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Anmerkungen eines Medienmenschen

Archive for Juli, 2009

Bellheim in Passau

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Eines muss man der PNP-Verlegerin ja lassen: Immer wenn man denkt, nun sei aber das höchstmögliche Maß an Absurdem erreicht, legt Simone Tucci-Diekmann nochmal einen drauf. Ihre neueste Idee ist, das gute alte Wedel-Stück vom großen Bellheim jetzt nochmal in Passau neu aufzulegen. Zwei etwas, nunja, betagtere Herren hat sie mit ihrem Ex-Chefredakteur Rudolf Kollböck und dessen Kumpel Gerd Hertle schon zurückgeholt, jetzt kommt noch einer hinzu: Mit Horst Gottschall tritt einer in die Chefredaktion ein, der in den 80er Jahren schon dort war — und von dem man als Außenstehender gar nicht gewusst hätte, dass er überhaupt noch aktiv ist. Die Generation 60plus jedenfalls soll jetzt den maroden Laden ordentlich aufräumen.

Die Personalien der letzten Monate zeigen indes ziemlich gut, wie es um die PNP und leider auch weite Teile der Regionalblätter bestellt ist: Dort regiert die Rat- und Ideenlosigkeit. Und ganz offensichtlich sind die Blätter auch keine wirklich attraktiven Arbeitgeber mehr. Die jetzt mit dem Ex-CvD (und zudem Ex-Technischer-Leiter und noch ein paar andere Ex-Funktionen) Gottschall besetzte Position hatte die PNP schon vor einigen Wochen anscheinend in der SZ ausgeschrieben — und allem Anschein nach haben sich nicht so rasend viele Kandidaten gemeldet; so gut ist der Ruf der PNP in der Branche ja nicht mehr, als dass man sofort “Hurra” schreien müsste, wenn man eine Stellenauschreibung liest. Jedenfalls ist die aktuelle Besetzung in der Chefredaktion jetzt so: Mit Ernst Fuchs ein Chefredakteur, der seit über zwei Jahrzehnten dabei ist und an neuen Konzepten und Ideen bisher ungefähr alles vermissen ließ. Irgendwo im Hintergrund flüstert Fuchs´ Vor-Vorgänger Rudolf Kollböck mit, in Sachen neue Medien auch eher ahnungslos. Und jetzt kommt Gottschall als “Redaktionsmanager” hinzu, dessen Expertise in den Dingen, auf die es für die PNP ankäme, bei etwa null ist. (Hinweis: Ich habe Horst Gottschall während meines Volontariats als einen der angenehmeren und sympathischeren Kollegen kennengelernt; meine Zweifel haben nichts mit ihm als Person zu tun. Schon viel eher damit, dass mein Volontariat ein Vierteljahrhundert zurückliegt und Gottschall schon damals als einer der Alteingessenen galt.) Es gibt dann noch einen Vize, aber bei dem weiß außer ihm selber eigentlich niemand so recht, was er macht, außer wöchentlich eine ulkige Kolumne zu schreiben, was im Landtag und dessen Ausprägungen wieder alles an Lustigem passiert ist. Zusammengelegt haben die vier vermutlich eine Digital-Kompetenz, die kurz hinter dem Verwenden von Mails auch schon wieder aufhört.

Angesichts der Bellheim-Inszenierung liest sich eine weitere Personalie ziemlich bizarr: dass die neue stellvertretende Lokalchefin in Passau mit 38 als Redaktionsküken durchgeht zeigt, welches Altersproblem die PNP (und nicht nur sie) hat. 38 ist natürlich ein wunderbares Alter für eine Vizechefin — aber dass dahinter in einer Lokalredaktion an jüngeren Redakteuren nichts mehr kommt, ist bezeichnend. Wie will man eigentlich eine so dringend notwendige Verjüngung der verehrten Leserschaft hinbekommen? Ein 40jähriger macht ein Blatt für 40jährige, da darf man sich nichts vormachen (ich würde das nicht anders machen). Eine irgendwie pflichtschuldig reingehängte Szeneseite als Insellösung bringt gar nichts, so lange sich der Rest derart verstaubt und antiquiert anfühlt wie es bei der PNP der Fall ist: vorne Politik und Nachrichten, irgendwie ein Kommentar, eine Pseudoreportage, Sport, ein wenig Regionales, dann ein Lokalteil. So macht man Zeitung seit den 70er Jahren und das einzige wirklich relevante Problem der PNP ist, dass sie dies auch weiterhin so tun wird, mit der reanimierten Bellheim-Truppe in der Schaltzentrale ohnedies.

Und schließlich noch eine Aussage, die von der traurigen Lage eines solchen Blattes zeugt: Natürlich ist auch im ersten Quartal die Auflage gefallen, aber, so betont der neue Lokalchef, langsamer als unter seinem Vorgänger. Man muss fürchten, dass er das ernst meint.

Kleine Prognose für die Zukunft: In fünf Jahren wird es die PNP, wie wir sie jetzt noch kennen, nicht mehr geben. Und bitte, Frau Verlegerin: keine Klagen über das böse Internet. Sie haben sich und Ihr Blatt dann ganz alleine erledigt.

Written by cjakubetz

Juli 13th, 2009 at 9:56 pm

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“Als würde man ständig kiffen”

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Der Journalismus verspielt hier Vertrauen, und das ist die zentrale Währung im Verhältnis von Publizisten und Publikum. Es ist wie bei einer dauernden Versorgung mit milden Drogen; als wu?rde man ständig kiffen. Auch wenn man weiß, dass es einen nicht umbringt, fu?hrt es doch zu einem dösigen Zustand – das macht der Journalismus mit der Gesellschaft.

Es gibt ja so Texte, bei denen man bei jeder Zeile das Gefühl hat, der Verfasser spreche einem aus der Seele. Das, was Lutz Hachmeister im Interview mit Oliver Gehrs sagt, gehört für mich in jedem Fall dazu. Jeder Satz ein kluger Satz.

Written by cjakubetz

Juli 13th, 2009 at 9:27 am

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Keiner für immer

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Vorhin ein paar Blogs gelesen, die ich schon lange nicht mehr gelesen habe. Und das, obwohl ich sie eigentlich wirklich mag.  Aber isses denn ein Wunder? Ich würde ja auch nicht in der SZ jeden Tag Leitartikel von Kurt Kister lesen wollen, obwohl ich die eigentlich auch mag.

Written by cjakubetz

Juli 12th, 2009 at 10:53 am

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Die Zeitung, die gute und edle

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Anders als in den USA seien die Zeitungen in Deutschland sehr gut aufgestellt. Ein Grund sei die enge Bindung zu ihrem Publikum, die im Lokalen besonders ausgeprägt sei. Dazu gehöre außerdem ein Vertriebs­system, das mit der Zeitungszustellung bis zur Haustür weltweit beispielhaft sei. In Deutschland würden die besten Zeitungen der Welt gemacht und im Unterschied zu den USA und vielen anderen Ländern gelte hier nicht der ausschließlich renditeorientierte Shareholder value. Die deutsche Zeitungs­branche sei mittelständisch geprägt. An der Spitze stünden Verleger mit publizistischem und unternehmerischem Anspruch.

Vermutlich muss man ja befürchten, dass der Zeitungsverlegerverband diese Pressemitteilung (via) ziemlich ernst meint. Dass er wirklich denkt, die Blätter hätten gerade im Lokalen eine “ausgeprägte” Bindung zu ihrem Publikum. Ich habe ja nun doch einige Lokalredaktion erlebt in meinem Journalistenleben — und meistens bestand diese Bindung daraus, dass mir meine Leser freundlich mitteilten, sie würden den Schmarrn ja nur lesen, weil es sonst nichts anderes gebe in der Region oder weil man sonst nicht über die Sonderangebote der Woche Bescheid wisse. Ältere Leser verwiesen gerne auch mal auf die Todesanzeigen. Im Ernst: Kaum jemand beherrscht die Kunst, am Leser gezielt vorbeizuschreiben, so gut wie etliche Lokalredaktionen. Das liegt vermutlich auch daran, dass ihre Konkurrenzsituation im Vergleich zu vielen anderen Medien immer noch himmlisch ist. Als Quasimonopolisten müssen sie am Markt meistens nicht wirklich bestehen. Müssten Sie es, es sähe in vielen Fällen zappenduster aus.

“In Deutschland würden die besten Zeitungen der Welt gemacht” — zumindest die vor meiner Haustür können damit nicht wirklich gemeint sein. Ab und an schreiben Redakteure Geschichten über Themen, die mich eher selten berühren, in Hochform geraten die klassischen Epigonen des Lokaljournalismus meistens nur bei Themen wie beispielsweise dem Haushalt der Gemeinde oder epischen Auseinandersetzungen im Stadtrat. Ab und zu wird auch mal ein Volo auf die Straße geschickt, der dann Umfragen machen muss in der Qualität von: Ist Frank-Walter Steinmeier ein guter Außenminister?  Ansonsten sind (kein Witz) Hausfrauen oder pensionierte Oberstudienräte als miserabel bezahlte Hobbyreporter unterwegs, die es schon mal fertig bringen, in einem einzigen Artikel den Namen eines Protagonisten nicht ein einziges Mal richtig, dafür aber konsequent jedesmal anders zu schreiben. Würde man eine Art “Bildblog” für Lokalzeitungen machen, man käme aus dem Korrigieren fast nicht mehr heraus. Indes: Kann man mehr erwarten von Mitarbeitern, die, wenn es dumm läuft, sich einen Abend lang auf einem Termin um die Ohren schlagen, danach noch zwei Stunden schreiben, die also für fünf oder sechs Stunden Arbeit vielleicht mal 30 Euro bekommen und somit ein wirklich gutes Argument für die Einführung von Mindestlöhnen darstellen? Die besten Zeitungen der Welt? Hat den deutschen Verlegern eigentlich schon mal jemand ein Blatt wie die “St.Petersburg Times”, ein Regionalblatt aus den USA, um die Ohren gehauen? Dann müsste ihnen die Röte eigentlich jetzt noch im Gesicht stehen.

Und Renditeerwartungen würden hier nicht im Vordergrund stehen? Wie anders kann man es denn erklären, dass man auf der einen Seite freiberufliche Journalisten mit Honoraren abspeist, die weit von dem entfernt sind, dass man davon auch nur bescheiden leben könnte, auf der anderen Seite aber für ein Produkt, das mit entsprechend qulitätvollem Inhalt gefüllt wird, Preise zwischen 30 und 40 Euro pro Monat verlangt?

Was wird die Pressemitteilung der Verleger wohl mit “sehr gut aufgestellt” meinen? Dass man in den digitalen Medien in vielen Fällen eine klägliche Rolle spielt, dennoch aber vorsorglich den verbesserten Schutz des geistigen Eigentums auch im Internet anmahnt? Dass es viele Lokalredaktionen gibt, in denen schon mal auch Volontäre eine Ausgabe de facto alleine stemmen müssen? Dass Ausbildung in vielen Redaktionen immer noch ein anderer Begriff für “billige Arbeitskraft” ist? Dass man gerade massiv sowohl an Lesern, an Anzeigen und auch letztendlich an Relevanz verliert, darauf aber keine sehr viel bessere Antwort hat als die, dass das doofe Internet irgendwie daran schuld sei?

Natürlich, Zeitungen haben es schwer auf dem Markt, schon alleine, weil sie Zeitungen und gedruckt sind.  Aber das Gefühl, viele Blätter machten es sich und der digitalen Konkurrenz  verdammt leicht, das wird man trotzdem nicht los.

Written by cjakubetz

Juli 11th, 2009 at 11:35 am

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Die Lachnummer von Vodafone

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Als ich gestern das erste Mal den Vodafone-Werbespot (genau…den) sah, konnte ich nach ein paar Sekunden schon nicht mehr hinschauen. Ich habe nun mal das Problem, mich schnell fremdzuschämen. Zunächst fand ich einfach nur schlecht abgekupfert (sorry, Leute, aber diese Idee haben vor euch tausend andere schon besser umgesetzt), aber als dann irgendwie noch ein paar bemitleidenswerte Blogger singen mussten und den Autoren wirklich nichts Platteres als “Heroes” einfiel, war es um mich geschehen. Das ist vermutlich das, was jedem Praktikanten in einer Agentur als erstes in den Sinn kommt, wenn er so eine Geschichte drehen soll. Heroes! Bowie! Wenn das die Generation, jene Szene sein soll, der ich mich irgendwie zugehörig fühlen soll, bin ich lieber nicht dabei und verzichte gegebenenfalls sogar aufs Telefonieren. (Normalerweise sind mir Telko-Spots ja völlig egal, aber der soll mich angeblich ansprechen..)

Ich find´s auch gar nicht schlimm, dass Blogger für ein Produkt Werbung machen, so talibanös bin ich da nicht. Ob man sich allerdings selbst einen Gefallen tut, für eine derartige Lachplatte den Kopf hinzuhalten, würde ich bezweifeln.  Bei mir  jedenfalls hat das genau den umgekehrten Effekt bewirkt, was zugegeben an meinem angeborenen Trotz liegen kann. Jedenfalls bin ich jetzt  richtig stolz darauf, iPhone und T… zu nutzen, das habt ihr jetzt davon!
Das alles wollte ich schreiben, aber Kollege ix war viel schneller und pointierter…das kommt davon, wenn man zu langsam ist.

Written by cjakubetz

Juli 9th, 2009 at 12:21 pm

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Das Gesetz von 1911

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Fast ein ganzes Jahrhundert lang haben sich Presseverbände und Verlagsmanager immer wieder auf dieses steinalte Unverdrängbarkeitsgesetz von Wolfgang Riepl berufen, um zu belegen, dass kein höher entwickeltes Medium ein altes komplett verdrängt oder ersetzt. Aber dieses Gesetz, das eigentlich gar kein Gesetz ist, sondern bloß eine Hypothese, hat Riepl während der Bearbeitung seiner Dissertation “Das Nachrichtenwesen des Altertums mit besonderer Rücksicht auf die Römer” aufgestellt – und das war wohlgemerkt im Jahr 1911!

Weil´s gerade so schön zum Thema passt: Ein spannendes Interview mit Stephan Weichert über “sinkende Auflagen und hasenfüßige Verleger/innen, arrogante Redakteure/innen und Blogger-Bashing sowie über das gigantische Verteilmedium Internet und den Ausstieg des Qualitätsjournalismus aus der Todesspirale”.

Written by cjakubetz

Juli 7th, 2009 at 9:46 am

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Abgesang auf die Zeitung

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Laut einem Bericht des Internetdienstes “Alley-Insider” wurden 2009 bereits 105 US-Zeitungen eingestellt, während Print-Anzeigenverkäufe im 1. Quartal 2009 um durchschnittlich 30 Prozent fielen. Fast alle der 25 größten US-Zeitungen verloren zwischen sieben und 20 Prozent an Auflage. (Meedia.de)

Neben mir liegen gerade meine Zeitungen, die ich abonniert habe (doch, sowas gibt´s). Wenn ich sie mir so ansehe, werde ich den Eindruck nicht los, dass es reiner Luxus ist, den ich mir da leiste. Der Spaß kostet mich im Jahr ein paar hundert Euro und wenn ich zu mir selber mal ganz ehrlich bin: Ich müsste sie nicht lesen, ich will einfach nur.

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Klar gibt es gute Gründe für das Lesen einer Zeitung. Die Zeitungsmenschen werden ja auch nicht müde, sie zu betonen. Aber irgendwie werde ich den Eindruck nicht los, dass die alle irgendwie  nicht richtig greifbar sind. Oder irgendwie nostalgisch angehaucht. Wenn es hart auf hart geht, dann zählen das heimelige Rascheln und die Tatsache, dass das geschriebene Wort in der Zeitung auch gedruckt ist, nicht mehr so richtig. Inzwischen würde ich sogar die gerne aufgestellte Behauptung, Crossmedia funktioniere in einer strikten Aufgabenteilung zwischen Online-Verlaufsberichterstattung und gedruckter Analyse, Kommentierung und Hintergrundberichterstattung, einigermaßen anzweifeln. Muss ein Kommentar gedruckt sein?

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Interessante Begegnung letzte Woche — mit einer 11. Klasse Gymnasium, 25 junge Leute, die später alle mal was mit Medien machen wollen. Eine sehr medienaffine und ziemlich muntere Gruppe; das Publikum also, das den Zeitungslesernachwuchs von morgen ausmachen sollte, weil das ja diejenigen sind, die auch mal Kommentare und Analysen wollen. Die Frage in die Runde, wer denn regelmäßig zur Zeitung greife, gerät zum einzigen Desaster, zumindest für  die Zeitungen: drei oder vier sind es, die sich melden. Der Rest lebt vollständig digital.  Die würden sich wundern, wenn ich ihnen jetzt erzählen würde, dass  Hintergründe und Kommentare nur gedruckt richtig Sinn machen, denke ich mir, und beschließe, diese schöne Theorie in diesem Fall eher für mich zu behalten.

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Zumal es bei vielen ja immer noch bei Lippenbekenntnissen bleibt. Von einer besseren und intensiveren Verzahnung zwischen Print und Online sowie einer entsprechenden Zusammenarbeit schwafelte beispielsweise die “Passauer Neue Presse”, als sie im Frühjahr einen neuen Chefredakteur und eine neue Strategie (von der keiner weiß, wo sie abgeblieben ist) vorstellte. Die letzten Tage das Blatt und den Onlineauftritt mal wieder etwas intensiver angesehen, geändert hat sich nichts. Doch halt, die Homepage hat jetzt irgendwie ein paar Fotos mehr. Die Zeitung hingegen ist immer noch nach den Erkenntnissen der 80er Jahre gemacht. Und verzahnt ist gar nix.

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Noch nie hat ein Medium das andere ersetzt. Ich bin mir inzwischen ganz und gar nicht mehr sicher, ob das diesmal auch der Fall sein wird. Und einmal ist schließlich immer das erste Mal. Solange jedenfalls die Frage, wer Zeitungen eigentlich noch braucht, nicht besser beantwortet werden kann als bisher, sehe ich aktuell tiefschwarz.

Written by cjakubetz

Juli 7th, 2009 at 9:05 am

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Sky auf allen Kanälen

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Wenn  es übrigens das Ziel des Premiere-Nachfolgers “Sky” gewesen ist, die restlichen Kunden durch Dauer-Penetranz und völlig missratene Werbeformen zu vergraueln, herzlichen Glückwunsch: Das ist prima gelungen!

Written by cjakubetz

Juli 6th, 2009 at 9:23 pm

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Schumachers Sonntagsreden

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Dass Lutz Schumacher in seinen Ansichten nicht einigermaßen radikal wäre, wird ihm vermutlich niemand vorwerfen. Regelmäßig macht der gute Mann Schlagzeilen, man muss die ganzen alten Geschichten aus Münster dazu wirklichnicht mehr hervorkramen. Mit seinen neuesten Ideen für den “Nordkurier” hat er sich auch nicht nur Freunde gemacht, auch wenn man mit einigem Vorwürfen in dieser Geschichte womöglich zu weit gegangen ist.

Jetzt hat Schumacher sich mal wieder öffentlich zu Wort gemeldet: Mit einem Gastbeitrag bei “Carta”, der in der Twittersphäre heute gar als “schmerzhafte Thesen” angekündigt wurde. Ohja, schmerzhaft ist der Beitrag durchaus — aber aus anderen Gründen: zum einen, weil es irgendwann ärgerlich wird, immer wieder das gleiche leere Geplapper ertragen zu müssen; zum anderen, weil man sich wundert, dass ein gerade eben grimmegekröntes Onlineangebot einer solchen inhaltlichen Leere derart viel prominenten Platz einräumt.

Was Schumacher bei “Carta” von sich gibt, liest sich stellenweise wie aus einem Phrasenroboter für Sonntagsredner zusammengestellt. Beispielsweise schreibt er über die Neupositionierung von Zeitungen folgendes:

Wie in allen anderen Branchen, die sich in einer Niedergangsphase befinden, brauchen wir jetzt dringend Innovation und müssen dabei leider auch mit schmerzhaften Rückschlägen rechnen.

Darauf wäre man von alleine gar nicht gekommen. Wie diese Innovationen aussehen sollen, lässt Schumacher offen, vermutlich deswegen, weil “Innovation” alleine schon ziemlich spannend klingt und man mit Wortgeklingel dieser Art insbesondere dort, wo Schumacher seine Karriere begann, ja im Allgemeinen ganz gut durchkommt. Schließlich ist das die völlig gefahrlose Variante: Man erzählt etwas, auf was sich vermutlich alle einigen können, pusht das Ganze mit ein paar Buzzwords und verwendet noch ein klingeliges Adjektiv (“schmerzhaft”) — und schon hört es sich gar nicht so schlecht an, wenn man nicht so genau hinhört.

Richtig ulkig wird Schumacher dann beim Thema Qualität, was insofern nicht verwunderlich ist, weil man Schumacher bisher eigentlich nicht als hehren Hüter der Qualität eringeschätzt hätte. Aber, man staune, jetzt fordert der gute Mann eine “Qualitätsdebatte” (klingel…), die aber eine ganz besondere sein müsse:

Wir brauchen eine Qualitätsdebatte. Aber nicht so eine verlogene wie jetzt, wo die eine Lobby der anderen schöne Grüße ausrichtet. Es kann nicht sein, dass eine Handvoll selbst ernannter Experten im Verbund mit Journalistengewerkschaftern ein Begriffsmonopol auf das Wort „Qualitätsjournalismus” halten.

Was an den Debatten “verlogen” sein soll, erklärt Schumacher nicht so ganz; man könnte aber leicht auf die Vermutung kommen, dass es etwas mit seinem eher gespannten Verhältnis zu Journalistenverbänden zu tun hat. Und die “selbsternannten Experten” (klingel…)? Muss man nicht näher definieren, sind im Zweifelsfall vermutlich die, die nicht Schumachers Meinungen teilen. Immerhin macht sich Schumacher die Mühe zu definieren, was für ihn Qualität bedeutet: Irgendwie gehe es um die Leser und dessen Bedürfnisse. Ach.

Ja, und überhaupt: Wenn man wissen wolle, was Qualität für den Leser bedeute, müsse man mehr über ihn wissen, schlussfolgert Schumacher.  Dass man vielleicht mehr mit ihm kommunizieren könne, liegt jetzt für Schumacher nicht unbedingt auf der Hand, aber dafür anderes:

Wir müssen Einkommen und die sozialen Faktoren kennen, ihr Freizeitverhalten, ihre Wünsche an die Zeitung und ihre Lebenswirklichkeit insgesamt. Wir müssen viel mehr Geld und Zeit in eine wirklich gute Marktforschung stecken. Eine gelegentliche Umfrage wird kaum ausreichen. Genaue Leserforschung und Geomarketing werden immer wichtiger.

Prima Idee. Man weiß dann auch statistisch und wissenschaftlich belegt, dass junges Publikum Zeitung irgendwie doof findet. Mit ein bisschen Glück findet man sogar heraus, warum.

Und schließlich steigert sich das Geklingel in ein furioses Finale der Phrasendrescherei, Schumacher kramt alles raus, was es irgendwo zu finden gibt: Lokale Kernkompetenz nicht aus der Hand geben! Selber Themen setzen! Recherchieren, kommunizieren und sich – um Himmels willen! – nicht klüger vorkommen als die Leser!

Man sinkt nach diesem Klingeloverkill ermattet in die Kissen, nimmt beiläufig noch wahr, dass Schumacher als Rausschmeißer irgendwas schwadroniert, dass Zeitungen wirtschaftlich arbeiten müssten (holla!) — und denkt sich schließlich, dass Schumacher ungewollt ein Manifest der Hilfslosigkeit bei vielen Blättern verfasst hat, weil man ja auf der anderen Seite befürchten muss, dass Schuhmacher bei einem der von ihm so verachteten Kongresse dafür vermutlich sogar noch Applaus bekommen hätte und der eine oder andere leise geraunt hätte: Mensch, der Schumacher, der hat´s begriffen. Wenn man jedenfalls von einem Verlagsgeschäftsführer allen Ernstes so etwas lesen muss, dann steht es vermutlich nicht gut um die Branche.

Und bei Grimmes sollten sie sich fast mal überlegen, ob sie den Preis für “Carta” nicht wieder zurückziehen.

(Bevor jemand fragt: Nein, der letzte Satz war nicht richtig ernst gemeint…)

Written by cjakubetz

Juli 2nd, 2009 at 7:37 pm

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Nahles macht Obama rund

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(aus: FAZ.net)

Written by cjakubetz

Juli 1st, 2009 at 9:49 pm

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