Archiv für Februar 2011


Neu bei Bildblog: Der Spiegel

27. Februar 2011 - 9:26 Uhr

Beim “Spiegel” mögen sie es ja gerne ein wenig dramatischer: Eine Titelgeschichte über Guttenberg beispielsweise muss entweder “Das Märchen vom ehrlichen Karl” oder aber (wie kurz zuvor) “Die fabelhaften Guttenbergs” heißen. Folgerichtig muss also ein Titel des “Spiegel” über die “Bild” mindestens irgendwas mit Brandstiftung enthalten, weswegen man sich sinnigerweise dafür entschieden hat, der Geschichte den Titel “Die Brandstifter” zu geben.

Man staunt dann ein wenig, wenn man sich durch (zumindest auf dem iPad) quälend lange 29 Seiten wühlt.  Man liest Dinge, die jeden Tag bei “Bildblog” hinreichend dokumentiert sind und man wundert sich, wo eigentlich die eigene Rechercheleistung einer Truppe von Titel-Autoren bleibt. Der gesamte Titel liest sich wie eine Zusammenfassung der besten Bildblog-Geschichten der letzten zwei Jahre, garniert mit ein paar eigenen Einschätzungen und ein paar Hintergrundgesprächen, beispielsweise mit Ottfried Fischer, den man dann mit Sätzen zitiert, die schon etliche Male auch anderswo zu lesen waren.

Gut, ein Interview mit Kai Diekmann werden die Bildblogger vermutlich nie bekommen. Aber auch die “Spiegel”-Redakteure stellen sich im Umgang mit Diekmann nicht sehr geschickt an. Man muss Diekmann nicht mögen oder ihn gar sympathisch finden, aber insgeheim ihm zumindest eine Art Respekt zollen, wie er die “Spiegel”-Leute immer wieder im Vorbeigehen erledigt. Es ist ja auch irgendwie selten dumm, Diekmann auf den Umgang der “Bild” mit Sarrazin festnageln zu wollen, wenn ausgerechnet das eigene Blatt Sarrazin mit (bezahlten) Vorabdrucken seines Machwerks erst eine große und seriöse Bühne gegeben hat. Und dass der “Spiegel” in der Causa Guttenberg ziemlich angreifbar erst, wenn man erst Ende 2010 einen Titel über die “fabelhaften Guttenbergs” und deren “Paarlauf ins Kanzleramt” geschrieben hat, ist doch auch erwartbar.

Was mich wundert: Man will also publizistisch einen Nachweis über die Gefährlichkeit der “Bild” liefern und deren Chefredakteur, einen bekanntermaßen brillianten Rhetoriker, ins Kreuzverhör nehmen. Und dann bringt man nicht mehr zusammen, als eine bessere Bildblog-Zusammenfassung (ohne den Namen Bildblog auch nur ein einziges Mal zu erwähnen). Zudem ein Interview, bei dem man den Eindruck nicht los wird, dass Diekmann es absolviert, ohne sich auch nur ein einziges Mal anstrengen zu müssen. In der Hausmitteilung nölt der “Spiegel” zwar, Diekmann habe lediglich routinierte Antworten gegeben, die man in leicht abgewandelter Form auch schon in anderen Interviews von ihm gelesen habe. Mag sein, umgekehrt trifft diese Aussage aber auch die Interviewer: Man hat leider auch nur Fragen gelesen, die Diekmann schon in etlichen anderen Interviews gestellt wurden. Dass Diekmann so nicht zu packen sein würde, hätte man eigentlich schon vorher wissen können.

Am Rande bemerkt: In den letzten Wochen habe ich mal wieder zwei (Medien-)Professoren gehört, die mehr oder minder bräsig meinten, Blogs seien keine Alternative zum Journalismus bzw. dass es Bloggern am “universalen Interesse” der Journalisten mangeln würde (sagt, kein Witz, Volker Lilienthal). Zumindest in diesem Fall würde ich sagen: Journalisten sind keine Alternative zu (Bild-)Blogs.

(Hinweis: Ich habe eine Zeit lang selbst bei “Bildblog” mitgearbeitet).

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Daueraufgeregt im Gutti-Gate

23. Februar 2011 - 14:25 Uhr

Vermutlich muss man, bevor man sich zu dem überaus heiklen Thema Guttenberg äußert, ein paar erklärende Sätze vorweg sagen.  Vor allem den, dass ich keineswegs irgendetwas Rechtfertigendes schreiben will. Dass Guttenbergs Arbeit in weiten Teilen ein Plagiat ist, dürfte feststehen. Dass sie somit keineswegs die Ansprüche an eine ordentliche Doktorarbeit erfüllt, auch. Und nein, das ist kein Kavaliersdelikt, keine lässliche Jugendsünde, nichts, was man augenzwinkernd mit einem “haben wir doch alle schon mal…” rechtfertigen kann. Ob Guttenberg zurücktreten muss, mag ich hier nicht beurteilen, aber zumindest eines dazu sagen: Leider existieren für Fragen des politischen Anstands und der sich daraus ergebenden Rücktrittsanforderungen keine Regeln, keine Gesetze, keine Verordnungen, nicht mal ordentliche Erfahrungswerte. Der Vorsitzende der Christlich Sozialen Union und Bayerische Ministerpräsident beispielsweise ist Vater eines unehelichen Kindes und immer noch im Amt. Jürgen Möllemann ist wegen eines Briefs zurückgetreten, in dem er Werbung für einen Einkaufswagenchip seines Schwippschwagers machte. Phillip Jenninger ist nach einer selten dämlichen Rede zurückgetreten, Edmund Stoiber beließ es wegen seiner Verwicklungen in den Amigo-Hofstaat des Franz Josef Strauß  bei einem knappen “mea clupa” und wurde danach beinahe noch Bundeskanzler, während wiederum Cem Özdemir sich (vorübergehend) von seinen Ämtern zurückzog, weil er privat ein paar Bonusmeilen der Lufthansa verflog. Die moralische Rücktrittskeule ist immer schnell gezückt, vor allem dann, wenn man sie gerade selbst gut gebrauchen kann. Und nicht zu vergessen: Bei vielen, die jetzt das Ende des Ministers G. fordern, ist auch handfestes politisches Kalkül mit im Spiel.

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Aber darum soll es jetzt gar nicht gehen. Sondern eher um das, was Journalisten im weitesten Sinne seit gut einer Woche so alles anstellen in der Causa G. Sorry, es kommt nochmal ein erklärender Satz vorweg: Ich halte es keineswegs für eine “Hetzjagd” oder gar eine Kampagne, die da inszeniert wird. Wenn ein Minister und Vielleicht-irgendwann-mal-Kanzlerkandidat mit unrechtmäßigen Mitteln an einen akademischen Titel gekommen ist, müssen Journalisten berichten, das ist überhaupt keine Frage (wobei ich schon gerne mal eine Geschichte darüber lesen würde, wie es eigentlich in unserem wissenschaftlichen Betrieb möglich ist, dass eine derart offensichtlich ungenügende Arbeit nicht nur durchgeht, sondern auch noch mit der Bestnote bewertet wird, aber das ist wieder was anderes). Interessanter sind da schon die Auswüchse des medialen Interesses und die überaus merkwürdigen Formen, in denen der Fall Guttenberg beleuchtet wird. Da ist beispielsweise Frau Anne Will, die am Sonntag zu einer Art öffentlichem Familiengericht geladen hat, mit einem Plenum, angesichts dessen man  auch gut das ganze Thema Talkshows in Frage stellen könnte. Als Richterin geladen ist beispielsweise Alice Schwarzer, die momentan sich zur obersten moralischen Richterin des Landes aufschwingt. Frau Schwarzer kann zu allem etwas sagen, ob zu Kachelmann, ob zu Guttenberg und vermutlich auch zum lieben Gott, dem alten Macho. Hans Ulrich Jörges vom “Stern” hat ebenfalls die herausragende Fähigkeit, zu allem etwas sagen zu können. Besonders gerne spricht er schon auch mal über die drohende Verflachung politischer Talkshow-Debatten (“Denn der verschärfte Existenzkampf der Moderatoren zwingt zu härterer Zuspitzung, zu noch griffigeren, populäreren, quotenbaggernden Fragestellungen. Damit schwindet der Raum für Aufklärung, für konzentrierte, an der Sache orientierte Behandlung eines Themas.”).  Das hält ihn aber keineswegs davon ab, in jeder noch so flachen Talkshow-Debatte zu jedem Thema irgendwas sagen zu können. Und wenn das nicht mehr hilft, sieht so ein erhobener Zeigefinger ja auch immer ganz gut aus. Zwei also, die zu allem was sagen können und das auch fleißig tun, dazu Dieter Wedel (??) und ein  Einspieler, in dem im Vergleich zwischen Thomas Gottschalk (??) und Guttenberg dargelegt werden, wie Menschen erst hochgejubelt und dann wieder niedergeschrieben werden. Mit dem kleinen Unterschied, dass Gottschalk Entertainer ist, an dem sich einige im Laufe der Jahre etwas satt gesehen hatten. Und der andere Minister, der bei seiner Doktorarbeit irgendwie vermutlich gemogelt hat. Wenn man solche unwesentlichen Unterschiede aber einfach mal weglässt, dann eignet sich der Vergleich zwischen Gottschalk und Guttenberg ganz prima, noch dazu, wo beide aus Franken stammen und der Vorname mit G. beginnt.

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Bei Frau Maischberger diskutieren sie das Thema dann schon ein bisschen bemühter, was aber nichts daran ändert, dass der Erkenntnisgewinn solcher Veranstaltungen gen null geht. Die üblichen Talkshowmöbel äußern mehr oder minder Plattheiten und ab und an ruft eine gestrenge Moderatorin ein bisschen was dazwischen. Das also ist bisher die Art, wie die ARD mit solchen Themen umgeht.

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Auch in an sich hoch renommierten Redaktionen lässt man da schon mal alle Vorsicht fahren. Die “Süddeutsche” meldete am Wochenende, Guttenberg trage sich mit Rücktrittsgedanken. Liest man die entsprechende Meldung, wundert man sich. Schließlich wird in ihr lediglich Horst Seehofer zitiert, der einräumt, Guttenberg zum “Durchhalten” geraten zu haben. Also, so die Schlussfolgerung, müsse Guttenberg sich mit entsprechenden Gedanken befasst haben. Dass Seehofer einfach mal einen möglicherweise sogar unerbetenen Ratschlag gegeben hat, kommt in diesem Konstrukt nicht vor, aber es sind ja auch bewegte Zeiten.

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Darf einer, der insgesamt acht Beiträge für die “Welt” geschrieben hat, in seinem Lebenslauf angeben, er habe als “freier Journalist” für das Blatt gearbeitet? Darüber kann man streiten, von der Hand zu weisen ist es jedenfalls nicht. Bei Guttenberg wird daraus die Vermutung: Jetzt hat er auch noch seinen Lebenslauf geschönt! Hat Praktika zu “beruflichen Stationen” gemacht und zudem eine Tätigkeit als Geschäftsführer einer GmbH angegeben, die nicht sonderlich anspruchsvoll gewesen sei.  Wie gesagt, man kann darüber debattieren, man tut sich damit nur innerhalb einer Branche etwas schwer, in dem ich aus meiner eigenen Erfahrung  von der anderen Seite des Schreibtisches mit gutem Gewissen behaupten würde, dass nach diesen Maßstäben ungefähr vier Fünftel aller Lebensläufe geschönt sind. Ich kenne freie Journalisten, die auf ihren Webseiten beeindruckende Auszüge ihrer Kundenlisten vorliegen. Die sind dann nur nicht mehr ganz so beeindruckend, wenn man weiß, dass der hochrenommierte Kunde vielleicht mal einen Zweispalter abgedruckt hat, weil der Kollege der einzig verfügbare vor Ort war. Und dass etliche Freie sich auch die dpa in ihre Kundenliste schreiben, weil sie dort mal zwei Meldungen abgesetzt haben, das ist schon ok und hat mit leichtem Aufhübschen der eigenen Vita natürlich ganz und gar nichts zu tun.

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Hat Guttenberg womöglich sogar einen Ghostwriter beschäftigt? Schon möglich, darüber kann man spekulieren, einen Beleg dafür gibt es nicht im Ansatz. Das hindert die SZ aber nicht, vorsorglich schon mal eine Liste derer durchzugehen, die Guttenbergs Ghostwriter gewesen sein könnten, wenn er denn einen gehabt hätte. Das liest sich dann schon mal so:

Als möglicher Autor wird zudem Hartmut Philippe gehandelt, der von 2002 bis 2006 wissenschaftlicher Mitarbeiter Guttenbergs im Bundestag war. Der Zeitraum passt durchaus, nicht aber, was Philippe in diesen Jahren sonst noch zu tun hatte: Einer Biografie der Konrad-Adenauer-Stiftung zufolge ging der Historiker von 2000 bis 2005 nebenher selbst einem Promotionsstudium in Cambridge nach. Er müsste also weitgehend parallel zwei Doktorarbeiten verfasst haben. Philippe selbst war am Sonntag nicht zu einer Stellungnahme zu erreichen.

Nochmal zum mit der Zunge schnalzen: Man spekuliert also darüber, dass Guttenberg evtl. einen Ghostwriter gehabt haben hätte können (ohne irgendeinen Beleg). Dann benennt man jemanden, der dieser Vielleicht-Ghostwriter hätte sein können, weil er (oha, ein echtes Indiz!) in der fraglichen Zeit Guttenbergs wissenschaftlicher Mitarbeiter war. Man stellt dann aber schon fest, dass der Mann vermutlich gar keine Zeit für eine weitere Doktorarbeit gehabt hätte, aber egal: Es spekuliert sich gerade so schön. Mit dem Argument könnte man jeden zu Guttenbergs Ghostwriter erklären, der sich zwischen 2002 und 2006 in dessen Nähe aufgehalten hat und der in der Lage ist, zwei deutsche Sätze unfallfrei aufzuschreiben. Einen weiteren ehemaligen Mitarbeiter Guttenbergs bennennt die SZ mit dem Argument, dass der von seinem Chef “ganz, ganz tolle Arbeit” bescheinigt bekommen habe — und raunt: “Das klingt verdächtig — mehr aber auch nicht.” Was passiert eigentlich, wenn jemandem mal auffällt, dass Guttenberg auch seiner Putzfrau ganz, ganz tolle Arbeit bescheinigt hat? In der momentanen freudigen Erregtheit deutscher Journalisten muss man die Schlagzeile befürchten: “Guttenberg: Schrieb seine Putzfrau die Dotorarbeit?”

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Überhaupt, diese freudige Erregtheit. Sie verführt zu einer ganz enormen Zahl von Besinnungsaufsätzen, die heute bei “Spiegel Online” in Form des dauererregten Franz Walter ihren Höhepunkt finden. Demnach steht das deutsche Bürgertum (whatever this means) unmittelbar vor der Kapitualtion und dem Verrat an den eigenen Idealen. Und irgendwie wird man den Verdacht nicht los, dass es bei uns Journalisten eine Nummer kleiner immer nicht gerade geht. Man erinnert sich dann an Parteispendenaffären und Kohlschen Schwarz-Bimbes und fragt sich dann schon, wie es das deutsche Bürgertum überhaupt noch bis hierin schaffen konnte, um jetzt völlig außer Atem neben einer irgendwie gefakten Doktorarbeit eines Ministers endgültig zusammenzubrechen. Das würde sich doch mal lohnen zu debattieren, nächsten Sonntag bei Anne Will. Alice Schwarzer und  Ulrich Jörges haben bestimmt dazu auch schon eine Meinung.

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Ein Buch – das Update (37): Hier spricht Marion Schwehr

20. Februar 2011 - 11:10 Uhr

Wie läuft das jetzt eigentlich mit dem Buch, dem Verlag und allem anderen? Ein Kommentar von Jens Arne Männig hat ein bisschen für Diskussionen gesorgt (die durchaus berechtigt sind). Und weil wir ja offen kommunizieren wollen, habe ich schon mal geantwortet und auch Marion Schwehr von Euryclia hat sich die Mühe gemacht, die ganze Geschichte nochmal ausführlich zu erklären. Hier ist ihr Beitrag:

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Christian Jakubetz hat in seinem letzten Blogbeitrag zum Buchprojekt über das “Modell Euryclia” gesprochen. Er hat mich eingeladen, mal mit meinen Worten zu sagen, was das “Modell Euryclia” (wie er es nennt) ausmacht. Das mache ich natürlich gerne! Wenn Christian Jakubetz immer wieder betont, dass euryclia kein “normaler” Verlag ist, hat er damit völlig Recht. Was aber so “unnormal” an euryclia ist – und zwar so unnormal, dass ich selbst nicht ohne ein Zucken von euryclia als Verlag spreche, will ich Ihnen erklären.

Lassen Sie mich bei der Buchbranche im Allgemeinen beginnen, weil die Situation der Buchbranche Aufschlüsse gibt über das Buchprojekt und das “Modell Euryclia” gleichermaßen. Die Buchbranche ist derzeit sehr stark im Wandel. Viel wird über die Zukunft klassischer (Buch-) Verlage und über ihre generelle Zukunftsfähigkeit diskutiert. Wo die Reise hingehen muss, skizziert z.B. Ehrhardt F. Heinold auf seinem Blog zum Publishing-Business durch den von ihm geprägten Begriff “Verlag 3.0″ und er meint damit, dass sich Verlage “vom Content-Provider zum Network-Organizer” entwickeln (müssen), zu einem “Unternehmen also, das Information und Kommunikation nicht mehr “einkanalig” steuert, sondern im Zentrum einer Community steht und diese organisiert. … Vor allem erfordert dies einen Wandel im verlegerischen Selbstverständnis, bei dem nicht mehr nur der Content, sondern vor allem der Kunde im Mittelpunkt steht.”

Wenn man sich jetzt das Buchprojekt “Universalcode” ansieht, merkt man schnell, dass Christian Jakubetz und all die anderen Autoren hier etwas umsetzen, das die Verlage sowie die Buchbranche im Gesamten noch vor sich hat. Nämlich den Weg von Content-Provider zum Network-Organizer! Im Buchprojekt geht es nicht darum, (nur) den Content abzuliefern, aus dem dann ein konventioneller Verlag ein Buch nach seinen Vorstellungen macht, sondern darum diesen Content für und mit der Zielgruppe auf den Weg zu bringen. Von der ersten Idee an, über das “Zusammensammeln” der Autoren, über die Diskussion erster Thesen und Exposees. Die Zielgruppe ist bestens informiert über den Fortgang des Projekts und gleichzeitig auch inhaltlich eng eingebunden, kann mitdiskutieren, Fragen aufwerfen, sich aktiv einbringen. Selbst über Formate wurde diskutiert: Braucht ihr überhaupt ein Printbuch oder wäre eine digitale Plattform, die lebt und sich entwickelt, dem Thema nicht angemessener? Eine andere Frage, die diskutiert wurde: Brauchen wir einen normalen Verlag oder machen wir das selbst? Das ist alles sehr nahe dran an den “Lesern, … ihren Wünschen und Bedürfnissen”. Das ist Kommunikation “mit der Zielgruppe auf Augenhöhe und einem hohen Maß an Interaktion, Dialog und Service”, wie es Carsten Raimann auf seinem Blog Books&Brains als Vision für die Buchbranche sieht. Um es nochmal klar zu sagen: worüber hier innerhalb der Buchbranche diskutiert wird, ist nichts, das in den nächsten zwei Jahren tatsächlich umgesetzt wäre. Das ist weit in die Zukunft gedacht. Dies unterstreicht noch einmal mehr den Eindruck, dass die Verlage vom Buchprojekt und den Autoren, die es umsetzen, doch einiges lernen können. Denn so wie die Autoren vom Buchprojekt heute schon agieren, wollen es Verlage in Zukunft tun, damit sie zu Verlagen 3.0 werden!

Nun stellt sich aber doch eine Frage – und diese Frage hat sich das Buchprojekt vor ein paar Monaten gewiss auch selbst gestellt: Was könnte es denn dem Buchprojekt bringen, sich mit einem Verlag zusammen zu tun? Bringt es überhaupt was oder ist es eher ein Rückschritt? Vom Network-Organizer zurück zum Content-Provider! Zum Textlieferanten, der seine Inhalte dem Verlag übergibt – und das war´s?

Wenn man aber Network-Organizer bleiben möchte und das Buchprojekt genau in der Art weiterführen möchte, wie bisher – mit dem direkten Kontakt zu den Lesern, mit der Entscheidungsfreiheit, in welche Richtung man den Content entwickelt und was man aus dem Content macht, ob Printbuch, eBook, Plattform und in welcher Form, wenn man also selbst die Zügel in der Hand behalten möchte, dann sollte man eher nach anderen Lösungen suchen. Dann sollte man sich Möglichkeiten suchen, das finanzielle Risiko beim Herausbringen eines Buches abzufedern und auch noch jemanden, der ein Buch professionell umsetzt. Am besten einen, der den eigenen Weg als Network-Organizer mit Konzepten und Hilfmitteln unterstützt und begleitet.

Genau hier kommt (jetzt endlich) euryclia ins Spiel. euryclia ist eine Plattform, die über das Modell der Vorbestellungen, Autoren in die Lage versetzt, ein Buchprojekt wie den Universalcode risikolos selbst auf die Beine zu stellen. Die Rechte an den Texten bleiben dabei bei den Autoren. euryclia agiert für die Autoren als Dienstleister und erbringt im Falle des Universalcodes vor allem drei Leistungen:

- euryclia kalkuliert für die Autoren, wieviele vorbestellte Exemplare ein Buchprojekt (bei jeweiliger Ausstattung, Auflage, usw.) braucht, um kostendeckend umgesetzt werden zu können, und bietet über das Subskriptionsmodell eine Möglichkeit, das tatsächliche Interesse der Leser abzuschätzen, so dass finanzielle Risiken weitestgehend ausgeschlossen, zumindest aber berechenbar werden. In jedem Falle schafft dieses Modell für die Autoren ein wirtschaftlich solides Fundament und Planungssicherheit, damit sie bei allem Engagement, das sie in den Univeralcode stecken, nicht noch auf Kosten sitzen bleiben.

- Gleichzeitig übernimmt euryclia für die Autoren “verlagsähnliche” Leistungen wie die Durchführung der Buchproduktion, die Bereitstellung der ISBN, die Organisation des Vertriebs, usw.

- Und zum dritten – was im Falle des Universalcodes ganz wesentlich ist – unterstützt und begleitet euryclia die Autoren in ihrer Rolle des Network-Organizers mit Konzepten und Hilfsmitteln (wie z.B. dem Widget, das die Möglichkeit bietet, den Universalcode im Netz zu verbreiten und ein Netzwerk assoziierter Blogs und Websites für den Universalcode zu etablieren: eine vernetzte, aktive Community, die weit über ein bloßes “Buch”projekt hinausgeht).

All dies zeigt: euryclia ist kein Verlag im klassischen Sinne! Der Begriff “Verlag” ist sogar, wie ich finde, sehr irreführend. euryclia ist Enabler, nicht Rechteverwerter. Gedanklich ist euryclia aus der Beobachtung entstanden, dass die Buchbranche derzeit (und in den nächsten Jahren noch mehr) ein Experimentierfeld für neue Konzepte und Denkansätze ist. Mit der Gründung von euryclia in 2010 sollte genau dies aufgegriffen und in neue Möglichkeiten für Buchprojekte umgesetzt werden – und zwar für genau solche Buchprojekte wie den Universalcode, die nicht nur jederzeit auch in einem klassischen Verlag unterkommen könnten, sondern tatsächlich über das Spektrum klassischer Verlage hinaus bereits neue Wege gehen oder gehen wollen.

Was bedeutet das nun für den Universalcode, für Christian Jakubetz und die anderen Autoren und für Sie als Zielgruppe und Leser?

Das Buchprojekt ist bisher sehr stark für und mit der Zielgruppe entstanden. So kann, muss und wird es weitergehen! Die Leser bleiben eng ins Projekt eingebunden: über das Widget, durch das die Entwicklung und das Wachsen des Buches mitverfolgt werden kann. Über die Vorbestellungen des Buches, um so die wirtschaftliche Grundlage für den Universalcode zu schaffen. Über das Einbinden des Widgets in den eigenen Blog, um den Universalcode weiter bekannt zu machen und um aus einem Buchprojekt mehr zu machen als nur ein Buch, nämlich eine ganze Community von Leuten, die sich für ein Thema interessieren und es gemeinsam weiterentwickeln. Und über die Gelegenheit zusammen mit den Autoren das Erscheinen des Buches mit einer Party zu feiern, weil man es tatsächlich gemeinsam auf den Weg gebracht hat. Für die Autoren bedeutet das “Modell Euryclia”, Entscheidungsfreiheit wie sie das Projekt inhaltlich, aber auch hinsichtlich der Formate weiterentwickeln. Die Einnahmen kommen außerdem in einem viel höheren Maße tatsächlich den Autoren zu Gute, so dass deren geistige Leistung deutlich höher als in klassischen Verlagsmodellen belohnt wird. Da im Buchprojekt alle Autoren auf ihr Honorar verzichten, kann dieses Geld für die Weiterentwicklung des Projektes (z.B. in Richtung Plattform) und damit zum Nutzen der Community verwendet werden. Und dann zur wichtigsten Frage: Was bringt es für den Leser? Einen kleinen, aber feinen Unterschied! Er ist und bleibt im “Modell Euryclia” mit seinen Anforderungen und Vorstellungen in das “Buch”projekt eingebunden. Er wird gehört, kann tatsächlich aktiv teilnehmen und sich einbringen. Das ist eine erhebliche Aufwertung des Lesers und führt – denkt man es konsequent zu Ende – im Idealfall dazu, dass diese klassische Trennung “da sind die Autoren, die machen ein Buch” und auf der anderen Seite “sind die Leser, die kaufen es dann” so nicht mehr gilt. Diese Trennung wird aufgehoben in einer Community von Leuten, die zusammen ein Thema inhaltlich und in verschiedenen Formaten weiterentwickeln. Dass sich das am Anfang vielleicht noch komisch anfühlt, mag sein. Aber ich bin zuversichtlich, dass die Leser des Universalcodes mit die ersten sein werden, die sich in “Leser 3.0″ verwandeln.

Von diesem außerordentlichen Projekt und ungewöhnlichen Weg zum Buch (und mehr) werde ich zusammen mit Christian Jakubetz auch auf der Buchmesse in Leipzig erzählen und davon wie es ist, wenn Journalisten und Leser zusammen ein Buch feiern. Vielleicht wird der ein oder andere Verlag unter den Zuhörern sein, um mehr über diese erstaunliche Geschichte zu erfahren!

Auf alle Fälle sind Sie herzlich eingeladen, es sich anzuhören und mit uns zu diskutieren: 19.03.2011 um 15 Uhr im Congress Center Leipzig – Mehrzweckfläche 4 unter dem Titel “Journalismus in digitalen Zeiten – wenn Journalisten und Blogger gemeinsam ein Buch feiern”.

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Am besten die Zukunft verbieten

17. Februar 2011 - 8:54 Uhr

Kaum ein Tag momentan, an dem nicht irgendwelche Mitteilungen im Ton der Entrüstung in der Mailbox landen: Die Printbranche fühlt sich mal wieder massiv misshandelt und zurückgesetzt und will am liebsten die Zukunft verbieten. Die Zeitungsverleger fordern den “freien Zugang” zum iPad und der VDZ will wenigstens “Gleichberechtigung” bei den Geschäften mit Apple. Man ist bekanntermaßen ein wenig säuerlich angesichts der Tatsache, dass der Riese Apple die Konditionen diktiert, die in (immer noch) seinem Store gelten. Diese Konditionen sind zugegeben rigoros, aber man hat eine Alternative. Man muss sie nicht akzeptieren. Niemand zwingt irgendjemanden dazu, Geschäfte mit Apple zu machen.

Auf der anderen Seite sind es gerade die Verlage, die sich bei ihren eigenen Interessen und Geschäftsmodellen an Rigorosität kaum mehr überbieten lassen. Sie fordern nicht sehr viel weniger, als dass de facto jede Minimalleistung im Netz honoriert wird, dass niemand, vor allem das böse Google nicht, Geschäfte mit den verlagseigenen Inhalten macht.  De facto fordern sie: Geschäfte und Nutzungen mit unseren Inhalten werden nur zu unseren Konditionen gemacht. Dazu soll sogar eine gesetzliche Regelung durchgedrückt werden, nur um ein bisher bewährtes Geschäftsmodell staatlich zu reglementieren. Dass, nebenher bemerkt, auch der DJV die Verlage in dieser merkwürdigen Haltung unterstützt, macht die Sache nicht sehr viel besser.

Der Widerspruch sollte dabei doch offensichtlich sein. Man fordert auf der einen Seite Unternehmen auf, ihr Geschäftsmodell so anzupassen, dass es den Interessen der Verlage entgegenkommt. Und man will auf der anderen Seite gesetzlich reglementiert haben, dass das eigene Geschäftsmodell auf gar keinen Fall aufgebohrt wird, dass alle Inhalte zu jeder Zeit immer unter Kontrolle der Verleger bleiben und jede andere Nutzung kostenpflichtig wird. Kurz: Man beharrt darauf, dass es ja schließlich die eigene Leistung ist, die man erbringt und vergütet haben will — während man dies gleichzeitig beispielsweise Apple das nicht zugestehen will und jenen grotesken “freien Zugang” fordert.

Beim Verhältnis der Verlage zum Netzhandelt es sich immer noch um ein Missverständnis. Ihre stark geschrumpfte Rolle, ihre Funktion als einer von vielen ist ihnen immer noch nicht klar. Stattdessen meinen sie, es gehe alles weiter wie bisher, nur digitaler. Nicht mal mehr ein böses Erwachen kann man einem Teil von ihnen prophezeien. Weil es gar kein Erwachen mehr geben wird.

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Ein Buch – das Update (36): Modell Euryclia – und warum wir Hilfe brauchen

16. Februar 2011 - 15:08 Uhr

Einer der Sätze, die ich in letzter Zeit am meisten gehört habe: Ich freu mich, wenn euer Buch rauskommt. Wenn´s rauskommt, werde ich es auch bestimmt kaufen/bestellen. Das freut mich zwar immer sehr, offenbart aber auch ein kleines Missverständnis, was das Modell unseres Verlags “Euryclia” angeht. Deswegen nochmal ein paar Sätze, wie Euryclia funtkioniert — und warum es für uns und dieses Model wichtig ist, dass möglichst viele Bücher vorher bestellt werden.

Zunächst nochmal vorweg: Euryclia ist kein “normaler” Verlag, der irgendwann mit einem Autor einen Vertrag abschließt und dessen Buch dann erst verlegt, druckt und dann verkauft. In einem solchen Modell übernimmt ausschließlich der Verlag das wirtschaftliche Risiko. Naja, zumindest beinahe. Weil Autoren ja auch (wenngleich meistens minimal) am Verkaufspreis beteiligt sind, ist es natürlich auch das Interesse des Autors, dass sich das Buch auch verkauft. Selbst wenn jedem Autor klar sein sollte, dass Bücher schreiben nichts zum Geld verdienen ist, wenn man nicht gerade in den Bestseller-Listen auftaucht. Also, nur so als kleiner Tipp, falls Sie sich selbst mal mit dem Gedanken tragen, ein Buch zu veröffentlichen.

Wie funktioniert Euryclia dann? Der Claim des Verlags sagt es eigentlich schon aus: DU entscheidest, was Buch wird. Euryclia ist auch kein Print-on-demand-Unternehmen, das Kleinstauflagen herausbringt. Soll heißen: Für das Erscheinen eines Buchs sind 1000 Vorbestellungen nötig, ein Buch wird also quasi (wie in unserem Fall) von einer Community gemeinsam getrieben. Es gibt keine zeitliche Beschränkung für diese 1000 Vorbestellungen. Aber natürlich kann man sich eines leicht vorstellen: Wenn man es nicht innerhalb einer bestimmten Zeit schafft, ein gewisses Interesse für ein Buch herzustellen, dann schafft man es nie. In unserem Fall gilt das auch in anderer Hinsicht: Unser Buch wäre in zwei, drei Jahren einfach nicht mehr auf einem Stand, der es noch interessant machen würde.

Momentan stehen wir nach rund vier Wochen, seit es bestellbar ist, bei 266 Vorbestellungen. Das ist nach so kurzer Zeit für ein Fachbuch eine ziemlich erfreuliche Zahl. Aber von den 1000, die wir gerne hätte und bräuchten, sind wir natürlich noch ein Stückchen entfernt. Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Ich sehe das Erscheinen des Buchs nicht gefährdet und bin nach wie vor sehr zuversichtlich. Aber es wäre für uns natürlich weitaus besser, wenn wir möglichst viele Vorbestellungen haben, anstatt zu warten, bis das Buch erscheint.

Und auch das bin ich in letzter Zeit von vielen Vorbestellern gefragt worden: Muss ich das Buch jetzt schon bezahlen – und wenn ja, an wen? Deswegen nochmal kurz zur Klärung: Natürlich muss niemand, der das Buch vorbestellt, schon jetzt irgendwas bezahlen. Es geht NICHT darum, dass wir das Buch quasi durch die Bestellungen vorfinanzieren wollen. Es geht lediglich um Planungssicherheit, nicht darum, Geld einzunehmen, das wir dann für die Produktion verwenden. Wenn Sie also vorbestellen, gehen Sie keinerlei Riskiko ein.

Wo bestellen? Ganz einfach: Entweder direkt bei mir (cjakubetz ät gmail dot com) oder über unser Widget. Im Widget finden Sie auch fortlaufend aktualisierte Leseproben. Wir wollen ja schließlich nicht, dass Sie die Katze im Sack vorbestellen. Das Widget können Sie zudem in Ihre eigenen Blogs bzw. Webseiten einbauen. Wie? Ganz einfach: Im Widget finden Sie einen “embedding code”, so wie bspw. auch bei den YouTube-Videos. Kopieren, einbauen, das war´s.

In jedem Fall: Besten Dank an alle, die schon vorbestellt haben — und natürlich auch an alle, die es demnächst tun!

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“Befremdliche Diskussion in Medien-Deutschland”

15. Februar 2011 - 10:59 Uhr

Es ist eine befremdliche Diskussion, mit der sich Medien-Deutschland seit Anfang 2009 beschäftigt. Angetrieben von den Grossen der Branche, fordern die Presseverlage ein eigenes Leistungsschutzrecht. Was sie genau darunter verstehen, bleibt bis heute weitgehend im Dunkeln.

Es ist interessanterweise ein (ausländischer) Verlag, der das schreibt. Die NZZ über eine sehr deutsche und irgendwie kuriose Debatte.

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Was so vage übrig bleibt

14. Februar 2011 - 22:10 Uhr

Kein Tag, an dem man nicht irgendwas lernt. Heute gelernt: Es gibt einen Bundesverband der Medientrainer in Deutschland. Und er verschickt sogar Pressemitteilungen. Wie die dort an meine Mailadresse gekommen sind, keine Ahnung. Aber weil ich ja mit etwas gutem Willen auch als Medientrainer durchgehen könnte und außerdem neugierig bin — Pressemitteilung aufgemacht, gelesen, festgestellt: Wenn jemand etwas dazu sagen darf, dann die Medientrainer.

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Pressemitteilung
Köln, 14. Februar 2011
Abschied auf Raten?
Gottschalks Ankündigung, nicht mehr „Wetten Dass“ zu moderieren
Er ist der letzte, der uns um das elektronische Lagerfeuer zusammenbringt. Bei „Wetten Dass“ sind wir die große Gemeinschaft, sind wir eine Nation, wissen, dass Nachbarn, Freun-de und Kollegen jetzt ebenso zusehen wie wir. Damit soll nun Schluss sein.
Den Medienauftritt eines Profis wie Gottschalk zu bewerten? Das steht wohl niemandem an, auch nicht dem Bundesverband der Medientrainer. Aber ein paar Gedanken – und zwei Fragen sollten erlaubt sein.
Natürlich, ein souveräner Auftritt. Die Worte klug gewählt, sympathisch und einfühlsam. Na-türlich geht es zunächst um den verunglückten Samuel Koch. Dann, ganz sanft, macht Gottschalk klar, dass es gleich große Worte geben wird. Und einen großen Moment.
„Die große Mallorca-Show mache ich noch. Und auch noch die drei 30-Jahre-Wetten-Dass-Shows. Aber danach ist Schluss.“
Schweigen. Betretenes Schweigen. Wie auch sonst hätten die Zuschauer reagieren sollen? Ein Rücktritt in flapsiger Art, mal so eben nebenbei, hätte Reaktionen hervorgerufen: solidari-sches Gestöhne, Pfiffe, Zwischenrufe. Aber dazu war der jetzige zu Moment zu offiziell, zu pathetisch, zu seriös. Doch genau das musste er auch sein. Denn ein Abschied von Wetten Dass fällt auch einem Sonnyboy wie Gottschalk nicht leicht. Und es ist dann auch durchaus legitim, das Publikum dieses auch spüren zu lassen – auch wenn ein leichtes Unbehagen im Saal und sicherlich auch im heimischen Wohnzimmer die Folge war.
Zwei Fragen bleiben:
1. Was wäre, wenn Gottschalk alles so gemacht hätte – aber nicht vor, sondern nach der Show? Hätten wir einen schöneren, unbeschwerteren Abend gehabt? Er hätte die Show einleiten können mit den Gerüchten, die es über ihn und Wetten Dass seit einigen Tagen gibt und dann verweisen können, dass er am Ende der Show dazu etwas sagen wird.
2. Warum hat Michelle Hunziker die klare Rücktritts-Aussage wieder in Frage gestellt mit ihrem Satz: „Und vielleicht schaffe ich es ja, dass du deine Entscheidung noch einmal über-denkst.“? Haben wir also umsonst getrauert, gibt es doch noch Hoffnung, ist das ein Ab-schied auf Raten? Und weil genau das jetzt unsere Wahrnehmung ist, wird Gottschalk dem-nächst noch einmal seinen Abschied bekannt geben müssen.
Geplant war das mit Sicherheit nicht.

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Ein Buch – das Update (35): Treffen, Texte, Tabellen (und Burli)

13. Februar 2011 - 11:13 Uhr

Bei jedem Projekt gibt es so Tage, an denen man mehr als an anderen das Gefühl hat: Jetzt ist wieder ein bisschen was geschafft. Am Wochenende war das bei mir so. Die ersten drei Texte fürs Buch sind lektoriert und vom jeweiligen Autor, der das Lektorieren über sich ergehen lassen musste, auch abgenommen. Deswegen gehen sie jetzt gerade an den Verlag, damit die Freunde bei Euryclia auch etwas zu tun bekommen. Unser dritter Herausgeber, Prof. Ralf Hohlfeld, beginnt in dieser Woche damit, eine (wissenschaftliche) Struktur in das Buch zu bringen, wir wollen ja schließlich keine lose und nette Aufsatzsammlung machen, sondern ein stringent aufgebautes Buch. Davon habe ich leider keinerlei Ahnung, Ralf Hohlfeld dafür umso mehr. Am 12.März wollen wir uns dann nochmal im größeren Kreis treffen — und dann, ja: Ich trau´s mich ja kaum hinzuschreiben, weil ich dem Braten irgendwie noch ein wenig misstraue, aber danach sollte dann mal langsam alles beim Verlag liegen und in Produktion gehen. Mit acht Wochen Produktionszeit werden wir allerdings wohl rechnen müssen, so dass das gute Stück dann irgendwann im Frühsommer bei Ihnen ankommen sollte. Bis dahin haben wir hier noch einen Wust von Texten, Tabellen und Treffen zu bewältigen und danach würde ich gerne einfach nur was Schönes feiern. Party!

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Um Sie noch ein wenig auf dem Laufenden zu halten bzw. neugierig zu machen und weil heute Sonntag ist und Sie vielleicht etwas Zeit zum Lesen haben — hier kommen nochmal zwei Leseproben. Die erste stammt von Marcus Bösch und behandelt das Thema “Mobile Reporting”, die zweite ist von mir und dreht sich um das Thema “Hyperlokaler Journalismus”.

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Aus: Marcus Bösch, Mobile Reporting:

Der australische Freelance-Journalist Guy Degen dreht im April 2009 für die UN in Georgien einen Videobeitrag über Minenfelder, als ihn die Redaktion von DW-TV kontaktiert. In der Hauptstadt Tiflis versammeln sich Demonstranten der Opposition, um gegen die Politik des Präsidenten Micheil Saakaschwili zu demonstrieren. Degen gibt dem englischen Fernsehprogramm der Deutschen Welle am Abend via Telefon zwei Live-Interviews vor dem Parlament. „Es war im Frühling 2009 noch viel zu früh, der Redaktion verständlich zu machen, dass ich mit genau dem gleichen Nokia N82-Telefon, das ich für die Live-Schalte benutzt habe, via Online-Dienst Qik auch live Videos ins Internet streamte“, sagt Degen heute. Er twittert als @fieldreports Informationen von vor Ort und den Link zu seinem Handy-Livestream. Seine Tweets werden weiterverbreitet, georgische Blogger berichten. Die Linkverweise tauchen zeitnah auf der internationalen Blog-Plattform Global Voices auf. Degen gelingt mit einem handelsüblichen Smartphone, woran viele Redaktionen scheitern: Exklusive Live-Bilder aus Georgien – weltweit und unmittelbar verfügbar auf jedem stationären Computer und jedem mobilen Endgerät mit Internetzugang.

Anfang 2011 gibt es weltweit mehr als fünf Milliarden Mobilfunkanschlüsse. Das Marktforschungsunternehmen Gartner prognostiziert, dass mobile Endgeräte den klassischen PC bereits 2013 als meist verbreitetes Gerät für den Zugriff auf das Internet überholen werden. Moderne Mobiltelefone mit Internetzugang werden nicht nur ein zentraler Dreh- und Angelpunkt beim Konsum, sondern auch bei der Produktion medialer Inhalte sein. Denn sie sind klein, direkt verfügbar und technisch in der Lage, sendefertiges Audio- und Videomaterial zu produzieren.

Wenige Monate nach Degens „Mobile Reporting“-Erfahrungen in Georgien sendet der amerikanische Fernsehsender WFOR, der zur Sendergruppe CBS4 gehört, den ersten komplett auf einem „iPhone 3GS“ gefilmten Beitrag in einer Fernseh-Nachrichtensendung . Reporter und Producer Giovani Benitez hatte den Verkaufsstart des neuen iPhones, das seit der dritten Generation im Sommer 2009 über eine Videofunktion verfügt, passenderweise genau auf so einem Gerät gefilmt. Begeisterte E-Mails an den Sender und Debatten über zukünftige Einsatzmöglichkeiten im Netz sind die Folge. Der erste komplett auf einem Smartphone gefilmte Fernsehbeitrag wird von nachkommenden Generationen wahrscheinlich ebenso mit einem Schulterzucken quittiert werden, wie die offizielle Geburtsstunde des mobilen Journalismus.

Die datiert der australische Journalismus-Dozent Stephen Quinn auf den 17. Februar 2004. An diesem Tag veröffentlicht die New York Times erstmalig ein Foto, das mit der Kamera eines Mobiltelefons aufgenommen wurde. Im gleichen Jahr beginnt die Markteinführung des UMTS-Netzes in Deutschland, das das langsamere GSM-Netz ablöst und dank Übertragungsraten von theoretisch bis zu 2Mbit pro Sekunde auch komplett ruckelfreies Videoclip-Abspielen auf dem mobilen Endgerät ermöglicht. Ebenfalls im Jahr 2004 kommt mit dem Sharp GX30 das erste Megapixel-Handy auf den europäischen Markt. Es wird allerdings noch zwei Jahre dauern bevor der Begriff „Mobile Journalism“ auf einer Konferenz der Online News Association im Oktober 2006 erstmals in Fachkreisen diskutiert wird. (…)

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Christian Jakubetz, Hyperlokaler Journalismus:

Bisher haben wir im Lokalen mehr oder minder die selben Maßstäbe für eine Veröffentlichung angelegt wie die Kollegen in den Mantelredaktionen, haben nach Größe, Relevanz und Bedeutung entschieden. Was aber, wenn man diese Maßstäbe in einem hyperlokalen, digitalen Journalismus nur noch sehr eingeschränkt anlegen kann? Der Widerspruch liegt ja bereits im Namen: Hyperlokal und Relevanz für eine größere Menschenmenge, das schließt sich aus. Relevanz wird in hyperlokalen Maßstäben ein sehr relativer Begriff.

Hyperlokaler Journalismus wird also in der Praxis vermutlich noch sehr viel mehr als bisher bedeuten, dass Journalisten Informationsströme organisieren, sie lokalisieren und ggf. auch moderieren. Die Rolle des Hyperlokaljournalisten wird also vermutlich viel weniger als bisher mit der Rolle desjenigen zu tun haben, der Inhalte selber produziert und als „Gatekeeper“ der Information darüber entscheidet, was sein Publikum zu lesen bekommt. Und vor allem auch, was nicht.

Dass dies funktionieren kann, zeigt das Beispiel „Fußball Passau“. Gegründet vom damals 18jährigen Michael Wagner, warf das Portal so ziemlich alles über Bord, was man vermeintlich für funktionierenden Journalismus benötigt. Wagner ließ die Vereinsschreiber und freien Mitarbeiter weitgehend ungehindert schreiben, so dass sich auf „FuPa“ auch über C-Klassen-Spiele ausführliche Berichte und eine ganze Menge Fotos finden. Dieser hyperlokale Journalismus wird also auch Züge eines Wikis zeigen, auch wenn die Definition eines Wikis letztendlich eine andere ist. Gemeinsam ist beiden allerdings, dass es die Nutzer sind, die für den Großteil der Inhalte sorgen.

Das Beispiel des Passauer Fußballportals ist bezeichnend für die Entwicklung, die der hyperlokale Journalismus nimmt und noch nehmen wird. Würde man die normalen Maßstäbe von Relevanz, Größe und Informationsgehalt anlegen, niemand dürfte über ein C-Klassen-Spiel wesentlich mehr vermelden als das nackte Ergebnis, die Torschützen und die neue Tabelle. Niemand, nicht einmal die Beteiligten selbst, würden ernsthaft behaupten, dass ein Spiel in der C-Klasse von solcher Bedeutung und solchem sportlichem Wert wäre, als dass man darüber als Journalist ernsthaft berichten und analysieren müsste. In einer hyperlokale Welt hingegen hat das Spiel von Dorf A gegen Dorf B ausgesprochen hohe Relevanz, möglicherweise ist dieses Spiel für Dorf A und Dorf B mindestens genauso wichtig und spannend wie ein Länderspiel. Das wiederum ist zwar zum einen nachvollziehbar, würde aber zum anderen Journalisten vor ein unlösbares Problem stellen. Erstens gibt es schon rein zahlenmäßig gar nicht so viele, dass tatsächlich jedes C-Klassen-Spiel und jedes kleine Vereinsfest von uns abgedeckt werden könnte. Zweitens müssten sich Journalisten auf dieser Ebene eine Lokalkompetenz aneignen, die kaum zu bekommen ist, weil sie ansonsten dann – drittens – sich auf einen so kleinen Markt spezialisieren müssten, dass sie ökonomisch kaum überlebensfähig wären. Kurz gesagt: Selbst wenn wir wollten, hyperlokaler Journalismus wird zu einem großen Teil ohne den professionellen Journalisten auskommen müssen, zumindest dann, wenn es um seine Rolle als aktiver Inhalteproduzent geht. Damit fahren die meisten der bisher existierenden Hyperlokal-Projekte im Übrigen auch gar nicht schlecht. Die meisten dieser Seiten haben andere Probleme zu beklagen als das Fehlen von Redakteuren mit 20 Jahren Berufserfahrung. Was bedeutet das für uns als Journalisten? Zunächst einmal, dass wir deshalb nicht überflüssig werden. Sondern lediglich, dass sich unsere Rolle und unser Selbstverständnis im hyperlokalen Bereich ändern wird. (…)

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Bekanntlich darf ich mir ja noch solchen halbhistorischen Momenten immer was für unsere Party wünschen. Heute fällt die Auswahl sehr leicht. Erstens brauchen wir ja eine Reminiszenz an unsere österreichischen Autoren und an Österreich als solches — und zum anderen: Wir Älteren haben wir uns ja jetzt 25 Jahre gefragt, was eigentlich aus Burli und Amalia geworden ist. Burli ist gewachsen, Amalia auch.

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Da-dam-da-dam-da-daaaa-daaa

12. Februar 2011 - 10:11 Uhr

Jedes andere Lebensmodell, ob Selbstständigkeit, Elternzeit oder auch Arbeitslosigkeit, kommt in der Welt von Bayern 3 nicht vor. Und die Moderatoren lassen keinen Zweifel daran, dass es eine entfremdete, von den Hörern zutiefst verachtete Arbeit ist, die verrichtet werden muss, während das Radio läuft. Sie selbst feiern ihre eigene Medienkarriere auf der Bayern-3-Homepage als pure Selbstverwirklichung, als die Erfüllung eines seit Schulzeiten gehegten Lebenstraums. Doch für die Hörer gilt genau das Gegenteil. Ins Büro gehen heißt für sie: sich jeden Morgen überwinden müssen und ab dem Mittagessen den Feierabend herbeisehnen.

Es sind ja nicht nur die immer gleiche Musik, der dröge Mix aus der besten Musik, dem besten Wetter, dem besten Verkehr und die ewig gleich flachen Moderatorenwitzchen, die diese Popwellen so schwer aushaltbar machen.  Andreas Bernard beschreibt im SZ-Magazin vielmehr, warum Sender wie beispielsweise Bayern 3 gemacht sind für Menschen mit Doppelhaushälfte und VW Golf vor der Garage. Grandiose Geschichte!

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Man wird doch wohl noch sagen dürfen, was nicht sein darf

11. Februar 2011 - 16:24 Uhr

Vielleicht ist es ganz gut, an dieser Stelle mal ein paar Bagatellen festzuhalten: Apple ist ein Privatunternehmen. Apple arbeitet ausschließlich für seine eigene Tasche und seine eigenen Interessen.  Apple ist keine öffentlich-rechtliche Institution und hat dem Wohl anderer gegenüber keinerlei Verpflichtungen. Nicht mal gegenüber den Zeitungsverlagen in einem aus Apple-Sicht mittelgroßen Land irgendwo in Europa.

Irgendwie scheint man diese Bagatelle aber bei den Zeitungsveragen in Deutschland verdrängt zu haben. Die Verlage fordern nämlich jetzt nichts weniger als den “freien Zugang” zum iPad, was man aus ihrer Sicht zwar irgendwie verstehen kann, dennoch aber ein putziger Gedanke ist. Umgekehrt gäbe es wahrscheinlich einen Aufschrei der Entrüstung, wenn irgendwelche Unternehmen freien Zugang zu den Zeitungen verlangen würden, mit dem durchaus treffenden Hinweis, dass speziell die Tageszeitungen in Deutschland eine regulierende und meinungsbildende Funktion haben und zudem vielerorts in Quasi-Monpolstellungen existieren.

Natürlich ist die Lage jetzt nicht so schön, wenn man das aus Sicht der Verlage betrachtet. Tatsächlich hat sich mit Apple ein Gigant zwischen sie und die Leser geschoben; ein Gigant, der die Bedingungen beinahe nach Belieben diktieren kann und der es ungewollt ulkig aussehen lässt, wenn sich Verbände, Verlage und Funktionäre beschweren, dass man so unter Geschäftspartnern nicht umgehe. Das mag schon so sein, aber vermutlich werden sie sich bei Apple denken, dass das nur unter Partnern auf Augenhöhe gilt — und dass ein paar Verlage in good old Germany, nun ja, ganz nett, für das Fortbestehen von iTunes aber nicht essentiell sind. Man fragt sich also, was das Gemaule soll, nicht nur, weil es merkwürdig ist, jemandem vorschreiben zu wollen, welche Geschäftsbedingungen er wählt. Sondern auch, weil es zum einen sinnlos ist und zum anderen: Wie schon seit vielen Jahren wirken viele Verlage wie Getriebene einer Entwicklung, aber keineswegs wie echte Akteure.

Ein schönes Beleg dafür: Es wird viel darüber gesprochen, was aus Sicht der Verlage alles nicht sein darf. Es darf nicht sein, dass Apple so mit uns umgeht. Es darf nicht sein, dass es eine öffentlich-rechtliche Presse gibt. Es darf nicht sein, dass wir von Google gefunden (und ausgebeutet werden). Unabhängig davon, wie man zu den einzelnen Positionen steht, es ist dann doch erstaunlich, wie defensiv die Verlage und Verbände agueren und argumentieren. “Es darf nicht sein”, das ist in etwa vergleichbar mit dem Westerwelle-Generalargument “Man wird doch noch sagen dürfen…”.

Gerne wüsste man also demnach, was alles sein darf und sein soll. Was man  vermisst: kreative Ansätze, Eigeninitiative, Alternativen. Es fällt ziemlich schwer,  dem ewigen Lamento noch zuzuhören, zumal wenn man sieht, was häufig herauskommt, wenn Verlage durch die digitale Welt stolpern. Der Widerwille und das Unverständnis sind unübersehbar. Solange das so ist, bleibt die Neigung, dem ewigen “Das darf aber nicht sein” auch nur im Ansatz zuzuhören, eher gering.

Bei Apple werden sie das übrigens ähnlich sehen. Und das wird man doch wohl noch sagen dürfen.

7 Kommentare » | NUR SO DAHINGESAGT

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