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Anmerkungen eines Medienmenschen

Archive for September 22nd, 2009

Erkenntnisse, weitgehend zusammenhanglos

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Ich hätte mich ja vor mir selber warnen können. Das Problem ist: Wenn ich mich mal in Rage rede, zerfransen meine Ausführungen gerne und bekommen dann auch noch Anflüge von altersbedingtem Pathos. Gestern war es mal wieder so — ausgerechnet an meinem ersten “Arbeitstag” an der Passauer Uni, bei dem ich 15 jungen Studenten damit vermutlich die Vorfreude auf weitere Veranstaltungen gründlich ausgetrieben habe.

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Es ging den ganzen Tag über so einigermaßen querbeet über das Große und Ganze, ohne das Allgemeine dabei  zu vergessen (tatsächlich sollte es über Blogs gehen, aber wenn man schon mal dabei ist). Jedenfalls landete ich über ein paar Umwege beim Thema Begeisterung für den Beruf. Ich dachte an die ganzen Heerscharen von leblosen Redaktionsrobotern, die wahleise in Lokalredaktionen sitzen und dort gerne mal die Meisterschaft in Lustlosigkeit austragen; an Durchlauferhitzer in Mantelredaktionen von Zeitungen, die sich darin gefallen, dpa eine neue Überschrift zu verpassen. Und an ein paar wunderbare Episoden vom Wochenende aus dem großen Reich des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, dem man danach gerne eine Lastwagenladung mit Ärmelschonern spendieren möchte. Und dann dachte ich an die Leute aus den unterschiedlichsten Bereichen, die ich gut finde (so verschieden sie im Einzelfall auch sein mögen). Mir fiel einer wie Felix Schwenzel zum Beispiel ein. Ich verstehe ihn nicht immer (er mich vermutlich auch nicht), dafür heißt sein Blog ja praktischerweise auch wirres.net. Aber meistens finde ich ihn lesenswert und ziemlich häufig muss ich laut lachen bei ihm (und das schaffen nicht viele). Ich weiß viel zu wenig über ihn, würde aber trotzdem sagen, dass es vor allem seine Begeisterung für das eigene tun, für das bloggen, twittern, fotografieren ist, was ihn ausmacht. Über den Kollegen Niggemeier brauch ich nicht viel zu sagen; wenn einer sich auf gefühlten 12000 Zeitungszeilen am Stück  über irgendwas echauffieren kann, ist er von diesem Tun vermutlich ein bisschen begeistert. Ich dachte an einen wie den DJS-(Uli)-Brenner, der über 60 ist und immer noch begeisterter Journalist. Und irgendwann kam ich dann zu dem Schluss, dass eigentlich so ungefähr jeder, den ich klasse finde, in erster Linie erstmal irgendwie Idealist ist und dann Journalist/Publizist. Wenn beides zusammengeht und die können davon auch noch (gut) leben, was will man dann eigentlich noch mehr?

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In dem Zusammenhang, liebe Passauer Studenten: Seit ihr mal froh, dass ihr einen wie Professor Ralf Hohlfeld habt. Er (und sein unfassbar nettes Team) haben es wirklich geschafft, dass ich beinahe alle Vorurteile gegen die Ausbildung von Journalisten an Universitäten über Bord geworfen habe. Und glauben Sie mir: Es waren viele Vorurteile. Momentan jedenfalls kann ich mich wirklich wie ein kleines Kind, ähm, begeistern dafür, dass direkt vor meiner niederbayerischen Haustür sowas passiert. Alleine schon deswegen, weil man möglicherweise als Niederbayer nicht mehr nur mit der PNP assoziert wird.

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Weil gerade schon bei den wüsten Gedankensprüngen sind, fiel mir dann in dem Kontext von Begeisterung und den Redaktionsbeamten noch ein, dass Nachrichtenaggregatoren noch ein zusätzlicher Sargnagel für den konventionellen Journalismus sein könnten. Vor allem für Tageszeitungen. Wenn Aggregatoren, die nichts kosten, den Job machen, den bisher Aggregatoren erledigen, die ziemlich teuer sind, dafür, dass sie nur aggregieren, könnte es ja immerhin eine Möglichkeit sein, dass man auf sie künftig gerne verzichtet.

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Dann noch heute abend beim Laufen gewesen und im Kopfhörer einen Beitrag über das Zeitungssterben in den USA und ein Interview mit, wem auch sonst, Jeff Jarvis gehört. Das Tolle an solchen Akademikern ist ja, dass sie solche Dinge, wie sie mir unsortiert durch den Kopf schießen, sehr viel strukturierter und unaufgeregter als ich vorbringen können (kein Wunder, ich bin ja immer in heller Aufregung, wenn mir gerade mal was dämmert). Aber mit den Akademikern habe ich ja inzwischen meinen Frieden geschlossen. Dafür besten Dank, lieber Ralf Hohlfeld (und Team).

(PS: Befürchtung einer Studentin gestern: Man gebe ja möglicherweise selbst beim (Medien-)Bloggen sehr viel über sich und seine Person preis. Hab ich noch noch nie so gesehen, ist aber ein interessanter Gedanke. Obwohl: Viel mehr als meine letzten drei Tage, ein paar unstrukturierte Gedanken und ein paar Anspielungen für sehr nette Menschen haben Sie ja nun auch nicht bekommen.)

Written by cjakubetz

September 22nd, 2009 at 9:02 pm

Posted in IN EIGENER SACHE

Warnung vor dem Vodafone

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Eindrücke vom Journalistentag Nord am Wochenende in Hannover, unsortiert und subjektiv und natürlich viel zu spät. Erstmal: Bei den Journalistentagen in NRW und in München waren es deutlich mehr Besucher, keine Ahnung, warum Hannover eher mau läuft. Auf den Panels sitzen mehr oder weniger übliche Verdächtige, von denen man den meisten ganz gut zuhören kann. daran kann´s weniger gelegen haben. Vielleicht war einfach das Wetter zu schön.

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Erst einmal sitze im Foyer und möchte irgendwo an einem Stehtisch ein paar Sachen via Netbook wegarbeiten. Das gute Netbook ist allerdings inzwischen massiv auf dem Vormarsch. Vodafone hat ein paar Promotion-Stände aufgestellt, mit Netbooks und Netzzugang. Nicht unlogisch, weil man ja neuerdings bei Vodafone ganz irre zwonullig sein und diese Einwohner aus Digitalien, von denen man neuerdings immer so viel hört,  an sich ketten will — und das, ohne das Web im Ansatz begriffen zu haben und ohne ein einziges adäquates Angebot zu machen (dafür hat man immerhin die Ausscheidung um den Titel “Misslungenster Werbespot des Jahres” frühzeitig für sich entschieden). Das alles reizt ich in meinem angeborenen Trotz dann doch, mich mitten in dieses Areal zu setzen, mein Netbook samt Zugang eines Mitbewerbs auszupacken und mein iPhone daneben zu legen. Irgendwie sehen mich die Vodafone-Leute etwas pikiert an, was mich insofern nicht weiter stört, als dass mir Vodafone als ein ziemlich übler Abzocker-Laden in Erinnerung geblieben ist. Der Gipfel (neben etlichen anderen grenzwertigen Vorfällen) war vor gut einem Jahr mal, als ich einen neuen Handyvertrag bei Vodafone abschloss und ein neues Handy mitnehmen wollte. Das habe man gerade nicht auf Lager, sagte mir der Verkäufer, schicke es aber in den kommenden Tagen nach. Das Handy kam nie, stattdessen, die erste, die zweite, die dritte Monatsrechnung. Für eine nicht aktivierte SIM-Karte ohne Telefon, wohlgemerkt. Ich rufe in der Hotline an, wo das Handy bleibt, dort heißt es: keine Ahnung, ich solle doch mal direkt im Shop nachfragen. Also bei nächster Gelegenheit wieder nach München, rein in die Drückerkolonne Niederlassung, tja, heißt es dort — wie denn der Verkäufer geheißen habe. Ich sage, keine Ahnung, was mir ein kühles “Dann müssen sie mal am besten Hotline anrufen” einbringt. Mittlerweile weigere ich mich, die Rechnungen zu bezahlen, was Vodafone aber einfordert, weil ich ja immerhin eine Karte hätte. Schließlich beruft sich Vodafone darauf, dass ich ja einen “SIM-only”-Vertrag abgeschlossen hätte und gar keinen Anspruch auf ein Handy gehabt hätte. Ich schaue — stimmt, der Kerl hat mir einen SIM-only-Vertrag untergejubelt. Mein Hinweis, ich hätte sowas doch gar nicht gewollt, wird abgeschmettert mit einer Aussage im Stil von “da könnte ja jeder kommen”. Schließlich zerrt mich Vodafone vor Gericht, bekommt auch noch recht (“Tja, das ist so unterschrieben, müssen sie halt schauen, was sie da unterschreiben”) und bekommt nun einen Haufen Geld für eine nichterbrachte Leistung. Mein Anruf bei der Pressesprecherin des Konzerns und meine Nachfrage, wer denn letztendlich dafür Sorge zu tragen habe, dass tatsächlich auch der gewünschte Vertrag ausgestellt werde, bringt einen verbalen Eiertanz und schließlich ein: “Man sollte sich schon genau anschauen, was man unterschreibt” mit sich. Also, Kollegen, achtet auf die Worte der Dame: Schaut euch gut an, wenn ihr was bei Vodafone unterschreibt. Es könnte was anderes sein als ihr denkt. Und was ich nie für möglich gehalten hätte: Der Umgang mit Kunden ist bei Vodafone noch schlechter als der Werbespot. Das muss man auch erst einmal hinbekommen.

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Ibrahim Evsan, Geschäftsführer bei “Sevenload” und neuerdings auch Buchautor (nutzt übrigens auch suchtartig iPhone – wen von dieser merkwürdigen Generation Dingsbums bekommt Vodafone überhaupt? PR-Praktikanten?), ist jemand, der in einem unfassbaren Tempo unfassbar viel erzählen kann. Und einer, der gerne ein wenig zuspitzt und auf der Bühne das kleine Einmaleins der Rampensau zelebriert. Man mag ihn also für einen begandeten Vermarkter seiner selbst halten, wie es sie in der digitalen Szene ja auch an anderen Stellen gibt. Trotzdem ist seine an diesem Tag ausgiebig und ziemlich entertainig vorgebrachte These, dass onliner und offliner de facto nicht mehr miteinander kommunzieren können, nicht von der Hand zu weisen. Den Eindruck habe ich in Hannover und in den Tagen darauf auch immer wieder mal. Wenn man einem offliner davon erzählt, was sich gerade tut da draußen, schaut er dich an, als wenn du behaupten würdest, der Papst hätte Sex mit Außerirdischen.

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Was mich im Laufe des Tages auch immer wieder erstaunt: Es tauchen regelmäßig eigentlich nur zwei, drei Fragen auf. Wie wird das mit dem paid content, wie können sich vor allem freie Journalisten künftig über Wasser halten?  Vor allem der Gedanke, es gäbe mitten in einem radikalen Wandel schon so etwas wie Regeln, Ratgeber und feste Einsichten, amüsiert mich ein wenig. Warum muss ich gerade jetzt an Lenin und die Bahnsteige denken?

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Nehme mir in dem Zusammhang übrigens fest vor, künftig auf jede Interview-Frage, die mit dem Halbsatz “Halten Sie es für vorstellbar…?” beginnt, sofort mit einem entschiedenen “Ja” zu antworten.

Written by cjakubetz

September 22nd, 2009 at 7:57 am

Posted in NUR SO DAHINGESAGT