Das Medienjahr 2013: Immer noch auf Antwortsuche

Es ist ja unbestritten ganz praktisch, wenn man sich gerade Gedanken über so etwas Ähnliches wie einen Jahresrückblick macht – und dann kommen andere daher und nehmen einem den einen oder anderen Denkanstoß ab und greifen dabei auch noch auf ein wohl sortiertes Audioarchiv zurück. So geschehen am Donnerstag Abend, als Daniel Fiene und der Herr Pähler ihren Jahresrückblick bei DRadio Wissen rausgehauen haben und mir freundlicherweise erlaubt haben, geschlagene 90 Minuten meinen Senf dazu zu geben, was man übrigens hier nachhören kann.

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Aber natürlich sind auch 90 Minuten Sendezeit etwas kurz, man bringt nicht alles rein, was man gerne hätte und man hat natürlich auch noch den einen oder anderen weiterführenden Gedanken. Einen, der im Jahresrückblick gar keinen Platz gefunden hat — ist einer, für den ich wahrscheinlich wenigstens verwunderte Blicke bekomme. Weil — Kollegen schelten und gleichzeitig Politiker wenigstens vorsichtig verteidigen, das geht gar nicht, will man nicht dem Verdacht ausgesetzt sein, man  sei wahlweise Parteigänger, Lobbyist oder schlichtweg nicht ganz bei Trost. Trotzdem oder gerade deswegen: Ich bin gerade 2013 den Eindruck nicht losgeworden, dass nicht nur unsere Außenwirkung ein wenig gelitten hat, sondern dass Journalisten immer häufiger den Versuchung erliegen, in einer für aufgeheizten Stimmungen sehr empfänglichen Öffentlichkeit immer öfter mal jegliches Maß und Ziel verlieren.  Wenn man beispielsweise in diesen Tagen erlebt, wie an strafrechtlich relevanten Vorwürfen gegen Christian Wulff ein beschämend lächerliches Maß übrig bleibt und wenn man sich gleichzeitig vor Augen führt, wie Wulff wie ein Verbrecher niedergeschrieben wurde — dann kann man sich zwar fragen, ob nicht die Justiz gerade maßlos übertreibt. Aber man muss sich dann eben auch die Frage stellen, ob nicht die mediale Berichterstattung auch dazu geführt hat, dass eine Staatsanwaltschaft sich möglicherweise erst so richtig ermutigt oder vielleicht auch unter Druck gesetzt gefühlt hat, Wulff ordentlich auseinander zu nehmen.

Damit wir uns nicht missverstehen: dass Wulff sich in seinen Ämtern unmöglich gemacht hatte, steht außer Zweifel. Aber unter dem Strich wird folgende Bilanz bleiben: Ein Mann verliert sein komplettes Ansehen, seine Ehe und seine Ehre, er wird einmal komplett öffentlich durchleuchtet einschließlich aller Kontoauszüge, Freundschaften und seiner Hauseinrichtung. Das alles wegen eines Vorwurfs, der sich irgendwo im dreistelligen Eurobereich bewegt. Und der, so viel lässt sich prophezeien, demnächst wegen Geringfügigkeit nicht mehr weiter verfolgt wird.

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Natürlich ist der Fall Wulff der extremste seiner Gattung. Aber auch andere Geschichten haben gezeigt, dass wir mal wieder über unser Selbstverständnis nachdenken sollten. Beispielsweise dieses ominöse Slomka-Gabriel-Interview. Da war eine Journalistin nicht nur schlecht vorbereitet, sondern beharrte auch quengelig wie ein Kleinkind auf einem Randaspekt des Themas. Ein Aspekt, von dem man heute weiß, dass er tatsächlich irrelevant war. Und einer, zu dem Gabriel eine klare Antwort gegeben hatte; es war ja nicht so, dass er sich vor einer Antwort gedrückt hätte. Ganz ehrlich: Wäre ich an Gabriels Stelle gewesen, hätte ich Frau Slomka auch irgendwann mal gefragt, was der Unsinn soll.

Was daran besonders nervt: Zunehmend öfter erlebt man Totschlagargumente, ist sofort die Pressefreiheit bedroht und am besten gleich noch der ganze Staat, wenn die Menschen auf der anderen Seite des Schreibtisches irgendwann mal sagen, dass es so nicht geht. Spätestens dann, wenn sich Michael Konken und der DJV melden, ahnt man, dass die Debatte zu Tode geritten ist. Es ist nur einfach nicht so, dass an einem missratenen Interview grundsätzlich der Interviewte schuld ist und dass jede Berichterstattung auch durch ihren Hintergrund gerechtfertigt ist. Im Fall Wulff und auch bei der Debatte um Gabriel und Slomka habe ich mich jedenfalls dabei ertappt, dass mein inneres Zustimmungspendel ungewollt gegen die Journalisten-Seite ausschlug. Dass das ZDF in der „heute-show“ noch eine dünne Satire brachte und eine „Horst-Seehofer-Journalistenschule“ parodierte, machte die Sache auch nicht wirklich besser. Natürlich sind Politikeranrufe bei Sendern immer so eine Sache, aber trotzdem: Sowohl im Fall Wulff als auch bei Gabriel gäbe es schon ein paar Gründe, die dafür sprächen, dass Journalisten mal ein bisschen in sich gehen und über den Unterschied zwischen hartnäckiger Recherche bzw. hartnäckigem Nachfragen und Maßlosigkeit und Oberflächlichkeit nachdenken.

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Wenn man denn unbedingt das Medienjahr 2013 bilanzieren will, dann ist das ungleich schwieriger als 2012. 2012 schien die Sache eindeutig: Die FTD machte dicht, die FR stand kurz davor. Man redete vom Zeitungssterben und davon, dass es wohl doch schneller gehen könnte mit dem Siechtum analoger Medien. In diesem Jahr ist das Bild ambivalenter. Das hat kein Deal klarer gezeigt als der zwischen Springer und Funke. Da gibt es auf der einen Seite den Verkäufer, der offenbar dauerhaft nicht mehr an dieses Kerngeschäft der gedruckten Regionalzeitung glaubt und sich stattdessen radikal an einer digitalen Neuausrichtung des Hauses versucht. Dass er dieses Kerngeschäft nicht verramschen musste, sondern stattdessen einen sehr anständigen Preis erzielte, lag daran, dass auf der anderen Seite jemand stand mit genau gegenteiliger Auffassung: Bei Funkes glauben sie anscheinend noch sehr an die gedruckte (Regional-)Zeitung. Obwohl, sogar innerhalb der Funke-Handlungen kann man jede Menge Widersprüche entdecken. Man hat auf der einen Seite fast eine Milliarde für die Springer-Blätter ausgegeben, auf der anderen Seite aber weiter Personal abgebaut, Redaktionen geschlossen und ab 2014 als Sparmaßnahme auch noch alle Agenturen außer dpa gekündigt. Wie das alles zusammen gehen soll, wissen sie vermutlich nur bei Funke selber.

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Es war ansonsten übrigens ein Super-Super-Wahljahr (frei nach Pep Guardiola) in Deutschland. Das wäre eine gute Gelegenheit zu bilanzieren, wie sehr sich neue Formen des Journalismus etabliert haben und was sich seit 2009 geändert haben könnte. Leider muss man, durchaus überrascht, feststellen, dass das so rasend viel gar nicht wahr. Die üblichen Verdächtigen bei süddeutsche.de und bei „Zeit Online“ haben sich wohltuend abgehoben von der Routine der anderen. Bei den meisten muss man allerdings feststellen: alles wie gehabt. Die ganz großen, aufregenden Neuerungen sind 2013 ausgeblieben, auch bei denen, die sie eigentlich angekündigt hatten und von denen man sie vielleicht sich hätte erwarten dürfen. Die „Huffington Post“ jedenfalls — als wohl größte und spektakulärste Neugründung des Jahres — ist nicht unbedingt das, was man in Deutschland noch unbedingt zu seinem Medienglück gebraucht hätte.

Aber vielleicht ist das ja auch die Quintessenz des Medienjahres: Dass es irgendwann nicht mehr so weitergehen kann wie jetzt, das ahnen wir alle ja schon etwas länger. Die richtigen Antworten auf die vielen Fragen werden wir aber womöglich noch einige weitere Jahre suchen müssen.

Redaktionskonferenz, 17.1.2013

Am Donnerstag Abend  gab´s mal wieder die „Universalcorner“ in der Redaktionskonferenz mit Daniel Fiene und Herrn Pähler. Geplaudert haben wir diesmal u.a. darüber, warum es so wichtig ist, in sozialen Netzwerken vertreten zu sein. Gefunden haben wir dabei ganz erstaunliche Dinge. Ebenfalls Themen: Schleichwerbung, das Ende der „Westfälischen Rundschau“ und irgendwie mal wieder alles, was in der letzten Medienwoche wichtig war. Nachhören: hier.

Und noch ein Jahresrückblick…

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Das Medienjahr 2012 – aus etwas ernsterer Perspektive betrachtet als das hier: B5aktuell hat sich damit eine Stunde lang auseinandergesetzt. In der ersten halbe Stunde gebe ich auch meinen Senf dazu. Die Sendung zum Nachhören: hier.

Was mit Universalcode

Was mit Medien #260 – mit Grimme und Mozilla by wasmitmedien

Herr Pähler und Daniel Fiene haben sich für „Was mit Medien“ das Thema „Universalcode“ nochmal auf Wiedervorlage gelegt, nachdem die beiden schon vor einem Jahr das Thema behandelten, als es noch nicht sehr viel mehr als eine lose Idee war. Jetzt haben sie sich das fertige Buch nochmals vorgenommen und plaudern gewohnt unterhaltsam – nicht nur darüber, sondern auch über ganz vieles anderes. Wie immer schön zu hören, natürlich. Oder wie Herr Pähler sagen würde:  nett.

Das Portal zum Buch

Zugegeben, am Ende wurde es dann doch noch mal eng. Aber das Gefühl, es könnte irgendwie knapp werden, begleitet mich ja schon die ganze Zeit durch das Universalcode-Thema, da kam´s jetzt auf das eine Mal mehr oder weniger auch nicht an. Jedenfalls ist das Portal zum Buch jetzt auch online.  Und es hat noch etwas anderes mit dem Buch gemeinsam: Es ist erstmal eine Idee, ein Grundgerüst. Wer Ideen, Anregungen, Informationen, Kritik hat oder sogar eigene Beiträge beisteuern will, immer nur her damit (cjakubetz ät gmail dot com). Schließlich ist das Buch ganz entscheidend durch die Einflüsse von draußen geprägt worden, so soll es auch mit dem Portal sein. Sagen wir es so, das Portal ist die Fortschreibung des Buchs und eine Fortschreibung beginnt immer an irgendeinem Ende, das dann quasi der Anfang ist. Was ich mit diesen etwas länglichen Wort nur sagen will: Erwarten Sie bitte keine fertige und auch keine statische Seite, sondern eher das Grundgerüst für etwas, was in den kommenden Wochen wachsen wird.

Universalcode-Podcast (3): Heribert Prantl by cjakubetzuser

Zum Start gibt es auch eine neue Folge des Podcasts, dessen erste Folgen ich ja an dieser Stelle schon gepostet hatte. Sie erinnern sich: Das Vorwort zu „Universalcode“ hat Heribert Prantl geschrieben. Naheliegend, dass er auch zum Start des Portals im wahrsten Sinne des Wortes zu Wort kommt. Nachzuhören auf der Seite – oder gleich hier.

Ein Buch – das Update (60): Der Podcast

Morgen also geht es los: Die ersten Exemplare werden ausgeliefert, vorrangig an die Testleser und natürlich dann nach Reihenfolge der Bestellung. Tatsächlich also sollten die ersten Leser Mitte der Woche ihren „Universalcode“ in den Händen halten. Daneben gehen die Arbeiten an der entsprechenden Webseite in den Endspurt. Bei dieser Seite gibt es natürlich weitaus mehr als nur ein paar Infos zum Buch – sondern natürlich auch Videos und ein Podcast.  Als kleinen Appetizer gibt es hier schon mal die erste Folge. Das auch als Aktualitätsgründen, weil das Gespräch mit Daniel Fiene während der Medientage in München auf einer U-Bahnfahrt zwischen dem Messegelände und dem Hauptbahnhof aufgenommen wurde. Den Podcast gibt es dann später auch bei iTunes, auf dem Portal und natürlich hier.

Universalcode-Podcast (1): Daniel Fiene by cjakubetzuser

Das Portal startet übrigens vermutlich in ziemlich genau einer Woche – genaueres dann hier.

 

Den Universalcode plusonen: 30 Minuten Geek-Week

Heißt das jetzt wirklich „geplusoned“?  Haben sie bei Microsoft noch alle Nadeln an der Tanne? Zahlt irgendjemand für Journalismus und ist Universalcode nicht ein bisschen großkotzig? Das und anderes diskutiere ich wie gewohnt etwas arg vorlaut mit Marcus Schuler und dem großarig coolen Frederic, der uns irgendwo in Portland zugeschaltet war. In der neuesten Ausgabe der Geek-Week. Gibt´s bei iTunes im Abo (sehr zu empfehlen). Oder direkt hier.

Radio (2)!

Wenn ich mir den Beitrag anhöre, den Radio M94,5 gestern zum Thema „Bloggergate“ gesendet hat, dann wird mir erst wieder klar, wie rasend schnell die Betriebstemperatur im Netz steigt und wie sich das kurz vor der Überhitzung stehende Ding dann auch wieder abkühlt. Von „Bloggergate“ wird jedenfalls kaum mehr gesprochen, was ein guter Beleg dafür ist, dass es das Thema auch nicht wert ist.

Nachdem ich in dem Beitrag von M94,5 nur in zwei O-Tönen drankomme und das naturgemäß nicht meine ganze Meinung abbildet und weil man das eine oder ja dann doch nochmal klarstellen sollte: Ich sehe die ganze Sache ziemlich pragmatisch und eher unaufgeregt. Ich will damit keineswegs sagen, dass ich versteckte Links gutheiße oder selber so etwas machen würde.  Ich glaube nur, dass Blogger, die das tun, sich in der Konsequenz selbst erledigen. Ihr Problem, wenn sie das tun.   Begriffe wie Skandal, Gate oder gar Tsunami darf man trotzdem durchaus etwas sparsamer einsetzen.

Und noch eine Anmerkung:  Von einem Blog abgesehen, das ich nur vom Nichtlesen her kannte, kannte ich kein einziges.  Wären irgendwelche Großblogger dabei gewesen, die ich als besonders lesenswert eingestuft hätte, hätte mich das Thema mehr berührt. Und was Basic Thinking so alles veranstaltet, war mir schon früher eher wurscht, inzwischen ist es mir noch wurschtiger.

Radio!

Wenn ich etwas über die Jahre hinweg vergessen hatte, dann das: wie viel Spaß Radio machen kann. Deswegen hat es sich gut getroffen, dass ich für DRadio Wissen einen Kommentar geschrieben und gesprochen und geschnitten habe, der heute morgen über den (hach, wie schön analog ist das denn?) Äther ging.

Wenn Sie ihn hören wollen: hier entlang. Der Typ auf dem Foto bin aber nicht ich.

Das singende Buch…

…und diesen Beitrag nehmen Sie bitte nicht weiter ernst, Sie sollten nur dringend hören, was unser Co-Autor Jochen Markett so alles verbricht, wenn er unter seinem Künstlernamen Joey Marketti singend und Blockflöte spielend Bands unterstützt.

Das mag ja was werden beim Autorentreffen.

Finde weitere Künstler wie Barmbeker Herzschmerzbuben bei Myspace Musik