Archiv für 21. September 2010


Ein Buch – das Update (3): Ein Verlag und viele Autoren

21. September 2010 - 17:05 Uhr

Gestern nachmittag dachte ich ja irgendwie noch: Das war so die erste Begeisterung, die der eine oder andere vielleicht bei der Idee verspürt hat, dieses Buchprojekt zu machen. Inzwischen habe ich das Zählen aufgegeben. Als heute morgen die Gmail-Inbox über 100 Eingänge meldete, wusste ich zweierlei. Zum einen, dass dieses Projekt offenbar wirklich ein wenig einen Nerv trifft. Und dass zum anderen verdammt viel Arbeit wartet.

Erstmal also das Update seit gestern: Inzwischen haben sich enorm viele Menschen gemeldet, die das Buch in irgendeiner Form unterstützen wollen. Sei es als Autoren, als Lektoren, als Inputgeber. Darunter wirklich ganz großartige Leute, von denen ich jetzt aktuell gerade nicht weiß, ob es ihnen passt, wenn ich ihre Namen hier schon nenne. Tatsächlich sind wirklich gute, bekannte Namen darunter – die sich trotz alledem inhaltlich weit von den Hallers dieser Welt befinden. Ich bin wirklich sehr guter Dinge, dass das inhaltlich dem selbstgesetzten Anspruch gerecht wird. Es ist etliche Male geflattrt worden, der Paypal-Button wurde genutzt. Keine Sorge: Ich bin dadurch nicht reich geworden, aber diese Form der Unterstützung ist einfach nur erfreulich und (Sie gestatten den kleinen Euphorie-Ausbruch) begeisternd.

Ich habe ein bisschen die Befürchtung, dass ich meinem Vorsatz, wirklich jedem, der mir geschrieben hat und der gespendet hat, nicht gerecht geworden bin. Ich habe die Maileingänge zweimal gecheckt, fürchte aber irgendwie, jemanden vergessen zu haben. Wenn das so ist, dann bitte ich um Entschuldigung: Ich freue mich wirklich wahnsinnig, das sind die spannendsten und besten Tage seit langem.

Inzwischen hat sich – ist das nicht witzig? – sogar ein Verlag gemeldet, der Interesse an diesem Projekt angemeldet hat. Ich bin ziemlich unentschlossen, tendiere generell dazu, die Sache nach wie vor verlagslos zu machen. Aber ich wüsste gerne auch Ihre Meinung dazu. Gerne hier in den Kommentaren, gerne aber auch auf der neuen Facebook-Seite (Unterpunkt “Discussions”): Verlag ja oder nein, kategorisch ausschließen oder zumindest mal darüber reden? Ehrlich gesagt sehe ich den Nutzen eines Verlags noch nicht so ganz, er würde Marketing und Vertrieb machen, das ja. Aber andersrum gefragt: Sind “wir” nicht eigentlich genug und vor allem so gut vernetzt, als dass wir das nicht selbst hinbekommen? Außerdem finde ich, dass das Projekt ein wenig an seinem Reiz verlieren würde, würde man nun einen Verlag ins Boot nehmen. Aber wie gesagt: Ich bin auf Ihre Meinungen und Anregungen gespannt.

Heute abend dann: erster Versuch einer Themen- und Autorenliste. Das hat insofern an Relevanz gewonnen, als dass ich anfangs dachte, das auf sehr wenige Leute verteilen zu können/müssen. Sieht völlig anders aus inzwischen, gottseidank.

Und wenn Sie uns und dem Projekt wieder ein bisschen helfen wollen: jeder Tweet, jeder FB-Eintrag, jeder Link tut uns gut. So viel habe ich inzwischen  begriffen: Wir brauchen gar nicht mal so viel Geld (das natürlich dann irgendwann doch auch mal…), als vielmehr Reichweite, Reichweite, Reichweite.

Mehr dann wieder, sobald ich was Neues weiß…

1 Kommentar » | DAS BUCHPROJEKT, IN EIGENER SACHE

Jule hat ein kleines bisschen Angst

21. September 2010 - 16:32 Uhr

Man muss schon irgendwie die Angst langsam herauf kriechen spüren, um so etwas zu tun: Der BDZV will sich jetzt mehr um jüngere Leser kümmern, was insofern naheliegend ist, weil es von denen nicht mehr so rasend viele gibt, deren bevorzugtes Medium die gute alte Tageszeitung ist. Man müsste also ran an diese junge Zielgruppe, weswegen man eine GmbH mit dem originellen Namen “Jule” gegründet hat (“Jule” soll wohl abkürzend für “Junge Leser” stehen, woran man dann wieder sehr schön bemessen kann, wie sehr die Verlage von den Jules entfernt sind; die Zielgruppe wird angesichts solcher netten Wortschöpfungen vermutlich sofort in ekstatische Begeisterung ausbrechen).

Mit der Gründung von “Jule” räumt der BDZV allerdings nicht nur ein, dass es sich um das Jungvolk vielleicht ein bisschen wenig gekümmert in den Jahren des Internets. Er gibt auch zu, dass er das junge Publikum eigentlich gar nicht richtig kennt. Schließlich ist es Ziel und Zweck der Gesellschaft, erst einmal herauszufinden, wie man effizient junge Leute für die Zeitungen gewinnt. Im putzigen Pressemitteilungsdeutsch liest sich das dann übrigens so, dass die Verlage die Jugend “erobern” wollen.

Das Problem der Eroberer könnten in vielen Fällen allerdings sie selbst sein. Und nein, jetzt kommt nicht wieder die alte Leier von den fehlenden Angeboten im Online-Bereich (das IST natürlich ein Problem, aber auf dieser kleinen Seite schon hinreichend besprochen worden). Die Probleme liegen zusätzlich anderswo: Zum einen darin, dass sich das Modell Tageszeitung,  von allem ein bisschen, meistens ganz gut, aber nur selten wirklich herausragend zu sein, vor allem bei den Regionalblättern zu überleben beginnt. Es gibt für alles und jeden gute Informationen, die Jules, die der BDZV so gerne erobern will, sind mit dem Wissen aufgewachsen, sich Informationen, Inhalte, kurzum alles was sie interessiert an allen möglichen und unmöglichen Stellen dieser Welt zu suchen. Oder noch besser: darauf zu warten, dass diese Infos dann irgendwann mal bei ihnen eintrudeln, ob jetzt per sozialem Netzwerk, via RSS oder auf dem Handy, das spielt für sie keine wirkliche Rolle mehr. Das bedeutet zuvorderst: Den eigentlichen großen Nutzen, den die Tageszeitung früher unbestritten für sich in Anspruch nehmen konnte, den gibt es nicht mehr. Der Ansatz, den die Jule-Initiative erahnen lässt, läuft irgendwie auf Jugendseiten und andere ebenso nette wie nutzlose Insellösungen heraus.

Und selbst wenn man unterstellen würde, die Jules würden nun alle aus unerfindlichen Gründen wieder ihre Liebe zum gedruckten Papier entdecken: In vielen Redaktionen lauert ein tiefsitzendes Problem namens Altersstruktur. Redakteure jenseits der 40, die häufig den Kern der Truppe ausmachen, werden kaum in der Lage sein, den Ton zu treffen und die Themen zu finden, die für die zu erobernden Kids relevant sind. Ich hab´nix gegen 40jährige, ich habe selbst eine Vier als erste Zahl im Alter stehen. Aber ich würde mir auch auf gar keinen Fall zutrauen, ein Medium zu machen, das 15- oder 20jährige heute interessant finden. Dementsprechend staubig und ungelenk kommen dann auch viele Blätter im Ton daher. Tageszeitung hat nichts Cooles, nicht als Medium, nicht als Inhalt – mir ist unerfindlich, warum heute ein 20jähriger die “Passauer Neue Presse” oder vergleichbares lesen sollte, so tüdelig, behaglich, behäbig viele von ihnen des Wegs kommen. Das ist wie mit dem Rentner, der plötzlich Jeans anzieht und locker sein will: Im schlimmsten Fall wird er ausgelacht. Im besten Fall ignoriert. Die Chancen, als relevant oder wirklich cool wahrgenommen zu werden, tendieren gen null.

Der Ansatz von Jule ist zudem auch aus anderer Sicht falsch:  Er geht immer noch davon aus, dass das Geschäftsmodell, das eigentlich relevante und wichtige Medium Zeitung heißt. Man begreift einfach nicht, dass viele Jules Zeitungen nicht lesen, weil sie Zeitungen sind. Das ist keine wirklich schöne Erkenntnis, ändert aber nichts an ihrem Wahrheitsgehalt. Menschen kaufen ja auch nicht immer weniger CD´s, weil sie keine Musik mehr mögen, sondern weil sie keine CD´s mehr haben wollen. Man würde in dem Zusammenhang dann gerne den durchschnittlichen Kommentar eines durchschnittlichen Wirtschaftsredakteurs einer durchschnittlichen Zeitung lesen, würde die Musikindustrie eine Initiative zur Förderung des CD-Verkaufs starten. Man würde vermutlich lesen, wie albern das sei, sich so an den Datenträger CD zu klammern, dessen Ende absehbar ist.

Es müssen einem dann schon die Argumente ziemlich ausgegangen sein, wenn man ernsthaft behaupten will, das “verschiedene Studien” belegen würden, junge Menschen, die regelmäßig Zeitung läsen, würden in Schule und Beruf weitaus bessere Leistungen erbringen als die Nicht-Lesenden. Das mag im Ansatz schon richtig sein, wenn man den Begriff  ”Zeitung” weg lässt. Wer liest, weiß mehr, das ist eine ebenso uralte wie banale Erkenntnis. Nur dass die Zeiten, in denen man problemlos “Lies Zeitung, das macht schlau” sagen konnte, lange vorbei sind.

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