Vorschau 2012: Leben am “I hate to be right foursquare”

Januar: Das Jahr beginnt mit einem Paukenschlag: Die “Huffington Post” kommt nach Deutschland, wie durch eine eher ungeplante Kommunikation bekannt wird. Herausgegeben wird sie zur Überraschung vieler von Conde Nast. Wie der Verlag mitteilt, wird Thomas Knüwer Chefredakteur. Nachdem Knüwer ohnehin gerade mit der Zweitausgabe von WIRED (Schwerpunktthema: Gebt Deutschland den Nerds) beschäftigt ist, beschließt der Verlag, dass eine gedruckte Ausgabe der HuPo zusammen mit WIRED einem in einem Bundle mit der GQ erhältlich sein wird.  An seinem Job kommen Knüwer erste Zweifel, als er in München auf offener Straße von einer Delegation des Blogs “Mädchenmannschaft” mit faulen Eiern beworfen und mit Sprechchören wie “Was steht an jeder Ecke? Macker verrecke! Was steht an jedem Haus? Machos raus!” durch den Tag begleitet wird. Bundespräsident Wulff hat inzwischen die Suche nach einem neuen Sprecher beendet. Die Wahl fällt auf Sascha Lobo, der Wulff als erstes eine neue Frisur verpasst. Aufkeimende Kritik an Lobo für dieses Engagement kontert der fröhliche Irokese damit, dass er Wulff zwar auch doof finde, generell aber als Werber dafür werbe, für was er bezahlt wird. Weil Wulff gerade etwas klamm ist und das Lobo-Jahresgehalt von 520.000 Euro nicht bezahlen kann, zieht Lobo vorerst in ein Klinkerbaus in Großburgwedel. In einem Kommentar für evidero.de fragt sich Konstantin Neven DuMont, ob das wirklich als nachhaltige Politik zu bezeichnen sei. In der FAZ sorgt Frank Schirrmacher mit seiner Forderung nach einem “europäischen Facebook”, die er in einem dreiseitigen Aufsatz aufstellt, für Aufsehen.

Februar: Mario Sixtus gibt überraschend sein Format Elektrischer Reporter auf. Das ZDF weist die Kritik, Sixtus habe seinen neuen Job als Moderator von “Wetten, dass…” insbesondere seinen guten Beziehungen zum überraschend neu gekürten ZDF-Chefredakteur Thomas Knüwer zu verdanken, als haltlos zurück. Konstantin Neven DuMont fordert dennoch eine nachhaltige Reform des ZDF. Das Publikum der FAZ staunt über einen Schirrmacher-Aufsatz mit dem Titel “Wäre Oskar Lafontaine doch der bessere Bundeskanzler gewesen?” .

März: In der ARD sorgt die Wahl von Richard Gutjahr in das Amt des neu geschaffenen Super-Intendanten für einige Irritationen. In einem ersten Schritt verringert Gutjahr das Personal um 80 Prozent, ersetzt alle Kameras durch iPhones, moderiert nahezu alle Sendungen selber und reformiert das Programm. Neuer Sendeplatz von Beckmann ist bei Facebook, Sandra Maischberger darf nur noch twittern, Frank Plasberg fühlt sich durch die  Versetzung zu Google + degradiert. Die interaktiven Tagesthemen moderiert grundsätzlich Gutjahr von irgendeinem Ort der Welt aus, an dem er sich gerade befindet. Für Erstaunen sorgt auch das neue ARD-Logo, in dem sich eine “1” um einen angebissenen Apfel rankt. Das “Wort zum Sonntag” besteht ab sofort aus jeweils 5-Minuten-Episoden aus der Biografie von Steve Jobs. Zu stoppen ist Gutjahr trotzdem kaum. Schließlich wurde er mit nur einer Gegenstimme von Monika Piel (“Wer ist das überhaupt, dieser Gutjahr?”) ins Amt gewählt. In einem Kommentar für evidero.de spricht sich Konstantin NevenDuMont für mehr Nachhaltigkeit in dieser Programmreform aus. Frank Schirrmacher veröffentlicht ein Gespräch mit Sahra Wagenknecht über das Thema “Raubtier-Kapitalismus” unter dem Titel “Vorerst nachhaltig gescheitert”. Spekulationen tauchen auf, ob Schirrmacher mit Wagenknecht, Guttenberg, Gabriele Pauli und Konstantin Neven DuMont eine neue Partei aufmachen will.

April: Das ZDF präsentiert sein neues Moderatorenduo für die Fußball-EM 2012. Die Überraschung ist nicht sehr groß, als Chefredakteur Knüwer verkündet, diese Aufgabe selber übernehmen zu wollen. Lediglich seine Begründung, mit der er den Trainer von Preußen Münster als Nachfolger des geschassten Olli Kahn als neuen Experten einführt, halten Menschen, die wirklich etwas von Fußball verstehen, für gewagt. Unterdessen erscheint das erste WIRED-HuPo-GQ-Bundle mit einem sagenhaften Gimmick, nämlich Panini-Sammelbildchen. Das Unboxing des ersten Bundles wird live in der ARD übertragen, für die sich Hyperchefredakteur Gutjahr drei Tage lang vor den CondeNast-Verlag in München in einem kleinen Zelt einquartiert hatte und nun als erster auf diesem Planeten ein Bundle in der Hand hält.

Mai: In Baku platzt die Neuauflage des ESC-Blogs von Stefan Niggemeier und Lukas Heinser, weil Heinser überraschend und zwangsweise zum neuen Nationaltrainer Aserbaidschans  berufen wird. Das Angebot des Landes, dafür mit Berti Vogts das Bakblog zu gestalten, lehnt Niggemeier ab. Umgekehrt legt Aserbaidschan keinen Wert darauf, dass Niggemeier Heinsers Co-Trainer wird. Auch eine Intervention von Bundespräsident Lobo kann diese dramatische Wendung der Dinge nicht mehr verhindern. Konstantin Neven DuMont wertet die Vorgänge allerdings als eine Chance zur nachhaltigen Verbesserung der Beziehung zwischen den Ländern, plädiert aber gleichzeitig auch für seine deutliche Absenkung der Fangquoten für Thunfisch.

Juni: Der Gewinn des EM-Titels geht einher mit dem Scheitern der schwarz-gelben Koalition in Berlin. Für das ZDF bringt dies den auch aus Kostenaspekten kaum zu überschätzenden Vorteil, dass Fußballexperte Knüwer nach der Übertragung des Finales sofort in das heute-journal umschalten kann, wo Moderator Steffen Seibert Regierungssprecher Knüwer ausführlich befragt. “Ein tolles Duo”, jubiliert Chefredakteur Knüwer, der gleichzeitig eine Umbenennung der Sendung in WIRED-journal ankündigt.

Juli: Der “Spiegel” veröffentlicht ein Gespräch mit Helmut Schmidt zur Frage, wer Nachfolger von Angela Merkel werden soll. Schmidt zieht an seiner Zigarette, deutet auf das neue WIRED-Titelbild, auf dem Chefredakteur Knüwer sich selbst abgebildet und praktischerweise auch gleich ein Interview mit sich selbst ankündigt hat — und knurrt: ” Er kann es.” Knüwer selbst gibt seine Kandidatur via Twitter bekannt, kurz darauf wird er von Bundespräsident Lobo vereidigt. Im WIRED-journal lobt ZDF-Chefredakteur Knüwer die Wahl Knüwers als eine gute Wahl, weiß aber kurzzeitig nicht mehr genau, zu welchem Job genau er sich gratulieren soll. Für kurze Aufregung sorgt, als Knüwer für seine Regierungszeit ein paar “Zückerchen” ankündigt und sich dafür einen bösen Rant von Felix Schwenzel einfängt. Frank Schirrmacher schreibt in der FAZ, dass wir ein gemeinsames europäisches Blog brauchen. Konstantin Neven DuMont unterstützt diese Forderung, solange das Blog auch den Nachhaltigkeitsgedanken nachhaltig unterstützt.

August: Spektakuläre Wende im öffentlich-rechtlichen Rundfunk: ARD-Hyperintendant Richard Gutjahr und ZDF-Chef Thomas Knüwer beschließen die Fusion ihrer Sender. Beide begründen dies zum einen mit medienpolitisch gebotener Vernunft, zum anderen aber auch mit ihren anderen Jobs. Nachdem eine Putzfrau auf einer Konferenz versehentlich einen Zetre vergessen hat, aus dem eindeutig hervorgeht, dass WIRED künftig monatlich erscheint, kann auch Knüwer nicht mehr die Wahrheit hinterm Berg halten. Die Nachrichten von ARD und ZDF werden künftig generell gemeinsam ausgestrahlt, sind interaktiv und werden generell von Richard Gutjahr via Livestream von dort aus moderiert, wo er zufällig gerade ist. Neuer gemeinsamer Programmdirektor wird Markus Hündgen, auf den man sich einigt, weil er ohnehin für das ZDF schon den Mayortitel bei Foursquare hält. Sein erstes neues Format “Reporter ohne Reporter und ohne Kamera”, nicht moderiert von Mario Sixtus, sorgt für Diskussionen. Stefan Niggemeier schreibt darüber im “Spiegel” ein launiges Medienlexikon mit dem lustigen Titel “Hünd/chen”, Frank Schirrmacher begrüßt die Fusion, fordert aber gleichzeitig, dass wir eine europäische öffentlich-rechtliche Medienbehörde unter Aufsicht von Marcel Reich-Ranicki benötigen.Konstantin Neven DuMont bringt sich für den Job ebenfalls ins Spiel, sagt aber dann ab, weil es in der Kantine des neuen Supersenders keinen Karpfen geben soll.

September: Die neue FAZ-Herausgeberin Sahra Wagenknecht entlässt überraschend ihren großen Förderer Frank Schirrmacher und auch die anderen Herausgeber. Das Gremium, bestehend aus ihr selbst, heißt ab sofort Zentralkomitee zur Herausgabe hervorragender publizistischer Leistungen. Im “Neuen Deutschland” veröffentlicht Schirrmacher einen Aufsatz mit dem Titel “Hatte Oskar Lafontaine doch recht?”.  Im WIRED-journal antwortet Schirrmachers großer Gegenspieler Knüwer mit einem schlichten “Nein”, Konstantin Neven DuMont ist der Auffassung, dass das schon sein könne, letztendlich aber nicht nachhaltig genug sei.

Oktober:  Sascha Lobo schafft es als erster Twitterer weltweit, dass ein Tweet von ihm geretweetet wird, bevor er ihr abgesetzt hat. Frank Schirrmacher fordert in 140 Zeichen die Einführung eines europaweiten gemeinsamen Twitters. Enttäuschung herrscht allerdings in der Szene, als bekannt wird, dass Bundespräsident Lobo gar nicht selbst twittert, sondern dieser Job von seinem Sprecher Christian Lindner, gleichzeitig Chefredakteur der Rhein-Zeitung, erledigt wird. Die Enttäuschung ist umso größer, als dass in den USA gerade dazu übergegangen wurde, Barack Obama den “amerikanischen Lobo” zu nennen. Da hilft es wenig, dass Thomas Knüwer auch Chris Anderson in den USA ablöst und man Mrs. Huffington empfiehlt, sich ein Beispiel an Richard Gutjahr zu nehmen.

November: Richard Gutjahr kauft Apple.

Dezember: In der aktuellen Ausgabe der WIRED gibt Bundespräsident Lobo bekannt, was ohnehin schon lange überfällig war. Eine zentrale digitale Journalismus-Agentur, die mit Thomas Knüwer, Richard Gutjahr, Mario Sixtus und Markus Hündgen für eine konsequente crossmediale Verteilung von allem nach überall sorgt. Nachhaltigkeitsstaatssekretär wird zur Überraschung aller Frank Schirrmacher, weswegen Konstantin Neven DuMont seine Auswanderung ankündigt. An seinem neuen Wohnsitz im kanadischen Halifax zieht er in eine nachhaltig errichtete Villa am “I hate to be right foursquare”.