Archiv für 31. August 2010


Augenzeugen-Apps

31. August 2010 - 11:59 Uhr

Es gibt eine App fürs ipad, die ich Ihnen gerne wärmstens an Herz legen will: Eyewitness vom “Guardian”. Jeden Tag gibt es ein (wirklich nur: eines!) neues Foto, ein Reportagefoto, das eine Geschichte erzählt. Großartige, wunderbare Bilder, wie man sie leider viel zu selten zu sehen bekommt.

Und ganz nebenher glaube ich, dass das eine kluge Idee vom “Guardian” ist – eine App, die sich die großartigen Darstellungsformen des iPad-Displays zunutze macht, die schöne, Inhalte liefert und letztendlich auch dafür sorgen könnte, dass der eine oder andere sich überlegt, dass dieses Blatt, das es übrigens auch gedruckt gibt, gar nicht so schlecht ist.

Für diejenigen, die auch ohne iPad diese Bilder sehen wollen: Es gibt sie auch ganz normal online. Für die Fotografen unter Ihnen: Neben jedem Bild steht noch ein kurzer Pro-Tipp, der beschreibt, wie der Fotograf technisch an diese Aufnahme herangegangen ist.

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Gatekeeper in einer Welt ohne Gates

31. August 2010 - 10:52 Uhr

Die Frage kam in den Kommentaren — und ich fand sie nicht unberechtigt:  Warum nur müssen sich lokale und regionale Zeitungen/Medien auch noch bei Facebook et al präsentieren? Selten nur, so argumentiert der Kommentator, habe man dort doch Geschichten von derartiger Brisanz, dass man sie sofort auf alle Kanälen verbreiten müsse. Was erst einmal nicht von der Hand zu weisen ist, mich aber gleichzeitig auf die Idee brachte, mich mal umzusehen, wie es die Betroffenen denn so halten mit Facebook (ähnliche Spielchen zu den Online-Auftritten und zum Thema Twitter gab es auf dieser kleinen Seite ja schon in den letzten Tagen und Wochen mal).

Man muss Facebook nicht zwingend mögen. Man kann gegen Facebook (wie auch gegen andere Netzwerke) eine ganze Reihe von Argumenten vorbringen — und man kann sich natürlich fragen, was Journalismus dort verloren hat. Die Frage hat sich mir nach dem Durchwühle von diversen Facebook-Auftritten deutscher Regionalblätter nicht ganz beantwortet. Denn tatsächlich finden sich von all den Dingen, die Auftritte in einem Netzwerk interessant machen würden, bei vielen Facebook-Präsenzen deutscher Tageszeitungen nur Spurenelemente. Von einem Blatt habe ich die interessanteste und irgendwie auch bezeichnendste Variante gefunden: Man richtet für jede Lokalausgabe eine eigene Facebook-Seite ein und postet dort die vermeintlich interessantesten Geschichten (was nebenbei bemekt ziemlich automatisiert aussieht, selbst wenn es nicht automatisiert sein sollte).

Was die Folge dessen ist, kann man sich leicht ausdenken: Die Seiten modern weitgehend unbemerkt vor sich hin, die “Like”-Buttons kommen unschwer zu einem beträchtlichen Teil erkennbar aus dem eigenen Haus. Debatten, Kommunikation, Interaktion, alles Fehlanzeige. Man hat also ein soziales Netzwerk lediglich als Vetriebskanal für Geschichten begriffen, die ohnehin im Blatt oder im eigenen Online-Angebot stehen. Man betreibt die Form von Kommunikation weiter, die man bisher auch schon immer betrieben hat. Einseitig in eine Ricchtung gerichtet, formal zwar mit einem geöffneten Rückkanal — aber was soll man schon in einen Rückkanal rufen, wenn man weiß, dass am anderen Ende ohnehin jemand sitzt, der gar nicht zuhören will?

Der Grundfehler also bei vielen, die sich ins Web 2.0 begeben, ist nicht, dass es zu wenig Inhalt gibt, zu wenig Angebot. Es ist die im tiefsten Inneren verankerte Haltung, nicht zuhören zu wollen. Man will weiterhin Gatekeeper sein — in einer Struktur, in der es gar keine Gatekeeper gibt.

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