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Da-dam-da-dam-da-daaaa-daaa
Jedes andere Lebensmodell, ob Selbstständigkeit, Elternzeit oder auch Arbeitslosigkeit, kommt in der Welt von Bayern 3 nicht vor. Und die Moderatoren lassen keinen Zweifel daran, dass es eine entfremdete, von den Hörern zutiefst verachtete Arbeit ist, die verrichtet werden muss, während das Radio läuft. Sie selbst feiern ihre eigene Medienkarriere auf der Bayern-3-Homepage als pure Selbstverwirklichung, als die Erfüllung eines seit Schulzeiten gehegten Lebenstraums. Doch für die Hörer gilt genau das Gegenteil. Ins Büro gehen heißt für sie: sich jeden Morgen überwinden müssen und ab dem Mittagessen den Feierabend herbeisehnen.
Es sind ja nicht nur die immer gleiche Musik, der dröge Mix aus der besten Musik, dem besten Wetter, dem besten Verkehr und die ewig gleich flachen Moderatorenwitzchen, die diese Popwellen so schwer aushaltbar machen. Andreas Bernard beschreibt im SZ-Magazin vielmehr, warum Sender wie beispielsweise Bayern 3 gemacht sind für Menschen mit Doppelhaushälfte und VW Golf vor der Garage. Grandiose Geschichte!
Macht bloß kein Fernsehen
Täuscht der Eindruck — oder ist die Euphorie um das Thema Videos im Netz langsam schon wieder vorbei? Tatsächlich kann man derzeit nahezu jeden Medienschaffenden in ein umfangreiches Gespräch zum Thema “Soziale Netzwerke” verwickeln, so wie man es noch vor zwei Jahren beim Thema Videos machen konnte. Die Ähnlichkeiten sind frappierend: Bei beiden Themen plapperten auf einmal Leute, die weitgehend sachkenntnisbefreit waren, munter drauflos. Und alle wollten dieses neue Zeugs haben, ohne erst einmal darüber nachzudenken, was ihnen das ganze bringt, ob es ihnen überhaupt irgendetwas bringt — und ob der Neukram überhaupt irgendwie umsetzbar ist. Letzte Ähnlichkeit: Ja, haben will man das schon, es darf aber ungefähr nichts kosten und soll bitteschön auch keinerlei personellen Mehraufwand verursachen. Man wundert sich angesichts dessen übrigens, dass es überhaupt irgendwo ein einziges Video im Netz gegeben hat und dass irgendwo auch nur ein einziger Facebook-Account ins Leben gerufen wurde.
Vermutlich sind die Konzeptionslosigkeit und der erkennbare Trend, “Me-Too-Produkte” ins Leben zu rufen, ein Hauptgrund, warum Videos im Netz immer noch häufig wahlweise nur teuer, nur sinnlos oder manchmal auch beides zusammen sind. Die Sinnlosigkeit (und auch: die manchmal exorbitanten Kosten) kommen immer dann zum Vorschein, wenn man im Netz versucht, Videos zu machen, die irgendwie wie Fernsehen aussehen. Dabei macht man im Netz gar kein Fernsehen. Das klingt furchtbar banal, die Erkenntnis muss sich aber bei vielen Redaktionen erst einmal durchsetzen: Wer ins Netz geht, will nicht fernsehen. Er will Information und/oder Unterhaltung, aber er will keinen krawattierten Moderator, keine Schnitt- und Antextbilder, all diese Unarten, die sich ins Fernsehen eingeschlichen haben und dort einfach mal als selbstverständlich hingenommen werden. Der User will “Youtube”. Er will sein Video schnell, unmittelbar, authentisch.
Dafür spricht mehreres. Da ist zum einen die Verweildauer eines Users bei einem Video. Nach nicht einmal zehn Sekunden ist er durchschnittlich wieder raus. Das liegt manchmal an den Videos selbst, häufig aber am Nutzungsverhalten: Video im Netz ist eben nicht durch eine Programmzeitschrift oder gar durch Erfahrungswerte einzuordnen. Videos im Netz heißt: suchen, reinschauen — und ggf. auch wieder ausschalten. Die Zeit, die man einem Video gibt, ist nicht lang. Und anders als beim Fernsehen hat auch niemand vor, jetzt einen netten Videoabend auf der Couch zu verbringen. Wer langweilt, fliegt.
Das klingt erst einmal unangenehm für die Produzenten von Webvideos. Weil es zu der Annahme verleiten könnte, man müsste, egal wie, zum Punkt kommen. Nur schnell, sehr schnell. Und ebenfalls könnte man meinen, man habe überhaupt nicht viel Zeit bei Webvideos. Die üblen 1.30 aus dem Privatfunk als Schallmauer, alles was drunter ist, ist per se besser. Doch das ist Unsinn, im Gegenteil: Das Netz gibt Videomachern die wunderbare Chance, die üblichen Zeitbegrenzungen einfach zu vergessen. Netznutzer ticken nicht wie Fernsehzuschauer, man kann es nicht oft genug sagen. Und das bedeutet eben auch, dass sie nicht nach 1.30 abschalten, weil ihnen 1.32 schon zuviel sind.
Gute Chancen mit Videos im Netz haben also vor allem diejenigen, die begreifen, dass wir es mit einem komplett neuen Medium zu tun haben, in das nicht einfach die Regeln des alten übernommen werden können und in dem man die bestehenden äußeren Formen adaptiert. Anders gesagt: Man könnte mit ein bisschen gutem Willen auch davon ausgehen, dass der Kreativität alle Türen geöffnet sind und man eigentlich nur ein bisschen was ausprobieren müsste, um auf Formate zu kommen, die funktionieren. Die Idee zählt deutlich mehr als die teure Kamera, der richtige Ton oder die aufwändige Produktion.
Wie vermeidet man also, einfach nur (das schlechtere) Fernsehen zu veranstalten? Man vergisst einfach den Gedanken an das Fernsehen und macht sich klar, dass es niemand will — und auch niemand braucht. Stattdessen gibt man sich selbst und seinen Leuten den Freiraum und den Mut zur eigenwilligen Kreativität. Und ein wenig Zeit und Geduld. Nicht alles, was man ausprobiert, wird unweigerlich zum Erfolg führen. Was im Gegensatz zu TV-Formaten auch gar nicht schlimm ist. TV-Formate entwickeln kostet richtig viel Geld, Online-Formate kosten allenfalls Zeit.
(Dieser Text ist eine leicht modifizierte Zusammenfassung eines Mail-Interviews, das das “Meinungsbarometer Digitaler Rundfunk” mit mir geführt hat und das im August erscheinen wird.)
1000 Mikes, selbstgemacht
Zugegeben, ich bin kein großer Radio-Hörer mehr. Seit ich töchterbedingt wieder viel Antenne Bayern hören muss, habe ich den Eindruck, ich sei versehentlich in einem Remake von “Und täglich grüßt das Murmeltier” gelandet. Ich kann inzwischen verlässlich sagen, was “Johnny B” und “Black Betty” und “Paparazzi” kommen, was mich immer amüsiert, weil ich mir dann immer vorstelle, wie ein Sparkassen-Angestellter aus Germering seinen Golf Diesel aus der Doppelgarage fährt und sich bei “Black Betty” entsinnt, dass er da vor 30 Jahren immer wüst zu gerockt udn seine ersten Vollräusche absolviert hat. Ich glaube, mehr Titel hat der Sender momentan nicht auf der Festplatte. Das ist übigens mit den Moderatoren-Imitatoren dort ähnlich, man ahnt eigentlich fortlaufend, was als nächstes an leicht klebrigen oder manchmal auch nur öden Moderationen kommt. Wenn die Töchter das Auto verlassen haben, schalte ich übrigens immer sofort um.
Heute dagegen — ein schöner Tipp eines alten Kollegen, ein Radio 2.0, nur im Netz, sehr interakiv, ein wenig abseitig, gerade deswegen sehr charmant: 1000Mikes, eine Plattform für mehr oder (meistens) weniger professionelle Radiomacher. Man kann sich dort Gedichte über Schottland anhören (eines der meistgehörten: hier) oder Eishockey-Live-Berichterstattung von den Straubing Tigers.
Radio von allen, für alle — und ich überleg mir jetzt glatt, ob ich da nicht mal einen eigenen Niederbayern-Kanal aufmache. Irgendjemand dabei? Bitte in den Kommentaren oder per Mail melden.
FFH aus dem Stauflieger
Ich bin ja selber schuld, ich weiß, und ich hab´ auch schon mal über dieses Thema geschrieben, das weiß ich auch: Aber ich habe gestern ein paar Stunden am Stück Radio FFH gehört und fühle mich gerade etwas weich in der Birne. Ich habe gehört, dass die wichtigste Meldung des Tages war (zumindest daran gemessen, in welcher Reihenfolge dort Nachrichten gesprochen werden; vielleicht wird das ja auch einfach nur ausgelost) , man habe in Hessen nunmehr mit den Osterferien begonnen und deswegen sei Stau auf vielen Straßen. Aus dem FFH-Stauflieger (der heißt wirklich so) meldete sich daraufhin live zugeschaltet die aufgeregte Stimme einer vermutlich nicht sehr viel älter als 20jährigen Frau, die uns aufgeregt mitteilte, es herrsche Stau auf den Straßen und dass dies vermutlich mit den beginnenden Osterferien in Hessen, aber auch auch anderswo zu tun habe könne. So richtig erklären könne sie es sich aber auch nicht, singsangte sie weiter, weil es eigentlich keinen Unfall auf der A3 gebe und auch keine Baustellen; aber letztendlich könne der Stau dann doch damit zusammenhängen, dass in Hessen die Osterferien begonnen haben. Dann noch eine Straßenumfrage in Baden-Baden zum Nato-Gipfel, der irgendwie lästig sei, und wo man enttäuscht war, dass Obama und seine Michelle noch nicht beim Einkaufen waren.
Das alles nannte sich Nachrichten – und zeichnete sich vor allem dadurch aus, dass sie fünf Minuten vor der vollen Stunde kommen und man deswegen immer fünf Minuten eher informiert sei, sogar dann, wenn in Hessen gerade mal wieder die Osterferien beginnen.
Radioelend
Gestern insgesamt sieben Stunden im Auto gesessen, was eh nicht schön ist. Dabei viel Radio gehört, was inzwischen auch nicht mehr schön ist. Dann überlegt, warum eigentlich in sieben Stunden Hören irgendwelcher Popwellen ungefähr kein einziger halbwegs geistreicher Satz gefallen ist. Dann zuhause diese Geschichte von Horst Müller gelesen und gedacht: Das isses.
Nachtrag: ebenfalls lesenswert diese Geschichte, die den Zusammenhang zwischen Radio-MA und Busengrabschen schön darlegt.
Bayern 3 rülpst
Eigentlich hatte Alexander Gorkow in der SZ lediglich einen Nachruf auf den Pink-Floyd-Keyboarder Richard Wright schreiben wollen (ein ausgesprochen gutes Stück übrigens). Nebenher fiel ihm dann noch ein wunderbarer Satz zum Zustand des deutschen Formatradios ein:
Heutzutage werden Songs meist von Linda Perry geschrieben, von Timbaland produziert und dann auf Horrorsendern wie Bayern 3 von Computern ausgerülpst.
Fair Radio
Interviews, die es so nie gab – und Atmo, die man mal eben dazu mischt: Vielsagendes vom Zustand und über die Zustände des deutschen Radios in diesem Interview.
Die exklusiven Ansichten des BR
Das Angenehme am Bayerischen Rundfunk ist ja irgendwie, dass er erst gar nicht großartig versucht, seine Nähe zu der Partei, die das schöne Bayern erfand, zu bestreiten. Besonders lieb haben muss man den BR dafür an Tagen wie dem heutigen, wenn die Bayerische Landesbank einräumen muss, über 4 Milliarden Euro in der Kreditkrise versemmelt zu haben. Schaltgespräch (eine übrigens meistens inhaltlich sinnlose Übung) zwischen Bayern 3 und einem Korrespondenten, das irgendwann in der vorsichtig formulierten Frage mündet, es habe das ja auch in der Vergangenheit ein kleines bisschen Kritik am CSU-Vorsitzenden Erwin Huber gegeben (für Nicht-Eingeborene: Huber ist stellv. Vorsitzender des LB-Aufsichtsgremiums und hat noch bis zum Februar behauptet, es gäbe keine belastbaren Zahlen zu den Verlusten der BayernLB; im Landtag ist inzwischen zu dem Thema ein Untersuchungsausschuss eingesetzt) – jedenfalls, so die todesmutige Frage des Bayern3-Moderators: Ob diese neuen Zahlen denn irgendwie Auswirkungen für Huber hätten. Nein, beeilt sich der Korrespondent zu sagen, nein, ganz im Gegenteil: Huber habe heute Rückenwind bekommen, weil die Bank die gesamte Verantwortung für das Milliarden-Desaster auf sich genommen habe.
Dann wünschen wir dem BR mal, dass ihm diese ziemlich exklusive Einschätzung des heutigen Tages nicht ziemlich schnell um die Ohren fliegt…
PS: Hab´mit mir gerungen, das hier überhaupt zum Thema zu machen. Ich meine, wer nimmt ernsthaft Dudelfunk ernst bzw. billigt ihm Relevanz zu? Auf der anderen Seite gibt´s jeden Tag ein paar hunderttausend Leute, die ihre rudimentären News aus Nachrichtenattrappen wie dieser beziehen.
Fair Radio
Früher mal (was denn, den Satz kennen Sie schon?), früher also war Radio für mich so eine Art Medium Nummer eins: Mit Fernsehen konnte ich als 15jähriger nicht wirklich viel anfangen, was möglicherweise daran lag, dass es damals nur drei, vier Programme gab und in diesen drei, vier Programmen liefen gelegentlich so schöne Dinge wie Telekolleg – Physik II. Die Zeitung(en) fand ich meistens etwas dröge, die Lokalzeitung vor Ort war irgendwie doof und von den Leitartikeln der SZ verstand ich damals ungefähr kein Wort. Und bei Anblick der “Zeit” musste ich zwangsweise immer an meinen alten Oberstudienrat denken, dessen Unterricht ich meistens so anregend wie eine verdörrte Bananenschale fand.
Aber Radio, das war einfach eine große Nummer. Wenn man derart suchtähnliche Züge in Sachen Musik aufweist wie ich und wenn man quasi nur aufs Knöpfchen drücken muss, um an die neusten Songs zu komen, für den war Radio unschlagbar. Davon abgesehen waren manche Moderatoren echte Helden für mich. Es konnte also schon mal gut sein, dass mich Radio durch den Tag begleitet hat – und alles in allem habe ich mich dort auch immer ganz gut aufgehoben gefühlt. Selbst in den 80ern konnte es noch vorkommen, dass ich bei längeren Autofahrten auch mal zwei Stunden Radio gehört habe.
Auf diese bizarre Idee käme ich heute kaum mehr. Radio ist für mich zunächst der Inbegriff des Nebenbei-Mediums geworden, danach wurde es für mich lange Zeit zur No-Go-Area. Was ich gerne gehabt hätte, gab mir (fast) niemand mehr. Die Pop-Wellen waren zu unerträglichen, piefigen und sterbenslangweiligen Abspielstationen mit einer Rotation geworden, die ich mit meiner privaten Musiksammlung quantitativ locker auch hingebracht hätte (vom Inhalt reden wir lieber erst gar nicht). Und den ganzen Tag Nischen- oder Wortprogramme, ja Kreizsacklzement, ist es denn wirklich zu viel verlangt, wenn man sich ein Programm mit Musik von mehr als 150 Titel in der Rotation wünscht und Moderatoren, die nicht schon in hysterisches Gelächter ausbrechen, wenn sie das Wort “Unterhose” sagen. Und wenn man “Das Beste aus den 80ern, 90ern und heute” einfach nicht mehr hören will. Bleiben schließlich noch die ganzen grenzdebilen Gewinnspiele, mit denen man sich gerne schon auch mal kurz nach dem Aufstehen terrorisieren lassen darf. No more radio also.
Diese durchaus gesunde Einstellung hielt sich dann, bis Podcasting kam. Bis ich plötzlich bemerkte, dass gute Audiobeiträge nicht nur eine Kunst für sich, sondern auch eine überaus spannende Darstellungsform sind. Radio reloaded sozusagen, nur eben nicht auf terrestrischen Frequenzen, sondern ganz für mich alleine, total digital. Und der Gedanke dabei, dass man aus Radio schon was machen könnte, jenseits der Dudelfunkerei. Nun also gibt es immerhin eine Initiative, eine Idee für den Weg dorthin: FAIR-RADIO. Lesen, unterstützen, weitersagen. (via Blogmedien, mal wieder…)
Rickys Abgang
Wenn man von privatem Radio spricht, dann kommt man nicht daran vorbei, sich gelegentlich mit eher suboptimal ausgebildeten Programm-Machern und Journalisten auseinanderzusetzen. Je kleiner, je lokaler – desto schwieriger ist es, anständige Gehälter und Honorare zu bezahlen und desto schwieriger ist es dann natürlich auch, richtig gute Leute zu finden. Man kann das einem Programm dann auch schon mal anhören. Was aus Sicht von manchem Programmveranstalter nicht weiter tragisch ist. Mit einem hübschen, kleinen Gewinnspiel kann man in der Regel Quoten elegant nach oben treiben und manche schwächere Bewertung in den inhaltlichen Haltungsnoten übertünchen.
Keine Ahnung, welche Ausbildung Ricky Breitengraser genossen hat. Bei Frontal 21 jedenfalls erweckte er den Eindruck: nur so mittel viel. Jedenfalls verhedderte sich der gute Mann ziemlich im Fragengestrüpp von Frontal 21, bis endlich die Quintessenz gefunden war, die man schon vorher haben wollte: Die Privatfunker machen für Geld fast alles, sie verkaufen sogar sich selbst. Traue keinem, der Privatfunk macht, Kronzeuge: R. Breitengraser. In der Szene jedenfalls hatte Ricky Breitengraser gute Chancen, als Synonym für Ahnungslosigkeit in den Duden aufgenommen zu werden.
Inzwischen, so berichtet Blogmedien TV in der neuesten Ausgabe, hat Breitengraser seinen Job geschmissen. Und Frontal 21, selbst der gekauften PR durchaus nicht abhold, freut sich sicher schon auf den nächsten Fernsehpreis.