Kategorie: TV


Wir haben dich trotzdem lieb, Fernsehen

30. März 2013 - 0:16 Uhr

Es ist wirklich ganz ungemein schwierig, mit Phillip Walulis so etwas ähnliches wie ein Interview oder ein Gespräch zu führen. Nicht, dass er Unsinn erzählen würde, im Gegenteil. Aber erstens muss man dem Schnelldenker erst mal folgen können, zweitens sind seine Antworten so, dass man sich vorstellen kann, dass er sich für seine Sendung “Walulis sieht fern” nicht großartig verstellen muss – und schließlich passieren während eine solchen Gesprächs dann auch mal Dinge wie eine vergessene Frage oder ein läutendes Handy (zugegeben, es war meins).

Ansonsten: ein paar sehr dezidierte Ansichten über Social TV, Second Screens,  Smart TV, über RTL und Sigmund Gottlieb – und alles in allem ein überaus unterhaltendes Gespräch. Weswegen ich es entgegen aller Gewohnheiten auch nicht übers Herz gebracht habe, es auf unter 15 Minuten zu schneiden.

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Wie das ZDF jetzt das Web ins TV holt…

14. Juni 2012 - 11:57 Uhr

…wollte ich erst hier beschreiben, hab´s dann drüben auf dem Tribünenblog gemacht, weil es viel lustiger ist, dem Olli und der Katrin beim twittern und bei diesem Internet zuzuschauen, als lange halbkritische Betrachtungen darüber in einem Medienblog abzusondern. Wenn ich Sie deshalb einmal hier entlang bitten dürfte, danke sehr.

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Rundgeshowt (5): Denn wir wissen beinahe, was wir tun

12. Mai 2012 - 9:35 Uhr

Immerhin eines lässt sich nach meiner zweiten Rundshow-Woche verbindlich festhalten: Das Lebensgefühl hat sich geändert. Von “keine Ahnung, was wir hier machen” über ein mehrfaches “Mir dämmert gerade was” hin zu einem: Wir wissen jetzt beinahe, was wir tun. Bevor Sie erschrecken und jetzt denken, dass ein Haufen fröhlicher Dilettanten da im BR sitzt und irgendwas vorbereitet, um dann irgendwas zu senden: So ist es natürlich nicht. Es ist also nicht so, dass uns Ideen fehlen, im Gegenteil, meistens haben wir sehr viel mehr als wie wir umsetzen können. Es ist eher das Fehlen an Routinen und Erfahrungswerten. Will sagen: Während man sich  bei anderen Projekten immer so ein bisschen auf Erfahrungen verlassen kann, stehen wir jetzt beinahe bei jeder Entscheidung vor essentiellen Fragen. Die Antworten basieren, zugegeben, immer auch ein Stück auf Vermutungen — weil es eben kein gesichertes Wissen dazu gibt.

Münchner Freiheit

Das ist auf der anderen Seite das Tolle daran: ein Ding völlig neu zu entwickeln, ganz nach den eigenen Vorstellungen und ohne sich in einem Rahmen bewegen zu müssen, den so ein Sendeformat in den meisten Fällen dann eben doch vorgibt. Und ja, auch das gebe ich gerne zu: Der Bayerische Rundfunk war nicht unbedingt der Platz, an dem ich so viel Experimentierfreude vermutet hätte. Immerhin hat die “Rundshow” mit konventionellem Fernsehen und den ansonsten im BR zu sehenden Formaten ungefähr so viel zu tun wie München mit Ostwestfalen-Lippe. Tatsächlich aber lässt man uns dort ungestört machen, auch wenn ich manchmal bei der Vorstellung innerlich breit grinsen muss, wie sich der eine oder andere in den höheren Stockwerken fühlen muss, wenn er am Montag um 23.15 Uhr sieht, was da über seinen Bildschirm geht.

Ziemlich sicher bin ich mir allerdings darin, dass wir am Montag und auch in den dann noch kommenden Rundshow-Wochen erst den Start einer Entwicklung sehen werden. Dass wir, wenn wir wirklich zukunftsfähiges TV machen wollen (ich zucke ja immer noch zurück, wenn ich das Social TV nennen soll) ziemlich viel zuhören müssen. Nicht unbedingt im Sinne dessen, wie das früher war: Man liest Kritiken von hauptberuflichen Medienjournalisten und wertet die dann aus. Mir persönlich ist ehrlich gesagt das, was die Kollegen in diesem Fall schreiben werden, eher egal. Was mich interessiert ist: Was sagen die Zuschauer, welche Beteiligungen und welche Rückmeldung bekommen wir über Twitter, über Facebook, Google — und natürlich die  App mit dem schönen Namen “Die Macht”? Schaffen wir es wirklich, Fernsehen und Crossmedia zu machen, so dass es die Beteiligten wirklich juckt? Und so, dass sie eben kein Klickvieh oder Kommunikationsattrappen wie die ansonsten handelsüblichen call-ins oder Straßenumfragen werden?

Das Internet

Und schließlich noch ein letztes Geständnis: Ich war eineinhalb Wochen die bayerische Bierruhe in Person, jetzt kommt dann langsam: Nervosität. Montag, 23.15 Uhr. Ich hoffe, dass sie sich dann wieder legt.

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Live aus dem Palast der Republik

29. März 2011 - 15:20 Uhr

Für einen ganz kurzen Moment dachte ich ja, man hätte den Palast der Republik nochmal reaktiviert. Aber dann war es doch nur die Verleihung des “Echo”, eines Musikpreises, wie er ganz wunderbar ins öffentlich-rechtliche Fernsehen der Gegenwart passt. Natürlich wollte man irgendwie hip sein und beispielsweise Annette Humpe als eine Art Ikone feiern und sie deswegen ihre NDW-Ikone “Berlin” neu abgemischt vortragen lassen. Bloß, dass man auf der anderen Seite auch den Rahmen wahren wollte und deshalb ein sitzendes Publikum einen eher sterilen Playback-Auftritt höflich beklatschen sollte. Wenn nicht die quäkende Ina Müller gewesen wäre, hätte man sich auch gut Dieter Thomas Heck als Moderator vorstellen können. Und irgendwie habe ich die ganze Zeit darauf gewartet, dass ein Fan eine Rose auf die Bühne bringt. Oder ein paar Leute ins Publikum winken. (Unbeschadet davon ist Frau Humpe natürlich mindestens göttlich).

YouTube Preview Image

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Man denkt in diesen Tagen also mal wieder viel nach über öffentlich-rechtliches Fernsehen. In irgendwelchen Staatskanzleien arbeitet man sich ohnehin ja immer und irgendwie an der Fragestellung ab, welchen “Auftrag” öffentlich-rechtliches Fernsehen überhaupt haben soll; momentan überlegen sie in Dresden, ob man diesen ominösen Auftrag nicht ein wenig enger fassen könnte. Das klingt schon alleine deswegen halbwegs plausibel, weil ARD und ZDF zwar gerne klar stellen, dass sie öffentlich-rechtlich sein wollen. Häufig aber, wenn es um solche Sachen wie Innovation geht, wird man den Eindruck nicht los, dass sie in Mainz, München oder Hamburg einfach ein bisschen viel RTL geschaut haben, weswegen man sich vor allem bei Unterhaltungsformaten gelegentlich fragt, ob das Thema Plagiat nicht nur bei Politikern, sondern auch bei Fernsehmachern ein wenig mehr Beachtung verdienen sollte. Zumal auch bei Moderatoren und Gesichtern anscheinend immer öfter die Devise gilt, dass das, was sich bei den Privaten bewährt hat, für die Öffentlich-Rechtlichen ja auch nicht so schlecht sein kann.

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Es kommt also gar nicht selten vor, dass man sich bei ARD (öfter) und ZDF (ab und an) denkt, man sehe gerade so eine Art öffentlich-rechtliches Privat-TV. Das kann man natürlich schon aus Gründen des Programmauftrags irgendwie unangemessen finden. Man kann es aber auch pragmatischer sehen: Schaut nicht jemand, der privates TV sehen will, viel lieber das Original als das irgendwie kompromissgeplagte öffentlich-rechtliche Fernsehen? Bleibt eigentlich irgendeine Existenzberechtigung, wenn man irgendwelche Sachen aus dem Privat-TV ziemlich genau adaptiert in der ARD wiederfindet? Noch weiter gefragt: Erledigen sich ARD und ZDF nicht irgendwann von selbst, wenn sie öffentlich-rechtliches Privat-TV machen wollen?

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Der Kompromiss, den ARD und ZDF täglich eingehen wollen (und gerne behaupten, dass sie das müssen), beschleunigt das Akzeptanzproblem. Es gibt immer noch Sendungen, die so wunderbar anachronistisch “Aktuelle Stunde” heißen, in vielem, was sie tun, kommen ARD und ZDF so zeitgemäß wie der Palast der Republik daher. Dass der durchschnittliche Zuschauer von ARD und ZDF irgendwas um die 60 ist, hat nicht nur, aber eben auch damit zu tun. Man versucht, ein massenkompatibles Programm für alle zu machen — und hat dabei schon lange versäumt, wenigstens noch die Generation der 40jährigen halbwegs mitzunehmen, von den heute 15- oder 20jährigen gar nicht zu reden. Die werden sich über einen Playback-Auftritt von Annette Humpe allenfalls amüsieren, so nett 80er-like wie das ist.

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Vermutlich würde man bei der ARD auf eine solche Kritik entgegnen: Wir sind doch so unglaublich informationslastig und haben künftig sensationelle fünf mehr oder minder politische Talks im Programm. Aber auch das zeigt so schön das Dilemma: Von einem der ältesten Formate, die man sich nur vorstellen kann, setzt man jetzt fünf ins Programm. So viele, dass sich die einzelnen Redaktionen schon fragen, wo sie wann überhaupt noch jemanden herbekommen sollen, der nicht in den letzten vier Wochen schon in einem der unglaublich vielen Talks zu sehen war. Natürlich, Talks funktionieren (noch). Aber irgendwie wird man das Gefühl nicht los, dass die ARD vielleicht ein bisschen Zeit und Geld in etwas Neues investieren und dafür vielleicht auf eine oder zwei von fünf Talkshows verzichten könnte.

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Was macht eigentlich die Berechtigung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens und der damit bezahlten Gebührengelder aus? Ein Kessel Buntes für alle? Ein Fernsehen, das darauf abzielt, möglichst viele Millionen glücklich zu machen, weil die Gebührengelder schließlich auch von vielen Millionen bezahlt werden? Oder nicht doch ein Fernsehen, dass die Freiheit, nicht von Quoten und Werbeeinnahmen abhängig zu sein, auch ausgiebig nutzt? Ersteres wird in eine Sackgasse führen. So RTLig wie RTL kann (und soll) öffentliches-rechtliches Fernsehen gar nicht sein.  Das Kriterium, ob RTL etwas vielleicht auch so macht oder so machen würde, wäre demnach eher ein Ausschlusskriterium. Das wird RTL immer besser können und es ist ja auch überhaupt nicht schlimm, wenn man RTL RTL sein lässt. Solange ARD und ZDF ARD und ZDF sind.

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Lokale Zukunft – oder: Das Beispiel Passau

5. Januar 2011 - 12:17 Uhr

(Vorweg, keine Sorge: Es folgt kein PNP-Bashing, sondern nur die Bestandsaufnahme einer ebenso interessanten wie bezeichnenden Entwicklung.)

Es müssen schöne Zeiten für Zeitungsverleger gewesen sein bis vor wenigen Jahren. Wer eine regionale Tageszeitung herausgab, hätte sich auch eine Lizenz zum Gelddrucken geben lassen können. Ein Produkt, das weitgehend unersetzbar war, so wie Fernsehen und Radio eben auch. Eines, das einfach dazugehörte und nicht hinterfragt wurde. Und eines, das im Regelfall konkurrenzlos blieb. Der Versuch, in ein gefestigtes Quasi-Monopol einzudringen galt (und gilt) als unternehmerisch halsberecherisch und aus redaktioneller Sicht nahezu aussichtslos. Was für eine komfortable Situation — eine Situation, die es in einer freien Marktwirtschaft so eigentlich gar nicht geben dürfte: Man hat ein Produkt, das schwer verzichtbar ist, hohe Renditen abwirft und gleichzeitig beim Kunden fest verankert ist, obwohl der Kunde vielleicht gar nicht mal wirklich glücklich damit ist.

Man hätte sich bis vor zwei, drei Jahren auch nur schwer vorstellen können, dass sich daran wirklich etwas ändert. Klar, die Blätter leiden ein wenig unter dem bösen Internet. Aber dass eine Regionalzeitung ernsthaft von Konkurrenz im eigenen Beritt bedroht werden könnte, das durfte man bis vor Jahresfrist dann doch eher für ein theoretisches Konstrukt halten.

Im Mikrokosmos Passau sieht man momentan allerdings so schön wie exemplarisch, wie sich die Dinge ändern können. Schon seit einigen Jahren gibt es (wie hier schon ausreichend nachzulesen war) Michael Wagners “Fußball Passau“, für das Wagner nicht nur einen Grimmepreis und viel öffentliche Aufmerksamkeit bekam, sondern auch ein anscheinend tragfähiges Geschäftsmodell. Immerhin gibt es FuPa nicht mehr nur als Onlineportal, sondern auch als Reprint. Nach einer anscheinend ziemlich langen Zeit des Nicht-Ernst-Nehmens oder aber der Fassungslosigkeit (oder beidem zusammen) zog die “Passauer Neue Presse” mit “heimatsport.de” nach. Keine Ahnung, ob das schon zu spät ist, es ist in jedem Fall spät. Einen Marktführer wieder einzuholen, das dauert. Würde nicht die geballte Marktmacht der PNP dahinterstehen, man könnte es auch als aussichtslos bezeichnen.

Jetzt gibt es in Passau ein zweites hyperlokales Projekt. 100prozentig lokal soll Passau demnach werden, rein online basiert. Und natürlich kann man für die Erfolgsaussichten der Seite noch keine Prognose abgeben, weil man sie noch nicht gesehen hat und eine schlecht gemachte Seite nicht einfach deswegen erfolreich ist, weil sie lokal ist. Trotzdem, besieht man die Situation der PNP Anfang 2011, dann hat sich einiges dramatisch verändert: Es gibt plötzlich einen lokalen Sportanbieter, es gibt ein Online-Lokalmagazin, es gibt mit dem “Bürgerblick” noch ein kleines gedrucktes Stadtmagazin dazu. Und plötzlich ist der Monopolist irgendwie nur noch ein Scheinriese, der immer kleiner wird, je näher man ihm kommt. Keines der kleinen Konkurrenzprojekte wird für sich alleine den Untergang der großen PNP bedeuten. Aber zusammengenommen nagen sie an den Rändern und werden die ohnehin schon aus den unterschiedlichsten Gründen zerbröselnden Umsätze des Blattes weiter schmälern.

Dabei sind die weiter schwindenden Umsätze noch nicht mal das entscheidende Problem. Eine Verlagsgruppe mit hohen Millionenumsätzen wird das irgendwie verschmerzen können, wenn auch ungern. Viel wichtiger ist die Bedeutung für die Zukunft: Wenn sich die beiden Lokalprojekte halten können, dann ist es keine sehr gewagte Prognose wenn man behauptet, dass sie vor allem das künftige Leserpotential an sich binden werden. Eine onlineorientierte Generation hat die PNP bereits verloren.  Die Seite pnp.de sieht immer noch aus wie frisch aus den Neunzigern entsprungen (das darf man der Redaktion, die ohne nennenswertes Budget arbeiten muss, aber nicht zum Vorwurf machen). Die Zeitung selbst ist immer noch irgendwie 1996 (das könnte man der Redaktion schon eher zum Vorwurf machen). Kurzum, eine redaktionelle und verlegerische Fehlleistung über Jahre hinweg hat die Situation, wie sie jetzt ist, erst möglich gemacht: Nachdem publizieren jetzt sehr viel einfacher und kostengünstiger geworden ist, machen es andere eben auch.

Und weil wir die Debatte gerade mal wieder so intensiv haben: Mit dem bösen Internet und einem fehlenden Leistungsschutzrecht hat das alles ungefähr nichts zu tun. Wollte ich nur mal loswerden, ansonsten: weiterschlafen!

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I want my MTV

1. Januar 2011 - 14:14 Uhr

Gestern abend lief zum letzten Mal MTV im frei empfangbaren deutschen Fernsehen. Es gab als vorletzten Song “Don´t look back in Anger”, danach noch “Viva forever” und man hatte somit gezeigt, dass man sich noch eine Art bitteren Resthumor bewahrt hatte. Danach verschwand, welch Ironie, der ehemalige Trendsetter in den Untiefen des Pay-TV und somit auch aus der öffentlichen Wahrnehmung.

Ich erinnere mich noch gut an das Ende der 80er Jahre in den USA: Damals war ich ein paar Wochen dort und immer, wenn ich mein Zimmer betrat, schaltete ich Musikfernsehen ein, mal MTV, mal VH 1. Ich war völlig fasziniert von der Möglichkeit, nicht mehr darauf warten zu müssen, dass einmal in der Woche irgendein Langweiler im deutschen TV ein paar Clips “präsentierte”. Sondern stattdessen ständig den ganzen Tag Videos schauen zu können, in einer für damalige Verhältnisse unfassbaren Auswahl.

Doch genau das ist der Punkt: damals. Damals war das toll und zeitgerecht. 2006 habe ich mal in einem Vortrag gesagt, YouTube sei das neue MTV und bin dafür ziemlich belächelt worden. Wenn man sich allerdings die Möglichkeiten ansieht, die YouTube oder besser das ganze Netz bieten, dann wirkt die Vorstellung eines “Musikfernsehens” wunderbar antiquiert. Das hatte seine Zeit — und die ist vorbei.

Das könnte man nun mit gutem Recht als egal bezeichnen, die Welt dreht sich auch ohne MTV weiter. Wenn es nicht einen Punkt gäbe, den man als so wunderbar bezeichnend für die gesamte Medienbranche an sich betrachten könnte. Eine Idee ist nicht ewig fortsetzbar, nur weil sie irgendwann mal gut war und ihre Berechtigung hatte. Es nützt auch nichts, sich an der überkommenen Idee festzuklammern und sie mit aller Gewalt beibehalten zu wollen. Die Zeit geht schlichtweg darüber weg. Das, was wir momentan noch als unsere Medien sehen, ist das neue MTV. Ein paar Jahre noch — und wir werden uns mit nostalgisch-verklärtem Lächeln an ihre Zeit erinnern.

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Die wunderbare Welt von Sky

4. August 2010 - 11:09 Uhr

Nur mal angenommen: Es geht Ihnen finanziell einigermaßen schlecht. So schlecht, dass Sie dringend Geld brauchen. Von der Bank oder von sonstwem, Hauptsache Geld. Dann bekommen Sie dieses Geld — und ein guter Bekannter fragt Sie ganz im Vertrauen, ob das nicht ein Beleg dafür sei, dass es Ihnen finanziell ganz schön schlecht gehe. Und Sie antworten dann: Nein, das ist ein Beleg dafür, wie stabil, solide und gut ich da stehe, weil mir ja niemand das Geld geliehen hätte, wenn ich nicht so gut dastünde.

Könnte gut sein, dass Sie Ihr Bekannter einigermaßen des Realitätsverlusts bezichtigt. Brian Sullivan hingegen darf mit solchen Auffassungen weiterhin als Vorstandsvorsitzender von “Sky” viel Geld seines Großaktionärs Murdoch durch den Kamin blasen. Der SZ sagte Sullivan, die neuerlichen Millionen, die man jetzt zugesteckt bekomme, seien ein Beweis dafür, dass der Sender die “volle Unterstützung” seines Haupteigentümers habe. Sowas kann man natürlich mühelos als die Stereotypen eines Vorstands abtun, der eine miserable Lage irgendwie schönreden muss. Tatsächlich aber zeigt sich, dass die Lage in Unterföhrung schon verflixt verzweifelt sein muss. Es ist inzwischen die siebte Kapitalspritze, die das Premiereskyirgendwasdings bekommt. Und nicht etwa, weil man investieren oder expandieren will — man muss vielmehr tiefe Löcher stopfen, die halt entstehen, wenn man in einem Quartal rund 80 Millionen Euro Verlust macht.

Williams ausgesprochen vage Formulierungen jedenfalls lassen vermuten, dass man inzwischen auch bei “Sky” langsam kapiert, aus dieser Nummer nicht mehr herauszukommen. Mit drei Millionen Abonnenten würde man sicher schwarze Zahlen schreiben, hieß es noch verganenes Jahr, Williams rudert jetzt zurück: Das komme “ungefähr” hin, um ein “ausgeglichenes operatives Ergebnis” zu erzielen, was allerdings wiederum auch mit der Höhe der Investitionen zusammenhänge. Was auf Deutsch heißt, dass man auch mit drei Millionen Abonnenten (von denen man immer noch ein gutes Stück entfernt ist) keineswegs sicher Gewinne schreibt, schon gar nicht, wenn man mehr Geld ausgeben müsste als bisher bekannt. Dass die Aktionäre nach den neuesten Sky-Zahlen mehr oder minder geflüchtet sind, kann man sich angesichts solcher Aussagen des Vorstandschefs prima vorstellen.

Davon aber abgesehen ist anderes erstaunlich: nämlich, dass man bei Murdoch und bei “Sky” immer noch ernsthaft zu glauben scheint, dass dieses Modell Pay-TV in Deutschland funktionieren könnte. Es gibt unzählige Gründe, die dagegen sprechen, vom Überangebot an frei empfangbaren Sendern bis hinb zur immer stärker werdenden Rolle des Web als Bewegtbildkanal. Pay-TV, das war 1990 (und da schon nicht sehr erfolgreich). Heute braucht niemand mehr “Sky”. Murdoch und seine Helferchen in Unterföhring werden es vermutlich einsehen, wenn auch die letzte der jetzt nachgeschossenen 340 Millionen weg ist — und keiner weiß so genau, wohin.

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Die dunklen Wolken am Sky

26. Februar 2010 - 21:42 Uhr

Man hält das ja kaum für möglich, aber “Sky” ist doch für etwas gut:  Als Anschauungsbeispiel dafür, wie unsere althergebrachte Medienwelt langsam untergeht und wie selbst Geschäftsmodelle, die man noch vor einiger Zeit für halbwegs neu und innovativ hielt, nicht mehr sehr viel wert sind, ist das ehemalige “Premiere” kaum zu schlagen.

Das Problem, das “Sky” hat, sind nicht mal nur die unfassbar vielen merkwürdigen Fehler, die man dort im Laufe der  letzten 20 Jahre gemacht hat. Das Problem ist, dass “Sky” in einer Zeit entstanden ist, in der es vielleicht gerade noch einen Markt dafür gegeben hätte. Diesen Markt gibt es jetzt nicht mehr: Wem will man allen Ernstes erzählen, es sei für den Kunden auch nur halbwegs lukrativ, ein Abo für Fernsehsender, für Bewegtbild abzuschließen? Die Ware, die “Sky” für einigermaßen viel Geld verkaufen will, gibt es an nahezu jeder Straßenecke. Serien und Filme bekommt jeder durchschnittlich begabte Mensch inzwischen auf Knopfdruck und die paar wenigen, die beispielsweise “Forrest Gump” wirklich noch nicht in ihrer Sammlung haben, erhalten ihn momentan bei iTunes für 3,99. Sky abonnieren? Das wäre allenfalls noch ein Gedanke, wenn man sehr fußballfanatisch ist, selbst dann aber ist das Abo-Modell überholt, weil es den Nutzer in eine Bindung an den Anbieter zwingt, die man in Zeiten überbordender Medienangebote nicht mehr eingehen will. Ein einzelnes Spiel abrufen, einen kompletten Spieltag meinetwegen — also im Prinzip das, was Apple in Sachen Musik schon lange vormacht: Inhaltepakete aufschnüren und sehr viel kleinteiliger anbieten.

So aber ist “Sky” ein Anachronismus aus den 90er Jahren, den auch der vierte Vorstandschef innerhalb weniger Jahre nicht retten wird — allen vollmundigen Ankündigungen zum Trotz.

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Die lustige Welt des Fernsehens ohne Fernsehen

24. Februar 2010 - 21:45 Uhr

Wenn man wirklich ulkige Sachen über die Zukunft des Fernsehens hören will, kommt man inzwischen an Thomas Ebeling nicht mehr vorbei.

Als es vor einigen Monaten um die Zukunft von N24 ging, meinte Ebeling, dass Nachrichten ja irgendwie nicht so wichtig seien, zumindest nicht für die Zuschauer in seiner Sendergruppe. Da war es dann  nur konsequent, dass er in dieser Woche ankündigte, den Etat der Nachrichtensendungen der Gruppe mal eben um zwei Drittel zu kürzen, was durchaus möglich ist, wenn man, wie Ebeling fordert, nicht immer diese komischen bewegten und vor allem sauteuren bewegten Bilder zeigt. Manchmal reicht da ja auch ein Foto, so einfach geht das. Was insofern nicht ganz von der Hand zu weisen ist, als dass es bei der Qualität der meisten Nachrichtensendungen aus der Gruppe nicht mehr darauf ankommt, ob das Ganze jetzt mit bewegten oder doch eher stehenden Bildern hinterlegt ist.

Nun könnte man Ebeling eigentlich gar nicht böse sein. Erstens triftt man so viel frappierende Ehrlichkeit in der Branche eher selten an, zum anderen: Der Mann kommt aus der Pharmaindustrie, hat in seinem langen und sicher erfolgreichen Managerleben noch nie ein Medienunternehmen geleitet — und führt ProSiebenSat1 so, wie er vermutlich auch die Wurstfabrik von Uli Hoeneß führen würde, wenn Uli Hoeneß ihn darum bäte. Ebeling ist noch nie mit einem einzigen sinnigen Wort zu Themen wie Programm und Inhalt auffällig geworden. Nicht nur, weil er dazu vermutlich auch nichts Sinniges sagen könnte, sondern weil er dafür nicht geholt worden ist: Sein Job ist es nicht, aus P7S1 etwas fernsehähnliches zu machen, sondern: Rendite. Wenn man die mit einer 24-Stunden-Dauersendung kopulierender Fliegen erzielen könnte, würde Ebeling auch das senden, solange seine Investoren 15 Prozent Umatzrendite auf diesem Sendeplatz bekommen.

Aus seiner medienunbelasteten Sicht ist Ebelings Argumentation auf den ersten Blick sogar verständlich:  Man kann immer alles noch einen Tick billiger machen. Das Problem ist, dass Ebeling seine Zuschauer unterschätzt: Selbst Laien bemerken inzwischen an allen Ecken und Enden des Programms der Gruppe, dass es in erster Linie billig sein muss. So etwas ähnliches wie eine programmliche Innovation ist aus dem Haus schon gefühlte Jahrhunderte nicht mehr gekommen (nimmt man mal Raab aus, aber das ist eben: Raab.) Und wann hat eigentlich der letzte wirklich kreative Kopf Unterföhrimg verlassen?

Das alles könnte man schulterzuckend ad acta legen, hätte die Entwicklung einer Sendergruppe, die demnächst Fernsehen ohne bewegte Bilder machen will, nicht auch eine medienpolitische Komponente: Sie zeigt, dass Fernseh- und Medienunternehmen nichts in der Hand von Finanzinvestoren verloren haben. Medien sind eben nicht einfach ein Wirtschaftsgut, sondern ein Kulturgut. Medien dürfen eben nicht nur von Controllern und Investoren und Managern gemacht werden. Sie brauchen — selbst dann, wenn es um Privatfernsehen geht — ein Mindestmaß an Kreativität, an journalistischer Verantwortung und Kompetenz an gesellschaftlicher Verantwortung. Bei allen Benken, die man damals vor allem aus kartellrechtlicher Sicht gegen eine Übernahme des Senders durch den Springer-Verlag haben konnte: eine bessere Lösung als das controllergesteuerte Ruinieren wäre sogar das gewesen.

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Mit Tädä in die Versenkung

15. Februar 2010 - 21:57 Uhr

In meiner kleinen Heimatstadt irgendwo im tiefsten Niederbayern beklagten sich unlängst via Heimatzeitung ein paar Faschingsmacher: Einige Bälle und Veranstaltungen habe man in diesem Jahr schon absagen müssen, klagte man — und hatte auch schon einen ziemlich triftigen Grund dafür parat: Es werde immer schwerer, “die Jungen” noch für Kappenabende und Pappnasen zu begeistern, zumindest in dieser dann doch eher piefigen Form. Ob der Fasching in der Krise sei, fragte die PNP überaus besorgt.

Kommen wir von der PNP zum Fernsehen, dem öffentlich-rechtlichen: Irgendwann, als ich gestern abend ziemlich spät nach Hause kam, hätte ich gerne noch ein bisschen was geschaut. So einfach mal vor dem Fernseher liegen, nichts wirklich Anspruchsvolles, nette Sonntagabend-Unterhaltung halt. Und nachdem ich wirklich spät nach Hause gekommen war, war ich auch ganz zuversichtlich, irgendwas Nettes zu finden. Die Zuversicht hielt allerdings nicht so wirklich lange, genau genommen: Bis die Finger die “1″ auf der Fernbedienung gedrückt hatten. Bei ARD und ZDF waren nämlich die Menetekel aus Niederbayern noch nicht wirklich angekommen: Im Ersten kam schon wieder — oder besser gesagt — immer noch irgendwas Karnevalistisches, es war die gefühlt 300. Übertragung von irgendwelchen Narrenkappen, von schunkelnder Bräsigkeit, von “Lebensfreude aus dem Katasteramt” (Oliver Kalkofe im “Spiegel”). Das wäre ja vielleicht noch halbwegs zu ertragen gewesen, wenn es sich nur um eben diesen einen Abend gehandelt hätte. Tatsächlich aber brannten — ausgerechnet — die Öffentlich-Rechtlichen ein echtes humoristisches Feuerwerk ab, fast 80 Stunden befeuerten ARD, ZDF und die Dritten im rasanten Stakkato die Gebührenzahler zur besten Sendezeit mit Pappnasen. Beinahe 14 Stunden widmete das ZDF dem Frohsinn, das Erste brachte es auf zehn Stunden, die restlichen weit über 50 Stunden gönnten sich die dritten Programme. So sieht Qualität aus, wenn sie gebürenfinanziert und öffentlich-rechtlich ist. Komisch, dabei klingeln mir noch die Ohren von den Programmpressekonferenzen zu Anfang des Jahres, in denen es weitgehend hieß, man starte eine unglaubliche Programm- und Qualitätsoffensive (und das zudem noch in HD, was in etwa wie die Androhung von Folter klingt: Mainz bleibt Mainz in hochauflösenden Bildern.)

Die absoluten Zahlen geben den Sendern anscheinend und vorläufig recht, zumindest dann, wenn man Quote per se als Argument verwenden möchte.  Dabei begeben sie sich schon alleine bei diesem Argumentation auf sehr dünnes Eis: “Mainz bleibt Mainz” sahen zwar wieder fast sechs Millionen Menschen, der Anteil der ominösen 14-49jährigen darunter allerdings lag bei gerade mal 600.000 (wie “Meedia” heute vorrrechnet). Das ist nicht nur “gesendetes Alzheimer” , wie “Meedia” so schön fest stellt, es ist auch und vor allem ein weiterer Schritt der Öffentlich-Rechtlichen in die Bedeutungslosigkeit: Schon jetzt ist der Generationenabriss ein ernsthaftes Problem für ARD und ZDF, selbst bei immer noch gut laufenden Genres wie den oft als Beleg für ihre Notwendigkeit ins Feld geführten Nachrichten liegt der Anteil der jüngeren Zuschauer (sofern mal alte Säcke wie mich überhaupt noch als “jung” definieren mag) deutlich unterhalb der des Rentneralters. Das ZDF kommt in dieser Zielgruppe in schlechten Monaten schon mal in die Nähe von RTL 2 oder Kabel 1, zumindest wenn es um die Quote geht. Das mag jetzt alles noch kein akutes Problem sein — in wenigen Jahren aber wird es das.

Ich dachte dann übrigens, es könnte eine Idee seien, von der ARD zum ZDF zu schalten. Und wenn mich Olympia auch nur im Ansatz interessieren würde….so aber: warten auf Aschermittwoch. Damit wenigstens ein Kanal wieder frei wird.

Das schreiben die anderen:

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