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Anmerkungen eines Medienmenschen

Archive for Februar 24th, 2010

Die lustige Welt des Fernsehens ohne Fernsehen

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Wenn man wirklich ulkige Sachen über die Zukunft des Fernsehens hören will, kommt man inzwischen an Thomas Ebeling nicht mehr vorbei.

Als es vor einigen Monaten um die Zukunft von N24 ging, meinte Ebeling, dass Nachrichten ja irgendwie nicht so wichtig seien, zumindest nicht für die Zuschauer in seiner Sendergruppe. Da war es dann  nur konsequent, dass er in dieser Woche ankündigte, den Etat der Nachrichtensendungen der Gruppe mal eben um zwei Drittel zu kürzen, was durchaus möglich ist, wenn man, wie Ebeling fordert, nicht immer diese komischen bewegten und vor allem sauteuren bewegten Bilder zeigt. Manchmal reicht da ja auch ein Foto, so einfach geht das. Was insofern nicht ganz von der Hand zu weisen ist, als dass es bei der Qualität der meisten Nachrichtensendungen aus der Gruppe nicht mehr darauf ankommt, ob das Ganze jetzt mit bewegten oder doch eher stehenden Bildern hinterlegt ist.

Nun könnte man Ebeling eigentlich gar nicht böse sein. Erstens triftt man so viel frappierende Ehrlichkeit in der Branche eher selten an, zum anderen: Der Mann kommt aus der Pharmaindustrie, hat in seinem langen und sicher erfolgreichen Managerleben noch nie ein Medienunternehmen geleitet — und führt ProSiebenSat1 so, wie er vermutlich auch die Wurstfabrik von Uli Hoeneß führen würde, wenn Uli Hoeneß ihn darum bäte. Ebeling ist noch nie mit einem einzigen sinnigen Wort zu Themen wie Programm und Inhalt auffällig geworden. Nicht nur, weil er dazu vermutlich auch nichts Sinniges sagen könnte, sondern weil er dafür nicht geholt worden ist: Sein Job ist es nicht, aus P7S1 etwas fernsehähnliches zu machen, sondern: Rendite. Wenn man die mit einer 24-Stunden-Dauersendung kopulierender Fliegen erzielen könnte, würde Ebeling auch das senden, solange seine Investoren 15 Prozent Umatzrendite auf diesem Sendeplatz bekommen.

Aus seiner medienunbelasteten Sicht ist Ebelings Argumentation auf den ersten Blick sogar verständlich:  Man kann immer alles noch einen Tick billiger machen. Das Problem ist, dass Ebeling seine Zuschauer unterschätzt: Selbst Laien bemerken inzwischen an allen Ecken und Enden des Programms der Gruppe, dass es in erster Linie billig sein muss. So etwas ähnliches wie eine programmliche Innovation ist aus dem Haus schon gefühlte Jahrhunderte nicht mehr gekommen (nimmt man mal Raab aus, aber das ist eben: Raab.) Und wann hat eigentlich der letzte wirklich kreative Kopf Unterföhrimg verlassen?

Das alles könnte man schulterzuckend ad acta legen, hätte die Entwicklung einer Sendergruppe, die demnächst Fernsehen ohne bewegte Bilder machen will, nicht auch eine medienpolitische Komponente: Sie zeigt, dass Fernseh- und Medienunternehmen nichts in der Hand von Finanzinvestoren verloren haben. Medien sind eben nicht einfach ein Wirtschaftsgut, sondern ein Kulturgut. Medien dürfen eben nicht nur von Controllern und Investoren und Managern gemacht werden. Sie brauchen — selbst dann, wenn es um Privatfernsehen geht — ein Mindestmaß an Kreativität, an journalistischer Verantwortung und Kompetenz an gesellschaftlicher Verantwortung. Bei allen Benken, die man damals vor allem aus kartellrechtlicher Sicht gegen eine Übernahme des Senders durch den Springer-Verlag haben konnte: eine bessere Lösung als das controllergesteuerte Ruinieren wäre sogar das gewesen.

Written by cjakubetz

Februar 24th, 2010 at 9:45 pm

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Warum ich Blogger bezahlen würde

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Blogs hätten sich verändert, konnte man in den letzten Tagen lesen, wahlweise, je nach Sicht des Betrachters, zum Besseren oder zum Schlechteren, manches behaupteten sogar: hin zur Irrelevanz. Wohlfeile Klage, das: Es gebe kein einziges deutsches Blog, das man lesen müsse (wobei ich mir in solchen Momente ja immer frage: Meine Güte, was muss man schon?).

Und mittendrin kommt also dieser Jens Weinreich.

Weinreich will für seine Blogbeiträge Geld, d.h.: natürlich verschwindet sein Blog nicht hinter einem generellen Kassenhäuschen (das wäre eher eine Lösung, die man von deutschen Zeitungsverlagen erwartet hätte). Weinreich baut lediglich einen PayPal-Bezahlbtton in seine Beiträge ein. Wem eine Geschichte gefallen hat, der kann spenden. Es gibt keine Begrenzungen, keine nach unten, keine nach oben. Und natürlich auch keine Bezahlpflicht und keine anderen Limits, kein (beispielsweise): Nach fünf unbezahlten Beiträgen im Monat ist Schluss.

Zugegeben, ich habe für diese Idee ziemliche viele Sympathien, obwohl ich ansonsten auf dieser kleinen Seite tendenziell von “paid content” nicht so richtig überzeugt bin. Weinreichs Idee finde allerdings aus anderen Gründen sehr einleuchtend.

Zunächst mal: Was Menschen wie Weinreich machen, hat in der Tat nicht mehr sehr viel zu tun mit dem, wie sich die Bloggosphäre vor einigen Jahren zusamenfand. Man kann trefflich darüber streiten, ob das nicht schon wieder mehr Journalismus denn Bloggerei sei, aber ehrlich gesagt dürfen diese Debatte gerne andere führen, mich interessiert sich nicht so sehr. Tatsache ist, dass Bloggeristen wie Jens Weinreich (sofern ich mir bei diesem komplexen Thema ein Urteil überhaupt anmaßen darf) jeden Tag ziemlich aufwändige und ziemlich gute Arbeit abliefern (um bei den Verlagen zu bleiben: die würden das Qualitätsjournalismus nennen). Ich halte es absolut für legitim, zumindest die Möglichkeit zu geben, sich an Finanzierung solcher Inhalte zu beteiligen. Das im Übrigen auch aus der Sicht des Users: Es ist mir weitaus lieber, wenn ich meine Autoren unterstützen kann als möglicherweise in Kauf zu nehmen, dass sich irgendein nerviger Provider wie Vodafone an sie ranhängt.

Und ja, ich halte es auch für legitim, die Arbei, die man sich als Blogger macht, bezahlen zu lassen. Wer mit professionellem Anspruch arbeitet und schreibt, muss erheblich an Zeit und Energie investieren. Ich glaube, dass man das honorieren sollte. Nur über die vermeintliche Irrelevanz von Blogs zu lamentieren, ist mir zu wenig. Um Relevanz zu erreichen, muss man sich auf ein Blog heftig konzentrieren, auf ein Blog konzentrieren kann man sich nur, wenn man nicht nebenher noch putzen gehen muss.

Und warum auch sollten immer nur Verlage für sich in Anspruch nehmen, dass man für ordentliche Arbeit auch bezahlt gehöre?

Written by cjakubetz

Februar 24th, 2010 at 9:05 pm

Posted in NUR SO DAHINGESAGT