Mein Snapchat hieß noch Blog

Es gab Zeiten, da existierte Facebook noch nicht mal. Und mit Handys konnte man bestenfalls telefonieren. Aus dieser Zeit stammt dieses Blog. Zeit für eine gnadenlose Abrechnung mit sich selbst, vielen lustigen Irrtümern und diesem Medienwandel nach beinahe 15 Blogger-Jahren…

“Read

Das neue Buch ist (fast) da!

Zu den schöneren Dingen des Lebens gehört das Gefühl, etwas geschafft zu haben. Und so wie Handwerker sich freuen, wenn sie einen Tisch geschreinert haben, so freue ich mich über ein Buch. Das ist nicht so gut sichtbar wie ein Tisch, aber immerhin bekommt man dann von seinem Verlag so hübsche Mitteilungen wie diese:

Christian Jakubetz

Universalcode 2020

Content + Kontext + Endgerät

  1. 11.07.2016, 300 Seiten, flexibler Einband

ISBN 978-3-86764-681-9

  1. gebundener Ladenpreis Euro (D) 24,99

Praktischer Journalismus Band 102

Noch nicht erschienen

http://www.uvk.de/isbn/9783867646819

Soll heißen: Ihr könnt das Buch jetzt schon vorbestellen, beim UVK beispielsweise oder im Buchladen oder bei mir oder bei Amazon. Es hat ca. 300 Seiten und zudem noch einen spannenden Gastbeitrag von Thomas Hinrichs (Informationsdirektor BR), Christian Daubner (Leiter digitale Informationsstrategie BR) und Silvia Genauer (Informationsdirektion BR).

UC_VorschaubildZwei Dinge sind anders, bewusst anders als beim ersten „Universalcode“. Erstens ist er nur halb so dick. Das hat nichts mit Faulheit zu tun, sondern mit der Erkenntnis, dass 600 gedruckte Seiten im digitalen Zeitalter keine wirklich gute Idee sind. Lieber nur 300 und dafür öfter aktualisieren – die „2020“ im Titel steht da bewusst und ist Programm. Sehr viel weiter kann und will ich in diesem Buch nicht schauen, danach gibt es eine Aktualisierung oder gleich ein neues Buch.

Zweitens erscheint das Buch beim UVK. Nach dem Versuch des Eigenvertriebs und mit dem kleinen Effess-Verlag bin ich mir heute sicher: Nette Idee, aber als Autor ist man dann doch wieder froh, wenn man sich nicht um Dinge kümmern muss, um die man sich nicht kümmern will. Der UVK ist ein großer, seriöser und auf Medien-Themen spezialisierter Verlag. Man weiß das zu schätzen, wenn man weiß, dass nicht überall, wo Verlag drauf steht, auch wirklich Verlag drin ist.

„Universalcode 2020“ ist zeitgleich auch der Nachfolger von „Crossmedia“ und „Universalcode“. Beides waren spannende und zu ihrer Zeit gute Projekte. Jetzt ist die Zeit abgelaufen. Die neue (Bücher-)Zeit beginnt am 11.7.

Das beinahe fertige neue Buch…

Endspurt: „Universalcode 2020“ ist beinahe fertig. Das „beinahe“ hängt an einer Lektorin und drei neuen Autoren, die noch dazu gekommen sind…

Im ersten Moment war ich versucht zu schreiben: Das Buch ist fertig! Das stimmt aber aus mehreren Gründen nicht. Wenn man ein Manuskript bei einem Verlag abgibt, dann bedeutet das ja erstmal nur, dass der Verlag eine erste Fassung hat. Momentan gehen die Augen der gestrengen Lektorin Sonja Rothländer vom UVK drüber; was danach noch von meinem Entwurf übrig bleibt, wissen die Götter.

Thomas Hinrichs, BR-Informationsdirektor. (Foto: BR/Markus Kovalin)

Thomas Hinrichs, BR-Informationsdirektor. (Foto: BR/Markus Kovalin)

Und zweitens habe ich drei Gastautoren dazu bekommen, über die ich mich sehr freue. Thomas Hinrichs (Informationsdirektor des BR und quasi der erste trimediale Chefredakteur des Senders), Christian Daubner (Leiter der Digitalstrategie des BR) und Silvia Renauer (Informationsdirektion BR) werden in einem eigenen, umfangreichen Kapitel zweierlei schildern: wie und warum der Umbau des BR zum trimedialen Sender vonstatten geht – und was das zweitens für Menschen bedeutet, die künftig was mit Medien machen wollen.

Es gibt auch Gründe dafür, warum mir speziell dieses Kapitel sehr wichtig ist. Weil so ein Buch wie „Universalcode 2020“ unweigerlich Gefahr läuft, ein sehr theoretisches Konstrukt zu werden. In dem so ein bisschen steht, was man in diesem digitalen Journalismus so alles machen kann. Aber die Frage nach den Konsequenzen in der Praxis und für unseren Beruf bleibt dabei schnell mal auf der Strecke.  Diese Fragen werden durch das Hinrichs-Daubner-Renauer-Kapitel ausgiebig beantwortet.

Was allerdings auch bedeutet, dass die Fertigstellung des Buchs auf zwei Baustellen gleichzeitig passiert (die ich blöderweise beide nur sehr eingeschränkt beeinflussen kann): In Konstanz wird gerade lektoriert, beim BR geschrieben.

Ich bin trotzdem optimistisch, dass „Universalcode 2020“ wie geplant im Juni/Juli erscheinen wird…

Universalcode #2020

Die Frage taucht immer wieder auf: Ist es überhaupt noch sinnvoll, wenn man als Journalist in die „alten“ Medien gehen will? Wenn alles digital und online ist, welche Zukunft haben dann TV, Radio und Zeitung? Ein paar Fragen, die der „Universalcode2020“ zu beantworten versucht. Ab Sommer 2016. Als Buch.

Auf diese Frage nach der Zukunft bekommt man naturgemäß unterschiedliche Antworten. Was vor allem damit zu tun hat, dass es für nahezu jede Theorie auch das passende Zahlenmaterial gibt. Während also überzeugte Digital-Apologeten darauf verweisen, dass das Netz weiterhin exorbitant wächst und beispielsweise Tageszeitungen mittlerweile einen Generationen-Abriss verzeichnen müssen, zeigen Vertreter der anderen Seite gerne mal auf eine Statistik, die belegt, dass Fernsehen nach wie vor das beliebteste und am meisten genutzte Medium in Deutschland ist (wenn nicht alles täuscht, wird sich daran so schnell auch nichts ändern).

Ein eklatanter Widerspruch? Nur auf den ersten Blick. Tatsächlich aber passen diese beiden Aussagen zusammen und umschreiben die Entwicklung in der Branche ziemlich präzise. Denn immer noch haben wir es in Deutschland mit einem tiefen Graben zu tun, der die Gesellschaft trennt in „Digital Souveräne“ und der Rest, wie es die Initiative D21 in ihren jährlichen Berichten umschreibt. Das bedeutet, dass es auf der einen Seite ein vergleichsweise junges Publikum gibt, für die der Umgang mit digitalen Geräten und Medien eine Selbstverständlichkeit ist. Auf der anderen Seite des Grabens stehen – immer noch – all jene, die sich zwar an die Nutzung von Mails und Amazon gewöhnt haben, ihre Medien aber immer bevorzugt auf konventionellem Weg nutzen.

digitalindex2015_16-17

Betrachtet man beide Seiten dieses bestehenden digitalen Grabens, dann wird klar, warum beide Aussagen richtig sind. Immer noch schauen Menschen im Schnitt über drei Stunden pro Tag fern, immer noch läuft das Radio über den Tag verteilt fast genauso lang. Und selbst von Tageszeitungen, die den digitalen Wandel sicher am stärksten spüren, werden Tag für Tag immer noch fast 17 Millionen Exemplare verkauft (Stand: Anfang 2016).

Das alles ist eine ganze Menge für Medien, die seit Jahren regelmäßig für tot erklärt werden. Der Untergang der alten Medien fällt also aus, zumindest noch für eine Zeit lang. Allerdings, ganz so einfach ist es dann doch wieder nicht: Auch wenn die Zahlen Horrorszenarien nicht hergeben, zumindest bei den Zeitungen spricht dennoch einiges dafür, dass sich die Situation deutlich verschlechtern wird (zumindest dann, wenn wir unter „Zeitung“ ausschließlich etwas Gedrucktes verstehen). Denn tatsächlich sinken die Auflagen der Blätter seit rund 20 Jahren ohne Unterbrechung. Nicht dramatisch, in Deutschland liegt der Auflagenrückgang seit Jahren stabil irgendwo zwischen einem und zwei Prozent.

Es gibt allerdings einige Indikatoren, die eindeutig darauf hinweisen, dass sich das ändern wird.

Erstens: Die Blätter vergreisen zunehmend, sowohl was ihr Publikum als auch ihre Redaktionen angeht. Auch wenn die einzelnen Statistiken zu unterschiedlichen Resultaten kommen, unbestritten ist, dass für das Publikum unterhalb der 30 die Tageszeitung zunehmend unbedeutend wird. Und dass eine Generation, die mit Smartphones, Laptops, Tablets und sozialen Netzwerken sozialisiert worden ist, plötzlich wieder zur Zeitung greift, darf man ausschließen.

Zweitens: Gerade in den urbanen Regionen Deutschlands zeigt sich schon sehr deutlich, wohin die Reise geht. Man muss dafür nicht mal den extrem harten Zeitungsmarkt in Berlin als Beispiel bemühen; generell zeigt sich: In ländlichen Regionen ist die Treue zur Zeitung noch spürbar höher, in den Städten erodiert sie. Man kann daraus verschiedene Rückschlüsse ableiten, aber einer hat sicher Bestand: Je ausgebauter digitale Strukturen sind, desto mehr werden sie von den Menschen genutzt.

Und drittens: Journalismus, Medien und Kommunikation, das wird von den Digital Natives“ inzwischen als eine Art multimediale Masse wahrgenommen. Die Logik, nach der wir in unserer Medien-Blase Medien verstehen, greift dort nicht mehr. Die Frage, ob etwas Print ist oder nicht, die stellt sich dort nicht. Die Trennschärfe existiert im Netz schon gleich dreimal nicht. Print im Netz, TV im Netz? So denkt der User 2016 nicht mehr. Der sucht nach Angeboten, Informationen und Unterhaltung. Nicht mehr, nicht weniger.

***

Jakubetz-Crossmedia-2te-9783867642392_PJ

Wie geht man mit dieser Entwicklung um? Wie wird sie weitergehen? Was muss man dafür können und was nicht? Seit „Crossmedia“ (1. Auflage immerhin schon fast 8 Jahre alt) und „Universalcode“ (inzwischen auch beinahe 4 Jahre) hat sich zu viel getan, als dass man einfach nur ein kleines Update dieser Bücher machen könnte. Deswegen mache ich gerade fast alles neu. Und erfreulicherweise ist mit diesen ganzen Überlegungen auch die Suche nach einem Titel zu Ende gegangen: „Universalcode2020“ tritt die ganze Sache ziemlich gut, finde ich. Vor allem deswegen, weil der Titel auch signalisiert, dass mir natürlich bewusst ist, ein Buch zu diesem Thema nicht mit einem längeren Haltbarkeitsdatum versehen zu können. 2020 – und danach schauen wir mal, wie die Welt dann aussieht.

Das Buch soll de facto zwei Teile haben. Einen, der die wichtigsten Trends und Entwicklungen zusammenfasst, der analysiert, der erklärt. Ich glaube, es ist wichtig zu verstehen, warum wir das machen, was wir gerade machen. Der zweite Teil ist dann: Handwerk. Pures Handwerk. Er basiert natürlich auf dem, was damals in „Crossmedia“ stand. Davon verwendbar ist allerdings wirklich fast nur noch die Grundstruktur. Inhaltlich benutze ich dabei gerade am häufigsten die Delete-Taste.

Wann? Ich befürchte, dass der ursprüngliche Plan mit dem Sommer 2016 eng werden könnte. Weil das gute Stück nun doch mehr Umfang haben wird als ich eigentlich dachte. Auf der anderen Seite ist das ja auch ein ganz schöner Antrieb und wenn man morgens regelmäßig eine Stunde eher aufsteht und zum Schreiben nutzt…stay tuned, mehr demnächst!

Das neue Buch (ohne Titel)

2016 wird mein neues Buch über Journalismus erscheinen. Es ist keine richtige Neuauflage von „Crossmedia“ und einen guten Titel hat es auch noch nicht. Zeit, mal wieder die verehrte Community zu Rate zu ziehen…

Es ist ziemlich hilfreich, wenn man sich über einen Buch-Titel intensiv Gedanken macht. Weil man beim Sinnieren über den Titel zwangsweise auch mit der Frage konfrontiert wird, welchen Inhalt das Buch eigentlich genau haben soll.

Dass das Buch nicht „Crossmedia“ heißen wird, stand schnell fest. Weil „Crossmedia“ ein Begriff aus lang vergangenen Tagen ist. Und weil das Buch bestenfalls in Fragmenten auf „Crossmedia“ basieren, aber keine echte Neuauflage sein wird. Dazu ist zu vieles passiert in den letzten Jahren. Betrachten Sie es also als ein komplett neues Buch, bei denen Ihnen höchstens dann das eine oder andere etwas bekannt vorkommen könnte, wenn Sie „Crossmedia“ sehr gründlich gelesen und in Erinnerung haben.

Aber wie soll es dann heißen? Eine Zeit lang dachte ich an „Digitaler Journalismus“. Aber erstens mag ich den Begriff nicht sonderlich, weil es dann ja auch eine Art „analogen Journalismus“ geben müsste. Davon abgesehen glaube ich fest daran, dass jeder Journalismus inzwischen digital ist, zumindest potentiell. „Crossmedia“ ist es aus genannten Gründen auch nicht und „Onlinejournalismus“ würde auf die völlig falsche Spur führen.

Davon abgesehen: Ich will keinen Titel, der nach Leitz-Aktenordner klingt. Wo stand nochmal der „Digitale Journalismus“, Frau Müller? Gleich neben „Recherche“ und „Reportage“, Chef.

***

Die Ausrichtung des Buches ist diesmal eine andere. „Crossmedia“ war am ehesten noch das, was man leicht antiquiert ein „Lehrbuch“ nennt. Die Zeiten solcher Lehrbücher sind allerdings ziemlich vorbei. Beim Thema „Digitaler Journalismus“ sowieso. Lehren im klassischen Sinne kann man da vergleichsweise wenig, weil nahezu jedes Thema zwangsweise auch mit Einschätzungen und Spekulationen darüber zu tun hat, wie es wohl weitergehen könnte mit diesem digitalen Journalismus.

Die Halbwertszeit von vielen Themen ist zudem überschaubar. Ich habe beim Schreiben immer wieder Texte aus „Crossmedia“ gelesen und dabei regelmäßig wahlweise leicht gekichert bis laut gelacht. Zum gemeinsamen Amüsement, aber auch um zu belegen, wie schnell sich die Zeiten ändern, poste ich in den nächsten Wochen immer wieder mal besonders lustige Auszüge aus dem Buch. Als kleiner Appetizer schon mal der hier:

Eigene, wirklich originäre Darstellungsformen im Online-Journalismus gibt es noch so gut wie gar nicht, die allermeisten machen das, was sie ohnedies schon können – nur eben auf einem Computerbildschirm. Nicht umsonst entstand in den Anfangsjahren des Online-Journalismus so ein abstruser Begriff wie »Internetzeitung«. Der per se ziemlich unsinnig, trotzdem aber insofern nachvollziehbar war, als dass es keine wirklich gute Alternative zu ihm gab. »Online-Angebot«, wie man heute zu sagen pflegt, trifft die Sache schon erheblich besser, weil damit charakterisiert wird, dass in einem nicht-linearen Medium tatsächlich nur Angebote gemacht werden. Ein Teil der Aktivität, der Selektion und der Gewichtung wird dem User überlassen.

(Doch, ich habe das wirklich so geschrieben. War allerdings auch 2007.)

Das neue, immer noch titellose Buch soll deshalb beides sein: eine Art „Gebrauchsanleitung“, ein Handbuch, in dem man schnell mal etwas nachschlagen kann auf der einen Seite. Auf der anderen Seite aber auch eine Art Jahrbuch, das in Titel und Ausrichtung signalisiert, dass es eine begrenzte Halbwertszeit hat, gleichzeitig aber auch fortgeschrieben wird. So eine Art „Agenda 2020“ halt, wobei leider seit Herrn Schröder der Begriff „Agenda“  ziemlich abgenutzt ist. Zu einer solchen Agenda gehören dann eben auch grundsätzliche Einschätzungen, Überblicke über die wichtigsten zu erwartenden Entwicklungen und gelegentlich auch mal so etwas wie völlig haltlose Meinungsstücke.

***

Ein paar Dinge werden anders sein als bei „Universalcode“. Erster entscheidender Unterschied: Ich schreibe diesmal alleine, bestenfalls lade ich mir einen oder zwei Gastautoren dazu. Das hat vor allem damit zu tun, dass zum einen knapp 20 Autoren enorm schwierig zu koordinieren sind und es – zugegeben – bei „Universalcode“ auch nicht gerade mein Lieblings-Job war, knapp 500 Seiten Fremdtexte zu lesen. Zum anderen sind viele der damaligen Co-Autoren inzwischen so sehr in ihre eigenen und aufwändigen Projekte eingebunden, dass es vermutlich kaum machbar wäre, sie alle wieder unter einen Hut zu bekommen.

Davon abgesehen wird das neue Buch auch nicht so ein ausführlicher Schinken wie „Universalcode“ werden. Rund 600 Seiten sind zwar mal eine ganz hübsche Fingerübung, aber ob man Bücher dieses Formats wirklich braucht, sei dahin gestellt. Ganz davon abgesehen, dass das ja auch eine Kostenfrage ist. „Universalcode“ war ein Non-Profit-Projekt und ging halt deshalb für vergleichsweise günstige 29,90 Euro.

Trotzdem: Ich freue mich natürlich, wenn es wieder so viel Anregungen wie möglich aus der Community gibt. Das war letztlich ein entscheidender Grund dafür,  warum „Universalcode“ ein wirklich sehr, sehr schönes Projekt geworden ist.  Diesmal muss übrigens niemand in Vorleistung gehen und irgendwas bestellen oder crowdfunden: Das Buch kommt so oder so, ob es euch passt oder nicht. Trotzdem: Je mehr Community, Debatten, Kritik, Anregungen und vielleicht auch gerne mal eine lobende Bestätigung – umso besser. In den kommenden Wochen gibt es hier deswegen auch immer mal wieder Statusberichte und erste Text-Auszüge aus dem neuen Epos.

Und es bekommt ein neues Cover. Für das „Crossmedia“-Cover schäme ich mich heute noch.

***

Wann? Der Plan ist: Sommer 2016. Im UVK. Und jetzt wird weitergeschrieben.

„Digitaler Journalismus“

Vorsicht, jetzt wird es einigermaßen kompliziert, an manchen Stellen widersprüchlich, grundsätzlich-theoretisch und auch sonst alles, was man in einem Blogbeitrag eigentlich nicht machen sollte. Geht aber leider nicht anders, weil es sich bei diesem Buch und seiner Geschichte ebenfalls um eine etwas komplizierte Geschichte handelt. Auf der anderen Seite: Was in diesem Internet ist schon einfach?

Jakubetz-Crossmedia-2te-9783867642392_PJ

Es war 2008, als ich zum ersten Mal mit dem UVK in Konstanz Kontakt hatte. Der Gedanke damals: ein Buch zu machen, dass in vergleichsweise kompakter Form einen Überblick über ein ganz brandheißes und nagelneues Thema geben sollte. Das Buch hieß dann auch so wie das Thema: „Crossmedia“ erschien 2009 und ich bilde mir noch heute ein, dass es ein ziemlich gutes Buch war. Noch dazu (auch das ist vielleicht nur eine Einbildung) das einzige Buch, dass sich damals mit diesem Thema auseinandersetzte.

Das war vor nunmehr sechs Jahren. Man kann sich also leicht ausrechnen, dass „Crossmedia“ im Jahr 2015 nur noch bedingten Wert hat. Es gab zwar 2011 eine zweite, überarbeitete Auflage, aber auch die ist zum einen nunmehr vier Jahre alt und zum anderen auch nicht so sehr anders in den Grundzügen, als dass man mit gutem Gewissen behaupten könnte, es sei wirklich noch up to date.

Auflage 3 – oder ganz neu machen?

Es ist ein schöner Zufall, dass gerade jetzt einiges zusammen kommt. Auch die zweite Auflage ist nämlich so gut wie verkauft. Das bestätigt, dass es zumindest grundsätzlich weiterhin Bedarf an diesem Buch gibt; zwei volle Auflagen verkauft man von journalistischen Fachbüchern nicht so ganz leicht. Und es ist eine gute Gelegenheit, über die Zukunft eines solchen Buches nachzudenken. Klar, eine dritte Auflage hat schon seinen Reiz – aber wenn man auch nur ein paar Sekunden nachdenkt, kommt man schnell auf eine grundsätzliche Frage:

Ein Buch mit Titel „Crossmedia“? Im Jahr 2015? Echt jetzt?

Natürlich nicht.

Das Thema „Crossmedia“ ist ziemlich tot und ich bilde mir (schon wieder!) ein, dass es kaum jemanden gibt, der das in den letzten zwei Jahren öfter gesagt und geschrieben hat. Da wäre es widersinnig, ein Buch mit diesem Namen herauszubringen. Auf der anderen Seite: Es ist mit zwei verkauften Auflagen ja dann doch absurd, diesen Titel einfach über Bord zu werfen. Zumal ich mir das Buch in den letzten Wochen nochmal genau angeschaut habe, nur um festzustellen: An vielen Stellen hat es – leicht modifiziert – immer noch seine Gültigkeit – und die Grundstruktur des Buchs muss man jetzt auch nicht komplett über den Haufen werden.

Nach ein paar Gesprächen mit dem Verlag bin ich deshalb jetzt zu einer etwas merkwürdigen Entscheidung gekommen. Es wird eine dritte Auflage des Buches geben, das dann aber nicht mehr so heißen wird. Aus „Crossmedia“ wird „Digitaler Journalismus“. Einiges aus „Crossmedia“ wird dann auch dort auftauchen, vermutlich aber mindestens die Hälfte wird komplett neu sein. Wie nennt man dann eine überarbeitete Version eines Buches, das auch noch einen neuen Titel bekommt? Keine Ahnung. Ist ja auch nicht weiter wichtig. Sicher ist nur: 2016 wird es erscheinen, schneller geht es nicht.

Der Unterschied zu „Universalcode“

Der eine oder andere weiß vermutlich, dass es dann ja auch noch ein anderes Buch zum Thema gibt: „Universalcode“. Den gibt es weiter, ich finde auch nach wie vor, dass sowohl das Buch als auch die Webseite nach wie vor ihre Gültigkeit haben. Der Ansatz von „Universalcode“ als Multiautoren-Buch ist auch ein anderer. „Universalcode“ ist wie eine 600 Seiten starke Bedienungsleitung für etliche Elemente aus dem digitalen Journalismus. Das will und kann das neue Buch nicht sein. Erstens wird es sehr viel kürzer, ich vermute mal, dass wir wieder bei ca. 200 Seiten rauskommen werden. Zum anderen hat es viel mehr den Charakter einer Übersicht, weswegen ich das auch alleine und ohne weitere Co-Autoren schreiben werde.

Und schließlich: Ich war damals von der Idee fasziniert, „Universalcode“ als eigenes Projekt zu stemmen. Im Nachhinein weiß ich aber auch, wie unglaublich viel Arbeit bei einem solchen Projekt in anderen Arbeiten als der des Autors steckt. Ich schließe keineswegs aus, so etwas mal wieder zu machen, bin aber bei dem aktuellen Projekt einfach nur froh, einen Verlag an der Seite zu haben, dem ich nur irgendwann mal ein fertiges Manuskript in die Hand drücken muss. Das ist eh schon Arbeit genug, so ist es ja nicht.

Also, an die Arbeit. Und wer wirklich will, kann sich die Zeit dahin ja mit der Lektüre von „Universalcode“ vertreiben…

Bilanz mit Bedenken

Eigentlich wollte ich an dieser Stelle 10 Jahre „Jakblog“ bilanzieren (doch, so lange gibt es das jetzt schon). Doch dann kam die Nachricht, dass Ronnie Grob sein wunderbares „6 vor 9“ einstellt und eine ziemlich famose Begründung dafür gleich mit dazu.

thesen

Weswegen das hier jetzt nicht einfach eine Bilanz eines seit zehn Jahren existierenden Blogs wird, sondern ein Beitrag, in dem ich erstens Ronnie Grob meistens sehr recht gebe, zweitens mich selbst etwas kasteie und drittens erkläre, warum es diese Seite hier auch weiter geben wird (selbst wenn ich nicht für weitere zehn Jahre garantieren möchte).

Ronnie Grob kann es nicht mehr hören. Diesen leicht larmoyanten Unterton der Branche und dazu die immer wiederkehrenden Thesen und Theorien, wie es mit dem Journalismus weitergehen könnte. Am liebsten hätte ich ihm stehend applaudiert. Bis mir aufgefallen ist, dass ich vermutlich ebenfalls mitschuldig an seinem Missmut bin. Weil ich das alles auch schon gemacht habe: wiederholt irgendwelche Thesen aufgestellt, in Tateinheit mit larmoyantem Genöle.  Zu meiner Verteidigung kann ich lediglich anführen, in den letzten Monaten auf nahezu jedem Panel betont zu haben, dass ich es doch auch nicht so genau weiß, wie es mit dieser Branche weitergeht. Das eint mich mit ungefähr 100 Prozent der Menschheit. Dieses Mantra habe ich so oft wiederholt, dass sich der eine oder andere Kollege darüber schon lustig gemacht hat.

Und ich habe noch was zur Verteidigung. Etwas, was ich die gesamten 10 Jahre der Bloggerei festgestellt habe. Theorien und Thesen aufstellen funktioniert super, das wird nur noch von einem gepflegten Rant übertroffen. Theorien und Rants erzielen ganz erstaunliche Reichweiten, vor allem dann, wenn sie im „Bildblog“ bei „6 vor 9“ verlinkt werden. Wir haben uns also möglicherweise über all die Jahre ein wenig selbst gefüttert in diesem selbstlaufenden System.

Kein Mensch will was Positives

Umgekehrt habe ich übrigens mal vor ein paar Jahren versucht, eine Rubrik hier zu etablieren, die irgendwie sinngemäß „Und wo bleibt das Positive?“ heißen und die guten Dinge dieser Branche beleuchten sollte. Hat keine Sau interessiert. Es waren – kein Witz – die am wenigsten geklickten  Beiträge in zehn Jahren. Und so viel Quotensau steckt ja dann auch in einem kleinen Blogger, dass er eine fünfstellige Klickzahl auf einen Beitrag einer zweistelligen eindeutig vorzieht. Ich weiß nicht, ob dieses Gen nur in Medienmenschen steckt, aber es ist eindeutig so: Ein ordentlicher Grusel-Text, der ein wenig mit dem potentiell bevorstehenden Untergang kokettiert, flasht natürlich weitaus mehr als die eher unspektakuläre Einschätzung, dass es schon irgendwie weitergehen wird, weil es in der Menschheit bisher immer irgendwie weitergegangen ist.

Irgendwie also hat Ronnie Grob mit seinem Text einen Nerv bei mir getroffen. Weil es mir ähnlich ging: Irgendwann konnte ich die ganzen Schlaumeiereien nicht mehr lesen, meine eigenen eingeschlossen. Es gingen (und gehen) mir zunehmend auch andere Dinge auf den Keks, ohne dass ich jetzt sicher sagen könnte, ob sie branchen- oder netzspezifisch oder womöglich sogar beides. Es nervt mich, wenn man zumindest bei bestimmten Themen kaum ein Wort sagen kann, ohne dass Hysterie ausbricht. Thesen und Theorien sind tatsächlich alle aufgestellt, nur noch nicht von jedem. Irgendwann mal ist beinahe alles gesagt.

Das erklärt für mich in der Rückschau auch, warum die Frequenz meiner Beiträge auf diesem Blog in den letzten zwei Jahren spürbar gesunken ist. Immer öfter habe ich einen Beitrag angefangen, um dann festzustellen: Wenn du ehrlich zu dir selbst bist, dann hast du das aber schon mal geschrieben. Vielleicht ist das ja auch eine Alterssache, dass man sich mit 50 nicht mehr in jede Saalschlacht stürzen muss, keine Ahnung.

Und vielleicht geht mir auch diese ganze Grüppchen- und Cliquenbildung auf die Nerven, die so viele der Debatten vorhersehbar macht. Ich wage die Behauptung, dass man, wenn man es darauf anlegt, ganz gezielt irgendwelche Mini-Stürmchen auslösen kann, wenn man nur weiß, wie die Szene tickt und wen man ein bisschen kitzeln muss.  Momentan braucht man beispielsweise nur „Krautreporter“ sagen und schon hängt man drin im schönsten Schlamassel.

Zu viel Selbstdarstellung, zu wenig Substanz

Ja, und auch das muss ich loswerden, wenn ich gerade dabei bin: Natürlich ist das Netz ein großartiger Ort und einer der tollsten Sachen dort ist es, dass sich die Zahl der Stimmen, die etwas zu sagen haben, deutlich erhöht hat.  Allerdings ist die Zahl derer, die Publizieren mit gnadenloser Selbstdarstellung verwechseln, in den letzten Jahren drastisch angestiegen. Das tut den Debatten und den Inhalten leider nicht  immer gut. Und das ist auch der Grund dafür, warum ich der mittlerweile weit verbreiteten These, Journalisten müssen zunehmend zu Marken werden, eher skeptisch gegenüber stehe. Mag sein, dass es kommerziellen Erfolg in Ausnahmefällen bringt, ein Garant für inhaltliche Substanz ist es aber keineswegs, wenn man sich in erster Linie um sich selbst dreht.

Was nehme ich noch mit nach zehn Jahren Jakblog? Den Vorsatz, mit Prognosen vorsichtiger sein. Von denen, die ich hier abgegeben habe, hat sich eine Mehrheit als eher verkehrt rausgestellt. Keine Thesen mehr in diesem Blog, das Thema hatten wir ja schon.

Außerdem habe ich – witzigerweise – gelernt, dass die alten Medien vielleicht doch nicht so schlecht sind, wie sie auch von mir immer wieder beschrieben wurden. Unsere kleine digitale Szene (ich nehme mich da immer ausdrücklich mit rein) hat leider ungewollt den Beleg dafür erbracht. Weil wir zwar ziemlich klug daherreden können, wie man es besser machen wüsste. In der Praxis aber haben wir wenige Belege dafür erbracht, dass wir es besser können. Die „Krautreporter“ sind einer, aber keineswegs der einzige Beleg dafür.

My Blog is my Castle

Und ja, bevor Sie es selber bemerken: Ich selbst habe es auch nicht besser gemacht und leiste mir die Bloggerei aus zwei Gründen. Zum einen hat sie mir einen gewissen Bekanntheitsgrad verschafft, was mir die Auftragsbeschaffung deutlich erleichtert. Und zum anderen macht sie immer noch Spaß, auch nach 10 Jahren. My Blog is my castle Aber mein Geld verdiene ich immer noch mit großen, etablierten Unternehmen, aktuell gerade beim BR. Wenn man sich das vor Augen führt, sollte ich etwas zurückhaltender darin sein, alten Medien zu sagen, was sie besser machen müssten. Aber immerhin, wenigstens ein Erkenntnisgewinn.

Müsste ich angesichts dessen nicht  den Stecker ziehen und dieses Blog zumachen? Freuen Sie sich nicht zu früh: Das wird nicht passieren. Weil ein solches Blog trotz alledem immer noch Freiheiten bietet, die man sonst nirgends hat. Selbst die Freiheit, zehn Jahre immer wieder ausgemachten Unfug zu erzählen. Man kann, davon bin ich überzeugt, ein Medienblog schreiben, das ohne Thesen und Prognosen und dauernde Schwarzmalerei auskommt.  Zumal ich auch eine Idee habe, wie ich dieses Blog spätestens ab Herbst nutzen möchte. Noch ist es ein bisschen zu früh, darüber öffentlich zu reden, aber Herbst ist es ja in ein paar Wochen schon wieder…

Deshalb erstmal. Herzlichen Dank für Mitlesen bis hierhin, für ein paar tausend Kommentare, für Debatten, Anregungen, Kritik. Und dafür, dass ich möglicherweise mehr gelernt habe als wenn ich nie gebloggt hätte.

Das Projekt BR24

Ein neues Projekt, bei dem Entwickler und Journalisten eng zusammenarbeiten und an dessen Ende irgendwann mal so etwas wie ein neues Narrativ für digitalen Journalismus stehen soll: In diesen Wochen ist für mich BR24 gerade eines der spannendsten Dinge, die ich seit langem gemacht habe.
br24_header

Wenn re:publica ist, dann kommt man ungefähr zu gar nichts mehr. Ich muss diese leicht larmoyante Feststellung vorweg schicken, weil ich seit ein paar Tagen auf der #rp15 und in den diversen Netzwerken von einem Projekt erzählt habe, an dem ich (mit-)arbeite, das ich sehr spannend finde. Und bei dem es wie immer großartig wäre, ein bisschen Support und Feedback aus dem Netzwerk zu bekommen (andere würde es Filter Bubble nennen). Aber bisher, Gründe siehe oben, bin ich nicht dazu gekommen, das Projekt und die dahinter liegenden Ideen auch auf dieser kleinen Seite vorzustellen.

Das Projekt: BR24 wird die zentrale Newsapp des BR. Und hoffentlich irgendwie auch der Einstieg in ein modernes, digitales Storytelling. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass wir gerade eben mal wieder die nächste Evolutionsstufe des digitalen Journalismus erleben. Die sich vor allem dadurch auszeichnet, dass wir endlich beginnen, eigene Narrarive im Netz zu entwickeln. Die mehr sind als die mehr oder weniger langweilige Transformation analog erstellter Inhalte in die digitale Welt.

Ich bin, auch nach den Eindrücken der #rp15, ziemlich sicher, dass sich diese Entwicklung, die wir gerade erleben, vor allem in einem von denen der vergangenen Jahre unterscheidet: Zum ersten Mal reden wir nicht nur von irgendwelchen neuen Tools und anderen technischen Spielereien, die den Journalismus bisheriger Machart ergänze. Stattdessen entsteht gerade so etwas wie ein originärer digitaler Journalismus. Einer, der nicht einfach nur auch aus der analogen Welt bekanntes Zeug auf digitale Kanäle ausspielt. Einer, der eigene Narrative entwickelt und so unverwechselbar wird, dass man ihn tatsächlich als eigene Gattung wahrnimmt. Das ist ja bisher auch im Jahr 20 der Digitalisierung eher selten der Fall. Wie diese Narrative in Form einer App und eines fließenden Projekts aussehen sollen, haben wir auf der re:publica ein paar Menschen gefragt – und ziemlich interessante Antworten bekommen:

Was ich persönlich enorm interessant finde: Bei diesem Projekt sind die Kollegen Entwickler massiv mit eingebunden. Weder als Dienstleister noch als diejenigen, die uns irgendwas hinwerfen und wir dann schauen müssen, wie man damit umgehen kann. Kurz gesagt: Entwickler und Journalisten begegnen sich auf der viel zitierten Augenhöhe. Und auch, wenn das jetzt womöglich etwas pathetisch klingt: Es ist wirklich meine feste Überzeugung, dass wir einen neuen, digitalen Journalismus nur dann hinbekommen, wenn wir als Journalisten und Entwickler an einem Tisch sitzen. Beim BR sitzt auf der Entwicklerseite Mustafa Isik; seine Sicht der Dinge verrät er hier:

Und weil das alles ja so neu und spannend ist, haben wir diesem Projekt auch ein eigenes Entwickler-Blog gewidmet. Wir freuen uns vor allem über alle, die nicht nur mitlesen, sondern sich auch zu Wort melden.

Warum ich gratuliert habe

Am Freitag habe ich in Hamburg Sebastian Esser getroffen (für die wenigen, die es evtl. nicht wissen: Er ist der Herausgeber der künftigen „Krautreporter“).  Wir haben uns schnell ein wenig an die Seite verdrückt. Ich habe ihm gesagt, dass mein Scheitern-Abgesang verfrüht war, ich mit meiner generellen Kritik wohl besser hätte warten sollen und dass ich das bedaure. Obwohl ich an der grundsätzlichen Kritik am Projekt festhalten würde. Sebastian wiederum hat gesagt, dass er den Zeitpunkt der Kritik ziemlich unschön fand, die Kritik als solche aber annimmt und in manchen Dingen womöglich sogar teilt. Später sind wir dann gemeinsam mit einem Taxi vom Reporter-Forum in Hamburg weggefahren, die Fahrt verlief nach meiner schwachen Erinnerung weitgehend aggressionslos.

***

Falls Sie sich jetzt fragen, warum dieser Beitrag mit einer derart banalen Geschichte beginnt: weil es anscheinend nötig ist. Nach meinem umstrittenen Text über das Projekt „Krautreporter“ hat mich nicht so sehr erstaunt, dass es zu diesem Text nicht nur überwältigte Zustimmung gab. Verblüffender fand ich eher, wie wütend die Reaktionen ausfielen, vor allem bei dem einen oder anderen Betroffenen. Wie sehr die Debatte plötzlich auf eine sehr persönliche Ebene gezogen wurde. Und wie wenig differenziert die Kritik an dem Text ausfiel. Gelesen und transportiert wurde nur noch: Der hält die „Krautreporter“ für gescheitert und mag die einfach nicht. Ich glaube, ich habe in dem Text und auch schon zuvor immer wieder explizit betont, Sympathie für dieses Projekt zu haben. Diese Ambivalenz, die mich allerdings die ganze Zeit dabei begleitet, habe ich auch bei vielen anderen gespürt.

Aber das sind wohl die interessantesten Erkenntnisse aus dieser ganzen KR-Debatte: Journalisten sind selbst nicht immer so kritikfähig, wie sie es von anderen gerne einfordern. Und: Zumindest in meiner eigenen Filter Bubble sind Debatten immer noch gerne hoch emotional und nehmen sehr, sehr persönliche Züge an. An Motiven wurde mir unter anderem unterstellt, ich sei gekränkt, weil ich nicht im Team sei. Oder dass ich Aversionen gegen die Beteiligten hätte. Oder dass ich schlichtweg das Projekt kaputt hätte schreiben wollen. Letzteres fand ich lustig: Ein kleines Blog kann ein Projekt kaputt schreiben, über das in den letzten vier Wochen ganz Medien-Detschland gesprochen hatte?

***

Persönlich sehe ich das deutlich gelassener. Die „Krautreporter“ haben schon alleine durch die Initiative für dieses Projekte eine gute und wichtige Debatte ausgelöst. Das ist ein unbestreitbares Verdienst, auch wenn die Debatte an einigen Stellen etwas, nun ja, ausgefranst ist. Sie haben, auch das darf man nicht unterschätzen, eine enorme Marketing-Kampagne auf die Beine gestellt, die man so erst mal hinbekommen muss. Sie haben rund eine Million Euro eingesammelt, auch davor muss man uneingeschränkten Respekt haben. Und sie werden im kommenden Jahr das vermutlich interessanteste Labor des digitalen Journalismus sein: Bekommen sie es hin, halten sie Wort, reparieren sie den „kaputten“ Online-Journalismus? Und: Schaffen Sie es, im Laufe des kommenden Jahres nochmal eine Million Euro über Abonnenten einzusammeln? Letzteres ist die eigentliche große Aufgabe: Aus dem Hype einen journalistischen Alltag machen, bei dem Nutzer dauerhaft bereit sind, jedes Jahr 60 Euro zu bezahlen. Die Mühen der Ebene sind immer deutlich schwieriger als den Schwung eines Hypes zu nutzen.

Ich hatte am Freitag dann übrigens noch gewittert (als das positive Ergebnis bekannt wurde), dass ich den „Krautreportern“ aufrichtig gratuliere. Mir war klar, dass mir das nicht jeder glauben würde. Und, das ist die Crux an 140 Zeichen, dass ich nicht hinreichend erklären kann, warum ich das tue. Deshalb nochmal hier: Ich glaube, dass man diese Leistung schlichtweg nur respektieren muss. Selbst dann, wenn man das Projekt kritisiert hat.

Zu einer halbwegs vernünftigen Debattenkultur gehört auch, dass man einräumen können muss, wenn man sich getäuscht hat. Und deswegen auch das jetzt nochmal in aller Deutlichkeit: Ich habe mich getäuscht, als ich das (finanzielle) Scheitern prognostiziert habe. Und es war rückblickend ein Fehler, diesen Text drei Tage vor Ende der Kampagne zu veröffentlichen. Das tut mir leid, das habe ich Sebastian Esser gesagt und das sage ich jetzt auch an dieser Stelle nochmal. Wer mir darauf basierend Opportunismus unterstellen will, bitte sehr. Trotzdem glaube ich: Die Kritik an dem Projekt (und die kam ja keineswegs nur von mir) hat das Projekt weiter gebracht. Zumindest sollte sie das.

***

Insofern: Danke, Sebastian, für Deine souveräne Reaktion am Freitag. Hoffe, du bist noch gut nach Hause gekommen.

Der 40-Jährige, der aus dem Golf stieg und verschwand

Kleiner Hinweis vorweg: Dieser Beitrag hier ist etwas off-topic. Er enthält nur Spurenelemente des ansonsten hier übliches Genöles über die Medienwelt. Es geht generell auch nur eher am Rande um Medien…

…sondern um: ein Buch. Eines, das ich selbst geschrieben habe. Mein erstes, das nichts, aber auch gar nichts mit Journalismus zu tun hat. Klar merkt man, dass es ein Journalist geschrieben hat, weil beispielsweise dem Gruselsender Bayern 3 ein ganzes Kapitel gewidmet ist. Und weil ich am Ende ja dann doch Journalist bin und das ja auch gar nicht verleugnen will.

„Der 40-Jährige, der aus dem Golf stieg und verschwand“ (so heißt das kleine Epos) ist – ja, was eigentlich? Der Frage nähert man sich am besten, wenn man erst einmal ausschließt, was es alles nicht ist. Es ist kein Roman. Kein Ratgeber. Aber auch kein wirkliches Sachbuch. Also zumindest dann nicht, wenn man als Sachbuch nur etwas gelten lässt, was irgendwie ganz ernst, ein bisschen mit erhobenem Zeigefinger und zudem ganz viel Fachwissen geschrieben ist. „Der 40-Jährige“ ist weder sonderlich ernst, noch gibt es dort einen erhobenen Zeigefinger. Und das mit dem Fachwissen hält sich auch in sehr engen Grenzen.

Um die ganze Angelegenheit noch etwas komplexer zu machen: Es ist aber nicht auch nur einfach nur lustig, es ist kein Klamauk und auch keine Satire. Nennen wir es also: ein manchmal ganz lustiges Buch mit sehr ernstem Hintergrund. Es geht um die Jahre zwischen dem 40. und dem 50. Geburtstag. Letzteren erreiche ich ziemlich genau in einem halben Jahr, falls es Sie interessiert. Sie dürfen mir dann auch was schenken, wenn Sie mögen.

Dieses Buch war mit meinen bald 50 Jahren eine ziemlich neue Erfahrung. Weil es zum ersten Mal war, dass ich etwas veröffentliche, was nichts mit meinem Fachgebiet zu tun hat. Weil es sehr persönliche Züge trägt. Das ist vermutlich das Irritierendste daran. Als Journalist stellt man sich eine beobachtende Position. Was man dann später daraus macht, kann gut oder schlecht sein, aber es hat nichts mit der eigenen Person zu tun. Beim „40-Jährigen“ ist das etwas anderes. Natürlich spielen in diesem Buch eigene Erfahrungen, Gedanken und Emotionen eine Rolle. Auch wenn – da kann ich Sie beruhigen – sich dieses Buch keineswegs um mich dreht, so vermessen bin ich ja dann doch nicht.

Eines aber war dann doch wieder eine Erfahrung, die man im erweiterten Sinne auch auf die Entwicklungen in unserer Journalisten-Branche übertragen kann: Dieses Buch weist natürlich auch viele Einflüsse aus der Kommunikation mit anderen Menschen in sozialen Netzwerken auf (und natürlich auch aus sehr vielen sehr privaten Gesprächen, ich habe ja doch etwas mehr als eine rein virtuelle Identität.) Auf meinem eigenen Facebook-Account und auf einer eigenen Seite zum Buch habe ich immer wieder mal während der Entstehung des Buchs Ausschnitte aus dem Text gepostet, habe mir Feedback eingeholt und es auch mal ungefragt bekommen. Als ich das Manuskript dann fertig hatte, hat mir gedämmert: Ohne diesen Input, diese Anregungen von außen, wäre das Buch sehr viel schlechter geworden.

Natürlich nehme ich nicht für mich in Anspruch zu wissen, wie die Generation der Menschen zwischen 40 und 50 tickt. Wahrscheinlich kann man auch gar nicht so ein allgemein gültiges Generationen-Portrait schreiben. Und ganz sicher wird es viele Menschen geben, die sich in meinen Beobachtungen und Erfahrungen nicht wiederfinden werden. Aber trotzdem: Man tut sich bei solchen Beobachtungen und einem solchen Manuskript wesentlich leichter, wenn man immer wieder Feedback bekommt. Manchmal bestätigendes. Manchmal aber auch solches, nach dem man weiß: Hoppla, da liegst du jetzt möglicherweise etwas daneben. Beides macht ein Buch nicht unbedingt schlechter.

Und schließlich: Ja, dieses Buch ist auch ein verdammter Härtetest für die eigene Eitelkeit. Von der haben wir Journalisten ja dann doch sehr viel, als wie wir zugeben wollen. Wenn man sich heute an Klicks, Quoten oder Auflagen orientiert, dann gibt es im Zweifelsfall viele gute oder weniger gute Gründe, mit denen man sich einen eher mäßigen Erfolg schön reden kann. Wenn man ein persönlich gefärbtes Buch schreibt, das dann kein Mensch lesen will – tja, dann hat man wenige Gründe, sich das schönzureden.

Wie dem auch: Da ist er also jetzt, der 40-Jährige. Ich freu mich über jede Form des Feedbacks. Erhältlich überall im Buchhandel, direkt beim EFFESS-Verlag oder bei Amazon.