Archive for November 11th, 2009
Regeln für die Kommentare
Liebe Leute, es langt. Ich habe wirklich nichts gegen kontroverses Diskutieren. Man darf/soll dabei durchaus anderer Meinung sein als ich (dafür gibt es Kommentare) und deutliche Worte darf man auch verlieren.
Zwei Sachen gibt es aber definitiv ab sofort nicht mehr (und wenn es sie vorher gegeben haben sollte, entschuldige ich mich jetzt schon mal dafür).
1.) Kommentare, deren Absender nicht verifizierbar sind. Ich verlange wirklich keine genaue Adresse, nicht mal einen Klarnamen. Kommentare allerdings, bei denen auch intern (sprich: bei der angegebenen Mailadresse) keinerlei Zuordnung erkennbar ist, landen ohne weiteres Nachdenken im Müll. Vorhin kam einer, der sich als “pappnase@fdafgsdf.de” ausgab. Tja. Ich staune ja wirklich, wie man zwar auf der einen Seite erwartet, sich öffentlich äußern zu können, auf der anderen Seite aber nicht den Mumm hat, mit einem Namen, einer Mailadresse dafür einzustehen.
2.) Kommentare, in denen irgendjemand wahllos beschimpft wird (egal wer) kommen in den Müll. Ohne weitere Rückmeldung, ohne Ausnahme. Auch weiteres Insistieren via Mail juckt mich in solchen Fällen nicht. Ich weiß, dass Blogs nicht immer zimperlich im Ton sind, aber wenn sich jemand einfach nur auskotzen will — gerne, aber nicht hier.
Ich mag das nicht begründen müssen (schlimm genug, dass man solche Selbstverständlichkeiten auch noch posten muss, nur soviel: Zu viel verlangt ist das vermutlich nicht. Und deswegen ist das jetzt so. End of transmission.
Klickschinden mit Enke
Keine Ahnung, ob der Selbstmord Robert Enkes die größte Tragödie ist, die es im deutschen Fußball jemals gegeben hat. Das ist auch nicht weiter wichtig, sicher ist nur: Es ist eine Tragödie. Eine mit entsetzlichem Ausmaß, eine für die man auch 12 Stunden später — recht besehen — keine treffenden Worte finden kann.
Trotzdem setzen im Journalismus alle Reflexe ein, die man als abgebrühter Nachrichtenjäger haben kann. Da setzt ein Mensch mit 32 seinem Leben ein Ende — und dann sehen wir: Bildergalerien bei sueddeutsche.de, Bildergalerien bei bild.de, Bildergalerien bei Spiegel Online. Man sieht die Jagd nach dem schnellen, billigen Klick und fühlt sich angewidert, weil sich bisher noch niemand an einer Geschichte über Robert Enke, über seine Tragödie, über den Menschen versucht hat. Weil noch niemand versucht hat darüber nachzudenken, warum neben Sebastian Deisler nun offenbar ein zweiter Top-Profi in psychologischer Behandlung war. Stattdessen: denken die Qualitätsjournalisten der Süddeutschen und von SPON (und vieler anderer) erstmal an die gute alte IVW, bauen Klickmaschinen zusammen, bedienen billigen Voyeurismus. Ah, das ist die Lokokomotive, vor die er sich warf? Oh, seht mal, da ist das (dezent abgedeckte) Auto Enkes, das gerade abtransportiert wird! O-Töne von Beckenbauer bis Zwanziger, praktischerweise bei SPON als kleine Klickstrecke arrangiert, man muss ja auch an die Quote denken, Sie verstehen.
Viel fällt mir nicht dazu ein, um ehrlich zu sein. Jemand bringt sich um — und Onlinejournalisten schaffen nichts anderes als die Klickstrecke.
Man kann das auch übrigens anders machen, wie FAZ.net beweist. Vielleicht haben die ein paar Klicks weniger als die mit Spielen und anderem Schrott hochpuschte SZ, aber lesenswerter, liebe Kollegen in München, lesenswerter, sensibler, journalistischer als eure elende Klickschinderei ist das allemal.
(Guter Text zum Thema übrigens auch bei 11Freunde).