Kategorie: NUR SO DAHINGESAGT


Mein Telekom-Tagebuch (6): (Hier bitte weißen Fleck vorstellen)

5. Oktober 2012 - 19:14 Uhr

30.9. bis 5.10.2012: Freue mich diebisch, untenstehend die kürzeste Wochenzusammenfassung meiner journalistischen Laufbahn präsentieren zu können:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Apple-Marketing reicht weiter als man dachte

2. Oktober 2012 - 9:10 Uhr

Meine Güte. Die manipulieren wirklich Journalisten auf der ganzen Welt. (Foto: Natalie Amiri).

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Mein Telekom-Tagebuch (5): Jubiläum!

1. Oktober 2012 - 8:43 Uhr

1.10. 2012: Feiere mit mir alleine Jubiläum. Ein Monat ohne Telefon und Netz.Noch aber steht das Versprechen von @Telekom_hilft: Da soll jetzt dann mal was passieren in den nächsten zwei Wochen. Habe aber bisher nichts Konkretes gehört. Außer einer Mail vom Kundenservice, dass man an der Sache dran sei, das alles aber noch ein wenig dauern könne. Rechne kurz hoch: Wenn alles gut geht (aber nur dann!),  könnte ich innerhalb von gerade mal sechs Wochen Telefon und Netz haben. Weiß gar nicht, was diese ganzen Motzer haben. Geht doch!

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Die E-Paper-Dinos und das Rendezvous mit dem Schrotthaufen

28. September 2012 - 7:11 Uhr

Der Richter am Landgericht Köln könnte einem leid tun: Oft und klar genug hatte er im Vorfeld der Verhandlung der Klage von acht Zeitungsverlagen gegen die App der “Tagesschau” betont, eigentlich kein Urteil sprechen zu wollen. Die Verlage blieben bei ihrer Klage – und bekamen jetzt das, was diese Klage verdient: Ein Urteil, das keines ist. Zwar entschied das Gericht, dass die App in der Fassung vom 15. Juni 2011 gegen den Rundfunkstaatsvertrag verstoße und ein Unterlassungsanspruch der klagenden Verlage gerechtfertigt sei. Aber: eben nur diese eine App, eben nur von diesem einen Tag. Ein genereller Unterlassungsanspruch ergibt sich daraus also nicht, wie das Gericht ausdrücklich betonte – und ein wie auch immer geartetes “Verbot” der App schon gleich gar nicht. Das mag man sich jetzt aus Sicht des Klägers irgendwie schönreden, tatsächlich aber ist seit diesem Tag im Juni einiges passiert, die App der Tagesschau reduziert worden, kurz gesagt: Das Gericht urteilte über ein Produkt, wie es inzwischen gar nicht mehr existiert.

Von der rechtlichen Bewertung abgesehen (persönlich finde ich ja, dass sich das Gericht ausgesprochen elegant aus der Affäre gezogen hat) – es wäre sehr viel interessanter, sich dem Thema mal von der praktischen Seite her zu nähern. Von den Konsequenzen also, die es hätte, wenn es denn so käme und die Tagesschau die App so gestalten müsste, dass sogar der lauteste FAZ-Schreihals zufrieden ist, der hinter jeglicher Aktivität öffentlich-rechtlicher Sender die baldige Einrichtung einer Staatspresse wittert. Und schauen wir zudem doch auch mal, wie die um ihren eigenen Erhalt so lautstark buhlende Qualitätspresse mit dem Urteil journalistisch umgeht. Die Zeitung der klugen Köpfe beispielsweise behauptet nunmehr befreit von allen journalistischen Maßstäben, das Urteil sei ein “Sieg der Verlage”, das Urteil aus Köln sei “überraschend klar”, die App sei generell presseähnlich, das dürfe demnach nicht sein. Da wüsste man schon gerne, ob der Autor das Urteil wahlweise nicht verstanden oder nicht gelesen hat. Oder ob sie in Frankfurt so gejubelt haben, dass die Feinheiten des Urteils ein wenig untergegangen sind. Oder ob das Wunschdenken jetzt schon so ausgeprägt ist, dass alle anderen Aspekte ausgeblendet werden. (Die Kollegen der SZ haben das übrigens sehr viel sauberer und differenzierter getan, obwohl auch der Süddeutsche Verlag zu den Klägern gehörte).

Aber wenn wir schon bei der FAZ sind und ihr diese kleinen journalistischen Unsauberkeiten mal freundlich nachsehen – was würde denn jetzt wohl passieren, wenn die Tagesschau-App verboten würde (was das Gericht ja kategorisch ausgeschlossen hat)? Man darf ja davon ausgehen, dass es den klagenden Verlagen nicht nur um die generelle Einhaltung des Rundfunkstaatsvertrags ging, sondern in erster Linie darum, unliebsame und kostenlose Konkurrenz irgendwie zu unterbinden. Die stark vereinfachte Logik lautet: Wenn die Leute die kostenlose Tagesschau-App nicht mehr nutzen, dann bezahlen sie Geld für die FAZ-App. Das wäre sogar wenigstens ein bisschen nachvollziehbar, wenn es ein vergleichbares Angebot der FAZ gäbe. Das ist nur leider ganz und gar nicht so. Die Tagesschau-App sieht nämlich so aus:

Die FAZ präsentiert sich auf dem Tablet so:

Kurz zusammengefasst also mehreres: Die “Tagesschau” bietet eine multimediale, interaktive, journalistisch hochwertige App. Die FAZ bietet ein e-Paper. Die “Tagesschau” hat für ihr Angebot einen Grimme-Preis bekommen, bei der FAZ käme vermutlich nicht mal Frank Schirrmacher auf die Idee, einen solchen für ein e-Paper zu fordern. Die Tagesschau-App läuft (zumindest bei mir) einwandfrei, die der FAZ stürzt ab (zumindest bei mir) und berechnet dann auch gerne mal den Preis von 10 für 1. Wenn man also den rechtlichen Aspekt außen vor lässt, dann ist es schon erstaunlich, dass die FAZ ihre App überhaupt als Konkurrenz oder als Alternative zur Tagesschau sieht. Oder nochmal andersrum gedacht: Wenn ich die multimediale App der Tagesschau nicht mehr bekomme, lese ich stattdessen ein e-Paper? Die FAZ will Multimedia verhindern, um Monomedia durchzusetzen? Oder welche tiefere Sinn steckt dann hinter der Klage?

Bevor das hier zu polemisch wird: Natürlich wird die FAZ (oder wer auch immer) keine  einzige App mehr verkaufen, wenn die “Tagesschau” jetzt irgendwie weniger Texte veröffentlichen darf. Der weitgehende Misserfolg im digitalen Geschäft vieler Verlage (auch bei den klagenden) ist ja nicht der herausragenden Stärke der Konkurrenz, sondern der eigenen Schwäche geschuldet. Was stattdessen passiert: Mit sinnlosen Klagen gegen die Öffentlich-rechtlichen oder auch für ein Leistungsschutzrecht werden Innovation und Multimedialität blockiert statt entwickelt. Deutschland wird irgendwo ins graue Mittelfeld digitalen Publizierens geschleudert – von denjenigen, die ansonsten in ihren Publikationen lautstark fordern, wie sehr sich das Land und manchmal sogar nur irgendwelche armen Hartz4-Empfänger anpassen und erneuern müssten. Sie selbst hingegen wollen das Bewährte bewahren, zur Not mit irgendwelchen Klagen. Es ist dieses seit Jahren anhaltende Muster, das so ärgerlich ist. Und dass letztlich (das ist ja wieder das Tröstende daran) dafür sorgen wird, dass die E-Paper-Protagonisten irgendwann genauso auf dem Müllhaufen der Geschichte landen werden wie die Industriedinos, denen sie das in ihren klugen Leitartikeln immer prophezeit haben.

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Mein Telekom-Tagebuch (4): In der Doppelzange

26. September 2012 - 8:20 Uhr

25. September, 7 Uhr: Erster Mailcheck des Tages.Post von der de facto tot geglaubten Kundenbetreuung. Lese zitternd, was man mir schreibt:

Sehr geehrter Herr Jakubetz,

Sie haben bisher noch keine Antwort von uns erhalten – bitte entschuldigen Sie.

Ihr Anliegen ist bereits in Arbeit, jedoch benötigen wir noch etwas Zeit. Wir melden uns bei Ihnen, sobald Ihr Anliegen erledigt ist.

Bei Rückfragen per E-Mail geben Sie bitte unsere Bearbeitungsnummer  an.

Mit freundlichen Grüßen

Kundenservice

Denke spontan an “Nummer 5 lebt”.

8 Uhr: Der Konzern nimmt mich in die kommunikative Doppelzange. Direct Message von @Telekom_hilft:

Bemerke, wie mir spontan Tränen in die Augen steigen. Erwäge, ein Drehbuch für ein Hollywood-Drama zu schreiben. Die Geschichte der erstaunlichen Rettung eines verschütteten Minenarbeiters scheint mir ein Dreck gegen so viel Emotion.  Vereinbare mit zitternden Fingern Telefonat für 12.30 Uhr.

12.31 Uhr: Anruf von @Telekom_hilft. Daten seien jetzt wieder aufgefunden, welchen Tarif ich denn gerne hätte? Kann mein Glück noch kaum fassen. Dame am Ende der Leitung verspricht baldmöglichste Bearbeitung und möglicherweise schon im Oktober einen funktionierenden Anschluss. Mein Leben wendet sich zum Guten. Wäre da nicht dieser verräterische Schlusssatz: “Wenn es noch Probleme gibt, habe ich ja Ihre Handynummer…”

26. September: Beginn des 26. internet- und telefonlosen Daseins. Noch kein Posteingang bisher. Entschließe mich, das vorerst für ein gutes Zeichen für halten. Mitglied des Geheimbundes meldet sich. Angeblich gehen bei ihm Telefon und Internet einwandfrei. Erwäge kurzzeitig einen Kontrollanruf, lasse es dann aber bleiben. Die eine oder andere Illusion muss der Mensch ja behalten. Melde in jedem Fall Vollzug, falls hier jemals Vollzug zu melden ist.

 

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Mein Telekom-Tagebuch (3): Kein Schwein ruft mich an…

24. September 2012 - 15:47 Uhr

24. September: Tag 24 des neuen Dramas “Warten auf Telekom”. Gespannt aufgewacht, nach unruhiger Nacht mit Träumen von Surfsticks und gedrosselten Geschwindigkeiten. Dennoch in freudiger Erwartung. Frau @Telekom_hilft hat angekündigt, heute zu helfen. Wenn die Datenbank geht. Wenn!

9 Uhr: T-Mobile nimmt mich gemeinsam mit der Konzernmama in die Mangel. “Sie surfen jetzt mit reduzierter Geschwindigkeit”, sagt das iPhone. Mist. Wieder eine Netzquelle weniger.

10 Uhr: Mein zwischenzeitlich gekaufter O2-Stick verkündet: Sie surfen jetzt mit reduzierter Geschwindigkeit. KO2misch, wie schnell fünf Gigabyte weg sind.  Gerade mal drei Tage.

11 Uhr: Der Congstar-Stick sagt dasselbe. Meine Online-Existenz besteht aktuell aus drei gedrosselten Geschwindigkeiten. Hätte nicht gedacht, dass es das gibt. Im Jahr 2012. Mitten in einer Großstadt.  Telekom hilft, du rettender Engel, hilf mir!

12 Uhr: Mittagspause. Ziehe in Erwägung, etwas zu kochen, das braucht wenigstens kein Datenvolumen.

13 Uhr: Im Horoskop steht, heute wird es zu schönen Überraschungen kommen. Sollte sich die Telekom heute doch melden? Oder ist das einfach ironisch zu lesen?

14 Uhr: Glaube an letzteres. Kein Anruf von der Telekom. Keine Hilfe. Kein Ende der Ödnis in Sicht.

14.15 Uhr: Es regnet. Angekündigt waren 26 Grad. Wusste nicht, dass die Telekom jetzt auch schon Einfluss aufs Wetter hat.

15 Uhr: Es regnet immer noch.

16 Uhr: Regen.

17 Uhr:  Summe leise “Kein Schwein ruft mich an” vor mich hin. Gehe davon aus, dass auch Tag 25 internetlos sein wird. Beschließe innerlich: Diese Woche habt ihr noch, Telekom. Danach…versuche ich es bei jemand anderem. Bin ja jung und habe Zeit.

(Fortsetzung folgt leider).

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Mein Telekom-Tagebuch (2): Neues aus dem Geheimbund

20. September 2012 - 18:44 Uhr

19. September: Lerne, dass sie bei der Telekom_hilft-Truppe auch dann gute Laune versprühen, wenn es eigentlich gar keinen Grund gibt, guter Laune zu sein. Geht aber vermutlich nicht anders, wenn man Tag für Tag unglaubliche Dinge einer staunenden Kundschaft erklären muss, für die man nix kann und über die man vermutlich selbst kotzen möchte. Telekom-Tag 19 beginnt jedenfalls mit einem Tweet, bei dem man sofort die zurückliegenden 18 Tage vergisst.

Überlege kurzfristig, ob der Tweet leichte Spurenelemente von Ironie enthält. Glaube dann aber wieder fest an die völlige Ironiebefreitheit von ehemaligen Staatsbetrieben. Beschließe deshalb, zu lächeln und mir von der Telekom mal richtig ordentlich gute Stimmung machen zu lassen. Warte deshalb auf in DM angekündigten Anruf.

14 Uhr: Anruf kommt. Dame am anderen Ende der Leitung würde vermutlich sogar Selbstmordkandidaten wieder aufrichten. Klingt überaus fröhlich, ernsthaft gut gelaunt. Beschließe, beim nächsten Mal Maybrit Illner zu fragen, welche Drogen ihr Mann an die Mitarbeiter ausgibt. Solche will ich auch!

14.10 Uhr: Nach kurzen Exkursionen darüber, dass erstaunlich viele Menschen ein Telefon namens iPhone 5 haben wollen (den Namen muss ich merken, scheint neu zu sein), kommt der Kern der Sache. Bei der Telekom ist eine Datenbank kaputt. Darum konnte der Kollege von Igelputz auch nicht nachschauen. Wenn ich das recht verstehe, dann kann die Telekom momentan nicht eine einzigen Neuanschluss vernünftig ausführen.

14.11 Uhr: Nachfrage ergibt: Ich verstehe wohl richtig.

14.12 Uhr: T-Dame meint, am Montag sollte die Datenbank wieder gehen. Dann schaut sie sofort nach. Überschlage kurz: Zwischen Auftrag und der Feststellung, ob der Antrag auch angekommen ist, liegen dann 24 Tage. Aber man soll ja nichjt klagen, in der DDR haben Menschen viele Jahr auf ihr Telefon gewartet.

15 Uhr: Stelle fest, dass der Mailkontakt zum Kundenservice offenbar zum Erliegen gekommen ist. Jetzt heißt es, alle Kräfte zu bündeln und sich voll auf die Twitter-Dame zu konzentrieren! Ob ich ihr Blumen schicken soll?

17 Uhr: Habe Geheimbund gegründet. Anonyme Telekom-Opfer. Erstes Mitglied will aufgenommen werden, obwohl es a.) bereits nach 3 Wochen und schon nach zwei telefonischen Nachfragen eine Auftragsbestätigung und b.) auch einen Termin hat. 20.9., zwischen 14 und 16 Uhr. Überlege ernsthaft, die Aufnahme zu verweigern, entscheide mich dann aber anders. Außergewöhnliche Zeiten erfordern außergewöhnliche Maßnahmen!

20. September, 12 Uhr: Herr Obermann hat anscheinend wieder Dienstdrogen ausgegeben. Die fröhliche Frau von gestern ruft wieder an. Teilt mit, dass die Datenbank kaputt ist. Hat aber trotzdem woanders nachgeschaut. Demnach hat es mich nie gegeben. Also, meinen Auftrag nicht. Weg. Aufgelöst im Obermann-Nirvana und den Nebel der Illner. Oder so. Die lustige Frau verspricht aber, mich am Montag wieder anzurufen, wenn die Datenbank wieder geht. Dann wird sie meinen Auftrag höchstpersönlich nochmal neu aufnehmen. Wage die Frage nicht zu stellen, was eigentlich passiert, wenn die Datenbank am Montag nicht geht.

19 Uhr: Mitteilung vom Geheimbundmitglied. Telekom hat heutigen Termin nicht wahrgenommen. Kein Telefon, kein Internet, kein Radio, kein Fernsehen. Begründung keine, offizielle Absage auch nicht. Man sollte über eine Ehrenitgliedschaft nachdenken, das ist schon ganz nah an meiner eigenen Geschichte. Oder aber einfach nur: Telekom im täglichen Leben.

(Fortsetzung folgt leider).

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Mein Telekom-Tagebuch (1)

18. September 2012 - 21:43 Uhr

1. September 2012, ca 21 Uhr: Umzug nach München geschafft. In meiner Wohnung in Deutschlands Medien-, Technik-, Lifestyle-, Fußball- und Allesandere-Metropole fehlen nur noch belanglose Kleinigkeiten. Internet, Fernsehen, Radio, Telefon. Habe aber von einem Konzern gelesen, er biete das alles aus einer Hand an. Ein Klacks. Ab auf die Webseite. Gerade mal 312 Klicks später das passende Angebot gefunden. Internet, Fernsehen, Radio, Telefon, alles aus einer Hand, aus einer Dose.  Soll gerade mal zwei bis drei Wochen dauern, nehme ich aber in Kauf. Schließlich geht dann sogar zeitversetztes Fernsehen.

21.10 Uhr: Stelle fest, dass ich eigentlich so gut wie nie fernsehe und kaum Radio höre. Macht nichts. Die Verlockung, künftig zeitversetzt nichtfernsehen zu können, ist zu stark. Schicke die Bestellung ab und fühle mich endlich wieder wie richtig dahoam. Telekom dahom, sozusagen.

21.15 Uhr: Stromberg würde jetzt sagen: läuft! Automatisierte Mail der Telekom ist eingetroffen, wonach mir bestätigt wird, dass ich eine Bestellung aufgegeben habe.

21.16 Uhr: Kurzes Zusammenzucken. Da steht auch sinngemäß, dass das noch nichts zu sagen hat. Erst wenn ich auch eine Auftragsbestätigung habe, gilt die Bestellung als verbindlicher Auftrag. Ach so.

2. September, 3.37 Uhr: Schweißgebadet aufgewacht. Was, wenn jetzt die Telekom keine Auftragsbestätigung schickt. Verwerfe den Gedanken wieder, schimpfe mich selbst einen Verschwörungstheoretiker und schlafe danach beruhigt weiter. Von Manfred Krug geträumt.

5. September: Noch ist keine Auftragsbestätigung da. Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut, tröste ich mich. Und da gab es ja noch gar kein DSL, Fernsehen, Radio und Telefon!

8. September: Komme an T-Punkt vorbei. Denke kurzzeitig daran, mal nachzufragen, ist mir dann aber zu peinlich. Abends Freunde besucht. Sie haben ein WLAN, Fernsehen, Radio, Telefon. Ich hasse sie.

10. September, 15 Uhr: Besuche den T-Punkt. Schildere Mitarbeiter mein Problem. Erste Befürchtung: Er sagt jetzt gleich “Hassu Problem, komm mit raus, könne wir lösen.” Macht er aber nicht. Sagt mir zunächst, das könne momentan schon mal ein bisschen dauern mit dem Anschluss. Meinen Einwand, ich wäre ja schon mal mit einer Auftragsbestätigung zufrieden, schiebt er elegant zur Seite: “Das kann auch dauern.” Deswegen hält er es auch nicht für nötig, mal in seinem Computer nachzusehen, was dieser Vorgang so macht: “Computer spinnt ein bisschen momentan.” Gemeinsam haben wir eine Idee: Ein Surfstick zur Überbrückung, das könnte gehen. Überlege erst, was so ein Surfstick nochmal war. Und dass mir das peinlich ist. Denke dann aber daran, dass mir T-Mobile bald wieder eine SMS schicken wird, wonach ich jetzt mit gedrosselter Geschwindigkeit surfe, die WLAN-Option des iPhone beinhaltet nämlich nur beschämend geringe Datenvolumen. Stimme zähneknirschend dem Stick zu.

16 Uhr: Der Problemlöser strahlt mich unter seinem gegeltem Igelputz an: “Gute Nachricht, den Stick bekommen Sie kostenlos von mir.” Freue mich, weil ich so viel Kulanz nicht erwartet hatte. Haken daran: Ich soll einen Zweijahresvertrag unterschreiben. Wende verschüchtert ein, dass ich doch hoffe, dass es jetzt nicht zwei Jahre bis zum Internet dauert. Igelputz sagt: Nein, aber Surfsticks ohne Vertrag werden auf 300 MB im Monat reglementiert. Rechne schnell durch, 10 MB pro Tag. Wird nicht ganz reichen. Frage nach größeren Volumina. Igelputz ist nicht mehr ganz so freundlich und sagt, dass es das bei T-Mobile nicht gibt.  Gerate langsam in Panik. Muss ich künftig leben wie in Ostwestfalen?

17 Uhr: Inneres Teufelchen reitet mich. 200 Meter weiter betrete ich den nächsten T-Punkt. Keine Ahnung, warum es übrigens alleine in der Münchner Fußgängerzone drei davon gibt. Dort wartet ein weiblicher Igelputz und sagt sinngemäß: Hassu Problem? Können wir lösen. Erfahre, dass es tatsächlich keine Sticks mehr von T-Mobile gibt, dafür aber von Congstar. Angeblich eine Billigmarke, aber mir ist jetzt alles recht. Erwäge kurzzeitig, nachts einen T-Punkt zu überfallen und alle verfügbaren Congstar-Sticks zu klauen.

19 Uhr: Internet!

19.01 Uhr: UMTS!

19.02 Uhr: HSDPA.

19.03: Leben am Edge.

19.04: Fühle mich wie 2001. Mails verschicken – ein Abenteuer. Audiovisuelles Zeugs ist eh überschätzt. Mein Facebook-Account wehrt sich gegen Congstar und spricht seitdem nicht mehr mit mir. So kann das nicht weitergehen.

13. September: Keine Auftragsbestätigung. Fühle mich zunehmend verzweifelt und minderwertig.

14. September: Schreibe eine Mail an den Telekomservice. Ob man da vielleicht was gehört hat von meinem Auftrag.  Keine Antwort. Finde das logisch. Kein Auftrag, keine Antwort, keine Surfsticks. Telekom bietet das alles aus einer Hand. Überlege, ob das vielleicht mit triple play gemeint war.

15. September: Habe gehört, dass die Telekom gerne auch bei Twitter hilft und deswegen den Account auch @Telekom_hilft genannt hat. Wende mich vertrauensvoll an “Telekom hilft”. Telekom hilft dann erst mal mit Trost:

 

Antworte ordnungsgemäß, noch keine Auftragsbestätigung erhalten zu haben.  Wundere mich am Rande, wie man auf die Mitteilung, dass man noch keine Auftragsbestätigung erhalten habe, die Frage stellen kann, ob man schon eine Auftragsbestätigung erhalten habe. Und auf die Mitteilung, man wünsche einen Neuanschluss, die Antwort bekommt, ob es um einen Neuanschluss geht. Aber immerhin, wir näher uns einer konkreten Lösung. Mein Leben bekommt langsam wieder Sinn (ob es auch Internet, Fernsehen, Radio und Telefon bekommt, ist allerdings offen).

16. September: Beschließe, den netten Tröstern von “Telekom hilft” mein Problem nochmal zu schildern. Möglicherweise war ich ja nicht deutlich genug. Bekomme auch sofort eine Antwort:

 

 

Stelle fest, dass man dort schon zwei Schritte weiter ist als ich. Hätte mich sehr über eine Auftragsbestätigung gefreut, finde die Option eines Wunschdatums aber auch reizvoll. Kurze Überlegung, ob ich anbieten soll, auf ein Wunschdatum zu verzichten, wenn ich dafür eine Auftragsbestätigung erhalte. Hinweis auf “längere Wartezeiten” lässt mich allerdings zurückzucken.

17. September: Ein! echter! Hoffnungsschimmer! Mail von der Telekom. Unaufgefordert! Verstehe nur den Inhalt nicht so ganz:

Sehr geehrter Herr Jakubetz,

Sie haben bisher noch keine Antwort von uns erhalten – bitte entschuldigen Sie.

Leider konnten wir mit der Auftragsnummer sowie mit Ihrer Anschrift nicht recherchieren. Handelt es sich bei der Anschrift auch um den Standort des Anschlusses? Wenn nein, senden Sie uns die entsprechende Anschrift zu.

Haben Sie die Auftragsbestätigung erhalten, dann ergänzen Sie bitte in dieser E-Mail folgende Angaben und senden Sie diese an uns zurück.

Hm. Immerhin scheine ich die richtige Anschrift angegeben zu haben, sonst wäre der Brief nicht angekommen. Puh, eine Fehlerquelle wieder ausgeschlossen. Befürchte dann beim Durchlesen der zu machenden Angaben, dass man mich auf den Arm nehmen will:

Vorname Name (Anschlussinhaber/in):
Telefonnummer mit Vorwahl:
Kundennummer:

Unser Tipp: Die Kundennummer finden Sie oben rechts auf Ihrer Telekom Rechnung oder auf Ihrer Auftragsbestätigung.

Träume nachts von Auftragsbestätigungen und davon, nach einer Auslandsreise nicht mehr einreisen zu können, weil man an der Grenze feststellt, dass ich weder eine Auftragsbestätigung noch eine Kundennummer habe.

18. September, 6 Uhr: Denke das Undenkbare. Bin zwar seit 20 Jahren T-Kunde, habe mir aber sagen lassen, dass es noch andere Anbieter gibt. Soll ich es wagen und fremdgehen?

14 Uhr: “Telekom hilft” kann Gedanken lesen und schickt einen Kundenbindungstweet.  Und fragt höflich nach:

Schreibe freundlich zurück, leider noch nicht im Besitz eines Anschlusses zu sein. Freue mich aber sehr über das große Interesse. Zum Lohn gibt es einen brandheißen Tipp:

 

16 Uhr: Mache mich auf den Weg in die Innenstadt zum T-Punkt. Komme mir vor wie jemand, den man weit sichtbar “Keine Auftragsbestätigung” auf die Stirn tätowiert hat. Betrete verschüchtert den Laden. Igelputz arbeitet immer noch da, würdigt mich aber keines Blickes. Hätte den Zwei-Jahres-Vertrag besser doch unterschrieben, fürchte, er wird heute abend irgendwo auf mich warten.

16.20 Uhr: Komme in meiner Schlange endlich dran. Schildere einem Mitarbeiter, der Igelputz verblüffend ähnlich sieht, mein Problem. Ich solle doch bitte zwei Schlangen weitergehen, sagt er mir.Computer kaputt, er könne da leider nicht nachschauen.

16.35 Uhr: Stehe seit 15 Minuten in der Schlange. Kundin vor mir hat Probleme, angeblich hat sie noch keine Auftragsbestätigung erhalten. Drehe mich vorsichtig um, ob hier versteckte Kamera gedreht wird.

16.45 Uhr: Stehe seit 25 Minuten in der Schlange. Kundin vor mir hat Probleme, angeblich hat sie noch keine Auftragsbestätigung erhalten. Drehe mich vorsichtig um, ob hier versteckte Kamera gedreht wird.

16.46 Uhr: Verlasse unverrichteter Dinge den T-Punkt und beschließe, mich womöglich heute abend sinnlos zu besaufen.

(Fortsetzung folgt wohl leider)

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Einfach in den sauren Apple beißen

13. September 2012 - 16:24 Uhr

Irgendwie sind Journalisten manchmal schon ein lustiges Völkchen.  Erst nehmen sie jahrelang an einer Show teil, die eine Show ist, bei der ein Produkt verkauft wird (das Produkt verkauft sich übrigens auch dank tatkräftiger Medienmithilfe exorbitant gut). Dann stellen sie auf einmal fest, dass die Show ja eigentlich nur eine Show ist und beschweren sich darüber, dass die Show nur eine Show ist. So kann das manchmal gehen, wenn man Veranstaltungen gar zum Aufmacher hochjazzt, die nur eines sind: eine Verkaufsveranstaltung für ein Handy (gelegentlich auch für andere Produkte des Unternehmens).

Am Mittwoch war jedenfalls mal wieder Großkampftag in nahezu allen großen deutschen Onlineredaktionen. Über die inzwischen nicht mehr ganz so große Apple-Show berichteten viele in halber Kompaniestärke und in voller Selbstverständlichkeit. Ob es sich überhaupt noch lohnt, diese so wunderbar euphemistisch Keynotes genannten Verkaufsveranstaltungen wie selbstverständlich in Großbesetzung zu covern, wird in manchen Redaktionen gar nicht wirklich hinterfragt. Bei „Spiegel Online“ reichte es wie immer zum Aufmacher, auch wenn man etwas übellaunig feststellte, es sei ja dann doch nur ein iPhone geworden, wie man es weitgehend erwartet hatte. Und dass früher irgendwie mehr Stimmung war. Man konnte beinahe Mitleid bekommen mit den enttäuschten Kollegen, die sich doch schon so gefreut hatten. Was natürlich nichts daran ändert, dass man heute – ebenfalls bei SPON und auch bei bild.de – erstmal stolz erzählte,   man habe es schon in der Hand gehabt und getestet. Völlig unerwartet ist es übrigens ein iPhone, das iPhone 5 heißt und besser sein soll als das iPhone 4.

Aber mal im Ernst: Ich bin selbst durchaus Apple-Fan, dieser Text hier entsteht gerade auf einem Produkt des Hauses und alles andere, was man als Fanboy eben so hat, habe ich auch. Trotzdem, nein: Das muss nicht sein. Bei Einführungen, die wie beispielsweise das erste iPhone oder das iPad eine echte Revolution in der Technik darstellten, habe ich es verstanden, dass man live und groß berichtet hat. Spätestens bei der Vorstellung des eher evolutionären iPhone 4s packten mich Zweifel an der journalistischen Legitimation der Berichterstattung. Und wenn die Quintessenz des Mittwochs die ist, dass das iPhone größer und dünner und natürlich mal wieder viel toller ist, dann weiß ich nicht, welchen Erkenntnisgewinn mir das bringen soll. Selbst wenn es noch so viele Liveblogs, Ticker und hochqualifizierte Redakteure gibt, die mir dieses Jahrhundertereignis nahebringen.

Speziell im Fall Apple sind vielen Redaktionen die Maßstäbe verloren gegangen. Es gibt kein Unternehmen, bei dem sich Journalisten so völlig unreflektiert auf jedes Krümelchen stürzt, das ihnen eine hochgradig clevere Marketingmaschine seit Jahren nach dem gleichen Muster hinwirft. Bei all meiner latent vorhandenen Sympathie für Apple sehe ich keine Relevanz, die dieses Spektakel rechtfertigen würde.  Und wenn ich dann noch sehe, wie oft auch große und relevante Ereignisse mit lieblosen Agenturmeldungen runtergerissen werden, dann bleibt der Gedanke nicht aus, den Kollegen mal ein generelles Nachdenken zu empfehlen.  Beißt einfach in den sauren Apple, lasst sie ihre Smartphones und Tablets vorstellen, berichtet ordentlich darüber – aber macht euch bitte nicht wieder zu Handlangern eines ausgesprochen cleveren Großkonzerns.

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Journalismus für 1,50 Euro die Stunde

6. September 2012 - 15:37 Uhr

Vielleicht hat Ursula von der Leyen ja einfach auch nur Journalisten warnen wollen, als sie darauf hingewiesen hat, wie schnell mal in die Altersarmut rutschen kann, wenn man zeitarbeitslebens nicht genug verdient hat. Es ist jedenfalls ein immer wieder schön zu beobachtender Reflex, wenn Journalisten bei der Berichterstattung über das Thema Zuschussrente auf die Berufsgruppen hinweisen, die demnach von der Altersarmut betroffen sein könnten. Von sich selbst reden sie im Regelfall dann nicht.

***

Eigentlich hätten meine Großeltern mir damals ja auch was sagen können, nein, eigentlich hätten sie mich warnen müssen. Journalist, so sagten sie mir vor 30 Jahren immer wieder, das sei nicht nur ein spannender und hochangesehener Beruf, sondern zudem einer, in dem man richtig Geld verdient. Also, so richtig richtig. Und wer kann zu so was schon nein sagen? Hätten sie mir damals gesagt, dass wir zahlenmäßig inzwischen in die Nähe von Friseusen gerückt werden, wäre ich vermutlich doch Lokomotivführer oder Pilot geworden. Und damit will ich übrigens mal nix gegen den ehrenwerten Beruf des Friseurs gesagt haben.

Volker Lilienthal und Thomas Schnedler haben in diesem Text hier nochmals dargelegt, was man eigentlich schon länger ahnt: Den durchschnittlichen Journalisten als “gutverdienend” zu bezeichnen, ist ein eher flacher Witz. Auf 2300 Euro netto kommt demnach der Durchschnittsjournalist, Freie oder junge Journalisten liegen häufig sogar unter diesen Einkommen. Desweiteren kommen die Autoren zu einer Einschätzung, die man mit viel gutem Willen bestenfalls ernüchternd nennen kann:

“Längst haben die kreativen, oft akademisch ausgebildeten und weltgewandten Prekären viel mehr gemein mit den auf Stunde bezahlten Supermarktregaleinräumern, den per Zeitarbeit verliehenen Security-Bären und den Sieben-Tage-die-Woche-Wurstbudenverkäufern, über die sie mitfühlende Reportagen schreiben, aufrüttelnde Sozialstudien erstellen oder deprimierende Reality-Dokus drehen, als mit den Agenturchefs, Etatbewilligern oder Ressortleitern, von denen sie sich Aufträge erhoffen und ein bisschen Honorar.”

Kurz und drastisch gesagt: Der durchschnittliche Durchschnittsjournalist ist eine ziemlich arme Sau.

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Das Merkwürdige daran ist dann ja leider aber auch, dass es zu kurz gedacht ist, wenn mal glaubt, es seien nur irgendwelche Pfennigfuchser oder Einrichtungen, denen so etwas wie journalistische Qualität ziemlich egal ist. Die junge Dame, die einen viel gelesenen Beitrag über die “Ausbeutungsmaschine Journalismus” geschrieben hat, ist mittlerweile gut untergekommen, Joachim Braun, Chefredakteur in Bayreuth, hat sie klugerweise eingestellt. Aber das ist leider immer noch die Ausnahme.  Und keineswegs nur auf Nachwuchs beschränkt. Oder auf, sagen wir, nur mäßig ausgebildete Kollegen. Stattdessen weiß ich beispielsweise von journalistischen Ausbildungseinrichtungen, die netto gerechnet ihren Ausbildern, Trainern, Seminarleitern einen Stundenlohn von nicht mal 2 Euro bezahlen. Dafür aber sollen sie natürlich immer auf dem neusten Stand der Dinge sein, auch hochaktuelle Themen behandeln können und natürlich sollen sie jederzeit für ihre Seminarteilnehmer ansprechbar und gut gelaunt sein. Die Vor- und Nachbereitungszeit solcher Seminare ist in den 1,50 übrigens nicht eingerechnet. Man wolle sich übrigens jetzt noch mehr darum bemühen, die besten Trainer und Dozenten zu gewinnen, habe ich unlängst aus dem Dunstkreis gehört. Allerdings sei davon auszugehen, dass bei den Honoraren tendenziell noch ein wenig gekürzt werden müsse. Sehr lustig, das.

***

Das sind dann wieder diese Momente, in denen ich mich wundere.  Man hört ja immer wieder Panels und liest Stücke, in denen die Qualität des Journalismus beschworen wird. Und dann denkt man sich im Stillen, wie das eigentlich funktionieren soll, wenn man Qualitätsjournalisten Qualitätsjournalismus via Qualitätsjournalisten vermittelt, die dann so bezahlt werden, dass man normalerweise sofort Günter Wallraff als verdeckten Ermittler losschicken müsste, der mal über die leicht unhaltbaren Zustände in der vierten Gewalt im Zustände berichtet (“Ganz unten – Wallraff in deutschen Journalistenausbildungseinrichtungen!”)

Und klar, möglicherweise kommen jetzt wieder bloggende schlaumeiernde Kotzbrocken, die irgendwas fabulieren, dass Journalismus eben nicht mehr wert sei oder man doch selbst schuld sei und man sich auch in den Medien auf gewinnträchtigere Nischen spezialisieren könne. Das ist schon alles richtig und wahr und das hier vorgebrachte Lamento gilt jetzt auch nicht mir selber. Aber irgendwie verstehe ich das im Moment nicht so wirklich: Wir reden also permanent von irgendwelchen Neuerungen, die wir jetzt alle mitmachen müssten, während wir gleichzeitig ungefähr gar nichts dagegen unternehmen, wenn unserem Beruf die ökonomische Grundlage allmählich wegbricht? Für wen soll Journalismus eigentlich künftig noch attraktiv sein und wie genau hat man sich eigentlich eine Ausbildung vorzustellen, die auf derart albernen Stundensätzen basiert? Alles Idealisten in dieser Branche?

***

Die Idee ist mir irgendwann vor ein paar Wochen gekommen; nach dem ersten Beitrag, der in diese Richtung zielte. Ich würde gerne mal mit ein, zwei Videokameras bewaffnet durch Deutschland fahren, Leute kurz in ihrem Job filmen, sie erzählen lassen, was sie umtreibt, was sie verdienen, wie sie sich durchs Leben schlagen und künftig schlagen wollen. Ich freue mich aber auch über jeden, der sich vor eine Webcam setzt und mir ein kurzes Statement, einen Schnipsel zukommen lässt. Oder einfach nur eine Mail mit Anregungen und Schilderungen aus dem Journalistenalltag, vor allem dem ökonomischen. Und wer an diesem Projekt mitspielen will – meldet euch: cjakubetz (ät) gmail (dot) com

 

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