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Anmerkungen eines Medienmenschen

Archive for März, 2010

Ein Blog zum Buch zur Zukunft

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Ein paar Sätze zum Buch “Wertzeichen” hatte ich ja hier schon einmal geschrieben – jetzt gibt es dazu (als fast zwingende Logik) auch ein Blog. Und ebenfalls als fast zwingende Logik hat Herr Lobo den ersten Beitrag dazu geschrieben. Man liest sich drüben.

Written by cjakubetz

März 31st, 2010 at 11:47 am

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Und wo bleibt das Positive (1)?

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“Kannst du nicht auch mal was Positives schreiben? Was Nettes?”.

Reflexartig wollte ich auf diese Frage ja erst mal mit einem durchaus überzeugten “nein” antworten, dann aber dachte ich mir: Och, warum eigentlich nicht. Weil eigentlich (die drei oder vier Mitleser, die mich kennen, werden das hoffentlich bestätigen) bin ich viel netter als wie es die zugegeben manchmal etwas arg nörgligen Einträge hier vermuten lassen. Und wie man der etwas arg optimistischen Überschrift entnehmen kann, soll es keine einmalige Sache bleiben, hier auch mal auf Positives zu verweisen. So schrecklich ist Welt ja nicht, nicht mal die Medienwelt.

Heute also als Auftakt ein schönes Beispiel: “Le Monde”, Weltblatt aus Paris, ist nicht nur den einfachen Weg eines Relaunches gegangen, sondern hat sich als Redaktion komplett neu positioniert. Sie hat das alte, bisherige Denken (Zeitung jetzt auch mit Onlineableger, sonst ändert sich nix) komplett über den Haufen geworfen. Persönlich habe ich immer noch Zweifel, ob die iPad-Applikationen der alleinige Retter der Verlage sein werden. Trotzdem halte ich das, was sich “Le Monde” einfallen hat lassen, für eine der stringentesten und zwingendsten Konzepte, die Tageszeitungen bisher vorgelegt haben.

Written by cjakubetz

März 30th, 2010 at 9:18 pm

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Meldung des Tages

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“Das Institut für Wirtschaft fordert mehr Transparenz bei Steuern und Bürokratie.”

Selten so gelacht.

Written by cjakubetz

März 30th, 2010 at 8:40 am

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Krise? Welche Krise?

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Das lustigste Wort der zurückliegende Monaten ist Krise. Wir haben keine Krise, wirklich nicht. Wer das, was in unserer Branche momentan passiert, als Krise bezeichnet, nennt berufsmäßige Steuerhinterzieher auch “Steuersünder”. Würden wir von einer Krise reden, hätten wir es mit einer vorübergehenden Erscheinung zu tun. Die irgendwann mal wieder endet – und danach ist dann fast alles beinahe wieder so wie vorher. Das ist natürlich ein Irrglaube. Nichts wird hinterher wieder so sein wie vorher. Vieles wird sich ändern, manches wird restlos verschwinden.

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Mal eben die letzten Wochen zusammengezählt — rund 20 Jobs bei der “Süddeutschen Zeitung”, um die 40 bei der “Abendzeitung”, rund 70 beim “Jahreszeiten-Verlag”, das sind um die 130 Leute, die neu auf den Markt kommen, um das mal ein wenig euphemistisch zu umschreiben. Man muss kein Zyniker sein, um die Prognose zu wagen: Nicht alle davon werden wieder in einer Festanstellung landen. Das wäre generell noch nicht wirklich schlimm, weil Freiberuflichkeit zwar vielleicht nicht jedermanns Sache, dennoch aber grundsätzlich nichts Schlimmes ist. Der Markt für Freie kollabiert aber momentan genauso wie die Geschäftsmodelle der konventionellen Medien. Das eine hängt also logischerweise mit dem anderen zusammen. Wenn beispielsweise ein Branchenriese wie Gruner&Jahr im vergangenen Jahr ein Minus von 18 Millionen Euro schreibt, dann wird er seine Budgets für freie Journalisten nicht gerade erhöhen wollen, sondern seine redaktionellen Bedürfnisse mit (wenngleich geringeren) Bordmitteln stemmen. Es herrscht ein Überangebot — ein Überangebot an Menschen, die Inhalte produzieren. Diese Lage wird sich weiter verschärfen. Dabei spielt es zunächst einmal aus ökonomischer Sicht gar keine Rolle, wer diese Inhalte produziert, ob es gelernte Journalisten, Blogger oder irgendwelche Content-Manufakturen sind, die mit Macht auf den Markt drängen. Tatsache ist, dass es weitaus mehr Inhalte als Konsumenten gibt. Das drückt den Preis, das weiß jeder Student der Wirtschaftswissenschaften schon vor dem ersten Semester. Das ist schon jetzt dramatisch spürbar: Es gibt freie Journalisten, die für Stundenlöhne unterhalb von 15 Euro unterwegs sind, wenn sie richtig rechnen. Richtig rechnen bedeutet eben nicht nur, das Honorar für ein veröffentlichtes Stück zu sehen, sondern den kompletten Aufwand. Wer also für eine Sache zwei, drei Stunden recherchiert (was eh nicht übertrieben viel ist) und dann noch eine Stunde schreibt/schneidet/produziert und dafür 80 Euro bekommt (was wiederum keine Seltenheit ist), der hat 20 Euro pro Stunde. Wie man sieht: eine Rechnung, die tendenziell vieles zugunsten des Freiberuflers voraussetzt. Es kann auch deutlich schlechter laufen.

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Aus der Sicht eines Betrebswirts ist das vermutlich der einzig gangbare Weg: Die Einnahmen brechen auch mittelfristig massiv weg, also müssen die Kosten gesenkt werden. Viel Potential für Kostensenkungen gibt es natürlich nicht, außer den üblichen Verdächtigen: Personalkosten, Honorarkosten. Weniger Menschen in den Redaktionen also, weniger Ausgaben für freie Journalisten. Das wiederum wird den konventionellen Journalismus in eine fatale Spirale führen. Gerade jetzt, in den Zeiten des Überangebots, müsste er seine latenten Stärken ausspielen. Er müsste sich von der schieren Masse der Anbieter absetzen, er müsste analysieren, einordnen, erklären, er müsste — einfach gute Geschichten erzählen, die fundiert sind, die relevant sind. Dafür könnte man dann vielleicht sogar Geld verlangen, in jedem Fall aber hätte man ein ziemlich gutes Argument, warum Leute ihre Zeit eben dann doch den Journalisten und nicht den Contentfabriken widmen sollen. Man hört von dieser sagenumwobenen Nische übrigens viel, immer dann nämlich, wenn man mal wieder von “Qualitätsjournalismus” spricht.

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Mit diesem “Qualitätsjournalismus” ist das wiederum so eine Sache. Man hätte ja eigentlich denken können, dass man dafür u.a. so etwas wie Qualität an Menschen braucht, ganz sicher aber auch: eine gewisse Quantität, selbst wenn das widersprüchlich klingt. Insofern ist das ja dann schon erstaunlich, wenn die Chefredaktion der “Abendzeitung” verkündet, man werde sich bemühen, dass der Leser den Wegfall der halben Redaktion gar nicht bemerkt. Das Bemühen der Redaktion sei unbenommen, das Argument als solches ist unsinnig. Würde es zutreffen, würde das bedeuten, dass man die letzten Jahre betriebswirtschaftliches Harakiri gespielt und etlichen Leuten beim Nasebohren zugeschaut hat. Wer also mal eben auf die Hälfte der Redaktion verzichten kann, war entweder vorher ein Dummkopf — oder ist es künftig, wenn er ernsthaft glaubt, der Konsument würde nicht merken, wenn auf einmal ein großer Teil der Belegschaft nicht mehr dabei ist (tatsächlich bin ich mir auch sicher, dass auch die Chefredaktion der AZ sehr genau weiß, dass das gar nicht geht, aber was soll man nach außen hin schon anders sagen? Etwa, dass natürlich jetzt auch die Zeitung schlechter wird?). Und wenn die SZ tatsächlich mal eben auf 20 Leute verzichten kann, ohne dass das einen Unterschied macht, hätte ich gerne meine früheren Abogebühren zurück, die ich offensichtlich aufgrund betriebswirtschaftlichen Missmanagements bezahlt habe.

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Im sehr kleinen Beispiel hatte ich das Spiel schon mal, es ist vielleicht gar nicht falsch, sich so ein bodenständiges Exempel mal näher anzusehen. Schon vor über zehn Jahren als Lokalchef in der “Passauer Neuen Presse” habe ich die Auswirkungen des Sparens zu spüren bekommen. Damals gab es auch schon schlaue Controller, die in irgendwelchen wilden Gleichungen vorrechneten, wie hoch Kosten, Nutzen und Gewinn auf einzelne Seiten und Redaktionen umzulegen seien. Also kürzte man Budgets (der Reflex muss wirklich tief sitzen…) und damit auch Seitenkontingente. Es dauerte nicht lange, bis die Leser bemerkten, dass sie für ihr Geld weniger bekamen. Und es dauerte nicht lange, bis die Auflage zu sinken begann, was die Leser in niederbayerischer Bierruhe erklärten: “Da steht ja nix mehr drin”, war ein Argument, das andere: “Do konn i aa s´Wochenblattl lesen”.  Sehr viel anders ist das heute auch nicht: Wer das Gefühl hat, weniger zu bekommen, kann auch anderes lesen. Nur dass die Alternative heute nicht mehr das kostenlose Wochenblatt ist, sondern das Internet. Aber auch das: meistens kostenlos. Deja vu? Von Journalismus, der sich Journalismus nennt und der sich bezahlen lässt, erwarten die Leute eben (zurecht) mehr als von Hobbyschreibern.

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Es wird also, machen wir uns nichts vor, gerade Raubbau am Journalismus betrieben. Es werden schlechtere Medien produziert werden, beliebigere, oberflächlichere (für die man dann, welch Treppenwitz, Geld verlangen will). Auf Dauer wird der Journalismus noch mehr als bisher ohnehin schon seine Deutungshoheit verlieren, wenn nicht gegengesteuert wird. Journalismus kostet Geld, wenn man ihn vernünftig betreiben will. Momentan deutet beinahe nichts darauf hin, dass es diese Bereitschaft noch geben wird. Der Journalismus wird sich noch  zu Tode sparen.

Written by cjakubetz

März 29th, 2010 at 5:32 pm

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Liebe Journalistenverbände…

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…wir müssen reden. Dringend. Weil das so nicht mehr weitergeht.

Vorab: Ich bin Mitglied im DJV, finde es aus vermutlich rührend altmodischen Erwägungen richtig und wichtig, dass es den Verband gibt, habe ab und an auch mal ein Stück für den “Journalist” geschrieben und bin angemessen entrüstet über das, was mit Journalisten so alles angestellt wird, selbstverständlich auch über das, was bei der “Abendzeitung” passiert ist. Frauke Ancker, “meine” Geschäftsführerin beim BJV, halte ich für eine ausgesprochen nette und originelle Frau, wir grüßen uns freundlich, es sind keinerlei Unannehmlichkeiten anhängig.

Trotzdem: Ich habe das, was in den letzten turbulenten Tagen beim DJV/BJV passiert ist, mit ebenso großem Befremden gesehen wie das, was bei der “Abendzeitung” oder beim “Jahreszeiten-Verlag” über die Bühne ging. Ihr und die Kollegen der DJU habt also ernsthaft die Geschäftsführung der “Abendzeitung” aufgefordert, die Entscheidung des massiven Personalabbaus nochmal zu überdenken? Darf ich fragen, was ich euch dann vorgestellt habt? Dass bei der AZ sofort eine Krisensitzung einberufen wird, dass die Geschäftsleitung, die Chefredaktion und die Verlegersfamilie die Köpfe zusammenstecken und raunen: Wir müssen nochmal reden, der BJV, ihr wisst schon…und vielleicht haben wir uns ja doch falsch entschieden? Kürzer gefragt: Meint ihr wirklich, dass angesichts der routiniert-reflexhaften Reaktionen irgendwas passiert? (Und hält eigentlich irgendjemand noch Formulierungen wie “Amputation ohne Narkose” auch nur für mitteloriginell?)

Natürlich: Als Verband muss man sich hinter die betroffenen Kollegen stellen, das stelle ich überhaupt nicht in Abrede. Und irgendwas muss man ja auch sagen, klar.  Mir geht es auch nicht so sehr um den Einzelfall, mir fehlt was anderes. Der rote Faden, die klare Linie, sozusagen. Mir fehlt ein ernsthaftes Auseinandersetzen mit der Krise, mit dem großen Umbruch, den wir seit Jahren erleben. Was wir zuletzt bei der “Abendzeitung” gesehen haben (und andernorts ganz bestimmt auch wieder erleben werden), das hat doch nichts mehr mit dem zu tun, was man vielleicht in den 70ern oder 80ern gerne als Argument vorgebracht hätte: Mit vermeintlich gierigen Verlegern, die im Streben nach noch mehr und noch mehr Profit überall gnadenlos die Axt anlegen. Bei allen Spezifika, die im Fall der “Abendzeitung” sicher dazu kommen: Die mal eben um die Hälfte reduzierte Redaktion gibt es doch letztendlich hauptsächlich deswegen, weil die bisherigen Formen des Journalismus und die dazu gehörigen Geschäftsmodelle kollabieren.

Es gäbe also ein unglaublich großes Themenpotential, unendlich viele Fragen, über die zu diskutieren es sich lohnen würde: Wie sieht denn Journalismus in der Zukunft überhaupt aus? Welche Rolle spielen Journalisten noch? Was müssen sie können, wo und wie werden sie künftig publizieren? Wovon wollen wir in Zukunft leben? Wie finanziert sich Journalismus überhaupt noch? Es steht also nicht weniger als die ganze Grundlage unseres Berufs zur Debatte und zur Disposition.

Genau das ist es auch, was ich vermisse. Ich finde kaum relevante Denkanstöße von euch zu diesem Thema. Klar gibt es in Bayern den ungemein rührigen Thomas Mrazek, aber ich habe immer ein wenig die Befürchtung, dass er eher ein Einzelkämpfer ist. Klar habe ich ich registriert, dass ihr beim letzten “Süddeutschen Journalistentag” ein Online-Thema im Programm hattet. Aber meint ihr wirklich, dass “Ethik im Onlinejournalismus” das vordringliche Thema der letzten und der nächsten Monate war bzw. werden wird? Ja, ich weiß auch, dass es die Veranstaltung “Besser online” gibt (die übrigens meistens ziemlich gut ist), aber alles in allem werde ich das böse Gefühl nicht los, dass die wirklich tiefgreifenden Zukunftsthemen eher eine Nischenrolle bei euch (uns) spielen und ansonsten gewerkschaftsartige Reflexe dominieren: böse, böse Verleger, gute, aufrechte Journalisten — und dieses Internet ist vielleicht nicht gleich böse, aber tendenziell gehypt und eine Bedrohung für guten, qualitätsvollen Journalismus. Mir fehlt, um es deutlich zu sagen: Kompetenz im Bereich Neue Medien (alleine der Name  schon…).

Nein, ich werde dennoch nicht austreten — und bevor jetzt wieder das passiert, was schon mal passiert ist: Bitte nicht gleich wieder meinen Ausschluss fordern, Kollegen.

(Und wer mag, kann das hier auch gleich noch als Exempel für die dann doch real existierende Aufgeschlossenheit der jungen BJVler werten: Am 12. April bin ich bei den Kollegen im Münchner Presseclub zu einem Kamingespräch zum Thema “Crossmediales Arbeiten” eingeladen. Wer mag, kann mich da gerne vor Ort beschimpfen).

Written by cjakubetz

März 28th, 2010 at 9:34 pm

Lasst Zahlen sprechen

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Man hört das ja immer wieder gerne mal: Nennt man die Lage der (Tages-)Zeitungen irgendwie ein bisschen dramatisch, gerät man schnell in den Verdacht des Defätismus, des Pessismus, der Untergangsprophezeierei (siehe auch Kommentare zum Beitrag zuvor).

Deswegen ganz ohne Wertung und Kommentar — ein paar IVW-Zahlen:

Written by cjakubetz

März 25th, 2010 at 5:50 pm

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Endzeittage

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Darf man das so banal wie dennoch treffend sagen? Die Medienwelt befindet sich im tiefsten Umbruch seit der Erfindung des Buchdrucks. Was zunächst wie eine maßlose Übertreibung klingt, erschließt sich in seiner ganzen Dimension, wenn man nur ein paar wenige Zahlen betrachtet: Die traditionsreiche “Abendzeitung” in München hat de facto die Hälfte ihrer Redaktion entlassen. Die “Süddeutsche Zeitung”, wirtschaftlich vergleichsweise noch passabel dastehend, baut ebenfalls rund zwei Dutzend Stellen in der Redaktion ab – nachdem es bereits in den Jahren zuvor zu konstantem Abbau im Verlag gekommen war. Die WAZ trennte sich von rund 300 Mitarbeitern. In vielen anderen Medienunternehmen geschieht der Abbau leiser, unauffäliger, schleichender – und deswegen aber kein bisschen weniger konstant.  Wollte man ein wenig Rechthaberei betreiben, man könnte sagen: Das haben wir ja doch schon lange so prophezeit. So – und nicht anders. Und was nun, liebe Lordsiegelbewahrer des ewig guten und klassischen Journalismus?

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Umgekehrt kommt man in einem anderen Medienunternehmen aus dem Feiern fast gar nicht mehr heraus: Für das neueste Produkt lagen bereits nach einem Tag mehr Vorbestellungen vor als für die bisherigen Produkte, obschon bereits die immer sichere Millionenseller waren. Doch die neueste Veröffentlichung soll nicht nur einfach viel Geld einspielen, sie soll nicht weniger als die bröckelnde Medienwelt retten: das iPad von Apple steht wie kein anderer Name für den rasanten, tiefgreifenden Wandel. Auf der einen Seite die bisherigen, konventionellen Medienunternehmen, denen in den ersten Jahren des neuen Jahrtausends beinahe alles an bisher sicher geglaubten Grundlagen wegbrach, was zum Bestehen des Geschäfts nötig gewesen wäre. Auf der anderen Seite die neuen Mediengiganten, die sich unspektakulär und von den ehemaligen Platzhirschen wenig ernst genommen zu den neuen Hütern der (Netz-)Inhalte machten. Ohne Apple, ohne Google geht nichts mehr. Und dann sind da ja auch noch die zumindest bislang noch zahlenden Kunden. Sie wollen auf einmal und aus den unterschiedlichsten Gründen nicht mehr zahlen – und nicht nur das: Sie wenden sich von den bisherigen Plattformen ab. Das wird öfter mal mit einer Abkehr vom Journalismus allgemein verwechselt, tatsächlich aber lebt der Journalismus in neuen Formen und auf neuen Kanälen weiter. Nur wie er sich finanzieren kann, das ist eine ebenso offene wie heftig diskutierte Frage. 

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Nicht zu vergessen auch all jene, die plötzlich fernab bisheriger Strukturen und Darstellungsformen neue Inhalte liefern und dem etablierten Journalismus schwer zu schaffen machen. Blogger beispielsweise, die auf ihren Seiten hochwertigen, lesenswerten Inhalt produzieren, den bisherigen Redaktionen fachlich Konkurrenz machen — und ihnen das entziehen, was letztendlich in der volldigitalisierten Welt zählen wird: Aufmerksamkeit. Filmer, vom Laien bis hin zum Semi-Profi, die fernab den großen Fernsehens Plattformen wie “YouTube” füllen oder dort sogar ihre eigenen Kanäle eröffnen. Auch hier lässt sich die selbe Tendenz wie bei den Bloggern beobachten: Natürlich ist nicht alles, was man auf einer Video-Plattform zu sehen bekommt, von hoher Qualität. Aber man macht es sich zu leicht, wenn man die dortigen Videos als verwackelte Gehversuche von Dilettanten abtut. Tatsächlich finden sich ebenso viele Perlen. Und unbeschadet, zu welcher Bewertung der filmerischen Qualität man kommt: Tatsache ist, dass jemand, der zwei Stunden bei “YouTube” verbringt, zwei Stunden lang nicht fernsehen wird. 

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Bleiben schließlich noch — als letzter, neuester und anscheinend heftigster Trend — die sozialen Netzwerke. Ihr Einfluss auf Medien schien zunächst nicht klar erkennbar: Was soll sich eine Redaktion dafür interessieren, wenn Studenten oder Abteilungsleiter der Fotofreaks sich miteinander vernetzen und ein paar Kontaktdaten austauschen? Inzwischen ist klar, dass mit den Netzwerken zugleich eine digitale Paralellwelt entstanden ist. Vor allem sind es junge Menschen — mithin also die Mediennutzer der Zukuft — die einen beträchtlichen Teil ihrer medialen Inhalte aus Netzwerken beziehen. Aus der Aufmerksamkeitsökonomie ist spätestens jetzt als eine Empfehlungsökonomie geworden. Wer nicht bei Facebook oder bei Twitter vertreten ist, exisitiert digital de facto nicht mehr. Und nicht nur das: Die reine Präsenz ist angesichts on alleine rund 500 Millionen Facebook-Nutzern weltweit kein Wert mehr an sich. Man muss empfohlen werden, um gelesen zu werden. Man muss netzwerken, um stattzufinden. Eine Erkenntnis, die zu vielen Medienunternehmen noch nicht durchgedrungen ist.  Dort meint man vielfach noch, es reiche aus, irgendwelche langweiligen “Fanseiten” einzurichten oder ab an zu auf Facebook reinzukopieren, was man vor wenigen Minuten bei Twitter geretweetet hat.

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Unlängst hat der Zeitungsverlegerverband übrigens ein paar Zahlen veröffentlicht und er schien ziemlich stolz darauf, dass eine ganz beachtliche Zahl seiner Mitglieder in sozialen Netzwerken vertreten ist. Das ist schön für die Mitglieder und dennoch bezeichnend, weil es nichts heißt. Das ist wie beim ersten großen Blog-Boom vor einigen Jahren. Da entdeckten viele Redaktionen auch das Bloggen für sich, ohne es aber jemals begriffen zu haben. Man bloggte ziemlich missraten vor sich hin und die allermeisten gaben bald entnervt wieder auf. Ähnlich jetzt die ersten Social-Media-Gehversuche. Man ist da, hat´s aber vielerorts nicht wirklich begriffen. Momentan sieht es also an vielen Stellen wieder mal so aus, als würde man sich im Chancenverpassen üben. Social Media ist so ein Fall, das iPad ein anderer. Ich würde viel Geld darauf wetten, dass es bisher in den wenigsten Häusern ein wirklich ausgereiftes Produkt gibt, mit dem man sich künftig auf den Tablets dieser Welt positionieren wird.

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Sicher also scheint, dass der Wandel der Medien noch drastischer ausfällt, als man sich das zu Zeiten der “New Economy” um die Jahrtausendwende herum hat ausmalen können. Nicht einmal mehr notorische Optimisten geben Verlagen und Sendern in ihren bisherigen Strukturen noch eine echte Überlebenschance. Niemand bezweifelt, dass die Zukunft sich digital abspielen wird. Auch bestehen kaum mehr ernsthafte Zweifel am endgültigen Wechsel zu hyperkonvergenten Supermedien. Das iPad wie die anderen zu erwartenden Tablets markieren auch das Ende des gedruckten Papiers als Massendatenträger.

Written by cjakubetz

März 24th, 2010 at 5:45 pm

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Es ist nicht aller Tage Abendzeitung

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Bei der “Abendzeitung” in München haben sie in den vergangenen zwei Jahren ziemlich viel ziemlich richtig gemacht. Das Blatt ist grundlegend renoviert worden, bekam eine neue Optik, fokussierte sich inhaltlich eindeutig auf die Kernkompetenz München, Bayern und Sport, ohne aber den speziellen Charme der AZ zu verleugnen. Die AZ, die war immer auch ein bisschen Schwabinger Lebensgefühl, ein bisschen linksliberal, so eine Art Schickimickilinksliberal, wenn es so etwas geben sollte. Für eine Boulevardzeitung hatte sie zudem immer ein wirklich gutes Feuilleton — und wenn man jemals auf den Gedanken kam, wie wohl eine akzeptable und zudem lesenswerte Boulevardzeitung auszusehen hätte, man wäre nahezu zwangsläufig auf das Blatt gekommen, dass witzige Fernsehkritiken der legendären “Ponkie” ebenso im Portfolio hatte wie die damals uneerreichten Klatschgeschichten von Michael Graeter (für alle, die es nicht wissen: das Vorbild für die Figur “Baby Schimmerlos” in “Kir Royal”).

Sogar im Netz platzierte sich die AZ richtig intelligent. Die Webseite löste einen furchterregenden Auftritt ab, mit dem sich die AZ in den Jahren zuvor sensationell lächerlich machte. Die Tweets aus der Redaktion sind unterhaltsame Lektüre — und alles in allem hatte man dort (wenn man das mal so anmaßend sagen darf) alles das gemacht, was man von Beraterpack wie mir so alles zu hören bekommt (bevor ich falsch verstanden habe: Die AZ hat das alles ganz alleine und ohne irgend einen Einfluss von mir gemacht).

Die AZ hatte zuvor allerdings auch ungefähr alles falsch gemacht, was man falsch machen kann. Die Chefredaktion vor dem heutigen Chef Arno Makowsky brachte jeden Tag eine Zeitungs-Attrappe auf den Markt, auf der zwar noch das Logo des Blattes prangte, mit modernem Journalismus aber in etwa so viel zu tun hatte wie 1860 München mit der Champions League. Irgendwie war das damals faszinierend zu beobachten, wie sich ein Blatt mit so viel beharrlicher Konsequenz selber ruinierte. In den Leitartikeln ließ man sich schon mal ganz altväterlich über Afghanistan aus und wenn man Studenten oder Volontären zeigen wollte, wie Zeitungen in den 80er-Jahren aussahen, ein Griff zur AZ war da immer eine gute Entscheidung.

Heute kamen dann wieder eher unschöne Nachrichten aus der Redaktion des ohnehin gebeutelten Blatts: 22 Stellen werden in der Redaktion abgebaut, bei einer Gesamtzahl von rund 80 Stellen also nahezu ein Viertel. Ein Aderlass, wie man ihn bei einer deutschen Tageszeitung bisher noch nicht gesehen hat, der gleichwohl (trotz aller irgendwie rührenden und eher hilflosen Appelle des BJV, die Entscheidung nochmal zu überdenken) aber exemplarisch sein dürfte für das, was uns in der Branche in den kommenden Jahren noch erwartet.

Es war also nicht so wirklich überraschend, was da passierte, trotzdem hat es mich weitgehend ratlos zurückgelassen: Wenn ein Blatt so stark und konsequent sich auf die neuen Zeiten einlässt und trotzdem scheitert — welche Chancen haben Tageszeitungen dann überhaupt noch? Noch weniger, als sogar notorische Berufsskeptiker wie ich ich bisher dachten?

Die AZ-Chefredaktion, die wie gesagt am allerwenigsten dafür kann, hat verlauten lassen, auch mit weniger Redakteuren ein qualitativ hochwertiges Blatt zu machen. Sie klang dabei so glücklich wie Politiker, die nach einer krachenden Wahlniederlage ankündigen, eine starke und kritische Opposition zu sein.

Written by cjakubetz

März 22nd, 2010 at 10:02 pm

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Wertzeichen, gesetzt

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Dass ich mal in einem Sammelband mit Frau Humpe, Herrn Anda und Herrn Lobo auftauchen würde, hätte ich mir auch nicht träumen lassen. Ich mag solche vermeintlichen Gegensätze aber ganz gerne, alleine schon deshalb, weil ich mich äußerst ungern in irgendwelche Schubladen oder Kategorien stecken lasse. Wenn´s jemand versucht, kann er mit hoher Wahrscheinlichkeit damit rechen, dass ich mich dann aus purem Trotz genau auf die andere Seite schlage. Nichts ist langweiliger als Schubladendenker.

Jedenfalls, um diesem kleinen überaus persönlichen Schlenker dann auch wieder einen inhaltlichen Sinn zu geben: Jener Sammelband mit Andahumpelobojakubetz heißt “Wertzeichen setzen” und hat inzwischen auch einen sehr ordentlichen Onlineauftritt bekommen. Seite und Blick ins Buch – hier.

Written by cjakubetz

März 20th, 2010 at 10:59 am

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Die Rückkehr der analogen Ritter

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Warum komme ich mir nur gerade so vor, als wolle das untergehende Imperium nochmal ein kleines bisschen zurückschlagen?

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Über den Herrn Schneider habe ich ja schon geschrieben, was ich angesichts der neuesten Ausführungen zum Thema “böse Blogger” denke. Was ich dabei nicht geschrieben habe: Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass so entschiedene Blogger-Gegner wie Schneider und andere in erster Linie einfach nur ein wenig sauer darüber sind, dass ihr schönes Publizisten-Monopol so schnöde verschwunden ist. Und dass sie am liebsten eine Art Gegenreformation einleiten würde, in der alles nochmal auf Null gesetzt wird und nach der dann eben doch nur Journalisten und klassische Medien der Welt mitteilen dürfen, wie sie zu ticken hat. Man merkt es an jeder Zeile in diesem unsäglichen Meedia-Interview: Diese neue Welt ist vielen konservativen Journalisten restlos fremd, sie haben zu keiner Sekunde begriffen, um was es geht und wie diese neue Welt funktioniert. Schneider denkt allen Ernstes, Blogger schrieben aus Erwägungen wie dieser heraus, dass man „gelesen werden“ wolle. Und dass man deswegen einen ordentlichen (Schneider-)Stil schreiben müsse – ganz so, als würde bloggen nach Lehrbüchern funktionieren. Dabei ist es genau umgekehrt: Wer „Deutsch für Profis“ und die gefühlten anderen 400 Schneider-Bücher gelesen hat, schreibt danach vielleicht ein nach Schneider-Maßstäben anständiges Deutsch. Ein guter, lesenswerter, relevanter Blogger ist er deswegen noch lange nicht. Und ist es nicht gerade das, was Blogs und viele andere neue Medien und Darstellungsformen so spannend macht? Dass sie eben nicht nach Lehrbüchern funktionieren und dass man nicht erst von Schneider eingenordet werden muss, um ein relevanter Autor zu werden?

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Wenn ich an die Zeiten meines Volontariats zurückdenke (vor ca. 25 Jahren), dann erinnere ich mich in erster Linie an Vorschriften. Vor allem an solche, die nicht wirklich begründbar waren, sondern gerne so verargumentiert wurden: Das macht man eben so. Der Leser will das so (gerne auch: der Leser will das nicht). Ein Vorspann/Kommentar/Satz/Text/Seitenumbruch funktioniert eben so und so. Sonderlich kreativ fand ich meine ersten Redaktionen allesamt nicht, weil sie nach Lehrbüchern und Vorschriften und anderen vermeintlichen Regelwerken funktionierten. Meistgehörter Satz damals: Das haben wir noch nie gemacht. Dementsprechend präsentieren sich viele meiner damaligen Redaktionen heute. Erstarrt, verstaubt, irrelevant. Und manche eben verbittert, auf neue Medien, Blogger und anderes Gesocks schimpfend. Auf den Gedanken, dass sie an ihrer Dauerstagnation selbst schuld sind und dass sich viele Leser/Zuschauer auch deswegen von ihnen abgewendet haben, weil sie den Charme und den Esprit einer Krankenversicherung ausstrahlen, sind sie bis heute nicht gekommen. Internet, böses. Blogger, doofe.

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Und dann habe ich heute noch von einem mir bis dato völlig unbekannten Herrn namens Markus Reiter gelesen. Als ich sah, dass er sein Buch „Dumm 3.0“ genannt hat, dachte ich, dass es gut sein müsste, diesen Zustand auch weiterhin beizubehalten, weil mir „Dumm 3.0“ tatsächlich als die größtmögliche Flachheit bei der Titelwahl eines Buches vorkam, das sich irgendwie kritisch mit neuen Medien auseinandersetzt. Und dass der Herr in seinem Interview mit „Zeit online“ die Auffassung vertritt, dass man immer Publikum findet, wenn man sich denn nur ausreichend zum Affen mache, fand ich irgendwie bumerangartig: Man bekommt natürlich auch Publikum, wenn man ein Büchlein „Dumm 3.0“ nennt und eine nette, kleine Provokation absondert, die vielleicht den einen oder anderen noch ein bisschen aufregt. Es hätte also eine Reihe guter Gründe gegeben, sowohl Buch als auch Interview schulterzuckend liegenzulassen. Dann aber steckte mir jemand, dass ich in Reiters Buch in irgendeinem Nebensatz auch erwähnt werde (keine Ahnung, ob das stimmt), weswegen es sich dann was hatte mit einfach ignorieren. Immerhin weiß ich jetzt, dass er sich auf seiner Webseite als Referenz attestieren lässt, einer der profiliertesten Journalistentrainer Deutschlands zu sein. Und immerhin hatte er schon eine ganze Fernsehzeitschrift bei einem Relaunch unter seinen Fittichen. Wieder was gelernt. Man wundert sich dann nicht so sehr, dass er als Twitter-Alias „klardeutsch“ gewählt hat. Obwohl: Stünde dieser Alias nicht eigentlich viel eher Wolf Schneider zu?

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An sich ist das ja nicht verwunderlich. Es hat noch nie etwas Neues gegeben, was nicht erbitterte Reaktionen der Konservativen und der Bewahrer nach sich gezogen hätte. Bei den wirklich großen Umwälzungen war dann auch der Erregungspegel meistens deutlich höher, weswegen es ja auch gar nicht so sehr erstaunlich ist, wenn die Bewahrer momentan die schwerstmöglichen Geschütze auffahren und mindestens den kulturellen Untergang des Abendlandes wittern.

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Erstaunlich ist aber dann doch, mit welcher Vehemenz und Indifferenz die Lordsiegelbewahrer auf das Neue eindreschen. Indifferent vor allem, weil sie sich beharrlich weigern zu unterscheiden: zwischen den harmlosen Hausfrauen, die einfach ihr Leben mit ein paar Freundinnen teilen und quasi virtuellen Kaffeeklatsch betreiben. Und den vielen Schrottproduzenten, den Quatsch- und Wirrköpfen, den gefährlichen Agitatoren, dies es natürlich und unbestritten gibt. Und aber eben auch den ungemein vielen, deren tägliche Lektüre, ganz egal ob bei Twitter , bei Facebook oder in Blogs jeden Tag eine Bereicherung darstellt. Das sind übrigens sehr häufig (aber keineswegs immer) Journalisten, die es (ich nehme mich keineswegs aus) genießen, wenn sie fernab vieler Zwänge Neues ausprobieren können, einer Idee freien Lauf lassen, wann immer es ihnen danach ist – und einfach Dinge tun, die sie in den engen Grenzen des früheren Journalismus nicht tun konnten. Neue Freiheiten entdecke ich für mich übrigens nicht nur als Blogger/Autor, sondern auch als Konsument. Gäbe es das Netz nicht, hätte ich vermutlich nie etwas vom hinreißend schrägen Felix Schwenzel gelesen noch von den lustigen täglichen Schlittenfahrten und gelegentlichen Ausfälligkeiten von Don Alphonso. Beide würden vermutlich den Kopf schütteln, dass ich sie in meinen Lesezeichen habe, aber das ist eben die Freiheit, die mir nur das Netz gibt: Ich kann beide lesen, solange ich lustig bin. Und auch wenn´s auf den ersten und zweiten Blick kaum zusammenpasst, finde ich, dass beide (und viele andere) dann doch irgendwie mein Leben interessanter machen. Verdummt komme ich mir jedenfalls bisher nicht vor.

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Und was mit dem ganzen Mist, der jeden Tag getwittert, gefacebookt und gebloggt wird, mögen Sie einwenden. Pragmatisch nehmen, würde ich vorschlagen: Wenn man den ganzen Mist, der täglich an einem durchschnittlichen Zeitungskiosk rumliegt, ähnlich bewerten würde, müsste man vermutlich demnächst ein strenges Verbot von bedrucktem Papier erlassen. Würde man Fernsehen nur nach merkwürdigen Talkshows und platten Serien bewerten, müsste man alle Sendemasten abschalten. Natürlich gibt es „Süddeutsche“ und „Spiegel“, Arte und 3sat, es gibt aber auch „Bild“ und es gibt Lokalteile von Regionalzeitungen, die sich am Rande des Nonsens bewegen. Und es gibt 9Live und aberwitziges Lokalfernsehen. Würde man deswegen auf die generelle Behauptung kommen, Zeitungen und Fernsehen verdummten die Menschen?

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Überhaupt sei es mit der vielgerühmten Demokratisierung durch das Netz nicht so weit her wie es immer heiße, moniert Reiter weiter. Letztendlich seien es ja dann doch eben nur ein paar wenige, die ihren Input in „Wikipedia“ packen oder sich als Meinungsführer profilierten. Eine wenig überraschende Erkenntnis: Da kann der Herr Reiter jeden Tag einen Blick in ein durchschnittliches deutsches Klassenzimmer werfen – er entdeckt ein präzises Abbild jener Zustände, die er beklagt. Ein paar liefern richtig viel Input, ein paar nerven, die Masse schweigt. Hieße ihr Lehrer Markus Reiter, dürfte vermutlich die ganze Klasse nichts mehr sagen und nur noch er redet, er, der Lehrer.

Written by cjakubetz

März 20th, 2010 at 12:50 am

Posted in NUR SO DAHINGESAGT