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Verlage in der Krise: Der Nächste, bitte!

Was für ein Tag: Mit der Handelsblatt Media Group verkündet das nächste deutsche Schwergewicht deutscher Verlage einschneidende Einsparungen. Gleichzeitig „jubeln“ die deutschen Verleger über das EU-Leistungsschutzrecht. Die Krise noch schlimmer wird aber noch schlimmer werden. Und das hängt mit solchen Fehleinschätzungen wie beim Leistungsschutzrecht durchaus zusammen. Read More


Kahlschlag bei Funke: Über den Unterschied zwischen Essen und New York

Die einen schaffen den Journalismus ab, die anderen investieren in ihn. Beobachtungen an einem Tag, an dem mit Funke der nächste deutsche Großverlag sein Heil im Sparen sucht (und nicht finden wird). Read More

Westfalen-Blatt: Eine Mustergeschichte für Zeitungen 2019

Jeder Journalist weiß das: Es gibt Nachrichten, die gar keine sind. Weil sie nichts Neues enthalten. Und weil sie niemanden mehr überraschen. Um (beinahe) ein solches Exemplar handelt es sich auch hierbei: Das „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld legt seine Aktivitäten mit denen von Aschendorff in Münster zusammen. Das klingt schöner, als es ist. De facto werden die Bielefelder aus Münster übernommen. Eine Geschichte, die sinnbildlich für die Lage der regionalen Zeitungen steht. Read More

Modell Ibbenbüren: Wie aus der Zeitung kleine Pakete werden

Zugegeben, bis vor kurzem wusste ich nicht mal, wo Ibbenbüren liegt. Dass man dort einen der spannendsten Ansätze für Regionalzeitungen überhaupt finden kann, hätte ich mir in dieser Form nicht vorstellen können. Aber tatsächlich ist das, was die „Ibbenbürener Volkszeitung“ da gerade macht, eine der wenigen Dinge, bei denen ich mir denke: So könnte man die gute alte Zeitung vielleicht doch noch halbwegs erfolgreich in die digitale Zukunft bringen. Read More

Tageszeitungen bleiben lieber bei ihren Leisten

Tageszeitungen aus den USA machen gerade eine befremdliche Erfahrung: Da investieren sie fleißig ins Netz – und die Investitionen sind ein ziemlicher Flop. Eine Erfahrung, die vermutlich auch einige Kollegen in Deutschland kennen. Das Problem ist aber nicht das Netz. Man kann nämlich auch schlicht falsch investieren und entwickeln…Read More

Wie ich einmal versuchte, eine Zeitung zu abonnieren

Bisher dachte ich ja meistens über die Probleme deutscher Regionalzeitungsverlage, dass dies hauptsächlich eine Sache des Inhalts und damit der Redaktion ist. Aufzählen muss man das alles ja nicht mehr: mäßig inspirierte Mantelteile mit viel Agentur und wenig eigenem Antrieb, dazu Lokalteile, die man durchblättert – und das war es dann in den meisten Fällen auch schon wieder. Was aber, wenn die Probleme solcher Häuser tiefer gehen? So tief, dass sich eine erstaunliche Grund-Wurschtigkeit in die DNA des Verlags eingeschlichen hat, so tief, dass man Leser weniger für Kunden als für lästige Bittsteller hält? Und man denkt, Zeitung gebe es immer weiter – also eine Art Naturgesetz? Read More

Und am Wochenende ins Frauenhaus!

Die Tage mal stand eine dieser bedauernswerten Damen im Supermarkt, die den Kunden Probeabos für die Heimatzeitung freundlich nahelegen sollen. Weil ich aus früheren Zeiten bei einer Regionalzeitung noch ganz gut weiß, was das für ein schwieriger, noch dazu auf irgendwelchen Provisionen basierender Job ist und weil es mich außerdem merkwürdigerweise interessiert hat, habe ich unterschrieben: Zwei Wochen Probeabo einer Regionalzeitung, deren Name hier nix zur Sache tut.  Weil das, was ich da lese, vermutlich in nahezu jeder Regionalzeitung Deutschlands Alltag ist. Also, schauen wir uns mal durch: Alltag einer Zeitung, Anfang 2017.

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Print muss man sich leisten wollen…

Zweimal Print, einmal die selbe Idee: Die neuen Ausgaben der turi2-Edition und des Gagazins „Bock“ zeigen vor allem, in welchen Nischen gedrucktes Papier immer noch unschlagbar gut ist…

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„Bock“ ist auch in der zweiten Ausgabe geiler Scheiß. Meistens zumindest. Ein Interview mit Gunter Gabriel, fernab aller journalistischer Konventionen ist da drin, ebenso wie lustige Bock-Aufkleber, die man irgendwo aufkleben kann. Kurz: „Bock“ ist das sinnloseste Heft, das man sich vorstellen kann. Das macht die Sache ja so interessant. „Bock“ schreibt über Dinge, die man noch nie wissen wollte, bemüht sich erst gar nicht, irgendeinen Eindruck von journalistischer Relevanz zu erzeugen und ist damit wunderbar entspannend. Noch wichtiger: auf seine Art einzigartig. Und damit ein Sinnbild dafür, wie Print funktionieren kann.

Nämlich dann, wenn man ein Luxusprodukt in die Hand nimmt. Eines, für das man sich bewusst entscheidet, das man sich möglicherweise aufhebt in einem Regal oder einem Sammelordner. Kurz gesagt: als ein Kulturgut, das eben kein Internet ist. Für das man sich Zeit nimmt, weil man sich Zeit nehmen will. Und das kein Ambitionen hat, einer Aktualität hinterherzuhecheln, die einen ohnehin schneller überholt als man überhaupt „Print“ sagen kann.

Für 5 Euro jedenfalls ist Bock ein ziemlicher Spaß. Nur einen minimalen Schwachpunkt (sonst kann man ja das Kritisieren gleich bleiben lassen!) habe ich entdeckt: Eine Geschichte darüber, dass Fluss-Kreuzfahrten von Passau nach Wien mit einer Horde Rentner nicht wirklich witzig sind – Kinder, wer in der Redaktion hat denn die Idee durchgehen lassen? Das wäre selbst der „Passauer Neuen Presse“ zu langweilig – und ist somit der einzige echte Schwachpunkt im Heft.

Noch teurer aufwändiger und natürlich auch ambitionierter wird es in der dritten Ausgabe der Turi2-Edition. Die kostet mit 20 Euro das Vierfache, ist aber erneut ein opulentes Teil geworden. Das liest man gerne, noch lieber schaut man es sich an. Die Turis haben enorm viel Zeit, Aufwand und wahrscheinlich auch Geld in Fotografie gesteckt, ebenso in ein Design, bei dem man sich wünscht, bei der Webseite würde das Team ähnlich viel investieren. Überhaupt hat man den Eindruck, Peter Turi wäre lieber Print-Verlger als Herausgeber einer Webseite, aber das ist natürlich nur Spekulation…

Klar könnte man sich das alles auch in einer App anschauen. Will man aber nicht. Weil doppelseitige Fotos halt einfach doppelseitige Fotos sind. Und weil man Luxus in der Hand haben will. Praktischen und lesenswerten Kram habe ich in meiner digitalen Welt. Bock und Turi sind eher die Design-Ausstellungsstücke, die man sich gönnt, obwohl es aus praktischer Sicht nahezu keinen Sinn macht, sich das zu gönnen.

Ansonsten ist das Heftbuch seine 20 Euro schon alleine wegen der großartigen Silke Burmester wert, die wahrscheinlich sogar ihre Beobachtungen beim Trocknen von Wandfarbe so beschreiben könnte, dass man gefesselt dran bleibt und ab und an laut lacht. Wenn es jemanden gibt, der außerhalb aller elitären Filterbubbles elitären heißen Scheiß schreiben kann, dann Silke Burmester.

Hallo, Bock und Bulo – läutet was??

Print muss man sich leisten wollen

Das alles ist also ziemlich wunderbar. Und steht auf den ersten Blick im krassen Gegensatz zu dem, was auch auf dieser kleinen Seite immer wieder postuliert wird: Die Zukunft ist digital.

Tatsächlich ist das gar kein Widerspruch. Es gibt kein Medium, keinen Kanal, der per se zum Sterben verurteilt ist. Es gibt nur: falsche Inhalte für den richtigen Kanal. Ob man eine Tageszeitung noch sehr viel länger auf Papier drucken wird, bezweifeln inzwischen sogar die Verlage. Wie das mit Wochenzeitungen weitergehen wird, kann man diskutieren. Beides sind Medien, bei denen es immer noch mehr um die Information handelt.  Das kann man genauso gut – oder womöglich besser – auf einem mobilen Device bekommen. Großartige Fotos und lange Lesestücke aber, die man sich so einfach mal leisten will…

Und jetzt lege ich den Turi und den Bulo ins Regal und freue mich auf die nächsten Ausgaben…

Abgesang auf eine alte Idee

Die Tage herrscht gerade etwas Aufregung. Darüber, dass man jetzt schon ganze Zeitungsseiten für 200 Euro kaufen kann. Womöglich sogar noch für weniger. Dabei ist der Preis für eine Mantelseite nur ein Symptom. Dafür, dass das Konzept der regionalen Tageszeitung endgültig dem Ende entgegen geht. Der „Mantel“ in der Zeitung: Abgesang auf eine journalistische Idee aus dem vergangenen Jahrhundert.

Zeitung. (So war das mal: Zeitungsleser in München. (Foto: Jakubetz)

So war das mal: Zeitungsleser in München. (Foto: Jakubetz)

Jetzt also Köln, genauer gesagt: DuMont. Dort machen sie das, was sie derzeit nahezu überall machen. Es wird gerechnet, zusammengelegt, rationalisiert.  Vor allem da, wo sich Dinge zusammenlegen lassen. Man baut Desks, die ungefähr alles beliefern sollen. Sogar solche Sachen, von denen man noch vor nicht allzu langer Zeit gesagt hatte, dass sie nicht zusammenpassen: Abo-Zeitungen und Boulevard-Blätter beispielsweise. Und natürlich schaut man, ob man nicht zukaufen kann. Vor allem von diesen Einheiten, die sich als Zulieferer verstehen: Redaktionsnetzwerke und andere Zentral- und Gemeinschaftsredaktionen. Die Idee dahinter ist eine betriebswirtschaftliche: Je öfter eine einmal zusammengebaute Seite verkauft wird, desto rentabler. Was völlig legitim ist, auf der anderen Seite aber zu einer paradoxen Situation führt: Für 200 oder weniger Euro kann eine durchschnittliche deutsche Tageszeitung eine Mantelseite nicht herstellen. Ist es da ein Wunder, wenn man sich von solchen Angeboten aus Hannover oder Berlin gerne ködern lässt?

Wer den Mantel macht, spielt kaum eine Rolle

Aber diese 200-Euro-Sache ist nur eine Seite. Der betriebswirtschaftliche Aspekt spiegelt auch etwas anderes wider. Nämlich die schwindende Bedeutung und den damit stetig sinkenden Wert eines Mantelteils. Gemacht wird er nur noch für die, die seit gefühlten 100 Jahren eine Regionalzeitung lesen und deswegen ihre Politik, ihre Wirtschaft, ihren Sport auch haben wollen. Für alle anderen ist er das uninteressanteste, was man sich nur vorstellen kann. Ein leicht uninspirierter Mix aus Agenturgeschichten und Korrespondentenberichten aus der ganzen Welt. Dass man das schon lange digital-elektronisch hat lesen können, geschenkt. Die Regionalblätter sitzen da also in der Falle: Das Netz, das Fernsehen, das Radio sind schneller. Die Qualität von eigenen Geschichten wie in der SZ oder in der FAZ bekommt man naturgemäß nicht hin. Was also läge näher als die Idee, den Mantel zwar noch anzubieten, ihn aber so kostengünstig wie möglich produzieren zu lassen?

Und mal ganz ehrlich: Welchen Unterschied macht es, ob jetzt der Redakteur, der dpa-Geschichten zusammenschraubt, in Hannover, in Berlin oder in Passau oder Bielefeld hockt? Die publizistische Vielfalt, die in diesem Zusammenhang gerne beschworen wird, besteht jedenfalls nicht darin, dass möglichst viele unterschiedliche Menschen Agenturen redigieren.

Wäre es aber angesichts dieser Umbrüche nicht konsequent, man würde den Mantel einfach abschaffen? Die Forderung, Reportagen auf die Eins und möglichst viel Lokales nach vorne zu holen, die gibt es immerhin schon lange. So lange, dass man behaupten darf: Mit dem Netz und der Digitalisierung der Welt hat das nichts zu tun. Tatsächlich aber wird es den Mantel und damit die Tageszeitung bekannter Prägung schon noch eine ganze Zeit geben. Einfacher Grund: Menschen, die heute noch eine regionale (gedruckte) Tageszeitung lesen, die machen das bewusst. Und aus mehr oder weniger guten Gründen. Man würde also den treuen Zeitungsleser reichlich verstören, würde man ihm heute ein radikal anders gemachtes Blatt hinlegen. Zeitungsleser sind eine extrem konservative Klientel: ein paar Änderungen an Spaltenbreite und Schriftgröße ziehen schnell wüste Beschimpfungen und die beliebte Drohung mit der Abo-Kündigung nach sich.

Der Mantel muss bleiben – weil die Zeitung auch noch ein bisschen bleibt

Ist das nicht ein Widerspruch zum Medienwandel? Und zu dem auch auf dieser kleinen Seite immer wieder gepredigten Notwendigkeit zur Veränderung? Nein, nur auf den ersten Blick. Stattdessen müsste die Idee einer intelligenten Strategie erst einmal die Erkenntnis sein, dass man mit dem Produkt einer gedruckten Tageszeitung eine immer kleiner werdende Kundschaft erreicht (an dieser Stelle dürfen Sie sich jetzt gerne darüber streiten, ob das gedruckte Blatt ganz, halb oder nur ein bisschen untergehen wird). Klar aber ist: Das Produkt, mit dem man eine strategisch-journalistische Ernährung betreibt, wird keineswegs die Zeitung sein.

Anders gesagt: Noch ist die Zeitung ein Umsatzbringer. Sie hat als solcher aber keine große Zukunft mehr. Wenn man also in diesem Markt übereben will: Entwickeln Sie ein tolles Produkt! Eines mit viel Journalismus! Und packen Sie es dann sonstwohin – aber drucken Sie es nicht mehr auf Zeitungspapier! In der Autoindustrie wissen sie schließlich auch, dass der gute, alte Diesel ein Auslaufmodell ist…

Nicht aufregen also, wenn Verlage sich dafür entschieden, ihre Zeitung weitgehend so zu lassen, wie sie ist (einschließlich eines Mantels, den man aus Sonstwo zukauft). Das muss nicht mal eine schlechte Idee sein. Der Kampf um die Zukunft wird ganz woanders entschieden.

Lokaljournalismus: Es bleibt, wie es ist

Als ich mein Volontariat bei einer kleinen Tageszeitung in Niederbayern absolviert habe, war allen Beteiligten klar: Lange geht das so nicht mehr weiter mit dem Lokaljournalismus.

Wir, das waren gleichermaßen: Leser und Journalisten. Beide ahnten wir, dass das alles schon sehr speziell ist. Dieses ständige „alles ist gut“, das mantra-artige „Aufsteigerregion Niederbayern“ (eine sehr schöne PR-Leistung der CSU, so einen Begriff in den Sprachgebrauch zu etablieren). Der Terminjournalismus, die Vereinsberichterstattung. Die grässlichen Fotos, das gestelzte Deutsch, das…ach, Sie wissen, was ich meine, wen Sie sich jemals einen durchschnittlichen deutschen Lokalteil zu Gemüte geführt haben.

Das alles ist mittlerweile ziemlich genau 30 Jahre her. Die Vokabeln, mit denen man Lokaljournalisten belegt, sind oft noch dieselben. Bei den einen mehr und bei den anderen weniger verdient hört man immer noch: Terminjournalismus. Heile-Welt-Journalismus. Gar-kein-Journalismus. Vermutlich gibt es nach wie vor nur wenige Lokalredakteure, deren Blatt nicht schon mal als „Käseblättchen“ geschmäht wurde. Und das unfassbar dämliche Argument, unfassbar dämliches Zeug ins Blatt heben zu sollen, existiert auch immer noch: Ihr bringt doch sonst auch jeden Schmarrn!

Kurz gesagt: Es hat sich nicht so viel Grundlegendes geändert seit 1986.

Das Phänomen Lokaljournalismus

Der Lokaljournalismus, zumal der gedruckte in der Tageszeitung, ist ein echtes Phänomen in Deutschland.  Mitten in den größten Umbrüchen  ist er erstaunlich veränderungsresistent. Und, das ist besonders verblüffend: offenbar von den Nutzern nicht anders gewollt. Das widerspricht zwar ungefähr allem, was man in Seminaren und Panels und Blogs so liest und hört, ist aber ähnlich wie beim Teletext: Auch der sieht ja immer noch so aus wie in seinen Gründertagen. Würde man ihn modernisieren wollen, es gäbe vermutlich einen Aufstand bei den Nutzern.

Wenn es um Lokaljournalismus geht, sind die Nutzer in Deutschland ein  konservatives Volk. Nach wie vor stehen Lokaljournalisten nicht gerade an der Spitze der Ansehens-Skala. Und unverändert gilt der Lokaljournalismus vielen als etwas, was zwar irgendwie notwendig, aber kein richtiger Journalismus ist. Lokalzeitung? Hat man halt, findet sie aber so sexy wie ein paar alte Socken.

Dam müsste es doch mit dem Teufel zugehen, würde man im Zeitalter der hemmungslosen Digitalisierung nicht auch diese ganzen verstaubten Käseblättchen vom Markt fegen und durch irgendwas Hippes ersetzen können. Apps beispielsweise. Oder Blogs. Oder irgendwas mit sozialen Netzen.

Lokales im Web? Eher unwichtig.

Und dann wirft man einen Blick auf die neuesten Zahlen von Bitcom – und man staunt: 41 Prozent informieren sich gar nicht über das Lokalgeschehen im Web. Von den verbliebenen 59 Prozent, die es doch tun, entscheiden sich 28 Prozent für die Webseite einer Lokalzeitungen. Die gehypten Lokalblogs hingegen bringen es nur auf 20 Prozent. Und auch alle anderen Anbieter, Stadtmagazine oder Lokalsender, landen mit ihren Webangeboten hinter den Lokalzeitungen.

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Das ist nicht nur auf den ersten Blick ein Widerspruch. Zu erklären ist er kaum, zumindest dann nicht, wenn man Menschen so reden hört über ihre Lokalredaktionen. Trotzdem gibt es eine Erklärung: Lokalzeitungs-Leser sind enorm geduldige, man könnte auch sagen: träge Kunden. Bis jemand seine Lokalzeitung abbestellt oder zur Konkurrenz wechselt, muss schon viel passieren. Mit der trägen Treue von Lesern der Lokalblätter können bestenfalls noch Banken konkurrieren, die sich ebenfalls enorm anstrengen müssen, bis sie einen Kunden zur Kündigung treiben.

Kein ganz neues Phänomen übrigens: Der Markt der Lokalzeitungen ist in Deutschland schon seit Jahrzehnten kein echter Markt. In vielen Regionen Deutschlands existieren De-facto-Monopole, die nicht mehr aufzubrechen sein werden. Wer seine Claims in einer Region abgesteckt hat, der ist dort meistens medialer Alleinherrscher.

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Tageszeitungen in Deutschland. (Grafik: ZMG)

Umgekehrt: Gerade in den letzten 12 Monaten hat sich die Euphorie um Lokalblogs deutlich abgekühlt (und ich gebe zu: Ich hatte deren Potential auch deutlich größer eingeschätzt). Tatsächlich nehmen viele ein Lokalblog gerne als zusätzliches Informations-Angebot mit, sind aber nur selten dazu bereit, dafür auch Geld auszugeben. Noch gravierender: Anzeigenkunden. Die meisten von ihnen kommen mit ihren Regionalblättern vor Ort leidlich aus, lokale Blogs sind für die meisten eine zu vernachlässigende Größe.

Der Kritiker als Nestbeschmutzer

Zumal es speziell im Lokaljournalismus noch ein weiteres Phänomen gibt, das jeder kennt, das es eigentlich nicht geben dürfte – und über das deshalb öffentlich eher weniger gesprochen wird: Natürlich wollen wir alle kritischen und unabhängigen Journalismus. Aber bitte, wenn es das um das eigene Revier geht, da wird dann aus dem kritischen Journalisten schnell ein Nestbeschmutzer. Und so genau will man es ja auch gar nicht wissen, wenn es um die eigene Haustür geht. Würde man sich also als alternatives Lokalmedium irgendwie gegen die Vorstellung der meistens heilen Welt positionieren, man könnte ebenso gut vorsorglich Insolvenz beantragen.

Es ist deshalb keine gewagte Prognose: Neben dem Teletext wird auch der (gedruckte) Lokaljournalismus von den Veränderungen durch die Digitalisierung weniger spüren als viele andere.