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Anmerkungen eines Medienmenschen

Archive for September 1st, 2010

Generation Farbband

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Heute nacht (fragen Sie mich nicht warum) habe ich kurzzeitig mal über mein Alter nachgedacht. Danach wusste ich dann schweißgebadet, warum sich immr noch so viele Journalisten und andere was-mit-Medien-Macher so furchtbar schwer tun mit diesem ganzen neuen Zeug. Vorwarnung: Die Jüngeren unter Ihnen, sofern anwesend, werden im kommenden Text eine Reihe Begriffe lesen, von denen sie noch nie etwas gehört haben.

Ich komme aus der Generation Farbband. Als ich volontierte, empfand ich die technischen Anforderungen an meinen Job, in dem ich ja eigentlich nur schreiben und ein bisschen fotografieren wollte, schon durchaus als hoch. Beim Wechseln der Farbbänder beispielsweise holte ich mich regelmäßig schmutzige Finger, davon abgesehen, dass das Farbband-Wechseln eine ziemliche Fummelei war. Falls Sie nicht wissen, was ein Farbband ist: Das war so eine Rolle mit einem Band, das zwischen eine Walze und die Buchstaben gerollt wurde, um damit wiederum Buchstaben aufs Papier zu bringen. Sie waren Bestandteile von Geräten namens “Schreibmaschinen”, von denen gut erhaltene Expemplare in vielen Museen zu sehen sind.

Die Schreibmaschinen hatten, von den schmutzigen Firngern nach dem Band-Wechseln abgesehen, auch ihren Charme. In unserer kleinen Vier-Mann-Lokalredaktion beispielsweise bekam man immer so das Gefühl von echter und hektischer Journalisten-Betriebsamkeit, wenn vier Mann gleichzeitig in ihre Schreibmaschinen hämmerten. Der Nachteil war, dass man sich dann nicht mehr unterhalten konnte. Und mit dem Telefonieren (grünes Telefon, Tasten!) wurde es auch schwierig. Aber es war so, wie ich mir das Leben in einer Redaktion immer vorgestellt hatte. Überflüssig zu sagen, dass die wahnwitzig lauten, klappernden Maschinen von schweren Rauchschwaden eines immens hohen Zigarettenkonsums begleitet wurden.

Perfekt war ich innerhalb kürzester Zeit auch in einem Raum namens Dunkelkammer. Nicht erschrecken, das hat nichts mit sadomasochistischen Neigungen oder ähnlichem zu tun. Jedenfalls kann ich vermutlich heute noch mit geschlossenen Augen die Rückklappe einer Kamera öffnen, den Film herausnehmen, ihn in eine Spule wickeln und dann in eine Entwicklerflüssigkeit tauchen. Das alles natürlich im Dunkeln, sonst wäre der Film ja belichtet und somit unbrauchbar. Danach fixieren, trocknen, Film genau anschauen, Abzug auswählen, fixieren, trocknen, auswählen. Filme, liebe jüngere, sind etwas, was man früher statt SD-Karten in eine Kamera legen musste, damit sie Bilder machen konnte.

Ebenfalls im Repertoire meines damals mühsam erlernten technischen Können: Druckfahnen mit einem sehr spitzen Messer auseinanderschneiden, mit heißem Wachs auf der richtigen Seite versehen und an einem Leuchttisch zu so etwas ähnlichem wie eine Zeitungsseite zusammenfügen. Danach die irgendwann mal fertig zusamengeklebte Seite nehmen, irgendwohin in die Druckerei bringen, sie dort ihrem Schicksal überlassen und dann darauf hoffen, dass am nächsten Morgen so etwas ähnliches wie eine Zeitung dabei herauskommt.

Und natürlich war nie die Rede davon, jemals so etwas wie eine Videokamera in die Hand zu nehmen. Oder Texte in ein Mikro zu sprechen. Ich kann mich erinnern, als es helle Aufregung um den “Redaktroniker” gab; dies sei mehr oder minder das Ende des Journalismus, hieß es damals. Der “Redaktoniker” wurde so genannt, weil man damals, vor rund 20 Jahren, Journalisten die Ungeheuerlichkeit zumutete, Texte und Seiten am Computer selbst zu bearbeiten und den so genannnten Ganzseitenumbruch durchzuführen. Das war ein echter Kulturkampf, wenn ich mich richtig erinnere.

Ich könnte jetzt natürlich noch eine ganze Zeit darüber philosophieren, wie das alles war — damals. Braucht es aber gar nicht. Eigentlich ist mir selber beim kurzzeitigen erinnern klar geworden, wie schwer es für jemanden aus “meiner” Zeit sein muss, sich auf einmal mit Videos, Audios, Internet, Animationen, mobilen Plattformen, sozialen Netzwerken und all dem anderen Kram zu befassen. Und das alles nach einer dann doch eher kurzen Zeit, 20 Jahre sind, wenn ich rückblickend darüber nachdenke, wirklich nicht sehr viel.  So lange es aber meine Generation ist, die Entscheidungen fällt, sie aber gleichzeitig nicht ernsthaft versteht, was da überhaupt passiert, wird es schwierig werden, die richtigen Entscheidungen zu bekommen. Und solange werden sie weiter untergehen, die Vertreter und die Medien der “old school”.

Die gute Nachricht für Sie: Es ist absehbar, wann diese Generation abtritt. Die schlechte Nachricht für mich: Ich trete dann auch bald ab.

Written by cjakubetz

September 1st, 2010 at 10:04 am

Posted in NUR SO DAHINGESAGT

Neue Formate: klein, praktisch,gut

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Journalismus im Netz – das heißt nicht nur, bisherige Inhalte vom Analogen ins Digitale zu bringen. Sondern auch: Jounalismus neu zu denken, neue Formate für neue Plattformen zu entwickeln. Das funktioniert bisher teilweise nur leidlich und wirkt häufig auch sehr bemüht.  Bei der iPad-App des “Spiegel” beispielsweise muss ich immer wieder lachen, wie man dort versucht, irgendein Video zu irgendeinem Text dazuzupacken. sofern es sich denn inhaltlich auch nur ein kleines bisschen vertreten lässt. Das nennt man dann multimedial und interaktiv, tatsächlich ist es die Suche nach der Antwort auf die Frage, wie denn jetzt Journalismus der Zukunft aussehen kann.

Dabei kommt die Veränderung wie immer von den Rändern.  Im Netz sind schon lange viele gute, neue, dem Medium gerechte und innovative Darstellungsformen zu sehen. Die Kollegen vom “journalist” haben sich die Mühe gemacht, eine kleine Liste mit solchen Formen zusammenzustellen: von der interaktiven Zeitleiste bis zum charmant unaufwändig produzierten Video.  Was man daraus (mal wieder) lernen kann: Jedes Medium hat seine eigenen Formen — eins zu eins rüberziehen funktioniert nicht.

Ganz ungefragtnoch ein schönes Beispiel aus unserem Südafrika-Projekt, wie man mit (guten) Fotos, ein paar O-Tönen und Musik eine athmosphärische Slideshow macht, die so eben nur im Netz funktioniert:YouTube Preview Image

Written by cjakubetz

September 1st, 2010 at 8:43 am