Archiv für 5. Oktober 2010


Burda digital: Aus dem Focus, aus dem Sinn

5. Oktober 2010 - 19:24 Uhr

Im Hause Burda macht man schon längere Zeit keinen Hehl daraus, dass man nicht unglücklich wäre, wenn dieses Internet doch einfach nur wieder verschwände. Man verdiene damit nur “lousy pennies”, dieser Satz von Hubert Burda ist so was wie ein geflügeltes Wort geworden. Und auch Phillip Weltes Ansage unlängst war mehr als klar: Man werde die Online-Aktivitäten im Haus auf das zurückführen, was man irgendwie noch als dringend geboten erachte. Mehr gibt´s nicht mehr. Muss man sich da wundern, wenn Focus-Online-Chefredakteur Jochen Wegner kurz darauf einigermaßen viel beachtet bekannt gibt, das Haus zu verlassen und sein eigenes Ding macht? Muss man nicht.

Die Demission von Jochen Wegner hat zwei Aspekte. Zum einen: Ich glaube, dass man bei Burda sich nicht im Geringsten darüber im Klaren ist, was das für die Multimedia-Strategie des Hauses bedeutet. Wegner war — vermutlich keineswegs nur nach meinem Eindruck –  der eigentliche Kopf in Burdas Digitalstrategie. Bei aller Wertschätzung für´s Team, aber ohne Jochen Wegner wäre Focus Online komplett abgesoffen. Es gäbe keine Ideen wie nachrichten.de  (bei allem, was man daran kritisieren kann) und so ganz nebenher ist Wegner ja nicht nur ein kluger Stratege, sondern auch ein so guter Journalist, dass er FOL wieder lesbar machte,was man in der Ära vor ihm beim besten Willen nicht behaupten konnte. Dem Nachfolger muss man eine faire Chance geben, klar — aber ob es zu mehr reicht als einem Redaktionsvorsteher, darf man bezweifeln, zumal man die journalistischen Schwergewichte der Branche kaum mit der Option ködern kann, einen Chefredakteursposten zu übernehmen, der im eigenen Haus bestenfalls als Kostenverursacher gesehen wird.

Andererseit ist die Causa Wegner ein ziemlich gutes Beispiel dafür, was passiert, wenn in einem Haus keine wirkliche Überzeugung für die neuen Medien da ist, wenn man das Internet immer noch als etwas begreift, was man zähneknirschend macht. Da reicht es dann aus, wenn ein beinharter Printer, der online eh nie mochte, mit einem Federstrich erklärt, dass es das jetzt gewesen sei mit dem Netz. Nur, dass das leider nicht von Herrn Welte entschieden wird.

Burdas Probleme stehen stellvertretend für viele in der Verlagsbranche: Man ist immer noch bereit, Schrott-Produkte wie “Chatter” auf den Markt zu werfen, ohne jegliche Rücksicht darauf, dass der publizistische Ruf des Hauses erheblich beschädigt wird. Ohne Rücksicht darauf, dass Geld ohne jede Perspektive verbrannt wird. Offensichtlich macht man in der Bewertung des Begriffs “scheitern” immer noch erhebliche Unterschiede. Anders ist es jedenfalls kaum zu erklären, dass ein Desaster wie “Chatter” sowohl hausintern als auch in der Branche mehr oder minder schulterzuckend weggesteckt wird. Man stelle sich vor, “Chatter” wäre kein Print- sondern ein Onlineprodukt gewesen, man könnte Burda und Welte vermutlich noch bis ins nächste Jahr wehklagen hören.

Ebenso erstaunlich ist ja auch die Rangordnung im Haus, was den “Focus” selbst angeht. Wegner hätte vermutlich noch so viele Relaunches und Produktentwicklungen präsentieren könne, das alles wäre nichts gegen das gewesen, wie Burda jubiliert, wenn Helmut Markwort irgendetwas noch so Unbedeutendes tut. Der gedruckte “Focus” befindet sich seit Jahren in einem eher beklagenswerten Zustand (wobei das relativ zu sehen ist, weil es ja bedeuten würde, dass er jemals in einem begrüßenswerten Zustand gewesen wäre). Der Print-Focus bekommt jede Zeit ( ehrlich gesagt: auch jede Narrenfreiheit) der Welt, während man bei der Online-Ausgabe beklagt, wie viel Geld man da rein stecken müsste. Es gibt immer noch kein Gleichgewicht in den Verlagen, man gibt online kaum eine Chance sich zu entwickeln, man verlangt sofortige und umfängliche Eigenfinanzierung der Angebote, kurzum: Man legt Maßstäbe an, die man an eine Neuentwicklung im Printbereich kaum anlegen würde. Dass man das Quatschblatt “Chatter” so schnell wieder eingestellt hat, lag ja mehr oder weniger auch nur daran, dass man zeitig absehen konnte, mit diesem Blatt so ungefähr alles falsch gemacht zu haben.

Was für ein bizarrer Weg also mitten im Jahr 2010: Eines der größten Verlagshäuser in Deutschland vergrault seinen besten Online-Kopf, dampft die digitalen Angebote ein und steckt stattdessen viel Geld und alle Freiheiten in die Lieblings-Spielzeuge älterer Herren und von Damen mit einem gewissen Tratschbedürfnis.

Es wäre kein Wunder, wenn man in München den vermeintlichen “lousy pennies” aus dem Netz nicht irgendwann mal ziemlich hinterhertrauern würde.

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Ein Buch – das Update (10): Professor, Doktor, Praktiker

5. Oktober 2010 - 18:10 Uhr

An dem Tag, als ich das erste Exemplar meines ersten eigenen Buchs in der Hand hielt, dachte ich für einen kurzen Moment, ich müsse vor Stolz platzen.  Das war alles ziemlich unfassbar für mich: Jemand würde also wirklich nicht nur seine Zeit opfern, sondern auch noch was bezahlen dafür, dass er sich dieses Buch ins Regal stellen kann? Das schien mir alles ziemlich surreal.

Meinen ersten richtigen Dämpfer bekam ich dann, als mir mein Verlag nach den ersten durchaus freundlichen Rezensionen ein, zwei Besprechungen zukommen ließ, die nicht ganz so wohlgesonnen waren. Vor allem hatte man mir in diesen Besprechungen vorgeworfen, dass mein Buch für den Lehrbetrieb nicht so gut geeignet sei, was mich vor allem deswegen ärgerte, weil es ja nie für den Lehrbetrieb an Universitäten gedacht war. Und außerdem ärgert man sich immer, wenn man als Autor kritisiert wird. Das ist zwar natürlich nicht in Ordnung, aber trotzdem so. Wer was anderes sagt, lügt.

Das passiert mir diesmal nicht! Das ist natürlich ganz und gar nicht mit ausschlaggebend dafür, dass ich sehr froh bin, bei diesem Buchprojekt hier einen Akademiker an Bord zu haben, sogar einen richtigen. Weswegen es irgendwie auch naheliegend ist, Prof. Dr. Ralf Hohlfeld nicht nur ins Boot zu holen, sondern ihm den quasi ohnedies vakanten dritten Herausgeberposten anzuvertrauen (es reicht jetzt dann auch wieder mit den Herausgebern, von entsprechenden Bewerbungen bitte ich abzusehen).

Aber ganz im Ernst, bevor Sie jetzt aufstöhnen: Natürlich wollen wir ein strikt praxisorientiertes Buch machen, trotzdem aber glaube ich, dass es dem Projekt sehr gut tut, wenn jemand mit einem didaktischen Ansatz dabei ist. Zumal Ralf Hohlfeld nicht zu denen gehört, die in irgendwelchen geistigen Welten schweben und von praktischem Journalismus nichts verstehen. Ganz im Gegenteil, als Inhaber des Lehrstuhl für Kommunikationswissenschaften an der Universität Passau treibt er (u.a. mit der Einrichtung) eines crossmedialen Zentrums  die Modernisierung der Lehre wie kaum ein anderer voran. Ganz davon abgesehen, dass ich damit auch wieder einen schönen Grund gefunden habe, viel öfter ins wunderbare Passau zu fahren. Und mit niemandem kann ich mir so schön glaubhaft einreden, dass wir ja sofort mit diesen Zigaretten aufhören könnten.

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Geschäftsführer Richard Gutjahr

5. Oktober 2010 - 15:28 Uhr

Es ist ja schon immer wieder erstaunlich: Wenn es um Geschichten geht, die Blogger aufgedeckt haben (kommt ja eh nicht so rasend oft vor), dann sind Medien in der Nennung der Quellen eigenartig zurückhhaltend. Auch im neuesten Fall, als Richard Gutjahr recherchierte, wie sich WeTab selbst lobt, sind nicht wenige vorsichtig mit der Nennung des Namens. In der “Kölnischen Rundschau” wurde Gutjahr sogar zwischenzeitlich zum Geschäftsführer des WeTab-Unternehmens gemacht. Ulrike Langer dokumentiert hier, wie klassische Medien damit umgehen, wenn eine Geschichte von einem Blogger enthüllt wird.

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Was das Nichts ohne Nichts wäre

5. Oktober 2010 - 13:58 Uhr

Gerade eben habe ich mich online durch die Jubliäums-Beilage des “Straubinger Tagblatts” gequält (bevor Sie fragen: Ich bin in Straubing geboren). Eine Quälerei war es übrigens gar nicht so sehr wegen des Inhalts, sondern weil das gute Stück online komplett flashverseucht und nur unter ziemlichen Anstrengungen und nervigen Ladezeiten zu lesen ist (man könnte übrigens angsichts einer solchen Online-Präsenz einer 120seitigen Beilage auch ein bisschen die Onlinekompetenz im Haus anzweifeln, aber darum geht´s heute ausnahmsweise nicht).

In der Beilage selbst ist erwartungsgemäß viel die Rede davon, dass die Zeitung quietschlebendig und ganz und gar nicht tot sei. Von Internet ist nicht ganz so viel die Rede, weil man ja Zeitung macht. Wenn vom Internet die Rede ist, dann in ungefähr dem Sinne, dass man das auch mache, weil ja gerade die jungen Leute…

Interessantes habe ich dennoch gefunden. Nämlich ein Interview mit dem Vorsitzenden der bayerischen Zeitungsverleger, Andreas Scherer, im Hauptberuf eigentlich Geschäftsführer bei der “Augsburger Allgemeinen”. Scherer sagt da einen Satz, der so ganz wunderbar illustriert, wie es um die Zukunftsfähigkeit vieler Verlage bestellt ist:

“Was wäre ein iPad ohne die Infos aus der Zeitung?”

Dann auf´s Dispaly des ipad geschaut. Nix aus der Zeitung gefunden. iPad trotzdem gut.

Frage beantwortet, Herr Scherer?

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Ich schreibe wie eine Maschine

5. Oktober 2010 - 8:59 Uhr

Oh ja, dachte ich mir (Eitelkeit gehört vermutlich einfach dazu): Das würde ich jetzt schon sehr gerne wissen, welchem berühmtem Schreiber mein Stil jetzt ähneln soll. Die FAZ bietet nämlich seit neuestem ein Tool an, mit dem man herausfinden kann, mit wem der eigene Schreibstil  denn am ehesten vergleichbar sei. Also, ausprobiert, einfach ein paar Texte aus dieser kleinen Seite hier reinkopiert – und schon kommt das erste Ergebnis:

Rainald Goetz also, hochinteressant. Auch wenn ich ihn nicht kenne. Also, nehmen wir den selben Eintrag, nur einen Absatz weiter – und stellen hocherfreut fest:

Allerdings, so viel Selbstkritik muss dann doch manchmal sein — Fontane und ich, irgendwie hakt da was. Probieren wir also nochmal einen Absatz aus dieser kleinen Seite aus, wenige Zeilen unterhalb von dem, was ich davor in das Testfeld kopiert hatte. Und siehe da:

Ob ich auch für Goethe tauge? Oder für eher etwas eher modernes, avantgardistisches? Versuchen wir es mal mit diesem Textauszug hier:

Ist das nicht supi mit dem Staatssekretär? Unkompliziert, sypmpathisch, macht eine super Figur, zahlt, obwohl Ehrengast, freiwillig Eintritt. Kommt auch dann, wenn keine Wahlen sind. Ohne Bodyguards!! Und das, obwohl er Spitzenpolitiker ist (was man allerdings etwas einschränken muss, ich weiß nicht, wie bekannt Dr. Andreas Scheuer außerhalb von Salzweg und Hutthurm ist). Da kann man schon mal so erstaunt wie erfreut ausrufen: Das ist ja der Staatssekretär!

Dafür werde ich immerhin belohnt mit einem:

Unsicher ist für mich ja nur, inwieweit meine letzte Analyse nicht doch etwas Hintergründiges aufweist. Eingegeben war eine kleine Analyse zum 60. Geburtstag des großen Fußball-Poeten Rolf Töpperwien. Mit folgendem kurzen Text:

Und selbst, wenn Sie nicht mögen: Dieses Glanzlicht fußballerischer Kommentatorenkunst möchte ich Ihnen dann doch nicht vorenthalten. Es ist schließlich Sonntag. Und Töppis 60. Geburtstag.

Und siehe da:

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