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Anmerkungen eines Medienmenschen

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Schneider&Raue: Wenn Blinde über Farbe schreiben

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Eigentlich sind Wolf Schneider, Paul Josef Raue und noch ein paar andere Veteranen der Journalistenausbildung schuld daran, dass ich mich rund ein Jahr lang mit vielen guten und netten Kollegen an das Projekt “Universalcode” gemacht habe. Die Idee entstand beim Durch-den-Wald-Joggen, nachdem ich Tags zuvor von einem Volontär bei einem Seminar den berechtigten Hinweis erhalten hatte, es sei für junge Journalisten nicht eben einfach, die Theorie in die Praxis umzusetzen. Schließlich gebe es dazu ja so gut wie keine brauchbare Literatur. Beim Joggen durch den Wald ging ich dann im Kopf mal durch, was es an Standards so gibt, wenn es um Multimedia, Online, Crossmedia, das ganze digitale Zeugs eben so geht. Und man kann es ahnen: Wäre mir wirklich viel eingefallen, gäbe es heute Universalcode nicht. Das, was mir an den Dingen einfiel, die man jungen Journalisten heute so gedankenlos hinwirft, will man ihnen Literatur empfehlen, lautet immer noch: Lies mal den Schneider. Oder die ganzen anderen.

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Schneider? Ich habe natürlich den gebührenden Respekt, den man als Journalist haben muss, habe mich aber schon immer furchtbar an dieser restlos unreflektierten Haltung gestört. Wenn Schneider das sagt, muss es ja richtig sein. Deswegen nennt man ihn gerne “Papst”. Raue ist zwar noch kein Papst, aber weil Päpste sich selten mit Priestern abgeben, müsste man Raue wenigstens als eine Art Kardinal bezeichnen. Jedenfalls sind die beiden bekannt genug, um für viele junge Journalisten immer noch als maßgeblich zu erscheinen. Zusammen haben Schneider und Raue schon vor Jahren ein “Handbuch des Journalismus” herausgebracht. Die neueste Ausgabe des Werks trägt inzwischen den Titel “Handbuch des Journalismus und des Onlinejournalismus”, was abgesehen von der etwas ungelenken Formulierung schon alleine im Titel verräterisch ist. So, als müsste man irgendwie hinzufügen, dass es da mit diesem Interdingens noch etwas gibt, was im weitesten Sinne auch noch mit Journalismus zu tun hat. Würde man Onlinejournalismus als etwas völlig Normales betrachten, es würde reichen, weiterhin von einem “Handbuch des Journalismus” zu sprechen. Niemand wäre früher auf die Idee gekommen, beispielsweise ein “Handbuch des Journalismus und des Zeitungsjournalismus” zu schreiben.

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Jetzt kommt der Teil, an dem es für mich schwierig wird. Es ist an sich eher ungehörig andere zu kritisieren, wenn man selber ein Buch zu einem ähnlichen Thema herausgegeben hat. Sicher sagen kann ich nur, dass ich den gleichen Beitrag auch schreiben würde, wenn es “Universalcode” nicht gegeben hätte, alles andere überlasse ich gerne Ihrer Beurteilung. Ich würde diesen Beitrag vor allem deshalb schreiben, weil ich es für ein Unding halte, wenn der Mann, der sich so gerne unwidersprochen “Papst” nennen lässt, mit seinem Adjutanten in einem der größten deutschen Verlage ein Buch veröffentlicht, von dem es nicht weniger heißt, als dass es der Standard in der Journalistenausbildung sei. Ein Buch, in dem hoffnungslos windschiefe Berufsbilder gezeichnet werden, ein Buch, das das Internet als eher lästige Begleiterscheinung darstellt, dennoch aber natürlich auch das “Handbuch des Onlinejournalismus” genannt wird. Und vor allem: ein Buch, das gerade in diesem Bereich vor Unkenntnis, platten Klischees und – auch das – schlampiger Recherche nur so strotzt.

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Hat er (gemeint ist ein Jungjournalist) seine Ausiedlerreportage am Samstag in der Zeitung nicht unterbringen können, versucht er es am Sonntag nochmal. In der schwach besetzten Online-Redaktion dürfte er Erfolg haben. Allerdings liest kein Redakteur seinen Text. Die Chance, dass ein User kritisiert, ist höher, als dass ein Redakteur das tut. Das Netz hat eben einen großen Bauch, es verschlingt selbst Texte und Bilder, die für eine Zeitung unverdaulich sind.

Was Schneider und Raue zu Beginn ihres Kapitels “Die Online-Redaktion” schreiben, klingt auf den ersten Blick nicht mal unplausibel. Wer wollte bestreiten, dass es solche Zustände gibt? Wer wollte allerdings umgekehrt bestreiten, dass nicht oder nur flüchtig redigierte Texte auch zum Repertoire einer kleinen Lokalredaktion gehören? Oder generell (leider) zum Standard von Unternehmen, wo Journalismus eher als billiges Material zum Füllen des Platzes zwischen den Anzeigen genutzt wird?  Wenige Absätze darauf beschreiben Schneider und Raue die technischen Mängel, die in vielen Onlineredaktionen herrschen, um zu dem Schluss zu kommen: “Nicht selten arbeiten Online-Redakteure mit schwächerer Technik als ihre Leser.” Auch das mag stimmen, aus meiner eigenen Erfahrung weiß ich aber auch, dass lahme Rechner und veraltete Software  keineswegs das Privileg von Onlineredaktionen sind. Mir fällt beispielsweise eine Tageszeitung im Südwesten ein, die noch immer ihre tägliche Arbeit auf Rechnern leistet, die auf Windows XP laufen. Oder eine große Tageszeitung im Süden, die mal eine Lieferung einer Agentur nicht entgegennehmen konnte, weil ihre Version der entsprechenden Software so veraltet war, dass nicht mal mehr ein Downgrade innerhalb der Agentur geholfen hätte, die Software wurde vom Hersteller nicht mehr supportet. Kurzum: Natürlich kann kann technische und personelle Mängelverwaltung in den Redaktionen gar nicht laut genug kritisieren. Ein Spezifikum des Onlinejournalismus sind sie keineswegs.

Aber sieht man von solchen Schwächen einmal ab: Um welch merkwürdige Haltung handelt es sich eigentlich, wenn zwei Journalistenausbilder jungen Journalisten die Vorzüge einer Onlineredaktion vor allem so anpreisen, als dass dort niemand gegenliest und man dort Texte, die für die hochwertige Zeitungsredaktion unverdaulich sind, irgendwie noch unterbringen kann? Online als Müllschlucker, als Resteverwerter, als Spielwiese, die Driving Range für alle, bei denen es für die journalistische Platzreife nicht ganz reicht? Doch ja, das glauben Schneider und Raue allen Ernstes – um es am Ende des Kapitels nochmal ausdrücklich zu bekräftigen (extra fett gesetzt): Wer diesen ganzen Technikkram also halbwegs beherrsche, der “hat als Anfänger große Chancen, zumal viele Zeitungsredakteure Online wenig achten und beachten”.

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Es gibt dafür sogar einen bekannten Kronzeugen: Thomas Knüwer. Knüwer? Aber ja doch. Unter dem Zwischentitel “Wie arbeitet eine Online-Redaktion” schreiben Schneider und Raue:

“Online-Redakteure sind die dummen Textschrubber, die nichts können”, sagt Ex-Handelsblatt-Redakteur Thomas Knüwer. Mit solch einer Arroganz urteilen Zeitungsschreiber nicht selten,  doch die Klage hat einen wahren Kern. Onliner schreiben unermüdlich Texte um, die sie als Rohfassung vom Newsdesk bekommen; sie kürzen, bearbeiten PR-Texte, indem sie zumindest die Quelle angeben; sie füllen eben das Internet und nicht selten tun sie es ohne Sinn und Verstand.”

Ob Schneider und Raue jemals eine Onlineredaktion von innen gesehen haben, mag man bezweifeln, aber man hat ja Knüwer als Kronzeugen dafür, dass Onliner oft “ohne Sinn und Verstand” das Netz vollschreiben. Und natürlich ist es restlos despektierlich, Sprachpäpsten etwas vom korrekten Zitieren zu erzählen, in diesem Fall muss es allerdings sein. Das korrekte Zitat Knüwers lautet:

 

Aber Onliner sind aus Sicht vieler Printkollegen nur die dummen Textschrubber, die nichts können.

Ein Unterschied? Aber gewiss. Zum einen ist es etwas grundlegend anderes, ob jemand sagt, Journalisten “sind” irgendwas. Oder ob man feststellt, dass andere behaupten, der Journalist sei irgendwas. Zum anderen muss man sich das Interview in seinem Kontext durchlesen, um schnell zu merken: In diesem Gespräch werden Missstände im Onlinejournalismus kritisiert, keineswegs aber behauptet, dass Journalisten in diesen Redaktionen dumme Textschrubber seien, die ihre Arbeit ohne Sinn und Verstand ausüben. Kleinkariert? Nein. Nicht, wenn es um einen Autor geht, der seit Jahrzehnten Journalisten penible Vorträge über die richtige Verwendung der deutschen Sprache hält. Davon abgesehen, dass es einigermaßen perfide ist, einen prominenten bekennenden Verlagskritiker und praktizierenden Onliner zum Kronzeugen für die Sinn- und Hirnlosigkeit des Onlinejournalismus machen zu wollen.

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Zugegeben, natürlich ist auch der User schuld am grassierenden Online-Elend. Schneider und sein Co-Schreiber halten deswegen auch noch die folgende Zustandschreibung fest:

  • Die meisten Leser wollen gar nicht mehr lesen, sie verzweifeln vor der Masse der Informationen – und wenden sich im Internet gleich den Vergnügungen und Zerstreuungen zu, die einen Mausklick entfernt liegen.
  • Der Dialog im Internet besteht zum Großteil aus Schwachsinn und Dampfplauderei; er kostet mehr Zeit als er Gewinn bringt.
Man liest das, die Kinnlade fällt runter — und man denkt unwillkürlich an die beiden älteren Herren aus der Muppetshow. Das Stereotyp des immerwährenden Unsinns im Netz ist auch von Schneider so oft wiederholt worden, dass es ihm selbst langsam langweilig vorkommen sollte. Und wenn es nicht so unpassend wäre, man würde ihm gerne den Text von Dirk von Gehlen aus dem “Universalcode” in die Hand drücken, ihn die Funktion des “Internet als Dialogmedium” lesen lassen und ihn bitten, dann vielleicht nochmal neu nachzudenken. Wäre aber nicht nur unpassend, sondern sinnlos: Man müsste von Schneider erwarten, dass er sich ein einziges Mal in seinem Leben selbst korrigieren würde. Vorher wächst einem Onliner Hirn, bevor Schneider das tun würde.
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Wenn man ein “neues Handbuch des (Online-)Journalismus” schreiben will,  muss man sich natürlich auch zu diesem Multimedia-Gedöns äußern. Videos beispielsweise. Ob Schneider und Raue jemals eine Videokamera in der Hand hatten, weiß man nicht (vermutlich: eher nein). Bei dem überbordenden Selbstbewusstsein der beiden ist das aber kein Hinderungsgrund, sich auch über das Thema Bewegtbild im Netz auszulassen. Die beiden wissen sehr gut, welche Voraussetzungen es dafür braucht:

“Doch nebenbei ist Fernsehen im Internet (sic!) nicht zu machen. Notwendig sind eine teure Kamera nebst Mikrofon und Kopfhörer, ein Laptop mit großem Speicherplatz, ein gutes Programm zum Schneiden des Rohmaterials, Routine und viel Zeit.”

Ich weiß nicht, was ich mehr bewundern soll: die Chuzpe, über Dinge, von denen man sehr offensichtlich nichts versteht, trotzdem einfach irgendwas zu schreiben. Oder den Mut, ohne irgendeine Recherche zum Thema ein paar steile Thesen aufzustellen. Was ich sicher weiß: Wenn mir ein Student in einer Hausarbeit die Grundlagen der Videoproduktion so erklären würde, wäre er glatt durchgerauscht. Bei Schneider und Raue und rororo wird daraus ein Lehrbuch, das sich als “Standard” bezeichnet. Unnötig zu sagen, dass die Ausführungen zum Thema Podcast von ähnlich dramatischer Sachkenntnis geprägt sind.

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Ja, und irgendwann muss man auch mal was zu Blogs und Social Media und Web 2.0 schreiben, Schneider kennt sich da aus:

Frage: Herr Schneider, lesen Sie Blogs?

Wolf Schneider: Ich benutze gar keinen Computer, aber meine Frau verfolgt ein Dutzend Blogs und Twitter und druckt mir das aus. Kein Tag, an dem ich nicht mindestens zwei Blogs lese.

Der Mann, der sich also mindestens zwei Blogs und ein bisschen Twitter ausdrucken lässt, schreibt jetzt auch über Blogs und Twitter.  Und er schreibt allen Ernstes:

Blog und Twitter haben aber ebenfalls ihre Unschuld längst verloren.  Mit beiden betrieb Obama Wahlkampf bis zur letzten Minute. (…)Beide Medien eignen sich also für eine kostenlose, allgegenwärtige politische Propaganda – in einem Umfang, den die Zeitungsjournalisten ihren Lesern großenteils ersparen.

Nein, das ist nicht (mehr) überraschend. Nicht, wenn man weite Teile dieses Buchs zum Thema “Online” gelesen hat. Das wäre auch alles nicht weiter schlimm, weil jeder denken und schreiben kann, was er will und niemand gegen seinen Willen zum digital native gemacht werden darf. Das Ärgernis ist ein anderes, größeres: Das ist kein kleiner Besinnungsaufsatz, den Schneider und Raue da auf den Markt gebracht haben. Sondern ein Buch, das mit vergleichsweise hoher Auflage jungen Journalisten als Einstiegslektüre in unseren Beruf verabreicht wird. Über das nicht groß nachgedacht und das nicht hinterfragt wird, weil da doch Schneider drauf steht. Das ist fahrlässig und ärgerlich zugleich. Jungen Journalisten, die noch Jahrzehnte ihres Jobs vor sich haben, wird mit diesem Handbuch ein Berufsbild vermittelt, mit dem sie keine fünf Jahre mehr überleben können.

Und irgendwie ertappt man sich bei dem dringenden Wunsch, der Papst und sein Kardinal würden langsam in den Ruhestand treten oder aber sich wenigstens die Mühe machen, sauber zu recherchieren, ordentlich zu zitieren und künftig nur noch über Dinge zu schreiben, von denen sie wirklich etwas verstehen.

Aber für Päpste ist so etwas wie Ruhestand ja nicht vorgesehen.

Written by cjakubetz

Januar 29th, 2012 at 5:31 pm

Ein paar haben gefragt: Warum macht der das?

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Untitled from Christian Jakubetz on Vimeo.

Die Deutsche Journalistenschule in München hat seit rund zwei Wochen einen neuen Chef: Jörg Sadrozinski wechselte aus Hamburg von “tagesschau.de” ans Altheimer Eck. Für Sadrozinski nach über 20 Jahren auch so etwas wie eine Rückkehr — an der DJS wurde er ausgebildet.  Im Interview spricht er über seine Ziele an der Schule, die Veränderungen im Journalismus – und warum es sich immer noch lohnt, diesen Beruf zu ergreifen.

 

Written by cjakubetz

Juli 16th, 2011 at 11:18 pm

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Ein Buch – das Update (54): Bitte wählen Sie Ihr Cover!

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In der “Universalcode”-Truppe geht es momentan zu wie bei einem halbwegs frisch verliebten Pärchen, das sich gerade zum ersten Mal streitet. Bevor Sie sich Sorgen machen: Nein, wir streiten natürlich nicht. Aber wir diskutieren. Dummerweise mit einem Ergebnis, bei dem man nicht mal eine demokratische Legitimation via Abstimmung hinbekommt, weil die Meinungslage aktuell einem klassischen Patt entspricht. Und deswegen würden wir jetzt gerne Ihnen die Entscheidung überlassen…

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Die Sache ist die: Wir haben ein Cover fürs Buch, das Sie ja auch schon gesehen haben. Jene Zeichnung, bei der eine Hand mit einem Pinsel auf einem iPad-ildschirm etwas Neues entstehen lässt. Zugegeben: Das Cover ist seit längerem das umstrittenste Ding bei diesem Buch. Es gab von Anfang an Kritiker (auch von außen) und es gab leidenschaftliche Befürworter. Irgendwann kam dann mal die Idee, einen Alternativvorschlag erarbeiten zu lassen, der jetzt, kurz vor Torschluss, eingetrudelt ist. Gestern habe ich ihn rumgemailt, was leider insofern keine gute Idee war, als dass wir jetzt wieder nicht schlauer sind. Denn auch der Alternativvorschlag findet Befürworter und Gegner. Und die Fronten verlaufen ebenso hart wie vorher.

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Cover 1, erst einmal die Grundgedanken. Die Idee war zunächst, dass wir kein Cover mit irgendwelchen missratenen Symbolbildern haben wollten (bevorzugt: Mensch am Computer, arbeitend). Wir fanden die Arbeitsweise von Anna Lena Schiller sehr spannend und fragten sie nach einem Entwurf. Der Gedanke hinter der Zeichnung: Unsere analoge Medienwelt transformiert gerade in etwas Neues, Ungekanntes. Die Argumente unserer internen Befürworter: orginell, auffällig, einprägsam, vielsagend, ungewöhnlich, Potential für eine komplette CI. Argumente der Gegner (Zitate aus internen Mails):

Welches Signal geht denn von einer (handwerklich guten) Illustration aus, auf der jemand einen Pinsel verwendet, um einen Touchscreen zu bedienen? Man stelle sich vor, Spiegel/Stern/SZ hätten eine Geschichte übers “Mitmach-Web” so bebildert, die “Netzgemeinde” hätte eine Freude daran, der Frage nachzugehen, ob man in den dortigen Redaktionen tatsächlich der Meinung ist, man könne Twitter und Facebook mittels eines verkabelten Pinsels auf ein iPad übertragen.

Finde das (alternative)  Cover besser, weil passender zu Titel und Inhalt.

Das ist so die Quintessenz der Gegner dieses Covers.

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Cover 2 ist ein Entwurf von Dirk Kirchberg. Der QR-Code auf dem Titel könnte natürlich noch mit einer Botschaft angereichert werden. Dieser Entwurf hat Befürworter, aber auch Gegner. Die Kritik bezieht sich vor allem darauf, dass QR-Codes im Jahr 2011 nicht mehr wirklich relevant sind und ebenfalls ein falsches Signal aussenden würden. Auszüge aus den internen Mails:

Zusätzlich zu allem, was schon eingewendet wurde, möchte ich hinzufügen, dass ein QR-Code auch ein falsches Signal wäre. Aus meiner Sicht er ein technisches Hilfsmittel, vor allem um Verbindung zwischen physischen Objekten und der virtuellen Welt herzustellen. In unserem Buch befassen wir uns jedoch vor allem mit journalistisch-inhaltlichen Themen.

Qr-Codes finde ich nicht zentral zukunftsweisend (NFC!) und ein Alleinstellungsmerkmal hat man damit auch nicht mehr (Welt kompakt twitterbild etc.) 1995 wäre das ein unfassbarer Kracher gewesen ;)

qr-codes sind nie erwachsen geworden. und dank NFC tatsächlich obsolet. von daher aus inhaltlicher sicht ein “eher nicht” von mir.

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Schließlich gibt es noch eine dritte Idee, die ebenfalls ein paar Befüworter gefunden hat. Nämlich eine Art “Mash-Up” aus beiden Entwürfen, was dann so aussähe.

 

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Aber es ist ja auch Ihr Buch. Und Sie sehen, zum ersten Mal in der kurzen Geschichte des Universalcodes sind wir gespalten. Helfen Sie uns, damit wir wieder friedlich miteinander leben und uns wie frisch verliebte Pärchen benehmen können. Und stimmen Sie ab. Jetzt — und hier!

(Eigentlich sollte hier ein Abstimmungstool stehen, genauer gesagt: wp-polls. Das Problem ist nur, dass nach Installation des Plugins die Seite de facto nicht mehr lesbar war, keine Ahnung warum. Deswegen Anmerkungen bitte in den Kommentaren oder via Mail unter cjakubetz ät gmail dot com. Danke!)

Nachtrag: Dank Verna Bunse gibt´s jetzt doch noch ein vernünftiges Voting-Tool:


Written by cjakubetz

Juni 12th, 2011 at 9:56 am

Ein Buch – das Update (53): Ein bisschen Feiertagslektüre

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Gerade im Moment ist es passiert: Euryclia, unser wunderbarer Verlag, ist im Besitz aller Texte. Was fehlt, sind nur noch Kleinigkeiten, aber mit der Produktion von “Universalcode” kann begonnen werden. Wir müssen nur noch die unvermeidlichen Stolpertsteine überstehen, die sicher kommen werden, von denen wir nur noch nicht wissen, wie sie aussehen werden. Aber sie werden kommen, da habe ich keinerlei Zweifel. Egal, alleine die Tatsache, dass aus einem eher so dahin geschriebenen Blogeintrag ein solches Projekt wurde, finde ich eben im Moment ziemlich großartig. Es hat nicht mal ein Jahr gedauert, das umzusetzen.

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Und weil morgen Feiertag ist und Sie vielleicht ein bisschen Zeit für längere Lektüre haben: Hier kommt ein etwas längeres Stück vom Chefredakteur der Rhein-Zeitung in Koblenz, Christian Lindner. Er hat für “Universalcode” den Wandel vom analogen Blattmachen hin zum multimedialen Kommunizieren auf vielen Kanälen beschrieben. Aus einer sehr persönlichen Sicht, ohne mahnend erhobenen Zeigefinger, ein Stück, das man gerne lesen soll, ohne danach mit tiefen Sorgenfalten in Depression zu verfallen. Hier ist es – wegen des Feiertags und der guten Laune in voller Länge.

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Macht Content, kein Layout

Eine große, flache Holzkiste mit metallenen Ecken war unser Garant für guten Lokaljournalismus. Damals, Ende der 70-er Jahre im Hunsrück. Und auch der dunkelrote Bahnbus von Simmern nach Koblenz, der direkt vor unserer Redaktion hielt. Und natürlich die museumsreife Setzerei der Druckerei Böhmer im Untergeschoss des verwinkelten Gebäudes, in dem damals auch drei Redakteure der Hunsrücker Zeitung und ein Volontär (der Autor dieses Textes) arbeiteten. Und die weißgrau lackierten Schreibmaschinen auf unseren spackigen Resopaltischen, sie waren gleichsam die klappernden Schutzengel unseres medialen Schaffens.

Wir wussten das damals nur noch nicht. Wir haben die abgeschabte Holzkiste, den quietschenden Bahnbus, die rasselnden Setzmaschinen der Marke Linotype und unsere ruhestörenden Schreibmaschinen namens „Monika“ oder „Gabriele“ stattdessen bestenfalls als berufsbegleitende Normalität, je nach Jahrgang auch als altmodische Einengung verstanden.

Dank der Weitsicht ihres Altverlegers wurde die lokalen Seiten der Hunsrücker Zeitung damals nämlich noch so realisiert, wie dies bei der Presse viele Jahrzehnte üblich gewesen war: Als Böhmer senior sein Lokalblatt 1954 an den Koblenzer Mittelrhein-Verlag verkaufte, hatte er sich vertraglich ausbedungen, dass die Lokalseiten des Traditionstitels noch Jahrzehnte in seiner Setzerei zu fertigen waren.

Anderenorts hatten schon klobige „Lichtsatzgeräte“ mit schwarz-grün schimmernden Bildschirmen den technisch antiquierten Bleisatz aus den Sälen der Druckvorstufen verdrängt, wurden Texte, Bilder und Anzeigen schon per „Klebeumbruch“ von Metteuren mittels Schiebemesser und gewachstem Spezialpapier auf Leuchttischen zu Zeitungsseiten montiert. In Simmern hingegen waren die Technik, aber auch die Arbeitsteilung zwischen Redaktion und Technik noch traditionell: Alles, was in der Zeitung stehen sollte, schrieb die Redaktion auf Manuskriptpapier. Das war gelbliches Papier mit roten Markierungen – die einem zeigten, wann 40 Anschläge in einer Zeile erreicht, wann 25 Zeilen auf einer Seite gefüllt waren. An der Seite neben dem Textfeld konnten Satzauszeichnungen wie „halbfett“ notiert werden, oben war Platz für Überschrift und Unterzeile.

Dieses Papier wirkte geradezu verstaubt altmodisch. Und doch hatte es unschlagbare Vorteile gegenüber allem, was danach in den Redaktionen Einzug hielt: Wenn die Redakteure ihren Text mit einem Zwei-, Drei- oder – damals eher selten zu beobachtenden – Zehn-Finger-System und mittels „Monika“ oder „Gabriele“ in meist perlendem Schreibfluss zu Papier gehämmert hatten, war ihre Arbeit daran und damit im Kern beendet. Zwar stand zwischen dem oft leicht theatralischen Herausreißen der letzten Seite eines Artikels aus der Schreibmaschine und seinem Publizieren noch viel Arbeit. Redakteure hatten aber damals damit kaum etwas zu tun.

Natürlich kam nach dem Schreiben – und was haben wir damals viel geschrieben! – noch einiges an Routinen dazu. Aber sie waren rasch zu erledigen. Noch einmal durchlesen: Ehrensache. Korrekturen: handschriftlich. Immer ratsam: Das beschriebene Manuskriptpapier ja in der richtigen Reihenfolge zusammentackern. Wenn es ausnahmsweise ein Foto zu einem Text gab: Mit einer Büroklammer dranheften. Und dann: Ab damit in die Setzerei. Ein Lehrling holte stoßweise den Stoff für die Respekt einflößenden Setzer, das Futter für die bleiköchelnden Setzmaschinen.

Gerade mal zwei Stunden Arbeitszeit eines Redakteurs bedurfte es, damit im Reich der Meister des graphischen Gewerbes aus langen Kolonnen von in Blei gegossenen Zeilen, klischierten Bildern und Handsatz-Überschriften die Mutter der drei, vier Zeitungsseiten des nächsten Tages entstand. Einer von uns ging am frühen Nachmittag runter in die museal wirkende, aber perfekt eingespielt funktionierende Setzerei. Einer, nur einer von uns, sagte einem Metteur, welche soeben oder schon vor ein paar Tagen gesetzten Texte möglichst erscheinen sollten. Unser Kollege aus der Technik baute anhand dieser Winke die Seiten zusammen. Passte ein Text nicht, wurde ein Absatz ausgetrieben – oder durch das beherzte Wegwerfen einiger Zeilen gekürzt. Waren die Seiten fertig umbrochen, wurden Pappabdrucke von dem kiloschweren Satzmaterial gemacht.

Was wir am Vormittag oder Vortag geschrieben hatten, konnten unsere Fingerkuppen jetzt fühlen – auf dicken, hellblauen Pappen. Für jede Seite eine Mater. Und die wurden vorsichtig in die flache Holzkiste gepackt und pünktlich zum Bahnbus gebracht. Der schaukelte die Seiten, die den Hunsrück am nächsten Tag informieren und unterrichten, nicht selten auch erregen oder empören sollten, am Nachmittag nach Koblenz. Zum Herstellen von Druckzylindern mittels der Matern, zum Drucken der Zeitung.

Nach diesem Rhythmus, nach dieser Arbeitsteilung funktionierte die Hunsrücker Zeitung redaktionell viele Jahrzehnte. So funktionierten lange Zeit fast alle Lokalredaktionen in Deutschland. Alle Redakteure schrieben oder redigierten. Was auch sonst. Technik machte kaum einer, abgesehen von ein paar Stunden im Bleisatz oder ganz wenigen Redaktionsstatthaltern im Umbruch. Layout: wozu? Artikellängen? Ein Kommentar besser nicht mehr als zwei Blatt, das wichtigste Thema einer Ratssitzung drei bis vier Blatt, eine Reportage gerne auch mal sechs Blatt lang. Korrekturlesen: dafür gab es Korrektoren. Bilder: Fotografiert wurde nur das, was besonders war – und nicht der, der in die Zeitung wollte.

Was nach der Abgabe der Holzkiste im Bahnbus mit unserem Material geschah, hat uns nie beschäftigt, nie wirklich interessiert. Das lief. Wir wussten: Unsere Texte sind in guten Händen. Und es war Verlass darauf: Am nächsten Tag lag unsere Zeitung auf Tausenden Tischen im Hunsrück – sauber realisiert, mit unseren Inhalten. Die dann wirkten.

Die deutschen Lokalredaktionen waren damals, von den abenteuerlich riechenden Dunkelkammer abgesehen, technikfreie Zonen. Gab es mehrere Lokalredakteure, hatte sich auf dieser Basis fast immer eine Rollenverteilung entwickelt, von der jeder profitierte. Fast immer gab es einen Redakteur, der gerne oder zumindest viel redigierte, der mit routinierter Fleißarbeit für beruhigend viel Stehsatz sorgte. Und oft war der Lokalchef der zeilenreichste, der beste, der erste, der prägendste Schreiber seiner Ausgabe. Diese Redaktionsleiter waren meist kantige Typen, und selten hielt es sie den ganzen Tag in der Redaktion. Sie waren oft weg, sie kamen nicht immer wie vorhergesagt zurück, sie waren garantiert nicht immer nur beruflich unterwegs. Aber sie brachten immer das mit, was ihre Zeitung brauchte. Was ihr Blatt schmückte: Tipps, Themen und Geschichten. Vertrauliches, Ungehörtes und Unerhörtes. Ihre Redaktion konnten und wollten sie nicht immer wirklich organisieren – aber Stories hatten sie immer parat und immer im Griff. Sie waren die Könige des Contents. Ihre Redaktionen waren Schreibparadiese. Gärende Komposthaufen für üppigen Content.

Wer damals volontierte, lernte sein journalistisches Handwerk in den goldenen Zeiten des Lokaljournalismus. Und er sog, einfach durch Miterleben und Mitmachen, die wichtigste Erkenntnis des Publizierens auf: Leser wollen Inhalt. Alles andere ist Verpackung, Garnierung, wenn man nicht aufpasst sogar Blendwerk, ja Ballast. Nicht die Mater in der Kiste auf dem Weg nach Koblenz war maßgeblich, nicht die aus heutiger Sicht irreal frühen Abgabezeiten, nicht der Name unserer Schreibmaschine, nicht das verstaubte Layout. Entscheidend war einzig und allein das, was wir wussten, erfuhren, erjagten. Was wir auf das Manuskriptpapier hämmerten.

Ist es neu? Interessant? Relevant? Gut geschrieben? Mutig? Kritisch? Unabhängig? Für oder gegen die Mächtigen? Das waren die Fragen, die wir und – so unser fester Glaube – auch die meisten unserer Leser uns stellten. Die Experten-Frage „Arbeitet Ihr noch im Bleisatz oder schon im Lichtsatz?“ haben wir nie gehört. Die interessierte am Lesermarkt niemanden.

Bald aber endeten, wie irgendwann in allen westdeutschen Lokalredaktionen und nach der Einheit ebenso im Osten Deutschlands, auch im Hunsrück die Zeiten von „Monika“ und „Gabriele“, Holzkiste und Bahnbus. Zug um Zug machte sich die Datenverbeitung in den Verlagen breit, Stück für Stück träufelte das Gift der Technik in die Redaktionen ein. Layoutbögen waren die harmlosen Vorboten der Bits und Bytes, die später so viele unserer journalistischen Passionen fressen sollten: Wir sagten nun nicht mehr einem Kollegen der Technik in der Gasse, womit wir aufmachen wollten – wir malten das selbst auf zeitungsseitengroße Papiere. Wir rechneten nicht mehr in Manuskriptpapierseiten, sondern in Zeilen.

Oft schnappten wir jungen Redakteure uns diese Arbeit. Wir hatten gewittert, das wir damit Einfluss auf die Abläufe in der Redaktion gewinnen konnten: „Sie haben 20 Zeilen zu viel geschrieben“, konnten die Frechen unter uns plötzlich ihrem Lokalchef entgegenschleudern. Und auch die Redaktionsleiter, die uns dann ungehalten aus ihrem Zimmerchen komplimentierten, konnten den Prozess nicht aufhalten, der immer mehr Regeln, immer mehr scheinbare Notwendigkeit zur Genauigkeit und immer mehr äußere Zwänge in die Redaktionen spülte.

Unsere ersten Faxgeräte erschienen uns noch als Segen der Technik und Vorzeichen einer neuen Zeit: Mächtige Kisten mit langsam rotierenden Walzen, auf die wir unser Manuskriptpapier nach Abendterminen einspannten – ein Blatt nach dem anderen, pro Seite drei Minuten Übertragungszeit. Das klingt lang, ersparte bei Actualitas aber 60 Minuten rasender Fahrt in den Verlag. Das Wort „gestern Abend“ schmückte nun immer öfters unsere Texte. Was wir dabei verloren, merkten unsere Altmeister eher als wir jungen Kollegen: Hatten sie noch die Zeit gehabt, genossen und genutzt, beim berühmten Bier nach der Ratssitzung von den Kommunalpolitikern die wirklich spannenden Informationen gesteckt zu bekommen, so hetzten wir nun direkt nach Ende des Termin zum Schreiben in die Redaktion. Wir informierten nun schneller – und verloren genau dadurch Informationen.

Und das Unheil namens Technikfixierung, das Tausende von deutschen Lokalredaktionen inhaltlich schwächte, nahm weiter seinen Lauf. Die ersten Datensichtgeräte zum Schreiben von Texten wurden in Redaktionen aufgebaut. Grünäugige Kästen, die mit den Großrechnern im Verlag verbunden waren. Die immer wieder Texte auf Nimmerwiedersehen verschluckten. Die vielen gestandenen Lokalchefs den Schneid abkauften: Kommentarschlachten, Katastrophen und Skandale hatten sie gemeistert – die neue Technik machte ihnen Angst. Oder sie raubte ihnen zumindest Zeit oder Energie, die zu Lasten der Inhalte gingen. Das aber war schwer zu berechnen, ganz im Gegensatz zum eindeutig quantifizierbaren Vorteil der „rechnergesteuerten Textsysteme: Wenn wir unsere Texte nun an einem Siemens-Würfel statt an der „Monika“ schrieben, mussten sie nicht mehr gesetzt werden.

Und die grünäugigen Kameraden bekamen Kinder: Erste tragbare Computer wurden ausprobiert, aus denen Texte mit Hilfe von piependen analogen Modems an die Verlagstechnik übertragen werden konnten. Bald wurden auch erste Artikel nicht mehr in der Technik, sondern in der Redaktion gestaltet: Hier eine exakt berechnete Freifläche für das Bild, da und dort zwei Zwischenzeilen, natürlich ansprechend verteilt, und jetzt noch das „Hurenkind“ durch Längen oder Kürzen eliminieren. Diese Fummelarbeit machte meist kein Techniker, sondern fast immer ein Redakteur. Also jemand, der vorher König Content treu ergeben war.

All das muss in den 80er-Jahren Technikhändler ermuntert haben, Verlagsmanager auf Messen vorzurechnen, Zeitungen könnten viel Zeit und Geld sparen, indem sie mit Hilfe der neuen Technik das Bauen der Seiten in die Redaktionen verlagern. Die Verlage glaubten und taten das tatsächlich: Schritt für Schritt schwappte nun alles, was zum Realisieren von Zeitungsseiten nötig war, dorthin, wo vorher allein der Inhalt im Fokus stand.

Zwei Welten prallten nun aufeinander: Vor dieser Entwicklung war das System Lokalredaktion fast komplett auf das freie, oft leicht chaotische, im Ergebnis aber hoch wirksame Generieren von Content ausgerichtet. Nun wurde es, anfangs schleichend, dann massiv mit den wenig Spielraum zulassenden Zwängen des Seitenproduzierens befrachtet. Im Kern haben fast alle regionalen Zeitungsverlage damals faktisch den Redaktionspart ihrer Druckvorstufen in ihre Lokalredaktionen ausgelagert. Schleichend bauten damit fast alle Lokalredaktionen kleine Druckvorstufen auf. Viele Verlage hatten dann nicht mehr nur eine große Vorstufe für Anzeigen und Mantel, sondern Dutzende weiterer kleiner Druckvorstufen. Besetzt mit Redakteuren.

Wir jungen Journalisten fanden das einfach nur gut – weil wir davon profitierten. Die moderne Technik gab uns das Gefühl, hip zu sein. Mehr noch: Sie gab uns die Chance, sehr rasch Kompetenzen zu entwickeln, die unsere Chefs nicht hatten und wohl auch nicht haben wollten. Erst ergab sich eine Zweiteilung: Die meisten Lokalchefs schrieben weiter, junge Kollegen übernahmen faktisch Seitenproduktion, damit aber auch zunehmend die Redaktionsorganisation. Es war nur eine Frage der Zeit, bis die früheren ersten Schreiber der Ausgabe zwar im Impressum noch oben, in der Redaktion aber nicht mehr im Zentrum standen.

Ein neuer Redakteurs-Typus war in Lokalredaktionen plötzlich gefragter: Jemand, der eher die Kniffe des Redaktionssytems als die Kontaktdaten von Informanten kannte, der lieber Körbchen voller Material überblickte als einer Region den Puls fühlte, der eher fünf Seiten netto produzieren als eine Reportage mit Rhythmus schreiben konnte. Und irgendwann sahen die nur schreibenden Redaktionsleiter, die großen Kommentatoren, die Edelfedern, die genialen Glossenschreiber alt aus. Oder sie waren tatsächlich so alt, dass sie – meist vorzeitig und, im Nachhinein betrachtet, auch vorschnell – in Ruhestand gingen.

Ihnen folgte eine neue Redaktion von Lokalchefs: Journalisten, die meist gezwungen sind, alles zu verkörpern oder zumindest alles organisieren zu können: Die Leitung ihrer Druckvorstufe namens Lokalredaktion – denn an der sauberen Produktion und pünktlichen Abgabe ihrer x Seiten werden sie von der Zentrale gemessen. Von der gewissenhaften Umsetzung der Layoutregeln bis zu den Dateigrößen der verarbeiteten Fotos. Hinzu kommt die journalistische Leitung ihrer Redaktion – was noch nie leicht war, heute aber so anspruchsvoll wie nie ist.

Das hat auch damit zu tun, dass mittlerweile die Mehrzahl der Lokalredakteure in Druckvorstufen-Redaktionen ausgebildet und groß geworden ist. Die Generation der Redakteure von 25 bis 50 Jahre wurde vor allem durch technische und organisatorische Prozesse in den Redaktionen wie Disposition, Seitenbauen, Arbeit am Bildschirm, Qualitätskontrolle, Spätdienst und Redaktionssystem geprägt – zumindest aber durch die Belastungen, die daraus für das journalistische Arbeiten resultieren.

Die Folgen waren schleichend, aber tief greifend – und sie halten an. Verkörperten früher Lokalchefs oder andere prägende Redakteure einer Lokalzeitung draußen ihre Zeitung, so sind heute Fotografen oder Freie Mitarbeiter oft dichter bei den Lesern. Redakteure, die Seiten bauen und für ihre Zentrale erreichbar sein müssen, können schlicht nicht mehr so viel draußen sein wie ihre einstigen Vor- und Ausbilder.

Hinzu kommt, dass viele Zeitungen die Zahl ihrer Lokalseiten massiv gesteigert und die Schwelle für ihre Berichterstattung ungut gesenkt haben. Früher war es auch im Lokalteil noch etwas Besonderes, in der Zeitung zu stehen – heute reicht vielfach gemeinsames Essen und Trinken, ein nettes Fest im Kindergarten oder eine Spende von 200 Euro, um mit einem seitenprägendem Bild im Lokalblatt zu erscheinen. Viele Redaktionen ertrinken in ihren selbst ausgelösten Termin- und Materialfluten, die Spirale eines nur mit viel Innendienst und vielen Freien Mitarbeitern noch leistbaren Terminjournalismus, der immer mehr Seiten benötigt, dreht sich immer schneller.

Nicht minder fatal: Viele Lokaljournalisten haben – oft ohne es zu wollen – verinnerlicht, dass die Prozesse der Redaktionsorganisation und der mittlerweile hoch komplexen Arbeitsabläufe einer Redaktion Priorität genießen. Sie haben sich daran gewöhnt, dass interne Abläufe und Anforderungen wie „viele Seiten“ und „viele Termine“ das Generieren von Inhalten einschränken. Zu oft regieren die Prozesse, nicht der Content.

Wo die Redaktionen diese folgenreiche Druckvorstufenarbeit unverändert zu stemmen haben, kommen Redakteure erkennbar zu selten zum Schreiben. Die meisten Redaktionen sind zwar besser besetzt als in den 70-er Jahren. Die technischen Aufgaben und die neuen Kanäle wie Online Classic und Social Media aber zehren diese Ressourcen wieder auf.

Vielerorts haben zumindest Chefredaktionen, teils auch Verlage erkannt, dass dieser Konstruktionsfehler behoben werden muss, wenn Lokalausgaben wieder thematisch fliegen können sollen. Verlage aber, die das Druckvorstufen-Dilemma etwa durch die Zentralisierung der Produktion an Regio-Desks beheben wollen, stoßen auf neue Probleme: Journalisten, die das technisch einwandfreie Realisieren einer bestimmten Zahl von Seiten und nicht das Generieren von relevantem Content als Kern und Maßstab ihres Wirkens kennen gelernt haben, werden nicht von heute auf morgen und einfach so zu Reportern, die eine starke Story nach der anderen liefern.

Der Themen-Windhund, den es in den Zeiten von Holzkiste und Bahnbus in jeder guten Redaktion gab, kommt nicht automatisch per Regio-Desk zurück. Auch Redakteure, die von der Fron des Seitenbauens befreit worden sind, verbringen noch immer zu viel Zeit in ihren Redaktionen. Telefonate statt Gespräche, Mails statt Kontakte, PR statt Stories. Statt der Zahl der qualifizierten Eigenbeiträge mutieren Honoraretats im Bewusstsein von Redaktionen zum Maß für das journalistisch Leistbare. Die alten Prozesse sind zu sehr antrainiert, die neuen Maßstäbe für den Wert der veränderten Arbeit sind zu diffus. Fünf sauber produzierte und pünktlich abgelieferte Seiten – diese Leistung ist klar zu bewerten. Was aber ist ein guter Text, ein guter Aufmacher? Und welche Chefredaktion sieht und würdigt solche Leistungen im Lokalen wirklich nachhaltig?

Viele Jahre war all das gleichwohl eher ein Thema für Branchentagungen als etwas, was auch auf dem Markt der regionalen Medienhäuser wahrgenommen wurde. Nun aber zeigt das Internet, wie sehr die Verlagerung der Druckvorstufen in die Redaktionen die Regionalzeitungen belastet. Seitdem man keine Rotationsmaschine mehr, sondern nur noch einen PC zum Publizieren braucht, geraten Lokalteile in ganz Deutschland von zwei Seiten aus unter Druck: bei den ganz einfachen Themen ebenso wie da, wo es journalistisch spannend ist.

Die Standardberichterstattung über Vereins-, Dorf und Stadtteilleben kann digital auch von Laien im Sinne der meist überschaubaren Zielgruppe schon längst schneller, besser und umfassender als von einer Zeitung geleistet werden. Ob Vogelschießen, Karnevalsumzug, Dorffest oder Vereinsausflug – wer will, kann seinem Verein, seinem Ort oder seinem Sprengel mit wenig Aufwand jetzt schon mehr Umfang und Tiefe als die örtliche Zeitung bieten. Die Profis drucken Tage später ein Bild, der Amateur veröffentlicht digital auf seiner Vereins-Site oder in seinem Dorfblog tagesaktuell eine ganze Strecke. So viele journalistische Bratwürste ein Lokalblatt auch grillt – es kann und wird dieses Kräftemessen auf Sicht nicht gewinnen.

Noch problematischer wird es für regionale Medienhäuser, wenn sie so viel Energie in den Standard oder in die Prozesse lenken, dass für wirklichen Journalismus nicht genug Zeit, Personal und Platz bleibt. Einige Jahre mag das daraus resultierende Vakuum verborgen bleiben, irgendwann aber füllt jemand anderes die Leere. Wenn eine Lokalzeitung ihrer Rolle nicht gerecht wird, übernimmt irgendwann ein Wochen- oder Anzeigenblatt die Führung bei heiklen Themen. Oder, und das ist immer öfter zu beobachten, Lokalblogs leisten das, was Lokalteilen zu oft fehlt: Hilfreicher Abstand zu den Mächtigen, Recherche, Dialog, Meinungsfreudigkeit, Dranbleiben, ja auch profiliertes Agieren von Autoren.

Natürlich: Oft geschieht das in Placeblogs (noch) unausgegoren oder unverhältnismäßig ruppig, bisweilen auch erkennbar laienhaft. Oft scheint auch nicht distanzhaltende Profession, sondern eher eine persönliche Leidenschaft, bisweilen gar eine egozentrische Mission Treibstoff eines örtlichen Blogs zu sein. Das aber wird sich ändern: Die Lokalblogs vernetzen sich bereits, gut ausgebildete junge Printjournalisten werden in dieses Metier wechseln, Naturbegabungen werden sich verstetigen – auch die Szene der regional berichtenden Blogs wird sich professionalisieren.

Lokal- und Regionalzeitungen, Lokalchefs und Lokalredakteure, die das unverstellt sehen, werden darauf reagieren – nicht mit Kleinmut, sondern mit den richtigen Entscheidungen:

Sie werden nicht noch mehr, sondern eher weniger Lokalseiten drucken – mit mehr Relevanz und weniger „Bratwurst-Journalismus“ (Hardy Prothmann).

Sie werden sich wieder darauf besinnen, für welche Themen es sich wirklich lohnt, „20 Tonnen Papier durch 100 Tonnen Stahl rasen“ zu lassen (Sascha Lobo).

Sie werden wieder Tipps, Stories und Geschichten, Vertrauliches, Ungehörtes und Unerhörtes in den Mittelpunkt ihres Wirkens rücken.

Sie werden es nicht mehr affig, sondern wichtig finden, möglichst viele ihrer Autoren zu Marken entwickeln.

Sie werden es als wunderbare Chance begreifen, dass es für den von ihnen generierten unikablen Content dank des Internets so viele und so spannende Verteilwege wie noch nie gibt.

Sie werden Spaß daran gewinnen, via Netz Leser weit außerhalb ihres angestammten Verbreitungsgebietes zu bekommen.

Sie werden wieder mehr mit Lesern und Usern sprechen als mit Landrat & Co.

Sie werden der Versuchung widerstehen, dem technischen Meistern des jeweiligen Verteilweges und der jeweiligen optischen Verpackung zu viel Zeit zu widmen.

Und sie werden mit Freude und Gewinn lernen und erfahren, dass Arbeit in Redaktionen wieder arbeitsteiliger organisiert wird, dass es Profis für das Generieren wie für das Verarbeiten und Publizieren von Inhalten gibt: Reporter und Blattmacher, Rechercheure und Optiker, Innendienstler und Vielschreiber, Schreiber und Redaktionstechniker. Statt universell ausgebildeter Redakteure, die alles machen müssen oder alles machen wollen. Und damit nichts wirklich richtig machen können.

Sie werden also den Content wieder zum König machen. Im wohl verstandenen Geist von Holzkiste und Bahnbus.

 

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Christian Lindner

 

Chefredakteur der Rhein-Zeitung (Koblenz/Mainz)

51 Jahre alt

 

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Juni 1st, 2011 at 9:15 pm

Ein Buch – das Update (50): Finale!

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Trifft sich ja irgendwie schön, wenn man als 50. Beitrag dieser kleinen Serie schreiben kann: Alles erledigt (mich eingeschlossen). Die letzten Texte sind da, das Inhaltsverzeichnis auch nach einer letzten Debatte mit Ralf Hohlfeld (das ist der nette Herr, den sie unten im Video sehen) verabschiedet. Vermutlich wird das Kapitel von Simon Kremer und Marc Röhlig zu multimedialen Reportagen ein bisschen nach hinten in den Bereich der praktischen Anwendungen wandern, aber ansonsten hat sich kein Widerspruch erhoben. Und irgendwann kommt man ja auch mal an den Punkt, an dem man sagen muss: genug der Debatten, lass uns jetzt mal machen. Bedeutet konkret, dass mein Sonntag jetzt im Sortieren der Manuskripte, Bilder und dem ganzen anderen Kram besteht. Dass wir noch letzte Links verkürzen müssen, damit wir dann im Buch eine einheitlich “Schreibweise” haben werden. Dann nochmal alles überprüfen, zusammenpacken, an Euryclia mailen. Dann in Druck geben, ein paar Wochen warten, ausliefern. Das ist der aktuelle Plan und ich hoffe sehr, dass nichts dazwischen kommt. Ich wüsste zwar nicht, was dazwischen kommen sollte, aber was weiß man schon.

***

Keine Sorge, wir verabschieden uns jetzt nicht mit diesem Eintrag von Ihnen. Aber an so einem Tag, an dem man dann irgendwie den virtuellen Schreibtisch zusammenräumt und abgibt, schaut man ja nicht nur nach vorne, sondern auch nach hinten. Und ich stelle gerade fest, dass ich mich bedanken muss: bei allen, die dieses Projekt mit vielen freundlichen, aber gerne auch kritischen Mails und Kommentaren begleitet haben. Bei denen, die mich immer wieder ermutigt haben weiterzumachen, vor allem in den Momenten, in denen ich mich für die Idee, dieses Ding zu machen, am liebsten selbst irgendwohin getreten hätte. Bei den enorm vielen, die mich und uns mit den unterschiedlichsten Dingen unterstützt haben, sei es mit Räumen für unsere Autorentreffen oder mit langen und guten Ratschlägen zur richtigen Vermarktung des Buchs. Und natürlich bei ganz vielen anderen, die ich jetzt gerade vergessen habe.

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Nehmen wir als nächstes dann mal Prof. Ralf Hohlfeld in unsere kleine Videogalerie. Hohlfelds Lehrstuhl in Passau wurde übrigens gerade eben von der “Zeit” als der beste seiner Art in Deutschland bewertet. Das ist umso bemerkenswerter als dass die selbe “Zeit” den selben Lehrstuhl noch vor drei Jahren (vor Hohlfelds Amtsantritt) als den schlechtesten seiner Art bewertete. Im Video erzählt er, was er für “Universalcode”  gemacht hat und was so alles passiert, wenn Ausbildung an einer Uni und die Praxis aufeinandertreffen. (Aufmerksamen Zuschauern wird übrigens auffallen, dass das Video nicht von YouTube, sondern von Vimeo stammt. Dort habe ich inzwischen einen eigenen Universal-Channel eingerichtet. Schon alleine deswegen, weil Vimeo die Videos in sehr viel bessere Qualität ausspielt. Bei YouTube sind wird aber auch weiterhin zu finden.) Für die Tech-Interessierten unter Ihnen: Das Video ist mit einem iPad und einem externen Mikro aufgenommen. Jetzt noch etwas finden, woraus man das Ding gut abstellen kann und ich bin glücklich. Interviewen und Hände ruhig halten ist nämlich ganz schön schwierig.

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Und schließlich noch drei Personalia aus dem Universalcode-Team: Daniel Fiene ist für sein wunderbares “Was mit Medien” für den Grimme Online Award nominiert worden, Simon Kremer und Marc Röhling haben den CNN Award für die beste multimediale Reportage bekommen. So´n Zufall, dass die beiden just dieses Thema im Buch abdecken.

 

Written by cjakubetz

Mai 15th, 2011 at 5:40 pm

Ein Buch – das Update (49): Ein Inhalt und das Hosentaschenstudio

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Was ich ja wirklich nicht für möglich gehalten hätte ist, wie viel Arbeit dieser ganze — vermeintliche — Kleinkram macht. Da meint man immer, man hat so ein paar Texte zu schreiben und dann redigiert mach sich gegenseitig, sucht sich ein nettes Cover und bringt dann ein nettes Buch auf den Markt. Viel weiter kann man nicht daneben liegen als mit diesem Gedanken. Über die Frage beispielsweise, wo welcher Text steht und wie das dann alles zusammenpasst, kann man sich eine ganze Menge Kopfzerbrechen bereiten. Von dem her war ich sehr froh, mit Prof. Ralf Hohlfeld noch jemanden in unserem kleinen Herausgebergremium (Ha! Das klingt ja beinahe nach FAZ!) zu haben, der in solchen Sachen sehr viel bewanderter ist als ich. Nach ein paar kleinen Unterhaltungen sind wir jetzt mal zu folgendem Ergebnis in Sachen Inhaltsverzeichnis gekommen — und: last call! Wer noch schwerwiegende Einwände hat, sollte sich sehr, sehr zügig melden…

Kleiner Hinweis: Die Anmerkungen hinter den jeweiligen Themen stammen von Ralf Hohlfeld und erscheinen natürlich nicht im Buch. Ich habe sie dringelassen, damit auch die Gründe, warum welches Kapitel wo steht, einigermaßen nachvollziehbar und transparent sind.

 

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Universalcode

 

0. Vorwort: Heribert Prantl

 

I. Überblick zu multimedialem und crossmedialem Arbeiten:

 

1.  Crossmediales Arbeiten (Christian Jakubetz)

2.  „Blattmachen“ im Netz (Stefan Plöchinger)

3.  Multimediale Reportagen (+ Best Case soukmagazine.de): (Simon Kremer/Marc Röhlig)

4.  Mobile Reporting (Marcus Bösch)

5.  Unternehmerjournalismus (Ulrike Langer)

6. Datenjournalismus (Lorenz Matzat/Ulrike Langer)

 

(Begründung: Alle Artikel geben je einen Überblick über Querschnittqualifikationen und einen grundlegend neuen Ansatz als Antworten auf die neuen Herausforderungen des webbasierten Journalismus; sie besitzen quasi ein höheres Abstraktionsniveau und sind von allgemeingültigerem Charakter – einem Universalcode steht dieser Anspruch gut zu Gesicht)

 

II. Tools: Zeitgemäße Werkzeuge für die (klassischen) Darstellungsformen

 

6.  Video-Grundlagen (Gerhard Rettenegger)

7.  Web-Videos (Markus Hündgen)

8.  Radio (Daniel Fiene/Dennis Horn)

9.  Fotografie (Dirk Kirchberg/Heike Rost)

10. Online-Recherche (Markus Lindemann)

 

(Begründung: Alle Artikel beschäftigen sich mit je einer Mediengattung, die im Zeitalter der Digitalisierung neue Chancen und Optionen bietet und in multimedialen Produktionsprozessen und crossmedialen Publikationsplattformen andere, innovative Spezifika ausbildet. Der “How to do”-Charakter dieser Texte ist (gattungs-)spezifischer und so entsteht eine Trichterform vom Allgemeinen zum Speziellen, die zwingend ist.)

 

III. Tugenden und Strategien in einer vernetzten Öffentlichkeit

 

10. Social Media – für die Organisation (Ulrike Langer/Björn Sievers)

11. Social Media – für Journalisten (Ulrike Langer/Björn Sievers)

12 Hyperlokaler Journalismus (Christan Jakubetz)

13. Das Internet als Dialogmedium (Dirk von Gehlen)

14. Zeitungen und Journalisten im Wandel (Christian Lindner)

 

(Begründung: Alle Artikel handeln von kommunikativen Kompetenzen und dialogischen bzw. diskursiven Strategien, die es in der Netzöffentlichkeit braucht, um Aufmerksamkeit zu erzeugen bzw. den User/Dialogpartner angemessen anzusprechen. Es geht um die Tugend des sich Vernetzen (gut, der Lindner-Artikel eher weniger). Das sind Querschnittkompetenzen, die jeder Kommunikator im Internet braucht, um sich in Netzwerken, Teilöffentlichkeiten und digitalen Räumen Gehör zu verschaffen.

IV. Journalistische Ausbildung im Zeitalter der Medienkonvergenz

 

15. Die wichtigsten Schulen und Akademien (Jochen Markett)

 

(Sollte für sich sprechen)

 

 

~  Schluss und Anfang (Richard Gutjahr)

 

***

Eine kleine Anmerkung von mir noch zum Thema Schulen und Akademien: Wir (besser gesagt: Jochen Markett) haben alle Journalistenschulen und Akademien in Deutschland, Österreich und der Schweiz befragt, die vollwertige Ausbildungen anbieten. Nicht  möglich und auch nicht sinnvoll war es, jeden Seminar- und Fortbildungsanbieter auch noch hinzuzuziehen. Nicht, weil wir deren Arbeit nicht schätzen würden, sondern weil uns ein solch umfangreicher Überblick nicht möglich wäre. Insgesamt haben wir 13 Schulen/Akademien und ihre Leiter befragt, u.a. auch danach, welches Equipment sie einsetzen, wie hoch der Praxisanteil ist und auf welche Dozenten sie zurückgreifen (diese Frage haben aber nicht alle beantwortet). Wir haben das bewusst in Interviewform gemacht und wir haben uns auch aller Wertungen enthalten. Wir wollten ganz bewusst keine Empfehlungen aussprechen, sondern den Überblick so gestalten, dass sich jeder Leser letztendlich sein eigenes Bild machen kann. Dies auch deswegen — ausdrücklicher Hinweis — weil viele unserer Autoren (mich eingenommen) an den diversen Schulen/Akademien als Dozenten tätig sind und wir nicht den Eindruck erwecken wollten, dass wir aufgrund dieser Tätigeiten irgendjemanden schlechter oder besser bewerten. Und natürlich ist das echte Leben manchmal schneller als jedes Buch: Die Antworten für die Deutsche Journalistenschule in München hat ihr Leiter Uli Brenner gegeben, der allerdings in seinem wohlverdienten Ruhestand sein wird, wenn “Universalcode” erscheint. Sein Nachfolger Jörg Sadrozinski stand zum Zeitpunkt unserer Umfrage noch nicht fest.

***

Und dann haben wir schließlich noch (ebenfalls ohne Wertung) das letzte Video unserer kleinen Autorensammlung. Marcus Bösch hat das Kapitel “Mobile Reporting” geschrieben und erklärt im Video, warum man heute ziemlich mühelos ein ganzes Studio in der Hosentasche mitnehmen kann — und warum man solche Möglichkeiten noch viel häufiger nutzen sollte.

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Mai 11th, 2011 at 6:11 pm

Sturmfrei im Neuland

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Zumindest eines habe ich in den letzten Tagen schon mal gelernt: Es ist unfassbar schwierig, wenn man einen Titel, ein Projekt machen soll, bei dem man von der Zielgruppe gefühlte Galaxien entfernt ist. An der DJS arbeiten wir mit der 49 K gerade an einer neuen Ausgabe von “Klartext”, die aber diesmal nicht “Klartext” heißt und sich auch nicht an die Zielgruppe der üblichen Klartexte richtet. Sondern an eine Zielgruppe von Menschen irgendwo zwischen 16 und 20. Für solche, die für “Bravo” zu alt und für “Neon” zu jung sind.  Was die Themen angeht, musste ich selten so oft passen, wie bei diesem Projekt, was daran liegen könnte, dass die Welt von 16jährigen nicht mehr ganz meine ist.

Unglaublich spannend finde ich gerade dieses Projekt trotzdem. Weil wir zum ersten Mal die Gewichtungen mit allerbestem Gewissen umdrehen können. Nicht mehr: Erst das Heft, dann der Online-Auftritt. Sondern: Das Magazin “Sturmfrei” (das ist der Arbeitstitel) auf allen Kanälen. Im Dauerdialog mit der Zielgruppe und irgendwie auch abseits der bisherigen Konventionen. Immerhin ist das auch das erste Mal bei einem DJS-Projekt, wo ich sagen würde: Scheitern ausdrücklich erlaubt. Ich habe wirklich nicht den Hauch einer Ahnung, ob das, was wir uns da vorgenommen haben, auch funktionieren wird. Aber wenn wir es nicht ausprobieren, wie wollen wir es dann jemals wissen?

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März 11th, 2011 at 1:35 pm

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Das Buch – ein Update (23): Ein Vorwort

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Ein ordentliches Buch braucht ein gutes Vorwort. Also haben wir uns (auch in Berlin) überlegt, wer ein Vorwort schreiben könnte. Ein Autor, den man in beiden Welten, analog wie digital, schätzt und für glaubwürdig hält. Dann haben wir uns ziemlich schnell darauf geeinigt, dass Heribert Prantl unsere erste Wahl sei. Dann haben wir Heribert Prantl kontaktiert — und siehe da:

Heribert Prantl schreibt das Vorwort zu unserem Buch.

Wir freuen uns wirklich sehr!

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Dezember 1st, 2010 at 6:34 pm

Ein Buch – das Update (20): Multimedia-Reportagen

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Eine der weitverbreitesten (und unsinnigsten) Meinungen über Journalismus im Netz ist ja die: Dort müsse alles schnell gehen, kurz sein, in kleinen Häppchen konsummierbar, während man die großen und bedeutsamen und sozusagen richtig wichtigen Hintergrundstücke dann analog wahlweise liest, schaut oder hört.

Das ist ziemlicher Unfug – und wir würden gerne belegen, dass es auch anders geht. Wenn auch mit anderen Ansätzen. Simon Kremer hat schon etliche großer und guter Multimediareportagen produziert und deswegen liegt es nahe, dass er sich im Buch mit diesem Thema beschäftigt. Sein Ansatz (kurz und knackig) klingt so:

Es ist ein weitverbreitetes Vorurteil, dass die Reportage online nicht funktioniert und sich der Medienkonsum dort eher auf News und Berichte konzentriert. Gerade im Internet bieten sich dem Journalisten vielfältige Möglichkeiten Geschichten neu und anders zu erzählen: Es ist der Ort für die Multimediareportage. Sie zieht den User nicht nur auf einer Sinnesebene in die Story hinein und lässt ihm dabei auch Freiheiten einer non-linearen Erzählweise.

Nacheinander werde ich die Möglichkeiten der Multimediareportage als Video, Audio-Slideshow und interaktiver Reportage (z.B. Flash oder Vuvox) beschreiben und auch auf die Verknüpfung von Textreportagen mit einzelnen O-Tönen, Bilderstrecken, etc. eingehen.

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November 24th, 2010 at 9:48 am

Ein Buch – das Update (19): Alleswissenkönnenmüsser

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So unterschiedlich die Debatten zum Thema “Crossmedia” auch immer sein mögen — mit einem Thema wird man zuverlässig bei fast jeder Veranstaltung konfrontiert: Muss man jetzt alles können? Und möglicherweise: sogar alles gleichzeitig? Kann man so etwas wie journalistische Qualität überhaupt gewährleisten, wenn Journalisten plötzlich Dinge machen müssen, die sie gar nicht richtig beherrschen? Crossmediales, journalistisches Handwerk — und seine Grenzen, das wird eines meiner Themen im Buch sein. Und weil ich mich natürlich ebenfalls gerne mit meinem Expose der Debatte stelle, bitteschön, hier ist es:

Vermutlich gibt es ja zwei Sichtweisen auf dieses viel gebrauchte Wort “Crossmedia”. Da ist zum einen die Sichtweise von denen, die es nicht machen müssen und sich gerne mit Zahlen und Renditen beschäftigen. Für die ist “Crossmedia” in erster Linie toll, weil man damit vermutlich viel Geld sparen kann (weil einer jetzt nicht mehr nur einen, sondern mindestens zwei Kanäle bespielt).

Darum geht es im Buch nicht.

Und dann gibt es eine andere Sichtweise. Die “Crossmedia” nicht einfach als eine gedankenlose, uninspirierte Möglichkeit betrachtet, möglichst schnell möglichst viel Inhalt irgendwo hinzupacken. Sondern als eine Herausforderung für Journalisten, aber auch eine Chance. Für vielseitiges, abwechslungsreiches und vor allem wirklich vernetztes Arbeiten.

Dazu gehört zweierlei. Das eine ist solides, in des Wortes Sinne gekonntes Handwerk. Das klingt banal und einfach, das sollte eigentlich selbstverständlich sein, dass man nicht etwas, was man handwerklich nicht beherrscht (ist es aber leider nicht). Deswegen wollen wir im Buch nicht nur spezialisierteres Wissen vermitteln — z.B. für alle, die sich auf einen Bereich verstärkt konzentrieren wollen – sondern auch darstellen, was jemand können muss, der sich als das versteht, was man gerne spöttisch “eierlegende Wollmilchsau” nennt. Man könnte das auch crossmediale journalistische Grundlagen nennen.

Das Zweite ist das vernetzte Denken. Viel zu oft erlebt man, dass “Crossmedia” in erster Linie bedeutet, einen Inhalt auf möglichst allen Kanälen laufen zu lassen (oder, andere Variante: Kannste da nicht auch nen Video dazu machen?). Wir wollen zeigen, worauf es beim vernetzten Denken ankommt,wie man wirkliche Mehrwerte schafft — und warum es durchaus sehr sinnvoll sein kann, auch mal auf ein Video, ein Audio oder eine andere Darstellungsform einfach zu verzichten.

Written by cjakubetz

November 21st, 2010 at 10:21 pm