss nicht immer mit ihr einer Meinung sein, man kann auch allerhand an ihr kritisieren. Aber alleine die Überschriften lohnen das Abo:

taz

Nach dem ersten lauten Gelächter am Schreibtisch dann aber doch die Grundsatzfrage: Ist das ok? Nicht, dass ich an der Darstellung der taz Zweifel hätte. Ich kann mir gut vorstellen, dass jedes Wort davon wahr ist; mit Michael Stiller ist zudem ein Autor beteiligt, der zu den profundesten CSU-Kennern überhaupt zählt.  Aber davon abgesehen, dass ich die Quellen für die Geschichte trotzdem fast ein wenig schwach finde: Als vor über zehn Jahren die Clinton/Lewinsky-Geschichte lief, dachte ich mir immer, dass diese Geschichte erstens nur drei Leute etwas angeht und dass ich es zweitens unerträglich (und typisch amerikanisch) finde, wenn aus einer Oralsexgeschichte eine versuchte Amtsenthebung wird.

Bei Seehofer ist das nicht anders. Auch er ist in diesem Fall Privatmann und auch ihn will man über diesen Umweg des Amtes entheben. Nicht, dass ich übermäßig viele Sympathien für ihn hegen würde. Und natürlich ist es fürchterlich verlogen, bigott und kalkulierend, was Seehofer gemacht hat, um Ministerpräsident und Parteichef zu werden. Aber es ist eben doch seine Privatsache (solange er nicht wie Berlusconi dubiose Tänzerinnen auf Staatskosten engagiert).  Man würde sich zudem wohler fühlen, wenn ein Politiker möglicherweise wegen seiner polischen (Fehl-)Leistungen abgestraft würde — und nicht wegen einer Sache, die jedes Jahr tausende Male irgendwo vorkommt. Da fand ich das Wahlergebnis in Bayern letztes Jahr schon wesentlich unterhaltsamer und ehrlicher als diese Nummer jetzt. (Man mag sich außerdem nicht vorstellen, was als nächstes kommt: Markus Söder?)

Und schließlich müssen Journalisten, die sich auf solche Nummern einlassen, auch wissen, dass sie sich instrumentalisieren lassen. Dass solche Meldungen durchgestochen werden, ist in der CSU lange schlechte Tradition. Das hat auch nichts mit irgendwelchen moralischen Aspekten zu tun, sondern ist reines Machtkalkül. Wer einen “Parteifreund” hinhängt, will ihm schaden — das ist alles. Als Theo Waigel 1993 CSU-Vorsitzender werden wollte, geriet seine damalige Affäre mit Irene Epple in die Presse, Waigel musste Stoiber das Amt lassen. Seehofer wollte 2007 Parteichef werden und hätte vielleicht bessere Chancen gegen den späteren Abstimmungssieger Erwin Huber gehabt, wäre nicht zuvor seine kleine private Verstrickung bekannt geworden. Und wenn jetzt, drei Monate vor der Wahl und angesichts ziemlichen internen Unmuts über Seehofer, diese Geschichte wieder aufgewärmt wird, dann ist das eben auch politisches Kalkül. Wer diese Geschichte bringt, macht sich, ungewollt oder nicht, zum Handlanger in einer Intrige.

Insofern: Danke für die Schlagzeile, liebe taz. Aber von der Geschichte hättet ihr vielleicht doch lieber die Finger lassen sollen.

(Übrigens, “Bild” empört sich heute ziemlich über die “taz”; wirft ihr vor, sie bringe Seehofer in Verruf und begehe “journalistische Todsünden”. Warum das fast so geheuchelt ist wie Seehofers Audienz beim Papst, hat Lukas drüben im “BILDblog” aufgeschrieben.)

Written by cjakubetz

Juni 12th, 2009 at 8:55 pm

Posted in NUR SO DAHINGESAGT

Die Nicht-Zukunft von “Premiere”

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Ob das Ding nun “Premiere” oder “Sky” heißt — die Zukunft des Pay-TV in Deutschland ist mindestens, nunja, schwierig. Ein paar Zeilen darüber habe ich für die Kollegen von “Focus Online” geschrieben.

Written by cjakubetz

Juni 12th, 2009 at 3:09 pm

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Twitter lahmt der Normalität entgegen

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Um “Twitter” wird es bis zum Jahresende deutlich ruhiger werden. Nicht, weil “Twitter” irgendwas falsch macht oder weil die Idee nicht mehr zünden würde. Nach wie vor ist “Twitter” ein ganz hübsches Kommunikationstool, in den letzten Monaten vielleicht etwas überbewertet, aber trotzdem: Das ist schon ok so. Aber die Euphorie, die sich um das Ding in den letzten Monaten entspann, die habe ich nie geteilt.

Jetzt also der erste Dämpfer: “What! Twitter Traffic Flat? Must be a mistake”,  schreibt “paidcontent.org” einigermaßen amüsiert über das einstalige Wundertool, bei dem es immer nur aufwärts zu gehen schien. Aber, Moment: immer?


(Quelle: paidcontent.org)

Wenn man sich die Kurve ansieht, dann erkennt man in ihr alle Anzeichen eines klassischen Hypes. Das “immer” bestand de facto aus zwei, drei richtig heftigen Monaten. Im März legte “Twitter” rund 5 Millionen User zu, das ist gut doppelt so viel, wie der Dienst noch im Januar insgesamt an Usern hatte. Was danach passierte, trägt ebenfalls die Anzeichen des Hypes: Ein ganz beträchtlicher Teil der neugewonnen User probierte das Spielzeug, von dem alle redeten, einmal aus — um es danach wieder liegen zu lassen. Ob das nun wirklich 60 Prozent sind, die nach kürzester Zeit wieder aussteigen, weiß ich nicht. Aber auch hier ist der Trend klar: Man probiert etwas aus, weil man so viel davon hört und lässt es dann wieder gut sein. Ein organisches, nachhaltiges Wachstum zeigen solche rasanten Kurven nur in den seltensten Fällen.

Ich weiß auch nicht, ob das wirklich daran liegt, dass die Leute überfordert sind, dass sie nicht wissen, wie man filtert, dass sie keine Ahnung haben, wo sie interessante Tweets finden. Vielleicht liegt das auch an ganz allgemeinen Dingen, die quasi in der Natur des Menschen begründet liegen: Nicht jeder will den ganzen Tag mitteilen, what he is doing right now. Es ist ja in der Bloggosphäre auch nicht sehr viel anders: Es gibt eine kleine, sehr aktive Gruppe und eine verhältnismäßig große Gruppe von stillen Mitlesern. Weswegen sich das Bloggen auf eine klar fokussierte Gruppe konzentriert, auch wenn uns Bloggern das vielleicht nicht passen mag. Aber: Ein beträchtlicher Teil der Onlinesurfer hat mit Blogs noch nie etwas zu tun gehabt. Das nur, um mal wieder den Check mit der Realität vorzunehmen.

Übrigens decken sich die Beobachtungen zum Thema “Twitter” auch mit einen eigenen Erfahrungen. Da gibt es eine Handvoll Leute, die ich gerne lese, die spannende Tweets absetzen, die mir auch mal Themen und Geschichten nahelegen, die ich sonst vielleicht nicht entdeckt hätte. Einige sind verzichtbar — und eine ganze Reihe derer, die sich bei mir gemeldet haben und denen ich followe, schreibt schlichtweg nix mehr. (Ist ja auch nicht schlimmer: Lieber fünf gute Tweets am Tag als 15 Langweiler).

Und wenn ich gerade so darüber nachdenke — das alles deckt sich mit dem, was ich auch schon mal bei einer anderen gehypten Geschicte erlebt habe. Kennt jemand noch second life?

Written by cjakubetz

Juni 11th, 2009 at 4:29 pm

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“Das Netz hat gewonnen”

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Eines der Interviews, die man gerne liest: Jakob Augstein im Gespräch mit der “Frankfurter Rundschau” — und einigen Ansichten, die nicht eben dem Mainstream enstprechen.

Written by cjakubetz

Juni 10th, 2009 at 5:12 pm

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“Heute” ist gestern

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Natürlich ließe sich jetzt erst einmal prima darüber lamentieren, dass eine “Nachrichtensendung”, die weitgehend neuigkeiten – und relevanzbefreit ist, ein altes Dickschiff wie die “heute” in Sachen Quoten inzwischen schlägt (zumindest die 19 Uhr-Ausgabe). Tatsächlich aber ist das, was meedia.de heute berichtet, nicht sehr viel mehr als eine konsequente Weiterentwicklung von medialen Trends, die wir schon seit geraumer Zeit sehen.

Keine Sorge, jetzt kommt kein kulturpessimistisches Gejammere darüber, dass unsere Jugend so uninformiert und desinteressiert ist. Ich glaube einfach nur, dass sie weniger fernsieht. Oder besser, anders gesagt: Für ein medien- und nachrichtenaffines Publikum, das Sendungen wie die “Tagesschau” oder eben auch die “heute” ansprechen wollen, ist Fernsehen nur noch die Nachrichtenquelle zweiter Wahl. Das ist ein Publikum, das weder die Tagesschau noch die Tageszeitung für ihre tägliche Information benötigt. Ihm reicht das Netz. Weil es schneller ist, weil es alles das, was TV kann, ebenfalls kann. Weil es möglicherweise authentischer ist, weil ihm das Verlautbarerische fehlt, das den traditionellen Nachrichtensendungen eigen ist. Und weil es nicht warten will, bis es 19 oder 20 Uhr ist und sich (was für ein antiquierter Gedanke) die Familie am Fernseher versammelt,  um den Nachrichten zu lauschen.

Insofern ist es kein Wunder, dass das Publikum, das halt doch noch der Kiste frönt, Petra Gerster und den Debatten im Bundestag herzlich abgewinnen kann. Das schaut dann doch eher die “Nachrichten”, die umettiketiert auch als Trash-Magazine laufen könnten. Aus dieser Falle werden ARD und ZDF auch nicht mehr rauskommen. Nicht einmal, weil sie in ihren Nachrichten etwas falsch machen, sondern weil das Nachrichtenschauen zum Zeitpunkt X ein Anachronismus sind. Das merkt übrigens auch SAT 1 gerade ganz bitter, die mit Peter Limbourg Nachrichten machen, die irgendwie sehr öffentlich-rechtlich sein wollen.

Klassische Nachrichten sind ins Netz gewandert. Komisch, dass man dies den Tageszeitungen inzwischen nahezu alltäglich als selbstverständliche Erkenntnis um die Ohren haut, man sich aber wundert, wenn´s im Fernsehen genauso funktioniert.

Nur: Warum sollte es da anders sein?

Written by cjakubetz

Juni 9th, 2009 at 8:06 pm

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“Wichtiger als die Deutsche Bank”

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Dass man das noch lesen darf: SZ-Mann Heribert Prantl mit ein paar Einsichten, die er nicht als erster hat. Trotzdem aber freut man sich ja dann doch irgendwie, dass ein arrivierter Vertreter der alten Medien an prominenter Stelle einräumt, dass die Grenze zwischen gut und schlecht nicht entlang von digitalen und analogen Plattformen verläuft.

Und dass funktionierende Medien, eine unabhängige Kontrolle der Mächtigen wichtiger ist als die Deutsche Bank (oder ein anderes der Trümmerinstitute) — wer wollte ihm da widersprechen?

Written by cjakubetz

Juni 8th, 2009 at 8:19 pm

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Bankenverband: “Blockierer des Jahres”

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Anti-Award: Die verschlossene Auster, der Preis für den “Informationsblockierer des Jahres”, geht 2009 an den Bundesverband deutscher Banken (BdB). Die Interessensvertretung erhält die negativ Auszeichnung stellvertretend für seine rund 220 Mitglieder. Verliehen wird die verschlossene Auster von der Journalisten-Vereinigung Netzwerk Recherche.

„Die meisten Banken betreiben ihre Öffentlichkeitsarbeit nach dem Muster Tricksen, Tarnen, Täuschen,” sagte Thomas Leif, Vorsitzende von Netzwerk Recherche, anlässlich der Verleihung. “Mit dieser Methode versuchen sie von ihrer eigenen Verantwortung für die Finanzkrise abzulenken. Mit ihrem Motto ‘Schuld sind immer die anderen’, sind sie bislang beängstigend erfolgreich.” Der Geschäftsführende Vorstand des Bankenverbandes, Manfred Weber, zeigte Größe und nahm den Anti-Award persönlich entgegen. „Ich kenne zu viele Fälle, in denen Banken unglücklich oder gar nicht kommuniziert haben. Da schließe ich auch den Bankenverband nicht aus”, sagte Weber. Den pauschalen Vorwurf, die Banken hätten die Aufklärung behindert, wies er zurück. Die Arbeit des Verbands sei “hochgradig transparent”. Gleichwohl brauche er die kritische Begleitung durch Journalisten und Wissenschaftler. “Jeder Fehler ist ein Fehler zu viel.”

Das schreibt “Meedia” — und wenn man jemals versucht hat, mit Banken als Journalist zu kommunizieren, dann kann man bei dieser Wahl nur applaudieren. Der Kreml ist eine fröhliche Plauderrunde dagegen. Bei der “Dresdner Bak” übrigens gibt´s glaub ich gar keine Pressestelle mehr. Und wenn das eine ist, dann sitzen da eher die Praktikanten drin.

Besonders lustig ist in den Zusammenhang der Sparkassenverband Bayern. Der schreibt derzeit auf seiner Webseite, es könne ja von Kreditklemme gar keine Rede sein, im Gegenteil, man habe sein Kreditengagement erheblich ausgeweitet:

Die von den Sparkassen den Unternehmen zur Verfügung gestellten Kredite stiegen von Januar bis Oktober 2008 um 10,5 Prozent auf 48,4 Mrd. Euro. Auch im Oktober lagen die Darlehensneuzusagen mit 7,1 Prozent deutlich über dem Vergleichsmonat in 2007. Sparkassen werden auch in der anhaltenden Finanzkrise an den Finanzmärkten ihrer Verantwortung für den Mittelstand gerecht.

Das ist originell – man hört exakt im Okrober 2008 auf mit der Statistik. Und raten Sie mal, was sich im Oktober 2008 so richtig Bahn brach?

Und für den Fall, dass nächstes Jahr dann rauskommen sollte, dass die Sparkassen dann doch ein paar Kredite weniger rausgegeben haben, hat man mit einer Erklärung schon vorgesorgt:

Sie befürchten jedoch, dass als Folge der einsetzenden Konjunkturschwäche ein Nachfrage-Rückgang nach Krediten spürbar wird.

So ist das also: Es gibt keine Kreditklemme, es gibt nur weniger Nachfrage.

Gibt´s neben dem Blockierer-Preis eigentlich auch einen für die grandioseste Verdummung?

Written by cjakubetz

Juni 6th, 2009 at 9:17 pm

Posted in NUR SO DAHINGESAGT