Kategorie: LESETIPP


Was von Deutschland übrig bleibt

19. März 2013 - 21:08 Uhr

Ich muss jetzt endlich mal, was ich mir schon lange vorgenommen hatte, unverblümt Werbung machen. Für ein Projekt im Besonderen, das ich großartig finde. Und generell für einen Kollegen/Bekannten, den ich persönlich sehr schätze und der schon einige Projekte gemacht hat, die mir ein gewisses Maß an Respekt abnötigen.  Da halte ich es sogar aus, dass er in Sachen Fußball so schrecklich daneben liegt und einen Verein namens Eintracht Frankfurt unterstützt; womöglich haben Sie von denen ja auch schon mal was gehört.

sebastian

Sebastian Christ ist momentan auf dem Weg durch Deutschland. Zu Fuß. Eine Wanderung quer durchs Land, durch die großen Städte ebenso wie durch Gegenden, die wir urbanen Irgendwasmenschen ja so gerne spöttisch belächeln und dann Provinz nennen. Manchmal veröffentlicht Sebastian längere Texte, manchmal nur Fotostrecken. Aber jeder Tag vermittelt Eindrücke von Deutschland, ohne irgendwelche Landlust-Beschönigungen, trotzdem aber so, dass man sogar Nordhessen plötzlich mögen könnte (das hatte ich bisher kategorisch ausgeschlossen). Am Ende der Wanderung steht dann hoffentlich ein Buch, in dem beschrieben wird, “was von Deutschland übrig bleibt”.

Unterstützen kann man diese Wanderung bei Startnext, das habe ich gerade eben getan. Ich glaube, dass es solche Projekte sind, für die Crowdfunding eine wunderbare Geschichte ist (dass ich mit meinem eigenen Kram für “Universalcode 2″ immer noch nicht zu Potte gekommen bin, ist dann wieder eine ganz andere Sache, dazu in den kommenden Tagen mehr). Helfen Sie also dem Wandersmann Sebastian mit ein paar Euro bei diesem Projekt – und uns allen ist damit auch geholfen: ein Grund weniger, über die öde Medienlandschaft in Deutschland zu lamentieren.

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Ein Lobolied auf das Netz

8. Oktober 2012 - 12:25 Uhr

Es ist vermutlich ziemlich einfach sich aufzuregen, wenn der Name Sascha Lobo fällt: Da kommt einer mit einer Optik daher, die allzu offenkundig darauf ausgerichtet ist, irgendwie Aufsehen zu erregen. Und da tritt jemand häufig mit Thesen und Attitüden auf, die ebenfalls offenkundig nach Aufmerksamkeit heischen. Und das Schlimmste daran: Lobo macht zum einen keinen Hehl darauf, irgendwie Aufmerksamkeit zu wollen und zum anderen – bekommt er sie auch noch.

Man könnte also lange debattieren über den mutmaßlich besten Selbstdarsteller im irgendwie deutsch sprechenden Netz, wenn bei dieser Debatte nicht etwas anderes restlos untergehen würde: Das Gesamtkunstwerk Lobo schreibt zunehmend wunderbar unaufgeregte Texte, dafür aber umso klarere Analysen und Beschreibungen unseres digitalen Lebens.Lobo kommt inzwischen aus ohne die unangenehm lauten und grotesken Rüpeleien von Digitalexistenzen, die auf ihrem Weg in die Zukunft irgendwo im Jahr 2004 stecken geblieben sind. Und Lobo ist zudem inzwischen zu so einer Art Internet-Beckenbauer geworden, der auch mal Schlechtes über die eigene Truppe sagen darf. Deswegen kann er sich auch erlauben, ein ganzes Buch über das Internet zu veröffentlichen, dessen Quintessenz eine ist, die man sich denken kann, wenn man noch halbwegs klar bei Verstand ist: Nicht alles, was Digital Natives sagen, ist immer richtig. Nicht alle Bedenken von Nonlinern kann man mal eben im Vorbegehen als unbegründet beiseite wischen. Das ist, wie gesagt, nicht sonderlich überraschend, immerhin aber in Zeiten, in denen die Debatten zwischen den On- und dem Off-Lager gelegentlich kriegsähnliche Zustände annehmen zumindest ungewöhnlich. Man muss vermutlich Lobo oder Beckenbauer heißen, um sich das zu trauen: an sich selbstverständliche Dinge beim Namen nennen.

Trotzdem ist „Internet – Segen oder Fluch“ ein gutes, ein lesenswertes Buch geworden, vor allem auch deshalb, weil es nicht von Sascha Lobo alleine stammt. Bei Kathrin Passig, die als „Co-Autorin“ höchst unzureichend beschrieben wäre, stelle ich mir deren Verstand immer wie den eines Rasiermessers vor, so präzise wie sie denkt und schreibt. Das ist vor allem dann gut, wenn Sascha Lobo gerade mal wieder beginnt, etwas arg großmeisterlich zu erzählen. Lobo und Passig erklären also die digitale Welt, so präzise, dass man auch als Einsteiger damit klarkommt, so unterhaltsam, dass man sich auch als Mitglied dieses Netzkrams gut unterhalten fühlt – und dennoch so klug und analysierend, dass man das Buch auch deswegen lesen sollte, weil es ein ernsthafter Debattenbeitrag ist.

Und weil es so wunderbar unaufgeregt ist. Das ist in Zeiten, in denen die bloße Erwähnung des Wortes „Internet“ für heftige Aufregung sorgt, eine nicht zu unterschätzende Annehmlichkeit.

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Die Netzgemeinde, die Wutbürger der Zukunft

9. April 2012 - 14:31 Uhr

Eigentlich ist die Sache ja nicht ungewöhnlich: Immer dann, wenn der Mensch vor großen Änderungen steht, mag er das nicht so recht wahrhaben. Die Grünen mussten sich mit ihren Ideen vor 20 Jahren noch als Spinner belächeln lassen, heute ist die “Netzgemeinde” die größte Bedrohung dieses Planeten. Warum sich das bald ändern wird und es zwischen Grünen, Piraten und Netzgemeinde eine ganze Menge Parallelen gibt – drüben im Cicero-Blog.

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Apps: Wer macht was und wie (und warum)

6. Dezember 2011 - 17:01 Uhr

In den letzten Tagen war hier ziemlich viel von Apps die Rede, von sehr guten bis hin zu, naja, nicht so guten. Nachdem es nun auch die Kollegen aus Frankfurt in die digitale Welt geschafft haben, gibt es drüben auf der Universalcode-Seite einen kleinen Überblick, wer auf dem Tablet gerade was macht. Die Frage nach dem “warum” und ob das alles so auch zukunftsfähig ist, bleibt naturgemäß offen.

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Lesetipps: Dirk von Gehlen, Sebastian Christ

1. Oktober 2011 - 11:53 Uhr

Zwei Journalisten, zwei, die machen statt reden. Und beide haben ein Buch geschrieben. Grund genug, sie an dieser Stelle kurz vorzustellen.

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Dirk von Gehlen, Mashup – Lob der Kopie (Suhrkamp):

Dirk von Gehlen gehört zu der Kategorie jener Journalisten, die man auf der Stelle als “Vordenker” bezeichnen könnte, wäre der Begriff nicht irgendwie etwas abgenutzt. Mit “jetzt.de” verantwortet Dirk das Angebot, mit dem die “Süddeutsche Zeitung” immer noch die beste Lösung für diese Zielgruppe hat, die es in Deutschland gibt. Konzept und tägliche Realisation zeigen, dass es eben doch möglich ist, auch als saturierte Tageszeitung ein ordentliches und zukunftsweisendes Angebot für eine junge Zielgruppe zu machen. Daneben bloggt Dirk mit seinen Digitalen Notizen intensiv über den digitalen Wandel und bringt dort in drei Beiträgen in schöner Regelmäßigkeit mehr kluge Gedanken unter als andere in drei Jahren. Mit “Mashup – Lob der Kopie” hat Dirk jetzt ein Buch vorgelegt, dessen Titel im Zeitalter des Leistungsschutzrechts erst einmal irritiert. Gemeint ist allerdings nicht das Lob des Kopierens im Guttenberg-Verständnis. Sondern der Gedanke des Teilens, des Remixens, des Mashups. Dirk hat sich mit interessanten Gesprächspartnern aus den verschiedensten Bereichen über deren Auffassung bzw. die Bedeutung des Mashups in deren Bereich unterhalten, sei es aus der Musik, aus der Medizin oder dem klassischen digitalen Leben.  Am Ende steht ein kluges Plädoyer, dafür sich von unseren heutigen Maßstäben von unantastbaren Originalen zu verabschieden. Weil sie in einem Leben, in dem zwar alles geteilt werden kann, keinesfalls aber angetastet werden darf, nicht mehr relevant sind. So gut hat´s bisher noch keiner erklärt. Chapeaux!

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Sebastian Christ, Das Knurren der Panzer im Frühling (Droemer):

Ich weiß nicht, ob Sebastian Christ nach der nun folgenden Feststellung noch ein Wort mit mir sprechen wird. Aber wenn man Sebastian Christ sieht, kommt man nicht auf den Gedanken, dass es sich dabei um jemanden handeln könnte, der sich auf eigene Faust in Afghanistan rumtreibt. Sebastian Christ ist gerade mal 30, sieht aber zehn Jahre jünger aus. Doch der Eindruck täuscht. In den letzten Jahren war er mehrfach im Land, hat alle Feldlager der Bundeswehr bereist, Soldaten auf ihren Patrouillen begleitet. Herausgekommen ist ein Buch, das genau dadurch besticht: von den Erfahrungen von jemandem, der selbst da war. Was auch in einem anderen Kontext interessant ist: Gerade Journalisten glauben ja bis zum heutigen Tag noch, man könne nur ordentlichen Journalismus machen, wenn man eingebettet ist in die kuscheligen Strukturen einer Großredaktion eines Verlags oder Senders. Sebastian ist erst losgefahren und hat sich danach überlegt, wer das publizieren könnte. Was mir persönlich weitaus mehr imponiert als betreutes Pressereisen mit anschließenden “Das habe ich alles erlebt”-Erzählungen.

(Offenlegung: Ich kenne beide Autoren persönlich, Dirk ist u.a. mit einem Beitrag in “Universalcode” vertreten. Mit beiden verbindet mich ein tendenziell freundliches Verhältnis.)

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WIRED und was der Herr Gutjahr schreibt

3. September 2011 - 20:21 Uhr

Nur noch dieses Wochenende — und danach liegt dann die deutsche Ausgabe von WIRED auf dem (Laden-)Tisch. Dass wir dabei natürlich auch einige hochkarätige Autoren von außen dabei hatten, ist vermutlich keine Überraschung. Interessant fand ich, über wen im Vorfeld spekuliert wurde; innerlich am breitesten gegrinst habe ich immer, wenn eine Spekulation so richtig daneben ging. Und richtig gefreut habe ich mich, dass Richard Gutjahr dabei war. Kleiner Hinweis in eigener Sache: Richard hat auch am “Universalcode” mitgeschrieben.

Ich mag an Richard, dass er zu den angenehmen Menschen gehört, die machen statt reden, die konstruktiv etwas versuchen und nicht lediglich nur den Stoiber spielen (“Ich sage meine Frau, was ich alles machen würde – und sie macht es dann”). Einen großen Teil seiner Zeit verbringt Richard in Israel, sein Beitrag für WIRED hat damit natürlich zu tun. Was und wie genau – bitte hier entlang,

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Apples Welt

4. April 2011 - 14:35 Uhr

Warum einige unbedingt rein, andere unbedingt raus wollen und wie Apple den Journalismus und die Medien beeinflusst – hier habe ich ein bisschen was dazu aufgeschrieben.

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“Befremdliche Diskussion in Medien-Deutschland”

15. Februar 2011 - 10:59 Uhr

Es ist eine befremdliche Diskussion, mit der sich Medien-Deutschland seit Anfang 2009 beschäftigt. Angetrieben von den Grossen der Branche, fordern die Presseverlage ein eigenes Leistungsschutzrecht. Was sie genau darunter verstehen, bleibt bis heute weitgehend im Dunkeln.

Es ist interessanterweise ein (ausländischer) Verlag, der das schreibt. Die NZZ über eine sehr deutsche und irgendwie kuriose Debatte.

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Da-dam-da-dam-da-daaaa-daaa

12. Februar 2011 - 10:11 Uhr

Jedes andere Lebensmodell, ob Selbstständigkeit, Elternzeit oder auch Arbeitslosigkeit, kommt in der Welt von Bayern 3 nicht vor. Und die Moderatoren lassen keinen Zweifel daran, dass es eine entfremdete, von den Hörern zutiefst verachtete Arbeit ist, die verrichtet werden muss, während das Radio läuft. Sie selbst feiern ihre eigene Medienkarriere auf der Bayern-3-Homepage als pure Selbstverwirklichung, als die Erfüllung eines seit Schulzeiten gehegten Lebenstraums. Doch für die Hörer gilt genau das Gegenteil. Ins Büro gehen heißt für sie: sich jeden Morgen überwinden müssen und ab dem Mittagessen den Feierabend herbeisehnen.

Es sind ja nicht nur die immer gleiche Musik, der dröge Mix aus der besten Musik, dem besten Wetter, dem besten Verkehr und die ewig gleich flachen Moderatorenwitzchen, die diese Popwellen so schwer aushaltbar machen.  Andreas Bernard beschreibt im SZ-Magazin vielmehr, warum Sender wie beispielsweise Bayern 3 gemacht sind für Menschen mit Doppelhaushälfte und VW Golf vor der Garage. Grandiose Geschichte!

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Sonderformen des Irrsinns

7. Februar 2011 - 10:28 Uhr

Im Letzten handelt es sich nämlich um eine gruppentherapeutische Sitzung, die aber interessanterweise in vierfacher Hinsicht verändert wird. Zum einen ist der Zeitraum der Sitzung abnorm lang. Mehrere Wochen verbringen die Kandidatinnen und Kandidaten zusammen, sodass es zu abnormem Verhalten kommen muss, statt dass hier ein heilendes Geschehen überhaupt einsetzen könnte. Zum Zweiten ist ein solch heilsames Geschehen von den Machern der Sendung von vornherein gerade nicht intendiert. Während es in der Psychologie darum geht, Menschen aus dem reinen Agieren von Symptomen und Emotionen zu einem mitmenschlichen Verhalten und Sprechen zu führen, geht es beim Dschungel-Camp um das gegenteilige Muster: Je mehr und hysterischer vor allem die Kandidatinnen sich gebärden, umso besser für die Quote. Zum Dritten gibt es gerade keinen erfahrenen Gruppenleiter, der für Disziplin und Ordnung sorgt und mit seiner Autorität das Geschehen anleitet. Vielmehr ist jeder Kandidat zugleich Opfer und Täter, Sprechender und Besprochener, Mächtiger und Machtloser, Analysand und Analytiker; und viertens natürlich ganz entscheidend: Das intime Geschehen eines gruppendynamischen Prozesses wird bewusst aus seiner Intimität in die Öffentlichkeit gestellt, sodass es beim Zuschauer dessen voyeuristische Sehnsüchte bedient.

Was Sie schon immer über den RTL-Dschungel wissen wollten, sich aber nie zu denken trauten. Achtung: Das ist keine Satire. Glaube ich zumindest. Der Rest der Sonderformen des Irrsinns – hier.

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