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Anmerkungen eines Medienmenschen

Archive for Juni, 2010

Südafrika, 2010 (25): Von Erkenntnissen und Fröschen

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Time flies: Ich glaube, in meinem Leben sind selten bisher zwei Wochen derart an mir vorbeigeflogen wie diese beiden. Ich kann mich auch auch kaum an einen Auslandsaufenthalt erinnern, der mich derart beeindruckt hat. Das kann man natürlich als einen latenten Mangel an Auslandserfahrung auslegen, tatsächlich aber denke ich, dass es vor allem diese schwer beherrschbare Flut von Eindrücken ist, die die Zeit zu einem Phantom gemacht hat. Ich fühle mich auch immer noch nicht in der Lage, die „famous last words“ zu schreiben. Das wäre vermutlich auch zu viel verlangt, sich zwei Wochen in einer völlig fremden Welt aufzuhalten und dann zu einer endgültigen Beurteilung zu kommen. Habe ich nicht. Vielleicht will ich sie auch gar nicht haben.

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Unbestritten ist dagegen, dass ich hier wirklich etliche beeindruckende, imponierende, großartige Leute kennengelernt habe (einem davon würde ich gerne auch den letzten Eintrag aus Johannesburg widmen). Man kommt sich, ehrlich gesagt, ziemlich kläglich vor, wenn man mit ihnen zu tun hat, vielleicht gerade deswegen, weil sie ihr Können, ihr Engagement und alles andere nicht wie eine Monstranz vor sich hertragen. Jedenfalls kommen einem dann die Problemchen zuhause eher albern vor. Ich weiß auch gerade im Moment nicht, wie das mit diesem Blog hier weitergehen soll. Nach zwei dermaßen intensiven Wochen mit solchen Themen, kann man sich da ab morgen wieder hinsetzen und ein wenig über Dinge rumnörgeln, die aus der Sicht des letzten Tages in Johannesburg wie kleinkarierter, irrelevanter Kram erscheinen? Soll ich mich wirklich ab morgen wieder darüber echauffieren, wenn einer einen Tippfehler macht?

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Das hier muss ich posten, weil ich eine Wette verloren habe, die ich eigentlich gar nicht verloren habe und für die es eigentlich gar keinen richtigen Wetteinsatz gab.

Insofern ist mir auch nicht wirklich klar, warum ich diese Wette jetzt doch noch einlöse (die Wette war im Wesentlichen, ob ich das kaum bestehende Niveau dieser kleinen Seite noch unterbiete und dieses sturzbescheuerte Video hier poste. Und, zugegeben, es ist ein bisschen Selbstzweck: Diesem Video verdanke ich einen völlig sinnlosen Lachkrampf mitten im Seminar, den ich hiermit quasi konservieren möchte. Und dass es am Ende die Mama ist, die den überhormonisierten Jungaffen einbremst, hat ja schon wieder was quasiphilosophisches.

Ob der Frosch noch lebt, weiß ich nicht.

Written by cjakubetz

Juni 29th, 2010 at 2:05 pm

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Südafrika, 2010 (24): Africangoals 2010

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Es ist ja nicht so, dass ich hier weniger gearbeitet hätte — nur weil es gestern mal ein bisschen ruhiger war und meine Posts nicht mehr ganz die unerträglich epische Länge der letzten Tage hatten. Nur waren wir nach den ersten Tagen naturgemäß etwas weniger draußen und haben stattdessen unsere Eindrücke, unsere Recherchen in Ergebnisse umgesetzt. Wenn ich Sie heute also ein wenig umleiten dürfte auf unsere Seite africangoals2010.info. Und wenn ich Ihnen dann noch die folgenden Geschichten ans Herz legen dürfte:

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Ganz generell fällt auf: Seit Bafana Bafana draußen ist, hat auch das Interesse der Zeitungen an der WM spürbar nachgelassen. Das Ausscheiden der Italiener brachte es bei einem Blatt in Johannesburg gerade mal noch auf eine kurze Notiz auf der Titelseite, ansonsten war die WM-Geschichte des Tages, dass man Vuvuzelas nicht zu oft gegenseitig tauschen sollte, um Infektionen zu vermeiden. Sonstige Aufmacher: ein örtliches Familiendrama und die Verlobung von dem Dingsbumms aus Monace. Verglichen mit dem, wie noch am Anfang der Woche jede Geschichte über die südafrikanische Mannschaft mindestens dreimal mit den Attributen “history”, “miracle” und “pride” kontamoniert wurde, kehrt also langsam wieder Normalität ein.

Auf ein Elfmeterschießen zwischen Deutschland und England freuen sich hier trotzdem schon alle.

Written by cjakubetz

Juni 26th, 2010 at 11:39 am

Südafrika, 2010 (23): Italien Weltmeister

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Kollegin Anna, die aus Bad Driburg in Ostwestfalen kommt, aber  nichts dafür kann und trotzdem nett ist, hat heute eine Hellsehertagung in Johannesburg besucht. Aus der Hand gelesen wurde ihr dabei heute der künftige Weltmeister.

Italien.

Sie sollten sich gut überlegen, ob Sie zu einem Hellsehr gehen.

Written by cjakubetz

Juni 25th, 2010 at 6:21 pm

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Südafrika, 2010 (22): Das ist nicht unsere WM

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Wenn der südaferikanische Sportjournalist Matshelane Mamabole über Fußball und die WM spricht, dann hat das so gar nichts von 1:0-Berichterstattung und “Wie haben Sie sich beim Tor gefühlt”-Fragen. Im Gegenteil: Er hat bereits vor dem WM gesagt und geschrieben), dass die heimische Bafana international nur zweitklassig ist. Dafür bekommt er auch schon  mal nächtliche Drohanrufe und wird als unpatriotisch beschimpft. Er lässt auch an der FIFA kaum etwas Gutes und sagt zur WM in Südafrika ziemlich desillusioniert: Das ist nicht unsere WM. Warum er das so sieht und wieso aus seiner Sicht Afrika von diesem Turnier nicht profitieren wird — das alles in einem gut fünf Minuten langen Audiozusammenschnitt.

(Zu seinen auffälligeren Eigenschaften gehört übrigens auch, gerne mit dem Finger auf dem Tisch zu trommeln, auf dem gerade das Aufnahmegerät steht. Und sein Blackberry wollte er auch nicht ausmachen. Das erklärt das eine oder andere Nebengeräusch, das sich auch mit viel Mühe beim Schneiden nicht entfernen ließ).

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Written by cjakubetz

Juni 25th, 2010 at 2:30 pm

Posted in NUR SO DAHINGESAGT

Südafrika, 2010 (21): Ah- Ah- Asamoah!

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Nachts erst nach Hause kommen, am nächsten Morgen um 5 aufstehen, um zu Gast im “Morgenmagazin” zu sein: Für einen beträchtlichen Teil unserer Seminargruppe waren Mittwoch und Donnerstag ziemlich anstrengende, trotzdem aber unglaublich erlebnisreiche Tage. Neben einer eher unerwünschten Begegnung mit der Stadionpolizei gab es eine ziemlich überraschende Begegnung mit Gerald Asamoah. Der wurde dann entsprechend gelöchert und gab trotz der frühen Uhrzeit einige gut gelaunte Antworten.

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Hier kann immer alles jederzeit passieren. Sagte uns der Guide, der uns am Sonntag durch Kliptown geführt hat. Heute ist er tot. Verbrannt in seiner eigenen, kläglichen Hütte. Wir wissen nicht, wie es passiert ist, wir können nur spekulieren. Darüber, warum seine Hütte in Flammen aufgegangen ist und warum er dort nicht mehr herausgekommen ist. Alles kann hier passieren. Immer. Und zu jeder Zeit.

Denken Sie bitte nicht, Südafrika sei eine folkoristische Idylle.

Written by cjakubetz

Juni 25th, 2010 at 11:11 am

Südafrika, 2010 (20): Ö, wie ist das schön!

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Die wichtigste Information vorab: Vuvuzelas sind nicht giftig, tun nicht weh — und sind nicht mal im Ansatz so, wie der blasshäutige mitteleuropäische Fußballfan sich das vielleicht vorstellen mag. Man trägt keinen bleibenden Hörschaden davon und irgendwie bleibt nach dem gestrigen Stadionbesuch der Eindruck, dass sich das alles für deutsche Fernsehzuschauerohren wesentlich schlimmer anhört, als es dann in Wirklichkeit ist. Inwieweit das Bild von den irrsinnigen Afrikanern, die sich und die halbe Welt um den Verstand tröten, auch von Medien (falsch) gezeichnet wird, darf sich jeder selber überlegen, der mal in einem südafrikanischen Stadion war. In der Allianz Arena ist es jedenfalls auch nicht wesentlich leiser (gut, höchstens dann, wenn Bayern spielt, bei den Löwen ist das ja bekanntlich ganz anders). Ich bin mir jedenfalls ziemlich sicher, dass wir die Vuvuzela spätestens zu Beginn der neuen Bundesliga-Saison auch in Deutschland jedes Wochenende erleben werden und etwas Schlimmes kann ich daran weiß Gott nicht finden. Im Gegenteil, irgendwie fand ich den Gedanken unverschämt, dass wir hier von Deutschland aus den Südafrikanern den Einsatz ihrer Vuvuzelas verbieten wollten. Man stelle sich vor, südafrikanische Zeitungen würden den Verbot des Bierausschanks in deutschen Stadien fordern. Die “Bild”-Schlagzeile dazu möchte ich lieber nicht lesen.

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Es war ja wie inszeniert gestern abend: Jogis Jungs kamen weiter, die deutsche Kolonie im Stadion feierte — da kam die Nachricht, dass auch Ghana weitergekommen ist. Also feierten beide Fanlager friedlich zusammen und man hatte ein Erlebnis, das man bei Fußballspielen eher selten hat: 83.000 Menschen verließen ziemlich zufrieden das Stadion. Und die Einschränkung “ziemlich” hat nur damit zu tun, dass man realistischerweise nicht von einem guten Spiel reden konnte, dass wir da gestern abend gesehen haben. Aber egal, wann sieht man schon mal ein WM-Spiel in Südafrika? Die Stimmung im Stadion war demenstprechend gut, entspannt, sehr angenehm, es war sogar von den Temperaturen her absolut erträglich. Was mir auffiel: Jeder, wirklich jeder, der uns danach gesehen hat (auch wildfremde Menschen) sagten “congratulations” — und es kam mir so vor, als sei das jedesmal wirklich aufrichtig gemeint gewesen. Dabei habe ich gar nicht mitgespielt.

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Zugegeben, mein Sitznachbar Jochen und ich, wir forderten bis zur 59. Minuten vehement die sofortige Auswechslung von Mesut Özil, skandierten dann aber ab der 61. Minute lautstark “Mesut Özil Fußballgott” sowie “Ö, wie ist das schön!” und fanden  die Wahl Özils zum “Man of the match” nur folgerichtig. Man muss ja flexibel sein.

Written by cjakubetz

Juni 24th, 2010 at 3:00 pm

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Südafrika, 2010 (19): Südafrika zelebriert eine Niederlage

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Man könnte das ja so sehen: Sie sind der erste WM-Gastgeber in der Geschichte, der es nicht über die Vorrunde hinaus geschafft hat. Sie haben gegen Uruguay ein ziemlich desolates Spiel abgeliefert und haben es nicht geschafft, einer französischen Mannschaft, die nur noch auf dem Spielberichtsbogen existierte, mehr als zwei Tore zu verpassen. International ist ihre Mannschaft nach wie vor bestenfalls zweitklassig. Und jetzt ist die Party vorbei. Nach gerade mal drei Spielen.

Oder man könnte es so sehen: Sie habe alles gegeben, haben gekämpft wie die Löwen, haben nur einmal verloren, daneben ein respektables Unentschieden geholt und den Vizelweltmeister geschlagen. Wir können stolz sein auf unser Team, darauf, dass wir hier die WM haben — und wir können uns freuen, dass die Party noch zwei Wochen weitergeht. Wir sind draußen, ok, aber dann untersützen wir jetzt eben die anderen afrikanischen Mannschaften. Oder Germany. Oder Brazil. Hauptsache: Party. Und die feiern wir jetzt, hier und heute. Weil wir keine Verlierer sind.

In Südafrika haben sich die Menschen für die letztere Variante entschieden. Mit gutem Recht. Die Zeitungen sind voll mit Lobeshymnen auf die Bafana. Und was die Menschen gestern abend im Fanpark gemacht haben, sehen Sie ja selbst. Keine Spur von Trauer.

Written by cjakubetz

Juni 23rd, 2010 at 12:37 pm

Südafrika, 2010 (18): Symbolfoto

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Falls hier eine befreundete Redaktion mitliest und falls Sie ein Super-Symbolfoto für die nächste Wirtschaftsberichterstattung suchen: Hier ist alles ein bisschen größer, wenn es um Tiere geht. Sogar die Heuschrecken.

Written by cjakubetz

Juni 23rd, 2010 at 10:53 am

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Südafrika, 2010 (17): Kliptown

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Der eher untaugliche Versuch, die Eindrücke aus einem Besuch in einem Slum zusammenzufassen: Kliptown in gut zwei Minuten.

Written by cjakubetz

Juni 22nd, 2010 at 4:50 pm

Südafrika, 2010 (16): Gesichter aus Soweto

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Vielleicht die schönste alternative Art, Soweto zu erkunden: Man nimmt sich die Kamera, schraubt das Tele auf und fotografiert Menschen. Als ich die Bilder sortiert habe, fiel mir auf, dass diese Gesichter mehr über die Menschen in diesem Land erzählen als lange Texte (von denen ich aktuell ohnehin genug geschrieben habe.) Deswegen 2.30 mit Gesichtern. Und Menschen.

Written by cjakubetz

Juni 22nd, 2010 at 3:20 pm