Archive for the ‘LESETIPP’ Category
Apps: Wer macht was und wie (und warum)
In den letzten Tagen war hier ziemlich viel von Apps die Rede, von sehr guten bis hin zu, naja, nicht so guten. Nachdem es nun auch die Kollegen aus Frankfurt in die digitale Welt geschafft haben, gibt es drüben auf der Universalcode-Seite einen kleinen Überblick, wer auf dem Tablet gerade was macht. Die Frage nach dem “warum” und ob das alles so auch zukunftsfähig ist, bleibt naturgemäß offen.
Lesetipps: Dirk von Gehlen, Sebastian Christ
Zwei Journalisten, zwei, die machen statt reden. Und beide haben ein Buch geschrieben. Grund genug, sie an dieser Stelle kurz vorzustellen.
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Dirk von Gehlen, Mashup – Lob der Kopie (Suhrkamp):
Dirk von Gehlen gehört zu der Kategorie jener Journalisten, die man auf der Stelle als “Vordenker” bezeichnen könnte, wäre der Begriff nicht irgendwie etwas abgenutzt. Mit “jetzt.de” verantwortet Dirk das Angebot, mit dem die “Süddeutsche Zeitung” immer noch die beste Lösung für diese Zielgruppe hat, die es in Deutschland gibt. Konzept und tägliche Realisation zeigen, dass es eben doch möglich ist, auch als saturierte Tageszeitung ein ordentliches und zukunftsweisendes Angebot für eine junge Zielgruppe zu machen. Daneben bloggt Dirk mit seinen Digitalen Notizen intensiv über den digitalen Wandel und bringt dort in drei Beiträgen in schöner Regelmäßigkeit mehr kluge Gedanken unter als andere in drei Jahren. Mit “Mashup – Lob der Kopie” hat Dirk jetzt ein Buch vorgelegt, dessen Titel im Zeitalter des Leistungsschutzrechts erst einmal irritiert. Gemeint ist allerdings nicht das Lob des Kopierens im Guttenberg-Verständnis. Sondern der Gedanke des Teilens, des Remixens, des Mashups. Dirk hat sich mit interessanten Gesprächspartnern aus den verschiedensten Bereichen über deren Auffassung bzw. die Bedeutung des Mashups in deren Bereich unterhalten, sei es aus der Musik, aus der Medizin oder dem klassischen digitalen Leben. Am Ende steht ein kluges Plädoyer, dafür sich von unseren heutigen Maßstäben von unantastbaren Originalen zu verabschieden. Weil sie in einem Leben, in dem zwar alles geteilt werden kann, keinesfalls aber angetastet werden darf, nicht mehr relevant sind. So gut hat´s bisher noch keiner erklärt. Chapeaux!
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Sebastian Christ, Das Knurren der Panzer im Frühling (Droemer):
Ich weiß nicht, ob Sebastian Christ nach der nun folgenden Feststellung noch ein Wort mit mir sprechen wird. Aber wenn man Sebastian Christ sieht, kommt man nicht auf den Gedanken, dass es sich dabei um jemanden handeln könnte, der sich auf eigene Faust in Afghanistan rumtreibt. Sebastian Christ ist gerade mal 30, sieht aber zehn Jahre jünger aus. Doch der Eindruck täuscht. In den letzten Jahren war er mehrfach im Land, hat alle Feldlager der Bundeswehr bereist, Soldaten auf ihren Patrouillen begleitet. Herausgekommen ist ein Buch, das genau dadurch besticht: von den Erfahrungen von jemandem, der selbst da war. Was auch in einem anderen Kontext interessant ist: Gerade Journalisten glauben ja bis zum heutigen Tag noch, man könne nur ordentlichen Journalismus machen, wenn man eingebettet ist in die kuscheligen Strukturen einer Großredaktion eines Verlags oder Senders. Sebastian ist erst losgefahren und hat sich danach überlegt, wer das publizieren könnte. Was mir persönlich weitaus mehr imponiert als betreutes Pressereisen mit anschließenden “Das habe ich alles erlebt”-Erzählungen.
(Offenlegung: Ich kenne beide Autoren persönlich, Dirk ist u.a. mit einem Beitrag in “Universalcode” vertreten. Mit beiden verbindet mich ein tendenziell freundliches Verhältnis.)
WIRED und was der Herr Gutjahr schreibt
Nur noch dieses Wochenende — und danach liegt dann die deutsche Ausgabe von WIRED auf dem (Laden-)Tisch. Dass wir dabei natürlich auch einige hochkarätige Autoren von außen dabei hatten, ist vermutlich keine Überraschung. Interessant fand ich, über wen im Vorfeld spekuliert wurde; innerlich am breitesten gegrinst habe ich immer, wenn eine Spekulation so richtig daneben ging. Und richtig gefreut habe ich mich, dass Richard Gutjahr dabei war. Kleiner Hinweis in eigener Sache: Richard hat auch am “Universalcode” mitgeschrieben.
Ich mag an Richard, dass er zu den angenehmen Menschen gehört, die machen statt reden, die konstruktiv etwas versuchen und nicht lediglich nur den Stoiber spielen (“Ich sage meine Frau, was ich alles machen würde – und sie macht es dann”). Einen großen Teil seiner Zeit verbringt Richard in Israel, sein Beitrag für WIRED hat damit natürlich zu tun. Was und wie genau – bitte hier entlang,
Apples Welt
Warum einige unbedingt rein, andere unbedingt raus wollen und wie Apple den Journalismus und die Medien beeinflusst – hier habe ich ein bisschen was dazu aufgeschrieben.
“Befremdliche Diskussion in Medien-Deutschland”
Es ist eine befremdliche Diskussion, mit der sich Medien-Deutschland seit Anfang 2009 beschäftigt. Angetrieben von den Grossen der Branche, fordern die Presseverlage ein eigenes Leistungsschutzrecht. Was sie genau darunter verstehen, bleibt bis heute weitgehend im Dunkeln.
Es ist interessanterweise ein (ausländischer) Verlag, der das schreibt. Die NZZ über eine sehr deutsche und irgendwie kuriose Debatte.
Da-dam-da-dam-da-daaaa-daaa
Jedes andere Lebensmodell, ob Selbstständigkeit, Elternzeit oder auch Arbeitslosigkeit, kommt in der Welt von Bayern 3 nicht vor. Und die Moderatoren lassen keinen Zweifel daran, dass es eine entfremdete, von den Hörern zutiefst verachtete Arbeit ist, die verrichtet werden muss, während das Radio läuft. Sie selbst feiern ihre eigene Medienkarriere auf der Bayern-3-Homepage als pure Selbstverwirklichung, als die Erfüllung eines seit Schulzeiten gehegten Lebenstraums. Doch für die Hörer gilt genau das Gegenteil. Ins Büro gehen heißt für sie: sich jeden Morgen überwinden müssen und ab dem Mittagessen den Feierabend herbeisehnen.
Es sind ja nicht nur die immer gleiche Musik, der dröge Mix aus der besten Musik, dem besten Wetter, dem besten Verkehr und die ewig gleich flachen Moderatorenwitzchen, die diese Popwellen so schwer aushaltbar machen. Andreas Bernard beschreibt im SZ-Magazin vielmehr, warum Sender wie beispielsweise Bayern 3 gemacht sind für Menschen mit Doppelhaushälfte und VW Golf vor der Garage. Grandiose Geschichte!
Sonderformen des Irrsinns
Im Letzten handelt es sich nämlich um eine gruppentherapeutische Sitzung, die aber interessanterweise in vierfacher Hinsicht verändert wird. Zum einen ist der Zeitraum der Sitzung abnorm lang. Mehrere Wochen verbringen die Kandidatinnen und Kandidaten zusammen, sodass es zu abnormem Verhalten kommen muss, statt dass hier ein heilendes Geschehen überhaupt einsetzen könnte. Zum Zweiten ist ein solch heilsames Geschehen von den Machern der Sendung von vornherein gerade nicht intendiert. Während es in der Psychologie darum geht, Menschen aus dem reinen Agieren von Symptomen und Emotionen zu einem mitmenschlichen Verhalten und Sprechen zu führen, geht es beim Dschungel-Camp um das gegenteilige Muster: Je mehr und hysterischer vor allem die Kandidatinnen sich gebärden, umso besser für die Quote. Zum Dritten gibt es gerade keinen erfahrenen Gruppenleiter, der für Disziplin und Ordnung sorgt und mit seiner Autorität das Geschehen anleitet. Vielmehr ist jeder Kandidat zugleich Opfer und Täter, Sprechender und Besprochener, Mächtiger und Machtloser, Analysand und Analytiker; und viertens natürlich ganz entscheidend: Das intime Geschehen eines gruppendynamischen Prozesses wird bewusst aus seiner Intimität in die Öffentlichkeit gestellt, sodass es beim Zuschauer dessen voyeuristische Sehnsüchte bedient.
Was Sie schon immer über den RTL-Dschungel wissen wollten, sich aber nie zu denken trauten. Achtung: Das ist keine Satire. Glaube ich zumindest. Der Rest der Sonderformen des Irrsinns – hier.
Ein Tweet und seine Geschichte
Wollte ich eigentlich schon lange verbloggt haben, habe es aber einfach nicht geschafft: Die Produktionsfirma AVE macht derzeit Geschichten über Tweets — und deren Geschichte. Naheliegend, dass die Geschichte hinter der Kurzgeschichte in jeweils 140 Sekunden erzählt wird. Wer mitmachen oder einfach nur zuschaueh will: hier entlang.
Gutjahr in Ägypten
Auch wenn ironischerweise einer der größten Selbstdarsteller im deutschen Netz diese Aktion als “Selbstdarstellung” abtut, ich würde das gerne empfehlen: Richard Gutjahr ist auf eigene Faust nach Ägypten geflogen und bloggt von dort aus über das Land. Ich finde, dass man das unbedingt lesen sollte. Und Nico Lumma solange nicht weiter ernst nehmen sollte, solange seine Blogbeiträge darüber nicht mal erreichbar ist und er darüber einigermaßen larmoyant twittert.
Geschäftsführer Richard Gutjahr
Es ist ja schon immer wieder erstaunlich: Wenn es um Geschichten geht, die Blogger aufgedeckt haben (kommt ja eh nicht so rasend oft vor), dann sind Medien in der Nennung der Quellen eigenartig zurückhhaltend. Auch im neuesten Fall, als Richard Gutjahr recherchierte, wie sich WeTab selbst lobt, sind nicht wenige vorsichtig mit der Nennung des Namens. In der “Kölnischen Rundschau” wurde Gutjahr sogar zwischenzeitlich zum Geschäftsführer des WeTab-Unternehmens gemacht. Ulrike Langer dokumentiert hier, wie klassische Medien damit umgehen, wenn eine Geschichte von einem Blogger enthüllt wird.


