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Anmerkungen eines Medienmenschen

Archive for the ‘ONLINE/MULTIMEDIA’ Category

Neue Formate: klein, praktisch,gut

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Journalismus im Netz – das heißt nicht nur, bisherige Inhalte vom Analogen ins Digitale zu bringen. Sondern auch: Jounalismus neu zu denken, neue Formate für neue Plattformen zu entwickeln. Das funktioniert bisher teilweise nur leidlich und wirkt häufig auch sehr bemüht.  Bei der iPad-App des “Spiegel” beispielsweise muss ich immer wieder lachen, wie man dort versucht, irgendein Video zu irgendeinem Text dazuzupacken. sofern es sich denn inhaltlich auch nur ein kleines bisschen vertreten lässt. Das nennt man dann multimedial und interaktiv, tatsächlich ist es die Suche nach der Antwort auf die Frage, wie denn jetzt Journalismus der Zukunft aussehen kann.

Dabei kommt die Veränderung wie immer von den Rändern.  Im Netz sind schon lange viele gute, neue, dem Medium gerechte und innovative Darstellungsformen zu sehen. Die Kollegen vom “journalist” haben sich die Mühe gemacht, eine kleine Liste mit solchen Formen zusammenzustellen: von der interaktiven Zeitleiste bis zum charmant unaufwändig produzierten Video.  Was man daraus (mal wieder) lernen kann: Jedes Medium hat seine eigenen Formen — eins zu eins rüberziehen funktioniert nicht.

Ganz ungefragtnoch ein schönes Beispiel aus unserem Südafrika-Projekt, wie man mit (guten) Fotos, ein paar O-Tönen und Musik eine athmosphärische Slideshow macht, die so eben nur im Netz funktioniert:YouTube Preview Image

Written by cjakubetz

September 1st, 2010 at 8:43 am

Gatekeeper in einer Welt ohne Gates

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Die Frage kam in den Kommentaren — und ich fand sie nicht unberechtigt:  Warum nur müssen sich lokale und regionale Zeitungen/Medien auch noch bei Facebook et al präsentieren? Selten nur, so argumentiert der Kommentator, habe man dort doch Geschichten von derartiger Brisanz, dass man sie sofort auf alle Kanälen verbreiten müsse. Was erst einmal nicht von der Hand zu weisen ist, mich aber gleichzeitig auf die Idee brachte, mich mal umzusehen, wie es die Betroffenen denn so halten mit Facebook (ähnliche Spielchen zu den Online-Auftritten und zum Thema Twitter gab es auf dieser kleinen Seite ja schon in den letzten Tagen und Wochen mal).

Man muss Facebook nicht zwingend mögen. Man kann gegen Facebook (wie auch gegen andere Netzwerke) eine ganze Reihe von Argumenten vorbringen — und man kann sich natürlich fragen, was Journalismus dort verloren hat. Die Frage hat sich mir nach dem Durchwühle von diversen Facebook-Auftritten deutscher Regionalblätter nicht ganz beantwortet. Denn tatsächlich finden sich von all den Dingen, die Auftritte in einem Netzwerk interessant machen würden, bei vielen Facebook-Präsenzen deutscher Tageszeitungen nur Spurenelemente. Von einem Blatt habe ich die interessanteste und irgendwie auch bezeichnendste Variante gefunden: Man richtet für jede Lokalausgabe eine eigene Facebook-Seite ein und postet dort die vermeintlich interessantesten Geschichten (was nebenbei bemekt ziemlich automatisiert aussieht, selbst wenn es nicht automatisiert sein sollte).

Was die Folge dessen ist, kann man sich leicht ausdenken: Die Seiten modern weitgehend unbemerkt vor sich hin, die “Like”-Buttons kommen unschwer zu einem beträchtlichen Teil erkennbar aus dem eigenen Haus. Debatten, Kommunikation, Interaktion, alles Fehlanzeige. Man hat also ein soziales Netzwerk lediglich als Vetriebskanal für Geschichten begriffen, die ohnehin im Blatt oder im eigenen Online-Angebot stehen. Man betreibt die Form von Kommunikation weiter, die man bisher auch schon immer betrieben hat. Einseitig in eine Ricchtung gerichtet, formal zwar mit einem geöffneten Rückkanal — aber was soll man schon in einen Rückkanal rufen, wenn man weiß, dass am anderen Ende ohnehin jemand sitzt, der gar nicht zuhören will?

Der Grundfehler also bei vielen, die sich ins Web 2.0 begeben, ist nicht, dass es zu wenig Inhalt gibt, zu wenig Angebot. Es ist die im tiefsten Inneren verankerte Haltung, nicht zuhören zu wollen. Man will weiterhin Gatekeeper sein — in einer Struktur, in der es gar keine Gatekeeper gibt.

Written by cjakubetz

August 31st, 2010 at 10:52 am

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Liveticker zu verkaufen

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Das mit Paid Content ist wirklich eine prima Sache. Man sucht sich einfach Mehrwert-Themen, die so heißen, weil sie dem User mehr wert sind. Beim “Hamburger Abendblatt” zeigt man aktuell, wie unbegründet Befürchtungen sind, dass es möglicherweise im Journalismus nicht ausreichend Themen für Bezahlinhalte geben könnte:

(via Twitter/Fiete Stegers)

Written by cjakubetz

August 25th, 2010 at 3:52 pm

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Total lokal: Netz und hier

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Nachdem hier in den letzten Tagen viel von Regionalzeitungen und ihren falschen Ansätzen die Rede war: Einer ihrer größten Fehler ist es ja, das Web in den allermeisten Fällen lediglich als ein Anhängsel zu betrachten. Man darf ja schon froh sein. wenn sie das Internet inzwischen als halbwegs gleichberechtigtes Medium betrachten. Oft ist es ja so, dass sie das Web zwar als unabänderlich akzeptieren, insgeheim aber nach Gründen suchen, warum ihr angestammtes Medium Papier dann doch wichtiger ist.

Bei der Suche nach dem hyperlokalen, konsequent vernetzten und zukunfsträchtig ausgerichtenen Lokalmedium aus einem deutschen Verlagshaus bin ich also kaum fündig geworden. Dafür aber jetzt in den USA, wo tdb.com wirklich begriffen hat, welchen Schwerpunkt man wo setzen muss:

It’s Web-focused, but also smartly incorporates traditional media—in this case, a local TV station and local cable-news station—as key elements. But make no mistake, the Web site is first and foremost, not playing a supporting role.

Die Webseite als das erste und wichtigste Element eines Lokalmagazins, nicht nur als kleiner Unterstützer für die anderen — ich bin gespannt, wie lange es noch dauern wird, bis man eine solche Idee aus einem deutschen Verlagshaus hört.

(via Ulrike Langer)

Written by cjakubetz

August 16th, 2010 at 8:08 am

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Qualitätsmerkmal:Papier!

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Vor 13 Jahren war die Welt zwar auch schon kompliziert, aber zumindest in Sachen Onlinejournalismus schnell auf den Punkt zu bringen. Es gehe darum, aus 150 Zeilen 15 zu machen, es gehe um “eindampfen, kürzen, schnell sein”. Das schrieb 1997 ein Redakteur der “Drehscheibe” — und ich erinnere mich an die Sätze deswegen so genau, weil ich damals als irrlichternder Redakteur der “Passauer Neuen Presse” Protagonist seiner Geschichte war (ich hatte zwar meinen Job keineswegs so beschrieben, aber ich glaube, der gute Mann war damals einfach nur froh, wenigstens ein bisschen begriffen zu haben, was da an diesen komischen Rechnern passiert). Damals war mein Job, irgendwie so was ähnliches wie ein Onlineangebot aufzubauen. Zugeben, über das wie hatte ich auch  keine richtige Ahnung, aber schon damals schien mir die Idee des Kollegen der “Drehscheibe” etwas merkwürdig, dass es online in erster Linie darum gehe, schnell und kurz und präzise zu sein.

Noch merkwürdiger finde ich allerdings, dass diese Grundidee auch heute noch durch viele Köpfe geistert. Zeitungsleute versuchen mit dieser Argumentation gerne zu begründen, warum es weiter Produkte auf gedrucktem Papier geben müsse. Einer der neuesten Versuche war jetzt im Rheinischen Merkur zu lesen. Kernthese:

Denn im Gegensatz zum Netz, das Ad-hoc-Kommunikation und blitzschnelle Aktualisierung ermöglicht, programmieren Printmedien die Entschleunigung, die Verzögerung. Zeitungen und Zeitschriften sind – gewiss nicht immer, aber doch idealerweise – Medien des zweiten Gedankens, die eine Aktualität hinter der Aktualität sichtbar werden lassen. Sie versorgen, wenn es gut läuft, diese Gesellschaft Tag für Tag und Woche für Woche mit neuen Deutungsvorschlägen und Wahrnehmungen.

Das ist der alte Denkfehler, wie er immer noch tausendmal am Tag begangen wird, seit jetzt beinahe 15 Jahren: Zum einen zu glauben, der Inhalt, der Tiefgang, die Qualität einer Publikation hinge von seinem Datenträger ab. Und zum anderen die überkommene Vorstellung, Journalismus im Netz bestünde, um nochmal den Kollegen der “Drehscheibe” zu zitieren, aus eindampfen und kürzen. Wer so argumeniert, hat das Netz leider nicht begriffen. Das ist in etwa so, als wenn man behaupten würde, ein Video sei besser wenn im ZDF liefe als wenn es auf YouTube steht. Der Inhalt und sein Träger haben nichts, aber auch gar nichts miteinander zu tun.

Im Gegenteil: Gerade diese “Zeitung lebt”-Haltung, die man postuliert und damit begründet wird, dass Zeitung ja auf Papier gedruckt sei, macht die Lage für die Verlage so gefährlich. Weil sie suggeriert, dass man auf seinem eigentlichen Feld, dem Qualitätsjournalismus unbesiegt sei. Lass die anderen mal machen, soll das wohl heißen, in diesem hektischen, flüchtigen Netz. Wer nachdenken, reflektieren will, braucht uns und greift zum Papier. Ganz so, als gäbe es im Netz nicht jeden Tag wunderbare lange Hintergrundstücke, die diesen “zweiten Gedanken” aufbringen.

Man greift zum Papier, wenn man den “zweiten Gedanken” haben will? Was für ein blanker Unsinn. Man greift dorthin, wo man ihn bekommt. Den “Spiegel” der kommenden Woche beispielsweise habe ich diese Woche am iPad gelesen und dort eben mehr bekommen als nur auf Papier. Das Video zur Titelgeschichte, die Animation zur Titelgeschichte, das Hintergrundstück zur Auslandsgeschichte aus den USA. Ich will damit nicht sagen, dass es an der Spiegel-App nicht noch einiges zu verbessern gäbe, das ist nicht der Punkt. Es geht mehr um den Maßstab, der an “Qualitätsjournalismus” künftig angelegt wird. Einer dieser Maßstäbe ist, dass er mehrdimensional und vernetzt daher kommt. Auf gar keinen Fall ist der Maßstab, dass der Text gedruckt ist.

Und nein, das hier ist keine der “euphorisch-brüllenden Prognosen, wann die letzte Zeitung gedruckt wird”, wie sie Blogger nach Meinung des “Rheinischen Merkur” so gerne raushauen. Es ist nichts anderes als die Feststellung, dass es um guten Journalismus geht, nicht mehr — aber eben auch nicht weniger.

Noch etwas, am Rande bemekt: Nach der Einführung des iPads kamen aus vielen Häusern die vollmundigen Prognosen, wie sehr man die Menschen jetzt wieder zurück zur Zeitung holen werde. Schaut man sich den App-Store und die Apps so durch, dann stellt man fest, dass die Verlage die Revolution verschoben haben. Mal wieder.

Die euphorisch-brüllenden Prognosen erfüllen sich nur dann, wenn Printverlage nicht endlich aufhören, an die Überlegenheit des Papiers als solches glauben.

Written by cjakubetz

August 15th, 2010 at 7:56 pm

Das Sein und der Schein: Alles bleibt anders

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Besonders schön findet man Studien ja immer dann, wenn sie etwas belegen, was man irgendwie schon vorher geahnt hat.

Liest man die neueste ARD-ZDF-Onlinestudie, dann zeigt sich insbesondere, wie scheinbar widersprüchlich unsere (im Sinne von: “uns” Onlinern) Wahrnehmung und die Realität sind. Wie tief schon jetzt sich ein digitaler Graben zeigt. Und wie sehr auch im Netz die Macht von nur sehr wenigen Meinungsmachern eine stillschweigende und hinterhertrottende Herde beeinflusst (und insofern die Zustände gar nicht so sehr anders als in den klassisch-analogen Medien sind).

Beispiel der sehr allgegenwärtige Sascha Lobo. Wenn ich es richtig im Kopf habe (und ohne Anspruch auf Vollständigkeit), war Sascha Lobo in den letzten Monaten u.a. im “Spiegel”, im ZDF, in der ARD und auf Arte verhältnismäßig prominent vertreten. Man begründet das gerne damit, dass Sascha Lobo quasi der Inbegriff dieser neuen digitalen Welt sei und insofern auch als ihr Sprachrohr gelten darf. Das wiederum wird gerne mit Zahlen begründet, u.a. mit der, dass Lobo auf Twitter deutlich über 30.000 Follower hat. Das ist angesichts von 80 Millionen Deutschen ja nicht so rasend viel, für Twitter-Verhältnisse aber exorbitant.

Nur, was heißt schon Twitter-Verhältnisse:

Von den rund 75 Prozent aller Deutschen, die inzwischen online sind, sagt also gerade mal ein albernes Prozent, dass es Twitter wöchentlich nutzt. Die Zahl der täglichen Nutzer ist sogar unter der Wahrnehmungsgrenze. Umgekehrt nutzen 97 Prozent der Onliner Twitter nie. Rechnet man dann noch die rund 25 Prozent der Offliner zu diesen Zahlen hinzu, reduziert sich Twitter gemessen am Gesamtpublikum stark in Richtung völlige Irrelevanz (was übrigens auch ein sehr schönes Beispiel für die verzerrte Wahrnehmung von Journalisten und Kommunikatoren ist, nach deren Meinung ein Leben ohne Social Media zwar möglich, aber irgendwie sinnlos ist).

Man muss sich das also mal vorstellen: Da wird jemand auch in analogen Massenmedien zum Meinungsführer gemacht, u.a. mit der Begründung, dass er sich in einer Community, die unter normalen Menschen de facto niemand wahrnimmt, einen großen Fankreis erworben hat. Ebenso auch gerne mit der Begründung, dass er Deutschlands bekanntester Blogger sei, was insofern interessant ist, weil auch bei Blogs 93 Prozent der Online-User von sich sagen, sie nie zu nutzen.

Das ist ein Vorgang, der an sich nicht verblüffend ist. In der Bloggosphäre und auch in Diensten wie Twitter versammelt sich nicht die Masse. Dafür umso mehr: Multiplikatoren, Meinungsmacher, First Mover. Eine extrem meinungsfreudige und meinungsstarke Klientel, deren Wort irgendwann mal Gewicht hat. Was nicht zu kritisieren ist, weil es normal ist. Und was dann gerade im Netz doch wieder erstaunt, weil man in diesem Zusammenhang viel davon spricht, dass es eines der größten Verdienste des Netzes sei, Medien basisdemokratischer zu machen und auch solchen eine Stimme zu geben, die vorher keine hatten. Da ist es dann doch irgendwie eigenartig, wenn letztendlich die alten Mechanismen greifen und ein paar wenige wieder das Wort führen. (Daran sind natürlich konventionelle Journalisten nicht ganz unbeteiligt, man könnte sich ja mit der Szene  beschäftigen und auch mal jemand anderen als Herrn Lobo oder die anderen üblichen Verdächtigen fragen).

Auf der anderen Seite: Es ist ja nicht so, dass hier nur die journalistischen Reflexe greifen. Eigentlich ist es ja nur allzu menschlich, was man momentan im Web erlebt, was vielleicht auch daran liegen könnte, dass man bei 75 Prozent Onliner inzwischen mit guten Gewissen von einem echten gesellschaftlichen Querschnitt sprechen könnte. Und dass die Masse des Publikums nun mal lieber konsumiert als aktiv produziert — soll das wirklich eine Überraschung sein? Selbst dann, wenn Web 2.0 drauf steht: Für die allermeisten Leute ist ihr Bedürfnis (und vermutlich auch ihr Potential) zu texten, zu filmen, zu fotografieren, eher eingeschränkt. man sieht das jeden Tag an den eher kläglichen Ergebnissen bei denen, die auf Hobby-, Bürger- oder sonstwas Reporter als wirklich ernstzunehmende Alternative des Journalismus setzen. Aber auch an den anderen Zahlen, die ARD und ZDF herausgefunden haben:

Schnell zusammengefasst: Man chattet, schaut und postet vielleicht noch irgendwas — die eigene Kreativität hingegen ist verschwindend gering. Vor allem da, wo neben Kreativität auch noch handwerkliches Können gefragt ist: Wenn 85 Prozent von sich sagen, nie irgendwo eigene Videos zu veröffentlichen, hat man schnell eine Ahnung, warum das so sein könnte.

Das Netz ist also angekommen in der Mitte der Gesellschaft. Der Umgang mit ihm ist aber gar nicht mal so anders als mit den “alten” Medien, es schafft nur neue Gesichter.

Sascha Lobo wird´s freuen.

Written by cjakubetz

August 13th, 2010 at 10:39 am

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Leistungsschutz für meine kleine Zeitungsfarm

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Seit Stunden wühle ich mich gerade durch die Online-Angebote deutscher Tageszeitungen. Durch alle (fragen Sie nicht warum). Es ist kein Vergnügen, wirklich nicht.

Aber jetzt, nach vielen Stunden und hunderte Klicks später, ist mir allmählich was aufgegangen. Warum nämlich so viele Zeitungen nicht an den Erfolg und an die Bedeutung von Online glauben. Ganz einfach deswegen: Sie haben keinen damit und sie werden vermutlich auch keinen haben (Stammleser wissen, dass ich in solchen Momenten der Verallgemeinerung gerne mal ein “Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel” einschiebe).

Unfassbar viele Seiten, selbst von Kleinstblättern, die ich bisher nicht mal dem Namen nach kannte,  machen mit den ganz großen Dingern auf: Russland. Pakistan. USA. Flut in Sachsen. Das ist insofern nur so mittelgeschickt, weil es alle anderen auch machen und weil man ja ohnehin nur das Agenturmaterial hat, das ungefähr alle anderen auch haben. Gesichtslose, verwechselbare Seiten, die in ihrer Mittelmäßigkeit den Blättern wahrscheinlich nicht unähnlich sind. Nur mit dem Problem behaftet, dass man hier eben nicht mit dem lokalen Anzeigenblatt konkurriert, sondern mit hochwertigem – die Times, die FAZ, die Zeit, sie sind alle nur den abgedroschenen Mausklick weit weg. Man kann fast eine Wette eingehen: Die allermeisten schauen schnell auf die Service-Geschichten und aufs Lokale und sind dann sofort wieder weg. Im Grunde also machen sie das, was sie mit der gedruckten Zeitung auch machen, nur dass man das dort nicht so merkt.

Was ich gesucht und in den seltensten Fällen gefunden habe: ein ansprechendes, multimediales Lokal-Onlinemagazin, schnell, übersichtlich, umfangreich, vielleicht nicht  in Echtzeit, aber ständig auf der Höhe. Mit einer vernünftigen Präsenz bei Twitter, bei Facebook, mit einem angepassten Angebot für Smartphones. Kein Anspruch also, der utopisch hoch angesetzt wäre und keiner, über dessen grundsätzlichen Bedarf man lange debattieren müsste. Gefunden habe ich so etwas fast nirgends. Die Behauptung vieler Verlage, man sei für die Zukunft bestens gewappnet, entlarvt sich bei einer Surftour durch ihre Angebote.

Wenn man sich durch die Onlineangebote der meisten Zeitungen durchgequält hat, bemerkt man dann auch wieder, wie absurd die beiden Kernideen verlegerischer Strategien sind: Leistungsschutz und Paid Content. Bei fast allen Seiten, die ich gestern gesehen habe, gingen mir die beiden Schlagworte durch den Kopf — und in fast jedem Fall musste ich unwillkürlich lachen. Leistungsschutz für das halbwegs einwandfreie Aufbereiten von Agenturmeldungen? Ich würde behaupten, dass gestern abend 70 Prozent der Angebote von Regionalzeitungen online zu einem beachtlichen Teil mit Agenturmaterial bestückt waren. Teilen sich dann also 50 Onlineangebote den Erlös aus dem Leistunsgsschutzrecht, wobei die Leistung daraus besteht, dpa redigiert zu haben?

Und Paid Content — wofür? Für kaum spürbare Eigenleistung? Für ein paar lokale Meldungen, die es auch in lokalen Anzeigenblättern gibt? Und zudem noch demnächst auch von Seiten wie dem inzwischen etablierten “Heddesheimblog” und anderen, die inzwischen in den Startlöchern stehen, angeboten werden?

Natürlich kann man sich fragen, warum man in vielen Häusern nicht sieht, was doch so offensichtlich ist. Auch dafür habe ich bei meinem gestrigen Streifzug eine plausible Erklärung gefunden.  Es gibt in Deutschland immer noch Zeitungen, die per Mail über eine t-online-Adresse, eine sogar über eine Zahlenkombi bei AOL erreichbar sind. Nichts dagegen — aber soll man man von einer Redaktion, die gerade im Mailzeitalter angekommen ist, ernsthaft erwarten, die Herausforderungen der digitalen Welt bestehen zu können?

Viele Verlage haben es sich in den letzten beiden Jahrzehnten kuschelig eingerichtet in ihrer sehr eigenen Welt. Sie haben eine Subkultur entwickelt, die im Wesentlichen aus der Idee bestand, dass es ohne sie nicht geht, trotz Radio, trotz Fernsehen. Die kleine Zeitungsfarm, mit Zäunen abgeschottet gegen  die böse Welt da draußen. Jetzt müssen sie erleben, dass es möglicherweise doch ohne sie geht — und rufen deswegen nach Artenschutz. Und vielleicht würde man sie insgeheim ja auch schützen wollen, weil man sich als jemand, der mit Zeitungen groß geworden ist, einen Tag ohne Zeitungen gar nicht vorstellen mag.

Nur: Bevor es einen Leistungsschutz gibt, müsste es eine Leistung geben, die man schützen kann.

Written by cjakubetz

August 12th, 2010 at 8:48 am

Zwischen Theorie und Praxis (2)

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Was ist eigentlich aus den Jubelrufen und der Hurrastimmung der Verlage kurz vor und nach der Einführung des iPads geworden? Offenbar nicht sehr viel. Zwar hatten die Häuser unisono angekündigt, dort ihre neue Chance zu sehen und dementsprechend schnell hochwertige Angebote produzieren zu wollen. Inzwischen sieht man das gute Stück regelmäßig in U-Bahnen und anderen öffentlichen Einrichtungen, von der avisierten Digitalgroßoffensive sieht man aber derzeit nicht sehr viel. Lässt man mal die Branchengrößen Springer und Spiegel außen vor, dann reduziert sich das Angebot der deutschen Verlage in Sachen iPad auf nahe Null.

Es ist — erstaunlicherweise — das alte Elend, warum auch diesmal viele Verlage dabei sind, das nächste große Ding zu verschlafen. Man zeigt sich verzagt und irgendwie ein bisschen mutlos, hängt gleichzeitig fest im Dilemma, das man auf der einen Seite dringend investieren müsste, auf der anderen Seite aber in Zeiten sinkender Umsätze und immer dünner werdenden Personaldecken eher Geld sparen müsste als es auszugeben. Das Ergebnis ist irgendwie erwartbar: Man wird nicht richtig Fuß fassen auf den neuen, hypermobilen und hyperkonvergenten Plattformen, demnach also dort kein Publikum finden und keine Umsätze generieren (und dann vermutlich alle Energien darauf verwenden, sich gemeinsam gegen eine Tagesschau-App zu wenden, weil die ja auch noch das Publikum auf dem iPad wegnehmen wird).

Eine Studie hat das alles jetzt sehr schön in Zahlen gefasst: Demnach klagt nahezu die Hälfte der Führungskräfte deutscher Verlage darüber, dass man zwar gerne wolle, aber eben nicht könne — weil das notwendige Budget zur Entwicklung halbwegs konkurrenzfähiger Angebote nicht da sei bzw. nicht freigegeben werde.

Ein Verhaltensmuster, das man schon vor 10 Jahren beobachten konnte: Damals, als es langsam ernst wurde mit der Erstellen vernünftiger Onlineangebote, gab es in vielen Verlagen ebenfalls die Devise, dass man dieses Internet zwar schon besetzen und demnach auch etwas tun müsse — dass dies aber auf der anderen Seite wenig bis (noch besser) gar nichts kosten dürfe. Dass das nicht geht, könnte man zwar bei jedem Zweitsemester-BWL-Studenten in Erfahrung bringen, aber anscheinend versucht man es dennoch gerne immer wieder mal nach dieser Methode.

Written by cjakubetz

August 3rd, 2010 at 11:11 am

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Wie es dem Journalismus an den Kragen geht

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Zu Beginn des 21. Jahrhunderts geht es dem Journalismus  aufgrund der aktuellen kapitalistischen Wende sprichwörtlich an den Kragen: Er verliert das strukturelle und personelle Rückgrat, mit dessen Hilfe er zum unabhängigen Kontrolleur staatlicher Macht und zur gesellschaftlichen Kontrollinstanz der Moderne aufsteigen konnte. Das wachsende Ungleichgewicht von Markt und Macht, ausgelöst durch den Würgegriff der Ökonomisierung fast aller Medienbereiche, rüttelt heute an den Grundfesten des Journalismus – oder anders gesagt: Die Medien unterwerfen sich mehr denn je einer Marktlogik, als ihnen gut tut. Das journalistische System büßt durch den Verlust seiner ökonomischen Autonomie vor allem seine publizistische Unabhängigkeit ein.

Das Komische an den Journalismus-Debatten dieser Tage ist ja: Dass es so wie bisher nicht weitergehen wird,  ist schon lange ausgemachte Sache. Nicht mal die größten Digital-Ignoranten würden bestreiten, dass es nicht um ein bisschen Internet und ebenfalls ein bisschen Social Media geht. Sondern dass der Journalismus in einem radikalen, strukturellen Umbruch steckt. Stephan Weichert benennt dies vor der Akademie für politische Bildung in Tutzing mehr als deutlich. Vermutlich wird er dafür nicht einmal sonderlich großen Widerspruch ernten.

Trotzdem staunt man dann immer wieder, wenn man sich aus den akdemischen Höhen in die Ebenen des Alltags begibt.  Man staunt, wie wenig dieser radikale Wandel immer noch wahrgenommen wird, wie wenig Konsequenzen es dafür für die Zukunft gibt. Tatsächlich fühlten sich beispielweise die Impressionisten der “Süddeutschen Zeitung” bemüht, ihrer neuen Chefredaktion als Wunsch für die Zukunft mitzugeben, Onlineredakteure nicht länger als Redakteure 2. Klasse zu behandeln. Verständlich ist dieser Wunsch allemal, umso merkwürdiger und irgendwie auch bezeichnend) ist es, dass ein Qualitätsblatt wie die SZ allen Ernstes überhaupt noch solche Forderungen stellen muss.

Leider ist die SZ dabei allerdings keine Ausnahme. Ich vermisse in vielen Redaktionen ganz Grundlegendes: nämlich ein echtes Verständnis für das, was da gerade passiert. Es ist immer noch häufig so, dass ein eigener Facebook-Account schon als der Gipfel der Innovation gefeiert wird. Von dem, was Weichert in Tutzung erzählt (und dabei auch Wolfgang Blau und dessen Idee von einem vernetzten, moderierenden Journalismus erwähnt hat), sind die meisten in der Praxis weit entfernt.

Das allerdings nicht mal so sehr, weil sie nicht in der Lage wären, diese neuen Idee zu begreifen. Sondern weil sie schlichtweg nicht mögen, weil ihnen der Gedanke, ihre Gatekeeper-Position aufzugeben, ein ziemlicher Graus ist. Weil sie immer noch darauf hoffen, dass sich das mit den mündigen Usern und den halbwegs gleichberechtigten Inhaltelieferanten irgendwann wieder legen wird und die Leute dann reumütig in den Schoß der Journalisten zurückkehren werden.

Könnte aber gut sein, dass sie vergeblich warten.

Written by cjakubetz

Juli 28th, 2010 at 5:33 pm

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Es gibt keine Presse mehr

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Es gibt keine Presse mehr. Vielleicht muss man diese merkwürdige und dennoch naheliegende Erkenntnis an den Anfang eines Eintrags stellen, der sich im Wesentlichen mit einem ebenso merkwürdigen Kommentar des FAZ-Medienredakteurs Micheal Hanfeld auseinandersetzt. (Hanfeld hat es übrigens soweit gebracht, dass der ARD-Vorsitzende einen offenen Brief an Herrn Schirrmacher schrieb).

Die Welt von Michael Hanfeld (dessen Sachen ich ansonsten übrigens ziemlich gerne lese) besteht aus schwarz und weiß. Zumindest, wenn es um die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender auf der einen und die Verlage, die Presse auf der anderen Seite geht. Folgt man Hanfeld, dann drohen uns durch die Online-Angebote der Sender Zustände wie in Nordkorea:

Es (das Gutachten zu den Onlineangeboten der ÖR´s) verkündet nichts anderes als einen totalen Machtanspruch, das Ende der freien Presse und die Herrschaft des Staatsjournalismus.

Tagesschau.de oder heute.de bedeuten also das “Ende der freien Presse”, bedeuten “Staatsjournalismus”? Das ist so ziemlich der undifferenzierteste Unsinn, den ich seit Jahren gelesen habe. Es ist so maßlos überzogen, dass es keiner weiteren Erwähnung wert wäre, stünde es nicht ausgerechnet in der FAZ (und hätte es dadurch nicht automatisch eine gewisse Fallhöhe). Dass die FAZ in ihrer journalistischen Freiheit behindert wäre, lässt sich also beim besten Willen nicht belegen und ist insofern auch nicht weiter diskussionswürdig. Dass ARD und ZDF einen “totalen Machtanspruch” entwickeln, gehört ebenfalls in die Kategorie hohler Phrasen. Aber eher ungewollt hat Hanfeld eines richtig erkannt: Internet ist tatsächlich Rundfunk. Hanfeld beschreibt das eher spöttisch:

Du bist Rundfunk, ich bin Rundfunk, wir alle sind Rundfunk. Sie betreiben einen Blog im Internet? Dann sind Sie Rundfunk. Sie arbeiten für einen Verlag, bei einer Zeitung, einer Zeitschrift, die einen Online-Auftritt unterhält, mit Texten, Bildern, kurzen Filmen?

Was Hanfeld eher hämisch meint, ist in der Tat Realität. Auf diesem Blog hier gab´s schon Videos, gab´s Audios und theoretisch könnte ich heute abend noch einen Livestream aus meinem Schlafzimmer starten (keine Sorge, ich erspare Ihnen das). Was ist das anderes als — Rundfunk? Und wann begönne denn nach Hanfelds Auffassung Rundfunk? Bei zehn Zuschauern, zehntausend, zehn Millionen? Oder doch nur, wenn er über einen Fernseher und ein Radio ins Haus kommt? Das Kriterium für Rundfunk ist doch keineswegs, wie viele Leute zusehen und über welche Plattform und mit welcher Technik sie ausstrahlen. Entscheidend ist, dass sie klassische Rundfunkinhalte, nämlich Audio und Video, ausstrahlen können. Die FAZ macht das übrigens auch, ohne dass man ihr deswegen einen “totalen Machtanspruch” bescheinigen würde.

Gleichzeitig ist das ja auch eine interessante Beobachtung: kein Journalist und kein Medienmacher und kein Medienforscher würden mit gutem Gewissen abstreiten, dass Medien heute eben nicht mehr in die klassischen Kategorien zuzuordnen sind. Presse? Es gibt keine Presse mehr ohne funktionierenden Onlineauftritt und ohne Videos und ohne Audios (eben: Rundfunk). Zeitungen müssen sich heute auch in der digitalen Welt bewegen können und natürlich müssen sie auch Videos und Audios produzieren können. Umgekehrt kann Fernsehen heute in einer hyperkonvergenten Medienwelt eben nicht mehr nur im Fernsehen stattfinden, Radio nicht mehr nur im Radio. ARD und ZDF würden innerhalb kürzester Zeit vor existenziellen Fragen stehen, gäbe es ihre Angebote nicht in angemessener Form auch im Netz und auf dem Smartphone. Das Publikum der Zukunft wird vorwiegend digital leben. Wenn ARD und ZDF dort nicht stattfinden dürfen, verlieren sie über kurz oder lang ihre Existenzberechtigung.

Was ist angemessen? Natürlich gab es bizarre Auswüchse in den vergangenen Jahren, Mainzelmännchen im Onlineshop verkaufen gehört sicher nicht zu den öffentlich-rechtlichen Kernaufgaben. Das ist massiv zurückgefahren worden und momentan sind in den Anstalten ohnehin ziemliche Löschorgien im Gang, wie Stefan Niggemeier — ausgerechnet — in der FAS ausführlich beschrieben hat.

Merkwürdig ist ja auch, dass es dieses Dauer-Lamento beinahe nur in Deutschland gibt. In Großbritannien, wo die BBC ein ganz anderes (Online-) Gewicht hat, ist noch niemand auf die Idee gekommen, das Ende der “Times” oder des “Guardian” zu prognostizieren, weil es die BBC im Netz gibt.

Kurzum: Es gibt keinen Rundfunk mehr, der nur noch Rundfunk macht. Und es gibt keine Presse mehr, die nur noch Presse macht. Im Netz begegnen sich beide wieder, naturgemäß als Konkurrenten. Das waren sie vorher auch schon, jetzt sind sie es noch stärker. Das trifft alle, nur dass man umgekehrt noch nie einen Fernsehsendern lamentieren hören hat, dass die Zeitungen jetzt auch Videos (eben: Rundfunk) anbieten. Oder dass es YouTube gibt. Wenn es aber keine Medienzuordnungen im klassischen Sinn mehr gibt — welchen Sinn macht es dann, darauf zu beharren, dass öffentlich-rechtliche Sender weiterhin nur das machen, was sie schon seit 50 Jahren machen?

Und noch etwas hat Hanfeld vergessen: das Interesse der Zuschauer. Seit es die digitale Welt gibt, schaue ich so gut wie kein “normales” Fernsehen mehr, ich möchte die Beiträge aber dennoch nutzen. Ich möchte die Tagesschau im Netz sehen können und ich möchte auf tagesschau.de (oder wo auch immer) geschriebene Texte lesen. Und Fotos sehen. Ist das ein Privileg der “Presse”?

Auf die Idee, deswegen die FAZ nicht mehr zu lesen, komme ich übrigens trotzdem nicht.

Written by cjakubetz

Juli 22nd, 2010 at 12:31 am