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Online Worst (Pfingsten-Spezial)
Online worst (27)
Bevor wir zum eigentlichen Anlass der heutigen Ausgabe dieser kleinen Rubrik kommen, würde ich Sie bitten, sich über folgende insbesondere in Tageszeitungskreisen gerne geäußerten Thesen ein paar kurze Gedanken zu machen:
- Im Internet verdient man kein Geld!
- Im Internet wird unendlich viel Schwachsinn geschrieben!
- Was wirklich zählt, ist das gedruckte Wort!
Danke sehr. Und jetzt zum heutigen “Online worst”. Sonntag morgen, 11 Uhr, man kann sich zu diesem Zeitpunkt kaum eine spannendere Fragen vorstellen als diese: Wer könnte wohl Deutscher Meister werden? Und: Wer wird in diesem Zusammenhang “Wunder-Trainer” der Saison (man bemerkt die Auswirkungen des Überschriften-Trainings beim alten Bild-Haudegen Hertle)?

So, und nun nochmal über die These nachdenken, warum man im Internet sich mit dem Geldverdienen schwer tun könnte.
(Aber nicht traurig sein, liebe PNP, ihr seid in bester Gesellschaft mit der Meisterstadt Wolfsburg…achja, übrigens, Wolfsburg ist Meister!)
Online worst (26)
Aber natürlich, liebe Kollegen von sueddeutsche.de, ist es eine wunderbare Idee, eine Bildstrecke mit 22 Fotos von 22 Stars zu veröffentlichen, die Grimassen ziehen. Vor allem in Fällen wie Mr. Bean und Christoph Maria Herbst, die man sich grimasseziehend gar nicht vorstellen kann. Danke für dieses Stück unterhaltende Aufklärungsarbeit – man ahnt dann doch wieder, wofür der Name “Süddeutsche” steht.
Online worst (25)
Die TSG Hoffenheim war mal Herbstmeister der Fußball-Bundesliga. Inzwischen trägt die TSG den zweifelhaften Titel “schlechtester Herbstmeister aller Zeiten”, liegt auf Platz 8 der Tabelle und hat mittlerweile einen kleinen Rückstand von 12 Punkten auf den Tabellenführer (bei insgesamt noch 15 zu vergebenden).
Kein Wunder also, dass man bei pnp.de die “Umfrage der Woche” nach dem künftigen deutschen Fußball-Meister auch auf Hoffenheim fokussiert und man Teams wie Stuttgart dabei eher geringe, nein: eigentlich gar keine Chance einräumt:
(Die PNP-Leser glauben im Ergebnis übrigens nicht mehr wirklich an Hoffenheim, räumen der TSG mit 2,6 Prozent aber doch noch bessere Chancen ein als Hertha BSC mit 1,9 Prozent. Hertha ist übrigens momentan Zweiter, nachdem man in Freitag in Hoffenheim gewann.)
Nachtrag, 15.30 Uhr: Inzwischen ist die Umfrage weg.
Online worst (24)
Nachdem sich die PNP jetzt so richtig fit für die Zukunft gemacht und reichlich visionäres Zeugs abgesondert hat (mit der Quintessenz, dass es jetzt mit der Vernetzung von Print und Online erst so richtig losgehe), kann man ja mal schauen, was das ständige Denken der einen an die anderen (Chefredakteur Ernst Fuchs) in der Praxis so macht. Noch dazu, wo der ehemalige stellv. Chefredakteur der Printausgabe jetzt Projektleiter der Onlineausgabe ist und man insofern davon ausgehen darf, dass die ehemaligen Kollegen aus der Chefredaktion ganz viel aneinander denken.
Am Donnerstag morgen (Stand 8.20 Uhr) jedenfalls haben sie noch nicht so sehr an sich gedacht. Das heißt, möglicherweise würden sie schon aneinander denken, wenn sie nicht noch schlafen würden:
Die Blitzmeldung, die die PNP hier spazieren führt, stammt von Mittwoch nachmittag, ist mithin also ungefähr alberne 18 Stunden alt. Und während in vielen anderen bayerischen Onlineangeboten die Geschichte am Abend schon lang vollstädig erzählt war, stehen bei pnp.de immer noch nicht mehr als vier eher dürre Zeilen. Von einer durchaus tragischen Geschichte, die sich mittendrin in ihrem Kerngebiet abspielt.
Ebenfalls noch nicht ganz mitbekommen hat man in der Onlineredaktion, dass der Münchner Nockherberg abgesagt worden ist. Und zwar nicht mitten in der Nacht, sondern gestern abend. Aber da war man ja schon zu Hause und heute früh ist man noch nicht aufegstanden. Was eventuell daran liegen könnte, dass man zwar einen neuen Projektleiter bekommen hat, dafür aber ein anderer aus der Online-Redaktion abgezogen wurde, was zur Konsequenz hat, dass die Onlineoffensive der PNP mit einem Bruchteil dessen an Personal geführt wird, was sich in der Zeitungsredaktion tummelt.
Was letztendlich den Schluss zulässt, dass das ganze Gerede von Verlagsberatern und Geschäftsführern von der umfassenden und wunderbaren Neuausrichtung des Blattes nur eines war: Alibigeschwätz, um ungehindert Stellen abbauen zu können. So jedenfalls taumelt die digitale PNP weiter ungebremst der Lächerlichkeit entgegen.
Online worst (23): Heute ohne PNP, dafür mit Zoomer
“Was ist denn da los?”, fragt man sich bei Meedia.de – und meint damit den vermeintlich katastrophalen Absturz vom Trashportal Zoomer in der Zuschauergunst. Dabei ist das Ganze ziemlich unüberraschend. Erstaunlich in den letzten Wochen war ja nur eines: dass die Noch-Zoomer-Truppe es geschafft hat, ein ohnehin eher erbärmliches Angebot einem Relaunch zu unterziehen, an dessen Ende das Angebot tatsächlich noch erbärmlicher aussieht.
Fangen wir mal bei so etwas banalem wie der Optik an. Ich bin kein Grafiker und maße mir auch sicher keine alllzuhohe Kompetenz in Designfragen an – aber was man sich bei Zoomer während des Relaunchs ausgedacht (gedacht??) hat, sieht ein bisschen so aus, als hätte sich eine Pennälertruppe nach der ersten Koksparty des noch jungen Lebens an den Rechner gesetzt, ausprobiert, was sich mit InDesign so machen lässt und dann entvervt das Spielzeug wieder in die Ecke gesetzt. Ein derartig groteskes Missverhältnis zwischen Schriftarten, Schriftgrößen und Fotos ist mir jedenfalls schon lange nicht mehr untergekommen; dass man da auch noch Worte in der Überschrift trennt, was soll´s noch groß?
Mindestens genauso bizarr ist die Themenauswahl. Natürlich kann man ein Portal für ein junges Publikum thematisch nicht so aufstellen wie, sagen wir, Zeit online. Aber mit dieser Agenda, wie sie Zoomer nicht nur heute nachmittag, sondern eigentlich ungefähr immer hat, steht das Portal vermutlich deutschlandexklusiv da. Man muss ja nicht gleich kapieren, nach welchen Kriterien diese Geschichten gerankt werden, aber wenn es das ist sein sollte, was wirklich wichtig ist, hat Zoomer entweder eine skurrile Redaktion oder selten eigenartige Leser. Ein gefakter türkischer Karnevalsverein ist jedenfalls eine derartige Anti-Geschichte, dass man sie wirklich niemandem vorsetzen kann. Und ganz nebenbei bemerkt: Wenn man schon ein Nachrichtenportal lancieren will, sollte man auch so etwas Ähnliches wie eine Nachrichtenkompetenz vermitteln. Nicht mal ein 14-Jähriger traut Zoomer zu, die Welt erklären zu können, wenn man allen Ernstes solche Geschichten als Aufmacher präsentiert.
Und irgendwie scheinen erwachsene Medienmacher ja immer noch dem Irrglauben zu unterliegen, wenn man Medien für ein junges Publikum machen wolle, müsse man ein wenig stammelig rüberkommen und auf elementare Grundsätzer halbwegs gepflegter Sprache verzichten. Von Rechtschreibung und Zeichensetzung reden wir lieber erst gar nicht. Bei Zoomer liest sich das dann so:
(…)Denn natürlich hatten alle erschienen Journalisten den Artikel zur Hand und fragten den Pseudo-Gründungsmitgliedern Löcher in den Bauch, beäugten sie komisch, einer rief sogar ‚Wollt ihr uns verarschen?’. “Ich antwortete ‘Nö!’ und dann wurden wir immer mutiger. Wir stellten unsere Forderungen nach einer Quotenregelung für das Dreigestirn und nach gesitteterem Feiern beim Karneval. Wir präsentierten auch unseren Rosenmontagswagen – einen roten Flitzer”, sagt die 27-Jährige. Brenlzig wurde es, als sie die Anwesenden mit ‘Hellau’ statt dem im Köln typischen “Alaaf” begrüßte.
Die Sache wäre spätestens aufgeflogen wenn ihr jemand eine Frage auf Türkisch gestellt hätte. “Mit dem Kopftuch sah ich zwar sehr türkisch aus, aber ich spreche kein Wort dieser Sprache”, sagt sie. Dann wäre der Dritte im Bunde, Pierre M. Krause hinter einer Tür hervorgesprungen gekommen und hätte gerufen ‘reingefallen’. Der konnte aufgrund seiner medialen Bekanntheit nicht an der Aktion teilnehmen.
Neben den Medien sollte aber auch der Kölner Karneval ins Visier genommen werden. “In dieser Beziehung verstehen die Kölner einfach keinen Spaß”, so Korneli, die schon des öfteren beim Karneval war und dabei nicht immer die besten Erfahrungen gemacht hat. “Ganz schlimm finde ich Männer, die beim Karneval denken, sie könnten mich angrabschen.”
Eine restlos irrelevante Themenauswahl, ein grauenvolles Layout, Journalisten, denen es an Witz, Idee, Kreativität fehlt – warum sollte sich das in den Nutzerzahlen nicht auch entsprechend niederschlagen? Und hat eigentlich irgendwann irgendjemand nochmal Uli Wickert bei Zoomer gesehen?
Liebe Holtzbrincker, stampft es ein, das Ding. Selbst das, was ihr als Überbleibsel in die neue Großredaktion packen wollt.
Im Schweinsgalopp durch die Medienwoche
Via FAZ: Die Tageszeitungen in Detroit werden künftig nur noch an drei Tagen in der Woche zugestellt; an den anderen Tagen kann man sich eine ziemlich abgespeckte Version am Kiosk holen. Weitere Konsequenzen: Stellenabbau um rund 200, dazu eine verstärkte Konzentration auf die Onlineauftritte. Ähnliches hatte bereits der Christian Science Monitor gemacht: Die gedruckte Ausgabe kommt nur noch samstags als eine Art Wochenzeitung/Wochenzusammenfassunf; an den anderen Tagen kann man den CSM online lesen. Dirk Manthey schlug in Meedia.de diese Woche eine solche Lösung als neues Geschäftsmodell vor, was sich insoweit als Innovation relativiert, wenn man eben weiß, dass es schon jemanden gibt, der just dieses Modell ausprobiert. Was nichts daran ändert, dass es auch in Deutschland irgendwann demnächst mal solche Experimente geben wird (ob den Verlagen das jetzt übermäßig passt oder auch nicht). Die Frage ist lediglich: wer und wann.
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Lustig auch, dass es derzeit eine ganze Reihe Zeitungsverleger gibt, die sich selbst gegenseitig Mut- und Ideenlosigkeit vorhalten. Mein prägender Eindruck aus 2008: Zwischen Reden und Handeln herrscht in ziemlich vielen Verlagen eine ziemlich große Diskrepanz.
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Scoop des Tages: Der Datenskandal bei der LBB wurde anscheinend von zwei hungrigen Kurierfahrern ausgelöst. Die hatten Hunger auf Stollen, der eigentlich für die Frankfurter Rundschau bestimmt war. Stattdessen bekamen die Kollegen Kreditkartendaten. Investigativer Journalismus der ganz anderen Sorte. Die Aufregung ist mir eh nicht ganz klar: Ich kenne Banken, die senden ganze Kundenstammblätter einschließlich der Kontostände per Fax durch die Gegend. Die landen dann nicht immer da, wo sie landen sollten. Wäre an sich größerer Recherche wert, interessiert nur im Zeitalter der Milliardenverluste und der gezielten Telekomspitzeleien keine alte Sau. Für mich trotzdem ein Beleg, dass Banken mit Daten schon immer sehr salopp umgegangen sind, auch wenn die zuständige Pressestelle von einem “Einzelfall” spricht (wie nicht anders zu erwarten).
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Natürlich hätte es auch wieder Ulkiges aus der Reihe “Online worst” gegeben. Verzichtet habe ich deswegen darauf, weil es für die geneigte Leserschaft irgendwann eher langweilig wird, immer wieder dem gleichen Dilletieren zuzusehen. Dass sie online nicht wirklich gut können in Passau, ist zur Genüge rübergekommen. Und sofern sie nicht wieder ganz atemeraubende Dinge anstellen, soll es das erst einmal mit “Online worst” gewesen sein.
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Und wenn Sie demnächst noch alle Kollegen bei ProSiebenSAT1 und die dazugehörigen Stellen richtig zuordnen können: Glückwunsch!
Online worst (22) – oder: Print first!
Vielleicht muss man sich das so vorstellen: Da sitzt ein bedauernswerter, diensthabender Praktikant am Samstagabend in der Online-Redaktion der PNP; ziemlich alleine in einem riesigen Redaktionsgebäude in der Passauer Peripherie. Außer ein paar Wildschweinen am Waldrand: gähnende Leere. Zeitungsleute arbeiten samstags nicht und irgendwann in einer freien Minute fragt sich der diensthabende Praktikant, warum zur Hölle ausgerechnet er online machen muss, während die anderen “Sportschau” und anschließend “Wetten, dass…” schauen können. Lustlos hämmert er die eine oder andere Meldung vor sich hin, ziemlich unbeeindruckt davon, dass er auf eine beträchtliche Fehlerquote in seinen Texten kommt. Sch…Online-Wochenenddienst brummelt er vor sich hin, als er, kurz vor Feierabend, noch eine Meldung auf den Schirm bekommt: Vermutlich ein Neonazi hat einen Mordanschlag auf den Passauer Polizeichef verübt; der Polizist schwebt in Lebensgefahr. Schöner Mist, flucht er, wird´s wieder nix mit dem gemütlichen Samstag abend.
Aber dann kommt ihm die rettende Idee: Da ist doch dieses Sonntagsblatt, das von unserem Verlag auch noch rausgegeben wird. Und hieß es bei der PNP nicht schon seit jeher: Print first!? Na also. Ein Anruf zum Sonntagsblättchen: “Habt ihr die Geschichte? Ach, und ihr habt die morgen schon…? Ja, super. Dann schreib ich das mal. Nee, verlinken kann ich nicht, aber ich schreib´s rein, dass die Leute halt bei euch nachschauen sollen. Weiter recherchieren…? Nee, du, ich hab jetzt echt keinen Bock mehr, bin verabredet. Merkt doch eh keiner im Haus, was wir online machen, pfiad di nachhad.”
Glück gehabt, denkt sich der Wochenenddienst-Praktikant am nächsten Tag. Die Kollegen vom Sonntagsblatt (das zwar nur in einem Teil des Verbreitungsgebietes erscheint, aber wen stört das schon) haben Wort gehalten. Und nicht nur das – sie haben die Verlagsdevise “Print first” richtig toll beherzigt:
Gut gelaunt setzt sich der Wochenenddienst-Praktikant an seinen Rechner, stolz darauf, diese leidige Geschichte so elegant abgebügelt zu haben. Ein wenig aber wird ihm dann aber beim Sonntagmorgensurfen doch mulmig:
Puh, denkt er sich nach einem kurzen Moment des Erschreckens, gut, dass ich so souverän den Traffic an die “Am Sonntag” abgegeben habe. Kann ja keiner ahnen, dass sie bei Spiegel, Focus, Bild, Tagesschau schon am Sonntag morgen arbeiten. Komisch, denkt er weiter und lässt seinen Blick durch das Passauer Verlagsgebäude schweifen, hier ist doch auch noch kein Mensch. Die sind ja merkwürdig drauf in ihrem Hamburg und München, grummelt er, mit sich und der PNP-Welt wieder zufrieden – und macht sich daran, die nächsten Meldungen des Tages abzuarbeiten. Die Jungfeuerwehr, denkt er sich, um Himmels willen, die Jungfeuerwehr – die hätt´ich in der Aufregung doch jetzt glatt beinahe vergessen…
Update, 14.19 Uhr: Inzwischen ist die Geschichte bei nahezu allen ernstzunehmenden Onlinemedien die Aufmachergeschichte, ebenso wie im BR. Die PNP hat sich inzwischen dazu bequemt, die Geschichte der Kollegen von “Am Sonntag” online zu stellen – mit dem bizarren Rubrikentitel “Im regionalen Fokus”. Da redet also der Innenminister von einer “völlig neuen Dimension rechtsradikaler Verbrechen”; Medien in ganz Deutschland machen die Geschichte auf – und die PNP nennt das “Im regionalen Fokus”. Keine Zeile journalistischer Initiative oder Eigenleistung, keine Idee, kein Esprit, kein gar nichts.
Ziemlich obskur auch, was man da online gestellt hat, ohne es sich vorher vielleicht mal durchzulesen: Eine Großfahndung sei bis Redaktionsschluss um Mitternacht (!) ohne Erfolg geblieben. Dass inzwischen der Innenminister in Passau war, liest man überall – nur in der PNP nicht.
Man darf gespannt sein, ob Verlagsberater Kollböck in seinem geheimnisumwitterten Konzept auch eine Zeile zum Thema “Neue Medien” hat (ich fürchte: eher nicht).
Eine Redaktion kapituliert vor dem Journalismus. Und so lange das so ist, sollte man die PNP journalistisch vielleicht einfach nicht ernst nehmen.
Online worst (21) – und ein paar grundsätzliche Anmerkungen
“Christbaum am Stadtplatzm abgefackelt. (…) Licherloh brannte die stattlliche Fichte vor dem Alten Rathaus. (…) Die Kriminaslpolizei nahm die Ermitlungen auf. (…) ” (via Kommentare)
Man muss das erstmal fertigbringen: In einer Meldung von sechs Zeilen finden sich vier Schlampigkeitsfehler und zudem eine falsche Bezeichnung der eigenen berichtenden Lokalausgabe (für Nichtbayern: dass ein Christbaumbrand in Deggendorf in der Lokalausgabe Altötting Erwähnung findet, ist ziemlich unwahrscheinlich). Man mag es pingelig finden, insbesondere von jemanden wie mir, der auf dieser kleinen Seite eine beträchtliche Quote von Tippfehlern reinhaut, aber bei Meldungen wie diesen geht es nicht um die kleinen und vermutlich alltäglichen Schusseleien des Arbeitslebens. Hier geht es um den elenden Stellenwert, den Verlagshäuser häufig ihren Onlineangeboten zumessen (und das ist sicher kein Passauer Phänomen). Letztlich zeigt es, wie hoffnungslos egal vielen Zeitungshäusern ihre Webseiten sind.
Ich fürchte ernsthaft, dass dies einer ziemlich merkwürdigen verinnerlichten Haltung geschuldet ist: dass man nämlich glaubt, der Leser habe für Onlinejournalismus nicht den gleichen Anspruch auf eine gewisse Form von Qualität (und wenn es nur Meldungen sind, die weitgehend in korrekter Rechtschreibung verfasst sind). Weil das, was man da anbietet, ja nichts kostet. Weil es ja nicht “die Zeitung”, sondern eben nur Internet ist. Man kann sich zwar nur schwerlich vorstellen, dass es solche Gedanken gibt, aber wenn ich etliche Gespräche mit Zeitungsleuten Revue passieren lasse, denke ich mir: doch, das gibt es. Zumal ich, im Umkehrschluss, ziemlich sicher weiß, dass im gleichen Haus Redakteure der Printausgabe für weitaus harmlosere Tippfehler schriftliche Abmahnungen kassiert haben oder versetzt wurden. Der Kahlschlag in der Passauer Stadtredaktion ist dafür nur ein kleiner Beleg. Was hätte man eigentlich mit der Truppe angestellt, wenn sie ähnlich ulkig über brennende Christbäume berichtet hätte? Online zählt das alles nicht, zumindest nicht in den Köpfen von Zeitungsmenschen.
Nun darf ja jeder strategisch und finanziell entscheiden, was er mag. Und wenn jemand es für richtig hält, in seine Onlineaktivitäten weder Geld noch ein paar Stunden halbwegs angestrengten Nachdenkens zu investieren, auch recht. Völlig unklar ist aber, warum sich dann diejenigen, die sich dafür entscheiden, Onlinejournalismus schlichtweg nicht stattfinden zu lassen, darüber wundern, dass man ihren Online-”Journalismus” nicht beachtet, nicht ernst nimmt – und dass sich mit dieser Form des Publizierens letztendlich auch kein Geld verdienen lässt.
Ob jemand in der PNP´s dieser Welt auch schon mal darüber nachgedacht hat, dass möglicherweise ja auch ein Umkehrschluss möglich ist? Dass ein junger Leser, der sich erstmal online an Medien herantastet und seine ersten Kontakte mit der Zeitung gar nicht gedruckt, sondern auf dem Schirm hat, keine sonderliche Lust verspürt, die offensichtlich vorhandene journalistische Lustlosigkeit jetzt auch noch gedruckt zu lesen? Dass er also möglicherweise sein eher nicht so gutes Bild, dass er von der Onlineausgabe hat, gleich auf die gedruckte Variante mit überträgt? Damit wird man in Zukunft allerdings rechnen müssen: der Weg führt nicht nur von A nach B, sondern auch von B nach A. Funktioniert allerdings nur, wenn man bei B wenigstens halbwegs einen Anreiz bietet, auch mal nach A zu schauen.
Wenn B erstmal durch eine Reihe hanebüchener Fehler auffällt, wird das allerdings kaum jemand tun.
(Und aus gegebenem Anlass auch nochmal der Hinweis auf ein schon paar Wochen alte, dennoch aber nach Lektüre brennender PNP-Christbäume umso lesenswertere grundsätzliche Ausführungen zum Zustand des Onlinejournalismus).
Online worst (20)
Vielleicht hat die Online-Redaktion der PNP ja einfach nur ein, nunja, entspanntes Verhältnis zu Schlägereien, Rempeleien, Krawallerien aller Art, egal ob mit Verletzung- oder Todesfolge. Wenn ein Obdachloser von Jugendlichen totgeprügelt wird, stellt man in einer Online-Umfrage schon mal die Antwortmöglichkeit volr, Schlägereien seien in dem Alter ganz normal und jemand, der einen anderen totschlage, habe eh ein Charakterproblem.
Wenn bei einem Perchtenlauf (eine altbayerische Tradition) die Perchten mal ein bisschen derber hinlagen, sollte man demnach auch kein Problem damit haben – findet die PNP:
Vermutlich ist das Verhältnis zu kleinen Rempeleien wirklich sehr entspannt.















