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Anmerkungen eines Medienmenschen

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Die wunderbare Welt von Sky

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Nur mal angenommen: Es geht Ihnen finanziell einigermaßen schlecht. So schlecht, dass Sie dringend Geld brauchen. Von der Bank oder von sonstwem, Hauptsache Geld. Dann bekommen Sie dieses Geld — und ein guter Bekannter fragt Sie ganz im Vertrauen, ob das nicht ein Beleg dafür sei, dass es Ihnen finanziell ganz schön schlecht gehe. Und Sie antworten dann: Nein, das ist ein Beleg dafür, wie stabil, solide und gut ich da stehe, weil mir ja niemand das Geld geliehen hätte, wenn ich nicht so gut dastünde.

Könnte gut sein, dass Sie Ihr Bekannter einigermaßen des Realitätsverlusts bezichtigt. Brian Sullivan hingegen darf mit solchen Auffassungen weiterhin als Vorstandsvorsitzender von “Sky” viel Geld seines Großaktionärs Murdoch durch den Kamin blasen. Der SZ sagte Sullivan, die neuerlichen Millionen, die man jetzt zugesteckt bekomme, seien ein Beweis dafür, dass der Sender die “volle Unterstützung” seines Haupteigentümers habe. Sowas kann man natürlich mühelos als die Stereotypen eines Vorstands abtun, der eine miserable Lage irgendwie schönreden muss. Tatsächlich aber zeigt sich, dass die Lage in Unterföhrung schon verflixt verzweifelt sein muss. Es ist inzwischen die siebte Kapitalspritze, die das Premiereskyirgendwasdings bekommt. Und nicht etwa, weil man investieren oder expandieren will — man muss vielmehr tiefe Löcher stopfen, die halt entstehen, wenn man in einem Quartal rund 80 Millionen Euro Verlust macht.

Williams ausgesprochen vage Formulierungen jedenfalls lassen vermuten, dass man inzwischen auch bei “Sky” langsam kapiert, aus dieser Nummer nicht mehr herauszukommen. Mit drei Millionen Abonnenten würde man sicher schwarze Zahlen schreiben, hieß es noch verganenes Jahr, Williams rudert jetzt zurück: Das komme “ungefähr” hin, um ein “ausgeglichenes operatives Ergebnis” zu erzielen, was allerdings wiederum auch mit der Höhe der Investitionen zusammenhänge. Was auf Deutsch heißt, dass man auch mit drei Millionen Abonnenten (von denen man immer noch ein gutes Stück entfernt ist) keineswegs sicher Gewinne schreibt, schon gar nicht, wenn man mehr Geld ausgeben müsste als bisher bekannt. Dass die Aktionäre nach den neuesten Sky-Zahlen mehr oder minder geflüchtet sind, kann man sich angesichts solcher Aussagen des Vorstandschefs prima vorstellen.

Davon aber abgesehen ist anderes erstaunlich: nämlich, dass man bei Murdoch und bei “Sky” immer noch ernsthaft zu glauben scheint, dass dieses Modell Pay-TV in Deutschland funktionieren könnte. Es gibt unzählige Gründe, die dagegen sprechen, vom Überangebot an frei empfangbaren Sendern bis hinb zur immer stärker werdenden Rolle des Web als Bewegtbildkanal. Pay-TV, das war 1990 (und da schon nicht sehr erfolgreich). Heute braucht niemand mehr “Sky”. Murdoch und seine Helferchen in Unterföhring werden es vermutlich einsehen, wenn auch die letzte der jetzt nachgeschossenen 340 Millionen weg ist — und keiner weiß so genau, wohin.

Written by cjakubetz

August 4th, 2010 at 11:09 am

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Die dunklen Wolken am Sky

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Man hält das ja kaum für möglich, aber “Sky” ist doch für etwas gut:  Als Anschauungsbeispiel dafür, wie unsere althergebrachte Medienwelt langsam untergeht und wie selbst Geschäftsmodelle, die man noch vor einiger Zeit für halbwegs neu und innovativ hielt, nicht mehr sehr viel wert sind, ist das ehemalige “Premiere” kaum zu schlagen.

Das Problem, das “Sky” hat, sind nicht mal nur die unfassbar vielen merkwürdigen Fehler, die man dort im Laufe der  letzten 20 Jahre gemacht hat. Das Problem ist, dass “Sky” in einer Zeit entstanden ist, in der es vielleicht gerade noch einen Markt dafür gegeben hätte. Diesen Markt gibt es jetzt nicht mehr: Wem will man allen Ernstes erzählen, es sei für den Kunden auch nur halbwegs lukrativ, ein Abo für Fernsehsender, für Bewegtbild abzuschließen? Die Ware, die “Sky” für einigermaßen viel Geld verkaufen will, gibt es an nahezu jeder Straßenecke. Serien und Filme bekommt jeder durchschnittlich begabte Mensch inzwischen auf Knopfdruck und die paar wenigen, die beispielsweise “Forrest Gump” wirklich noch nicht in ihrer Sammlung haben, erhalten ihn momentan bei iTunes für 3,99. Sky abonnieren? Das wäre allenfalls noch ein Gedanke, wenn man sehr fußballfanatisch ist, selbst dann aber ist das Abo-Modell überholt, weil es den Nutzer in eine Bindung an den Anbieter zwingt, die man in Zeiten überbordender Medienangebote nicht mehr eingehen will. Ein einzelnes Spiel abrufen, einen kompletten Spieltag meinetwegen — also im Prinzip das, was Apple in Sachen Musik schon lange vormacht: Inhaltepakete aufschnüren und sehr viel kleinteiliger anbieten.

So aber ist “Sky” ein Anachronismus aus den 90er Jahren, den auch der vierte Vorstandschef innerhalb weniger Jahre nicht retten wird — allen vollmundigen Ankündigungen zum Trotz.

Written by cjakubetz

Februar 26th, 2010 at 9:42 pm

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Die lustige Welt des Fernsehens ohne Fernsehen

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Wenn man wirklich ulkige Sachen über die Zukunft des Fernsehens hören will, kommt man inzwischen an Thomas Ebeling nicht mehr vorbei.

Als es vor einigen Monaten um die Zukunft von N24 ging, meinte Ebeling, dass Nachrichten ja irgendwie nicht so wichtig seien, zumindest nicht für die Zuschauer in seiner Sendergruppe. Da war es dann  nur konsequent, dass er in dieser Woche ankündigte, den Etat der Nachrichtensendungen der Gruppe mal eben um zwei Drittel zu kürzen, was durchaus möglich ist, wenn man, wie Ebeling fordert, nicht immer diese komischen bewegten und vor allem sauteuren bewegten Bilder zeigt. Manchmal reicht da ja auch ein Foto, so einfach geht das. Was insofern nicht ganz von der Hand zu weisen ist, als dass es bei der Qualität der meisten Nachrichtensendungen aus der Gruppe nicht mehr darauf ankommt, ob das Ganze jetzt mit bewegten oder doch eher stehenden Bildern hinterlegt ist.

Nun könnte man Ebeling eigentlich gar nicht böse sein. Erstens triftt man so viel frappierende Ehrlichkeit in der Branche eher selten an, zum anderen: Der Mann kommt aus der Pharmaindustrie, hat in seinem langen und sicher erfolgreichen Managerleben noch nie ein Medienunternehmen geleitet — und führt ProSiebenSat1 so, wie er vermutlich auch die Wurstfabrik von Uli Hoeneß führen würde, wenn Uli Hoeneß ihn darum bäte. Ebeling ist noch nie mit einem einzigen sinnigen Wort zu Themen wie Programm und Inhalt auffällig geworden. Nicht nur, weil er dazu vermutlich auch nichts Sinniges sagen könnte, sondern weil er dafür nicht geholt worden ist: Sein Job ist es nicht, aus P7S1 etwas fernsehähnliches zu machen, sondern: Rendite. Wenn man die mit einer 24-Stunden-Dauersendung kopulierender Fliegen erzielen könnte, würde Ebeling auch das senden, solange seine Investoren 15 Prozent Umatzrendite auf diesem Sendeplatz bekommen.

Aus seiner medienunbelasteten Sicht ist Ebelings Argumentation auf den ersten Blick sogar verständlich:  Man kann immer alles noch einen Tick billiger machen. Das Problem ist, dass Ebeling seine Zuschauer unterschätzt: Selbst Laien bemerken inzwischen an allen Ecken und Enden des Programms der Gruppe, dass es in erster Linie billig sein muss. So etwas ähnliches wie eine programmliche Innovation ist aus dem Haus schon gefühlte Jahrhunderte nicht mehr gekommen (nimmt man mal Raab aus, aber das ist eben: Raab.) Und wann hat eigentlich der letzte wirklich kreative Kopf Unterföhrimg verlassen?

Das alles könnte man schulterzuckend ad acta legen, hätte die Entwicklung einer Sendergruppe, die demnächst Fernsehen ohne bewegte Bilder machen will, nicht auch eine medienpolitische Komponente: Sie zeigt, dass Fernseh- und Medienunternehmen nichts in der Hand von Finanzinvestoren verloren haben. Medien sind eben nicht einfach ein Wirtschaftsgut, sondern ein Kulturgut. Medien dürfen eben nicht nur von Controllern und Investoren und Managern gemacht werden. Sie brauchen — selbst dann, wenn es um Privatfernsehen geht — ein Mindestmaß an Kreativität, an journalistischer Verantwortung und Kompetenz an gesellschaftlicher Verantwortung. Bei allen Benken, die man damals vor allem aus kartellrechtlicher Sicht gegen eine Übernahme des Senders durch den Springer-Verlag haben konnte: eine bessere Lösung als das controllergesteuerte Ruinieren wäre sogar das gewesen.

Written by cjakubetz

Februar 24th, 2010 at 9:45 pm

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Mit Tädä in die Versenkung

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In meiner kleinen Heimatstadt irgendwo im tiefsten Niederbayern beklagten sich unlängst via Heimatzeitung ein paar Faschingsmacher: Einige Bälle und Veranstaltungen habe man in diesem Jahr schon absagen müssen, klagte man — und hatte auch schon einen ziemlich triftigen Grund dafür parat: Es werde immer schwerer, “die Jungen” noch für Kappenabende und Pappnasen zu begeistern, zumindest in dieser dann doch eher piefigen Form. Ob der Fasching in der Krise sei, fragte die PNP überaus besorgt.

Kommen wir von der PNP zum Fernsehen, dem öffentlich-rechtlichen: Irgendwann, als ich gestern abend ziemlich spät nach Hause kam, hätte ich gerne noch ein bisschen was geschaut. So einfach mal vor dem Fernseher liegen, nichts wirklich Anspruchsvolles, nette Sonntagabend-Unterhaltung halt. Und nachdem ich wirklich spät nach Hause gekommen war, war ich auch ganz zuversichtlich, irgendwas Nettes zu finden. Die Zuversicht hielt allerdings nicht so wirklich lange, genau genommen: Bis die Finger die “1″ auf der Fernbedienung gedrückt hatten. Bei ARD und ZDF waren nämlich die Menetekel aus Niederbayern noch nicht wirklich angekommen: Im Ersten kam schon wieder — oder besser gesagt — immer noch irgendwas Karnevalistisches, es war die gefühlt 300. Übertragung von irgendwelchen Narrenkappen, von schunkelnder Bräsigkeit, von “Lebensfreude aus dem Katasteramt” (Oliver Kalkofe im “Spiegel”). Das wäre ja vielleicht noch halbwegs zu ertragen gewesen, wenn es sich nur um eben diesen einen Abend gehandelt hätte. Tatsächlich aber brannten — ausgerechnet — die Öffentlich-Rechtlichen ein echtes humoristisches Feuerwerk ab, fast 80 Stunden befeuerten ARD, ZDF und die Dritten im rasanten Stakkato die Gebührenzahler zur besten Sendezeit mit Pappnasen. Beinahe 14 Stunden widmete das ZDF dem Frohsinn, das Erste brachte es auf zehn Stunden, die restlichen weit über 50 Stunden gönnten sich die dritten Programme. So sieht Qualität aus, wenn sie gebürenfinanziert und öffentlich-rechtlich ist. Komisch, dabei klingeln mir noch die Ohren von den Programmpressekonferenzen zu Anfang des Jahres, in denen es weitgehend hieß, man starte eine unglaubliche Programm- und Qualitätsoffensive (und das zudem noch in HD, was in etwa wie die Androhung von Folter klingt: Mainz bleibt Mainz in hochauflösenden Bildern.)

Die absoluten Zahlen geben den Sendern anscheinend und vorläufig recht, zumindest dann, wenn man Quote per se als Argument verwenden möchte.  Dabei begeben sie sich schon alleine bei diesem Argumentation auf sehr dünnes Eis: “Mainz bleibt Mainz” sahen zwar wieder fast sechs Millionen Menschen, der Anteil der ominösen 14-49jährigen darunter allerdings lag bei gerade mal 600.000 (wie “Meedia” heute vorrrechnet). Das ist nicht nur “gesendetes Alzheimer” , wie “Meedia” so schön fest stellt, es ist auch und vor allem ein weiterer Schritt der Öffentlich-Rechtlichen in die Bedeutungslosigkeit: Schon jetzt ist der Generationenabriss ein ernsthaftes Problem für ARD und ZDF, selbst bei immer noch gut laufenden Genres wie den oft als Beleg für ihre Notwendigkeit ins Feld geführten Nachrichten liegt der Anteil der jüngeren Zuschauer (sofern mal alte Säcke wie mich überhaupt noch als “jung” definieren mag) deutlich unterhalb der des Rentneralters. Das ZDF kommt in dieser Zielgruppe in schlechten Monaten schon mal in die Nähe von RTL 2 oder Kabel 1, zumindest wenn es um die Quote geht. Das mag jetzt alles noch kein akutes Problem sein — in wenigen Jahren aber wird es das.

Ich dachte dann übrigens, es könnte eine Idee seien, von der ARD zum ZDF zu schalten. Und wenn mich Olympia auch nur im Ansatz interessieren würde….so aber: warten auf Aschermittwoch. Damit wenigstens ein Kanal wieder frei wird.

Das schreiben die anderen:

Written by cjakubetz

Februar 15th, 2010 at 9:57 pm

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Da sind wir

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Gestern abend wollten die ZDF.reporter mal zeigen, wie man richtig modernes Fernsehen macht. Öffentlich-rechtlicher Anspruch sozusagen, gepaart mit ein bisschen mehr Pepp, als man es dem ZDF gemeinhin zutrauen würde,  so ein bisschen sateinsiges ZDF sozusagen. Herausgekommen ist eine der bizarrsten Veranstaltungen, die man seit langem im Fernsehen erlebt hat. “Wie gerecht ist Deutschland?”, diese Frage wollten die Reporter beantworten — was man sah, war wenig Inhalt, wenig Geist, dafür aber viele “Reporter”, die sich selbst ganz fürchterlich wichtig nahmen und wesentlich mehr im Bild waren als diejenigen, über die es eigentlich zu berichten galt.

Man sah Männer auf der Zugspitze rumhampeln, junge Männer in Lederjacke, die völlig überraschend auf einmal vor Wolfgang Joop standen und ihn fragten, wie das so sei mit dem vielen Geld. Man sah junge Frauen, die im Mini und im BMW durch Deutschland fuhren, um Menschen zu interviewen, wobei man das leise Gefühl allerdings nicht los wurde, dass es mehr um die jungen Frauen und deren unglaublich schöne Autos ging als um die Interviewten. Man erlebte Reporterfragen von erstaunlicher Schlichtheit und würde man den gefühlten Anteil der Zeit schätzen müssen, in der sich einer der Reporter und Reporterinnen ins Bild drängelte, man käme glatt auf 80 Prozent. (Vielleicht sagt jemand mal dem ZDF, dass diese Form der “Reporterstücke” das letzte Mal Ende der 90er bei RTL als chic galten, obwohl sie es damals schon nicht waren).

Frappierend vor allem: die erstaunliche Ignoranz, das merkwürdige Desinteresse der sogenannten “Reporter” (eigentlich das falsche Wort, eher waren sie Mikrofonständer) am Thema, an den Menschen. Stattdessen: eine leere Phrase an der anderen, demonstrativ zur Schau getragene Inkompetenz zum Thema — unterlegt mit merkwürdig undramatischer Musik, die eigentlich doch ein wenig Drama in die Beiträge hätte bringen sollen, und eine Kameraführung, bei der man erahnen konnte, dass jemand beim ZDF mal MTV geschaut hat und gesagt hat: Hey, das ist jetzt aber mal richtig cool mit diesen leicht wackeligen Bildern. Tempo rulez! Zwischendrin fragte einer mal, ob das eigentlich gerecht sei, wenn die einen Jaguar fahren und die anderen 3 Euro pro Stunde bekämen, worauf einer der Jaguar-Fahrer antwortete, dass könne er sich eigentlich gar nicht vorstellen, dass jemand nur drei Euro pro Stunde bekomme, worauf man unweigerlich den Wunsch verspürte, die sonnengegerbte Nase mindestens zu brechen, was wiederum darauf schließen lässt, dass das ZDF-Machwerk wenigstens eines schaffte, nämlich Emotionen zu wecken.

Dazu ein kläglicher Versuch einer Undercover-Reportage, bei der sich einer der ZDF-Reporter in unfassbare Gefahren stürzt und in einem Getränkelager oder sowas ähnlichem Getränkekisten stapelt. Vorher erzählt der Nachwuchs-Wallraff  noch furchtbar aufgeregt, wie aufgeregt er sei und wie gespannt, ob er das denn auch alles schaffe (womit er sich unfreiwillig entlarvt als einer, der sich mit den wirklichen Zuständen im Leben noch nicht beschäftigt hat). Am Ende des aufregenden Abenteuers wissen wir, dass Getränkekistenstapeln nicht so gut bezahlt wird und dass es irgendwie ungerecht ist, dass die champagnerschlürfenden Joops auf Sylt mehr Geld haben. Oder so. Immerhin aber sind die “ZDF-Reporter” eine wunderbare Möglichkeit, 45 Minuten selbstdarstellernd durchs Bild zu laufen, auf jeglichen Erkenntnisgewinn zu verzichten und stattdessen neue Sonnenbrillen und Lederjacken spazierenzuführen.

Und man fragt sich dann ja irgendwie auch, warum dafür überhaupt irgendwelche Gebührengelder ausgegeben werden, warum Journalisten häufig so elendig selbstverliebt sind, wer sich dieses leere Gequatsche anschaut. Und ob man diese Sendung nicht einfach beim nächsten Mal, wenn sich die GEZ meldet, nach Köln schicken und denen als Begründung um die Ohren hauen sollte, wenn man das Bezahlen von Gebühren ab sofort einstellt.

Written by cjakubetz

September 25th, 2009 at 6:39 pm

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Ein (…)geht um die Welt

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Hans-Martin war ein eher unauffälliger durchschnittlicher Mensch. Bis Samstag abend. Bis er zu einer Hassfigur wurde, zu #hassmartin.

Man könnte sich ziemlich leicht darüber aufregen, was da passiert ist. Dass da einer im TV mit seinen eigenen Schwächen vorgeführt wurde und dass gleichzeitig eine Entrüstungs- und Hämemaschinerie im Netz angeworfen wurde, die an Schnelligkeit und Derbheit kaum zu übertreffen war. Aus Hans-Martin wurde in Minutenschnelle via Hashtag “Hassmartin” und eigentlich amüsierte sich die Meute eher über den Mann, der da anscheinend in völliger Verkennung der Lage und seiner selbst sich zu einer öffentlichen Person machte, bei der einem nichts anderes übrig blieb als sie nicht zu mögen.

Also, arbeiten wir erst mal die kurzen Fakten ab: Hans-Martin ist das Abziehbild eines Menschen, der mit “gruselig” noch freundlich umschrieben ist. Vorlaut, klugscheißerisch, uncharmant. Eine Figur, auf die man schnell Aggressionen und Häme projezieren kann. Man muss ja nicht gleich von “Hass” reden, aber dass man ihn nicht mögen muss, ist erst mal unstreitbar.

Die Aufregung darüber allerdings, was jetzt mit dem armen Hans-Martin passiert, zeugt wahlweise von Heuchelei oder aber von Ahnungslosigkeit. Denn was da am Samstag bei Pro 7 ablief, war im Grunde nichts anderes als eine extrem rasante Zuspitzung dessen, was sowohl (privates) Fernsehen als auch Kommunikation im Netz ausmacht. Das Phänomen ist nicht neu, neu ist nur die Beinahe-Echtzeit-Geschwindigkeit, in der Netz und Fernsehen aufeinander zuliefen.

Privates Fernsehen lebt von seinen Charakteren, von gnadenloser Zuspitzung, von gut oder böse, schwarz oder weiß. Privates Fernsehen lebt nicht vom Lesen zwischen den Zeilen oder von Grautönen. Und insofern war es auch sicher kein Zufall, dass es ausgerechnet Hans-Martin war, der gestern als Gegner Raabs auserkoren wurde. Wenn man so will: weil er ein leichter Gegner war. Nicht, was die Spiele angeht, sondern die Dramaturgie der Show. Normalerweise gibt Raab wohlkalkuliert die Hackfresse, bei der sich alle freuen, wenn sie ordentlich poliert wird (oder der eine Boxerin das Nasenbein bricht). Diesmal war es umgekehrt und Hans-Martin der perfekte Kandidat, Raab im Hackfressen-Ranking den Rang abzulaufen. Hans-Martin war sozusagen (und bewusst ausgewählt) der Banker unter den Kandidaten; einer bei dem man wissen konnte, dass es ein Leichtes sein würde, sich auf ihn als die Antifigur zu einigen. So funktioniert das bei Bankern ja auch: Sogar Angela Merkel findet Banker inzwischen doof und kann sich dabei des Jubels aller Seiten sicher sein. Da widerspricht ihr nicht mal Gregor Gysi.

Muss man sich darüber entrüsten? Kann man. Aber dann muss man Privatfernsehen als solches in Frage stellen. Hans-Martin ist nichts anderes als die gehypte Witzfigur, die in eine grandiose Reihe gehört mit Peter Bond, Giulia Siegel, Daniel Küblböck und Sladdi (kennen Sie den noch?) Was folgt, ist klar: Es wird irgendwelche Satireseiten geben, lustige Fotomontagen, vielleicht taucht er auch in “TV total” in einem Hotkey auf (das gehört zur Verwertungskette). Oder irgendwann mal im Dschungel. Er ist, wenn man so will, das perfekte Ergebnis eines Kandidatencastings im Privatfernsehen.

Und das Netz? Verwundert es, wenn in einem Medium wie “Twitter”, das letztendlich nichts anderes als die Echtzeit-Kommunikation von vielen mit vielen, sich viele rasant zusammenschließen, um sich über #hassmartin zu echauffieren? Dass es bei YouTube inzwischen Videos gibt, die seinen bizarren Auftritt dokumentieren? Auch das muss man nicht goutieren, aber so ist das Netz. Nichts ungewöhnliches, business as usual. So geht Fernsehen heute. Früher hätte man sich am Montag auf dem Schulhof oder im Büro über SDR unterhalten, heute macht man es live bei “Twitter”.

Ein vermeintlich kluger Mann wie Hans-Martin hätte das wissen müssen. So aber darf er jetzt froh sein, wenn Stefan Raab nicht auch noch ein Spottlied über ihn aufnimmt – mit besten Grüßen vom Maschendrahtzaun.

Written by cjakubetz

September 13th, 2009 at 3:42 pm

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Mit den zwei Zweiten sieht man anders

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Irgendwie ist dieses Zweite Deutsche Fernsehen ja schon ein komischer Laden:  Es steht nicht zwingend für Innovation und für irgendwelche Form von Charme auf der einen Seite. Auf der anderen Seite setzen sie in Mainz  immer wieder Trends und zeigen, wie man moderne (visuelle) Medien macht. Online beispielsweise sind sie seit vielen Jahren “state of the art” auf dem Lerchenberg; man denke nur daran, dass das ZDF die ersten in Deutschland mit einer wirklich sehr brauchbaren Mediathek waren. Und auch die Nachrichten im “heute journal” sind nach wie vor mit das Beste, was man in Deutschland bekommen kann.

Inzwischen haben die ZDF-Nachrichten einen aufwendigen Relaunch hinter sich. Da treffen die beiden ZDF´s dann aufeinander: Auf der einen Seite der Wille zu erstaunlicher Innovation, der (richtige) Gedanke, dass man Nachrichten heute nicht mehr einfach nur verlautbaren kann, sondern dass man sie erklären muss. Das Design ist, von wenigen Ausnahmen abgesehen, sehr gelungen, Claus Kleber scheint sich ziemlich wohlzufühlen, die Animationen sind ziemlich chic, ohne aufdringlich oder gewollt zu wirken.

zdf_journal

Und dann gibt es dann noch das andere ZDF. Die Auslandskorrespondenten sind immer noch mindestens 60, tragen gerne komische Westen und machen ihre Aufsager so, wie sie es in den 60er Jahren gelernt haben. Die Beiträge sind so wie sie immer sind und auch die “Nachrichtensprache” des ZDF hat noch immer etwas von gepflegter Bürokratie an sich. Das Grafikdesign steht in seiner geegentlichen Biederkeit jetzt in besonderem Kontrast zum sonstigen On-Air-Design. Und Heinz Wolf ist einfach Heinz Wolf. Wie immer. Das zusammen gibt dann einen irgendwie eigenartigen Mix, Heinz Wolf und Franz Zink im Wirbelsturm einfliegender Animationen.

Sehr schönes neues Studio also, aber auch eines, das vermutlich Moderatoren demaskieren kann: Kleber war gewohnt souverän, gespannt bin ich aber auf das Duo Slomka/Wolf. Das kann dann mit ein wenig Pech so aussehen, als wenn etwas erklärbärig versucht wird, eine Art Powerpoint-Präsentation vorzuführen.

In Sachen Internet hingegen hat diesmal das etwas bräsige und behördige ZDF (leider) gesiegt. Natürlich hat man richtigerweise der Webseite heute.de passend zum neuen Studio auch mit neuem Anstrich versehen. Doch während das TV jetzt richtig unverwechselbar ist (ob man es mag oder nicht) — die Seite ist leider etwas, hmpf, verwechselbar geworden. Vom Mut, den man beim neuen Studio gezeigt hat, ist leider fast nichts bei heute.de angekommen:

zdf_neu

n24_neu

Written by cjakubetz

Juli 18th, 2009 at 3:59 pm

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“Heute” ist gestern

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Natürlich ließe sich jetzt erst einmal prima darüber lamentieren, dass eine “Nachrichtensendung”, die weitgehend neuigkeiten – und relevanzbefreit ist, ein altes Dickschiff wie die “heute” in Sachen Quoten inzwischen schlägt (zumindest die 19 Uhr-Ausgabe). Tatsächlich aber ist das, was meedia.de heute berichtet, nicht sehr viel mehr als eine konsequente Weiterentwicklung von medialen Trends, die wir schon seit geraumer Zeit sehen.

Keine Sorge, jetzt kommt kein kulturpessimistisches Gejammere darüber, dass unsere Jugend so uninformiert und desinteressiert ist. Ich glaube einfach nur, dass sie weniger fernsieht. Oder besser, anders gesagt: Für ein medien- und nachrichtenaffines Publikum, das Sendungen wie die “Tagesschau” oder eben auch die “heute” ansprechen wollen, ist Fernsehen nur noch die Nachrichtenquelle zweiter Wahl. Das ist ein Publikum, das weder die Tagesschau noch die Tageszeitung für ihre tägliche Information benötigt. Ihm reicht das Netz. Weil es schneller ist, weil es alles das, was TV kann, ebenfalls kann. Weil es möglicherweise authentischer ist, weil ihm das Verlautbarerische fehlt, das den traditionellen Nachrichtensendungen eigen ist. Und weil es nicht warten will, bis es 19 oder 20 Uhr ist und sich (was für ein antiquierter Gedanke) die Familie am Fernseher versammelt,  um den Nachrichten zu lauschen.

Insofern ist es kein Wunder, dass das Publikum, das halt doch noch der Kiste frönt, Petra Gerster und den Debatten im Bundestag herzlich abgewinnen kann. Das schaut dann doch eher die “Nachrichten”, die umettiketiert auch als Trash-Magazine laufen könnten. Aus dieser Falle werden ARD und ZDF auch nicht mehr rauskommen. Nicht einmal, weil sie in ihren Nachrichten etwas falsch machen, sondern weil das Nachrichtenschauen zum Zeitpunkt X ein Anachronismus sind. Das merkt übrigens auch SAT 1 gerade ganz bitter, die mit Peter Limbourg Nachrichten machen, die irgendwie sehr öffentlich-rechtlich sein wollen.

Klassische Nachrichten sind ins Netz gewandert. Komisch, dass man dies den Tageszeitungen inzwischen nahezu alltäglich als selbstverständliche Erkenntnis um die Ohren haut, man sich aber wundert, wenn´s im Fernsehen genauso funktioniert.

Nur: Warum sollte es da anders sein?

Written by cjakubetz

Juni 9th, 2009 at 8:06 pm

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Der wunderliche ESC

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Wenn man übrigens wissen will, mit welchen Problemen sich die ARD in der Samstagabend-Unterhaltung zu quälen hat, reicht es völlig, sich den gestrigen ESC noch einmal anzusehen, insbesondere das Warm-up, das ab 20.15 Uhr auch den letzten Nerv eines normal denkenden Menschen lahmlegte. Eine Moderationsmaschine namens Katja Wunderlich, die schon das Radiohören auf Bayern 3 an Wochenvormittagen schwer erträglich macht, ansonsten Dieter Bohlen-Festspiele, nur der echte Bohlen mochte nicht kommen. Stattdessen Mark Medlock und Daniel Schumacher und als mänlicher Moderator das abgelegte Bohlen-Fistelstimmchen Thomas Anders. Hätte nicht Guildo Horn “Moskau” so wunderbar neu aufgelegt, man wäre nach drei Minuten eingeschlafen und bei Paul Potts wieder hochgeschreckt, weil man sich gefragt hätte, warum jetzt schon Samstag abends Telekom-Werbungen in der ARD laufen. Platz 20 für das deutsche Gesummsel zwischen moldawischer Folklore und finnischen Merkwürdigkeiten war dann auch völlig verdient und alles in allem habe ich mich nach dem Abend mal wieder gefragt, warum diese Veranstaltung noch lebt. Die taugt ja nicht mal mehr für lustigen Kult.

Written by cjakubetz

Mai 17th, 2009 at 11:40 am

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Im Brennpunkt: Klinsi und Claudia

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Vermutlich war es einfach nur ein sehr naiver Gedanke, als ich gestern abend dachte, die Sendezeitverschiebung in der ARD und der eingefügte Sondersendeplatz unmittelbar nach der “Tagesschau” könnten was mit Schweinegrippe zu tun haben. Stattdessen drehte sich die Sondersendung um weitaus Wichtigeres, beispielsweise darum, was Claudia Roth zum Klinsmann-Rausschmiss sagt. Helmut Markwort durfte auch was sagen und ein paar andere auch noch und alles in allem wusste man nach 15 quälend aufgeblähten Sendeminuten dann doch wieder, warum man gerne Gebühren fürs Qualitätsfernsehen zahlt.

Mehr dazu bei den Kollegen von Blogmedien.

Written by cjakubetz

April 28th, 2009 at 9:25 am

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