Medienwandel: Weniger Buch, mehr Podcasts, mehr Kolumne

Vor ziemlich genau 10 Jahren habe ich mein erstes Buch zum Thema „Medienwandel“ veröffentlicht. Es trug den damals außergewöhnlich originellen Titel „Crossmedia“, an dem alleine man schon erkennt, wie schnell sich die Dinge schon wieder geändert haben. Wenn heute noch jemand ein Seminar zum Thema „Crossmedia“ anböte, er würde sich schnell als leicht zurückgeblieben outen. “Read

Die Journalisten-Rausbilder

„Fallstudie organisierter Unverantwortlichkeit“ – so hat Stephan Russ-Mohl unlängst die Journalistenausbildung in Deutschland genannt. Ein bitterer und leider wahrer Befund. Dabei müsste man sich gerade jetzt, am Beginn des digitalen Zeitalters, mehr Gedanken denn je zu diesem Thema machen.

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(Foto: Christian Jakubetz)

Vorweg: Ich habe mitterweile ein gutes Dutzend Semester als Lehrbeauftragter an diversen Unis hinter mir, die meisten davon in Passau. Im April beginnt mein letztes, was am allerwenigsten mit den wirklich wunderbaren und manchmal sogar inspirierenden Menschen am dortigen Lehrstuhl zu tun hat. Und mit der Stadt auch nicht. Passau ist vielleicht verschlafen und irgendwie im besten Sinne auch provinziell, aber trotzdem schön. Ich weiß jetzt schon, was mir fehlen wird, wenn ich im Sommer meine letzte Stunde dort gemacht habe. Und wenn es in Passau eine halbwegs erträgliche Zeitung gäbe, ich wüsste, wo ich gerne meine letzten Berufsjahre verbringen würde.

Trotzdem: Im Sommer ist Schluss.

Journalistenausbildung ist ja ohnehin schon so eine Sache, ich kenne keinen Berufsstand, der vor so großen Umbrüchen steht und bei der Aus- und Weiterbildung seiner personellen Zukunft derart salopp vorgeht (der Begriff „salopp“ steht da nur, weil ich ein gut erzogener Mensch bin. Sonst stünde da was anderes). Aber an Hochschulen, mit Verlaub, das ist albern. „Journalistenausbildung taugt inzwischen als Fallstudie organisierter Unverantwortlichkeit“, schreibt Stefan Russ-Mohl – und weiter:

„Die ‚Crème de la crème‘ der Bewerber wird ohnehin von den privaten, konzernnahen Journalistenschulen abgeschöpft, die ihren Trainees eine Ausbildungsbeihilfe zahlen, eine Berufsperspektive bieten und obendrein die Auseinandersetzung mit wissenschaftlichen Erkenntnissen weitgehend ersparen. Dort gibt es allerdings auch keine Dozenten mit Professorentitel, die noch nie einen Zweispalter geschrieben haben und dennoch meinen, dem Nachwuchs Journalismus beibringen zu können.“

Das klingt erst einmal nach einem veritablen Rant – und ist doch leider so furchtbar wahr. Wenn man ein bisschen aus der Praxis kommt, wenn man weiß, was gerade da draußen außerhalb der abgeschiedenen akademischen Welt passiert und wenn man dann manchmal zuhört, was manche Profs ihren Studenten erzählen, dann ist man versucht, sofort in einen Hörsaal zu stürmen und unter Vortäuschung eines dringenden Feueralarms die Studierenden zum sofortigen Verlassen des Gebäudes aufzufordern. Ich habe Entwürfe für Curricula von Professoren gelesen, bei denen ich mir nicht sicher war, ob ich lachen oder weinen soll. Und ich habe Berufungen erlebt, bei denen mir für einen Moment echt die Sprache weggeblieben ist. (Liebe ausgeglichene Korrektheitsfanatiker, ich weiß natürlich, dass es auch ganz wunderbare und fähige Professoren und Dozenten gibt; wenn es nicht so wäre, wäre ich nicht sieben Jahre in Passau geblieben). Im übrigen darf man natürlich auch von Lehrbeauftragten nicht allzu viel erwarten: Die Rahmenbedingungen dort sind so, dass man sich einen Lehrauftrag leisten können muss. Und dass man am besten auch noch Idealismus mitbringen sollte. Als Quell des Lebensunterhalts sind solche Jobs wirklich nicht geeignet.

***

Aber, protestieren jetzt möglicherweise manche, es gibt doch: DJS, Nannen-Schule und noch ein paar andere, die für hochwertige Ausbildung stehen. Stimmt, man lernt dort einiges. Nur sind diese privaten Journalistenschulen alles andere als ein Querschnitt für unsere Journalistenausbildung. Sie sind kleine elitäre Zirkel, die für kleine elitäre Zirkel ausbilden – und wenn man sich die Lebensläufe dieser Absolventen ansieht, dann stellt man sehr schnell fest, dass dort Namen wie die SZ und der BR (im Süden) und der Spiegel, die Zeit und der Stern (im Norden) überproportional oft vorkommen. Das ist natürlich völlig in Ordnung, aber eben alles andere als ein Beleg dafür, dass die Journalistenausbildung in Deutschland doch eigentlich ganz töffte ist.

Die Realität in den Niederungen der Ebene sieht anders aus. Und alle Beteiligten, Ausbilder wie Auszubildende, wissen das auch. Man arbeitet zwei oder drei Jahre als eine vergleichsweise billige Kraft, man bekommt ab und an vielleicht mal ein externes Seminar und wurstelt sich halt so durch, bis man dann irgendwann mal Redakteur heißt und mit sehr, sehr viel Glück auch einen entsprechenden Anschlussvertrag bekommt. Ich sitze immer wieder in Seminaren mit frustrierten Volos, die nur zu genau wissen, dass das, was ihnen da als „Ausbildung“ verkauft wird, ein lauer Witz ist. Ich habe es mehr als einmal erlebt, dass die Auszubildenden vor allem von Zukunftskram deutlich mehr Ahnung haben als die eigentlichen Ausbilder. Und ich habe deutlich mehr als einmal von Volos unter der Hand den Satz gehört, sie wüssten schon, dass sie gerade nur eher untaugliches Zeug vorgesetzt bekommen.

Das alles ist wirklich nicht neu. Und es löst bei den allermeisten Betroffenen nach wie vor nur Schulterzucken aus. Man sollte halt besser nicht irgendwas mit Journalismus an der Uni (oder auch: FH) studieren – den Rat geben Praktiker schon lange. Man muss sich die Dinge halt irgendwie selbst beibringen – auch das hört man seit Jahrzehnten immer wieder so (ich habe das 1986 auch nicht anders gemacht).

Einen überfälligen Ruck im Fach fordert Stephan Russ-Mohl. Eine schöne Forderung und ein wohlfeiler Glaube. Kommen, da bin ich mir sicher, wird er nicht. Die Realität ist schneller als jede Universität, als jedes Volontariat.

Wo seid ihr, Mobiles?

Die ganze Medien-Welt redet über das Thema „Mobile“. Dabei wäre machen statt reden viel besser. Machen aber nicht viele. Weil sich immer noch erstaunlich wenige in der Praxis mit dem Thema auseinandersetzen.

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(Foto: BR)

Vermutlich habe ich auf meinen diversen Plattformen in jüngster Zeit über kaum so ein Thema so viel geschrieben wie über das Thema „Mobile“. Das ist nicht verwunderlich und auch keine überragend ungewöhnlich Erkenntnis, wenn man sich mit diesem Thema auseinandersetzt. Man braucht ja schließlich nur mal seinen Blick vom eigenen Smartphone wegbewegen und sich die nähere Umgebung anschauen. Die Chancen stehen gut, dass dort irgendwo jemand mit einem Smartphone (oder auch einem Tablet) in der Hand auftaucht. Ich könnte das jetzt mit ganzen Zahlenkolonnen untermauern, aber ich vermute, ich würde Sie damit nur langweilen…

Es gibt also, das bestreitet ungefähr niemand mehr, eine Art von Mediennutzung und Journalismus, wie wir sie in dieser Form bisher nicht hatten. Das Smartphone ist insbesondere in den letzten zwei Jahren zu einem Gerät geworden, das mittlerweile genauso wichtig ist wie der Fernseher. Es ist das Gerät, mit dem wir potentiell  demnächst dann mal fast alle erreichen können, noch dazu in der Kombination mit sozialen Netzwerken und/oder Bewegtbild.

Ein Paradies für (angehende) Journalisten also, oder? Und eines für Aus- und Weiterbildungsbetriebe und Universitäten und Fachhochschulen zudem, dürfte man meinen. Das Dumme ist nur: Das ist es nicht. Gemessen an der Bedeutung des Themas gibt es immer noch verblüffend wenige Journalisten und Reporter, die sich nicht nur theoretisch mit dem Thema auseinandersetzen, sondern auch in der Praxis damit arbeiten. Es gibt wenige Ausbildungseinrichtungen und Volontariate, die dem Thema mehr als bestenfalls einen kleinen Schwenk widmen – und an Universitäten und Hochschulen findet das Thema meistens nur statt, wenn sich ein Dozent des Themas erbarmt (es gibt stattdessen auch Medien-Professoren, die von dem Thema gelinde gesagt nicht den Hauch einer Ahnung haben. Ahnungslose Chefredakteure allerdings leider auch).

Das ist wenigstens erstaunlich, angesichts der vielen Chancen, die ein rasant wachsender Markt bietet. Und es ist – mal wieder – bezeichnend für das, wie Journalisten in dieser digitalen Welt überleben können: mit einer gesunden Neigung zur Autodidaktik. Bringt es euch bei, liebe Leute -und wartet nicht, bis es ein anderer tut!

Könnte nämlich sein, dass ihr da vergeblich wartet.

Universalcode #2020

Die Frage taucht immer wieder auf: Ist es überhaupt noch sinnvoll, wenn man als Journalist in die „alten“ Medien gehen will? Wenn alles digital und online ist, welche Zukunft haben dann TV, Radio und Zeitung? Ein paar Fragen, die der „Universalcode2020“ zu beantworten versucht. Ab Sommer 2016. Als Buch.

Auf diese Frage nach der Zukunft bekommt man naturgemäß unterschiedliche Antworten. Was vor allem damit zu tun hat, dass es für nahezu jede Theorie auch das passende Zahlenmaterial gibt. Während also überzeugte Digital-Apologeten darauf verweisen, dass das Netz weiterhin exorbitant wächst und beispielsweise Tageszeitungen mittlerweile einen Generationen-Abriss verzeichnen müssen, zeigen Vertreter der anderen Seite gerne mal auf eine Statistik, die belegt, dass Fernsehen nach wie vor das beliebteste und am meisten genutzte Medium in Deutschland ist (wenn nicht alles täuscht, wird sich daran so schnell auch nichts ändern).

Ein eklatanter Widerspruch? Nur auf den ersten Blick. Tatsächlich aber passen diese beiden Aussagen zusammen und umschreiben die Entwicklung in der Branche ziemlich präzise. Denn immer noch haben wir es in Deutschland mit einem tiefen Graben zu tun, der die Gesellschaft trennt in „Digital Souveräne“ und der Rest, wie es die Initiative D21 in ihren jährlichen Berichten umschreibt. Das bedeutet, dass es auf der einen Seite ein vergleichsweise junges Publikum gibt, für die der Umgang mit digitalen Geräten und Medien eine Selbstverständlichkeit ist. Auf der anderen Seite des Grabens stehen – immer noch – all jene, die sich zwar an die Nutzung von Mails und Amazon gewöhnt haben, ihre Medien aber immer bevorzugt auf konventionellem Weg nutzen.

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Betrachtet man beide Seiten dieses bestehenden digitalen Grabens, dann wird klar, warum beide Aussagen richtig sind. Immer noch schauen Menschen im Schnitt über drei Stunden pro Tag fern, immer noch läuft das Radio über den Tag verteilt fast genauso lang. Und selbst von Tageszeitungen, die den digitalen Wandel sicher am stärksten spüren, werden Tag für Tag immer noch fast 17 Millionen Exemplare verkauft (Stand: Anfang 2016).

Das alles ist eine ganze Menge für Medien, die seit Jahren regelmäßig für tot erklärt werden. Der Untergang der alten Medien fällt also aus, zumindest noch für eine Zeit lang. Allerdings, ganz so einfach ist es dann doch wieder nicht: Auch wenn die Zahlen Horrorszenarien nicht hergeben, zumindest bei den Zeitungen spricht dennoch einiges dafür, dass sich die Situation deutlich verschlechtern wird (zumindest dann, wenn wir unter „Zeitung“ ausschließlich etwas Gedrucktes verstehen). Denn tatsächlich sinken die Auflagen der Blätter seit rund 20 Jahren ohne Unterbrechung. Nicht dramatisch, in Deutschland liegt der Auflagenrückgang seit Jahren stabil irgendwo zwischen einem und zwei Prozent.

Es gibt allerdings einige Indikatoren, die eindeutig darauf hinweisen, dass sich das ändern wird.

Erstens: Die Blätter vergreisen zunehmend, sowohl was ihr Publikum als auch ihre Redaktionen angeht. Auch wenn die einzelnen Statistiken zu unterschiedlichen Resultaten kommen, unbestritten ist, dass für das Publikum unterhalb der 30 die Tageszeitung zunehmend unbedeutend wird. Und dass eine Generation, die mit Smartphones, Laptops, Tablets und sozialen Netzwerken sozialisiert worden ist, plötzlich wieder zur Zeitung greift, darf man ausschließen.

Zweitens: Gerade in den urbanen Regionen Deutschlands zeigt sich schon sehr deutlich, wohin die Reise geht. Man muss dafür nicht mal den extrem harten Zeitungsmarkt in Berlin als Beispiel bemühen; generell zeigt sich: In ländlichen Regionen ist die Treue zur Zeitung noch spürbar höher, in den Städten erodiert sie. Man kann daraus verschiedene Rückschlüsse ableiten, aber einer hat sicher Bestand: Je ausgebauter digitale Strukturen sind, desto mehr werden sie von den Menschen genutzt.

Und drittens: Journalismus, Medien und Kommunikation, das wird von den Digital Natives“ inzwischen als eine Art multimediale Masse wahrgenommen. Die Logik, nach der wir in unserer Medien-Blase Medien verstehen, greift dort nicht mehr. Die Frage, ob etwas Print ist oder nicht, die stellt sich dort nicht. Die Trennschärfe existiert im Netz schon gleich dreimal nicht. Print im Netz, TV im Netz? So denkt der User 2016 nicht mehr. Der sucht nach Angeboten, Informationen und Unterhaltung. Nicht mehr, nicht weniger.

***

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Wie geht man mit dieser Entwicklung um? Wie wird sie weitergehen? Was muss man dafür können und was nicht? Seit „Crossmedia“ (1. Auflage immerhin schon fast 8 Jahre alt) und „Universalcode“ (inzwischen auch beinahe 4 Jahre) hat sich zu viel getan, als dass man einfach nur ein kleines Update dieser Bücher machen könnte. Deswegen mache ich gerade fast alles neu. Und erfreulicherweise ist mit diesen ganzen Überlegungen auch die Suche nach einem Titel zu Ende gegangen: „Universalcode2020“ tritt die ganze Sache ziemlich gut, finde ich. Vor allem deswegen, weil der Titel auch signalisiert, dass mir natürlich bewusst ist, ein Buch zu diesem Thema nicht mit einem längeren Haltbarkeitsdatum versehen zu können. 2020 – und danach schauen wir mal, wie die Welt dann aussieht.

Das Buch soll de facto zwei Teile haben. Einen, der die wichtigsten Trends und Entwicklungen zusammenfasst, der analysiert, der erklärt. Ich glaube, es ist wichtig zu verstehen, warum wir das machen, was wir gerade machen. Der zweite Teil ist dann: Handwerk. Pures Handwerk. Er basiert natürlich auf dem, was damals in „Crossmedia“ stand. Davon verwendbar ist allerdings wirklich fast nur noch die Grundstruktur. Inhaltlich benutze ich dabei gerade am häufigsten die Delete-Taste.

Wann? Ich befürchte, dass der ursprüngliche Plan mit dem Sommer 2016 eng werden könnte. Weil das gute Stück nun doch mehr Umfang haben wird als ich eigentlich dachte. Auf der anderen Seite ist das ja auch ein ganz schöner Antrieb und wenn man morgens regelmäßig eine Stunde eher aufsteht und zum Schreiben nutzt…stay tuned, mehr demnächst!

Eine Frage der Haltung

Was müssen digitale Journalisten können? Viel weniger als man glaubt. Weil digitaler Journalismus viel mehr eine Frage der Haltung als des Handwerks geworden ist.

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(Foto: Jakubetz)

Vor ein paar Tagen habe ich drüben beim „Universalcode“ eine dieser Aufzählungen geschrieben, die man ganz gerne liest, wenn man sich bei einem Thema schnell orientieren will. Es ging darum, was Journalisten heute alles können müssen. Oder zumindest sollten.

Nachdem das eine alte, aber nicht beendete Debatte ist, gab es dazu eine ganze Reihe von Reaktionen (und wie das inzwischen so ist: kaum auf der Seite selbst, dafür umso mehr in den diversen Netzwerken). Die Reaktionen fielen unterschiedlich aus. Die Palette: von der Frage, was das überhaupt sein soll, so ein digitaler Journalist – bis hin zu einer Auflistung von zusätzlichen Kompetenzen, die ich in meinem Beitrag gar nicht aufgelistet hatte.

Clemens Lotze kommentierte, man müsse das Folgende beherrschen, ansonsten solle man sich doch einfach Autor nennen und Bücher schreiben:

– eine Bildgröße den Erfordernissen der benutzen Kanäle zuschneiden
– einen Twitter-Kanal besitzen und regelmäßig benutzen.
– Die Bildauflösung dem Kanal anpassen
– Metadaten vergeben
– Keywords im erforderlichen Umfang verwenden
– ein Storytellingtool bedienen
– interaktive Maps und Timelines erstellen
– eine Infografk erstellen
– Bilder für SocialMedia-Kanäle vorbereiten
– Den Teaser brauchbar für Multichannel schreiben
– wissen wieviel Zeichen eine Überschrift in Facebook, Google+ oder Twitter haben darf.
– einen sinnvollen CTA setzen, falls erforderlich
– wissen wie Hashtags in den unterschiedlichen Kanälen verwendet werden
– Text-, Video und Audioformate kennen und umwandeln
– neben HTML selbstverständlich auch CSS kennen
– die unterschiedlichen Farbräume verstehen
– eine “mobilefähige” Schreibe und Formatierung beherrschen
– grundsätzlich nur in responsive-fähigen Medien veröffentlichen

Um ehrlich zu sein: Ich bin etwas zusammengezuckt. Weil ich bei dieser Liste passen müsste. Ich müsste eingestehen, dass es einiges bei diesen Dingen gibt, die ich nur so mittelgut kann. Und manches sogar gar nicht. Ich gebe beispielsweise zu, mich noch nie wirklich mit Farbräumen beschäftigt zu haben. Und wie viele Zeichen eine Überschrift bei Google + haben darf, ist mir eher gleichgültig.

Ich glaube tatsächlich nicht, dass man das alles können muss.  Würde man uns das alles abverlangen, käme die journalistische Komponente deutlich zu kurz. Zumal ich mir sicher bin, dass die alte Weisheit, man müsse nicht alles wissen, wenn man stattdessen weiß, wo man nachzuschauen hat, es in diesem Fall sehr gut trifft.

Wichtiger für Journalisten und womöglich sogar die entscheidende Kompetenz in ihrem digitalen Dasein ist etwas anderes: Zu wissen, auf welchem Kanal welcher Inhalt der richtige und und wie man ihn dort präsentiert. Bei meinen diversen Vorträgen versuche ich das inzwischen auf die folgende Formel zu verknappen:

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(Eigenwerbung: Hier gibt es mehr meinen Beratungs- und Vortragsprojekten gemeinsam mit dem großartigen Kollegen Kristian Laban.  Werbemodus aus.)

Soll heißen: Es ist womöglich viel wichtiger, die Veränderungen zu begreifen, die der digitale Journalismus mit sich bringt. Ohne ein profundes Verständnis der Kanäle, der veränderten Nutzungsgewohnheiten, der grundsätzlichen Anforderungen, die Journalismus inzwischen mit sich bringt, können Journalisten heute nicht mehr überleben. Das ist zuweilen leider deutlich schwieriger, als ein bisschen Handwerk zu lernen.

Zumal diese Veränderungen noch einen weiteren Aspekt mit sich bringen: Sie gehen rasend schnell. So schnell, dass sich niemand der Illusion hingeben sollte, jetzt aber habe er es endlich begriffen, wie diese Medienwelt tickt. Ich bemerke das jedes Jahr aufs Neue bei mir selbst. Wenn ich meine Unterlagen für meine diversen Vorträge und Lehrveranstaltungen vorbereite und dann aus purer Bequemlichkeit nachschaue, ob ich zu dem Thema nicht schon mal ein Jahr zuvor etwas gemacht habe, dann stelle ich immer zweierlei fest:

  1. Ja, ich habe vor einem Jahr schon mal was zum Thema gemacht.
  2. Kannste wegschmeißen.

Journalismus bedeutet also inzwischen auch eine Art Dauer-Weiterentwicklung für jeden selbst. Ich würde nicht bestreiten wollen, dass ich das inzwischen selbst etwas ermüdend finde. ich bin ja schließlich keine 30 mehr. Immer dann, wenn man glaubt, etwas endlich begriffen zu haben, steht schon wieder etwas Neues vor der Tür; die Trends und Hypes kommen in Schüben. Ich kann auch jeden verstehen, der darauf wahlweise genervt oder auch verängstigt reagiert. Man macht es sich ein bisschen einfach, wenn man auf jeden, der einfach nur gerne mal seinen Job in Ruhe machen will, mit Fingern zeigt und ihn als analogen Gimpel verspottet.

Digitaler Journalismus ist eher eine Haltung als Handwerk

Zumal es ja nicht so ist, dass man mühelos unterscheiden könnte, was nun einfach Hype und was von Bestand ist. Von nahezu jedem Hype der letzten Jahre ist auch irgendwas Dauerhaftes übrig geblieben. Was wiederum bedeutet, dass man nicht daran vorbeikommt, sich alles zumindest mal anzuschauen und – noch besser – auch auszuprobieren. Das kann auf Dauer ziemlich anstrengend sein und macht vermutlich nur denjenigen so richtig viel Spaß, die eine ausgeprägte autodidaktische Ader haben (und die hat nun mal nicht jeder).

Journalismus hatte also schon früher mit Haltung zu tun – inzwischen womöglich sogar mehr denn je. Diese Haltung müsste so aussehen: akzeptieren, dass Journalismus nach wie in einem Veränderungsprozess steckt, der so schnell nicht beendet sein wird. Konstruktiv daran arbeiten, dass dieser Journalismus auch in einer digitalen Gesellschaft seine Existenzberechtigung behält. Als richtig und relevant Erkanntes dauerhaft wieder in Frage stellen. Die Kommunikation und Interaktion als einen festen und elementaren Bestandteil des Journalismus zu begreifen.

Der Rest kommt dann fast von ganz alleine. Beispielsweise diese Sache mit den Farbräumen.

Irgendwas mit Innovation

Vorweg: Lesen Sie diesen Text nur, wenn Sie gute Nerven haben. Lesen Sie ihn nicht, wenn Sie möglicherweise Freiberufler werden wollen und romantische Vorstellungen von dieser Form des Arbeitens haben. Und lesen Sie ihn vor allem dann nicht, wenn Sie diese Vorstellungen auch noch auf den Zustand unserer Medienbranche ausweiten.

Es soll ja keiner sagen, die Branche reagiere nicht auf die paar läppischen Veränderungen, denen sie sich ausgesetzt sieht. Im Gegenteil: Nirgendwo wird so viel fort-, weiter- und umgebildet wie in dem Medien. Es gibt ganze Unternehmungen, die sich irgendwas mit Innovation in den Namen schreiben, es gibt selbstredend englische Institutsnamen und auch solche, die sich mal eben „Lernen mit den Besten“ zum Claim des eigenen Programms machen. Es werden ganze Think Tanks aus der Taufe gehoben, deren Arbeit mit Konferenzbänden in Buchform dokumentiert wird. Es wird gecampt, geworkshopt, geconferenced, dass es eine wahre Freude ist. Man darf also davon ausgehen, dass die Medienbranche die weitergebildeste Branche auf dem ganzen Planeten ist und dass es nur einen zukunftsträchtigen Beruf geben kann: Dozent in der Weiter- und Ausbildungsbranche bei den Medien. Und man wundert sich, wieso man trotz dieses umfangreichen Angebots immer wieder mal noch auf vereinzelte Menschen stösst, die diese Sache mit dem „alles neu“ noch nicht so richtig verstanden haben. Aber womöglich legt sich die Verwunderung wieder, wenn man einen kleinen Blick hinter die Kulissen wirft. Wenn man dann plötzlich feststellt, dass es ausreichend Veranstalter gibt, denen man gerne ein paar Fortbildungen verpassen würde. Sowohl inhaltlich als auch organisatorisch. Drei kleine Geschichten aus dem wahren Leben, von denen ich nach etlichen Gesprächen mit Kollegen leider etwas weiß, was schon der gute alte Eduard Zimmermann in „Aktenzeichen XY“ wusste: Und das ist leider kein Einzelfall.

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Man freut sich ja immer, wenn man ein bisschen was vom Glanz eines Claims abbekommt. In diesem Fall lautete er „Lernen mit den Besten“ und natürlich war ich wahnsinnig stolz, zu diesen vermeintlich Besten zu gehören. Also nahm ich einiges in Kauf, eine etwas holprige Vorbereitung, ein eher bescheidenes Briefing auf die eigentliche Veranstaltung. Und sogar die Tatsache, dass ich selbst knapp drei Wochen vor Beginn weder etwas über meine Anreise noch über meine Unterbringung noch über die Zahl und das Vorwissen der zu erwartenden Teilnehmer wusste. Vor allem letzteres ist ziemlich unangenehm. Weil sowas durchaus öfter vorkommt (dazu später noch mehr) und man dann wie ein Depp vor den Teilnehmern steht, weil man ihnen wahlweise viel zu viel abverlangt oder sie komplett unterfordert. Der Depp ist man trotzdem und man wünscht sich in solchen Momenten kaum etwas mehr als einen Veranstalter, der zu einem halbwegs ordentlichen Briefing in der Lage ist. Weil ich leider im Tiefsten meines Herzens ein ausgesprochen höflicher und von Eltern und Schule bestens erzogener Mensch bin, habe ich nachgefragt. Ob man mir denn sagen könne, wie ich anreise, wo ich untergebracht bin und wer so in etwa meine Teilnehmer sind. Die Antwort kam dann auch schon prompt nach gerade mal zwei Erinnerungen. Erstens habe man sich über die Anreise noch nicht so richtige Gedanken gemacht, zweitens auch nicht über die Teilnehmer als solche und drittens stellte man fest, dass es so rasend viele Teilnehmer wohl auch nicht werden. Deswegen sage man meinen Workshop ab, biete mir aber freundlicherweise einen halben Tagessatz als Ausfallhonorar an.

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Das scheint ja überhaupt so ein Grundproblem zu sein, sich vorher über solche Banalitäten wie Teilnehmer und deren Vorkenntnisse ein paar Gedanken zu machen. Es ist mir beispielsweise auch schon passiert, dass ich in einem vierwöchigen Camp etwas entwickeln sollte, was irre innovativ und am besten schon sendefähig fürs TV ist. Das ist natürlich auf vier Wochen schon ein ziemlich ambitioniertes Ziel, aber gut, mit den richtigen Leuten vielleicht sogar irgendwie hinzukriegen. Insofern war ich sehr gespannt auf die Ausschreibung und auf die Leute. Blöd nur, dass die Ausschreibung erst wenige Wochen vor der Veranstaltung losging. Am Ende saß ich da mit ein paar Teilnehmern, von denen zwei keinerlei redaktionell-journalistische Erfahrung hatten und die allermeisten eher am Anfang standen. Zwei oder drei waren in etwa so, dass man tatsächlich so ein ambitioniertes Vorhaben hätte starten könne. Am Ende der Veranstaltung gab es dann auch irgendein Ergebnis, aber ganz sicher keines, das man als innovativ oder womöglich sogar sendefähig bezeichnen hätte können. Sie dürfen raten, wer am Ende mehr oder weniger als Knalltüte dastand.

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Ziemlich knalltütig kam ich mir auch vor, als mich eine Fachhochschule im Osten Deutschlands bat, an der Entwicklung eines Kongresses teilzunehmen. Immerhin durfte ich dafür nicht nur eine Keynote sprechen, sondern mich auch Chairman nennen. Ein keynotespeaking chairman wollte ich schon immer mal sein, weswegen ich alle gebotene Vorsicht über Bord warf und zusagte. In den folgenden Monaten entwickelte ich dann fleißig mit, arbeitete an einem Text für den später geplanten Konferenzband (läppische 25 Seiten), tüftelte an meiner Keynote und buchte meine Reise. Eineinhalb Wochen vorher fiel dem Veranstalter ein, dass die Resonanz auf die Veranstaltung etwas müde sei und man deswegen das Programm etwas reduzieren müsse. Dem fielen auch meine Keynote und mein Workshop zum Opfer – aber immerhin bot man mir an, meinen Text im Konferenzband dennoch veröffentlichen könne. Völlig kostenfrei für mich! Ist das nicht nett und großzügig? Ausfallhonorar und Kostenerstattung für die Anreise gab´s leider aber auch nicht.

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Möglicherweise also könnte es passieren, dass ich Ihnen, falls sie mich anfragen, solche Dinge wie Ausfallhonorare etc. explizit in den Vertrag schreibe. Und noch ein paar andere Dinge, die erst einmal potenziell unfreundlich klingen. Ist nicht so gemeint, glauben Sie mir. Aber weil man selbst im hohen Alter nie auslernt, schließe ich nichts mehr aus.

Nicht mal, dass die ohnehin etwas verfallenen Sitten in unserer Branche noch mehr verkommen.

Selbstzufrieden in den finalen Akt…

Das Netz und die Digitalisierung machen also den Journalismus kaputt? Kann schon sein. Ein bisschen. Tatsächlich sind es die Protagonisten selbst, die ihre alte Welt leidenschaftslos untergehen lassen.

Vielleicht ist das ja alles nur ein Zufall, wie so viele Phasen im Leben zufällig sind. Vielleicht aber auch nicht. Vielleicht ist es tatsächlich so, dass man sich ein paar Gedanken machen muss darüber, woran es eigentlich dem Journalistenberuf in den letzten Jahren am meisten mangelt. Und dass es womöglich gar nicht solche Geschichten wie Digitalkompetenz oder das Internet als solches sind, die unserem Berufsstand ziemlich schwer zu schaffen machen. Sondern eher Dinge, die wenig mit Technologie und stattdessen ziemlich viel mit Physis zu tun haben.

Aber der Reihe nach. In den letzten Wochen habe ich zunächst ein paar Begegnungen gehabt. Mit Studenten, Volontären, generell jungen Menschen, die einfach Journalisten werden wollen. Oder gerade auf dem Weg dazu sind. Weil man in Seminaren oder wissenschaftlichen Übungen ja auch gerne mal über was anderes spricht als nur über die reinen Seminarinhalte, sind wir dann ein bisschen ins Gespräch gekommen. Darüber, wie sich diese Leute, die in ein paar Jahren ja mal (Achtung, Pathos) das Rückgrat unseres Berufsstandes sein sollen, jetzt gerade so fühlen auf ihrem Weg in die Zukunft. Und siehe da, wenig überraschend: Sie fühlen sich eigentlich nicht wirklich gut. Und das erkennbar aus zwei Gründen.

Zum einen: das klassisch materielle Problem. Zukunftssorgen, die Angst, möglicherweise ein totes Pferd zu reiten. Nicht zu wissen, wie es vor allem bei den traditionellen Medien weitergeht. Dazu die ganze harte Tour, die man inzwischen gehen muss, um diesen Beruf irgendwann mal ausüben zu dürfen. Studium, Praktika (meist schlecht oder gar nicht bezahlt), am besten noch ein Auslandsaufenthalt, eine Journalistenschule, dann noch ein Volontariat: Verglichen mit dem, wie einfach ich damals vor 30 Jahren in diesen Beruf reingerutscht bin, ist das heute kein Spaß mehr. Zumal es ja keineswegs so ist, dass man nach der Praktika-Studiums-Volo-Ochsentour automatisch einen sicheren Job bekommt. Im Gegenteil: Die Zahl der freiberuflich arbeitenden Journalisten ist in Deutschland in den letzten Jahren ganz erheblich angestiegen. Keineswegs aber, weil plötzlich so viele junge Menschen ihre Begeisterung für Selbständigkeit und freies Arbeiten entdeckt hätten. Sondern weil das für viele Unternehmen die billigste Art ist, ihre Seiten und ihr Programm vollzubekommen, da darf man sich nichts vormachen. Freie kann man mit vergleichsweise lächerlichen Honoraren abspeisen, um Nebenkosten muss man sich keine Sorgen machen, Freie sind jederzeit wieder draußen. 2200 Euro verdienen freie Journalisten in Deutschland durchschnittlich im Monat. Vor Steuern, versteht sich. Da gibt es natürlich eine ganze Reihe von Ausnahmen, von Kollegen, die sehr viel besser da stehen. Trotzdem, alles in allem: Wenn jemand einen Beruf will, der ihm automatisch ein ziemlich hohes Einkommen garantiert, er sollte über das Thema Journalismus nochmal ernsthaft nachdenken.

Aber es gibt noch einen zweiten Aspekt. Der mit Geld nichts zu tun hat. Eher damit, dass wir älteren Kollegen in einer ganzen Reihe von Fällen den jüngeren Kollegen den Spaß an der Arbeit gekonnt versauen. Es sind viel zu viele junge Journalisten unterwegs, die sich immer und immer wieder an den vollständigen Totalignoranten unserer Branche die Zähne ausbeißen. Wenn man sich mit jungen Kollegen unterhält, dann fallen ganz oft Sätze im Sinne von: Wir würden ja gerne, aber…

Nein, ich glaube im Übrigen auch nicht, dass jeder junge Journalist automatisch ein „digital native“ ist (Karsten Lohmeyer hat seine Überraschung darüber bei seinen lousy pennies einmal sehr treffend formuliert). Aber darauf kommt es auch nicht an. In der Konsequenz ist es egal, ob sich ein junger Journalist als native fühlt oder sich doch erst langsam in die Materie einarbeitet. Entscheidend ist das Wollen. Das würde ich den allermeisten vom journalistischen Nachwuchs zubilligen. Den allermeisten – oder sagen wir: wenigstens sehr vielen – Kollegen aus meiner Alterskategorie „den 50 näher als den 40“ keineswegs. Da herrscht an ganz vielen Stellen noch so ein muffmäuliger Defätismus vor, wonach man jetzt eh nur noch ein paar Jahre durchhalten muss und so lange wird es schon noch irgendwie gutgehen. Veränderung in welchem Sinn auch immer käme da also eher ungelegen.

Blöd nur: Wir, in diesem Alter, sind diejenigen, die am längeren Hebel sitzen, wenn es um Entscheidungen geht (Achtung, Eigenwerbung: Über diese brillante Ergebnis habe ich ein ganzes Kapitel in einem ganzen Buch geschrieben). Da kann sich der liebe Journalisten-Nachwuchs noch so sehr echauffieren. Ohne uns geht gar nichts. Was zu Folge hat, dass meistens nichts geht.

Wie groß ist also das Vergnügen und die Motivation von jungen Kollegen, Journalisten werden zu wollen? Oder womöglich sogar: digital natives? (Sie werden es bemerkt haben, aber nur zur Sicherheit: diese Fragen sind rhetorisch).

Ich habe genau zu diesen Überlegungen in den letzten Wochen zweimal gesprochen. Einmal in Essen beim Gewerkschaftstag des DJV (Video) und beim „Süddeutschen Journalistentag“ in Stuttgart (Audio und ein interessanter Beitrag von Julian Heck). Zweimal habe ich vor einem Publikum gesprochen, das eher zu meiner als zu einer jüngeren Generation gehört hätte. Zweimal hatte ich überwiegend das Gefühl: Das höchster aller Reaktions-Gefühle, das ich aus meinem Publikum hervorkitzeln kann, ist so eine Art „Er hat ja nicht ganz unrecht“.

Ich weiß natürlich auch: Wenn man sich auf Veranstaltungen des DJV hinstellt, dann hat man dort ein anderes Klientel als beispielsweise bei der „re:publica“. Das Blöde ist nur: Die Entscheidet in den meisten Häusern sind eher die, die man in Stuttgart oder Essen trifft. Und nicht auf der „re:publica“. Und noch blöder: Das, was man für diesen Beruf ganz wieder dringend bräuchte, die Leidenschaft, die Begeisterung und auch die unbändige Lust, Neues zu versuchen, findet man viel mehr auf der „re:publica“ als in Essen oder Stuttgart.

Trügt also der Eindruck – oder ist es tatsächlich so? Dass da eine alte Welt selbstzufrieden langsam  kaputt geht und das gar nicht mal so viel mit dem Netz und der Digitalisierung zu tun hat? Sondern damit, dass sich schon längst irgendwo anders eine mediale und journalistische Kultur heraus bildet, die mit dem Verständnis heutiger großer Sender und Verlage gar nichts mehr zutun hat? Dass junge Medienmenschen mittlerweile es viel cooler fänden, bei Buzzfeed zu arbeiten als bei der Passauer Neuen Presse?

Denkt man sich diese Idee mal konsequent zu Ende, dann kommt man schnell darauf, dass dieser Abriss der Generationen zum eigentlichen Problem des Journalismus wird. Und nicht solche Dinge wie Zahlungsbereitschaft oder Google News. Weil nicht nur das Publikum dieses konventionellen Journalismus immer weniger wird, sondern auch die potentiellen Macher.

Und eigentlich hatte ich mir ja vorgenommen, in diesem Beitrag – wie schon in den Vorträgen – darüber zu sprechen, wie entscheidend wichtig solche Dinge wie Begeisterung und Leidenschaft für den Erhalt dieses Berufs wären. Und dass man andere halt nur begeistern kann, wenn man für seine eigene Sache auch brennt. Aber je mehr ich darüber nachdenke: Muss man wirklich eine Sache erhalten oder ihr womöglich noch nachtrauern, für die sich nicht mal mehr die eigenen Protagonisten so richtig begeistern können?

Nicht bewerben!

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Mit dieser Anzeige ist das ZDF gerade auf der Suche nach neuen Volontären. Als Voraussetzungen sind u.a. willkommen: Studienabschlüsse in Jura, Medienmanagement, Informatik, irgendwelche Naturwissenschaften. Offensichtlich nicht willkommen sind: Journalismus,  Kommunikationswissenschaften, Geisteswissenschaften.

Was zumindest eine Frage aufwirft: Was machen sie eigentlich so in diesen Studiengängen, die mit Journalismus und Kommunikationswissenschaft zu tun haben? Oder andersrum: Welchen Grund wird das ZDF wohl haben, diese Studiengänge plus die Geisteswissenschaften mehr oder weniger für unerwünscht zu erklären?

Aber hier arbeiten, nein danke!

Die Welt ist ja so einfach: Die alten Journalisten, irgendwo jenseits der 40, sind diejenigen, die irgendwie verzweifelt versuchen, den digitalen Wandel aufzuhalten. Und wenn das nicht möglich sein sollte, dann diesen Wandel einfach ignorieren.  Aber von hinten, da drängelt schon der ungeduldige, volldigitalisierte Nachwuchs – der dann in den nächsten Jahren das zu Ende führen wird, was wir Alten momentan noch blockieren.

Und dann das: Fragt man 14- bis 25-Jährige, die entweder schon Journalisten sind oder es werden wollen, nach der Mediengattung, bei der sie am liebsten arbeiten würden — dann sagen verblüffende 53 Prozent, dass sie zu irgendwas mit gedrucktem Papier wollen (mehr dazu drüben beim „Universalcode“).  Fernsehen und Radio landen weit abgeschlagen auf den hinteren Plätzen. Man mag es  als Schwäche der Umfrage sehen, dass  „Online“ als eigene Branche nicht abgefragt worden ist.

Auf der anderen Seite ist das das – möglicherweise ungewollte – Verdienst dieser Umfrage: Sie bildet  Realitäten ab. Zum einen diese hier: Nach wie vor ist es für Jung-Journalisten nicht sonderlich erstrebenswert, irgendwas mit Online-Medien zu machen. Man darf wetten: Selbst wenn man die Frage um die Online-Medien erweitert hätte, sie wären vermutlich ganz am Ende der Skala gestanden. Was im Übrigen einen hübschen Widerspruch illustriert: Nirgendwo treiben sich junge Medienkonsumenten mehr herum als im Netz. Für den Rest gilt (frei nach Tocotronic): Aber hier arbeiten, nein danke.

Und nein, diese Umfrage ist keineswegs verzerrt oder unrealistisch. Jeder, der ein bisschen mit der Ausbildung junger Journalisten zu tun hat, wird das bestätigen können: Genutzt werden Onlinemedien, geträumt wird von der Seite 3. Was für die Zeitungen eine riesengroße Chance wäre, weil sie potenziell immer noch auf die größten Ressourcen des journalistisches Nachwuchses zurückgreifen könnten. Schade, dass nicht ganz wenige Zeitungen zu ihrem potenziellen Nachwuchs momentan eher unfreundlich sind.

Für digitale Medien unterdessen heißt das: Sie bleiben nach wie vor der Job einer Minderheit. Auf Veränderung und Weiterentwicklung haben nicht allzu viele Lust. Für die alten Säcke jenseits der 40 (einschließlich mich) ist das ja dann fast schon wieder eine beruhigende Nachricht. Für den Journalismus eher nicht.

Der „Universalcode“ auf Papier

Es hat – zugegeben – ein bisschen gedauert, bis es den „Universalcode“ wieder auf Papier gab. Jetzt aber läuft er gerade durch und sollte spätestens ab Miete Februar wieder gedruckt erhältlich sein. Ein paar Kleinigkeiten haben sich geändert. Die ich nicht nur aus Transparenzgründen offenlegen möchte, sondern auch, weil sie gleichzeitig eine Erklärung für die etwas längere Nicht-Erhältlichkeit sind:

1. Es gibt einen neuen Verlag für das Buch – den „Eff Ess Verlag“.Deswegen hat das Buch jetzt auch eine neue ISBN-Nummer und auch deswegen musste es komplett neu bei Amazon und all den anderen neu eingestellt werden. Das klingt jetzt erstmal nach einer reinen Formalie, ist aber nicht ganz so trivial. Und es hat uns vor allem Zeit gekostet.

2. Das Buch ist bei „Euryclia“, dem bisherigen Verlag nicht mehr erhältlich, auch bei freundlichem Nachfragen und gutem Zureden nicht. Bitte schreibt „Euryclia“ nicht mehr an.

3. Das Buch ist ein kleines bisschen teurer geworden. Nicht viel, genauer gesagt um 1,05 Euro. Das hat einen einfachen Grund: Der Druck ist fast doppelt so teuer wie beim letzten Mal. Dafür ist er aber auch hochwertiger, besseres Papier. Es hat jetzt exakt 596 Seiten, ich denke, dafür sind 29,90 Euro immer noch ein extrem nutzerfreundlicher Preis, vor allem, wenn man andere, gewinnorientierte Projekte so anschaut. Bei einer Fast-Verdoppelung der Druckkosten ging das leider nicht anders, sorry. Und als kleiner Einblick für alle Interessierten: Wir haben tatsächlich immer noch ein Angebot bekommen, das für einen Druck dieser Qualität ausgesprochen günstig war.

4. Das Buch kann ab sofort beim Verlag bestellt werden. Oder bei mir via cjakubetz ät gmail dot com. Es ist über Amazon und andere Onlineshops erhältlich und natürlich überall im Buchhandel.

5. Unbeschadet dessen gibt es natürlich – ohne Unterbrechungen – die E-Book-Version, u.a. für Amazons Kindle und für Apple-Geräte. Zudem sollten alle anderen halbwegs gängigen Formate ebenfalls zu bekommen sein. Beim E-Book-Preis wollten wir, wie schon mal erwähnt, mal ein Zeichen setzen und haben deswegen de elektronische Ausgabe erheblich günstiger gemacht: 19,90.