Der BDZV: Im Schützengraben seit 1998!

Der BDZV im Jahr 2018: großartig im Aufbau von Feindbildern, mit Begeisterung Kunden beschimpfend – und ansonsten verhaftet irgendwo im Jahr 1998. Szenen einer kleinen Begegnung bei Twitter… 

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Presseähnlichkeit: Der Pyrrhus-Sieg der Verleger

ARD und ZDF werden vermutlich ihre Apps demnächst umgestalten müssen. Damit endet ein bizarrer und seit Jahren währender Streit zum Thema Presseähnlichkeit zwischen den Sendern und den Zeitungsverlagen. Ein Sieg, der teuer erkauft wurde. Und spätestens in ein paar Wochen komplett vergessen ist. “Read

rp #3: Meine Heldin dieser Tage ist – meine Frau!

Klar ist die re:publica geil. Keine neue Feststellung, haben wir alle tausendmal gelesen und gepostet. Trotzdem ist für mich die größte Heldin dieser Tage jemand, der gar nicht da war. Weil ich dadurch kapiert habe, was wirklich zählt. Und wie privilegiert, abgehoben und manchmal leider auch unerträglich überheblich wir in unseren digitalen Peergroups oft genug sind…“Read

Social Media: Eine Frage der Leere

Social Media stagniert, stellt die neue Onlinestudie von ARD und ZDF fest. Plattformen wie Twitter und Snapchat hängen sogar auf einem erstaunlich niedrigen Niveau fest. Trotzdem: Kein Grund, soziale Netzwerke wieder vom Radar zu nehmen und nur noch irgendwas mit Facebook zu machen… “Read

Die unheimliche Macht: Wie der „Spiegel“ Medienpolitik macht

Der „Spiegel“ hat in seiner aktuellen Ausgabe eine „Unheimliche Macht“ entdeckt: ARD und ZDF. Und schickt gleich hinterher: „Wie ARD und ZDF Politik betreiben“. Danach kommt ein bisschen Generalkritik. An Anstalten, denen „im Netz Hass entgegenschlägt“. Dass ausgerechnet der „Spiegel“ eine derart populistenfreundliche Titelgeschichte bringt, hätte man sich bis vor kurzem auch noch nicht vorstellen können. “Read

Facebook sperrt den Guru: #FreeLorenz!

Liebes Facebook, wir müssen reden. Diese Formulierung habe ich gewählt, weil mal jemand bei euch geschrieben hat, Journalisten, die einen Beitrag mit „Wir müssen reden“ beginnen, solle man besser nicht allzu ernst nehmen. Das fand ich sehr witzig und gut beobachtet und natürlich nur bedingt ernst zu nehmen. Der Mann, der das geschrieben hat, heißt Lorenz Meyer, ist Mitglied bei euch – und von Beruf: Guru. “Read

Wir wollen mehr Bulo wagen!

Beim VdZ haben sie in den letzten Monaten für ein paar lustige Schlagzeilen gesorgt. Das lag vor allem an Stephan Holthoff-Pförtner. Der Mann hat in seinem Leben eine ganze Menge Sachen gemacht, war u.a. mal Anwalt von Helmut Kohl und ist aktuell immer noch Miteigentümer der nicht ganz kleinen Funke-Mediengruppe. Letztes Jahr haben sie Holthoff-Pförtner zum Chef des VdZ gewählt, was den VdZ beinahe zerrissen hätte, weil sich vor allem die Großverlage nicht wirklich von ihm repräsentiert fühlten. “Read

Das Schweigen der Ämter

Dieses hier ist die kurze wie interessante Geschichte einer kleinen Recherche. Besser gesagt eines Rechercheversuchs. Und eine Geschichte darüber was herauskommt, wenn in einem (Finanz-)Amt etwas passiert, was eigentlich unter keinen Umständen passieren dürfte. Um es vorwegzunehmen: Wenn etwas passiert,was unter keinen Umständen passieren dürfte, haben Pressestellen ein enormes Formulierungsgeschick, Dinge nicht wirklich abzustreiten, aber eben auch nicht einzuräumen. “Read

Tagesschau-App: Der Musterschüler

Neu auf dem Markt: die Tagesschau-App 2.0. Sie ist ziemlich chic geworden, auch wenn man manchmal den Eindruck hat, man sitze vor einer Kreuzung aus Buzzfeed und Snapchat…

Videos im Mittelpunkt, das Format ist (fast) egal

Die „Tagesschau“ orientiert sich eindeutig an dem, was sich in den vergangen Monaten als Standard in den sozialen Netzwerken herauskristallisiert hat: eindeutiger Schwerpunkt auf kurzen Videos, die kurz und prägnant zur Sache kommen. Und die, Text-Inserts sei Dank, auch ohne Ton auskommen. Überhaupt sieht die App an vielen Stellen aus, als hätte sie sich jemand ausgedacht, der viel im sozialen Netz unterwegs ist und das meistens mit dem Smartphone. Was kein Nachteil sein muss, zumal man dann bei genauerem Hinsehen doch erkennt, dass die gute alte „Tagesschau“ dahinter steckt.

Die Debatte „Hoch- oder Querformat“ hat die Redaktion übrigens elegant entschieden: Mit einem „sowohl als auch“. Die Redaktion nimmt für sich in Anspruch, weltweit die erste News-App zu sein, die Videos in beiden Varianten im gewohnten 16:9-Format zeigt. Ob das stimmt, kann ich natürlich nicht beurteilen, aber es ist zumindest eine sehr angenehme Sache, wenn man sich nicht entscheiden muss. Persönlich mag ich querformate Videos deutlich lieber. Aber wer wollte bestreiten, dass sich die Hochformat-Seher zunehmend mehr durchsetzen?

Für die Technik-Nerds unter den Lesern: Diese Wahl zwischen Quer- und Hochformat ist auch deswegen vergleichsweise einfach möglich, weil die Redaktion ein spezielles Cropping-Tool verwendet. Für jedes Einzelbild wird sofort eine Hochkant-Variante vorgeschlagen. Praktische Sache, das.

Small-Screen-Videos sind endgütig zum Massenphänomen geworden

Klar aber ist: Kurze Videos mit Text-Inserts, hochformatige Videos, Video als das allgegenwärtige Erzähl-Tool ist endgütig im Massenmarkt angekommen. Willkommen in der Digital-Welt 2017!

Dafür spricht auch, dass die Standard-Startseite der App so aussieht, als sei sie gerade bei Buzzfeed entlaufen. Oder als ob sie den Träumen eines gemäßigt radikalen Snapchat-Entwicklers entstammt. Ganz viel bewegtes Bild, nahezu kein Text mehr. Nebenbei bemerkt müsste der Verlegerverband jubeln, er hat aber reflexartig gemault, dass das natürlich alles nicht ausreicht.

Die Videos bzw. Slideshow starten schon auf der Seite, ohne dass man dafür etwas tun muss. Das ist an manchen Stellen etwas verwirrend, vor allem, wenn es sich um animierte Fotos oder um Slideshows ohne Ton handelt. Dann hat man, sofern man den Ton anhat, ein leicht irritierendes Brummen im Hintergrund. Keine Ahnung, ob ich nur zu doof war, um das herauszufinden, aber zumindest bei Fotos finde ich Brummen im Hintergrund befremdlich.

Personalisierung und Chatbot-Optik: Alles drin

Was es sonst noch gibt? Die Tagesschau-App ist jetzt konsequent und bis ins letzte Detail personalisierbar. Und wer sich auf die Suche begibt, bekommt jetzt nicht einfach irgendein Suchfeld, sondern eine Optik, die bewusst an den aktuellen Chatbot-Hype („Was möchtest du noch wissen?“) angelehnt ist.

Auch da ahnt man mittlerweile: Das ist die Richtung, in die die App- und Mobile-Züge in den kommenden Monaten fahre werden. Und damit letztendlich der ganze digitale Jornalismus. Das sich jemand mühselig durch eine Homepage und ihr im Regelfall gigantisches News-Angebot arbeitet, wird immer mehr die Ausnahme denn die Regel.

Daumen rauf oder runter?

Ganz eindeutig ist die Tagesschau-App das, was man so schön State of the art“ nennt. Ein bisschen wirkt sie, als hätte jemand einen Blick in ein imaginäres Lehrbuch geworfen und dann alles reingepackt, was er im Kapitel „Innovationen 2016“ gefunden hat. Das klingt jetzt möglicherweise böser als es gemeint ist, zumal man den öffentlich-rechtlichen ansonsten ja immer gerne einen gewissen Verstaubtheitsgrad vorwirft. Alles in allem ist sowas wie ein App-Musterschüler rausgekommen. Und wie das so ist mit den Musterschülern: An ihnen gibt es nichts auszusetzen, aber insgeheim wünscht man ihnen trotzdem mehr Coolness.

Für mich selbst habe ich entdeckt, dass das Alter immer öfter seine ganzen Tücken zeigt. Ich werde mich daran gewöhnen müssen und werde mich auch sicher dran gewöhnen. Aber sagen wir es mal so: Die „Tagesschau“ hat mir ungewollt auch all das vor Augen geführt, was ich an Snapchat nicht sonderlich mag…

2016: Was war – und was nicht

Einmal im Jahr werfen wir auf dieser kleinen Seite einen Blick auf die Trends des kommenden Jahres. Und am Ende dieses Jahres steht die Frage: Was kam so – und was war völlig verkehrt? Ein Rückblick.

Der Journalismus lebt noch, so viel lässt sich wenigstens mit Sicherheit sagen. Es gibt immer noch Zeitungen, Radio und Fernsehen. Aber es gibt unverkennbar auch: mehr Digitales. Vor allem solche digitalen Dinge, die journalistisches Eigenleben führen und nicht nur einfach alten analogen Kram in neue digitale Schläuche packt.

Aber schauen wir mal, welche Trends für 2016 hier vorausgesagt wurden – und was aus ihnen geworden ist…

Prognose 1: VR kommt, aber erst später!

Der Originaltext von damals: 

„Virtual Reality! Ja, schon klar, kommt. Irgendwann. Aber nicht jetzt. Nicht solange man sich irgendwelche sperrigen Dinge überstülpen und auch ansonsten unangemessen viel Aufwand betreiben muss. Solange ist das was für Nerds (siehe auch: Brille! Watch!), aber nichts für den Massenmarkt. Wir reden dann später nochmal.“

Nein, es war noch nicht das Jahr der Virtual Reality, auch wenn es ein paar echte und auch selbsternannte Netzkenner gab, die genau das prophezeit hatten. VR hätte bereits in diesem Jahr zum Massenphänomen werden sollen. Wurde es aber nicht, aus einer Reihe von guten Gründen. Einer davon war beispielsweise, dass es einem Massenmarkt nie sonderlich zuträglich ist, wenn man sich erst einmal ziemlich teures und sperriges Zubehör zulegen muss. Für eine Sache, die eine nette und immer ausgefeiltere Spielerei ist. Aber eben: eine Spielerei, die man zum Überleben sicher nicht braucht. Das alte Spiel halt: Nerds glauben, der Rest der Welt bestehe auch aus Nerds, nur aus solchen, die es erst etwas später merken. Reden wir doch in ein, zwei Jahre nochmal, vor allem dann, wenn die Hardware günstiges geworden ist. Und wenn es Anwendungen gibt, die wirklich Spaß machen. Solange man nur zeigt, was man alles damit machen könnte, ist das kaum ein Kaufanreiz.

Prognose 2: Die (Medien-)Welt wird ein Messenger!

Der Originaltext von damals: 

„Die (Medien-)Welt wird ein Messenger. Senden und empfangen. Schon immer das Prinzip aller Kommunikation. Jetzt zusammengepackt in winzig kleinen Apps. Das ist das nächste große Ding. So einfach, so gut.“

WhatsApp ist der Standard aller (mobilen) Kommunikation geworden, Facebook will seinen Messenger ebenfalls weiter massiv in den Markt drücken. Chatbots sehen aus wie Messenger, Snapchat ist, genau betrachtet, auch nichts anderes als ein sehr, sehr bunter und greller Messenger.  Klein, wendig, schnell und einfach zu bedienen (ok, Snapchat vielleicht nicht so). Aber das Prinzip wird immer klarer: Die One-to-One-Kommunikation wird mindestens genauso wichtig wie die großen Netzwerke, in denen jeder alles lesen kann. Und nichts deutet darauf hin, dass irgendetwas diese Trends stoppen könnte.

Prognose 3: Bezahlen für Inhalt? Nichts ist selbstverständlicher.

Der Originaltext von damals: 

„Die Ausrede, man könne Journalismus im Netz nicht gewinnbringend verkaufen, die zählt für 2016 nicht mehr.“

Zugegeben, über den richtigen Weg wird immer noch gestritten. Daran wird sich so schnell auch nichts ändern. Zumal es den einen, funktionierenden Königsweg nicht geben wird. Beim „Spiegel“ etwa debattieren sie angeblich gerade mal wieder darüber, ob das mit dem Einzelverkauf mit Laterpay wirklich so eine grandiose Idee war. Jochen Wegner, Chefredakteur von „Zeit Online“ will es ihnen ja gleich gesagt haben.

Aber davon abgesehen: Niemand würde heute mehr ernsthaft behaupten wollen, dass man Journalismus im Netz nicht verkaufen kann. Lediglich das wie und das wieviel sind umstritten. Und ob das wirklich für alle reicht, die sich heute am Markt tummeln, kann man natürlich auch bezweifeln.

Prognose 4:  Alte Medien sterben nicht, wandern aber in die Nische

Der Originaltext von damals:

„Natürlich wird die Nutzung von Zeitungen, Radio und Fernsehen in der bisherigen Form zurückgehen. Insbesondere der (regionalen) Tageszeitung bisherigen Prägung kann man sogar ein vergleichsweise schnelles Verschwinden in der Nische prophezeien.“

Im WDR läuft seit dieser Woche eine ziemlich empfehlenswerte TV-Serie namens „Phoenixsee“ (die ist wirklich gut!). Aber was heißt schon TV-Serie? Natürlich kann man sich jeden Montag um 20.15 Uhr vor den Fernseher setzen und die aktuelle Folge anschauen. Aber im Zeitalter des Binge-Watching setzt sich der Digitalmensch natürlich vor die Mediathek von ARD/WDR und streamst sich eine Folge nach der anderen auf den TV-Bildschirm. Da gerät die Mediathek also zum Beleg dafür, dass unsere gute, alte Fernsehwelt auch immer netflixiger wird. Wer schaut schon noch Fernsehen?

Unterdessen hat die „Passauer Neue Presse“ den „Donaukurier“ aufgekauft, während in Berlin gerade die „Berliner Zeitung“ zu einem Zombie umgebaut wird. Überhaupt hat sich auch in diesem Jahr die Trends fortgesetzt, dass die gute alte Tageszeitung weiter an Boden verliert, zumindest in der gedruckten Form.

Und selbst im Radio ist der Umbruch unverkennbar: Schulz und Böhmermann muss man nicht zwingend mögen. Aber dass ihr Podcast jetzt nicht mehr bei den Öffentlich-Rechtlichen, sondern bei Spotify läuft – noch Fragen?

Prognose 5: Qualität siegt!

Der Originaltext von damals:

„Blinkportale“ wie „Focus Online“ oder „Buzzfeed“ mögen mehr (Focus) oder weniger (Buzzfeed) erfolgreich sein, sie nerven trotzdem.“

Hm. Würde ich so heute nicht mehr schreiben. Nicht weil ich nicht glauben würde, dass Focus Online nervt. Sondern weil die immer noch sehr erfolgreich sind. Da war wohl (leider) mehr der Wunsch der Vaters des Gedankens. Natürlich gibt es auch im digitalen Zeitalter reichlich Platz für das, was wir Qualität nennen. Für reichlich journalistischen Sperrmüll wohl aber auch.

Muss wohl so sein. Und außerdem hätten ja dann die ganzen Niggemeiers dieser Welt nix mehr zu tun, wenn es anders wäre.

(Die Trends für 2017 kommen in den nächsten Tagen mal…)