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Anmerkungen eines Medienmenschen

Archive for Juni 16th, 2010

Südafrika, 2010 (8): Duschen ist überschätzt

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The heating manager was not on duty…

Der Anblick heute im Seminarraum ist einigermaßen bizarr: Da sitzen jetzt 20 junge Leute, eingemümmelt in dicke Jacken, Schals, Pullis, einige mit Handschuhen. Passiert ist an sich nichts Schlimmes, aber wenn draußen nachts Minusgrade sind und tagsüber das Thermometer auch nicht eben weit nach oben klettert, ist es zusätzlich ein bisschen blöd, wenn man die Heizung nicht anhat. Und wieder ist es anders, als ich es erwartet hatte: Natürlich ginge die Heizung, sie ist also, wie der blasshäutige Mitteleuropäer sofort wieder vermutet, keineswegs kaputt. Man hat nur vergessen, sie einzuschalten und der Heizungsbeauftragte der Deutschen Schule in Johannesburg ist gerade eben nicht greifbar, verspricht aber, am Nachmittag, ausreichend bevor die ersten Erfrierungen zu beklagen sind, die Heizung anzuschalten. Und einmal mehr gelernt: Welcome to Africa!

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Das mit den Heizungen ist hier eh so eine Sache. In meinem Hotelzimmer im Stadtteil Linden ist ein kleines Heizgerät untergebracht, das sich mit den eisigen Joburg-Temperaturen redlich abmüht, letztendlich aber nach tapferem Kampf sich geschlagen geben muss. Im Badezimmer ist praktischerweise erst gar keines, was das morgendliche Duschen zu einer eisigen Angelegeheit macht, zumal es zwar heißes Wasser gibt, man sich aber angesichts des eher kümmerlichen Wasserstrahl ebenfalls denkt: Welcome to Africa. Und Duschen ist eh überschätzt.

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Public Holiday heute in Joburg. Auf den Straßen fast kein Mensch – und man denkt sich dann als Mitteleuropäer: Die haben ja Glück, dass ausgerechnet heute ein Feiertag ist, wenn die Bafana Bafana auf den Platz geht. Dabei ist das nicht nur Zufall. Die Schulen beispielsweise hat man während der WM praktischerweise gleich ganz geschlossen. Wer braucht schon Schule, wenn Weltmeisterschaft ist? Es ist jedenfalls eine schlechte Legende, dass man sich hier in Südafrika nicht für die WM interessiere. Die Nationalmannschaft gleicht hier momentan einem Heiligtum und man kann sich gar nicht vorstellen, was hier los ist, wenn die Mannschaft einigermaßen gut kickt. Und Ehrensache für einen Südafrikaner, den Tag heute im gelben Trikot der Bafana Bafana zu verbringen.

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Massiv geändert hat sich inzwischen unsere Webseite „Africangoals 2010“. Die Optik haben wir angepasst, inzwischen stehen schon reihenweise sehr gute Videos online, die die Kollegen der Deutschen Welle Akademie in den letzten Tagen vorproduziert haben. Dazu gibt es auch einen eigenen Kanal bei „YouTube“ Die Inhalte auf der Seite werden jetzt von Tag zu Tag mehr – so der Heizungsbeauftragte und das südafrikanische Internet wollen.

Written by cjakubetz

Juni 16th, 2010 at 4:56 pm

Posted in NUR SO DAHINGESAGT

Südafrika, 2010 (7): Welcome to Africa!

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Es ist dann doch einiges anders hier, als ich erwartet hatte. Komisch ist nur, dass es genau die Dinge sind, die ich nicht erwartet hatte, die anders sind, während die, die ich eigentlich erwartet hatte, dann doch nicht eingetroffen sind.

Aber der Reihe nach: Seit gestern bin ich hier in Johannesburg, wobei es schon losging mit den Überraschungen. Eigentlich hatte ich mich auf ein fröhliches Chaos und heilloses Durcheinander eingestellt, wie man es als blasshäutiger Mitteleuropäer so erwartet von diesen Afrikanern. Davon allerdings keine Spur. Sehr viel disziplinierter und geräuschloser als in Johannesburg geht es auch in München nicht zu. Und sehr viel irritierender als das Gewirr auf dem Frankfurter Flughafen ist Johannesburg auch nicht. Und: keine einzige dieser komischen Tröten weit und breit. Auch auf den Straßen eine unglaubliche Ordnung und Disziplin – das also soll die gefährlichste Stadt der Welt sein? Natürlich ist es nach einem Abend, noch dazu begleitet in der Gruppe, viel zu früh, um solche Aussagen zu treffen, aber Johannesburg kam mir bisher um kein bisschen gefährlicher und schmutziger vor als, sagen wir, New York oder Los Angeles. Dafür zieht sich Joburg (so sagt man hier) unglaublich, einen richtigen Stadtkern macht man auf den ersten Blick kaum aus. Selbst am Stadion „Soccer City“, an dem am Abend die Brasilianer und am nächsten Tag die Gastgeber spielen, ist es ruhig, als sei die WM schon viele Wochen vorbei.

Das wiederum gehört zu den Dingen, die ich nicht erwartet hatte und die mich deswegen umso mehr überraschen. Es ist keineswegs so, dass man hier an der WM desinteressiert wäre, im Gegenteil, spielt die heimische Nationalelf, dann pulsiert die Stadt, rast das Land. Aber das ganz große Kommerzspektakel, das man 2006 bei uns erleben musste, findet hier nicht statt. Ab und an stehen Menschen an der Straße und verkaufen Fahnen und andere Accessoires, aber wie die meisten an deren hier auch frieren sie einfach nur, weil es tatsächlich formidabel kalt ist momentan. Das Spiel Brasilien gegen Nordkorea fand bei verblüffenden leichten Minusgraden statt, auf einer Höhe von 1700 Meter noch dazu. Und die schon erwähnten Tröten sieht man hier auch im Straßenalltag nicht, außer eine Horde mitteleuropäischer Journalisten fällt hier ein, findet sie als Gastgeschenk auf den Zimmern und beschließt dann, sie auszuprobieren. Das ist dann nicht sonderlich schön, aber wenigstens so laut, wie man es sich zuhause im (*seufz*) warmen Deutschland am Fernseher nur halbwegs vorstellen kann (ich hätte es übrigens bis eben kaum für möglich gehalten, mal von einem „warmen Deutschland“ zu fabulieren). Welcome in Africa…sagt man hier gerne, nicht nur um Gäste willkommen zu heißen, sondern auch als eine Art Generalabsolution.

Erwartet hätte ich dagegen schon etwas mehr funktionierendes Internet. Aber das ist hier so eine Sache. An die Geschwindigkeiten eines durchschnittlichen DSL-Anschlusses in Europa denkt man hier besser nicht. WLANS kommen und gehen nach eher undurchschaubaren Systematiken. Das findet man wiederum etwas komisch in einem Land, von dem viele Afrikaner behaupten, es sei eigentlich gar nicht richtig afrikanisch. Was man übrigens sogar ganz gut nachvollziehen kann, fährt man durch Johannesburg. Die Stadt wirkt an vielen Stellen ziemlich europäisch, auch wenn man dann doch über die  krassen Gegensätze dieser Stadt und dieses Landes irritiert ist. Obszöner Reichtum verschanzt sich hinter hohen Mauern und den allgegenwärtigen Elektrozäunen; direkt daneben Armut und Elend. Südafrika ist und bleibt das Land der großen Widersprüche.

Ich hoffe, ein paar meiner afrikanischen Kollegen können mir aus diesen Irritationen ein wenig heraushelfen. Ein paar von ihnen werde ich in den kommenden Tagen auf dieser Seite ein wenig näher vorstellen.

Written by cjakubetz

Juni 16th, 2010 at 1:29 am

Posted in IN EIGENER SACHE