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Anmerkungen eines Medienmenschen

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Schneider&Raue: Wenn Blinde über Farbe schreiben

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Eigentlich sind Wolf Schneider, Paul Josef Raue und noch ein paar andere Veteranen der Journalistenausbildung schuld daran, dass ich mich rund ein Jahr lang mit vielen guten und netten Kollegen an das Projekt “Universalcode” gemacht habe. Die Idee entstand beim Durch-den-Wald-Joggen, nachdem ich Tags zuvor von einem Volontär bei einem Seminar den berechtigten Hinweis erhalten hatte, es sei für junge Journalisten nicht eben einfach, die Theorie in die Praxis umzusetzen. Schließlich gebe es dazu ja so gut wie keine brauchbare Literatur. Beim Joggen durch den Wald ging ich dann im Kopf mal durch, was es an Standards so gibt, wenn es um Multimedia, Online, Crossmedia, das ganze digitale Zeugs eben so geht. Und man kann es ahnen: Wäre mir wirklich viel eingefallen, gäbe es heute Universalcode nicht. Das, was mir an den Dingen einfiel, die man jungen Journalisten heute so gedankenlos hinwirft, will man ihnen Literatur empfehlen, lautet immer noch: Lies mal den Schneider. Oder die ganzen anderen.

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Schneider? Ich habe natürlich den gebührenden Respekt, den man als Journalist haben muss, habe mich aber schon immer furchtbar an dieser restlos unreflektierten Haltung gestört. Wenn Schneider das sagt, muss es ja richtig sein. Deswegen nennt man ihn gerne “Papst”. Raue ist zwar noch kein Papst, aber weil Päpste sich selten mit Priestern abgeben, müsste man Raue wenigstens als eine Art Kardinal bezeichnen. Jedenfalls sind die beiden bekannt genug, um für viele junge Journalisten immer noch als maßgeblich zu erscheinen. Zusammen haben Schneider und Raue schon vor Jahren ein “Handbuch des Journalismus” herausgebracht. Die neueste Ausgabe des Werks trägt inzwischen den Titel “Handbuch des Journalismus und des Onlinejournalismus”, was abgesehen von der etwas ungelenken Formulierung schon alleine im Titel verräterisch ist. So, als müsste man irgendwie hinzufügen, dass es da mit diesem Interdingens noch etwas gibt, was im weitesten Sinne auch noch mit Journalismus zu tun hat. Würde man Onlinejournalismus als etwas völlig Normales betrachten, es würde reichen, weiterhin von einem “Handbuch des Journalismus” zu sprechen. Niemand wäre früher auf die Idee gekommen, beispielsweise ein “Handbuch des Journalismus und des Zeitungsjournalismus” zu schreiben.

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Jetzt kommt der Teil, an dem es für mich schwierig wird. Es ist an sich eher ungehörig andere zu kritisieren, wenn man selber ein Buch zu einem ähnlichen Thema herausgegeben hat. Sicher sagen kann ich nur, dass ich den gleichen Beitrag auch schreiben würde, wenn es “Universalcode” nicht gegeben hätte, alles andere überlasse ich gerne Ihrer Beurteilung. Ich würde diesen Beitrag vor allem deshalb schreiben, weil ich es für ein Unding halte, wenn der Mann, der sich so gerne unwidersprochen “Papst” nennen lässt, mit seinem Adjutanten in einem der größten deutschen Verlage ein Buch veröffentlicht, von dem es nicht weniger heißt, als dass es der Standard in der Journalistenausbildung sei. Ein Buch, in dem hoffnungslos windschiefe Berufsbilder gezeichnet werden, ein Buch, das das Internet als eher lästige Begleiterscheinung darstellt, dennoch aber natürlich auch das “Handbuch des Onlinejournalismus” genannt wird. Und vor allem: ein Buch, das gerade in diesem Bereich vor Unkenntnis, platten Klischees und – auch das – schlampiger Recherche nur so strotzt.

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Hat er (gemeint ist ein Jungjournalist) seine Ausiedlerreportage am Samstag in der Zeitung nicht unterbringen können, versucht er es am Sonntag nochmal. In der schwach besetzten Online-Redaktion dürfte er Erfolg haben. Allerdings liest kein Redakteur seinen Text. Die Chance, dass ein User kritisiert, ist höher, als dass ein Redakteur das tut. Das Netz hat eben einen großen Bauch, es verschlingt selbst Texte und Bilder, die für eine Zeitung unverdaulich sind.

Was Schneider und Raue zu Beginn ihres Kapitels “Die Online-Redaktion” schreiben, klingt auf den ersten Blick nicht mal unplausibel. Wer wollte bestreiten, dass es solche Zustände gibt? Wer wollte allerdings umgekehrt bestreiten, dass nicht oder nur flüchtig redigierte Texte auch zum Repertoire einer kleinen Lokalredaktion gehören? Oder generell (leider) zum Standard von Unternehmen, wo Journalismus eher als billiges Material zum Füllen des Platzes zwischen den Anzeigen genutzt wird?  Wenige Absätze darauf beschreiben Schneider und Raue die technischen Mängel, die in vielen Onlineredaktionen herrschen, um zu dem Schluss zu kommen: “Nicht selten arbeiten Online-Redakteure mit schwächerer Technik als ihre Leser.” Auch das mag stimmen, aus meiner eigenen Erfahrung weiß ich aber auch, dass lahme Rechner und veraltete Software  keineswegs das Privileg von Onlineredaktionen sind. Mir fällt beispielsweise eine Tageszeitung im Südwesten ein, die noch immer ihre tägliche Arbeit auf Rechnern leistet, die auf Windows XP laufen. Oder eine große Tageszeitung im Süden, die mal eine Lieferung einer Agentur nicht entgegennehmen konnte, weil ihre Version der entsprechenden Software so veraltet war, dass nicht mal mehr ein Downgrade innerhalb der Agentur geholfen hätte, die Software wurde vom Hersteller nicht mehr supportet. Kurzum: Natürlich kann kann technische und personelle Mängelverwaltung in den Redaktionen gar nicht laut genug kritisieren. Ein Spezifikum des Onlinejournalismus sind sie keineswegs.

Aber sieht man von solchen Schwächen einmal ab: Um welch merkwürdige Haltung handelt es sich eigentlich, wenn zwei Journalistenausbilder jungen Journalisten die Vorzüge einer Onlineredaktion vor allem so anpreisen, als dass dort niemand gegenliest und man dort Texte, die für die hochwertige Zeitungsredaktion unverdaulich sind, irgendwie noch unterbringen kann? Online als Müllschlucker, als Resteverwerter, als Spielwiese, die Driving Range für alle, bei denen es für die journalistische Platzreife nicht ganz reicht? Doch ja, das glauben Schneider und Raue allen Ernstes – um es am Ende des Kapitels nochmal ausdrücklich zu bekräftigen (extra fett gesetzt): Wer diesen ganzen Technikkram also halbwegs beherrsche, der “hat als Anfänger große Chancen, zumal viele Zeitungsredakteure Online wenig achten und beachten”.

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Es gibt dafür sogar einen bekannten Kronzeugen: Thomas Knüwer. Knüwer? Aber ja doch. Unter dem Zwischentitel “Wie arbeitet eine Online-Redaktion” schreiben Schneider und Raue:

“Online-Redakteure sind die dummen Textschrubber, die nichts können”, sagt Ex-Handelsblatt-Redakteur Thomas Knüwer. Mit solch einer Arroganz urteilen Zeitungsschreiber nicht selten,  doch die Klage hat einen wahren Kern. Onliner schreiben unermüdlich Texte um, die sie als Rohfassung vom Newsdesk bekommen; sie kürzen, bearbeiten PR-Texte, indem sie zumindest die Quelle angeben; sie füllen eben das Internet und nicht selten tun sie es ohne Sinn und Verstand.”

Ob Schneider und Raue jemals eine Onlineredaktion von innen gesehen haben, mag man bezweifeln, aber man hat ja Knüwer als Kronzeugen dafür, dass Onliner oft “ohne Sinn und Verstand” das Netz vollschreiben. Und natürlich ist es restlos despektierlich, Sprachpäpsten etwas vom korrekten Zitieren zu erzählen, in diesem Fall muss es allerdings sein. Das korrekte Zitat Knüwers lautet:

 

Aber Onliner sind aus Sicht vieler Printkollegen nur die dummen Textschrubber, die nichts können.

Ein Unterschied? Aber gewiss. Zum einen ist es etwas grundlegend anderes, ob jemand sagt, Journalisten “sind” irgendwas. Oder ob man feststellt, dass andere behaupten, der Journalist sei irgendwas. Zum anderen muss man sich das Interview in seinem Kontext durchlesen, um schnell zu merken: In diesem Gespräch werden Missstände im Onlinejournalismus kritisiert, keineswegs aber behauptet, dass Journalisten in diesen Redaktionen dumme Textschrubber seien, die ihre Arbeit ohne Sinn und Verstand ausüben. Kleinkariert? Nein. Nicht, wenn es um einen Autor geht, der seit Jahrzehnten Journalisten penible Vorträge über die richtige Verwendung der deutschen Sprache hält. Davon abgesehen, dass es einigermaßen perfide ist, einen prominenten bekennenden Verlagskritiker und praktizierenden Onliner zum Kronzeugen für die Sinn- und Hirnlosigkeit des Onlinejournalismus machen zu wollen.

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Zugegeben, natürlich ist auch der User schuld am grassierenden Online-Elend. Schneider und sein Co-Schreiber halten deswegen auch noch die folgende Zustandschreibung fest:

  • Die meisten Leser wollen gar nicht mehr lesen, sie verzweifeln vor der Masse der Informationen – und wenden sich im Internet gleich den Vergnügungen und Zerstreuungen zu, die einen Mausklick entfernt liegen.
  • Der Dialog im Internet besteht zum Großteil aus Schwachsinn und Dampfplauderei; er kostet mehr Zeit als er Gewinn bringt.
Man liest das, die Kinnlade fällt runter — und man denkt unwillkürlich an die beiden älteren Herren aus der Muppetshow. Das Stereotyp des immerwährenden Unsinns im Netz ist auch von Schneider so oft wiederholt worden, dass es ihm selbst langsam langweilig vorkommen sollte. Und wenn es nicht so unpassend wäre, man würde ihm gerne den Text von Dirk von Gehlen aus dem “Universalcode” in die Hand drücken, ihn die Funktion des “Internet als Dialogmedium” lesen lassen und ihn bitten, dann vielleicht nochmal neu nachzudenken. Wäre aber nicht nur unpassend, sondern sinnlos: Man müsste von Schneider erwarten, dass er sich ein einziges Mal in seinem Leben selbst korrigieren würde. Vorher wächst einem Onliner Hirn, bevor Schneider das tun würde.
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Wenn man ein “neues Handbuch des (Online-)Journalismus” schreiben will,  muss man sich natürlich auch zu diesem Multimedia-Gedöns äußern. Videos beispielsweise. Ob Schneider und Raue jemals eine Videokamera in der Hand hatten, weiß man nicht (vermutlich: eher nein). Bei dem überbordenden Selbstbewusstsein der beiden ist das aber kein Hinderungsgrund, sich auch über das Thema Bewegtbild im Netz auszulassen. Die beiden wissen sehr gut, welche Voraussetzungen es dafür braucht:

“Doch nebenbei ist Fernsehen im Internet (sic!) nicht zu machen. Notwendig sind eine teure Kamera nebst Mikrofon und Kopfhörer, ein Laptop mit großem Speicherplatz, ein gutes Programm zum Schneiden des Rohmaterials, Routine und viel Zeit.”

Ich weiß nicht, was ich mehr bewundern soll: die Chuzpe, über Dinge, von denen man sehr offensichtlich nichts versteht, trotzdem einfach irgendwas zu schreiben. Oder den Mut, ohne irgendeine Recherche zum Thema ein paar steile Thesen aufzustellen. Was ich sicher weiß: Wenn mir ein Student in einer Hausarbeit die Grundlagen der Videoproduktion so erklären würde, wäre er glatt durchgerauscht. Bei Schneider und Raue und rororo wird daraus ein Lehrbuch, das sich als “Standard” bezeichnet. Unnötig zu sagen, dass die Ausführungen zum Thema Podcast von ähnlich dramatischer Sachkenntnis geprägt sind.

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Ja, und irgendwann muss man auch mal was zu Blogs und Social Media und Web 2.0 schreiben, Schneider kennt sich da aus:

Frage: Herr Schneider, lesen Sie Blogs?

Wolf Schneider: Ich benutze gar keinen Computer, aber meine Frau verfolgt ein Dutzend Blogs und Twitter und druckt mir das aus. Kein Tag, an dem ich nicht mindestens zwei Blogs lese.

Der Mann, der sich also mindestens zwei Blogs und ein bisschen Twitter ausdrucken lässt, schreibt jetzt auch über Blogs und Twitter.  Und er schreibt allen Ernstes:

Blog und Twitter haben aber ebenfalls ihre Unschuld längst verloren.  Mit beiden betrieb Obama Wahlkampf bis zur letzten Minute. (…)Beide Medien eignen sich also für eine kostenlose, allgegenwärtige politische Propaganda – in einem Umfang, den die Zeitungsjournalisten ihren Lesern großenteils ersparen.

Nein, das ist nicht (mehr) überraschend. Nicht, wenn man weite Teile dieses Buchs zum Thema “Online” gelesen hat. Das wäre auch alles nicht weiter schlimm, weil jeder denken und schreiben kann, was er will und niemand gegen seinen Willen zum digital native gemacht werden darf. Das Ärgernis ist ein anderes, größeres: Das ist kein kleiner Besinnungsaufsatz, den Schneider und Raue da auf den Markt gebracht haben. Sondern ein Buch, das mit vergleichsweise hoher Auflage jungen Journalisten als Einstiegslektüre in unseren Beruf verabreicht wird. Über das nicht groß nachgedacht und das nicht hinterfragt wird, weil da doch Schneider drauf steht. Das ist fahrlässig und ärgerlich zugleich. Jungen Journalisten, die noch Jahrzehnte ihres Jobs vor sich haben, wird mit diesem Handbuch ein Berufsbild vermittelt, mit dem sie keine fünf Jahre mehr überleben können.

Und irgendwie ertappt man sich bei dem dringenden Wunsch, der Papst und sein Kardinal würden langsam in den Ruhestand treten oder aber sich wenigstens die Mühe machen, sauber zu recherchieren, ordentlich zu zitieren und künftig nur noch über Dinge zu schreiben, von denen sie wirklich etwas verstehen.

Aber für Päpste ist so etwas wie Ruhestand ja nicht vorgesehen.

Written by cjakubetz

Januar 29th, 2012 at 5:31 pm

ElRep, die nächste: Das aktuelle Sportstudio

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Elektrischer Reporter – 025: Sport, Katzen und Sprache

Es gibt über Gamer eine ganze Menge Vorurteile – aber wie das eben bei Vorurteilen so ist: Sie sind immer nur ein bisschen wahr, wenn überhaupt. In Köln habe ich mich mit zwei Gamern getroffen, die erklären, warum Counterstrike & Co. auch nichts sehr viel anderes sind als, sagen wir, Fußball. Zu sehen in der neuen Folge vom Elektrischen Reporter. Wo es, wie immer, auch viel anderes sehenswertes digitales Zeugs gibt.

Written by cjakubetz

Dezember 15th, 2011 at 5:08 pm

Warum Universalcode nicht bei Amazon ist

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Zu Beginn die vielleicht wichtigste Mitteilung des Tages: Man kann Bücher, CD´s und so einen Kram auch woanders kaufen als bei Amazon. Das mag überraschend klingen, aber tatsächlich ist Amazon ebensowenig Monopolist wie Apple, Google oder Facebook. Man muss das schon alleine deshalb festhalten, weil die letzten Publikationen in “Spiegel” und “FAZ” ein bisschen so klangen, als sei der gemeine Webnutzer gefangen in einer vierköpfigen Krake, die den User als solchen nicht mehr auslässt und sich nebenher gegenseitig mit ihren vier Köpfen selbst auffrisst. Das ist ein bisschen so wie die gerne genommene Klage, dass es im Fernsehen auch nur noch Mist gibt — der Knopf rechts unten an der Kiste ist im Regelfall eine sehr gute Alternative.

Tatsächlich steht das alles hier nicht, um Ihnen Dinge zu sagen, die Sie möglicherweise selbst schon eine ganze Zeit lang geahnt haben. Es soll eher eine Erklärung sein, eine Antwort auf eine Frage, die ich merkwürdigerweise in den vergangenen Wochen und Monaten immer und immer wieder gehört habe:

Warum gibt es Universalocde nicht bei Amazon?

Antwort: Weil wir momentan nicht mögen.  In dem Zusammenhang finde ich es übrigens ein bisschen perfide, was Amazon antwortet, wenn man “Universalcode” als Suchabfrage eingibt:

Das ist zumindest in dieser Form blanker Unsinn. Natürlich ist Universalcode verfügbar. Nur nicht bei Amazon. Und auch nicht, weil wir Lieferprobleme hätten, sondern weil wir schlichtweg Amazon nicht beliefert haben. Das hat einen sehr simplen Grund: Die Konditionen, die Amazon “anbietet” (Angebot ist in diesem Fall eigentlich ein Euphemismus), sind schlichtweg so schlecht, dass wir die Bücher dann auch gleich fast verschenken könnten. Amazon verlangt als Umsatzbeteiligung so viel, dass der Amazon-Anteil der mit Abstand höchste (!) Kostenfaktor dieses Buchs wäre. Das ist absurd. Man sammelt also eineinhalb Dutzend Autoren ein, einen Lektor, eine Grafikerin, eine Klassefrau, die den Satz erledigt, arbeitet mit einem innovativen Verlag zusammen, sieht zu, dass man die Kosten weit unten hält — und bezahlt dann bei jedem Buch einen zweistelligen Betrag dafür, dass Amazon das Buch in eine Tüte packt und verschickt? Da regt sich der zugegeben große Trotzkopf in mir.

Wo es den Universalcode gibt

Euryclia: Manuskrpipte, Projekte, Universalcode — dann Warenkorb
Onlineshop DJV: Hier ist die direkte Ansicht mit Bestellmöglichkeit.

Direkt auf diesem Blog hier ist rechts oben ein Widget eingebaut. Warenkorb, bestellen, dann kommt das Buch sofort. Die meisten Autoren des Buchs haben das Widget ebenfalls eingebaut. Wenn Sie es einbauen wollen (10 Prozent Provision auf jedes verkaufte Buch): Im Widget finden Sie einen embedding code.

Und außerdem denkt sich der Trotzkopf in mir, dass das ja alles ein bisschen absurd ist: Wir jammern immer über die Marktmacht von Amazon & Co., sind aber dann nicht in der Lage, ein Buch mal woanders zu besorgen? Oder woanders zu suchen im Netz? Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Ich habe nichts gegen große Konzerne, ich nutze sie immer dann, wenn sie wirklich gute Produkte haben. Ich bin leidenschaftlicher Apple-Nutzer, nutze etliches von Google — und bestelle  fast nie bei Amazon. Aus Prinzip nicht. Das, was Amazon mir bietet, machen und können viele andere auch. Also nehme ich das im Zweifelsfall beim kleineren und wenn es sich einrichten lässt, gehe ich übrigens auch mal in einen Buchladen (finden Sie mit etwas Glück auch in einer Stadt Ihrer Nähe).

Ich würde sogar noch weiter gehen: Konditionen wie die von Amazon sind der Tod von jeglicher kleinerer Publizistik. Weswegen ich sie nicht unterstütze und schon gleich gar nicht, indem ich mein eigenes Buch in ein Großauslieferungslager in Bad Hersfeld gebe.Dann verzichte ich lieber auf ein paar verkaufte Exemplare.

Davon abgesehen: Ich glaube, das würde der Idee von Universalcode widersprechen. Wir predigen in diesem Buch immer und immer wieder von den neuen Zeiten und Möglichkeiten. Davon, dass wir uns als Journalisten selbst zur Marke machen können, dass wir keine Großverlage und Sender mehr brauchen, dass wir unsere eigenen Wege gehen können — und dann scheitern wir daran, dass wir es nicht schaffen, ein Buch außerhalb von Amazon zu bestellen? Liebe Freunde, sagt mir, dass das nicht wahr ist. Bis auf weiteres also: kein Amazon in diesem Haus. Sie würden dieser Idee sehr helfen, wenn Sie das an alle weitergeben — die immer noch dort nach “Universalcode” suchen.

Im Übrigen: Es gibt ein Widget auf dieser Seite hier (rechts oben). Darüber können Sie nicht nur bestellen — sondern es auch selbst einbauen. Für jedes Buch bekommen Sie 10 Prozent Provision. Und glauben Sie mir: Die bezahle ich Ihnen weitaus lieber als Amazon.

Written by cjakubetz

Dezember 15th, 2011 at 11:08 am

Universalcode zu Weihnachten (oder vielen anderen Anlässen)

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Foto: Dirk Kirchberg

Foto: Dirk Kirchberg

Endlich mal wieder unverschämt Werbung machen können: Weil ich in letzter Zeit oft gefragt worden bin, wie und wo man “Universalcode” bestellen kann und wir Amazon als Vertriebsweg momentan immer noch bewusst umgehen, kann man das Buch jetzt direkt hier ordern. Auf dieser Webseite. Schauen Sie mal nach rechts, rechts oben. Da ist so ein Widget, da bekommt man Leseproben und kann sich das dann auch gleich in den Warenkorb werfen. Versandkosten fallen nicht an. Und wer jetzt noch bestellt, hat was Hübsches unter dem Weihnachtsbaum liegen. (Das Widget gibt´s übrigens auch baugleich auf der Webseite zum Buch.)

Written by cjakubetz

Dezember 11th, 2011 at 11:33 am

Universalcode – die nächsten Stimmen

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Fast 600 Seiten – die muss man erst mal gelesen bekommen. Deshalb wundert es mich nicht so sehr, dass die ersten besprechungen und Meinungen zu “Universalcode” erst jetzt, rund vier Wochen nach dem Ausliefern der ersten Bücher, eintrudeln. Dafür sind wir alle, ohne Schummeln, mit den bisherigen Resonanzen und Reaktionen sehr zufrieden. Eine ausgiebige Rezension hat Jörg Eschenfelder geschrieben, sie lautet so:

Journalismus findet seit einigen Jahren eine rege Debatte über die Zukunft der Zunft statt. Hintergrund sind sinkende Anzeigenerlöse, Renditeerwartungen seitens der Verleger und Sender, die Gratiskultur des Internets sowie die neuen technischen Möglichkeiten. Die Journalisten stehen inmitten einer medialen Revolution und sind – ratlos. Mit «Universalcode» haben sich einmal mehr Christian Jakubetz, Ulrike Langer und Ralf Hohlfeld in diese Debatte eingebracht.

Der Titel ist ambitioniert: «Universalcode». So heißt das Buch, das nichts Geringeres behandelt als den «Journalismus im digitalen Zeitalter». Die Herausgeber Christian Jakubetz, Ulrike Langer und Ralf Hohlfeld haben dazu 17 Autoren eingeladen – Journalisten, Praktiker und Vordenker -, um über nahezu alle Aspekte des Journalismus im digitalen Zeitalter zu schreiben.

Dabei wird deutlich: Die Revolution im Journalismus ist eine Revolution der Produktions- und Publikationsbedingungen. Diese kann zu einer inhaltlichen führen, da nun mehr und andere Themen veröffentlicht werden können als bisher. Doch die Aufgaben, die Kompetenzen und Qualifikationen, die einen Journalisten definieren, werden sich auch in Zukunft nicht verändern: Geschichten zu erzählen, die das Leben schrieb. Geschichten, die auf überprüfbaren, verifizierten Fakten beruhen. Geschichten, die helfen, im Dickicht des Lebens ein klein wenig Orientierung zu finden.

Das wird bleiben. Ändern wird sich die Art und Weise, wie die Geschichten künftig erzählt und publiziert werden, sowie welche Geschichten künftig erzählt werden. Um diese Geschichten zu erzählen, stehen dem Journalisten stehen künftig im Grunde genommen alle Mittel und Wege offen: Text, Bild, Ton, Video – getrennt oder kombiniert. Am besten so, wie es die Geschichte erfordert.

Die neuen Möglichkeiten nutzen!

Ok, das ist nicht neu. Das gibt es schon länger: Aber erstmals sind die Hürden so niedrig (Smartphones reichen schon aus – so die Autoren von Universalcode), um alle Mittel zu nutzen. Oder anders ausgedrückt: Aus dem Spezialisten für Malerei, Druckgrafik oder Bildhauerei – wird der Allround-Künstler, der alle Werkzeuge einsetzt, um seine künstlerische (oder journalistische) Energie in Form zu bringen. Er muss nicht alle Formen nutzen, aber er kann. Es wird auch künftig Spezialisten geben.

Und: Der Journalist ist, um zu publizieren, nicht mehr von einem Verleger oder einer Sendeanstalt abhängig. Der Journalist kann im digitalen Zeitalter seine Geschichten traditionell oder vollkommen neu erzählen – und sie selber der Welt präsentieren.

Doch das journalistische Handwerk bleibt: Auswahl, Recherche, Erzählen. Die traditionellen Maßstäbe und Regeln für Qualität bleiben – auch im digitalen Zeitalter, ABER es kommen neue Möglichkeiten hinzu und die gilt es zu nutzen, mit denen gilt es zu spielen.

Das machen die Autoren im «Universalcode» deutlich. Die Lektüre macht Lust und Freude auf dieses Experimentieren. Sie gibt die Freiheit wieder, Geschichte doch einfach zu erzählen. Wie? Mit den Mitteln, die am besten geeignet und verfügbar sind. Das ist das große Plus von «Universalcode»: Die Lektüre macht den Blick frei – in einer oft quälenden, teils larmoyanten, teils sich im Kreis drehenden Medien-Debatte.

Feuer für den Beruf

Besonders wohltuend und inspirierend sind die Artikel von Christian Lindner («Macht Content, kein Layout – über den Wandel des Lokaljournalismus») und das Schlusswort von Richard Gutjahr («Nichts um seiner selbst willen»). Sie räumen das Gerümpel beiseite, zeigen, warum es einst schön war, Journalist zu werden: Rausgehen, Zeit haben, mit den Menschen reden und dann Geschichten erzählen. Sie zeigen, dass dies immer noch der Kern von gutem Journalismus ist. Sie zeigen, warum es immer noch wichtig und richtig und gerade mit den neuen technischen Möglichkeiten schön und spannend ist, Journalist zu sein. Das befeuert, macht Lust – und ist wohl die größte Hilfe für den Journalismus im digitalen Zeitalter. Denn ohne Feuer für den Beruf ist alles andere nichts.

Allerdings gibt es auch Schwachstellen. «Universalcode» liefert keine – wie sollte er auch – Antwort auf die Krise des Journalismus, die eine Krise seiner Finanzierbarkeit beziehungsweise eine Krise der Renditeerwartungen ist. Wie können, sollen Journalisten recherchieren, Geschichten erzählen, wenn die Verlage Honorare kürzen, alle Rechte einfordern, wenn der Wert guter Arbeit nicht mehr honoriert, aber dessen Qualität eingefordert wird? Der Verweis auf Unternehmerjournalismus und die Positionierung des (freien) Journalisten als «Marke» reicht da alleine nicht. Das ist ein alter Hut und wurde andernorts schon abgehandelt.

Unterm Strich bleibt: Der «Universalcode» ist lesenswert. Er fasst eine breite Debatte in einem Buch zusammen. Er zeigt die Probleme auf, weist in manchen Bereichen den Weg und macht bei anderen offenkundig, wie ratlos alle sind.

«Universalcode» ist nicht der goldene Weg in die Zukunft des Journalismus. Aber es ist der lobenswerte Versuch, im Dickicht gangbare Wege zu finden und zu weisen. Ob diese zum Ziel führen? Dafür gibt es keine Gewähr. Also, weg vom Schreibtisch und raus auf die Straße. Für Letzteres macht Universalcode auf jeden Fall Mut. Danke.

Mehr Meinungen zu Universalcode:

Written by cjakubetz

November 27th, 2011 at 9:26 pm

Was mit Universalcode

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Was mit Medien #260 – mit Grimme und Mozilla by wasmitmedien

Herr Pähler und Daniel Fiene haben sich für “Was mit Medien” das Thema “Universalcode” nochmal auf Wiedervorlage gelegt, nachdem die beiden schon vor einem Jahr das Thema behandelten, als es noch nicht sehr viel mehr als eine lose Idee war. Jetzt haben sie sich das fertige Buch nochmals vorgenommen und plaudern gewohnt unterhaltsam – nicht nur darüber, sondern auch über ganz vieles anderes. Wie immer schön zu hören, natürlich. Oder wie Herr Pähler sagen würde:  nett.

Written by cjakubetz

November 19th, 2011 at 5:28 pm

Universalcode – die ersten Meinungen

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Gunnar Jans hat seinen Universalcode im Strandkorb gelesen…

So langsam trudeln die ersten Stimmen zu “Universalcode” ein. Die Testleser haben ihre Exemplare bekommen, einer davon war AZ-Sportchef Gunnar Jans. Sein Urteil:

Ein Lehrbuch im Sinne von: Ausbildungsbuch? Für Neu- und Quereinsteiger? Vielleicht auch. Doch wenn ich mir die Print-Landschaft anschaue, sei der „Universalcode“ vor allem den etablierten Kollegen empfohlen, die glauben, längst alles zu kennen – und doch nicht wissen, wohin ihr Berufsweg noch führt.

Der „Universalcode“ sollte Standardwerk sein auf den Schreibtischen aller Ressortleiter und von dort aus mit (neugieriger) Leidenschaft ausprobiert werden – bevor bald schon ein Volontär kommt, der den digitalen Wandel längst lebt und den eindimensionierten Dinos von gestern den Chefsessel wegzieht.

Ich glaube an diesen Job, der trotz aller Untergangsszenarien ein Traumjob ist und bleibt. Und dafür liefert mir der „Universalcode“ auch im fortgeschrittenen Stadium mehr als eine Perspektive.

(Anmerkung: Universalcode-Herausgeber Christian Jakubetz ist Autor des Tribünenblogs auf der Homepage der ABENDZEITUNG, deren Sportteil ich verantworte. Hier und da hat er die AZ-Sportredaktion bei crossmedialen Projekten unterstützt. Im Gegenzug habe ich ihn bei Twitter und Foursquare zum Durchhalten ermuntert.)

Eine weitere kurze Besprechung hat uns der bloggende “Medientyp” gewidmet.

Written by cjakubetz

November 14th, 2011 at 10:38 pm

ElRep, die Nächste: Ein Blick nach Afrika

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Elektrischer Reporter – 020: Afrika, ein Ausweis und ausdehnendes Wissen

Zugegeben, für mich war es erst einmal ein sehr ungewöhnliches Thema: Afrika und das Netz – geht das? Ich war letztes Jahr in Südafrika und hatte das Gefühl, die Sache mit dem Internet sei eher ein Lotteriespiel. Aber wie das immer so ist mit den flüchtigen Urteilen, meistens stimmen Sie nicht. Aber sehen Sie selbst…ElRep, Folge 020.

Written by cjakubetz

November 9th, 2011 at 2:29 pm

Introducing Universalcode

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Das BASE_Camp in Berlin macht es möglich: Am 17. November werden wir ab 18.30 Uhr das Buch und das Projekt so halb öffentlich vorstellen, bei Facebook gibt´s eine entsprechende Event-Seite, eine ganze Menge Leute haben intern schon zugesagt, ein paar Plätzchen sind vielleicht noch frei. Wer Lust hat auf ein bisschen Buchplauderei, Hintergrundgespräche und Diskussionen – schnell noch eine Mail an cjakubetz (ät) gmail (dot) com und ich sehe zu, was sich unter Umständen und vielleicht noch machen lässt.

Written by cjakubetz

November 7th, 2011 at 9:36 pm

Universalcode bestellen – hier und woanders

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Und wieder ein kleiner Schritt für “Universalcode”: In den letzten Tagen gab es zunehmend Fragen und Irritiationen darüber, wie und wo man denn das Buch nun bestellen kann. Die Antwort ist einfach. Hier. Über dieses Widget. Dann landet die Bestellung unmittelbar beim Verlag, von dort aus wird umgehend ausgeliefert.

Generell noch eine Erläuterung zu Vertrieb und Verkauf: Das Buch ist zwar auch bei Amazon gelistet und wir werden Amazon irgendwann auch mal beliefern, wenn wir die Vorbestellungen abgearbeitet haben. Aber unsere oberste Präferenz ist Amazon nicht. Das Unternehmen nimmt sich von jedem Buch 55 Prozent (!) des Verkaufspreises. Ganz offen gesagt: Ein Buch, das wir über Amazon verschicken, ist fast so wie verschenkt. Deswegen versuchen wir ganz gezielt, eigene Vertriebswege aufzubauen – dieses Widget ist ein Bestandteil dessen.

Written by cjakubetz

November 3rd, 2011 at 9:19 am