Kategorie: ONLINE/MULTIMEDIA


Twitter, eine Liebe auf den vierten Blick

25. Februar 2013 - 11:48 Uhr

Es ist gerade mal die Kleinigkeit von vier Jahren her, da habe ich an dieser Stelle und an ganz vielen anderen auch verkündet, dass dieses “Twitter” eine ziemlich unnütze Modeerscheinung sei. Ich erinnere mich sogar an eine Textpassage, die ich mit ganz besonderem Stolz formuliert hatte: “Twitter” sei ein weiterer Beitrag zu mehr Geschwätzigkeit in einer ohnehin geschwätzigen Welt (toll, oder?). Ich hatte mir da meinen Account gerade angelegt und war auch Tage danach eher ratlos, was das jetzt bringen soll: 140 Zeichen, das ist für jemanden, der gerne auch mal Texte von 100facher Länge schreibt, so was wie die Höchststrafe.  Zumal es damals immer diesen Vergleich mit der SMS gab und ich SMS-schreiben damals schon nicht sonderlich gerne mochte. Die Zukunft des Journalismus besteht also demnach aus einer Aneinanderreihung von SMS-artigen Texten? Ich hielt das damals für den größtmöglichen Verwirrtheits-Exzess.

twitter

Heute, vier Jahre später, habe ich einen freundlichen Erinnerungstweet bekommen, seit nunmehr genau seit vier Jahren bei Twitter zu sein. In nackten Zahlen ausgedrückt hat sich mein Verhältnis zu Twitter, nun ja, etwas gebessert: Ich habe “Twitter” tatsächlich als etwas zu schätzen gelernt, was weitaus mehr ist, als das schnelle zeichenlimitierte Verströmen von Heißluft. Ich mag das schnelle und unmittelbare Interagieren, das nachrichtentickerartige meiner Timeline – und ja, auch das: Meine Timeline bringt mich immer wieder herzlich zum Lachen. Fußball schauen oder Fernsehen, das wird durch die Twitter-Timeline meistens erst so richtig unterhaltsam. Ich weiß nicht, wie viele sensationell lustige Tweets ich schon gelesen habe. Und nicht nur das: Meine Timeline hat mich auf viele gute Themen gebracht, hat mir Anregungen geliefert und mir ab und an auch mal gezeigt, wenn ich auf dem Holzweg bin.

Twitter ist für mich aber auch etwas anderes geworden: ein sicherer Indikator für Themen, für Dinge, die das Netz (ja, ich weiß, es gibt nicht das Netz)bewegen. So sehr mich die dauerhaft hohe Betriebstemperatur bei Twitter manchmal nervt, so sehr ich es nicht mag, wenn mal eben auf 140 Zeichen rumgebrüllt oder draufgeschlagen wird, so sehr weiß ich aber auch: Wenn heute Twitter darüber spricht, dann gibt es eine gute Chance, dass dieses Thema morgen auch in den restlichen digitalen und analogen Sphären eines sein wird. Twitter also als eine Art Frühwarnsystem; ein Wert, den man gerade für Journalisten gar nicht hoch genug einschätzen kann.

Inzwischen sind wir gute Freunde geworden, dieses Twitter und ich. Ich bin nicht süchtig danach und kann auch ganz prima ein paar Tage ohne dieses Ding leben. Spätestens dann aber würde ich dann doch anfangen, es zu vermissen. Selbst dann, wenn ich gar nicht arbeiten muss.

Alles übrigens, was ich ganz oben über Twitter mal gesagt habe, habe ich mir jetzt auch über “Vine” gedacht. Bin gespannt, ob ich in vier Jahren an dieser Stelle mal schreiben werde, wie großartig doch dieses Sechs-Sekunden-Videotool ist.

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Die spinnen, die Belgier!

14. Dezember 2012 - 11:04 Uhr

Es muss ein ziemlich guter Tag für Belgiens Verlage gewesen sein, als man Google endlich eine Einigung im Streit um die Verwendung von Snippets bei Google News abgerungen hatte. Zumindest klingt das, was dort offiziell verlautbart wurde, nach nicht sehr viel weniger als einem Triumph. Zunächst geisterten sogar Interpretationen dieser Einigung durch die Gegend, in denen es hieß, Google werde künftig für die Verwendung von Verlagsmaterial bezahlen. Eine echte Ermutigung also für die Befürworter des Leistungsschutzrechts?

googlenews

Die Realität sieht ein wenig anders aus. Tatsächlich erkennt Google in Belgien gar nichts an und leistet auch keinerlei “Zahlungen” an die Verlage. Was man abgeschlossen hat, lässt sich als “Gentlemen Agreement” am ehesten beschreiben: Google wird künftig etwas mehr Werbung in den belgischen Zeitungen schalten und zudem sehr schwammig formulierte Hilfestellungen dabei geben, dass die Verlage wieder mehr Geld verdienen. Umgekehrt allerdings gehen die Verlage eine Zwangsehe mit Googles Adsense ein. Das muss keineswegs zum Schaden von irgendjemandem sein und vielleicht ist diese Einigung das Beste, was rauszuholen war.

Und möglicherweise sind die neuen belgischen Verhältnisse ja auch eine Art Menetekel für Deutschland. Betrachtet man die Sache nüchtern, dann wird Google irgendwann ebenso die Keule ziehen wie es jetzt die quengelnden Verlage tun. Soll heißen: Wird man Google tatsächlich irgendwann per Gesetz zu wie auch immer gearteten Zahlungen nötigen, wirft der Suchgigant dann mal eben die Verlage aus dem Index. Am Ende steht dann eine Einigung, wie wir sie jetzt in Belgien sehen. Und das wissen vermutlich beide Seiten jetzt schon sehr genau. Allem Kriegsgeheul zum Trotz.

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Snippet or leave it

4. Dezember 2012 - 20:53 Uhr

Google News besteht aus Inhalten, die weitgehend geklaut sind. Das ist die Logik der Befürworter des Leistungsschutzrechts. Und deswegen, weil Diebstahl fraglos nicht in Ordnung ist, fordern sie einen angemessenen Betrag als Entschädigung – oder zur Lizenzierung, das hört sich besser an.

Man könnte jetzt wieder die ewige Debatte darüber aufmachen, wer von wem mehr profitiert und demnach an wen zu bezahlen hat, wenn sie nicht schon so unendlich oft geführt worden wäre. Man könnte allerdings auch die Frage stellen, ob die Geschichte vom “Diebstahl” nicht einfach eine Mär ist. Und ob die Fakten dahinter nicht absichtlich verschwiegen werden. Dazu ein kleiner Schwenker: In diesen Tagen bin ich eine Kurzdebatte mit dem von mir über sehr viele Maßen geschätzten Stefan Plöchinger geraten (auch hohe Wertschätzung bedeutet schließlich nicht, dass man nicht auch mal unterschiedlicher Meinung sein kann). In die Debatte auf Stefans Facebook-Seite klinkte sich dann auch Springer-Lobbyist Christoph Keese ein. Und da dachte ich mir, das wäre eine gute Gelegenheit, ihm mal eine Frage zu stellen:

Christoph Keese hat dann geantwortet und er hat nicht mal abgestritten, dass man die Snippets, die laut LSR-Befürwortern aus dem Link einen Diebstahl machen, mühelos abschalten könne. Das allerdings reicht ihm auch nicht, stattdessen fordert er erstens eine modernere Technologie als die txt.-Dateien. Und zum anderen hätte er jetzt noch gerne, dass die Verlage individuell entscheiden können, wann sie welches Snippet zulassen. Keese schrieb (ich hab´s kopiert, weil ich den ersten Satz nicht ganz verstanden habe und nicht irgendwas reinredigieren wollte):

Google darauf seit Jahren darauf, einzig Robot.txt – eine Uralt-Technologie aus der Steinzeit des Web – als maschinell lesbare Form des Rechteausdrucks zuzulassen. Mit Absicht, denn Robots.txt zwingt Verlage, entweder im Netz komplett unsichtbar zu sein oder sichtbar zu sein und dabei alle Rechte freizugeben. Das gilt auch fiür den Snippet-Befehl. Man kann nicht zum Ausdruck bringen, unter welchen Unständen man die Verwendung von Snippets zulassen will und unter welchen nicht. Diese Entweder-Oder-Lösung ist nicht akzeptabel. Dringend nötig ist eine moderne, differenzierte Form des Ausdrucks von Nutzungsrechten. Dafür gibt es zahlreiche Vorschläge und sogar fertige Lösungen, die von Google aber seit Jahren ignoriert und boykottiert werden.

Verstehe ich das also richtig? Es ist für die Befürworter des Leistungsschutzrechts “Diebstahl”, weil ihnen Google zwar durchaus zugesteht,  nicht (wie so oft suggeriert) “völlig unsichtbar” zu sein, es aber nicht hinreichende Möglichkeit der Individualisierung gibt? Man erlaubt also in vollem Bewusstsein den Zugriff auf die Inhalte und die Erstellung von Snippets, spricht aber weiterhin von “zusammengeklauten Inhalten”?

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Als Burda mal einen Kopierer verkaufte

12. September 2012 - 12:58 Uhr

Möglicherweise muss man sich ja nur mal die Geschichte des Aggregators “nachrichten.de” anschauen, um die Haltung vieler Verlage zum Netz im Allgemeinen und zum Leistungsschutzrecht im speziellen weiterhin nicht zu verstehen. Die Webseite ist in diesen Tagen verkauft worden. Aus dem großen Burda-Reich wurde es ausgelagert an ein Unternehmen namens Neofonie. Das ist nicht nur interessant, weil damit klar wird, dass das ambitioniert gestartete Projekt nie eine ernsthafte Alternative zu Google war. Sondern auch deswegen, weil Burda damit ein Projekt verkauft hat, mit dem es genau das macht, was es jetzt via Klage verhindern will: Nachrichten anderer zusammenzufassen zu einem neuen Produkt. Oder, wie es damals im September 2009 zum Start hieß:

Das neue, in Deutschland bisher einmalige Angebot analysiert minütlich rund 500 deutsche Nachrichtenquellen. Meldungen zum gleichen Thema werden automatisch gebündelt, Themen-Ressorts zugeordnet, nach Relevanz gerankt und mit Bildmaterial versehen.

Das hat, wie man inzwischen weiß, nur so mittelgut funktioniert. Was u.a. dran liegen mag, dass sich Nachrichten.de als Quelle nicht wie Google auf alles mögliche im Netz verfügbare konzentriert hat, sondern auf die Inhalte deutscher Medien und da wiederum inbesondere auf die der Verlage. Eher unfreiwillig hat das Portal damit auch den Beleg dafür angetreten, wie öde diese Angebote sind. Und wie leicht Google auf die verzichten könnte, würde man konsequenterweise nach der Einführung eines Leistungsschutzrechts auf die Indexierung von Verlagsangeboten verzichten. Man bekommt beispielsweise jetzt eben aktuell von Nachrichten.de eine Meldung serviert, die sich mit der mutmaßlichen Einführung des iPhone 5 befasst:

Die Meldung stammt demnach von der Celleschen  Zeitung, ähnliche Inhalte verspricht Nachrichten.de aber auch von der “Nordsee Zeitung”, der “Giessener Allgemeinen” und der “Frankfurter Rundschau”. Was eine enorme Vielfalt und Leistungsfähigkeit deutscher Verlagsangebote signalisiert, fällt bei genauerem Hinschauen in sich zusammen wie ein Soufflee: Es handelt sich um ein und dieselbe Meldung – und die stammt von einer Agentur (dpa). Sieht man also von der Frage ab, welchen Sinn ein solcher Algorithmus macht, zeigt sich auch anderes: So wahnsinnig vielfältig und leistungsfähig und damit für den Informationsfluss im Netz unverzichtbar, wie die Befürworter der geschützten Leistung gerne sagen, sind die Verlage womöglich gar nicht. Im Fall iPhone 5 jedenfalls haben weite Teile der deutschen Verlagslandschaft im Wesentlichen eine Leistung erbracht, die aus dem fehlerfreien Kopieren einer Meldung in ein CMS besteht. Und mal weitergedacht – und Google hätte all diese hübschen Meldung nicht indexiert: Was genau bitte würde uns fehlen? Das Spiel ließe sich übrigens anhand unzähliger anderer Themen fortführen, das Ranking entscheidet sich dann danach, wer den schnellsten Kopierer Redakteur in seinen Reihen hat.

Aber der Burda-Abschied von “nachrichten.de” hat auch noch eine andere Bedeutung: Drei Jahre lang hat der Verlag jetzt nichts anderes gemacht als das, was er jetzt beklagt.Der Verkauf des Aggregators war deshalb auch die Beseitigung eines Interessenskonflikts. Und der Beleg für eine eigenartige Grundhaltung vieler Verlage im Netz. Man würde es nur zu gerne okkupieren, beherrschen, für sich nutzbar machen. Man leitet dafür eine Art Gewohnheitsrecht ab. Und wenn´s dann mal nicht funktioniert, wird gerne geklagt, mit voller Wucht und der ganzen Macht einer Branche.  Nur nicht immer mit Verstand. Und mit Logik schon gleich gar nicht.

 

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Eine kleine App-Kritik (15): HAZta la vista

14. März 2012 - 18:03 Uhr

Sie kennen diesen doofen Fußballer-Witz, warum alle  Fußballer Models als Freundinnen haben? Falls nein, die Antwort lautet: weil sie es können. Das steht hier nicht, weil ich den Witz so brüllend komisch fände, sondern weil diese Weil-man-es-kann-Logik auch etwas anderes gut trifft. Warum hat man ein iPad, warum spielt man mit irgendwelchen Videos und interaktivem Zeugs rum? Weil man es kann. Wenn dann ab und an ein inhaltlicher Mehrwert dazu kommt, umso besser. Zumindest aber steht fest: Nur zum drögen konsumieren von Texten und Bildern braucht man kein Tablet.

Das sollte man vor Augen haben, wenn man eine App konzipiert. Vielleicht ticken Hannoveraner ja generell etwas trockener, was man Niedersachsen gerne nachsagt. Und vielleicht liegt es an dieser Trockenheit, dass man bei der HAZ den Spielzeug-Gedanken außen vor gelassen hat, als man eine App erstellt hat, die sich “HAZ 24″  nennt und wohl eine Art Hybridmodell zwischen offenem Netz und klassischer Tageszeitung sein soll. Das ist erst einmal nichts Ungewöhnliches, auch die “Süddeutsche Zeitung” und die “Welt” fahren eine ähnliche Strategie. Ein Onlinemagazin, das auf der Tageszeitung aufbaut, seltener als das Web, aber natürlich viel öfter als die Zeitung aktualisiert wird und die tabletüblichen Spielereien…

 

…nein, die genau nicht enthält. “HAZ 24″ ist ein multimediales Spielzeug in Monomedia. Zumindest in den beiden Ausgaben, die ich habe: nichts von Spielereien zu sehen, keine Videos, keine Animation, kurzum nichts von dem, weswegen man so ein iPad gerne in die Hand nimmt und auch eine App kauft.  Was wäre denn ein Kaufgrund für eine App? Sie müsste sich in irgendeiner Weise von dem absetzen, was man auch im “kostenlosen” Internet bekommt. Genau das aber bietet die HAZ nicht. Sie besteht größtenteils aus: Überschrift, Text, Bild. Das alles ist vermutlich solide gemacht und direkt zum Aussetzen findet man ja auch nichts. Aber reicht es, wenn man nichts zum Aussetzen findet?

Vermutlich nicht. Und solange sich daran nichts ändert, heißt es vermutlich: Hazta la vista.

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Eine kleine App-Kritik (14): WiWo das denn jetzt?

28. Februar 2012 - 19:42 Uhr

Es hätte die erste kleine App-Kritik werden können, die mit einem Satz auskommt: Sie bekommen hier für Ihr Geld eine solide App.

Könnte jetzt hier stehen und gut ist. Tatsächlich gibt es aber zwei Dinge, die einem durch den Kopf gehen, wenn man sich die frisch auf den Markt gebrachte App der “WiWo” so anschaut. Zwei Dinge, die eher genereller Natur sind, bei denen beide Male die “WiWo” ein schönes Beispiel dafür ist, um wenigstens mal darüber zu reden (zumal ich in beiden Punkten, das gebe ich gerne vorab zu, selber etwas unsicher bin).

Punkt eins: Was muss und soll eine App können, die ein Magazin, ein Heft auf ein Tablet bringt? Ich dachte anfangs zunächst auch, es würde mir reichen, wenn ich das Ding schlichtweg am Bildschirm lesen kann, möglichst in einem Layout, das exakt dem des Hefts entspricht. Je mehr ich allerdings Apps genutzt habe, die mehr sind als eine Reproduktion des Heftes, desto mehr habe ich mich an die Möglichkeiten des multimedialen und tabletspezifischen Erzählens gewöhnt (und sie schätzen gelernt). Die “Wirtschaftswoche” macht de facto nichts von alledem, möglicherweise sogar mit Absicht. Wenn man nicht gerade die Standards wie 360-Grad-Fotos oder die eine oder andere interaktive Grafik dazu zählt, dann ist das Heft einfach das Heft hinter einer Glasplatte. Solide, ja — zukunftsweisend, innovativ, ideenreich? Leider nein. Ich bin jedenfalls gespannt, ob es bei diesem aktuellen Standard der deutschen Zeitschriften-Apps bleibt. Momentan geht meine Idee eher dahin: Es kommt irgendwann mal einer, der zeigt, wie es richtig gut gehen könnte. Wie das aussehen soll? Keine Ahnung.

Punkt zwei: Es mag Zufall gewesen sein, aber ich habe heute fast drei Stunden gebraucht, bis ich die Ausgabe überhaupt laden konnte. Bis dahin scheiterte jeder Download-Versuch. Der anschließende Download ging dann fix, dafür dauerte das Entpacken der Ausgabe eine gefühlte Ewigkeit. Ich würde gerne an Zufall oder temporären Andrang glauben, stelle aber auf der anderen Seite immer wieder in letzter Zeit fest, dass die technische Seite bei dem einen oder anderen Anbieter nur eingeschränkt gut funktioniert. Bei der FAS gab es ziemlich böse Probleme und auch meine an sich sehr geschätzte SZ hat in der letzten Zeit auffällige Macken, die letzte Woche mal darin gipfelten, dass eine Ausgabe nur über die Navigation zu lesen war. Nichts mit blättern oder wischen, nur navigieren. Ist das jetzt irgendwie normal, dass Produkte auf den Markt kommen, die technisch eher unausgereift sind?

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Der Lokaljournalismus sagt beim Abschied leise “Servus”

16. Februar 2012 - 19:48 Uhr

Eine dieser neuen hypergehypten Hyperlokalseiten macht gerade mal nach einem Jahr wieder zu. Das könnte man als Vertreter eines eher konventionellen Lokaljournalismus — vor allem natürlich als Lokalzeitung — wunderbar als Grund nehmen, um zu sagen: Seht her, sagen wir es euch doch dauernd, die gute alte Zeitung ist dann vor Ort eben doch nicht zu ersetzen mit ein bisschen Onlinekram. Doch das ziemlich schnelle Sterben des Passauer Projekts “Lokalnews.de” ist kurioserweise ein Beleg für genau das Gegenteil…

“Lokalnews” startete vor rund einem Jahr in Passau und war ähnlich unentschlossen wie sein englischdeutscher Name: Auf der einen Seite wollte man eine hyperlokale Alternative zur selten guten, aber meistens richtig alten Passauer Neuen Presse sein. Auf der anderen Seite ließ man sich — wenn auch über Umwege — genau von dieser PNP finanzieren und machte eine Seite, die oft so aussah, als wenn sie die PNP bestellt hätte. Jung äußerlich, aber uralt innendrin, so hat der wunderbare Georg Ringsgwandl ein solches Phänomen (in einem anderen Kontext) mal beschrieben. Soll heißen: Klar sahen die Lokalnews irgendwie ein bisschen frischer und jünger aus als die PNP, aber innendrin war es die gleiche alte, langweilige Melange. Die hippen und wenigstens nach außen konzernunabhängigen Onliner machten genau diesen Journalismus, mit dem viele Lokalredaktionen seit etlichen Jahren zuverlässig jedes Publikum ins Wachkoma schreiben: viel von diesem Kram, den eine lokale Agenda vermeintlich vorgibt, irgendwelche Rathausnachrichten, die halt dann Rathausnews heißen, trotzdem aber Sachen verlautbaren, für die sich der durchschnittliche Bewohner einer Stadt schlichtweg nicht interessiert. Kalendergetriebenes Memorieren von irgendwas, aktuell beispielsweise, dass vor 83 Jahren die erste Passauer Buslinie in Betrieb genommen wurde oder vor 41 Jahren das Passauer Kinderheim umbenannt wurde und seinen heutigen Namen erhielt. Polizeiberichte, die Ankündigung, dass Heino demnächst in der Gegend singt und Hansi Hinterseer es schon getan hat — das alles könnte in seiner ganzen öden Routiniertheit auch im Lokalteil der PNP stehen. Und weil es das meistens auch tut, hat Lokalnews es während seines gesamten Bestehens nicht geschafft, die eine und alles entscheidende Frage zu beantworten: Warum soll ich dieses hyperlokale Onlinedings lesen, wenn es gar keinen Unterschied zu dem lokalen gedruckten Ding gibt? Nur weil Internet drauf steht und das Ganze optisch ein kleines bisschen hipper aussieht als die Lokalzeitung liest noch kein Mensch das Internetdings. In Zahlen: Laut Webseite brachte es der meistgeklickte Beitrag bei den Lokalnews auf gerade mal 1400 Leser, der meistkommentierte Beitrag ist bezeichnenderweise die Meldung “In eigener Sache”, dass man den Laden wieder dicht macht. Sechs Kommentare. Wenn die Macher der Seite einen Beleg gebraucht hätten, dass den allermeisten ihr Projekt völlig wurscht ist, hätten sie ihn hier bekommen.

Das muss nicht unbedingt eine gute Nachricht für die lokalen Platzhirschen sein, nicht in Passau und nicht anderswo. Weil das Scheitern der “Lokalnews” zeigt, dass es nicht einfach nur um die Frage Print oder Online geht. Sondern eher darum, ob Journalisten speziell im Lokalen es schaffen, aus dem routinierten Am-Leser-Vorbeischreiben herauszukommen. Es ist zur bequemen Standardausrede geworden, über das böse, böse Internet zu jammern und es für jedes einzelne verlorene Exemplar verantwortlich zu machen. Dabei geht es vor allem für die regionalen Blätter seit einer Zeit bergab, als vom Internet noch nicht mal im Ansatz die Rede war. Zu sinken begannen die Auflagen der Tageszeitungen schon in der Mitte der 80er Jahre. Dass sie Mitte der 90er Jahre noch einmal erheblich anstieg, war ein Sondereffekt der Wiedervereinigung — rechnet man diese Delle heraus, dann haben es die deutschen Tageszeitungen seit 25 Jahren mit leichten, aber beständigen Rückgängen zu tun. Über die diversen Gründe dafür kann man sich lange streiten. Einer dafür ist aber ganz sicher: ein Inhalt, der vielerorts mit dem Leben des Lesers nichts mehr zu tun hat. Inhalte, die man schon in den Zeiten der nicht vorhandenen Medienvielfalt eher ertragen als gemocht hat. Inhalte, die vielleicht Journalisten, Lokalpolitikern und Schreibtischhengsten in Behörden gefallen haben. Aber sonst auch niemanden. Nebenher fällt mir ein, dass ich beispielsweise heute in einem Lokalteil für das niederbayerische Vilsbiburg einen unfassbar langweiligen 150-Zeiler über die Sorgen des Krankenhauses Vilsbiburg gelesen habe. Da ging es ziemlich lang und breit um irgendwelche Abrechnungsverfahren mit den Versicherungen und darum, dass die Techniker Krankenkasse dem Krankenhaus Vilsbiburg letztes Jahr einen hübschen Preis verliehen hat. Die Geschäftsführerin des Krankenhauses wird sich über die nette Geschichte sehr gefreut haben, bei allen anderen Lesern lag die frühzeitige Abbruchquote vermutlich bei 95 Prozent. Dumm nur, dass eine solche Geschichte in vielen Lokalen nicht mal negativ auffallen würde.

Was könnte man also aus dem frühen Scheitern des Passauer Online-Lokal-Projekts lernen? Dass man endlich anfange müsste, ordentlichen, interessanten, lebensnahen, engagierten (Lokal-)Journalismus zu machen, damit sich die Leser nicht mehr abwenden.  Dass man alle Jahrestags-Kalender und Einladungsmappen am besten weit wegräumt. Dass man sich eventuell auch mal fragen sollte, wen dieses Thema jetzt überhaupt interessieren soll (die Beantwortung dieser Frage hätte den Krankenhaus-150-Zeiler sicher verhindert).

Und dass man es sich mit dem Onlinebashing etwas arg einfach macht. Wenn einem auch online die lokalen Leser wegbleiben, dann stimmen die Geschichten nicht. Wenigstens für diese Erkenntnis müsste man den “Lokalnews” fast schon wieder dankbar sein.

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Kein Preis für Onliner: Viel Feind, wenig Ehre

8. Februar 2012 - 14:26 Uhr

Was macht eigentlich spezifischen und guten Online-Journalismus aus? Keine Sorge, es geht jetzt nicht schon wieder um Schneider/Raue, sondern um eine grundsätzliche Frage. Die sich deshalb stellt, weil die Jury des CNN-Awards für junge Journalisten inzwischen die Nominierungen für 2012 bekannt gegeben hat — und auf eine Nominierung in der Kategorie Online verzichtet. Bevor Sie jetzt draufschlagen und sagen, man habe das ja schon immer gewusst, wie mies die Qualität der Beiträge im Netz ist: Das was gar nicht die Begründung der Jury. Stefan Plöchinger als Chefredakteur von süddeutsche.de und Jurymitglied hat eine andere Begründung formuliert: Es fehlt überall noch an den spezifischen Erzählformen, die das Netz möglich macht (Plöchinger nimmt von dieser Kritik ausdrücklich niemanden aus). Tatsächlich scheint das das eigentliche Problem beim Journalismus im digitalen Zeitalter zu sein. Wie bekommt man es hin, eine Geschichte wirklich vernetzt zu erzählen? Über verschiedene Kanäle hinweg, multimedial, interaktiv, dazu noch das Netz als wirkliches Dialog-Medium genutzt – was sich in der Theorie so simpel anhört, ist in der Praxis immer noch enorm schwierig.

Man kommt dann aber sich wieder irgendwann zu dem mangelnden Stellenwert, den Online immer noch in vielen Häusern hat. Würde man die unzählig vielen Optionen, die es im Netz gibt, tatsächlich nutzen wollen, man bräuchte neben ein paar klugen Gedanken und ordentlichen Planungen auch anderes. Personal, Equipment und enorm viel Zeit. Wenn man also tatsächlich die momentan anscheinend unvermeidliche Manöverkritik am Zustand des Onlinejournalismus führen wollte, man müsste anderswo ansetzen als bei der Klage darüber, dass Onliner nur als Textschrubber gesehen werden. Sondern bei der Tatsache, dass sich die allerwenigsten wirkliche Gedanken darum machen, was Onlinejournalismus überhaupt sein könnte. Ich würde eine Wette darauf eingehen: Sieht man von ein paar großen und etablierten Redaktionen ab, nur die Wenigsten könnten überhaupt eine stimmige Erklärung vorbringen, was Onlinejournalismus für sie bedeutet. Manchmal nimmt das absurde Züge an, nämlich dann, wenn man zwar nicht wenig Geld zur Verfügung stellt, sich aber trotzdem über die Möglichkeiten keine Gedanken macht. Ich habe einmal die Situation erlebt, dass eine ganze Redaktion mit Premiere Pro für den Videoschnitt ausgestattet war, die Kollegen dort aber weder mit Kameras noch mit handwerklichen Grundlagen vertraut waren. Und dass man aus einem Video auch ganz was anderes machen kann, als den gebauten Beitrag oder den Aufsager, ist dort auch noch nie besprochen worden.

Nein, ich weiß auch nicht, woran das liegt. Wahrscheinlich gibt es eine ganze Reihe von Gründen, darüber würde ich nicht spekulieren wollen. Sicher aber ist: So lange wir gar nicht wissen, was wir vom Onlinejournalismus wollen und was man mit ihm machen könnte, solange wird es auch keinen guten Onlinejournalismus auf breiter Front geben.

Gar keine schlechte Idee also, in dieser Kategorie keinen Preis zu vergeben. Ob das auf der anderen Seite irgendwas bringt, sei dahingestellt. Man muss befürchten, dass der fehlende Preis für viele einfach nur die Bestätigung existierender Urteile über den Onlinejournalismus ist.

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Eine kleine App-Kritik (13): Die ausgefallene tz

28. Januar 2012 - 16:42 Uhr

Hier sollte eigentlich eine kleine App-Besprechung der Münchner “tz” stehen.

Sagen kann ich Ihnen nur: Man kann sie super kaufen, die “tz”. Einzelpreis 79 Cent. Sie herunterzuladen, habe ich auch nach 10 Stunden noch nicht hingekriegt. Es ist aber auch schwer mit dem Geldverdienen im Netz.

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Hunger? Werbung!

28. Januar 2012 - 16:35 Uhr

Gesehen bei standard.at:

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