Das üble Spiel der Populisten

Einfach mal irgendwas raushauen und dann schauen was passiert: Populisten machen es dem Journalismus gerade reichlich schwer. Auch deshalb, weil digitale Strukturen das Lügen so einfach wie noch nie machen…

Am Wochenende haben Journalisten in der westlichen Hemisphäre endlich mal wieder Grund zu ein bisschen Freude gehabt: Deutsche Journalisten stellten Donald Trump ein paar Fragen, die den Namen auch verdienten. Das war bemerkenswert in mehrerer Hinsicht. Zum einen, weil man es jetzt schon bejubeln muss, wenn Journalisten einfach ihren Job machen. Und zum anderen: Die Welt ist ja schon ganz schön verrückt geworden, wenn man sich innerhalb weniger Monate daran gewöhnt, dass Journalisten nicht nur von irgendwelchen Pegida-Schreihälsen abgekanzelt werden, sondern jetzt auch von richtigen US-Präsidenten.

Das System dahinter ist denkbar einfach; beliebt und bewährt bei Autokraten, Diktatoren und anderen zweifelhaften Figuren in den letzten 200 Jahren: Als allererstes greift man zur Festigung der Macht unabhängige Medien an und umgibt sich stattdessen mit gleichgeschalteten Stichwortgebern, deren einzige Aufgabe es ist, den Potentaten möglichst gut aussehen zu lassen.

Populisten hatten es noch nie so leicht

Im Zeitalter digitaler Medien ist das so einfach wie nie zuvor. Es gibt keine lästigen Journalisten mehr, die sich ungebeten zwischen Publikum und Absender drängeln. Stattdessen kommt die Nachricht sofort an, ungefiltert, unredigiert und ganz sicher im Sinne des Absenders. Im Falle Trump beispielsweise muss manzähneknirschend konzedieren, dass er es geschafft hat, Twitter zu seinem ureigensten Kanal zu machen. Er twittert, Medien aus aller Welt hecheln dem hinterher. So viel und so schnell kann man im Übrigen gar nicht Fakten checken, wie Trump blühenden Unsinn raushaut.

Um sich mal klar zu machen, wie weit der Irrsinn der sozialen Netze inzwischen reicht: In den letzten drei Wochen hat Trump u.a. behauptet, er sei von Obama abgehört worden und dass Deutschland der NATO und damit irgendwie auch den USA riesige Mengen Geld schulde. Das hätte man früher (also: vor ungefähr einem Jahr) jedem Politiker um die Ohren gehauen. Heute zuckt man insgeheim die Schultern, weil man ja ahnt, dass der nächste Klops bevorsteht. Deutsche Populisten beherrschen das üble Spiel übrigens ebenfalls in unangenehmer Perfektion.

Das ist eine perfide Taktik, die es im Netz immer öfter zu beobachten gibt: Irgendjemand schmeißt mal irgendwas in die Debatte und hat damit zuverlässig Erfolg. Weil es irgendjemand schon weiterposaunen wird in die unzähligen Echokammern und weil irgendjemand schon darauf anspringen wird; reflexhaft und in dem sicheren Gefühl, es (was auch immer das gerade sein mag…) schon immer geahnt zu haben. Anders ist auch kaum erklärbar, dass beispielsweise ein Laden wie die AfD gemessen an ihrer eigentlichen Stärke umproportional viele Anhänger in den sozialen Netzen hat. Nur mal als kleine Vergleich: Mit über 300.000 „Likes“ hat die AfD über das Doppelte von CDU oder SPD.

„Fakten checken“ alleine ist eine eher hilflose Idee

Für Journalisten ist das eine Herausforderung. Eine, vor der sie von Populisten und Autokraten gezielt gestellt werden. Eine, bei der sie zunächst schlechte Karten haben. Fakten checken? Das geht bis zu einem gewissen Grad, stößt aber auch schnell an Grenzen. Wem man grundsätzlich jegliche Glaubwürdigkeit abspricht, dem glaubt man auch dann nicht, wenn er vorgibt, Fakten zu checken. Wer an die ganz große Verschwörung glauben will, wird sich kaum von uns Journalisten eines Besseren belehren lassen, nur weil wir gerade mal mit ein paar „gecheckten“ Fakten daher kommen. Im Zweifelsfall gibt es ja auch noch die segensreiche Erfindung der alternativen Fakten.

Bleibt höchstens: Rein in den Social-Media-Häuserkampf, gelegentlich auch dahin, wo es wehtut. Nicht nur einfach Fakten checken und schon gleich gar nicht Anhänger der Populisten abstempeln als eine Ansammlung von abgehängten Dumpfbacken (so einfach ist das nämlich nicht). Journalismus selbstbewusst vertreten, nicht im Büßergewand, aber auch nicht in der Pose des elitären Rechthabers.

Und schließlich: Man gewöhnt sich besser erst gar nicht daran, dass jemand die Lüge zur Methode macht. Wohin das führt, sieht man in den USA: Daraus ist in gerade mal zwei Monaten ein anderes Land geworden.