Archiv für Mai 2010


Morgen in “Zapp”

18. Mai 2010 - 20:17 Uhr

Jetzt also ganz hochoffiziell: Die “Regensburger Geschichten” werden von “Zapp” aufgegriffen – Mittwoch, 19. Mai, 23.05 Uhr im NDR.  Die Vorschau zur Sendung gibt´s hier. Die kompletten Interviews mit den Gesprächspartnern stellt der NDR auch online zur Verfügung. Link folgt, sobald ich ihn habe.

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Südafrika, 2010 (4)

18. Mai 2010 - 18:35 Uhr

Manche Chancen bekommt man nur einmal im Leben.

Zum ersten Mal in der inzwischen 80jährigen Geschichte der Fußball-Weltmeisterschaft kommt der Fußball nicht einfach nach Hause. Zum ersten Mal kommt er nach Afrika, einem Kontinent, den wir kollektiv wahlweise als Katastrophen-Kontinent oder auch einfach nur als furchtbar fremd wahrnehmen. Gleichzeitig stand ein Ausrichter einer WM noch nie sehr unter Beobachtung und letztendlich auch Generalverdacht wie Südafrika. Und noch mehr: Für viele von uns wurde es zur Selbstverständlichkeit, mit der Fußball-WM in einem Land mal eben einen ganzen Kontinent auf die Probe zu stellen: Können die das überhaupt? Geht Fußball in Afrika, geht es denn danach auch endlich mal (in unserem Sinne) aufwärts mit diesem Land?

Gleichzeitig in Vorbereitung auf meinem Südafrika-Trip mit Kollegen der Journalistenakademie der Konrad-Adenauer-Stiftung und der Akademie der Deutschen Welle festgestellt: Es ist bezeichnend für das Leben als Journalist und auch als im alten Westen Deutschlands sozialisierter Mensch, wie fahrlässig man mit diesem Thema umgeht. Eigentlich weiß ich über Südafrika – erschreckend wenig bis gar nichts. Man sitzt da (zumindest ist das meine eigene Erfahrung) in den Newsrooms von ZDF oder N24, „berichtet“ über Afrika oder man entscheidet zumindest, was berichtet wird. Und kennt dann das Land, den Kontinent aus Tickermeldungen oder ein paar Büchern. Das ist ein ziemlich bizarrer Gedanke und ich bin mir sicher, dass er sich nicht nur auf Südafrika anwenden lässt. Was weiß ich eigentlich über Chile oder Pakistan?

Ich habe keine Ahnung, ob ich es schaffe (Seminare der Journalistenakademie sind im Regelfall brutal zeitaufwendig und anstrengend), aber ich würde gerne hier im Blog mit ein paar Videos, Audios, Fotos und Texten vom 13. Juni bis 29. Juni meine sehr subjektiven Eindrücke wiedergeben. Vor allem würde ich Ihnen gerne (ist ja schließlich in erster Linie ein Medienblog) die acht Kollegen aus Afrika vorstellen, mit denen wir vor Ort sind. Sie kommen aus Kenia oder Simbabwe oder Uganda und ich bin ungemein gespannt darauf, wie man dort Journalismus macht. Meine Befürchtung ist ja, dass die  über die angestrengten Debatten, die wir über Blogs und Twitter und Internet und den ganzen Kram führen, allenfalls müde lächeln können.

Natürlich werden wir auch sichtbar berichten. In zweierlei Form. Zum einen mit dieser Webseite hier, die jetzt an den Start gegangen ist und natürlich erst ganz am Anfang steht (die Videos möchte ich Ihnen dennoch schon ans Herz legen). Sie soll in den kommenden Wochen wachsen und dann natürlich zwischen 14. und 30. Juni zu einer Anlaufstelle für alle werden, die mehr als nur Spielberichte lesen wollen (um das also nochmal ausdrücklich festzuhalten: Um Fußball im klassischen Sinne wird es auf unserer Seite nur eher beiläufig gehen). Danach erscheint dann noch ein gedrucktes Magazin, zweisprachig, ca. zwei Monate nach dem Endspiel in Johannesburg.

Unter Umständen werde ich auch für eine deutsche Zeitung bzw. zusätzlich zusätzlich für deren Online-Ableger berichten.  Ob und wie, steht noch nicht ganz fest, ich werde das zu gegebener Zeit hier aber nochmal vermelden.

Und vielleicht werde ich am 30.Juni bei meinen afrikanischen Kollegen als Musterbeispiel für den ver- und überspannten Europäer gelten. Egal.

Manche Chancen bekommt man nur einmal im Leben.

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Über die Debatten im Netz

17. Mai 2010 - 9:10 Uhr

Kaum eine Debatte über “das Internet”, in der nicht irgendwann jemand den Einwurf macht, dort würde ja auch so unsagbar viel Unsinn geschrieben.  Text und Debatte darüber, wie “der Schmutz” ins Internet kommt — hier.

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Regensburger Geschichten, nächster Teil

16. Mai 2010 - 13:02 Uhr

Aus Sicht des Bistums Regensburg ist die Sache also ganz einfach: Nachdem man dort ja öfter kirchenfeindliche Kräfte am Werk wähnt, wenn es Kritik an kirchlicher Arbeit gibt, konnte es sich bei der Berichterstattung über einen pädophilen Priester und die daraus resultierende Folgevorgänge, die dann in Abmahnungen u.a. des Regensburger Bloggers Stefan Aigner und von Stefan Niggemeier endeten,  ja nur um mindestens eine Verschwörung handeln. Insofern fand ich es kaum verwunderlich, dass sich der Pressesprecher des Bistums, Clemens Neck, mit einer Mail an die Chefredaktion des “journalist” wendete — um dem Blatt und somit auch mir durchaus Erstaunliches zu unterstellen. Nämlich, das Bistum vor der Veröffentlichung der wegen ihrer im Text vorgenommenen Schwärzungen durchaus umstrittenen Geschichte gar nicht nach einer Stellungnahme gefragt zu haben. Neck schreibt u.a.:

Sie lassen m.E. die Seite der Kirche  nicht zu Worte kommen und das u.a. mit der Begründung, wir hätten auf Ihre Anfrage nicht reagiert. Ich aber habe Ihre Anfrage nie erhalten. Mein Mitarbeiter in der Pressestelle kann sich auch nicht erinnern eine Anfrage des Journalisten erhalten zu haben.

Das ist eine ziemlich erstaunliche Mail. Natürlich hatte ich die Pressestelle des Bistums um eine Stellungnahme gebeten. Sie fiel ziemlich knapp aus. Am 19. April schrieb mir Jakob Schötz, der stellv. Pressesprecher des Bistums (der sich jetzt nicht mehr erinnern kann, eine Anfrage bekommen zu haben), eine sehr knappe Absage auf meine Anfrage:

Bei denen von Ihnen genannten Fällen handelt es sich um Einforderungen von Unterlassungserklärungen aufgrund von Falschbehauptungen zu Sachverhalten im Bistum Regensburg. Da es sich aber meist um laufende Verfahren handelt, möchten wir dazu keine Stellung nehmen. Wir bitten um Ihr Verständnis.

Mit dieser Absage stand ich übrigens keineswegs alleine da, auch Stefan Niggemeier hatte auf seine Anfragen (ebenfalls von Jakob Schötz) eine nahezu wortgleiche Mail bekommen. Die Grundhaltung des Bistums lässt also keinen Interpretationsspielraum zu: Man hat nicht vor, sich zum Thema zu äußern. Wer trotzdem wagt, darüber zu berichten, muss mit ziemlich drastischen rechtlichen Schritten rechnen. Zwei Abmahnungen und eine einstweilige Verfügung sind ein klarer Beleg für dieses Vorgehen.

Natürlich könnte man das erst einmal als unprofessionell werten: Eine Pressestelle, die offenkundig unkoordiniert ist, in der sich Mitarbeiter nicht an Anfragen erinnern können/wollen — und offensichtlich nicht damit rechnen, dass ein anfragender Journalist eine Ablehnung einer Interviewanfrage nicht einfach wegwirft, sondern aufhebt und ggf. dokumentiert. Ein Pressesprecher, der gegenüber einer Chefredaktion böse Unterstellungen in den Raum wirft und umgehend einen Gesprächstermin fordert – und offenbar sehr schlecht vorbereitet ist und nicht einmal weiß, dass seine Kritik im leeren Raum verpuffen wird.

Dainter steckt allerdings mehr als nur schlechte Koordination und ein gewisses Maß Amateurhaftigkeit. Dahinter steckt ein verheerendes Weltbild. Dieses Weltbild wird sich für die Kirche noch als fatal erweisen. Zum einen, weil es immer noch von Autokratie geprägt ist; von dem merkwürdigen Gedanken, im Sinne einer Unfehlbarkeit jeden Einwand und jeden Versuch der Mitbestimmung und des Diskurses abbügeln zu können.  Aber auch medial ist speziell das Bistum Regensburg gerade dabei, sich den schlechtestmöglichen Ruf zu erarbeiten.  Weil es das Presserecht  massiv misshandelt, weil es sich nicht auf Debatten einlässt, die in einer demokratischen Medienkultur selbstverständlich sein müssten. Stattdessen prügelt man auf jeden potentiellen Kritiker mit der größten gerade erreichbaren Keule ein, um ihn letztendlich mundtot zu machen — und um allen anderen zu zeigen: Seht her, so wird es euch auch gehen, wenn ihr nicht im unseren Sinne arbeitet.

Womit wir (nochmal) bei den umstrittenen Schwärzungen in meinem Text in der letzten Ausgabe des “journalist” angekommen wären. Wir müssen uns vermutlich wirklich vorwerfen lassen, nicht klar genug gesagt zu haben, was wir mit dieser Aktion erreichen wollten. Tatsächlich war die Aktion kein vorauseilender Gehorsam. Wir wollten zeigen, wie absurd es ist, wenn man dem Ansinnen des Bistums und der rechtlichen Logik des Landgerichts Hamburg folgen würde. Wenn man also einen Begriff  nicht mal mehr dann erwähnen darf, wenn man ihn sich nicht zu eigen macht, sondern ihn im Rahmen einer Berichterstattung einfach nur nennt. Die Kirche, ihre juristischen Handlanger und auch das Landgericht Hamburg machen mit dieser frappierenden Logik de facto Journalismus kaputt und (mund-)tot. Ihr Ansinnen ist es keineswegs, sich gegen Unwahrheiten zu wehren (das wäre ja legitim). Das Bistum will jede Form von Kritik an ihm im Keim ersticken und man darf es dann ruhig auch kurios nennen, wenn man auf der einen Seite ganz ehrpusselig darauf beharrt, man wolle sich gegen Unwahrheiten zur Wehr setzen, um dann auf der anderen Seite ohne jede Recherche Behauptungen in die Welt setzt, die schlichtweg falsch sind. Verehrter Herr Pressesprecher Neck, nach Ihrer Logik müsste ich die bewiesenermaßen unwahre Behauptung, die Kirche sei im Vorfeld des “journalist”-Berichts nicht gefragt worden, sofort mit einer Abmahnung ahnden. Oder noch besser mit einer einstweiligen Verfügung. Und was, verehrter Herr Neck, würden Sie dann tun? Über kirchenfeindliche Kräfte lamentieren, die die Stimme Gottes zum Schweigen bringen wollen? Wenn ich ehrlich sein darf: Ich glaube, Sie leben in einer Blase, die Ihnen fest umschlossen ein hohes Maß an Realitätsverlust und Weltfremdheit erlaubt.

Müßig zu erwähnen, dass das Regensburger Keulenschwingen kontraproduktiv ist. Wie der Begriff lautet, den man nicht mehr erwähnen darf, weiß jeder. Die Geschichte ist in der Welt und zieht weite Kreise. Die Verlierer stehen jetzt schon fest: das Bistum, die Kirche, ihre Glaubwürdigkeit, ihre Akzeptanz.

Programmhinweis: Der NDR befasst sich in der kommende Ausgabe von “Zapp” mit den Regensburger Geschichten, für den Beitrag hat die Autorin Grit Fischer u.a. mit Stefan Aigner und mir gesprochen. Sendetermin ist (vermutlich) am kommenden Mittwoch um 23.05 Uhr.

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17 Tage zusammengefasst

14. Mai 2010 - 10:25 Uhr

Du liebe Zeit, das war die längste Blogpause meines Lebens. 17 Tage Schweigen. Ich hätte eine solche Pause in jedem Seminar zum Thema gegeißelt als völlig inakzetabel und unerträglich, was es letztendlich ja auch ist. Und weil es dafür keine wirklich gute Entschuldigung gibt, versuche ich erst gar nicht, das zu entschuldigen. Und ich versuche auch nicht zu behaupten, dass so etwas nie wieder vorkommt. Doch, kann schon sein, dass das mal wieder vorkommt. Auf der anderen Seite merkt man dann nach 17 Tagen Pause doch wieder eine steigende Lust aufs Schreiben und nur das macht das Bloggen für mich letztendlich aus. Ich muss Lust drauf haben. Habe ich die nicht, wird Bloggen zur Arbeit und damit dann zur Qual.

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Auch meine Präsenz auf den Plattformen, von denen es neuerdings immer heißt, dass ohne sie überhaupt nichts mehr gehe, hat sich in den letzten 17 Tagen erheblich reduziert. Kaum Twitter, de facto kein Facebook. Die banale Erkenntnis: Es lebt sich auch ohne Twitter und Facebook ganz gut. Zugegeben, das ist jetzt eine rein private und sehr subjektive Sichtweise und als Berater für Irgendwas würde ich Ihnen jetzt natürlich dringend empfehlen, dieses Thema weiter zu verfolgen. Privat fand ich es angenehm, mal ein paar Tage keine Tweetfeeds von hunderten Leuten zu lesen und keine Mafia-Einladungen auf Facebook zu erhalten.

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Zwischendrin gab´s überaus Erfreuliches. Ich habe mich in den vergangenen Jahren mit den Nominierungen zum Grimme-Online-Award ja öfter mal schwer getan. Dieses Jahr sind zwei Projekte dabei, zu denen ich (Achtung, Hinweis!!) zugegeben eine persönliche Beziehung habe, dennoch aber gerne einräume, dass ich mich über die Nominierung sehr freue. Das eine ist das “Soukmagazine”, das von Marc Röhlig herausgegeben und u.a. von Simon Kremer redaktionell betreut wird. Mit beiden war ich vergangenes Jahr in Berlin auf einem Multimedia-Seminar zur Leichtatlethik-WM — und natürlich hat es mich gefreut, dass ich das eine oder andere aus dem Seminar auch im “Soukmagazine” wiederfand. Das Magazin hat eine wirklich sehr eigene und herausragende Qualität, ist bereits mit dem Axel-Springer-Preis 2010 ausgezeichnet worden und eine der Nominierungen für den GOA, denen ich zu keiner Sekunde widersprechen würde.

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Thematisch völlig anders, dennoch aus meiner Sicht sehr erfreulich: Michael Wagner ist für “Fußball Passau” ebenfalls unter den Nominierten. Über den Hintergrund dieser langen und erstaunlichen Geschichte gibt es hier einiges zu lesen; dass man den Mut, die neuen publizistischen Wege und letztendlich auch die gelungene Umsetzung mit einem Preis belohnen will/kann, ist einfach nur richtig.

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Und selbst, wenn weder Röhlig/Kremer noch Wagner den Grimmepreis bekommen sollten — alleine für die Nominierung: Gratulation von dieser Stelle aus! Wenn es nicht so altväterlich klingen würde, würde ich sagen: bin stolz auf euch. Und fällt Ihnen was auf?  Die Generation der unter 25jährigen und nicht in irgendwelche Redaktions- und Konzernstrukturen eingebundenen macht uns gerade vor, wie sowas geht.

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In den nächsten Tagen werden hier dann auch noch mal ein paar Zeilen zur Causa “Bistum Regensburg” stehen. Dafür reicht die Zeit jetzt gerade nicht. Und der Platz auch nicht. Komplexes Thema mit ein paar neuen Entwcklungen, mit denen ich mich dann  am Wochenende auseinandersetze.

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(Oh. Ich stelle gerade fest, dass dieses Bloggen nach 17 Tagen Spaß gemacht hat. Ich hoffe, Sie verzeihen mir nochmal.)

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Und wo bleibt das Positive (3)?

14. Mai 2010 - 9:58 Uhr

Hier. In einem mittelgroßen Unternehmen, das sowohl lokalen Rundfunk als auch Fernsehen anbietet.  Ein Inhouse-Seminar dort mit dem erstaunlichsten Verlauf der letzten 12 Monate. Kein einziger, der destruktiv über diesen gottverdammten Multimedia-und Onlinekram motzt, stattdessen interessiertes (und gelegentlich natürlich auch mal kritisches) Nachfragen, kreatives Rangehen an die Sache — und unter dem Strich: ganz einfach die Lust, diese ganzen neuen Dinge auszuprobieren und für sich nutzbar zu machen.

Na bitte. Geht doch.

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