Archive for the ‘AUSBILDUNG’ Category
Zum Abschluss: ein paar Videos und was Selbstgebasteltes
Das “Klartext”-Magazin der 48 K der DJS ist seit gestern abend fertiggestellt — wir haben noch eine ganze Reihe neuer Videos draufgepackt. Beispielsweise lernt man jetzt einiges darüber, wie es ist in einem Ort zu leben, dem die Einwohner weglaufen. Nein, er liegt nicht in Mecklenburg-Vorpommern, sondern in Niederbayern:
Und weil man ja nicht immer alles so bierernst sehen muss, gibt es auch einen Schnellduchlauf durch das Millionendorf Deutschlands: München in 100 Sekunden:
Das ganze “Volt”-Magazin online gibt´s hier.
Journalismus 2010 (2)
Zugegeben: Der erste Monat des gar nicht mehr so neuen Jahres ist auch schon wieder fast rum. Gilt das trotzdem noch, wenn ich jetzt noch ein Video zeige, das sich mit Zukunftsperspektiven von Medien beschäftigt?
In Wien habe ich vergangene Woche Dr. Meinrad Rahofer getroffen, einer der bekanntesten Journalistenausbilder im deutschsprachigen Raum. Er ist Geschäftsführer des Kuratoriums für Journalistenausbildung in Salzburg und ein ausgewiesener Kenner der Märkte in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Klar also, dass wir nicht nur über die allgemeinen Trends gesprochen haben, sondern auch über die Unterschiede zwischen Deutschland und Österreich (allerdings nur in Sachen Medien, sonst hätten wir drei Tage weiterquatschen müssen).
Wen es interessiert: Ich habe zum ersten Mal ein längeres Interview mit der Flip aufgenommen. Geht sogar ganz passabel, auch wenn man ein paar kleine Abstriche schon hinnehmen muss. Großartig daran ist aber dennoch die Option, ganz spontan etwas in sehr anstndiger Qualität aufnehmen zu können.
Nachtrag, 18.2.2010: Drei Wochen nach diesem Interview ist Dr. Meinrad Rahofer völlig überraschend verstorben. Er wurde 55 Jahre alt. Es fällt mir ziemlich schwer, das zu glauben.
Münchner Gsichter
Die Idee der “Abendzeitung” fanden wir überaus reizvoll: ob man nicht typische Münchner portraitieren könne? Nicht auf die übliche Art, also keine Textstücke. Sondern mit Fotos und O-Tönen, kurz gesagt also vertonten Slideshows. Nachdem ich dieses Format sehr liebe und ich die Idee auch thematisch sehr interessant fand, machte ich mich mit meiner (inzwischen bereits verabschiedeten) DJS-Klasse an die Arbeit. Wann bekommt man schon mal die Gelegenheit, etwas auch mal einfach ausprobieren zu können (dafür: danke an die AZ!). Gefunden und portraitiert haben wir u.a. eine Tabledancerin, einen Isarfischer, einen Schuhmacher und einen, der von sich behauptet, den ältesten Kiosk überhaupt zu betreiben.

Die ersten Ergebnisse dieser Serie bei der “Abendzeitung” sehen Sie hier.
Klartext, Nummer 19
Seit heute mittag ist die neueste Ausgabe des Klartext-Magazins der DJS online. Die Lehrredaktion 47A hat sich dabei ein knappes Jahr mit dem Thema “Selber machen” beschäftigt.
Ein knappes Jahr lang? Ja, weil das inzwischen fester Gedanke in der DJS-Ausbildung ist: ein Projekt konsequent cross- und multimedial aufzusetzen. Am Anfang stand das Heft: Zusammen mit Jan Weiler als “Heftdozent” wurde das Magazin auf- und umgesetzt; dahinter stand allerdings von Anfang an der Gedanke, jedes Thema multimedial begleiten zu können.

Ein ganz simples Beispiel: Anna Kistner hat einen Bob- Ross-Malkurs besucht. Im Heft (als Komplett-Download übrigens auf der Startseite) erzählt sie in Form einer klassischen Reportage ihre Erlebnisse als Selbst-Malerin, auf der Webseite kann man dann in fünf Schritten multimedial selbst erlernen, wie man Bob-Ross-Epigone wird.
Die multimedialen Elemente, insbesondere Audios und Videos, sind dann Stück für Stück im Laufe dieses Jahres dazugefügt worden. Und so gibt es überall da, wo es möglich und sinnvoll ist, multimediale Zusatzelemente. Man lernt dabei übrigens dann auch, wo es nicht sinnvoll oder machbar ist — und auch das kann ja ein Lerneffekt sein.
Und es gibt eine Premiere: Zum ersten Mal besteht die Online-Ausgabe des Klartext-Magazins nicht aus einem, sondern eigentlich aus zwei Angeboten. Die Zusatzseite “Deutschland 2″ befasst sich vordringlich mit Utopien, wie Deutschland alternativ und anders aussehen könnte, würden wir es selber machen. Es wird über ein Deutschland ohne Banken geschrieben, es gibt Vorschläge für eine neue Nationalflagge und für eine neue deutsche Grammatik..

“Klartext” ist übrigens kein einmaliges Projekt. Früher war es “nur” das Magazin, das die DJSler im Zuge ihrer Printausbildung erstellten. Das wurde gedruckt und verschickt, klassisch analog also. Seit gut einem Jahr ist die Idee dahinter eine andere: Jedes Magazin läuft online und ist nicht hinter irgendwelchen Passwörtern auf irgendwelchen Schulservern versteckt. Das Heft zum Thema “Selber Machen” ist das vierte, das wir in dieser Form präsentiert haben. Für Journalisten ein ganz besonderer Tipp: Im Sommer 2009 hatten wir eine Ausgabe gemacht, die sich ausschließlich mit Journalismus beschäftigt — was damals angesichts des 60. Geburtstags der DJS eine ganz besonders schöne Idee von Schulleiter Uli Brenner war.
Jetzt aber ab heute erst mal die neue Ausgabe zum Thema “Selber machen”. Das nächste Heft/Projekt erscheint dann voraussichtlich im Frühjahr 2010 mit der Lehrredaktion 48K.
Und fast jeder Maurer ist besser ausgebildet…
Wenn man nicht gerade über die Maßen naiv ist, dann weiß man das: Volontariat ist zwar ein wohlklingendes Wort, dahinter verbirgt sich aber nicht selten etwas, was mit Ausbildung nicht wirklich viel zu tun hat. Volos, die über Wochen hinweg das Blatt alleine stemmen müssen, Volos, die de facto billige Arbeitskräfte und nicht mehr sind – das alles hat man immer wieder mal gehört und sich (leider) achselzuckend damit abgefunden.
Gestern dann aber eine Veranstaltung mit (Zeitungs-)Volontären, bei der mir fast die Luft weggeblieben ist: eine Gruppe mit einem guten Dutzend, von denen kein einziger mit seinem Volontariat auch nur halbwegs zufrieden war. Eine Gruppe (aus ganz unterschiedlichen Häusern), für die es selbstverständlich war, dass es keinen Ausbildungsplan gibt, keinen Redakteur, der sich um sie kümmert, kein Feedback, keine Anleitung, einfach nichts, außer: mach mal.
Das ist dann doch ziemlich verblüffend, weil man auf der anderen Seite gerade in den jetzigen Debatten um die “neuen” Medien immer wieder hört, wie wichtig gut ausgebildete Journalisten seien, die gehaltvollen Qualitätsjournalismus liefern und damit all den ganzen bloggenen, twitternden und sonstwie publizierenden Laien etwas entgegensetzen zu können. Lass die doch irgendwelchen Blödsinn schreiben, heißt es aus der Qualitätsprinterecke immer wieder gerne, wirklich relevant sind nur wir; wir uns unsere Qualität. Qualität, die daraus besteht, dass man den bisher unbezahlten Praktikanten in den Status des nicht selten untertariflich bezahlten Volos befördert, ihn aber ansonsten weiterhin unbeaufsichtigt arbeiten lässt?
Komisch ja auch: niemand käme auf die Idee, einen Maurerlehrling mal eben alleine und unbeaufsichtigt und ohne Anleitung an einem Haus bauen zu lassen. Bei Qualitätsmedien, bei unserem “4. Stand” ist man da wesentlich salopper.
Stefan Niggemeier schrieb in den letzten Tagen von einem “Kulturkampf” gegen das Web 2.0. Da ist was dran. Allerdings, wenn dem so sein sollte, dann gehen die Kulturkämpfer eher mit schlecht ausgebildeten Truppen in den Kampf.
Übrigens, im Mai bin ich auf dem Süddeutschen Journalistentag auf einem Panel zum Thema “Bloggen, twittern – neue Sündenfälle im digitalen Zeitalter.Über Ethik im Journalismus.” Gerade im Moment kommt mir diese Debatte ziemlich abgehoben vor.
Wie man in Passau jetzt auch die Ausbildung beerdigt
Eine der Besonderheiten der Passauer Neuen Presse (doch: die gibt es…) war über etliche Jahre hinweg ihr Modell für die Ausbildung. Wer als Volontär zur PNP kam, hatte im Regelfall die Gewissheit nicht wie in anderen Häusern häufig üblich als billige Vollzeitarbeitskraft missbraucht zu werden. Stattdessen gab es eine außergewöhnlich umfangreiche Betreuung, viel Feedback, laufende Wechsel der Redaktionen, in denen man eingesetzt war. Und schließlich kam man noch in den Genuss zahreicher Seminare, die in einem nach meinem Wissen für Tageszeitungen ziemlich einmaligen Modell zusammengefasst war: Das “Institut für Journalistenausbildung und Kommunikationsforschung an der Universität Passau” legte die Ausbildungskompetenzen der Zeitung, der Universität und der Akademie für politische Bildung in Tutzing zusammen. Doch auch damit ist es jetzt vorbei: Verlegerin Simone Tucci-Diekmann, bekannt für den gut getarnten Überraschungsangriff, ließ in dieser Woche bei der jährlichen Sitzung des Instituts die Bombe platzen: In dieser Form, so Tucci-Diekmann, werde es diese Kooperation nicht mehr geben – bezeichnenderweise kam diese Mitteilung unter dem Tagesordnungspunkt “Verschiedenes”, einen eigenen Tagesordnungspunkt wollte die Verlegerin dem Thema nicht widmen (sonst hätte sich ja auch möglicherweise schon im Vorfeld ein gewisser Widerstand formiert).
Bedeutet konkret: Die Ausbildung wird wohl nicht mehr in Zusammerarbeit mit der Universität stattfinden und die Kooperation mit Tutzing ist auch hinfällig. Zwar bedeutet das ausdrücklich nicht, dass man gar keine Ausbidung mehr betreiben wolle (das wäre ja auch schlecht möglich), aber es bedeutet ganz sicher, dass man sich von einem sehr bewährten Modell verabschiedet. Dem Studienleiter Michael Schröder hat man bereits mitgeteilt, dass 2009 sein letztes Jahr für die PNP-Ausbildung war. Und den ungeliebten Helmuth Rücker, dem man im November 2008 den Stuhl vor die Tür stellte, ist man damit en passant auch gleich noch los (Rücker firmiert bisher noch als Geschäftsführer des Instituts). Wieder also ein Stückchen guten Rufs, dass sich die Passauer da verspielen, zumal sich der Eindruck aufdrängt, dass diese Nacht- und Nebel-Aktionen bei Frau Tucci-Diekmann eher System als Zufall sind.
Interessant dabei ist auch, dass sich die Spirale nach unten fortsetzt. Zwar schrieb die Verlegerin ihren Mitarbeitern zum Jahreswechsel noch, man brauche, um der Krise zu trotzen, freundliche und motivierte Mitarbeiter (und man war bei der Lektüre dessen geneigt, noch hinzuzufügen: pünktlich! pünktlich sollten sie auch sein!), aber eine wirkliche Idee außer freundliche Mitarbeiter, rabiaten Personalwechseln und Spaßmaßnahmen, zu denen das Zurückfahren der Ausbildung sicher auch gehört, scheint sie nicht zu haben. Laut IVW jedenfalls hat die PNP im Jahr 2008 bei der verbreiteten Auflage erneut rund 2600 Exemplare verloren. Auch der Rückgang von 1200 Abonnenten ist nicht eben erfreulich – weil er in der Konsequenz nichts anderes bedeutet, dass im überaus bodenständigen Niederbayern, in dem die Passauer auch noch im allergrößten Teil ihres Verbreitungsgebiets Monoplist sind, jeden Monat 100 Abos wegfallen.
Aber vielleicht müssen ja wirklich nur die Mitarbeiter künftig ein wenig freundlicher sein.
Klartext online
Zugegeben, vor diesem Projekt war mir etwas mulmig: Wenn man Jahr und Tag vor sich hinbloggt und (gelegentlich) etwas ungnädig Projekte anderer begutachtet, dann ist es umso schwieriger, wenn man selber den Beweis antreten soll, dass man es anders (und vermutlich wohl auch besser) machen kann.
Passiert ist das Folgende: An der DJS ist die Ausbildung seit Jahr und Tag in drei bzw. vier Blöcke aufgeteilt: Print, Radio, Fernsehen – und seit einigen Jahren auch Online/Multimedia. Irgendwann im vergangenen Jahr entstand die Idee, dass es irgendwie unsinnig sei, wenn man den allergrößten Teil der Ausbidung quasi analog absolviert und dann noch einen kleinen digitalen Appendix dran hängt. Logische Konsequenz: Multimediales Arbeiten muss sich konsequent durch die Ausbildung ziehen. Erster Schritt: Das Print-Magazin “Klartext”, das jede Klasse im Zuge der Printausbildung erstellt, gibt es jetzt auch als Online-Erweiterung und wird künftig von jeder Klasse mit jeder neuen Ausgabe erstellt.
Wer sich beim Betrachten der Seite etwas wundern sollte, warum der Name “Klartext” so wenig auftaucht: Ausgerechnet die erste Ausgabe, die von der Online-Seite begleitet wird, war ein Spin-off von Klartext, mit Namen Silber, ein Zielgruppenheft für die Generation 50 +. Allerdings finde ich, dass die 46 B der DJS ziemlich toll gezeigt hat, dass Medien für 50 + überhaupt nichts Angestaubtes, Betuliches, Langweiliges an sich haben müssen.
Weitere Anmerkung: Zum Zeitpunkt des Zusammenbaus dieser Seiten war die Klasse weder in Radio- noch Fernsehausbildung. Audiovisuelle Elemente kommen deswegen eher sparsam vor (das wird in einem späteren Projekt nachgeholt). Und nachdem man ja immer ales noch einen Tick besser machen kann, freue ich mich sehr über Feedback…
Wer wissen will, wer hinter dem Projekt steht: Hier finden Sie die Redaktion. Die Chefredaktion des Heftes hatten Moritz Baumstieger und Johanna Schoener, Lea Hampel war die allesverantwortliche Onlinefrau. Und ohne Johannes Ewald, der sich um die Technik kümmerte, hätte das alles eh nicht funktioniert. Danke euch allen.
Update, 12.12.: Dieser Beitrag war bereits einmal online, danach habe ich ihn noch einmal zwei Tage runtergenommen. Grund war, dass das Projekt Klartext tatsächlich noch ein paar Baustellen aufwies, die wir schließen wollten. Insofern: Schneller gebloggt als gedacht, das alte Phänomen.
Geh heim und lerne…
Eigentlich könnte es ja ganz einfach sein: Man brauchte sich lediglich an die Thesen zu halten, die Mindy MacAdams in ihrem Blog Teaching Online Journalism aufgestellt hat und die u.a. auch bei Dirk von Gehlen nachzulesen sind.
Diese Dinge sind so banal, dass man sich eigentlich gar nicht traut, sie ernsthaft jemandem ans Herz zu legen. Sie sind banal und im Grunde müssten sie common sense sein. Gut, denkt man sich, ein paar digitale Totalverweigerer jenseits der 35 oder wahlweise ein paar Zeitungsleute, die immer noch meinen, die Qualität und die Wertigkeit eines Mediums richte sich danach, ob es auf Papier gedruckt ist – die werden damit nicht viel anfangen können. Aber für alle anderen, die jetzt noch mehr oder weniger am Anfang ihres Berufslebens stehen, für die muss das so sein wie die ersten Übungen zum Schwimmenlernen: so verinnerlicht, dass man gar nicht darüber nachdenkt, was man da tut.
Und dann ist man mal drei, vier Wochen am Stück in der Republik unterwegs, nur um dann festzustellen, dass das beileibe noch nicht so ist. Sondern dass es vielmehr immer noch einen frappierend hohen Anteil von journalistischem Nachwuchs gibt, der eine erstaunlich geringe Neigung zeigt, sich mit diesem Thema halbwegs ernsthaft auseinanderzusetzen. Dass man im Jahr 2008 überhaupt noch auf junge Journalisten trifft, die kein Audacity, Premiere, Soundslides et al auf dem Rechner haben (und das ist eine deutliche Mehrheit), hätte ich kaum für möglich gehalten. Ist aber so. Und vermutlich ist genau das auch der Grund, warum wir es auf dem Arbeitsmarkt für Journalisten auch in den kommenden Jahren mit einer paradoxen Situation zu tun haben werden: Der Nachwuchs drängt vehement in sterbende Bereiche, während man überall dort, wo die Zukunft liegt, händeringend gute Leute sucht. Fast ist das so, als wenn der größte Teil der deutschen Abiturienten als bevorzugte Branche des künftigen Arbeitslebens “Bergbau” angeben würde…
(Auslöser des Postings war die Tatsache, dass Dirk von Gehlen gestern an der DJS die Thesen von Miss MacAdams vorgestellt hat und das eine wunderbare Gelegenheit war, mal im Stillen über dieses Thema zu sinnieren. Keinesfalls bezieht sich das Ergebnis des Sinnierens auf eine bestimmte Einrichtung, Schule, Klasse, what else. Fällt mir nur so auf. Ich glaube auch auf gar keinen Fall, dass – beispielsweise – junge Volontäre von diesem Trend ausgenommen sind).Â
Früher war alles besser (oder so)
Es hat nicht sehr viel Mühe gekostet, Dinge wie die 54 Millionen Menschen, die alle Prozac einnehmen, und den künftigen bayerischen Ministerpräsidenten Maget zu finden. Genauer gesagt: Ich habe nicht danach gesucht, eher haben mich diese Geschichten förmlich angesprungen. Umso mehr macht mich das stutzig: Ich bin kein Watchblogger, ich suche keine Fehler, ich durchforste auch nicht morgens irgendwelche Angebote, Zeitungen, Sendungen, um mich dann über deren Qualitätsmängel herzumachen. Dennoch findet man genau diese Mängel. Haarsträubende Fehler, die man uns (Achtung, akuter Sentimentalitätsanfall) früher als Volos um die Ohren gehauen hätte, zurecht übrigens.
Und jetzt bin ich ziemlich verunsichert: War´s einfach nur Zufall? Ist die Lage in Onlineredaktionen besonders desolat oder haben andere ähnliche Probleme? Werden Journalisten schlechter ausgebildet als früher, liest eigentlich irgendjemand noch über Texte drüber, ehe sie live gehen?
Oder war einfach früher alles besser? (Bevor wieder jemand mosert: Der letzte Satz ist so etwas wie der Versuch von Ironie. Meinungen dennoch gerne erwünscht).
Eierlegen und etwas Wollmilch produzieren
Seit ein paar Jahren geht das Spiel jetzt schon so: Am Ende ihrer Ausbildung an der DJS landen 15 meistens sehr begabte, sehr kluge, sehr engagierte junge Menschen in einem Online-Workshop, in dem wir dann in inzwischen eineinhalb Wochen ein selbstgedrehtes TV-Magazin multi- und crossmedial aufbereiten. Mit allem, was so dazu gehört, mit Videos, Podcasts, Texten, Fotos, die ganze Klaviatur halt. Eines haben diese Workshops indes gemeinsam: Sie sind immer anderes. Das liegt zum einen an der immer noch rasanten Entwicklung in dem Bereich, die mich regelmäßig an die Zustände an einem Bahnhof erinnert: einmal nicht richtig hingeschaut, ist er abgefahren, der Zug. Wenn ich mir jedenfalls so ansehe, wie das erste Projekt an der DJS aussieht, packt mich das Schmunzeln. Damals fand ich es toll, heute ist es wie ein Blick ins Online-Museum. Dabei ist das gerade en paar wenige Jahre her.
Der zweite Grund für diese wechselnden Ergebnisse ist die Zusammensetzung der Klassen bzw. deren Talente. Ich kann mich an Klassen erinnern, die komplett textlastig waren. In denen die Schüler mit Hingabe an wirklich großartigen Texten feilten und selbst sich noch um vermeintliche Kleinigkeiten wie Bildunterschriften streiten konnten. Dafür hatten sie es nicht so sehr mit dem bewegten Bild. Nicht, dass ihre Sachen schlecht gewesen wären, keineswegs, nur: Man merkte ihnen an, dass es nicht ihr größtes Talent und auch nicht ihre höchste Passion war, TV-Beiträge zu produzieren.
Das war beim letzten Mal anders: drei, vier Leute in der Klasse, die schon vorher viel mit dem Thema Fernsehen zu tun hatten, die spürbar eine hohe Affinität und eine große Begeisterung fürs TV hatten. Dafür war diesmal, im Gegensatz wiederum zur Klasse davor, niemand dabei, der sich wirklich für das Medium Foto begeistern konnte. Auch hier galt: alles nicht schlecht und handwerklich war an den Bildern auch nichts auszusetzen, aber sie waren eben nicht so, dass sie einen vom Hocker geworfen hätten. Solide eben.
Ich bin mir mittlerweile ziemlich sicher, dass sich daran auch in den folgenden Jahren auch nichts ändern wird, nur dass die Verteilung der Talenten und Interessen von Mal zu Mal variieren wird. Was bei näherer Betrachtung auch überhaupt nichts Ungewöhnliches ist. Ich kenne (denke ich zumindest) eine Reihe wirklich ausgezeichneter und auch vielseitiger Journalisten, die ich allesamt für ihr Können und ihre Arbeit aufrichtig bewundere. Ich kenne allerdings keinen, der alle Spielarten gleichermaßen gut beherrscht. Kein Wunder, schließlich müssen gute Kameraleute erstmal jahrelang irgendwo mitlaufen, ehe sie alleine an große Projekte randürfen. Wirklich gute Fotografen lernen vermutlich lebenslang und ein richtig gutes Radio-Feature ist eine hohe Kunst für sich. Wie also soll jemand, der ein guter Generalist ist, auch gleichermaßen ein guter Spezialist sein?
Unterm Strich also: Ich glaube fest an die Zukunft multi- und crossmedialer Journalisten, sie sind das Berufsbild der Zukunft. Nur stoßen auch die ausgefeiltesten Konzepte, die besten Ausbildungen und die talentiertesten Leute an natürliche Grenzen. Die einen früher, die anderen später.
