Archive for the ‘VIDEOS’ Category
Neue Formate: klein, praktisch,gut
Journalismus im Netz – das heißt nicht nur, bisherige Inhalte vom Analogen ins Digitale zu bringen. Sondern auch: Jounalismus neu zu denken, neue Formate für neue Plattformen zu entwickeln. Das funktioniert bisher teilweise nur leidlich und wirkt häufig auch sehr bemüht. Bei der iPad-App des “Spiegel” beispielsweise muss ich immer wieder lachen, wie man dort versucht, irgendein Video zu irgendeinem Text dazuzupacken. sofern es sich denn inhaltlich auch nur ein kleines bisschen vertreten lässt. Das nennt man dann multimedial und interaktiv, tatsächlich ist es die Suche nach der Antwort auf die Frage, wie denn jetzt Journalismus der Zukunft aussehen kann.
Dabei kommt die Veränderung wie immer von den Rändern. Im Netz sind schon lange viele gute, neue, dem Medium gerechte und innovative Darstellungsformen zu sehen. Die Kollegen vom “journalist” haben sich die Mühe gemacht, eine kleine Liste mit solchen Formen zusammenzustellen: von der interaktiven Zeitleiste bis zum charmant unaufwändig produzierten Video. Was man daraus (mal wieder) lernen kann: Jedes Medium hat seine eigenen Formen — eins zu eins rüberziehen funktioniert nicht.
Ganz ungefragtnoch ein schönes Beispiel aus unserem Südafrika-Projekt, wie man mit (guten) Fotos, ein paar O-Tönen und Musik eine athmosphärische Slideshow macht, die so eben nur im Netz funktioniert:
Tief im Westen (7): Marxloh
Dass es mich gestern nach Duisburg verschlagen hat war Zufall. Aber natürlich sieht man die Stadt mit anderen Augen, wenn man die katastrophale Loveparade noch im Hinterkopf hat. Ein Plakat mit den Klitschkos am Hauptbahnhof mit dem Spruch “Mach dich fit für die Loveparade” wirkt drei Tage danach wie ein lächerlich-trauriger Zynismus. Sonst sieht man der Stadt nicht sehr viel an, was soll man ihr auch ansehen?
Man fährt, wenn man vom Hauptbahnhof nach Marxloh fährt, ohnedies in eine andere Welt. An die Loveparade hat man dort vermutlich schon vorher nicht viel gedacht, warum auch? Die Menschen hier haben andere Sorgen. Mustafa Tazeoglu ist Mitglied des “Medienbunkers Marxloh” erzählt in diesem kurzen Beitrag darüber, wie es sich anfühlt, dort zu leben, wo nach seiner eigenen Auffassung gar kein Duisburg mehr ist, sondern eben — Marxloh.
Einiges an neuen Beiträgen, keineswegs nur über Duisburg — wie immer hier.
Südafrika, 2010 (27): Epilog
Natürlich weiß ich, dass ich Sie mit meinen Erzählungen aus Südafrika lang genug genervt habe. Trotzdem, noch ein kleiner Nachtrag. Wir haben ja auch ganz klassisch analog dort gearbeitet und ein 64-Seiten-Printmagazin hergestellt (neben unserem Onlinemagazin. Ich kann sowas wie Print übrigens auch — und doch, das werde ich wirklich manchmal gefragt). Das Heft wird derzeit u.a. auf den Lufthansa-Flügen zwischen Johannesburg und Frankfurt an die Passagiere verteilt. Wenn man nicht gerade in den kommenden Tagen auf dieser Strecke fliegt, empfiehlt sich der Download als pdf.
Das Magazin ist zweisprachig und aufgeteilt in mehrere große Themenblöcke. Jeder Block wurde von einem Journalisten aus Deutschland und einem afrikanischen Kollegen bearbeitet. Jeder Beitrag stellt jeweils die Sichtweise des Kollegen aus dem jeweiligen Kontinent dar. Ich glaube, dass das Ergebnis wirklich lesenswert ist, die Beteiligten finden Sie im Impressum (für den Fall, dass Sie sich für die eine oder andere Geschichte in Ihrer Redaktion interessieren).
Außerdem hat die wundebare, großartige Josephine Landertinger eine sehr schöne 15-Minuten-Dokumentation gedreht und online gestellt, bei der ich jedesmal Gänsehaut habe, wobei ich zugebe, dass das vermutlich dem Umstand geschuldet ist, dass großartige Erinnerungen an eine fantastische Zeit hochkommen.
Genug geschwärmt — wenn Sie bei Lektüre und Film wenigstens ein bisschen ein Gefühl für dieses Land entwickeln, dann bin ich schon zufrieden.
Tief im Westen (6): Die letzten Stunden der Loveparade

Es gibt Momente, in denen hält man eine Nachricht, die man bekommt, erst einmal für einen absurden Witz, so unfassbar klingt sie. So war es am Samstag, als bei uns, die wir irgendwo entlang der Emscher radelten, Anrufe von zwei Kolleginnen eingingen, die lieber zur Loveparade wollten als an die Emscher: Eine Massenpanik sei ausgebrochen, die Rede sei von zehn Toten, der Weg zum Bahnhof sei versperrt. Wir hatten am Mittag noch besprochen, wie wir die Loveparade darstellen wollen, ursprünglich hatten wir an eine “normale” Reportage gedacht, Video schien uns angesichts der zu erwartenden Menschenmengen absurd, da wir zwar gute, fernsehtaugliche Kameras dabei haben, aber keine Teams — und jeder so multimedial wie möglich arbeiten soll. Ich habe den beiden Kolleginnen dann meine Flip in die Hand gedrückt und ihnen gesagt, dass sie ja auch dann gut funktionieren würde, wenn es mal eng würde (dass diese Bemerkung kurz darauf bittere Ironie werden würde, konnte man ja nicht ahnen).
Inzwischen haben wir das Material nochmal gesichtet und festgestellt, dass es mehr kann als die Dokumentation des Schrecklichen. Die Bilder, die Charlotte Potts und Wlada Kolosowa gedreht haben, zeigen, wie aus einem fröhlichen Fest eine Katastrophe wird – mit Ansage. Wie zunächst die ersten anmerken, in Berlin habe nicht so ein Gedränge geherrscht, wie die Polizei dann die Straßen sperrt und die Besucher auffordert umzudrehen — bis dann die ersten Zäune eingedrückt werden. Deswegen gibt es dieses Video, weil es mehr ist als die viel gesehenen Bilder einer bereits passierten Katastrophe. Diese Bilder zeigen das Entstehen einer Katastrophe und das ist mindestens genauso eindringlich.
Tief im Westen (5): Gelsenkirchen-Ückendorf
Gelsenkirchen-Ückendorf gehört zu diesen Stadtteilen, die so sind, wie man sie sich vorstellt: Sie haben so ein bisschen was kieziges und natürlich kann man sie hip finden oder zumindest irgendwie idyllisch. Die Realität ist jedenfalls bestenfalls ein Versprechen auf die Zukunft, weil die Probleme, die sich in der einstigen Boomtown angesammelt haben, unübersehbar sind. Mit dem Fotografen Peter Liedke, einem Ur-Gelsenkirchner, habe ich mich am Samstag über den Pott, Gelsenkirchen, Ückendorf unterhalten.
Und darüber, warum der Spruch, wonach Berlin arm, aber sexy sei, leider doch nicht mehr als ein Marketinggag ist.
Mehr aus dem Ruhrgebiet wie immer — hier.
Und die Projekte von Peter Liedtke finden Sie hier.
Tief im Westen (3): Im Museum
Soll ja keiner sagen, es würde nicht gearbeitet hier: 0.17 Uhr ist es jetzt und so langsam nimmt unsere Seite zum Thema Ruhrgebiet erste, kleine Formen an. Ab heute nachmittag wird hier mehr und mehr zu sehen sein, als erste kleine Einstimmung gibt´s schon mal ein paar Eindrücke vom Museum Folkwang, die ich heute abend zusammengebastelt habe. Der Pott sammelt ein paar kleine Pluspunkte.
Zum Abschluss: ein paar Videos und was Selbstgebasteltes
Das “Klartext”-Magazin der 48 K der DJS ist seit gestern abend fertiggestellt — wir haben noch eine ganze Reihe neuer Videos draufgepackt. Beispielsweise lernt man jetzt einiges darüber, wie es ist in einem Ort zu leben, dem die Einwohner weglaufen. Nein, er liegt nicht in Mecklenburg-Vorpommern, sondern in Niederbayern:
Und weil man ja nicht immer alles so bierernst sehen muss, gibt es auch einen Schnellduchlauf durch das Millionendorf Deutschlands: München in 100 Sekunden:
Das ganze “Volt”-Magazin online gibt´s hier.
Südafrika, 2010 (21): Ah- Ah- Asamoah!
Nachts erst nach Hause kommen, am nächsten Morgen um 5 aufstehen, um zu Gast im “Morgenmagazin” zu sein: Für einen beträchtlichen Teil unserer Seminargruppe waren Mittwoch und Donnerstag ziemlich anstrengende, trotzdem aber unglaublich erlebnisreiche Tage. Neben einer eher unerwünschten Begegnung mit der Stadionpolizei gab es eine ziemlich überraschende Begegnung mit Gerald Asamoah. Der wurde dann entsprechend gelöchert und gab trotz der frühen Uhrzeit einige gut gelaunte Antworten.
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Hier kann immer alles jederzeit passieren. Sagte uns der Guide, der uns am Sonntag durch Kliptown geführt hat. Heute ist er tot. Verbrannt in seiner eigenen, kläglichen Hütte. Wir wissen nicht, wie es passiert ist, wir können nur spekulieren. Darüber, warum seine Hütte in Flammen aufgegangen ist und warum er dort nicht mehr herausgekommen ist. Alles kann hier passieren. Immer. Und zu jeder Zeit.
Denken Sie bitte nicht, Südafrika sei eine folkoristische Idylle.
Südafrika, 2010 (19): Südafrika zelebriert eine Niederlage
Man könnte das ja so sehen: Sie sind der erste WM-Gastgeber in der Geschichte, der es nicht über die Vorrunde hinaus geschafft hat. Sie haben gegen Uruguay ein ziemlich desolates Spiel abgeliefert und haben es nicht geschafft, einer französischen Mannschaft, die nur noch auf dem Spielberichtsbogen existierte, mehr als zwei Tore zu verpassen. International ist ihre Mannschaft nach wie vor bestenfalls zweitklassig. Und jetzt ist die Party vorbei. Nach gerade mal drei Spielen.
Oder man könnte es so sehen: Sie habe alles gegeben, haben gekämpft wie die Löwen, haben nur einmal verloren, daneben ein respektables Unentschieden geholt und den Vizelweltmeister geschlagen. Wir können stolz sein auf unser Team, darauf, dass wir hier die WM haben — und wir können uns freuen, dass die Party noch zwei Wochen weitergeht. Wir sind draußen, ok, aber dann untersützen wir jetzt eben die anderen afrikanischen Mannschaften. Oder Germany. Oder Brazil. Hauptsache: Party. Und die feiern wir jetzt, hier und heute. Weil wir keine Verlierer sind.
In Südafrika haben sich die Menschen für die letztere Variante entschieden. Mit gutem Recht. Die Zeitungen sind voll mit Lobeshymnen auf die Bafana. Und was die Menschen gestern abend im Fanpark gemacht haben, sehen Sie ja selbst. Keine Spur von Trauer.

