Archiv für April 2011


Ein Buch – das Update (46): Prantl und die Zukunft des Journalismus

30. April 2011 - 8:18 Uhr
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Liebe künftige Leser des “Universalcodes”, bedauerlicherweise fehlt in unseren beiden Kapiteln zum Thema “Video” etwas. Eine wichtiger praktischer Tipp. Nämlich der, immer Ihre Akkus aufzuladen. Das Video, dass wir mit mir vor der Kamera gedreht haben, endet nicht deshalb so ruckartig, weil mir nix mmehr einfiel, sondern weil tatsächlich die Akkus alle waren und ein Ladegerät auch nicht in Sicht war. Nehmen Sie es also als Anschauungsunterricht, wie man es nicht macht. Für ca. 20 Sekunden hat es noch gereicht.

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Schon geklickt für den Endspurt zur Virenschleuder 2011? Nein? Wir sind ganz gut im Rennen, freuen uns aber nach wie vor über jeden Klick…scrollen, “Euryclia” suchen, liken. Danke!

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Sehr viel ausführlicher als meine 22 Sekunden Video-Gestammel und sehr, sehr lesenswert ist das Vorwort, dass Heribert Prantl (“Süddeutsche Zeitung”) zum Buch geschrieben hat. Es ist eine sehr treffende und Lust auf Journalismus machende Zustandsbeschreibung unseres Berufs. Es ist eine wunderbare Einleitung zum Buch — und wenn ich dann noch das Schlusswort von Richard Gutjahr vor Augen hat, dann finde ich, dass “Universalcode” mit diesen beiden Texten zu Anfang und zu Ende des Buchs eine sehr schöne inhaltliche Klammer hat. Das Vorwort (in Auszügen, den vollständigen Text gibt es dann im Buch).

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Autorität kommt von Autor, und Qualität kommt von Qual

Von der Zukunft des Journalismus

 

Von Heribert Prantl

 

Ich weiß nicht, warum man sich als Zeitungsmensch vor der digitalen „Huffington Post“ oder einer anderen Netz-Zeitung fürchten soll. Die macht das, was eine gute Papier-Zeitung auch macht: ordentlichen Journalismus. Man  sollte damit aufhören, Gegensätze zu konstruieren – hie Zeitung und klassischer Journalismus, da Internet und Blog mit einem angeblich unklassischen Journalismus. Man sollte auch aufhören mit dem Gerede, dass der „klassische“ Journalismus in einem Bermuda-Dreieck verschwinde. Der gute klassische ist kein anderer Journalismus als der gute digitale Journalismus.

Die Tageszeitung muss sich, wird sich verändern, sehr viel mehr als die Konkurrenz von Rundfunk und Fernsehen sie verändert hat. Der Inhalt der Zeitung wird ein anderer sein, als man es bisher gewohnt war, aber sie wird immer noch und erst recht Zeitung sein: Und die Texte, die dort stehen, werden Nachrichten im Ursinne sein – Texte zum Sich-danach-Richten. Das gibt es nicht umsonst, das kostet. Ein Billigjournalismus ist zum Wegwerfen, nicht zum Lesen. Wenn sich eine Zeitung an Anzeigenblättern orientiert, ist sie keine Zeitung mehr, sondern eben ein Anzeigenblatt.

Wenn Zeitungshäuser klug sind, dann machen sie das Internet zu einem Appetizer für die Zeitung, denn dann weckt der Online-Journalismus den Appetit auf mehr. Aber dann muss auch der Appetizer Qualität haben, sonst kann er nicht Appetit auf mehr machen. Es wird viel davon geredet, dass Zeitungen und Internet sich ergänzen. Ich bin überzeugt davon, dass das stimmt – wenn jedes Medium seine spezifischen Stärken kennt und nutzt. Die Stärke des Internets ist seine Rasanz und die unmittelbare Kommunikation mit dem Leser. Die Stärken der Zeitung sind Reflexion, Tiefenschärfe und eine große Befriedungskraft.

Mein Optimismus zur Zukunft der Zeitung  ist keine Selbstbeschwörung. Ich muss mich nicht beschwören – ich bin fest davon überzeugt. Im übrigen: Die von professionellen Redakteuren hergestellten, journalistischen Inhalte sind ohnehin nicht gefährdet;  jedes Trägermedium ist auf sie angewiesen, ob Zeitung, Rundfunk oder Internet. Das Internet ersetzt nicht gute Redakteure, es macht sie noch notweniger als bisher. Trotzdem gibt es im Profi-Journalismus eine merkwürdige Angst vor der Bloggerei. Es wird so getan, als sei die Bloggerei eine Seuche, die via Internet übertragen wird und den professionellen Journalismus auffrisst. Das ist, mit Verlaub, Unfug. In jedem professionellen Journalisten steckt ein Blogger. Der Blog des professionellen Journalisten heißt Frankfurter Allgemeine Zeitung, Süddeutsche Zeitung, Schwarzwald-Bote, WAZ,  taz oder Der Neue Tag. Der sogenannte klassische Journalist hat dort seinen Platz, und er hat ihn in der Regel deswegen, weil er klassische Fähigkeiten hat, die ihn und sein Produkt besonders auszeichnen.

Es gibt das etwas altbackene Wort “Edelfeder” für die Journalisten, die mit der Sprache besonders behände umzugehen vermögen. Der professionelle Journalist ist, wenn man bei diesem Sprachgebrauch bleiben will, eine Art Edelblogger.  Der Journalismus wird sich nicht mehr so fest wie bisher am Papier festhalten, er löst sich zum Teil davon; aber er löst sich nicht auf. Er verändert seinen Aggregatzustand, er ist nicht mehr so fest wie er es hundertfünfzig Jahre lang war, er ist schon flüssig geworden, vielleicht wird er gasförmig. Das wird ihm nicht schaden. Gase erfüllen jeden Raum. Ein Journalismus, der Angst vor solchen Veränderungen hätte, wäre ein Unglück. Ein guter Journalist ist ein Forscher, ein Entdecker, ein Erklärer – er ist ein Amundsen, er ist ein Scott. Er kann Dinge, die andere nicht können und er traut sich Dinge, die sich andere nicht trauen.

(Prof. Dr. jur. Heribert Prantl ist Mitglied der Chefredaktion der Süddeutschen Zeitung und Leiter der Redaktion Innenpolitik)

 

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Ein Buch – das Update (45): Wir wollen Virenschleuder werden!

28. April 2011 - 16:59 Uhr

Wir brauchen — mal wieder — Ihre Hilfe! Keine Sorge, die Bitte an Sie ist diesmal nicht übermäßig groß. Aber kurz bevor wir auf der Zielgeraden für “Universalcode” einbiegen, ist uns der “Virenschleuderpreis” über den Weg gelaufen, der für ungewöhnliche und innovative Marketingmaßnahmen verliehen wird.

Zwei Gründe, die für uns nicht entscheidend dafür waren, dass wir das Buch dafür eingereicht haben. Erstens: Man verdient nix daran, es geht ausschließlich um die Ehre. Zweitens hat es auch nichts mit persönlicher Eitelkeit zu tun. Den Preis würde sich niemand von uns irgendwo übers Bett tackern. Meinetwegen teilen wir ihn mit der gesamten Universalcode-Community.

Warum uns der Preis sonst interessiert? Wir haben jetzt rund ein Dreivierteljahr damit verbracht, außerhalb der konventionellen Verlagsstrukturen zu arbeiten. Wir haben keinen Euro für irgendwelche sinnlose Werbung und für teure Verlagsstrukturen ausgegeben. Trotzdem hat bisher alles wunderbar geklappt und irgendwann im Sommer haben wir das erste quasi communitygenerierte Journalismus-Buch in der Hand. Ich fände es großartig als Signal gegen das Genöle und Gejammere gerade in der Medien- und Verlagsbranche, wenn wir zeigen könnten: Hey, es geht auch ohne das ganze Gedöns.

Und dafür wäre ein solcher Marketingpreis ein tolles Ding. Können wir also noch einmal geballte Communitypower entwickeln, geht das?

Der Preis ist ein Publikumspreis. Simple Regel: Wer die meisten Like-Buttons hat, gewinnt den Preis. Bisher sind wir, hüstel, irgendwo im gehobenen Mittelfeld. Da würde ich gerne raus. Voten könnt ihr HIER! Also, einfach unter die Projektbeschreibung von Universalcode/Euryclia ein Like setzen, das war´s. Vermutlich müsst ihr etwas scrollen, bis ihr uns findet. Rubrik: Nominierungen für den Virenschleuderpreis, Kategorie “Andere”.

Die Universalcode-Truppe sagt danke und setzt auf euch!

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Analoge Notizen

27. April 2011 - 16:23 Uhr

Analog-digitaler Schreibtisch
 

Die App, die mir das Notizbuch und den Stift ersetzt, habe ich immer noch nicht gefunden. Ideen, anyone?

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Ein Berufswechsel – ohne den Beruf zu wechseln

27. April 2011 - 12:47 Uhr

Wären wir ehrlich, wir Journalisten, die jeden Tag Zeitungen und Sendungen und Onlineangebote mit mehr oder weniger viel Inhalt befüllen, wir müssten unseren verehrten Kunden das Folgende sagen: Liebe Leute, das ist nicht das, was ihr denkt. Das hier ist nicht der ultimative Überblick über das, was heute in der Welt passiert ist. Und das, was ihr hier lest und seht und hört, das ist alles mögliche, nur nicht auch nur ansatzweise objektiv. Es ist ein Ausschnitt dessen, was wir, eine verglechsweise kleine Gruppe von Leuten, heute für relevant gehalten haben. Ob alles, was hier steht, wirklich stimmt, können wir auch nicht garantieren. Aber im Rahmen dessen, was wir konnten, haben wir versucht, das Beste aus diesen eher widrigen Umständen zu machen. Wenn ihr es besser wisst, neue, relevante Informationen habt, gebt sie uns.

Das wäre also eine Form von Ehrlichkeit oder wenigstens Realismus. Anzunehmen ist allerdings auch, dass Zuschauer und Leser der alten Schule, denen man diese Mitteilung machen würde, in Scharen davon laufen würden. Weil Journalisten und die Rolle des Journalismus in diesem bisherigen Verständnis grundlegend anders wahrgenommen wurden. Journalisten waren die Überbringer von Information und Wahrheit, was in der Tagesschau kam, stimmte immer und was in der Zeitung stand meistens auch. Daran gab es nicht viel zu zweifeln, Journalisten musste man nicht mögen, aber sie waren, wenn man so will, eine Autorität. Dass auch eine Autorität irren kann, ist im Weltbild von nicht ganz wenigen Menschen nicht vorgesehen. Der Journalist war bisher also eine Art Zwischenhändler, der Mittler zwischen denen, die etwas mitzuteilen hatten und denen, die Infomationen wollten.

Zumindest letzteres wird er in einer Welt der sozialen Netze immer weniger. Als vergangene Woche Manuel Neuer bekannt gab, was man irgendwie schon ahnte, da brauchte er als ersten Kanal nicht mehr die gute alte Pressekonferenz und Heerscharen von Journalisten. Er brauchte seine Facebook-Seite und einen kurzen Eintrag, dass er bei Schalke nicht mehr verlängern werde. Das war alles. Und das ist im Übrigen ein schöner Beleg dafür, wie schwer sich Journalisten immer noch tun, dieses restlos veränderte Berufsbild in einer digitalen Welt zu verstehen und zu akzeptieren. Auf der einen Seite entstehen Großnachrichten wie der Neuer-Wechsel mal eben im Netz und unter Auslassung des klassischen journalistisch-medialen Wegs. Und auf der anderen Seite haben wir Hauptstadtjournalisten, die nachfragen, ob dieses Twiter überhaupt sicher ist. Wo es doch immer wir waren, die Informationen weitergegeben und gefiltert haben. (Die Redaktion, die es geschafft hätte, irgendwie mit 16.000 Kommentaren umzugehen, hätte ich übrigens auch noch gerne gesehen).

Aber wie schon gesagt: Dieser Aufgabe konnten Journalist ja schon immer nur eingeschränkt nachkommen. Man hat diese Idee von Journalismus und gesellschaftlicher Kommunikation nicht deswegen akzeptiert, weil sie perfekt war. Sondern deswegen, weil es kein besseres gab. Einer der vielen Aspekte der Digitalisierung ist allerdings, dass es jetzt ein besseres Modell für Medien und Journalismus gibt. Es wäre ja auch absurd, würde man in einem Zeitalter, in dem es ein Vielfaches an Quellen und an Information gibt, es als Privileg und Hauptaufgabe von Journalisten betrachten, dass sie aus vergleichsweise wenigen Quellen einen kleinen Ausschnitt des Geschehens irgendwo auf der Welt abbilden.

Ist Journalismus (wie ja manchmal prognostiziert wird) deswegen überflüssig? Natürlich nicht, wenn er das Eingeständnis, dass er bisher eben nur sehr unperfekt abbilden konnte, was wirklich ist, ernst nehmen würde. Denn das würde eine Chance zur Veränderung und zur Neuorientierung geben. Journalisten als Moderatoren und als Kuratoren, als Sammler von Information und Informationsquellen zugleich. Journalisten aber auch als Analysten und Kommentatoren, als Echtzeitbegleiter des Nutzers durch den digitalen Dschungel. Als Begleiter, die dem Nutzer auf Augenhöhe begegnen und bereit sind, dessen Wissen und Können anzunehmen.

Ja, das wäre was. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass Journalisten in absehbarer Zeit so arbeiten, wie es der oben beschriebene Disclaimer naheliegen würde — die ist in etwa so hoch wie die Wahrscheinlichkeit, dass eine Zeitung mit einem solchen Hinweis auf der Titelseite erscheinen wird. Noch diskutieren wir lieber darüber, ob dieses Twitter wirklich sicher ist.

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Dahinter steckt manchmal auch ein dummer Kopf

23. April 2011 - 17:03 Uhr

Kleiner Nachtrag zur FAZ-App-Kritik: Einer der größten Merkwürdigkeiten mit diesem ganzen komischen digitalen Zeugs ist ja, dass es anscheinend immer noch Menschen gibt, die glauben, da gehe es nicht so genau. Die FAZ jedenfalls wäre ein heißer Kandidat für das erste Unternehmen, bei dem eine 404-Meldung auf dem iPad Renaissance feiert.

Verzichtet hatten die klugen Köpfe aus Frankfurt ja ohnehin schon auf sämtliche Verbindungen in die digitale Welt. Dafür sollte es die jeweils aktuelle Ausgabe jeweils schon am Vorabend um 21.30 Uhr geben. Gestern abend 21.30 Uhr die Meldung vom iPad: Der Kiosk ist leider nicht erreichbar. Bitte versuchen Sie es später wieder. Gestern abend 23 Uhr: Der Kiosk ist leider nicht erreichbar. Bitte versuchen Sie es später wieder.

Heute dann: Der Kiosk ist zwar wieder erreichbar und tat auch kund, man befinde sich noch in der kostenlosen Probephase. Beim Donwload(versuch) dann der Hinweis: Möchten Sie wirklich die Einzelausgabe für 1,59 Euro kaufen? Das wunderte mich zwar, aber weil ich ja vorbildlicher Mediennutzer bin und gerne die Samstags-FAZ gehabt hätte: Ja, ich will. Danach die Meldung: Download erfolgreich, aber beim Kauf ist ein Fehler aufgetreten. Also gut, dann nochmal. Und nochmal. Und nochmal. Und nochmal.

 

Konsequenz: sechs Downloadversuche, kein einziger erfolgreich, dafür aber mein iTunes-Konto belastet mit 6×1,59 Euro. Knapp 10 Euro dafür, dass die FAZ ein offenbar eher unausgereiftes Produkt auf den Markt bringt.

Und ich kam mir gerade vor wie ein Dummkopf, der hinter seiner nicht vorhandenen FAZ steckt.

PS: Nachtrag 24.4.: Immerhin habe ich jetzt eine FAZ. Ich habe sie sehr gründlich gelesen. Es war immerhin die teuerste Zeitung meines Lebens.

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Da sitzen die, die schon immer da sitzen

22. April 2011 - 8:57 Uhr

Ab und an interessiert es mich ja doch noch sehr, was eigentlich der “Dingolfinger Anzeiger” macht. Das ist vermutlich nichts Ungewöhnliches, weil man ja vermutlich immer gerne weiß, was bei denen los ist, bei denen man seine ersten beruflichen Schritte gemacht hat. Das hat so ein bisschen was von Klassentreffen: Man will ja deswegen nicht gleich wieder in die Schule gehen, aber was aus all denen geworden ist, mit denen man sich durch Mathe und Physik gequält hat, will man ja doch wissen. Zumindest in unregelmäßigen Abständen. Im Falle des “Dingolfinger Anzeigers” gibt es für mich aber noch eine Besonderheit: Wenn man sich permanent mit so tollen Dingen wie der Medienzukunft und dem ganzen digitalen Gedöns beschäftigt, dann erdet es so wunderbar, wenn man satt hipper Blogs und noch hipperer Irgendwasnetze einfach mal nachsieht, wie so die Realitäten in der journalistischen Provinz sind. Oder anders und weniger bösartig klingend: im medialen (Zeitungs)-Alltag. Den, von dem wir immer behaupten, wie sehr er sich eigentlich verändern müsste.

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Da stehen die, die schon immer hier stehen – diesen wunderbar selbstironischen Satz habe ich mal im Eisstadion meiner Wahl als Transparent gesehen (selbstverständlich in Dingolfing). Das ist beim “Dingolfinger Anzeiger” auch nicht anders. Personell hat sich, seitdem ich vor über 20 Jahren weg bin, nicht so viel verändert. Naturgemäß an der Zeitung natürlich auch nicht, was in der Konsequenz bedeutet, dass es für einen Nostalgiker wie mich immer noch ein Traum ist, das Blatt in die Hände zu bekommen. Neumodische Entwicklungen wie beispielsweise Blockumbruch werden dort immer noch konsequent ignoriert und Trends wie den Bürgerjournalismus muss man erst gar nicht mitmachen, weil dort seit jeher der Vereinsvorstand und der CSU-Ortsvorsitzende oder mittelbegabte Hausfrauen ihre Berichte weitgehend selber schreiben und übermäßig hartes Redigieren im Normalfall auch nicht zu fürchten brauchen. Vom Internet hält man dort naturgemäß auch nicht sehr viel. Man veröffentlicht alle paar Tage mal so eine Art Leseprobe von Artikeln, immer versehen mit dem hübschen Hinweis, dass es dazu morgen in der Zeitung sehr viel mehr gibt. Es ist also alles so wie es immer war. Nur, das zwischendrin eine kleine Medienrevolution und ein bisschen Digitalisierung waren, aber das ist ja nur was für Nerds.

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Tatsächlich könnte man den “Dingolfinger Anzeiger” als ein Musterbeispiel dafür werten, dass die Revolution noch warten kann. Dass man auch überleben kann, wenn man einfach eine Lokalzeitung macht. Der “DA” hat keine Webseite, twittert nicht, ist wie selbstverständlich auch nicht bei Facebook und an Apps für Smartphone und iPad denkt kein Mensch. Warum auch? Nach allem, was man sich denken kann, ist das Potential derer, die ihre Lokalzeitung auf dem iPad lesen wollen, in einer niederbayerischen Kleinstadt auch nicht eben riesengroß. Davon abgesehen müsste es ja auch in Verlag und Redaktion für den Fall der Fälle jemand da ein, der sich mit diesem komplexen Kram schon mal beschäftigt hat. Ohne es beweisen zu können, würde ich sagen: Das ist nicht der Fall. Videos und so ein Zeugs gibt´s eh nicht, man macht ja schließlich Zeitung und nix anderes.

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Dingolfing

Liest irgendjemand künftig den “DA”, weil die Redaktion dort hübsch twittert? Oder bei Facebook rumturnt? Oder ein Blog schreibt? Vermutlich nein – und wenn mir der örtliche Verleger sagen würde, dass das in Dingolfing ja auch kein Mensch braucht, könnte ich ihm erstmal nicht widersprechen. Ich könnte ihm ja nicht mal sagen, wie er sein Blatt retten kann, wobei ich wahrscheinlich schon alleine für diesen Gedanken strafende Blicke bekommen würde: Warum soll bei einer Monopolzeitung in einer prosperierenden Kleinstadt überhaupt eine Rettung nötig sein? Vielleicht würde ich ihm raten, seine Zeitung langsam in ein hyperlokales Blog á la Heddesheim umzuwandeln und die gedruckte Zeitung zu einem langsam auslaufenden Modell zu machen. Aber das wäre schon alleine deswegen ein abseitiger Gedanke, weil dort niemand aus der Zeitung ein Dingolfing-Blog machen will. Man will nicht und letztendlich kann man auch nicht, weil diese Idee ein völlig neues Verständnis von Lokaljournalismus voraussetzen würde. Und weil sie letztendlich das Ende des gewohnten Redaktionsalltags bedeuten würde, der irgendwann morgens um 9 beginnt und abends so gegen 18 Uhr endet und inhaltlich im Wesentlichen aus der guten alten “Berichterstattung” besteht.

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Sieht man davon ab, weiß ich nicht mal, ob das funktionieren würde. Das bisherige, typische Lokalzeitungspublikum will ganz bestimmt keinen digitalen “DA”. Und das junge Publikum, das der Zukunft also? Inzwischen begegnet man sogar in Dingolfing der halben Stadt bei Facebook. Oder sonstwo im Netz. Ich habe keine Ahnung, ob man diese Generation überhaupt noch für ein althergebrachtes und letztendlich auch altbackenes publizistisches Modell noch interessieren kann. Ob diese Generation nicht einfach schon den “Dingolfinger Anzeiger” uncool findet, weil es der “Dingolfinger Anzeiger” ist. Ob also nicht, kurz gesagt, der Zug für den “DA” und viele andere Regionalblätter lange abgefahren ist, weil man viel zu lange gedacht hat, es gebe jetzt neben den konventionellen Medien eben jetzt auch dieses Internet.

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Der “DA” ist ein Quasi-Monopolblatt. Nennenswerte Konkurrenz hat er nicht. Der Stadt geht es gut, mit BMW ist ein Unternehmen vor Ort, das mhr Arbeitsplätze bietet (21.000) als die Stadt überhaupt Einwohner hat (19000). Die Einwohnerzahlen explodieren nicht gerade, aber sie steigen wenigstens langsam. Beste Voraussetzungen also für eine Lokalzeitung. Laut IVW hat der “DA” zwischen dem 1. Quartal 2010 und dem 1. Quartal 2011 rund 160 Abonnenten verloren.

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Eine kleine App-Kritik (9): Dahinter steckt ein analoger Kopf

20. April 2011 - 22:01 Uhr

Ich war selten auf eine App so gespannt wie auf die der FAZ. Und selten bin ich nach einer App mit gemischteren Gefühlen am Rechner gesessen wie nach dem ersten Durchgang mit den klugen Köpfen aus Frankfurt.

Das Positive zuerst: Die technische Umsetzung ist sauber und ansprechend, ganz anders als beispielsweise die leider ziemlich hingeschluderte App der taz. Man kann das Blatt im Orginal-Layout lesen, man kann aber auch in eigenen Text-Lese-Modus gehen. Es gibt die schöne Idee eines Merkzettels, auf dem man sich bis zu 80 Artikel aus verschiedenen Ausgaben speichern kann und es gibt eine Art Alert, den man sich einrichten kann und bei dem jede neue Ausgabe automatisch auf vorher festgelegte Schlagwörter durchsucht wird. Das alles dann auch noch zu einem Preis, der mit 1,59 Euro auch noch unterhalb dem der Printausgabe liegt.

Soweit so gut alles — bis hierhin. Leider hat die FAZ wirklich vollständig auf jegliche Verbindungen in die digitale Welt verzichtet. Kein einziger Weg führt zu FAZ.net Wirklich kein einziger. Natürlich: Man kann sich auf das Argument zurückziehen, dass es ja in erster Linie darum geht, die Zeitung zu lesen. Trotzdem Will man etwas nahchschlagen, was evtl. bei FAZ.net zum Thema stehen könnte, muss man erst die App verlassen und zum Browser wechseln. Ich glaube gar nicht, dass man aus der Tageszeitung am iPad unbedingt ein hypermediales Abenteuerland machen muss, aber auf einem hypermedialen Gerät wie dem iPad ein analoges Produkt wie eine Zeitung komplett analog anzubieten, das ist zumindest gewöhnungsbedürftig und schwer erklärbar.

Keine Ahnung, wie DIE App der Zukunft aussieht. Ein Blatt 1:1 aufs iPad bringen — das ist es in jedem Fall noch nicht.

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Was von der Zeitung übrig bleibt…

19. April 2011 - 20:42 Uhr

Was vom Baum übrig bleibt

Spricht irgendwie auch nicht für Papier.

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Eine kleine App-Kritik (8): Handelsblatt last

19. April 2011 - 20:35 Uhr

Die App des “Handelsblatts” ist eine ganze Zeit komplett an mir vorbeigegangen. Das hängt mit meinem eher mäßigen Interesse an Wirtschaftsjournalismus zusammen, aber auch damit, dass ich aus Düsseldorf nicht wirklich viel erwartet hatte. Deswegen blieb das iPad lange eine handelsblattfreie Zone. Zumal mich auch noch anderes abschreckte: Das Wunderding sollte nur zur Einführung kostenfrei sein, danach wollte man Geld dafür. So legitim ein solches Ansinnen ist, ich ertappe mich immer öfter bei dem Gedanken: Wie, kosten soll das auch noch was? (Sagen Sie mir nicht, dass das absurd ist, ich weiß es)

Nachdem dieses Ansinnen jetzt gescheitert und die App an Siemens versponsert ist, bin ich dann doch neugierig geworden. Erstmal ganz nüchtern betrachtet: Steht man dem “Handelsblatt” wohlgesonnen gegenüber, nennt man das wohl eine solide App. Man kann sie auch langweilig nennen. In einem Zeugnis für Arbeitnehmer würde wahrscheinlich stehen: Hat sich bemüht. Macht nichts falsch, aber auch nichts überragend gut. Sie ist so wie eine App eben ist, wenn man sehr aus der Zeitungsecke kommt. Man macht irgendwie eine Zeitung am Bildschirm. Viel Text, wenig Fotos. Und wenn, dann eigenartig rechts oben und außerhalb des Textes platziert.

 

Zwei Dinge muss man dann aber doch noch erwähnen — nicht, weil sie so besonders sind, sondern weil sie so gewöhnlich sind, dass sie damit stellvertretend für einiges im (Zeitungs-)Journalismus stehen. Zum einen: Man muss nur ein bisschen Videoerfahrung haben, um zu wissen: Ohne bewegtes Bild sehen Videos irgendwie komisch aus. Das “Handelsblatt” hat für sein 100-Sekunden-Format leider kein Bewegtbildmaterial. Deshalb steht dort regelmäßig eine akkurate Dame und sagt irgendwelche komischen Texte auf, während hinten ulkige Symbolfotos auf dem Screen hin-  und herfliegen. Das ist zwar Video, aber so unterhaltsam wie eine alte Folge von Aktenzeichen XY mit Eduard Zimmermann.

Was uns dann letztlich zum zweiten und wohl entscheidenden Problem führt: Wofür bezahlt man noch in einer Zeit des journalistischen Überflusses? Für mittelgut aufbereitete Nachrichten und eher komische Videos jedenfalls nicht. Das “Handelsblatt” wird wohl weiter einen Sponsor für seine App brauchen. Bei mir fliegt sogar die Gratis-Version wieder runter vom iPad.

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Ein Buch-das Update (44): Frau Langer spricht, Gutjahr bilanziert

18. April 2011 - 11:17 Uhr
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Gerade gemerkt beim betrachten der bisherigen Videos: eine etwas arg männerlastige Runde. Deswegen heute mal eine Frau — Ulrike Langer erzählt im Video, was sie zum “Universalcode” beigetragen hat. Und für die Surffreunde unter Ihnen (also: echtes Surfen, nicht im Netz) gibt es auch noch etwas Anschauungsmaterial.

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Richard Gutjahr war in den letztenMonaten u.a. folgendes: viel beschäftigt, viel unterwegs, viel gefragt. Dass er sein Schlusswort zum “Universalcode” jetzt erst abgeliefert hat, hatte allerdings nichts oder nur sehr wenig damit zu tun. Das war vielmehr der Plan. Es macht ja nur eingeschränkt Sinn, wenn man ein Schlusswort schreibt, ohne die Texte der anderen Autoren zu kennen. Ich erzähle Ihnen das deshalb, weil es auch noch etwas anderes aussagt: Wenn also Richard jetzt alle Texte gelesen und sein Schlusswort geschrieben hat, dann bedeutet das auch, dass wir uns stark dem Finale nähern. Und weil Richards Schlusswort gewohnt gut geworden ist und weil seine unfassbar vielen Fans ja auch gerne was Neues von ihm lesen — hier also schon mal der Anfang vom Ende, die ersten Passagen des Schlussworts, das Finale des “Universalcodes”. Den vollen Text gibt´s dann im Buch.  (ich kann´s selbst noch kaum glauben, dass ich das gerade hingeschrieben habe)…

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“Grab onto my arm now. Hold tight. We are going into a number of dark places, but I think I know the way.”

Stephen King

Sie haben dieses Buch bis hierher gelesen, oder zumindest quergelesen? Sie haben gelernt, wie man mit einem Smartphone Videos macht, wie man mit Daten Geschichten erzählt und wie man sich in den Sozialen Netzwerken bewegt? Herzlichen Glückwunsch. Und jetzt tun Sie mir einen Gefallen: Vergessen Sie das alles wieder! Community-Management, Crowdsourcing, Data-Mining, wer will sich denn das bitte alles merken? Kein Mensch kann parallel bloggen, twittern, filmen und ganz nebenbei auch noch einen geschliffenen Aufmacher für die Zeitung schreiben. Glauben Sie mir, ich hab’s versucht.

Wie Christian Jakubetz eingangs im Kapitel Crossmedia erwähnt hat, es geht nicht darum, dass Sie alles machen oder können müssen. So wichtig es ist, über Blogs, Soziale Netzwerke und technische Hilfsmittel Bescheid zu wissen; am Ende geht es nicht um Twitter oder Facebook, um iPhone oder iPad. Wer glaubt, dass ein Tablet-Computer die Verlagswelt retten wird, der tut mir leid.

Was wir mit dem Universal Code vermitteln wollen, ist nicht die Liebe zur Technik um ihrer selbst willen. Es geht auch nicht um den in der Web-Szene so beliebten Wettlauf um die trendigste, neueste Anwendung, das „next big thing“, das hinter jeder Ecke lauert. Es geht um die Bereitschaft, immer wieder neue Recherchemöglichkeiten und Erzählformen auszuprobieren und in seinen Workflow zu integrieren. Wer diesen Weg für sich wählt, wird schnell feststellen, dass der neu gewonnene Spaß an der Arbeit die zusätzliche Belastung, die hier auch gar nicht verschwiegen werden soll, nicht nur aufwiegt, sondern in den meisten Fällen sogar übertrifft.

Seit über zehn Jahren arbeite ich hauptberuflich als Journalist. Ich habe die Bergungsarbeiten am Ground Zero in New York mit einem Kamerateam begleitet. Ich habe eine Papstwahl, einen Gazakrieg, diverse Bundestagswahlen live gecovert. Aber noch nie zuvor habe ich mich mehr als Journalist gefühlt, als seit dem Zeitpunkt, als ich damit begonnen habe, zu bloggen und zu twittern. Wenn man wie ich jüngst beim Ausbruch einer Revolution in Kairo gewesen ist und feststellt, dass ein Smartphone genügt, um nahezu in Echtzeit, berichten und auf die Fragen seiner Leser reagieren zu können, dann möchte man nie wieder zurück ins analoge Zeitalter.

Als ich auf dem Tahrir-Platz stand und die Menschenmassen um mich herum beobachtete, fühlte ich mich unweigerlich zurück erinnert an den November 1989. Ich war damals Austauschschüler, saß in der Einöde von Wyoming und verfolgte von dort aus den Fall der Mauer live im Fernsehen. Peter Jennings und Tom Brokaw wurden rund um die Uhr aus Berlin geschaltet. Das war der Moment, als der Entschluss in mir reifte, Journalist werden zu wollen. Eines Tages mal für andere Menschen dort zu sein, wo etwas passiert, ihnen sprichwörtlich meine Augen und Ohren zu leihen, Eindrücke zu teilen. Konnte es eine größere Profession geben, eine größere Bestimmung?

Journalisten, das waren für mich Helden; Kontrolleure der Macht, Verteidiger der Wahrheit, Kämpfer für das Gute. Heute sehe ich das nüchterner. Nicht zuletzt im Umgang mit der digitalen Technik habe ich viele Journalistenkollegen von einer äußerst fragwürdigen Seite kennengelernt: unbeweglich, träge, saturiert. Stell Dir vor es ist Medienrevolution und keiner geht hin. Endlich gibt es ihn, den so oft herbeigeredeten Rückkanal, eine Möglichkeit, auf das Publikum zuzugehen, mit unserem Publikum ins Gespräch zu kommen – und wir schauen weg! Woher rührt diese Abwehrreaktion, die ich in vielen Medienhäusern beobachtet habe, im besten Falle Ignoranz?

Wir Journalisten genießen allerhand Privilegien. Oft werden wir hofiert, zu Pressekonferenzen und Empfängen eingeladen, kassieren, wenn wir es geschickt anstellen, auch gerne mal üppige Gagen für allmögliche Nebentätigkeiten. Warum daran etwas ändern? „Verglichen mit anderen Berufsgruppen ging es Journalisten über Jahrzehnte hinweg verhältnismäßig gut“, so Sree Sreenivasan, Dozent für Digitalen Journalismus an der Columbia Journalism School in New York. „Der Druck in der Medienbranche, neue Dinge auszuprobieren, war daher nie besonders groß.“

Noch deutlicher wird diese Grundhaltung, wenn wir in die Führungsetagen schauen. „Dort haben wir es heute überwiegend mit Managern zu tun, nicht mit Unternehmern“, so der internationale Medienberater Jeff Mignon. „Sie verlangen von diesen Managern, ein Risiko einzugehen, weniger Gewinn zu machen, sich in eine Welt hinab zu begeben, die ihnen fremd ist und die, nach ihrem Empfinden, nicht so hochwertig ist, wie bedrucktes Papier? Warum sollten sie das tun?“

Neben den ökonomischen Aspekten, spielt mit Sicherheit auch noch ein weiterer, nicht zu unterschätzender Faktor eine Rolle für die ablehnende Haltung in den Redaktionsstuben: die Eitelkeit. Leser-Kommentare unter unserem zur Perfektion geschliffenen Leitartikel? Jetzt geht’s aber los! Zuschauer, die sich offen darüber beklagen, wenn wir schlampig recherchiert haben? Da könnte ja jeder kommen! Mal Hand aufs Herz, werte Kollegen, wir lieben es zu kritisieren, können es aber gar nicht abhaben, selbst kritisiert zu werden.

Bei der New York Times ist man da schon weiter: „Unsere Leser geben uns unmittelbares Feedback, sie haben tolle Ideen, stellen großartige Fragen und lotsen uns in Richtungen, auf die wir hier in der Redaktion so nicht gekommen wären“, so Patrick LaForge, der für den City Room bloggt. „Das macht den Journalismus am Ende wirklich besser.“ Diese Einschätzung teilt man auch beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk in London: „Dieser neue Input von den Zuschauern reißt uns konsequent aus unserem Elfenbeinturm raus“ so Tim Weber von der BBC, „das ist sehr wichtig“.

Die Sozialen Netzwerke ändern die Spielregeln. Kein Wunder, dass sich gerade alt gediente Journalisten mit den Neuen Medien so schwer tun. Marius Arnesen vom Norwegischen Rundfunk bezeichnet die Verweigerer gerne als „Alte Männer in grauen Anzügen mit neuen Autos“. Der Fernsehjournalist arbeitet bei NRK beta, einem Medienlabor für neue Programmformate. „Woher wollen Redakteure wissen, was Twitter ist, wenn Sie selbst noch nie in ihrem Leben einen Tweet geschrieben haben?“ sagt er. Menschen tauschen sich untereinander aus, ohne länger zwingend den Umweg über die Massenmedien zu gehen. „Viele Medienmacher empfinden das als Bedrohung.“

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