Archiv für 4. Oktober 2011


Universalcode – die ersten Stimmen (1): Jörg Sadrozinski

4. Oktober 2011 - 19:25 Uhr

Jörg Sadrozinski (Foto: Jörg Krämer, NDR)

Wir hatten es ja angekündigt: Ein paar Testleser bekommen den “Universalcode” vorab. Diese Testleser bekommen in den nächsten Tagen schon mal Post mit der gedruckten Ausgabe. Mehr oder minder ohne Ankündigung habe ich das Manuskript als PDF auch schon mal an einen anderen sehr kleinen Kreis verschickt. In unregelmäßiger Reihenfolge kommen hier ein paar Stimmen, wobei ich ziemlich Wert auf die Feststellung lege, dass das keine in irgendeiner Weise honorierte Werbeaktion ist. Und dass niemand gezwungen ist, nur Gutes zu sagen. Freut mich natürlich trotzdem, wenn es so ist. Die anderen Leser bitte ich nur noch um ein klitzekleines bisschen Geduld. Das gute Stück ist auf dem Weg zur Fertigung, jetzt hängt alles nur noch davon ab, wie schnell oder langsam die Druckerei ist. Aber das schaffen wir jetzt auch noch — und danach streiche ich mindestens für ein Jahr lang das Wort “Buch” aus meinem persönlichen Wortschatz.

Ich habe als ersten Testleser Jörg Sadrozinski, seit Juli Leiter der DJS in München, gewinnen können. Sein Urteil ist kurz, knapp, präzise — und für uns natürlich überwältigend:

Ein absolutes Muss für Ausbilder, aber auch für alle Journalisten, Verlagsmanager und sonstige Medienleute. “Universalcode” ist eine Pflichtlektüre, schon jetzt ein Standardwerk.


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Die Grundlosversorger

4. Oktober 2011 - 18:58 Uhr

Die “Berliner Gazette” hat heute auf einen ebenso interessanten wie beinahe vergessenen Punkt zur Stellung von Zeitungen in Deutschland hingewiesen: Sie seien laut Habermas zuständig für die “Grundversorgung” mit Kommunikation. Das ist deswegen bemerkenswert, weil fast alle konservativen Betrachtungsweisen davon ausgehen, dass es ein Mediensystem mit einer “Grundversorgung” geben müsse, an dem dann viele Sachen angedockt sind, die eben nicht mehr Grundversorgung, sondern eine Art Luxus sind. Grundversorgung: Das wären demnach Zeitungen und öffentlich-rechtlicher Rundfunk und das hatte lange Zeit auch seine Berechtigung. Allerdings: Spätestens, seit über 70 Prozent der Deutschen sich im Netz tummeln, wird es Zeit, diesen Grundversorgergedanken zu überdenken.

Das Netz tickt anders.  Das Netz braucht keine Grundversorgung, weil das Netz die neue Grundversorgung ist. In der Praxis hat sich beispielsweise das Verhältnis zwischen Zeitung und Netz innerhalb weniger Jahre faktisch umgekehrt: Noch vor fünf Jahren war fast die Hälfte der Deutschen nicht im Netz. Das Netz war also die Kür, der Zusatz, wenn man so will: der Luxus, den man sich zusätzlich zu Zeitung und Rundfunk noch leistete. Davon kann heute keine Rede mehr sein. Speziell jüngeres Publikum irgendwo zwischen 15 und 30, komplett mit dem Netz aufgewachsen, würde es als einen absonderlichen Gedanken empfinden, Zeitung und Rundfunk als die Grundversorgung zu verstehen.

Die Grundversorgung ist das Netz — und da geht das eigentliche Problem für die analogen Medien los. Weil das Netz anders genutzt wird. Aus dem Netz holt man sich, was man will, was man gerade braucht, man stellt sich seinen eigenen Konsum zusammen. Zumal das Netz eben auch alles bietet, es ist Zeitung, Radio, Fernseher, Spielekonsole zugleich. Das schließt nicht aus, dass man zusätzlich analoge Medien konsumiert. Nur einen Zwang, wie ihn der  Begriff Grundversorgung nahelegt, den gibt es nicht mehr.

Es ist auch zunehmend weniger so, dass sich Menschen mit ihrer Zeitung oder ihrem Sender identifizieren. Wenn das Netz die Loslösung von Plattformen und Kanälen bedeutet, dann ist das gleichbedeutend mit der Loslösung von Identifikation. Zumal im Netz diejenigen, mit denen sich Nutzer inzwischen identifizieren, andere sind. Das sind Google und Apple und Amazon und Ebay, das sind YouTube, Blogs, Netzwerke.  Oder aber: kleine, sehr spezifische Projekte. Über Identifikation und Grundversorgung läuft das nicht mehr. Die Zeit der Wundertüten für alle, die sich irgendwo in der Mitte von Nirgendwo bewegen, sind vorbei.

Man wird also andere Gründe für die eigene Weiterexistenz im Netz finden müssen.Von diesen Gründen gäbe es ausreichend, hochwertiger Journalismus beispielsweise wäre so ein Grund. Gute, spannende Geschichten, mehrkanalig, mobil, multimedial, interagierend erzählt, das wäre etwas. Vergesst die Grundversorgung und vergesst die Identifikation.

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