Kategorie: DAS BUCHPROJEKT


Universalcode – die nächsten Stimmen

27. November 2011 - 21:26 Uhr

Fast 600 Seiten – die muss man erst mal gelesen bekommen. Deshalb wundert es mich nicht so sehr, dass die ersten besprechungen und Meinungen zu “Universalcode” erst jetzt, rund vier Wochen nach dem Ausliefern der ersten Bücher, eintrudeln. Dafür sind wir alle, ohne Schummeln, mit den bisherigen Resonanzen und Reaktionen sehr zufrieden. Eine ausgiebige Rezension hat Jörg Eschenfelder geschrieben, sie lautet so:

Journalismus findet seit einigen Jahren eine rege Debatte über die Zukunft der Zunft statt. Hintergrund sind sinkende Anzeigenerlöse, Renditeerwartungen seitens der Verleger und Sender, die Gratiskultur des Internets sowie die neuen technischen Möglichkeiten. Die Journalisten stehen inmitten einer medialen Revolution und sind – ratlos. Mit «Universalcode» haben sich einmal mehr Christian Jakubetz, Ulrike Langer und Ralf Hohlfeld in diese Debatte eingebracht.

Der Titel ist ambitioniert: «Universalcode». So heißt das Buch, das nichts Geringeres behandelt als den «Journalismus im digitalen Zeitalter». Die Herausgeber Christian Jakubetz, Ulrike Langer und Ralf Hohlfeld haben dazu 17 Autoren eingeladen – Journalisten, Praktiker und Vordenker -, um über nahezu alle Aspekte des Journalismus im digitalen Zeitalter zu schreiben.

Dabei wird deutlich: Die Revolution im Journalismus ist eine Revolution der Produktions- und Publikationsbedingungen. Diese kann zu einer inhaltlichen führen, da nun mehr und andere Themen veröffentlicht werden können als bisher. Doch die Aufgaben, die Kompetenzen und Qualifikationen, die einen Journalisten definieren, werden sich auch in Zukunft nicht verändern: Geschichten zu erzählen, die das Leben schrieb. Geschichten, die auf überprüfbaren, verifizierten Fakten beruhen. Geschichten, die helfen, im Dickicht des Lebens ein klein wenig Orientierung zu finden.

Das wird bleiben. Ändern wird sich die Art und Weise, wie die Geschichten künftig erzählt und publiziert werden, sowie welche Geschichten künftig erzählt werden. Um diese Geschichten zu erzählen, stehen dem Journalisten stehen künftig im Grunde genommen alle Mittel und Wege offen: Text, Bild, Ton, Video – getrennt oder kombiniert. Am besten so, wie es die Geschichte erfordert.

Die neuen Möglichkeiten nutzen!

Ok, das ist nicht neu. Das gibt es schon länger: Aber erstmals sind die Hürden so niedrig (Smartphones reichen schon aus – so die Autoren von Universalcode), um alle Mittel zu nutzen. Oder anders ausgedrückt: Aus dem Spezialisten für Malerei, Druckgrafik oder Bildhauerei – wird der Allround-Künstler, der alle Werkzeuge einsetzt, um seine künstlerische (oder journalistische) Energie in Form zu bringen. Er muss nicht alle Formen nutzen, aber er kann. Es wird auch künftig Spezialisten geben.

Und: Der Journalist ist, um zu publizieren, nicht mehr von einem Verleger oder einer Sendeanstalt abhängig. Der Journalist kann im digitalen Zeitalter seine Geschichten traditionell oder vollkommen neu erzählen – und sie selber der Welt präsentieren.

Doch das journalistische Handwerk bleibt: Auswahl, Recherche, Erzählen. Die traditionellen Maßstäbe und Regeln für Qualität bleiben – auch im digitalen Zeitalter, ABER es kommen neue Möglichkeiten hinzu und die gilt es zu nutzen, mit denen gilt es zu spielen.

Das machen die Autoren im «Universalcode» deutlich. Die Lektüre macht Lust und Freude auf dieses Experimentieren. Sie gibt die Freiheit wieder, Geschichte doch einfach zu erzählen. Wie? Mit den Mitteln, die am besten geeignet und verfügbar sind. Das ist das große Plus von «Universalcode»: Die Lektüre macht den Blick frei – in einer oft quälenden, teils larmoyanten, teils sich im Kreis drehenden Medien-Debatte.

Feuer für den Beruf

Besonders wohltuend und inspirierend sind die Artikel von Christian Lindner («Macht Content, kein Layout – über den Wandel des Lokaljournalismus») und das Schlusswort von Richard Gutjahr («Nichts um seiner selbst willen»). Sie räumen das Gerümpel beiseite, zeigen, warum es einst schön war, Journalist zu werden: Rausgehen, Zeit haben, mit den Menschen reden und dann Geschichten erzählen. Sie zeigen, dass dies immer noch der Kern von gutem Journalismus ist. Sie zeigen, warum es immer noch wichtig und richtig und gerade mit den neuen technischen Möglichkeiten schön und spannend ist, Journalist zu sein. Das befeuert, macht Lust – und ist wohl die größte Hilfe für den Journalismus im digitalen Zeitalter. Denn ohne Feuer für den Beruf ist alles andere nichts.

Allerdings gibt es auch Schwachstellen. «Universalcode» liefert keine – wie sollte er auch – Antwort auf die Krise des Journalismus, die eine Krise seiner Finanzierbarkeit beziehungsweise eine Krise der Renditeerwartungen ist. Wie können, sollen Journalisten recherchieren, Geschichten erzählen, wenn die Verlage Honorare kürzen, alle Rechte einfordern, wenn der Wert guter Arbeit nicht mehr honoriert, aber dessen Qualität eingefordert wird? Der Verweis auf Unternehmerjournalismus und die Positionierung des (freien) Journalisten als «Marke» reicht da alleine nicht. Das ist ein alter Hut und wurde andernorts schon abgehandelt.

Unterm Strich bleibt: Der «Universalcode» ist lesenswert. Er fasst eine breite Debatte in einem Buch zusammen. Er zeigt die Probleme auf, weist in manchen Bereichen den Weg und macht bei anderen offenkundig, wie ratlos alle sind.

«Universalcode» ist nicht der goldene Weg in die Zukunft des Journalismus. Aber es ist der lobenswerte Versuch, im Dickicht gangbare Wege zu finden und zu weisen. Ob diese zum Ziel führen? Dafür gibt es keine Gewähr. Also, weg vom Schreibtisch und raus auf die Straße. Für Letzteres macht Universalcode auf jeden Fall Mut. Danke.

Mehr Meinungen zu Universalcode:

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Was mit Universalcode

19. November 2011 - 17:28 Uhr

Was mit Medien #260 – mit Grimme und Mozilla by wasmitmedien

Herr Pähler und Daniel Fiene haben sich für “Was mit Medien” das Thema “Universalcode” nochmal auf Wiedervorlage gelegt, nachdem die beiden schon vor einem Jahr das Thema behandelten, als es noch nicht sehr viel mehr als eine lose Idee war. Jetzt haben sie sich das fertige Buch nochmals vorgenommen und plaudern gewohnt unterhaltsam – nicht nur darüber, sondern auch über ganz vieles anderes. Wie immer schön zu hören, natürlich. Oder wie Herr Pähler sagen würde:  nett.

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Universalcode – die ersten Meinungen

14. November 2011 - 22:38 Uhr

Gunnar Jans hat seinen Universalcode im Strandkorb gelesen…

So langsam trudeln die ersten Stimmen zu “Universalcode” ein. Die Testleser haben ihre Exemplare bekommen, einer davon war AZ-Sportchef Gunnar Jans. Sein Urteil:

Ein Lehrbuch im Sinne von: Ausbildungsbuch? Für Neu- und Quereinsteiger? Vielleicht auch. Doch wenn ich mir die Print-Landschaft anschaue, sei der „Universalcode“ vor allem den etablierten Kollegen empfohlen, die glauben, längst alles zu kennen – und doch nicht wissen, wohin ihr Berufsweg noch führt.

Der „Universalcode“ sollte Standardwerk sein auf den Schreibtischen aller Ressortleiter und von dort aus mit (neugieriger) Leidenschaft ausprobiert werden – bevor bald schon ein Volontär kommt, der den digitalen Wandel längst lebt und den eindimensionierten Dinos von gestern den Chefsessel wegzieht.

Ich glaube an diesen Job, der trotz aller Untergangsszenarien ein Traumjob ist und bleibt. Und dafür liefert mir der „Universalcode“ auch im fortgeschrittenen Stadium mehr als eine Perspektive.

(Anmerkung: Universalcode-Herausgeber Christian Jakubetz ist Autor des Tribünenblogs auf der Homepage der ABENDZEITUNG, deren Sportteil ich verantworte. Hier und da hat er die AZ-Sportredaktion bei crossmedialen Projekten unterstützt. Im Gegenzug habe ich ihn bei Twitter und Foursquare zum Durchhalten ermuntert.)

Eine weitere kurze Besprechung hat uns der bloggende “Medientyp” gewidmet.

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Introducing Universalcode

7. November 2011 - 21:36 Uhr

Das BASE_Camp in Berlin macht es möglich: Am 17. November werden wir ab 18.30 Uhr das Buch und das Projekt so halb öffentlich vorstellen, bei Facebook gibt´s eine entsprechende Event-Seite, eine ganze Menge Leute haben intern schon zugesagt, ein paar Plätzchen sind vielleicht noch frei. Wer Lust hat auf ein bisschen Buchplauderei, Hintergrundgespräche und Diskussionen – schnell noch eine Mail an cjakubetz (ät) gmail (dot) com und ich sehe zu, was sich unter Umständen und vielleicht noch machen lässt.

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Universalcode bestellen – hier und woanders

3. November 2011 - 9:19 Uhr

Und wieder ein kleiner Schritt für “Universalcode”: In den letzten Tagen gab es zunehmend Fragen und Irritiationen darüber, wie und wo man denn das Buch nun bestellen kann. Die Antwort ist einfach. Hier. Über dieses Widget. Dann landet die Bestellung unmittelbar beim Verlag, von dort aus wird umgehend ausgeliefert.

Generell noch eine Erläuterung zu Vertrieb und Verkauf: Das Buch ist zwar auch bei Amazon gelistet und wir werden Amazon irgendwann auch mal beliefern, wenn wir die Vorbestellungen abgearbeitet haben. Aber unsere oberste Präferenz ist Amazon nicht. Das Unternehmen nimmt sich von jedem Buch 55 Prozent (!) des Verkaufspreises. Ganz offen gesagt: Ein Buch, das wir über Amazon verschicken, ist fast so wie verschenkt. Deswegen versuchen wir ganz gezielt, eigene Vertriebswege aufzubauen – dieses Widget ist ein Bestandteil dessen.

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“Jeder muss immer Blatt machen”

2. November 2011 - 10:36 Uhr

Blatt machen im Netz, geht das überhaupt? Geht nicht nur,muss sogar sein – sagt Stefan Plöchinger, Chefredakteur von sueddeutsche.de und Autor des entsprechenden Kapitels im “Universalcode”. Warum das keineswegs ein Widerspruch ist und was das alles bedeutet, drüber hat er sich plaudernderweise mit Dirk von Gehlen unterhalten.

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Was an Platz für uns noch bleibt

1. November 2011 - 21:24 Uhr

Es ist also fraglich, wieviel Platz künftig für berufsmäßige Autoren, Künstlern und Journalisten noch bleiben wird; und ich bin fern davon, mich über diese Entwicklung zu freuen – aber das wird sie genauso wenig aufhalten, wie Leistungsschutzrechte und Verlagstrojaner.

Jörg Blumtritt hat sich als (erster) Gastautor beim “Universalcode” einige Gedanken darüber gemacht, was Digitalisierung nicht nur für Verlage, sondern auch für jeden einzelnen Journalisten bedeutet. Nachzulesen: hier.

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Das Portal zum Buch

31. Oktober 2011 - 9:15 Uhr

Zugegeben, am Ende wurde es dann doch noch mal eng. Aber das Gefühl, es könnte irgendwie knapp werden, begleitet mich ja schon die ganze Zeit durch das Universalcode-Thema, da kam´s jetzt auf das eine Mal mehr oder weniger auch nicht an. Jedenfalls ist das Portal zum Buch jetzt auch online.  Und es hat noch etwas anderes mit dem Buch gemeinsam: Es ist erstmal eine Idee, ein Grundgerüst. Wer Ideen, Anregungen, Informationen, Kritik hat oder sogar eigene Beiträge beisteuern will, immer nur her damit (cjakubetz ät gmail dot com). Schließlich ist das Buch ganz entscheidend durch die Einflüsse von draußen geprägt worden, so soll es auch mit dem Portal sein. Sagen wir es so, das Portal ist die Fortschreibung des Buchs und eine Fortschreibung beginnt immer an irgendeinem Ende, das dann quasi der Anfang ist. Was ich mit diesen etwas länglichen Wort nur sagen will: Erwarten Sie bitte keine fertige und auch keine statische Seite, sondern eher das Grundgerüst für etwas, was in den kommenden Wochen wachsen wird.

Universalcode-Podcast (3): Heribert Prantl by cjakubetzuser

Zum Start gibt es auch eine neue Folge des Podcasts, dessen erste Folgen ich ja an dieser Stelle schon gepostet hatte. Sie erinnern sich: Das Vorwort zu “Universalcode” hat Heribert Prantl geschrieben. Naheliegend, dass er auch zum Start des Portals im wahrsten Sinne des Wortes zu Wort kommt. Nachzuhören auf der Seite – oder gleich hier.

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Unboxing Universalcode

29. Oktober 2011 - 9:49 Uhr
Foto: Dirk Kirchberg

Foto: Dirk Kirchberg

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Wir nennen es Universalcode

25. Oktober 2011 - 11:34 Uhr

Seit gestern also läuft die Auslieferung von “Universalcode” — und sieht man davon ab, dass es noch die Webseite und ggf. irgendwann mal die Idee einer App gibt, ist seit heute der erste Tag, an dem ich das Gefühl habe, das Projekt sei irgendwie abgeschlossen (was es natürlich nicht ist). Wenn ich auf das gut eine Jahr schaue, das zwischen Idee und Fertigstellung lag, dann glaube ich manchmal, noch nie so viel gelernt zu haben wie in den zurückliegenden12 Monaten. Nein, natürlich nicht nur über irgendwelche technischen und inhaltlichen Dinge, die den Journalismus im digitalen Zeitalter angehen. Sondern auch darüber, wie es sich jetzt und künftig arbeiten lässt. Und wie nicht. Was Zukunft hat und was nicht. Das ist, zugegeben, eine einigermaßen subjektive Sichtweise. Aber schon auch eine, aus der sich für andere und anderes einiges ableiten lässt. Bilanz von 12 aufregenden Monaten…

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Es ist ja nicht etwa so gewesen, als dass ich die Idee, ein Buch über die neuen Anforderungen an Journalisten zu machen, nicht in der einen oder anderen Weise schon mal gehabt hätte. Man überschätzt allerdings die Flexibilität und die Innnovationsbereitschaft von Großbetrieben und namentlich Buchverlagen, wenn man glaubt, man schlage da mal einfach was vor und dann kommt ein netter Mitarbeiter des Verlags und legt einen Vertrag vor und kurz darauf ist man dann Buchautor. Das war halbwegs so bei “Crossmedia”. Beim UVK hatte man 2008 ohne lange Debatten und schnell begriffen, dass es den Bedarf für ein Praxisbuch über crossmediales Arbeiten geben könnte. Ich hatte damals auch mit der “gelben Reihe” gesprochen. Dort allerdings war man 2008 der Meinung, Crossmedia sei ja auch nichts anderes als Onlinejournalismus, weswegen es das Potential für einen eigenen Band dazu nicht gebe. Man könne aber gerne darüber nachdenken, ob man der nächste Auflage des Onlinejournalismusbuch nicht ein kleines Kapitel zu crossmedialem Arbeiten anhängen könne. Für die Idee, etwas deutlich weiterführendes als das “Crossmedia”-Buch zu machen, war aber auch der UVK nicht zu haben. Zugegeben, damals hieß das Ding noch nicht “Universalcode”, es war noch nicht abzusehen, dass so viele großartige Leute mitmachen würden — aber den grundsätzlichen Gedanken hatte ich schon deutlich eher. Beim Verlag hieß es, damit seien keine Auflagen zu erzielen, zudem es ja schon sehr viel Literatur dazu gebe. Ich verübele diese Einschätzung niemandem, zumal mir eines in den letzten Monaten auch klar wurde: So, wie wir “Universalcode” gemacht haben – das wäre in einem konventionellen Verlag nie und nimmer möglich gewesen. Wir hätten einen Vertrag gehabt, der uns kaum Freiräume gelassen hätte. Wir hätten als Marketingmaßnahmen irgendwelche hübschen Flyer und Stände bei Fachveranstaltungen gehabt. Wir hätten nicht so rumspinnen können, wie es bei “Eruyclia” der Fall gewesen ist. Und, vielleicht das Wichtigste: Diese Beteiligung der potentiellen Leser vom ersten Tag an, bis hin zur Abstimmung über das Cover — es fällt mir schwer zu glauben, dass wir das alles in einem konventionellen Verlag so hätten machen können, ganz egal, wie er heißt.

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Überhaupt, das Arbeiten. Ich gehöre bestimmt nicht zu dem, was Sascha Lobo und Holm Friebe als “Digitale Boheme” beschrieben haben. Trotzdem dachte ich in den letzten Monaten oft an das Buch “Wir nennen es Arbeit”. Mir fiel auf, um wie viel effizienter und produktiver Arbeit auch in einem weitgehend virtuellen Verbund sein kann, wenn sie nur mit den richtigen Leuten gemacht wird. Wenn man die ganzen wahnwitzigen Strukturen von Großunternehmen beiseite lassen und sich auf das konzentrieren kann, was man machen will. Wenn man nicht ständig damit beschäftig ist, sich Unternehmenskulturen anzupassen oder aufzupassen, nicht in eine kleine, hübsche Intrige zu laufen (es gibt Menschen, die es darin zu wahren Meisterschaften gebracht haben). Wenn man nicht irgendwelche Eitelkeiten und Befindlichkeitsstörungen berücksichtigen muss und schließlich auch noch im Kopf haben soll, wer im Haus gerade mit wem kann und mit wem nicht. Kulturen gibt es übrigens überall, wenn mehr als eine bestimmte Zahl von Menschen zusammenarbeiten, ob man will oder nicht. Wenn man bei öffentlich-rechtliche Sendern über die Flure geht und man begegnet jemandem mit Schweißflecken, ist das meistens ein Beleg dafür, dass die Klimaanlage ausgefallen ist. Bei der FAZ kann nicht mal der Pförtner noch aufrecht gehen vor lauter Dünkel, bei der SZ musste man zumindest in den Zeiten der Sendlinger Straße ordentlich stenzig sein (ok, das verstehen jetzt vermutlich nur Bayern). ProSiebenSAT1 ist die tägliche Generalversammlung der Designanzugträger, kurzum: Es ist ganz egal, wohin man kommt, erstmal wird der tägliche Kreativtätsversuch von irgendetwas eingeschränkt.

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Natürlich war das ein Spagat mit “Universalcode”. Wie bekommt man es hin, dass ein Buch eine erkennbare Linie hat und mehr als eine Aufsatzsammlung ist, ohne dass man die Texte glatt redigiert, die von einem guten Dutzend sehr unterschiedlicher Leute kommen?  Wie schafft man es, neben dem rein handwerklichen Können auch so etwas wie eine Haltung zu vermitteln, ohne Besinnungsaufsätze zu schreiben und den erhobenen Zeigefinger zum virtuellen Begleiter des Buchs zu machen? Inzwischen bin ich mir sicher, dass eine der Voraussetzungen dazu genau dieses Arbeiten war. Alles, was wir gemacht haben, war und ist unser Risiko. Wir mussten uns nicht durch Strategiemeetings und Redaktionssitzungen schlagen und es gab auch nirgends den einen, der qua Hierarchie Entscheidungen traf, die die anderen zähneknirschend hinnehmen mussten. Ich glaube, uns alle einte dann irgendwie auch der Gedanke, dass am Ende etwas Konstruktives stehen sollte, die Möglichkeit des Scheiterns und des Falsch-Liegens inbegriffen. Immer nur zu sagen, wie etwas nicht geht, das ist auf Dauer destruktiv. Und ja, auch das: billig. Ich glaube inzwischen, dass man kritisieren darf, was man will, irgendwann aber auch eine Art Alternative aufzeigen muss. Macht man das nicht, leidet irgendwann die Glaubwürdigkeit.  Vielleicht haben wir nicht auf alles die richtigen Antworten gefunden, aber ich fühle mich deutlich wohler in dem Wissen, dass wir es zumindest versucht haben. Kein Manifest, das auf keinen Fall. Aber wenigstens ein bisschen Orientierung, ein bisschen Handwerk und Haltung zugleich in einem digitalen Dschungel, der ohnedies schwer genug zu durchdringen ist. Wenn wir das mit “Universalcode” hinbekommen haben, bin ich zufrieden.

 

3 Kommentare » | DAS BUCHPROJEKT, MEDIENZUKUNFT, NUR SO DAHINGESAGT

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